2364

global news 2364 02-05-11: Der Bundeswirtschaftsminister spielt wieder den Lobbyisten: "Arbeitnehmerfreizügigkeit – Chance für Deutschland"

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4 Antworten zu 2364

  1. Gaby sagt:

    Hallo miteinander,

    es ist für mich immer wieder beschämend, Brüderles Jubel-Ansprachen an die Unternehmer und Kapitalfunktionäre zur Kenntnis zu nehmen. Und nichts anderes hat Brüderle im Blick, als die Vermehrung des Kapitals in den Händen der Bosse. Im Prinzip sagt er das auch, aber derart neoliberal verklausuliert, dass man ihm, mit halbem Ohr hingehorcht, glaubt, er meine es gut mit der deutschen Arbeiterschaft. Frau von der Layen redet übrigens in der gleichen, unternehmerisch hoffnungsfroh stimmenden Prophetie und tut das einfache Volk gleichzeitig mit ihren salbungsvollen Worten beruhigen.

    Aber die Wirklichkeit ist innerhalb der Kategorien des Kapitalismus doch eine völlig andere! Wenn ich Fabrikant beispielsweise eines Textilbetriebes wäre, es keinen gesetzlichen, branchenbezogenen Mindestlohn gäbe und ich, weil ich ein so überaus christlich mitfühlender Menschenfreund wäre, meinen Arbeitern/innen läppische 7,50 Euro brutto/Std. zahlen würde, da wäre ich doch ein Depp, wenn ich nicht versuchen würde, meine Belegschaft per fristloser Kündigungen, erzwungener Aufhebungsverträge, Mobbing etc. zu verringern und stattdessen Leute aus Osteuropa zu mir zu nehmen, die auch noch froh und glücklich sind, dass sie bei mir 4 Euro brutto/Std. verdienen dürfen.

    Kapitalismus ist eine Geld-Vermehrungs-Maschine! Ein Produkt wird nur deshalb hergestellt, weil sich der Unternehmer zum geringstmöglichen Lohn einen hohen Mehrwert verspricht, den er zu seinen Gunsten einstreicht, aber keinesfalls deshalb, um uns Lohnabhängigen das Leben zu erleichtern. Kapitalismus ist, aus einem Euro zwei, drei, gar Millionen Euro zu machen. Kapitalismus, die Herstellung von Produkten, ist ein Glücksspiel und hat mit der sozialein Biologie der Menschen rein gar nichts zu tun!

    Löhne stören den Lauf der “göttlichen Geldmaschine”, das ist seit rund 500 Jahren so. Also wird es immer das Bestreben eines Kapitalisten sein, den geringstmöglichen Lohn zu zahlen, um seinen Profit nicht unnötig zu schmälern. Durchbrechen kann dieses, die Lohnsklaven ausbeuterische kapitalistische Grundprinzip, nur die Politik per Gesetz.

    Es ist völlig richtig, dass Dr. Jahnke die fehlenden Mindestlöhne in Deutschland, die fehlende lohnabhängige Gleichstellung der Frauen, die fehlende Kinderbetreuung und noch viel mehr beklagt. Wären unsere Politiker tatsächlich um das Wohl des deutschen Volkes und nicht nur um das Wohl der Kapitalisten bemüht, würde die deutsche Gesellschaft in sozialer Hinsicht heute ganz anders aussehen, als vor 40 Jahren, denn so lange, 40 Jahre (ich bin 48 Jahre alt), höre ich immer die gleichen Sonntagspredigten unserer Politiker: “Wir müssen mehr für die Bildung tun, wir müssen mehr für die Gleichstellung der Frauen und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie tun!” Und, was ist in all den 40 Jahren passiert? So gut wie nichts!

    Apropos Frauenarbeit: Da bin ich ziemlich mißtrauisch geworden, denn ich weiß mittlerweile, dass Frauen und Kinder im Manchester-Kapitalismus und der Frühindustrialisierung Deutschlands von den Unternehmern in die direkte Konkurrenz zur Männerarbeit gestellt worden sind. Es wurden, wann immer es ging, in den Fabriken statt der Männer Frauen und Kinder eingestellt, weil diese Personengruppen für die gleiche Arbeit per se viel schlechter entlohnt wurden.

    Ich bin deshalb so mißtrauisch gegenüber der deutschen Frauenarbeit geworden, weil ich erlesen habe, dass der Neoliberalismus eine kapitalistische Wirtschaftsart ist, die zwar an das Laizzes-Fair des 18./19. Jhr. (die unsichtbare Hand des absolut freien Marktes) anknüpft, unserer modernen Marktwirtschaft aber die moralischen und ethischen Einwürfe eines Adam Smith vollkommen fehlen. Neoliberalismus ist eine Art Frühkapitalismus in verschärfter Form. Das muss uns Heutige unbedingt erschrecken.

    Und wenn man/frau sich das Buch “Die Lage der englischen Arbeiter” von Friedrich Engels durchliest, weiß man/frau, dass es immer Menschen gibt, damals im englischen Frühkapitalismus die Iren, die für noch geringere Löhne als die damaligen englische Frauen und Kinder arbeiteten.

    1845 winkt uns mahnend zu mit der Gültigkeit des EU-Entsendegesetzes, das in Deutschland seit dem 1. Mai 2011 wirksam ist.

    Liebe Grüße an alle,

    Gaby

  2. Kalle sagt:

    Hinsichtlich der Leiharbeit habe ich Frau von der Leyen unlängst mit Absender angeschrieben. Ich habe bis heute keine Antwort erhalten. Angst vor der Wahrheit?

    Frau
    Ursula von der Leyen
    Persönlich
    Bundesministerium für Arbeit und Soziales
    Wilhelmstr. 49
    10117 Berlin

    06.02.2011

    Betrifft: Leiharbeitern Respekt zollen mit höherem Lohn bei gleicher Arbeit und höherer Flexibilität

    Sehr geehrte Frau von der Leyen,

    nehmen Sie ernsthaft wie folgt zur Kenntnis.

    Ich kann das Gerede von flexiblen Markt – und Arbeitsbedingungen, die Kannegießer permanent von sich gibt, nicht mehr hören.

    http://www.manager-magazin.de/politik/deutschland/0,2828,742567,00.html

    Nur einen Satz Kannegießers:

    :Zitat
    „Wir können unsere eingespielten Stammbelegschaften nur dann absichern, wenn uns Flexibilität erhalten bleibt, zum Beispiel durch Leiharbeit und befristete Beschäftigung.“
    :Zitat Ende

    Ich sage Ihnen, wenn wir unsere noch soziale Ruhe erhalten wollen, brauchen wir sichere, humane, unbefristete und diesen Breitengraden entsprechend gerecht entlohnte Arbeitsplätze, ohne Aufstockung mit Sozialleistungen, für alle, und nicht nur für übrig gebliebene Stammbelegschaften, die noch nicht in diesem Ausbeutersystem zu Leiharbeitern gemacht wurden. Manchmal ist es ermüdend festzustellen, dass hier immer wieder die Schmerzgrenze der Deutschen ausgetestet wird. Kannegießer, hat wie die meisten Unternehmer Scheuklappen auf. Immer nur fürs eigene Wohl was unternehmen.

    Wie flexibel allerdings die Leiharbeiter sein müssen, interessiert Kannegießer nicht. Oder er hat, wie gesagt, einen eingeschränkten Horizont. Zeitarbeitsfirmen holen nicht nur Menschen aus der Arbeitslosigkeit, sie befördern sie auch wieder dorthin. Herr Kannegießer kann sich einfach nicht vorstellen wie flexibel Leiharbeiter sein müssen, wenn sie immer wieder zwischen Leiharbeit und Antragstellung auf Arbeitslosigkeit oder Grundsicherung hin und her pendeln müssen. Leiharbeiter können auf dem 1.Arbeitsmarkt mit wenigen Ausnahmen die einfach nur Glück gehabt haben, keinen Fuß fassen. Heuer und Feuer heißt hier die Devise zum Wohle der Stammbelegschaften. Dass die Ordner der von Ihnen unter Sanktionsandrohungen ausgebeuteten Leiharbeiter immer zahlreicher werden, interessiert kein Schwein. Wenn Leiharbeiter zwischen Arbeit und Arbeitslosigkeit ständig Verdienstbescheinigungen, Mietverträge, Nachweise über Mietnebenkosten, Miete, Wohngeld etc. immer wieder neu der Behörde vorlegen müssen, interessiert Kannegießer auch nicht. Er war ja noch nie in solch einer prekären Situation, er war ja noch nie eine Leihgurke genauso wie Sie es noch niemals waren. Da kann man große Reden schwingen. Ein Leiharbeiter hat zwischen Arbeit und Arbeitslosigkeit mit Behördengängen und Depressionen mehr zu tun, als wenn er arbeitet.

    Insofern, zollen Sie Leiharbeitern, die immer qualifizierter und flexibler werden, Ihren Respekt und entlohnen Sie diese höher als eingespielte Stammbelegschaften.

    Mit freundlichen Grüßen

    • globalnote sagt:

      Wetten, daß Sie leider nur eine nichtssagende Antwort von einem dafür abgestellten nicht besonders ranghohen Beamten bekommen. Die Ministerin selbst wird Ihren Brief nie sehen (da müßte er schon in BILD abgedruckt werden, was ebenfalls nicht zu erwarten ist). Schade, er ist sehr treffend formuliert.

  3. Wilma sagt:

    Ich wünsche mir eine Untersuchung von unabhängigen Instituten zu:
    Wieviele Fachkräfte fehlen wirklich. Genaue Analyse der
    angeblich freien Stellen (zehn Zeitarbeitsfirmen offerieren ein und die selbe Stelle)
    Was für Fachkräfte sind das genau ?

    Belastet die Freizügigkeit unser Sozialsystem ?
    Welche Auswirkungen ergeben sich z.B. für die Krankenkassen (z.B. Familiennachzug bei Niedriglöhnen)

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