Dieser Beitrag wurde geschrieben von am Samstag, 30. April 2011 um 9:17 am und eingeordnet unter Uncategorized. Du kannst den Antworten zu diesem Eintrag mit Hilfe des RSS-2.0-Feeds folgen.
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er hat mir ein wenig mehr die Augen geöffnet. Es ist schockierend und traurig wie wir täglich belogen werden. Die Deutschen gehen gegen Atomkraft zu Hunderttausenden auf die Straße, aber eigentlich müssten wir ALLE auf die Straße gehen um die Rechte einzufordern die man uns heimlich und unter falschem Vorsatz genommen hat. Von denen die meißten nicht einmal ahnen, dass wir sie einst bessenen hatten.
Ich würde gerne mehr über die Handelsabkommen der WTO erfahren, es gibt also Gesetze die den Wert unserer Arbeitskraft schützen sollen, nur wie kann es sein, dass diese dann einfach umgangen werden?
Und welche Möglichkeiten haben wir eigentlich, uns diese Rechte wieder zu eigen zu machen? Ich verstehe bis heute nicht, wie es erlaubt sein kann, dass führende Politiker gleichzeitig einen hohen Posten in einem einflussreichen Unternehmen bekleiden dürfen. Da ist doch Lobbyismus praktisch vorprogrammiert. Da brauchen wir auch keine Kartellämter wenn das erlaubt sein soll. Wenn ich das erreichen wöllte, wie würde ich zu meinem Recht kommen?
Nach der WTO und den Regeln der EU kann man sich gegen Dumping mit Anti-Dumping-Zöllen wehren. Der Dumping-Nachweis ist sogar bei China erleichtert, da man hier die Preise mit denen in anderen Schwellenländern,z.B. Mexiko, vergleichen kann und nicht mit schwer feststellbaren chinesischen Inlandspreisen. Doch müssen diese Rechte auch ausgeübt werden, wovon die EU zunehmend nicht mehr Gebrauch macht, da mehrere Mitgliedsländer in einigen Industriebereichen nicht mehr selber produzieren und dann auf dem Billigimport in die EU bestehen. Auch wollen andere Regierungen, wie die deutsche, im Interesse ihrer Exportindustrien die Chinesen nicht verärgern.
iPad und iPhone werden in China bei Foxconn produziert. Der Gewinnanteil für Apple ist dabei ca. 64%. Würde man die Teile in z.B. USA produzieren wäre der Gewinnanteil immer noch ca. 50%. Was hat das mit Globalisierung zu tun? Hier geht es allein um Profitgier! Nun, wenn dann alle Produktionen in Fernost sind und in den Industrieländern keiner mehr arbeitet, wird man feststellen, dass man für die ach so billig produzierten Waren ja auch Kunden braucht … aber wo kein dort kein Kunde!
P.S.: Der Arbeitsmarkt ist also doch nicht wie ein Karoffelmarkt!
kommt es uns denn gar nicht merkwürdig vor, dass seitens unserer Eliten globaler Konsens darüber herrscht, dem Kapital die besten Wachstumsbedingungen zu schaffen, wohin gegen unsere menschlichen Interessen abgewatscht werden mit dem Hinweis auf die globalisierten Märkte und der daraus angeblich resultierenden Ohnmacht der Politik?
Haben wir schon einmal darüber nachgedacht, wozu wir die Nation und die Politik überhaupt noch benötigen, wenn von Seiten unserer Politiker behauptet wird, sie seien nicht mehr Herr im eigenen Staate, also im eigenen Haus?
Ist uns eigentlich klar, dass wir in der Schule lediglich eine Bildung erhalten, die uns zu diszipliniertem, gebrauchsfertigem Menschenmaterial zurichtet, uns aber nicht über das Wichtigste, nämlich die Mechaniken unserer Marktwirtschaft aufklärt und es nur aus diesem Grunde möglich ist, Bücher voller ökonomischer Lügen im Volk zu verkaufen? Und das Volk reißt sich vermutlich auch noch um dieses Buch, jedenfalls kenne ich recht viele Kollegen, die Herrn Steinbrück seit Jahren für einen äußerst fähigen Politiker halten, nicht zuletzt, weil er so gerne vollmundig mit der Peitsche knallt. Kommt ihr Kinderlein; wir werden euch schulen, damit ihr dumm bleibt.
Übrigens: Es gab in der Geschichte des Kapitalismus den einmaligen Fall, dass die teuflische Fratze dieser Geldvermehrungsmaschine ganz klar sichtbar wurde. Das war in den 1920er Jahren während der Großen Depression. Wegen zu geringer Rentabilität schlossen haufenweise Produktionsbetriebe und das parallel zur Massenverelendung weiter Bevölkerungsschichten. Nie zuvor war derart klar zu sehen, dass der Kapitalismus nicht dem Wohl der Menschen dient, sondern nur dem Wohl der Kapitaleigner. Es war John M. Keynes, dem glasklar vor Augen stand, dass der Kapitalismus keine Zukunft hat, wenn die Tatsache, dass der Kapitalismus gar nicht dem einfachen Volk dient, ins Massenbewußtsein eintritt. Keynes ersann einen genialen Trick, die Eigensucht des Kapitalismus zu verschleiern, nämlich das “deficit spending”; Wirtschaftskrisen werden per Staatsintervention schlichtweg in die Zukunft transferiert. Seither wird Keynes als “Der Retter des Kapitalismus” bezeichnet.
Wie dem auch sei, wir können auf gar keinen Fall erwarten, dass uns unsere Politiker die Wahrheit sagen. Sie werden immer auf andere zeigen und sagen: “Die sind’s gewesen; hinterhältige Monster und schicksalhafte Mächte!” Kein Makel darf je die Weltmaschine Kapitalismus treffen. Das Allerheiligste darf nicht angetastet, der schöne Schein darf nicht angekratzt werden!
Dr. Jahnke tut es aber doch und zwar jeden Tag und das seit Jahren. In gewissen Kreisen wird er sich damit keine Freunde machen. Dies als kleiner Gegenbeleg zum Märchen vom Homo Oeconomicus, dem perfekten Marktmenschen, ein vereinsamtes Gesellschaftsatom, das unter’m Strich nur an sich selber denkt. Der HO ist eine Lüge und dennoch bemühen wir uns Tag für Tag, unsere durchschnittlich gesunden Seelen diesem entmenschlichten Kunstprodukt anzupassen, statt uns in aller Menschlichkeit zu empören!
Aber da gibt es noch eine Sache, die Herr Steinmeier so nicht erklären kann. Deutschland entwickelt sich doch immer mehr zu einer Dienstleistungsgesellschaft. Die Industrie verlagert sich immer mehr nach Fernost. Und so ist es schwer erklärbar, warum eine Lehrerin, eine Krankenschwester oder ein Brötchenverkäufer plötzlich schlechter verdienen soll, obwohl diese Jobs nicht in ein Billiglohnland verlegt werden können. Ich höre ständig die Erklärung in meinem Gewerbe gebe es eben zuviel Konkurrenz. Ich müsse mehr leisten für weniger Geld. Wie Thilo Sarrazin so schön in seinen literarischen Ergüssen von Menschen redet, die in unserer Leistungsgesellschaft angeblich nicht mehr leisten wöllten, da sie sich an “Begabungsprofile” anpassen würden ist kompletter Humbug. Wenn ich eine Stellenbeschreibung für meinen Tätigkeitsbereich lese, steht da meistens im Ungefähren folgendes: der Bewerber möge bitteschön das Leistungsspektrum von mindestens 2 Berufssparten gleichzeitig abdecken, während die Arbeitszeit mindestens 30 Prozent über der gesetzlich vorgeschriebenen liegt, während das Gehalt deutlich unter dem tariflich empfohlenen dahinsiecht. Die einen können ein solches “Begabungsprofil” nicht erfüllen, die anderen wollen es nicht.
Oder habe ich hier Sarrazins Zitat fehlgedeutet?:
„Je größer die Durchlässigkeit einer Gesellschaft wurde, je meritokratischer sie wurde, umso mehr passte sich die soziale Schichtung den Begabungsprofilen an. […] Die Annahme, Chancengleichheit könne Ungleichheiten aufheben, ist also ein großer Irrtum. In Wirklichkeit wirkt die Chancengleichheit in einem bitteren Sinne: In einer wirklich chancengleichen Gesellschaft ist jemand nur noch aus Gründen unten, die in seiner Person liegen. In Deutschland beobachten wir schon seit vielen Jahren die allmähliche Verfestigung und das beständige Wachstum einer weitgehend funktions- und arbeitslosen Unterschicht. Aus den bereits beschriebenen Gründen treibt ein relativ hohes garantiertes Grundeinkommen diese weniger Leistungsstarken in die Nichtbeschäftigung und bindet sie dort.“
Deutschland entwickelt sich nicht zu einer Dienstleistungsgesellschaft, die gar noch, wie manche Träumer annehmen, die Sockelarbeitslosigkeit aufsaugt. Diese Entwicklung findet allein schon deshalb nicht statt, weil der Dienstleistungssektor grundsätzlich aus dem wertschöpfenden industriellen Sektor gespeist wird. Sinken die Löhne, gehen mehr und mehr Restaurants, Wellness- und Fitness-Studios, Reisebüros und dergleichen pleite, weil schlichtweg die Kaufkraft fehlt und der Dienstleistungssektor nun einmal von der wertschöpfenden Kaufkraft abhängig ist.
Die staatliche Alimente, mag sie nun Hartz-IV oder Grundeinkommen heißen, bestimmt die Grenze, unter den der geringste Lohn eines Lohnabhängigen nicht fallen sollte; das gilt derzeit noch als sittenwidrig. Diese Grenze liegt jetzt bei 364 Euro netto. Die FDP faselte schon von einem Grundeinkommen in Höhe von 150 Euro. Sofern die Unternehmer nicht gezwungen sind, einen staatlich verordneten Mindestlohn (8,50 bis 10 Euro) einzuhalten, befinden sich die Löhne im freien Fall. In Deutschland ist das seit ca. 20 Jahren so, verstärkt seit dem Jahr 2005, der Einführung von Hartz-IV, also der Abschaffung der Arbeitslosenhilfe und der Zusammenlegung der Arbeitslosen mit Sozialhilfeempfängern.
Dem durchschnittlichen Unternehmer ist es moralisch, aber nicht (!) betriebswirtschaftlich gesehen, völlig egal, ob jemand mit 850 Euro netto oder noch weniger pro Monat auskommt oder nicht. Fallende Löhne haben nur insofern mit dem Konkurrenzdruck zu tun, als es Aufgabe der Politik ist, diesen Druck per Gesetz zu zerschlagen und da sind wir wieder bei dem flächendeckenden Mindestlohn, den uns unsere Politiker versagen, ihn lediglich nur sehr zaghaft branchenbezogen einführen.
Wenn eine Friseuse in Indien umgerechnet 2 Cent die Stunde fürs Haareschneiden verdient, reisen wir trotzdem nicht nach Indien, um uns dort die Haare schneiden zu lassen. Folglich schadet es den Deutschen nicht, den Mindestlohn einer Friseuse, einer Lehrerin, eines Brötchenausträgers etc. pp. gesetzlich auf 10 oder mehr Euro pro Stunde festzulegen. Nicht der Konkurrenzdruck, sondern der fehlende politische Wille treibt beispielsweise die deutsche Friseuse in die Alltags- und Altersarmut.
Entsetzt bin ich über das Zitat Sarrazins. Allein dieser ätzende Auswurf bürgerlich-liberaler Arroganz des 18./19. Jhr. genügt, ihn aus der SPD rauszuschmeißen. Warum tun die Genossen es nicht? Ein Blick in die deutsche Historie des 20. Jhr. verrät mir diesen unfassbaren rollback, der in Wirklichkeit gar keiner ist.
Sarrazin geht ganz offensichtlich davon aus, dass die Menschen grob unterschiedlich strukturierte Gehirne besitzen, die in armen Verhältnissen automatisch minderbemittelt geboren werden und im weiteren Verlauf des Lebens sogar schrumpfen. Das stimmt nicht!
Seit rund 240.000 Jahren hat sich das Gehirn der Menschen nicht evolutioniert. Es kommt also sehr wohl auf die Chancengleichheit einer Gesellschaft an und nicht auf die Person, ob ein Mensch in den Kategorien des Kapitalismus ein menschenwürdiges Leben lebt oder zu den aussortierten Überflüssigen gehört, um die sich die deutsche Gesellschaft voller Ichlinge und Stichlinge schändlicherweise immer weniger kümmert. Sarrazin verlagert ein politisch-ökonomisches Problem auf die Menschen selbst. Das machen alle Marktradikalen seit rund 500 Jahren so.
Und ganz selbstverständlich, ganz im Sinne der ziemlich brutalen entmenschlichten Vorstellungen und Taten der Führungseliten des 18. und 19. Jhr., geht Thilo davon aus, dass Menschen nur geboren werden, um sich im kapitalistischen Verwertungsprozess freudigst-hechelnd verwursteln, also mit Haut und Haaren verwerten zu lassen für die Interessen des Kapitalisten, von dem sie abhängig sind, denn Thilo reduziert die Menschen lediglich auf ihre wertschöpfenden Funktionen, ihre an die Erfordernisse des Kapitals angepasste Disziplin mit all den asozialen kapitalistischen Zumutungen und misst ihren Wert logischerweise nur nach ihrem Arbeitswillen bzw. –unwillen, den er aber nur in den Kategorien des Kapitalismus zu sehen weiß.
Von Muße, von Genuß, von Kreativität und einfach mal stundenlang in die Wolken schauen, ist dieser Mensch weit entfernt, es sich zwar selbst, aber nicht den durch diese Marktwirtschaft Geknechteten zu gönnen.
Wenn ich mir Thilos Vorstellungen per diesem einzigen Zitat von Dir, [..], durch den Kopf gehen lasse, frage ich mich, wie die Menschen die letzten 240.000 Jahre, als es noch keinen Kapitalismus gab, überlebt haben. Mit Sicherheit nicht als gesellschaftlich ausgeschlossene Parias, und mehrheitlichen Stichlingen und Ichlingen!
Danke für deinen hellsichtigen Kommentar. Ich bin erstaunt wie scharfsinnig deine Kommentare immer sind. Ich lese sie gerne und allein das Lesen deiner Kommentare ist es schon wert dieses Forum zu besuchen. Ich wüsste auch nicht, auf welcher deutschsprachigen Plattform man sich so unabhängig mit dem Thema beschäftigen könnte. Wenn Herr Dr. Jahnke sich nicht dem Thema widmen würde, wäre es ziemlich arg bestellt um unsere Fähigkeit, einen objektiven Blick auf die Geschehnisse zu werfen. Mir ist keine andere Seite bekannt, die durch stichhaltige Statistiken jede Unwahrheit und Beschönigung zu entkräften weiß.
Du hast vollkommen recht. Dr. Jahnkes Internetpräsenz ist etwas ganz besonderes, denn hier werden nicht nur ökonomische und soziale Mißstände aufgedeckt, sondern gleichermaßen wird die Neugierde des Besuchers geweckt, in eigener Regie einiges über das Thema Ökonomie zu lernen. Ich bin froh, dass es diese Webseite gibt, sonst würde ich das klassisch-liberal verstümmelte Deutschland wirklich nicht verstehen und genauso blind durch einen undurchdringlichen Dschungel von Informationen stolpern, wie so mancher Mensch meiner Umgebung.
Bis demnächst und Euch allen wünsche ich einen schönen Sonntag,
und ein danke an Herrn Jahnke für den guten Beitrag.
Die Selbstbeweihräucherung des Herrn Steinbrück ist wirklich nicht mehr auszuhalten. Nicht das er sich als hoch dotierter Redner verdingt ( siehe abgeordnetenwatch) anstatt seinen Verpflichtungen als MdB nach zu kommen, nein jetzt auch noch ein Buch. Unter der Tarnung der SPD segelnd wird Geld in die eigene Tasche gelenkt, egal wie, Hauptsache der Rubel läuft. Ein Politiker, der in der Zeit der Finanzkrise als amtierender Finanzminister ein wirklich grottenschlechtes Management bewiesen hat- wir erinnern uns vielleicht noch alle an das HRE Desaster, bei dem letztendlich die Entscheidungen der Bundesregierung auf der Expertise der Deutschen Bank beruhte ( die Experten der BaFin waren wohl nicht gut genug ) und das bedeutet: Gewinne privatisieren, Schulden sozialisieren – folgt jetzt dem grundlegenden Muster psychologischer Verdrängung : Den Span im Auge des anderen sehe ich wohl, den Balken im eignen nicht.
Herrn Asmusen und seine engen Verbindungen zur Wirtschaft ignorierend hat dieser Minister sich blind auf dessen Ratschlag verlassen. War da wohl Ignoranz im Spiel ? Ich glaube nicht, dann doch wohl überlegtes Kalkül wie uns die Auftritte vor dem Untersuchungsauschuss vermuten lassen. In Kohl`scher Art konnte man sich daran nicht erinnern, “das hat mein Staatssekretär gemacht”….jaja das Los eines Ministers ist schwer… oder vielleicht auch nicht, denn schon kurz nach dem Ausscheiden aus dem Amt äußerte sich Herr Steinbrück doch sehr klar über deutsche Staatsanleihen: In diese sollte man nicht investieren, diese seien nicht sicher.
Und jetzt das Buch. Da ist auf jeden Fall eines sicher: Die Tantiemen! Und wenn nicht, dann sendet dieser Herr in seinen Allmachtsfantasien wahrscheinlich wieder die Kavallerie aus, so wie er es der Schweiz angekündigt hat. Denn er mag- O-Ton – “cash” !
In diesem Sinne noch angeregte Diskussion und ich hoffe ihr verzeiht mir meine an der ein und der anderen Stelle gezeigte Emotion
Vielen Dank für den guten Beitrag,
er hat mir ein wenig mehr die Augen geöffnet. Es ist schockierend und traurig wie wir täglich belogen werden. Die Deutschen gehen gegen Atomkraft zu Hunderttausenden auf die Straße, aber eigentlich müssten wir ALLE auf die Straße gehen um die Rechte einzufordern die man uns heimlich und unter falschem Vorsatz genommen hat. Von denen die meißten nicht einmal ahnen, dass wir sie einst bessenen hatten.
Ich würde gerne mehr über die Handelsabkommen der WTO erfahren, es gibt also Gesetze die den Wert unserer Arbeitskraft schützen sollen, nur wie kann es sein, dass diese dann einfach umgangen werden?
Und welche Möglichkeiten haben wir eigentlich, uns diese Rechte wieder zu eigen zu machen? Ich verstehe bis heute nicht, wie es erlaubt sein kann, dass führende Politiker gleichzeitig einen hohen Posten in einem einflussreichen Unternehmen bekleiden dürfen. Da ist doch Lobbyismus praktisch vorprogrammiert. Da brauchen wir auch keine Kartellämter wenn das erlaubt sein soll. Wenn ich das erreichen wöllte, wie würde ich zu meinem Recht kommen?
Nach der WTO und den Regeln der EU kann man sich gegen Dumping mit Anti-Dumping-Zöllen wehren. Der Dumping-Nachweis ist sogar bei China erleichtert, da man hier die Preise mit denen in anderen Schwellenländern,z.B. Mexiko, vergleichen kann und nicht mit schwer feststellbaren chinesischen Inlandspreisen. Doch müssen diese Rechte auch ausgeübt werden, wovon die EU zunehmend nicht mehr Gebrauch macht, da mehrere Mitgliedsländer in einigen Industriebereichen nicht mehr selber produzieren und dann auf dem Billigimport in die EU bestehen. Auch wollen andere Regierungen, wie die deutsche, im Interesse ihrer Exportindustrien die Chinesen nicht verärgern.
globalnote: damit haben sie alles gesagt!!
iPad und iPhone werden in China bei Foxconn produziert. Der Gewinnanteil für Apple ist dabei ca. 64%. Würde man die Teile in z.B. USA produzieren wäre der Gewinnanteil immer noch ca. 50%. Was hat das mit Globalisierung zu tun? Hier geht es allein um Profitgier! Nun, wenn dann alle Produktionen in Fernost sind und in den Industrieländern keiner mehr arbeitet, wird man feststellen, dass man für die ach so billig produzierten Waren ja auch Kunden braucht … aber wo kein dort kein Kunde!
P.S.: Der Arbeitsmarkt ist also doch nicht wie ein Karoffelmarkt!
Hallo in die Runde,
kommt es uns denn gar nicht merkwürdig vor, dass seitens unserer Eliten globaler Konsens darüber herrscht, dem Kapital die besten Wachstumsbedingungen zu schaffen, wohin gegen unsere menschlichen Interessen abgewatscht werden mit dem Hinweis auf die globalisierten Märkte und der daraus angeblich resultierenden Ohnmacht der Politik?
Haben wir schon einmal darüber nachgedacht, wozu wir die Nation und die Politik überhaupt noch benötigen, wenn von Seiten unserer Politiker behauptet wird, sie seien nicht mehr Herr im eigenen Staate, also im eigenen Haus?
Ist uns eigentlich klar, dass wir in der Schule lediglich eine Bildung erhalten, die uns zu diszipliniertem, gebrauchsfertigem Menschenmaterial zurichtet, uns aber nicht über das Wichtigste, nämlich die Mechaniken unserer Marktwirtschaft aufklärt und es nur aus diesem Grunde möglich ist, Bücher voller ökonomischer Lügen im Volk zu verkaufen? Und das Volk reißt sich vermutlich auch noch um dieses Buch, jedenfalls kenne ich recht viele Kollegen, die Herrn Steinbrück seit Jahren für einen äußerst fähigen Politiker halten, nicht zuletzt, weil er so gerne vollmundig mit der Peitsche knallt. Kommt ihr Kinderlein; wir werden euch schulen, damit ihr dumm bleibt.
Übrigens: Es gab in der Geschichte des Kapitalismus den einmaligen Fall, dass die teuflische Fratze dieser Geldvermehrungsmaschine ganz klar sichtbar wurde. Das war in den 1920er Jahren während der Großen Depression. Wegen zu geringer Rentabilität schlossen haufenweise Produktionsbetriebe und das parallel zur Massenverelendung weiter Bevölkerungsschichten. Nie zuvor war derart klar zu sehen, dass der Kapitalismus nicht dem Wohl der Menschen dient, sondern nur dem Wohl der Kapitaleigner. Es war John M. Keynes, dem glasklar vor Augen stand, dass der Kapitalismus keine Zukunft hat, wenn die Tatsache, dass der Kapitalismus gar nicht dem einfachen Volk dient, ins Massenbewußtsein eintritt. Keynes ersann einen genialen Trick, die Eigensucht des Kapitalismus zu verschleiern, nämlich das “deficit spending”; Wirtschaftskrisen werden per Staatsintervention schlichtweg in die Zukunft transferiert. Seither wird Keynes als “Der Retter des Kapitalismus” bezeichnet.
Wie dem auch sei, wir können auf gar keinen Fall erwarten, dass uns unsere Politiker die Wahrheit sagen. Sie werden immer auf andere zeigen und sagen: “Die sind’s gewesen; hinterhältige Monster und schicksalhafte Mächte!” Kein Makel darf je die Weltmaschine Kapitalismus treffen. Das Allerheiligste darf nicht angetastet, der schöne Schein darf nicht angekratzt werden!
Dr. Jahnke tut es aber doch und zwar jeden Tag und das seit Jahren. In gewissen Kreisen wird er sich damit keine Freunde machen. Dies als kleiner Gegenbeleg zum Märchen vom Homo Oeconomicus, dem perfekten Marktmenschen, ein vereinsamtes Gesellschaftsatom, das unter’m Strich nur an sich selber denkt. Der HO ist eine Lüge und dennoch bemühen wir uns Tag für Tag, unsere durchschnittlich gesunden Seelen diesem entmenschlichten Kunstprodukt anzupassen, statt uns in aller Menschlichkeit zu empören!
Schönen Tag noch,
Gaby
Aber da gibt es noch eine Sache, die Herr Steinmeier so nicht erklären kann. Deutschland entwickelt sich doch immer mehr zu einer Dienstleistungsgesellschaft. Die Industrie verlagert sich immer mehr nach Fernost. Und so ist es schwer erklärbar, warum eine Lehrerin, eine Krankenschwester oder ein Brötchenverkäufer plötzlich schlechter verdienen soll, obwohl diese Jobs nicht in ein Billiglohnland verlegt werden können. Ich höre ständig die Erklärung in meinem Gewerbe gebe es eben zuviel Konkurrenz. Ich müsse mehr leisten für weniger Geld. Wie Thilo Sarrazin so schön in seinen literarischen Ergüssen von Menschen redet, die in unserer Leistungsgesellschaft angeblich nicht mehr leisten wöllten, da sie sich an “Begabungsprofile” anpassen würden ist kompletter Humbug. Wenn ich eine Stellenbeschreibung für meinen Tätigkeitsbereich lese, steht da meistens im Ungefähren folgendes: der Bewerber möge bitteschön das Leistungsspektrum von mindestens 2 Berufssparten gleichzeitig abdecken, während die Arbeitszeit mindestens 30 Prozent über der gesetzlich vorgeschriebenen liegt, während das Gehalt deutlich unter dem tariflich empfohlenen dahinsiecht. Die einen können ein solches “Begabungsprofil” nicht erfüllen, die anderen wollen es nicht.
Oder habe ich hier Sarrazins Zitat fehlgedeutet?:
„Je größer die Durchlässigkeit einer Gesellschaft wurde, je meritokratischer sie wurde, umso mehr passte sich die soziale Schichtung den Begabungsprofilen an. […] Die Annahme, Chancengleichheit könne Ungleichheiten aufheben, ist also ein großer Irrtum. In Wirklichkeit wirkt die Chancengleichheit in einem bitteren Sinne: In einer wirklich chancengleichen Gesellschaft ist jemand nur noch aus Gründen unten, die in seiner Person liegen. In Deutschland beobachten wir schon seit vielen Jahren die allmähliche Verfestigung und das beständige Wachstum einer weitgehend funktions- und arbeitslosen Unterschicht. Aus den bereits beschriebenen Gründen treibt ein relativ hohes garantiertes Grundeinkommen diese weniger Leistungsstarken in die Nichtbeschäftigung und bindet sie dort.“
[...]: Zum zu hohen Grundeinkommen von Sarrazin:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,759797,00.html
MfG
Hallo [..] und Mitlesende,
Deutschland entwickelt sich nicht zu einer Dienstleistungsgesellschaft, die gar noch, wie manche Träumer annehmen, die Sockelarbeitslosigkeit aufsaugt. Diese Entwicklung findet allein schon deshalb nicht statt, weil der Dienstleistungssektor grundsätzlich aus dem wertschöpfenden industriellen Sektor gespeist wird. Sinken die Löhne, gehen mehr und mehr Restaurants, Wellness- und Fitness-Studios, Reisebüros und dergleichen pleite, weil schlichtweg die Kaufkraft fehlt und der Dienstleistungssektor nun einmal von der wertschöpfenden Kaufkraft abhängig ist.
Die staatliche Alimente, mag sie nun Hartz-IV oder Grundeinkommen heißen, bestimmt die Grenze, unter den der geringste Lohn eines Lohnabhängigen nicht fallen sollte; das gilt derzeit noch als sittenwidrig. Diese Grenze liegt jetzt bei 364 Euro netto. Die FDP faselte schon von einem Grundeinkommen in Höhe von 150 Euro. Sofern die Unternehmer nicht gezwungen sind, einen staatlich verordneten Mindestlohn (8,50 bis 10 Euro) einzuhalten, befinden sich die Löhne im freien Fall. In Deutschland ist das seit ca. 20 Jahren so, verstärkt seit dem Jahr 2005, der Einführung von Hartz-IV, also der Abschaffung der Arbeitslosenhilfe und der Zusammenlegung der Arbeitslosen mit Sozialhilfeempfängern.
Dem durchschnittlichen Unternehmer ist es moralisch, aber nicht (!) betriebswirtschaftlich gesehen, völlig egal, ob jemand mit 850 Euro netto oder noch weniger pro Monat auskommt oder nicht. Fallende Löhne haben nur insofern mit dem Konkurrenzdruck zu tun, als es Aufgabe der Politik ist, diesen Druck per Gesetz zu zerschlagen und da sind wir wieder bei dem flächendeckenden Mindestlohn, den uns unsere Politiker versagen, ihn lediglich nur sehr zaghaft branchenbezogen einführen.
Wenn eine Friseuse in Indien umgerechnet 2 Cent die Stunde fürs Haareschneiden verdient, reisen wir trotzdem nicht nach Indien, um uns dort die Haare schneiden zu lassen. Folglich schadet es den Deutschen nicht, den Mindestlohn einer Friseuse, einer Lehrerin, eines Brötchenausträgers etc. pp. gesetzlich auf 10 oder mehr Euro pro Stunde festzulegen. Nicht der Konkurrenzdruck, sondern der fehlende politische Wille treibt beispielsweise die deutsche Friseuse in die Alltags- und Altersarmut.
Entsetzt bin ich über das Zitat Sarrazins. Allein dieser ätzende Auswurf bürgerlich-liberaler Arroganz des 18./19. Jhr. genügt, ihn aus der SPD rauszuschmeißen. Warum tun die Genossen es nicht? Ein Blick in die deutsche Historie des 20. Jhr. verrät mir diesen unfassbaren rollback, der in Wirklichkeit gar keiner ist.
Sarrazin geht ganz offensichtlich davon aus, dass die Menschen grob unterschiedlich strukturierte Gehirne besitzen, die in armen Verhältnissen automatisch minderbemittelt geboren werden und im weiteren Verlauf des Lebens sogar schrumpfen. Das stimmt nicht!
Seit rund 240.000 Jahren hat sich das Gehirn der Menschen nicht evolutioniert. Es kommt also sehr wohl auf die Chancengleichheit einer Gesellschaft an und nicht auf die Person, ob ein Mensch in den Kategorien des Kapitalismus ein menschenwürdiges Leben lebt oder zu den aussortierten Überflüssigen gehört, um die sich die deutsche Gesellschaft voller Ichlinge und Stichlinge schändlicherweise immer weniger kümmert. Sarrazin verlagert ein politisch-ökonomisches Problem auf die Menschen selbst. Das machen alle Marktradikalen seit rund 500 Jahren so.
Und ganz selbstverständlich, ganz im Sinne der ziemlich brutalen entmenschlichten Vorstellungen und Taten der Führungseliten des 18. und 19. Jhr., geht Thilo davon aus, dass Menschen nur geboren werden, um sich im kapitalistischen Verwertungsprozess freudigst-hechelnd verwursteln, also mit Haut und Haaren verwerten zu lassen für die Interessen des Kapitalisten, von dem sie abhängig sind, denn Thilo reduziert die Menschen lediglich auf ihre wertschöpfenden Funktionen, ihre an die Erfordernisse des Kapitals angepasste Disziplin mit all den asozialen kapitalistischen Zumutungen und misst ihren Wert logischerweise nur nach ihrem Arbeitswillen bzw. –unwillen, den er aber nur in den Kategorien des Kapitalismus zu sehen weiß.
Von Muße, von Genuß, von Kreativität und einfach mal stundenlang in die Wolken schauen, ist dieser Mensch weit entfernt, es sich zwar selbst, aber nicht den durch diese Marktwirtschaft Geknechteten zu gönnen.
Wenn ich mir Thilos Vorstellungen per diesem einzigen Zitat von Dir, [..], durch den Kopf gehen lasse, frage ich mich, wie die Menschen die letzten 240.000 Jahre, als es noch keinen Kapitalismus gab, überlebt haben. Mit Sicherheit nicht als gesellschaftlich ausgeschlossene Parias, und mehrheitlichen Stichlingen und Ichlingen!
Einen schönen Abend wünsche ich in die Runde,
Gaby
Hallo Gaby,
Danke für deinen hellsichtigen Kommentar. Ich bin erstaunt wie scharfsinnig deine Kommentare immer sind. Ich lese sie gerne und allein das Lesen deiner Kommentare ist es schon wert dieses Forum zu besuchen. Ich wüsste auch nicht, auf welcher deutschsprachigen Plattform man sich so unabhängig mit dem Thema beschäftigen könnte. Wenn Herr Dr. Jahnke sich nicht dem Thema widmen würde, wäre es ziemlich arg bestellt um unsere Fähigkeit, einen objektiven Blick auf die Geschehnisse zu werfen. Mir ist keine andere Seite bekannt, die durch stichhaltige Statistiken jede Unwahrheit und Beschönigung zu entkräften weiß.
Einen schönen Sonntag wünsche ich!
Guten Tag [Caro] und Mitlesende,
herzlichen Dank für Deine lieben Worte.
Du hast vollkommen recht. Dr. Jahnkes Internetpräsenz ist etwas ganz besonderes, denn hier werden nicht nur ökonomische und soziale Mißstände aufgedeckt, sondern gleichermaßen wird die Neugierde des Besuchers geweckt, in eigener Regie einiges über das Thema Ökonomie zu lernen. Ich bin froh, dass es diese Webseite gibt, sonst würde ich das klassisch-liberal verstümmelte Deutschland wirklich nicht verstehen und genauso blind durch einen undurchdringlichen Dschungel von Informationen stolpern, wie so mancher Mensch meiner Umgebung.
Bis demnächst und Euch allen wünsche ich einen schönen Sonntag,
Gaby
Hallo an alle !
und ein danke an Herrn Jahnke für den guten Beitrag.
Die Selbstbeweihräucherung des Herrn Steinbrück ist wirklich nicht mehr auszuhalten. Nicht das er sich als hoch dotierter Redner verdingt ( siehe abgeordnetenwatch) anstatt seinen Verpflichtungen als MdB nach zu kommen, nein jetzt auch noch ein Buch. Unter der Tarnung der SPD segelnd wird Geld in die eigene Tasche gelenkt, egal wie, Hauptsache der Rubel läuft. Ein Politiker, der in der Zeit der Finanzkrise als amtierender Finanzminister ein wirklich grottenschlechtes Management bewiesen hat- wir erinnern uns vielleicht noch alle an das HRE Desaster, bei dem letztendlich die Entscheidungen der Bundesregierung auf der Expertise der Deutschen Bank beruhte ( die Experten der BaFin waren wohl nicht gut genug ) und das bedeutet: Gewinne privatisieren, Schulden sozialisieren – folgt jetzt dem grundlegenden Muster psychologischer Verdrängung : Den Span im Auge des anderen sehe ich wohl, den Balken im eignen nicht.
Herrn Asmusen und seine engen Verbindungen zur Wirtschaft ignorierend hat dieser Minister sich blind auf dessen Ratschlag verlassen. War da wohl Ignoranz im Spiel ? Ich glaube nicht, dann doch wohl überlegtes Kalkül wie uns die Auftritte vor dem Untersuchungsauschuss vermuten lassen. In Kohl`scher Art konnte man sich daran nicht erinnern, “das hat mein Staatssekretär gemacht”….jaja das Los eines Ministers ist schwer… oder vielleicht auch nicht, denn schon kurz nach dem Ausscheiden aus dem Amt äußerte sich Herr Steinbrück doch sehr klar über deutsche Staatsanleihen: In diese sollte man nicht investieren, diese seien nicht sicher.
Und jetzt das Buch. Da ist auf jeden Fall eines sicher: Die Tantiemen! Und wenn nicht, dann sendet dieser Herr in seinen Allmachtsfantasien wahrscheinlich wieder die Kavallerie aus, so wie er es der Schweiz angekündigt hat. Denn er mag- O-Ton – “cash” !
In diesem Sinne noch angeregte Diskussion und ich hoffe ihr verzeiht mir meine an der ein und der anderen Stelle gezeigte Emotion
Lieben Gruss