2366

global news 2366 03-05-11: Haben wir nun Inflation? Albrecht Müller (Nachdenkseiten) verharmlost die Preisentwicklung, warum?

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20 Antworten zu 2366

  1. Brick sagt:

    http://www.businessinsider.com/germany-core-inflation-jump-2011-4

    Uhu, vieleicht 1,2 % core inflation…. all hell breaks loose. Die Zahl 2,4 % wird doch tatsächlich genutzt um fehlgeleitete Zinsschritte zu rechtfertigen.

    Wen trifft denn eigentlich ein Zinsschritt, welcher NULL Einfluss auf commodities hat? Wie beeinflusst ein Zinsschritt Großbrände in Rußland oder Überschwemmungen von Reisanbaugebieten? Erhöht er die Ölproduktion in Saudi-Arabien? Sollen wir über Deflation von anderen Gütern und steigende Arbeitslosenzahlen die Preise für andere Güter drücken, um so der horrenden Inflation beim Sprit entgegenwirken zu können?

    Ich denke wir Deutschen sollten über einen gewissen Zeitraum Inflation in Kauf nehmen, damit die schwachen euröpäischen Länder nicht noch zusätzlich und IMO unnötig belastet werden. Core Inflation wird doch bei über 7 % Arbeitslosen und sinkenden Reallöhnen nicht plötzlich ausufern. Statt Zinserhöhungen könnten wir die Preisentwicklung auch über Steuern steuern. Ja, unsere derzeitige Regierung kennt nur eine Richtung bei den Steuern aber eine Erhöhung ab mittleren Einkommen wird die Inflation dämpfen und gleichzeitig den Bundeshaushalt stützen.

    Das Gewinsel über unsere absolut harmlose Inflation, das ja schon seit letztem Jahr läuft, kann ich nicht ab. Sie ist im Rahmen, nicht gefährlich und zeigt nur, dass sich die Lage in Deutschland verbessert und, dass wir vom Öl loskommen müssen. Unsere Einfuhrpreise weisen trotz des steigenden Euros als einzige eine im Vergleich beunruhigende Steigerung auf.
    http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Statistiken/Preise/DiagrammeStartseite/StartdiagrammEinfuhrpreise/Einfuhrpreise.psml

    • globalnote sagt:

      Ich kann nur wiederholen: Eine Inflationsrate von zuletzt 2,6 % bei Lebensmitteln und sonst 2,4 % wäre harmlos, wenn sich in Deutschland Löhne, Renten und Sozialleistungen inflationsangepaßt oder besser entwickeln würden. Aber gerade das ist nicht der Fall. Die 2,6 % fressen an den Einkommen der sozial Benachteiligten und an den kleinen Altersersparnissen der ebenfalls sozial Benachteiligten, nicht der Vermögenden, wie Müller meint. Das ist die Realität, an die Müller denken sollte.

      Ob die EZB mit höheren Zinsen sehr viel erreichen kann, mag zweifelhaft sein. Allerdings sind die extrem niedrigen Zinsen auf Dauer für die Wirtschaft insgesamt ungesund. Sie verführen zur Kreditaufnahme, die sich bei Unternehmen und Individuen am Ende als gefährlich herausstellen wird. Müllers Mutmaßung, daß die EZB den Spiegel direkt oder indirekt für seinen Kommentar bezahle, ist jedenfalls ziemlich lächerlich. Außerdem kann Preissteierungen, egal wo sie herkommen, nun mal nur mit weniger kreditgetriebener Nachfrage entgegen gewirkt werden.

      Die Tendenz zu wesentlich mehr Inflation scheint jedenfalls eindeutig zu sein (schauen Sie nicht nur auf die Einfuhrpreise, auch die Erzeugerpreise und die Großhandelspreise gehen stark nach oben). Für die schlimmsten Krisenländer der Eurozone führt an einer Umschuldung ohnehin kein Weg vorbei, je eher – je besser.

    • NN sagt:

      Hallo,

      Core Inflation ( http://en.wikipedia.org/wiki/Core_inflation ) schliesst gerade Nahrung und Energie aus, besonders wichtig fuer untere Einkommensschichten. D.h. wenn die Core Inflation gut (ca 50%) unter der gemeldeten Inflationsrate liegt, dann muss die Inflation von Nahrung und Energie ordentlich ueber der gemeldeten Inflationsrate liegen (wie Dr. Jahnke auch schoen zeigt). Bei ruecklaeufigen Realeinkommen kein tolle Entwicklung.

      PS: Die Bezeichnung von “core inflation” fuer alles AUSSER Nahrung und Energie ist wirklich Orwellsches Neusprech, meiner Meinung nach.

      • Brick sagt:

        @NN – Newspeak?
        Nein ist es nicht, da wie ich gehofft hatte dazulegen Nahrungsmittel sowie Ölpreis kaum beeinflussbar sind. Nur an Core Gütern lässt sich ein tatsächlicher Inflationsdruck ablesen. Bitte auch den zweiten Absatz lesen – soviel Zeit muss sein.

        @ JJ
        Ich stimme mit ihnen größtenteils überein. Die unangebrachte Niedrigzinspolitik der FED hat ja stark zur Krise beigetragen.
        Man darf aber nicht vergessen, dass eine gewisse Inflation einfach eine Verbesserung der Arbeitslosensituation bedeutet. IMO ist die Inflation in D im Augenblick einfach ein side-effect der durchaus positiven Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt; sobald die Arbeitslosenzahlen Richtung 6 % gehen müssen wir anfangen uns Sorgen um Zinserhöhungen machen, aber im Augenblick empfinde ich die Entwicklung gerade auch im Hinblick auf Arbeitslose als positiv.

        Es ist Aufgabe der Gewerkschaften Lohnsteigerungen auszuhandeln, welche die Inflation ausgleichen. Diese haben sie in den letzten 20 Jahren nicht wirklich wahrgenommen. (Für Geringverdiener bringt das wenig aber da könnte der Staat ohne weiteres über einen Mindestlohn eingreifen)

        Für die Menschen die weiter arbeitslos bleiben und wohl auch für Rentner ist die Entwicklung schlecht. Dass es bei Hartz 4 keine automatische Anpassung an die Inflation gibt ist für mich verfassungswidrig, denn egal welche Grundlage man für die Berechnung der nötigen Ausgaben verwendet, innerhalb eines Jahres ist diese bereits wieder Makulatur.

      • globalnote sagt:

        Auch die Zinspolitik der EZB hat mit erheblichen Negativ-Zinsen große Gefahren, weil sie die Liquidität aufbläst, damit die Inflation antreibt und weil schon wieder erheblich auf billigsten Kredit spekuliert wird bzw. in hochriskante, dafür aber besser verzinste Anlagen gegangen wird. Der Arbeitsmarkt dürfte damit wenig zu tun haben. Denn der wird vor allem vom Export angetrieben und immer mehr Billigstjobs (ganz abgesehen von der Datenmanipulation und dem demographischen Effekt).

        Sie können das Problem der von der Inflation angefressenen Löhne nicht einfach auf die Gewerkschaften verschieben. Die sind in Deutschland unter dem Druck politisch verweigerter Mindestlöhne, jetzt auch noch der Billigstarbeitskräfte aus Osteuropa und ständiger Verlagerungsdrohungen der Unternehmen. Außerdem sind inzwischen viel zu viele Unternehmen außerhalb der Tarifbindung.

        Daß jemand wie Albrecht Müller nicht an die Auswirkung der Inflation auf Harz-4 und Rentner denken kann, ist für mich unverständlich und ein absolutes Ärgernis, da er mit Nachdenkseiten immer vorgibt, in deren Interesse wirken zu wollen.

  2. Lionheart sagt:

    Inflation oder Teuerung ?
    Was denn nun ?: Inflation, Teuerung oder doch nur eine Preiserhöhung?
    Um das herauszufinden, muß man entweder damals in der Schule aufgepasst
    haben, oder man muß ein Buch besitzen, welches den Unterschied verständlich beschreibt.

    Seit vielen Jahren erlebe ich jedes Jahr, daß Schulabgänger überhaupt keine Ahnung
    von Volkswirtschaft haben. Niemand kann mir einen Wirtschaftskreislauf oder den
    Unterschied zwischen Inflation und Deflation erklären.
    Die Schulabgänger mit denen ich zu tun habe, sind Hauptschüler oder Realschüler
    mit Abschluß der 10. Klasse.
    Meiner Meinung nach werden Schüler heutzutage absichtlich, unzureichend unterrichtet,
    damit man Ihnen später jeden Bären mithilfe der Medien aufbinden kann.

    Nun aber zum Thema: Ist jede Preiserhöhung eine Inflation ?
    Nein, selbstverständlich nicht. Man kann eine Teuerung aus irgendwelchen
    Gründen Kosteninflation nennen. Dieser Begriff wird im Internet erklärt.
    In meinen älteren Schulbüchern finde ich diesen Begriff nicht.
    Aber eine Preiserhöhung ist nicht automatisch eine Inflation.

    Das Kennzeichen einer wirklichen Inflation, ist die Ursache für die darauf folgende
    Preis- und in der Regel auch Lohnsteigerung.

    Ich zitiere aus einem “Wirtschaftskunde” Fachbuch vom Ernst-Klett Verlag von 2008:
    (ISBN 978-3-12-882710-0)

    “Wird von den am Wirtschaftsleben beteiligten Gruppen (Unternehmen, Staat, Haushalte)
    mehr nachgefragt, als Waren vorhanden sind, und steht für diese höhere Nachfrage
    mehr Geld zur Verfügung, wir der notwendige Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage
    über Preiserhöhungen erfolgen. Das Ergebnis ist eine Inflation…….”

    So wurde es auch in den 70er Jahren in den Schulen gelehrt.
    So ist es auch richtig.

    Fazit:
    Es muß also bei den Verbrauchern, die kaufen wollen, die Möglichkeit bestehen, daß sie mehr
    kaufen können. Die Verbraucher müssen also auch mehr Geld haben um mehr (Anzahl) Waren
    zu kaufen. Wenn Preise steigen, z.B. weil wieder mal irgendwelche Steuern und Abgaben
    erhöht werden oder weil irgendein Unternehmen mehr Gewinne machen will, dann ist das erst
    einmal eine Teuerung. Das bedeutet, daß die Verbraucher erstmal weniger kaufen können,
    da sie ja nicht automatisch mit jeder Teuerung auch mehr Geld haben. Für das monatlich
    zur Verfügung stehende Einkommen kann also erstmal weniger gekauft werden.
    Wenn die Nachfrage zurückgeht, weil die Verbraucher weniger (mengenmäßig) kaufen können,
    da die Preise ja gestiegen sind, dann bedeutet das also erstmal Deflation.
    Für die Gütermenge steht erstmal weniger Geld zur Verfügung.
    Wenn jemand jede Teuerung als Inflation bezeichnet, dann mangelt es bei diesen Personen wirklich
    an Bildung. Auffällig ungebildet in diesem Gebiet ist wirklich die Presse.

    Herr A.Müller hat sich zwar etwas hart ausgedrückt, aber er kennt scheinbar den Unterschied
    zwischen Preiserhöhung und Inflation.

    • globalnote sagt:

      “Es muß also bei den Verbrauchern, die kaufen wollen, die Möglichkeit bestehen, daß sie mehr
      kaufen können. Die Verbraucher müssen also auch mehr Geld haben um mehr (Anzahl) Waren
      zu kaufen. Wenn Preise steigen, z.B. weil wieder mal irgendwelche Steuern und Abgaben
      erhöht werden oder weil irgendein Unternehmen mehr Gewinne machen will, dann ist das erst
      einmal eine Teuerung.”

      Das stimmt so nicht, weil es auch die Kreditfunktion gibt und gerade die ist von der Zinssetzung der EZB abhängig. Lange Zeiten von Negativzinsen sind nicht gut, weil sie zu leichtfertiger Kreditaufnahme verführen und weil das Sparkapital vermindert wird, das die Volkswirtschaft für Investitionen braucht. Die derzeit erheblich steigenden Preise sind dabei auch ein Ergebnis der künstlich holchgefahrenen Geldschöpfung der Zentralbanken. Vergessen wir nicht, daß langfristig viel zu niedrige Zinsen an der letzten Krise (die ja noch nicht vorbei ist) mit schuld waren. Sie können es nun auch an der nächsten sein, wenn wieder auf Kredit spekuliert wird, was übrigens längst begonnen hat. Dabei ist der semantische Unterschied zwischen Inflation und Teuerung nicht so wichtig. International wird sowieso der Begriff Inflation (oder Deflation) gebraucht. Nur die Deutschen, denken bei Inflation immer gleich an die 30er Jahre.

      • Lionheart sagt:

        Zitat:
        “Lange Zeiten von Negativzinsen sind nicht
        gut, weil sie zu leichtfertiger Kreditaufnahme verführen.”

        Soweit ich weiß, waren die Zinsen zwar niedrig, aber nicht negativ.
        Man darf die Auswirkungen der Zinsveränderungen nicht zu hoch
        bewerten. Die Zahlungsfähigkeit und Kreditwürdigkeit der Verbraucher hat hier einen
        deutlich höheren Einfluss.
        Die Behauptungen, daß der Zinssatz einen großen Einfluss auf
        die Kreditaufnahme der Unternehmen und Verbraucher nimmt,
        ist schwer nachvollziehbar. Dafür gibt es einen einfachen Grund:
        Wenn jemand ein Kredit aufnehmen will um z.B. ein Haus zu kaufen,
        dann kann er doch gar nicht wissen, ob der Zinssatz hoch oder
        niedrig ist. Er weiß nämlich nicht, ob er morgen, nächste Woche
        oder in einem Jahr noch höher oder wirklich niedriger ist.
        Als es in den 70er, 80er, und 90er Jahren zum Hausbauboom kam,
        dann war mit Sicherheit der aktuelle Zinssatz der Banken in den wenigsten
        Fällen der Grund, welches die Entscheidung “Ja, ich baue” oder “Nein, ich warte noch”
        beeinflusst hat, weil niemand wusste ob der Zinssatz weiter steigt oder fällt.
        Der Hauptgrund für die Entscheidung zum Hausbau waren die
        Steuervorteile und die Eigenheimzulage.

        …und das Sparkapital vermindert wird, das die Volkswirtschaft für Investitionen
        braucht.”
        Das Sparkapital wird nirgendwo gebraucht und ist unwichtig, bzw. sogar
        schädlich für die Volkswirtschaft, weil es nicht in Umlauf ist. Sämtliches
        Geld wird durch Kredite neu ins Wirtschaftssystem gebracht.(Inland)
        Wenn also jemand Geld durch Sparen zurückhält, dann fehlt dieses
        Geld irgendwo zur Schuldentilgung.
        Die Behauptung, daß die Bank Spargelder dringend braucht um das Geld
        wieder zu verleihen, ist ein Kindermärchen.

        Dipl.-Kfm. Thomas G. Betz, hat dazu einen gut verständlichen Beitrag
        geschrieben unter http://www.monetative.de.
        Dort unter “Texte” klicken und den Beitrag “Geldschöpfung per Kredit
        und die Auswirkung”.
        Eine Bank hat mir bestätigt, daß die Informationen dieses Beitrages 100%
        korrekt sind.

        Zitat:
        “International wird sowieso der Begriff Inflation (oder Deflation) gebraucht.”

        Genau daran erkennt man internationale Bildungsmängel oder gewollte
        “Volksverdummung”.

        “Nur die Deutschen, denken bei Inflation immer gleich an die 30er Jahre.”

        Das ist wohl das, was man durch dieses Inflationsgequatsche erreichen
        will. Die Menschen sollen Angst vor einer Geldentwertung bekommen
        und deshalb ihr Geld ausgeben und durch Verschuldung weiteres Geld
        ins Wirtschaftssystem bringen, zur Freude der Regierung. Dies erhöht
        nämlich u.a. die Steuereinnahmen
        und die Gewinne der Unternehmen.

      • globalnote sagt:

        „Genau daran erkennt man internationale Bildungsmängel oder gewollte „Volksverdummung“.“

        Wenn Sie die Deutschen für gescheiter als alle Anderen halten, ist das Ihre Sache. Ich bin da anderer Meinung.

        „Soweit ich weiß, waren die Zinsen zwar niedrig, aber nicht negativ.”

        Sie irren, die US Fed hatte den Zins lange Zeit bei 1 %, die EZB bei 2 %, was entscheidend zur Aufblähung des Kreditvolumens und der folgenden globalen Finanzmarktkrise beitrug. Die Inflationsraten in der Eurozone und in USA lagen in dieser Zeit höher. Seit 2010 sind die realen Zinsraten der EZB erneut negativ. Sie sollten sich besser informieren (siehe auch hier: http://www.jjahnke.net/index_files/16285.gif).

        „Man darf die Auswirkungen der Zinsveränderungen nicht zu hoch bewerten. Die Zahlungsfähigkeit und Kreditwürdigkeit der Verbraucher hat hier einen deutlich höheren Einfluss. Die Behauptungen, daß der Zinssatz einen großen Einfluss auf die Kreditaufnahme der Unternehmen und Verbraucher nimmt, ist schwer achvollziehbar. Dafür gibt es einen einfachen Grund: Wenn jemand ein Kredit aufnehmen will um z.B. ein Haus zu kaufen, dann kann er doch gar nicht wissen, ob der Zinssatz hoch oder niedrig ist. Er weiß nämlich nicht, ob er morgen, nächste Woche oder in einem Jahr noch höher oder wirklich niedriger ist.“

        Sie sind wirklich nicht ausreichend informiert. Die Liquiditätsflut, die zur letzten Krise führte, war nicht zuletzt ein Ergebnis zu lange zu niedriger Zinsen. Sie verkennen, daß es Festzinsvereinbarungen gibt und daß Unternehmen und vermögende Kreditnehmer die Zinsentwicklung hedgen können, sich also gegen Zinssteigerungen absichern können. Vor der letzten Krise ist sehr viel auf Kredit spekuliert worden, weil Kredite so billig waren. Auch gingen die Spekulanten in hochriskante Anlagen, weil die viel besser verzinst waren als Staatsanleihen, etc. Die Immobilienkrise in USA, Spanien, Irland und Großbritannien war ebenfalls ein Ergebnis zu niedriger Zinsen (in Deutschland hat es nie einen richtigen Hausbauboom gegeben). Sie dürfen nicht alles aus der Perspektive des deutschen Kirchturms beurteilen. Die EZB ist in ihrer Zinspolitik nun mal nicht nur für Deutschland da.

        „Das Sparkapital wird nirgendwo gebraucht und ist unwichtig, bzw. sogar schädlich für die Volkswirtschaft, weil es nicht in Umlauf ist. Sämtliches Geld wird durch Kredite neu ins Wirtschaftssystem gebracht.(Inland) Wenn also jemand Geld durch Sparen zurückhält, dann fehlt dieses Geld irgendwo zur Schuldentilgung. Die Behauptung, daß die Bank Spargelder dringend braucht um das Geld wieder zu verleihen, ist ein Kindermärchen.“

        Wenn Sie mir die Verbreitung von Kindermärchen vorwerfen wollen, werden Sie beleidigend. Von Volkswirtschaft scheinen Sie jedenfalls verdammt wenig zu verstehen, wenn Sie das Sparkapital für unwichtig erklären. Es ist immer noch auf dem Umweg über die Banken die normale Finanzierungsquelle für die Kreditaufnahme. Kommerzielle Banken können Kredite nur im Bilanz-Verhältnis zu ihren Passiva, zu denen vor allem die Kundeneinlagen gehören, gewähren. In Deutschland sind vor allem die Sparkassen und Genossenschaftsbanken die Hauptsammelstellen der Ersparnisse, aus denen sie vor allem mittelständische Unternehmen, aber auch private Kreditnehmer und Hypothekennehmer finanzieren.

        Wer spart, hält nicht Geld zurück, sondern stellt es der Volkswirtschaft gegen einen Zins zur Verfügung. Die Zeiten, in denen Menschen nur unter dem Kopfkissen sparten, sind längst vorbei. Daran ändert auch ein Herr Betz oder irgend eine Bank, die Sie vielleicht nicht richtig verstanden haben, nichts. Ich empfehle noch einmal, daß Sie sich besser informieren und nicht in zweifelhaften Quellen.

        „Das ist wohl das, was man durch dieses Inflationsgequatsche erreichen will. Die Menschen sollen Angst vor einer Geldentwertung bekommen und deshalb ihr Geld ausgeben und durch Verschuldung weiteres Geld ins Wirtschaftssystem bringen, zur Freude der Regierung. Dies erhöht nämlich u.a. die Steuereinnahmen und die Gewinne der Unternehmen.“

        Da liegen Sie wieder total falsch. Die Inflation hat den umgekehrten Effekt in Deutschland. Die Deutschen haben noch mehr Angst vor Armut im Alter oder schon zeitlich davor und sparen noch mehr und so geht z.B. der Einzelhandelsumsatz laufend zurück. Die Inflationsangst ist zudem ein deutsches Phänomen (siehe mein eigener Hinweis), das aus der Geschichte kommt, und nicht erst herbeigeredet werden muß. Die EZB als der Geldwerthüter der Geldwertstabilität wirkt eher beruhigend. Außerdem träumen sehr viele Deutsche der DM und der alleinseligmachenden Bundesbank nach, auch kaum ein Ergebnis von Regierungs- oder Medienpropaganda, sondern eher eine Mentalitätsfrage. Ihre Mutmaßungen liegen dagegen neben der Sache.

  3. Jens sagt:

    Als Inflation versteht er vielleicht die Inflationen in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts, wobei dieses Argument auch mit den anderen kombiniert werden kann.

  4. Kalle sagt:

    Und so schrieb ich die Nachdenkseiten bezüglich der Inflation an:

    “Sehr geehrte Nachdenkseiten,

    es ist beruhigend für mich festzustellen, dass sich kompetente Fachleute, oder die sich als solches bezeichnen, darüber streiten,ob wir derzeit eine Inflation haben oder nicht. Das ist mir auch scheiß egal. Für mich steht allerdings fest : Für 100 Euro, die ich jetzt zur Verfügung habe, hätte ich 1991 das 3-fache an Waren oder Dienstleistungen bekommen, als ich heute dafür bekomme.”

  5. Gerald Schröder sagt:

    Hallo Herr Jahnke,

    eine kritische Betrachtung der Nachdenkseiten ist notwendig und richtig. Ich bitte Sie und Herrn Müller, sich dabei auf die inhaltlichen Aspekte zu konzentrieren und von Beleidigungen abzusehen. Grundsätzlich gibt es mit Sicherheit mehr Gemeinsamkeiten als Differenzen in Ihren jeweiligen Ansichten.

    Viele Grüße
    G. Schröder

    • globalnote sagt:

      Vielen Dank. Habe nur Müllers Stil gegenüber Spiegel-online persiflierend aufgegriffen. Leider habe ich mit Müller eine Reihe aktueller sachlicher (nicht persönlicher) Differenzen. Nachdenkseiten müßten vor allem viel gründlicher recherchieren, bevor aus der Hüfte und in der Nähe der Links-Partei geschossen wird.

  6. Gaby sagt:

    Hallo in die Runde,

    ich denke, die Inflation, die ja nur eine der vielen Krisenpotenzen des Kapitalismus ist, speist sich zum einen aus dem Staatskonsum in die Rüstungsindustrie und zum anderen aus den spekulativen Blasen der Börsen, bzw. die Kreditaufnahme aufgrund geringer Zinsen, also die Vorwegnahme des realen Geldes, das aber, und das wird gerne vergessen, nur in der industriellen Wertschöpfungskette entstehen kann. Fiktiv erzeugtes Geld hat keine Zukunft, die ökonomische Zukunft eines darauf gestützten Volkes schrumpft unweigerlich auf Null, sie inflationiert.

    Für den durch reale Steuereinnahmen nicht gedeckten Staatskonsum zwecks militärischer Aufrüstung gibt es in der Geschichte einige Beispiele, etwa die Assignaten während der Französischen Revolution oder der Papierdollar während des US-amerikanischen Bürgerkriegs in der Mitte des 19. Jhr oder die Darlehenskassenscheine des Deutschen Reiches. Nicht vorhandenes Geld wurde ganz einfach per Notenpresse gedruckt um militärisch aufzurüsten zu können. Diesen Kosten folgte kein adäquater Steuerertrag aus der Realwirtschaft, es waren tote Kosten. Es waren durch die Realwirtschaft nicht gedeckte Kosten und sie wurden auch nicht durch reale Wertschöpfung nachträglich gedeckt, wollten aber dennoch bezahlt werden. Die Notenbanken ächzten vor Arbeitseinsatz, entwerteten also den Wert des Geldes systematisch.

    Bei Aktienspekulationen, auch Finanzblasen genannt, handelt es sich teilweise auch um extrem viel fiktives Kapital, gespeist aus irreal steigenden Aktienkursen oder Immobilienpreisen, allerdings dieses Mal auf der Ebene des Privatkapitals. Zur Inflation kommt es unweigerlich, wenn das fiktive Kapital in die reale Wertschöpfungskette einfließt, also aus dem Nichts in den Konsum der Immobilien, Möbel, Autos, Jachten, Partys, Privatschulen etc. fließt.

    Lieber Lionheart,

    in ökonomischen Lehrbüchern ist stets zu lesen, dass sich die Preise aus dem Marktgesetzt von Angebot und Nachfrage als Nachfrageschub aufgrund wertschöpfend (!!) verdienter Einkommen niederschlägt. Das stimmt aber ganz und gar nicht, denn diese sterilen, theoretischen Modelle berücksichtigen nicht den fiktiven Staatskonsum und auch nicht das fiktive Geld, das im Finanzhimmel entsteht und auch nicht den billigen Kredit, der als Investition oder Konsum der wertschöpfenden Zukunft vorweg genommen wird. Diese antiseptischen Ökonomiemodelle sind weder auf die menschliche niedere Psyche ausgerichtet, noch involvieren sie konkurrenzgetriebene menschliche Macht- und Geldgier. Es ist gut, dass die Kids heutzutage nicht (!!) den ökonomischen Unsinn aus dem 20. Jhr. lernen, sie könnten Dich, den Unternehmer, extrem in Frage stellen, sofern sie eine aufgeklärte Bildung der kapitalistichen ökonomischen Bildung erhielten.

    Was den Kids tatsächlich fehlt, ist eine kritische Bestandsaufnahme des Kapitalismus, der sie befähigt, sich von diesem Konstrukt emanzipieren zu können. Aber das wünschst Du Dir als Arbeitgeber sicher nicht, gelle?! Deine jugendlichen Bewerber sind also nicht dumm, sondern nur unaufgeklärt – staatlicherseits absichtlicht!!!!

    Lieber Kalle,

    aber ganz egal, wie man es betrachtet, das reale wie fiktive Kapital erfährt unausweichlich einen Entwertungsschock. Das private Kapital wird durch den Crash, den Verfall der Aktien- und Immobilienpreise entwertet; das staatliche fiktive Kapital samt viel zu weniger realer Steuereinnahmen wird durch die Geldentwertung per Steigerung der unausweichlich steigenden Notenpresse entwertet. Beide Fälle resultieren in großen Verlusten von realen wie fiktiven Geldvermögen. Das ist der Grund, warum ich vor wenigen Wochen auf dieser Plattform schrieb, dass sich Geld nicht in die Zukunft hinein sparen lässt und Du aktuell geschrieben hast, dass es Dir darum geht, was Du heute für 100 Euro kaufen kannst. Recht hast Du mit Deiner Betrachtung der Ökonomie.

    An alle Mitlesenden,

    das Thema “Inflation” ist ein heißes Eisen, so heiß jedenfalls, dass so manchem linksgerichteten Genossen die Synapsen schrumpeln, er sich gar in den Fängen weltverschworener Geldmonster wähnt.

    Da ist es ehrlicher, waschechten Wirtschaftsliberalen zuzuhören, wie sie die Inflation in den Griff kriegen wollen und jeder Experte hat dazu seinen eigenen Vorschlag und watscht die Vorschläge seiner Kollegen konsequent ab, was mal wieder beweist, dass die Ökonomie keine Wissenschaft ist. Aber in einem Punkt sind sie sich, die Deutschen wohlgemerkt, wie durch Magie, völlig einig: Die deutschen Löhne dürfen auf gar keinen Fall steigen – das macht die ganze deutsche wie europäische Wirtschaft kaputt. Ich halte das für einen Arbeitgeber schützenden Standpunkt, denn was bleibt uns Deutschen, gefangen im Euro-Währungsverbund, für ein Werkzeug übrig, die Inflation im eigenen Land zu begrenzen, als die Löhne in zweistelliger Zahl zu erhöhen, eine Maßnahme, die seit dem Jahr 2000 längst hätte erfolgen müssen.

    Was Herr Müller diesbezüglich für einen Unsinn geschrieben hat.., wundert mich nicht. Strenggenommen ist “die Linke” seit 500 Jahren immer nur der linke Flügel des Wirtschaftsliberalismus gewesen und ist deshalb zu keiner ernsthaften antikapitalistischen Sicht- bzw. Handlungsweise fähig. Aber statt sich das endlich einzugestehen, verweisen die Genossen lieber auf einen sich evolutionierenden Weltgeist, entschuldigen ihr unkritisches, einknickendes Verhalten mit der globalisierten Weltvernunft und, wenn alle Stricke reißen, werden Verschwörungen gesponnen. So wird das nichts mit der Aufklärung des durch das Kapital geknechteten Menschengeschlechtes!!! Die Geknechteten fühlen sich doch grenzenlos veräppelt, weil alle linke Theorie im schwarzen Alltag des real existierenden Kapitalismus versumpft!!!

    Da bevorzuge ich Dr. Jahnkes Texte, die voller Fakten stecken und der nicht zu feige bzw. unfähig ist, linken Wahnvorstellungen die rote Karte zu zeigen. Danke für Ihre treffende Gegendarstellung, auch auf dieser Diskussionsplattform. Wenn ich Unsinn geschrieben haben sollte, nehme ich Ihre Korrekturen gerne an und denke darüber nach; es wird mich vorwärts bringen.

    Herzliche Grüße

    Gaby

    • globalnote sagt:

      Inflation entsteht immer, wenn mehr Nachfrage auf ein nicht ausreichendes Angebot stößt, natürlich nur dort, wo es echten Wettbewerb gibt, was oft nicht der Fall ist. Nachfrage ist staatliche und private, vieles davon kreditgestützt und vom Zinssatz abhängig. Dabei hatte die EZB vor der Krise viel zu lange real negative Zinssätze und seit 2010 auch wieder (siehe hier: http://www.jjahnke.net/index_files/16285.gif). Vieles der zusätzlichen Nachfrage auf den Weltmärkten kommt nun aus China.

      Die Nachfrage nach Rüstungsgütern spielt bei der Eurozone kaum eine Rolle, weil der Umfang dieser Industrie vergleichsweise gering ist und weil die Preise für Rüstungsgüter nicht zu den Verbraucherpreisen gehören und auch nur zu kleineren Teilen z.B. über Energie oder Stahl die eigentlichen Verbraucherpreise beeinflussen können.

      Beste Gruesse
      Joachim Jahnke

  7. Lionheart sagt:

    Zitat:
    “Wenn Sie mir die Verbreitung von Kindermärchen
    vorwerfen wollen, werden Sie beleidigend.”

    Sehr geehrter Herr Jahnke,
    meine Beitrag bezieht sich auf die Schönfärberei
    und Halbwahrheiten aus der Tagespresse.
    Ich kritisiere also die Medien mit Ihrer
    verharmlosenden und teils falschen Darstellung
    von Fakten.
    Ich werfe Ihnen persönlich gar nichts vor
    und will auch nicht beleidigen.
    Wenn das aus meinem schnell verfassten Text
    falsch herüberkam, dann entschuldigen
    Sie bitte, das war nicht meine Absicht.

  8. Brick sagt:

    @JJ – Gewerkschaften
    Es ist die Hauptaufgabe der Gewerkschaften gerechte Lohnsteigerungen auszuhandeln. Schaffen sie das nicht und besitzen danach noch die Unverschämtheit eine jährliche Steigerung um 1,5 % über 2 Jahre als Vertragsabschluss über mehr als 3 % zu verkaufen, bin ich nicht sonderlich gewillt diese positiv zu bewerten. Ja Druck ist da und groß aber IMO fehlt irgendwie, außer bei den Lokführern, der Wille zu kämpfen. Der Gedankengang scheint mir:
    Globalisierung = Schicksal = ergeben
    Ich sehe in der Freizügigkeit keine Bedrohung sondern eine Stabilisierung des Euros und Stärkung Europas als Ganzes. Es gibt doch kaum noch Arbeiten, welche ohne Sprachkenntnisse durchgeführt werden können, und bei denen nicht schon jemand ohne Deutschkenntnisse beschäftigt ist. Ich denke, dass eher eine größere Einwanderung von Hochqualifizierten zu erwarten ist.
    Ja sicher ist die EZB – Politik birgt Gefahren aber ich halte diese nicht für akut. Ein gutes Indiz ist ja da die Core Inflation. Ich denke auch, dass im augenblick noch zuviel Nervosität vorherrscht als das es plötzlich zu riesigen Spekulationsblasen kommt. Es gibt/gab Blasen bei Silber, Gold vielleicht auch Öl aber ich glaube, dass diese Leute sich nur selbst ins Bein geschossen haben und die Gefahr für die Gesamtwirtschaft ist derzeit IMO noch gering ist.

    • globalnote sagt:

      Ich wünschte mir auch härter kämpfende Gewerkschaften, die sich weniger wohl an den Vorstandstischen der Mitbestimmung fühlten. Doch mit den Lokführern dürfen sie nicht vergleichen. Da droht keine Verlagerung und kein Niedrigstlohndruck und das Publikum als Streikopfer zu nehmen, während man selbst Monopolbetrieb ist, ist allemal leichter und erfolgversprechender als irgendeinen beliebigen Betrieb zu bestreiken.

      Die Freizügigkeit einer sehr großen Zahl von Billigstarbeitskräften auf einen Schlag ohne Begrenzung und das, während wir noch Massenarbeitslosigkeit haben, ist eine Bedrohung, zumal weil die deutschen Arbeitgeber den Lohndruck ausnützen werden. Mit deutschen Sprachkenntnissen werden z.B. Polen noch nicht zu Hochqualifizierten. Solche konnten übrigens auch in der Vergangenheit unbrenzt einwandern (mit einem Mindesteinkommenssockel), doch da sind die Arbeitsmärkte in Großbritannien, Frankreich und Skandinavien weit interessanter, weil besser bezahlend. So rechnet denn auch die Bundesanstalt für Arbeit eher mit Druck auf die weniger Qualifizierten, die normale Handarbeiten verrichten.

      Bei der negativen Zinspolitik bin ich vorsichtiger, schon aus der Erfahrung. Spekulationsblasen bauen sich langsam auf, die letzte über sehr viele Jahre, womit ich nicht die Edelmetallblasen meine, die keinerlei Gefahr für die Volkswirtschaft darstellen. Die Core Inflation sagt sehr wenig, denn die meisten Verbraucher sind auf Nahrungsmittel und Energie angewiesen, gerade wenn sie zu den weniger gut Betuchten gehören und große Anteile ihres Einkommens darauf verwenden. Die EZB macht die Niedrigzinspolitik doch nur, weil die Banken aus dem Zentrum so viel an der Peripherie in den Krisenländern investiert haben und weil die Exportindustrie den Euro schwächer sehen will (obwohl das die Energiepreise und viele Nahrungsmittelpreise weiter hochtreibt), sonst würde sie viel energischer intervenieren. Im Übrigen müssen wir uns längerfristig schon deshalb massiv auf einen Inflationsschub einrichten, weil China eine sehr hohe Inflation verzeichnet und dort die Billigstarbeitskräfte langsam Mangelware werden (auch wegen der 1-Kind-Politik). Längerfristig ist in meinen Augen die Inflation die eigentliche Gefahr für Lohnempfänger bei schwachen Gewerkschaften, und natürlich erst recht für Sozialleistungsempfänger und Rentner.

      Zum Thema China, hier ein Auszug aus meinem letzten Wochenbrief:

      4. Faktor China u. Co.

      Viele Menschen glauben, an der Steigerung der Nahrungsmittelpreise seien vor allem die Zocker an den Börsen schuld. Doch eine neue Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hat ergeben, daß die nur etwa 20 % zu den Preissteigerungen beitragen. Viel wichtiger ist der Preisauftrieb durch die Schwellenländer und hier vor allem China. So verdienEN viele Einwohner Chinas oder Indiens mehr Geld und fragen deshalb mehr Fleisch und Milch nach. Auch läßt der größere Bedarf an Getreide für Tierfutter die Preise für Grundnahrungsmittel klettern. Zusätzlich spielt die sogenannte Flächenkonkurrenz eine Rolle: Große Areale in Nord- und Südamerika, Europa und Asien werden inzwischen mit Energiepflanzen wie Soja bebaut, um die Treibstoffnachfrage zu befriedigen.

      Vor allem überträgt sich die hohe Inflation in China (Abb. 08221). Sie frißt sich einerseits in die Preise für chinesische Exportgüter, auch nach Deutschland, hinein und treibt andererseits mit der expanierenden und preistreibenden Importnachfrage auf den Weltmärkten auch dort die Preise. Leider wird sich diese von China ausgehende Entwicklung noch weiter verstärken. Angesichts der über die letzten Jahre zementierten Monopolstellung von Chinaware auf vielen Märkten wird kaum eine Korrektur durch den Wettbewerb stattfinden. Und bei fast 1,4 Milliarden Menschen, von denen ein immer größerer Teil über das hohe Wirtschaftswachstum kaufkräftiger wird, wird auch der Preisdruck ex China auf den Weltmärkten noch erheblich zunehmen. Hinzu kommt die auch in China abklingende demographische Entwicklung, die weniger Billigstarbeitskräfte für die Exportindustrien bereitstellt.

      Nach der Untersuchung des DIW ging jeweils ein Drittel des 15-prozentigen Anstiegs der Lebensmittelpreise im vierten Quartal 2010 auf das starke Wirtschaftswachstum in den aufstrebenden Volkswirtschaften und die großzügige Liquiditätsbereitstellung der Zentralbanken der wichtigsten vier Industriestaaten zurück. Generell zeigt sich, daß Lebensmittel- und Rohölpreise etwa die gleiche Entwicklung wie der Aktienindex der Schwellenländer, der deren Wirtschaftsentwicklung widerspiegelt, nehmen (Abb. 07370).

      Beste Gruesse
      Joachim Jahnke

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