Gedanken zur Zeit 1960 28-04-11: Wie meine Generation von Deutschen an einem Verbrechen gegenüber den nachwachsenden Generationen mitschuldig wurde
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Gedanken zur Zeit 1960 28-04-11: Wie meine Generation von Deutschen an einem Verbrechen gegenüber den nachwachsenden Generationen mitschuldig wurde
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Chapeau Ihrem Korrespondenten, Herr Dr. Jahnke, und auch Ihnen: ich stimme Ihnen beiden voll umfänglich zu – die Korrektur dieser Misere(n) wird allerdings nun erfolgen. Nicht zeitgleich für alle, aber doch sehr zeitnah.
Wenn alles Kapital – und damit spreche ich nicht nur schnödes pecunia an – mehrfach verspielt ist und sich jegliche Spielregeln in Auflösung befinden ist der Verfall unkontrollierbares Programm. Ich wünsche uns allen dessen Ende mit Schrecken; kommt derselbe ohne Ende wird das uns alle noch viel weiter zurücksetzen.
Insofern wäre es gut, einer fände den reset Knopf.
caw
Sehr geehrter Herr Jahnke,
auch wenn Sie sich, oder allgemein und weiter, Sie Ihrer Generation die Mitschuld zuweisen,
wie das Soziale diesem Land ausgetrieben wurde – so haben es doch alle über sich ergehen
lassen, die, die es unmittelbar betraf, und die, die es evtl. bis heute nicht betrifft.
Doch der Punkt ist, es läßt sich niemand ergreifen, um Gerechtigkeit walten zu lassen.
Schlimmer ist die Erkenntnis, daß es so war, daß man zusehen mußte, wie alles fein
säuberlich zerlegt wurde, und dieser Erosionsprozeß ist bis heute noch längst nicht beendet…
Was der Grund des ohnmächtig Verharrens Betroffener ausmacht, ist Angst. Die Angst, daß
es noch schlimmer und unerträglicher wird. Jeder Einsatz, selbst aktiv zu werden, so haben wir
lesen und lernen müssen, wird bestraft, indem das Selbsterarbeitete auf H4 heruntergekürzt wird, mit
dem Ergebnis, daß die Erkenntnis wächst, nichts mehr zu unternehmen – und damit den Weg frei macht;
Einen Weg, den zukünftig noch mehr geduldigere, und noch weitaus mehr ausbeutbarere Menschen frisch in unserem Land
beschreiten werden, die dann die wenigen EUR/h verächtlichender Niedrigstlohn gierig vom Boden aufsammeln
werden, diese dann sammeln und sparen, um sie dann nach Hause an die Familie zu schicken…
Doch Frankreich und Italien fürchten den Zustrom von Menschen, die dem Elend Nordafrikas zu entkommen suchen…
Doch nun öffnet Europa die Schranken weiterer östlicher, ebenso ärmerer Staaten Türe und Toren…
Und die Primaten, die stets und ständig den Fachkräftemangel herbei predigten, werden nun demnächst Fachkräfte
im Ausfüllen von H4-Anträgen ernten; es mag ja dann auch reichen, für alle, hier und dort; und alle sind zufrieden…
Mich befremdet die Conclusio Ihrer Schreiberin, im Hinblick auf die Demographie; stetes Veraltern, weniger
Nachwuchs, äußerst frühe Letalität (gesegnetes, langjähriges und vorallem verdientes ! Rentnerdasein ade) -
ich habe es, ebenso wie Ihre Schreiberin, nicht in einen zeitlichen Rahmen bringen können, bzgl. Nachwuchs etc.
Ich mußte mit 18 auch erfahren, daß es Lehrstellen nicht für alle gab; es war ein Intermezzo, kein Bock mehr
aufs Gymnasium, also Versetzung in die 13. und FHR “geerntet” und dann damit auf eine priv. FHS.
Aber diese Erlebnis wenige Jahre zuvor hat mich erfahren lassen, daß es für unsere Generation kein
sicheres Berufsleben mehr gab. Und auch heute, wo ich mich jetzt wieder in einer Festanstellung befinde,
so gab es davor 6 Jahre in “Selbständigkeit” – ich habe damals kein ALG beantragt, weil ich nicht in die
Tretmühlen der Bürokratie geraten wollte – mir war schon klar, daß es keine “staatlich” zugewiesene Arbeit
gegeben hätte – wie denn auch, viele meiner Kollegen, nach dem Platzen der dotcom-Blase standen
vor exakt den gleichen Problemen, eben: das man sie von nun an nicht mehr brauchte…
Doch schlimmer sind die Fragen, die mir gedanklich umtriebig sind:
Ist das alles so, und genau so und vorallem absichtlich gewollt?
Soll D für alles und vorallem bis zum bitteren Ende bluten?
Ist nicht daraufhin, die latente Angst der Frauen D’s zurückzuführen, daß sie sich gar deshalb verweigern, Nachwuchs zu haben?
Ist die Angst der Welt gegenüber D so groß, daß man es ausmerzen muß?
Ist es ein Krieg auf einer anderen Ebene?
Mit internen Maulwürfen, die die Basen, also unsere gemeinsamen Fundamente, bereits unreparierbar zerstört haben?
(Bildung, Einkommenssituation, und in der Folge: Binnenkonjunktur, Nachwuchs)
Antworten wird es geben…
Mit freundlichen Grüßen
Christoph.
Hallo Christoph,
> Soll D für alles und vorallem bis zum bitteren Ende bluten?
Wie ist das zu verstehen?
> Ist die Angst der Welt gegenüber D so groß, daß man es ausmerzen muß?
Verstehe ich nicht. Ich habe insgesamt fast 5 Jahre in zwei verschiedenen Laendern im Ausland gelebt. Keine Angst der Welt gegenueber Deutschland. Eher Respekt fuer die tolle wirtschaftlische Leistung. Dass diese Leistung primaer auf der Lohnzurueckhaltung der Beschaeftigten in D basiert, ist den Menschen in anderen Laendern relativ egal bzw. unbekannt. Die Deutschen (inklusive mir) sind schon selber schuld an der Lage in D, leider. Was aber nicht heisst, dass es grossen Bevoelkerungsschichten in anderen Laendern nicht auch schlecht geht, wie z.B. in den USA und GB (oder auch Griechenland, Spanien..) Ebenso Japan (verlorene Dekade).
“Keine Angst der Welt gegenueber Deutschland. Eher Respekt fuer die tolle wirtschaftlische Leistung. Dass diese Leistung primaer auf der Lohnzurueckhaltung der Beschaeftigten in D basiert, ist den Menschen in anderen Laendern relativ egal bzw. unbekannt.”
Sicher hat die Welt keine besondere Angst vor Deutschland mehr. Doch Besorgnisse gibt es schon, jetzt verstärkt in Spanien, Griechenland und Irland wegen der deutschen Anmaßung, dort im Interesse der deutschen Banken und deren Forderungen an diese Länder die Wirtschaftspolitik bestimmen zu wollen, als könnten alle am deutschen Wesen genesen. In Frankreich weiß man sehr wohl vom deutschen Lohndumping unter dem auch Frankreich leidet und der auf Eis gelegten deutschen Binnenkonjunktur, die es den Partnern nicht erlaubt, ihre Exporte nach Deutschland ähnlich den deutschen dorthin zu steigern. Lagarde hat immer wieder davon gesprochen.
In GB beobachtet man argwöhnisch, wie Deutschland durch die Eurokrise wieder in eine kontinentale Führungsposition kommt. Die amerikanische Politik zeigt kritisch auf Deutschland wie auf China wegen der einseitigen Exportüberschüsse.
Deutschland hat jedenfalls einige Chancen, sich weiter unbeliebt zu machen.
Antwort auf globalnote sagt:
April 29, 2011 um 8:15 pm
Dem widerspreche ich keineswegs. Mir schien der Post von Christoph zu einseitig (Ausland manoevriert Deutschland in prekaere Situation). Dies ist nicht der Fall.
Den franzoesischen Politikern ist sicherlich bekannt, dass deutsches Lohndumping primaer fuer den Exporterfolg verantwortlich ist. Bei dem “gemeinen” Franzosen, bin ich mir da aber nicht so sicher. Meine Gespraeche mit franzoesischen Kollegen sind da eher zwiespaeltig. Viele Kollegen schauen eher voller Bewunderung auf den deutschen Exporterfolg. Dies wird auch von den meisten Medien (die ja die Position von Sarkozy vertreten bzw. umgekehrt) so kommuniziert: die tollen Deutschen kommen wunderbar aus der Krise (implizite Botschaft und Wunsch der franzoesischen Industrie: sie sollen es genauso machen).
Dass sich Deutschlands Ansehen langfristig verschlechtern wird, ist relativ wahrscheinlich. Glaeubiger sind selten gut angesehen.
Ihre französischen Kollegen sind im Business, und da träumt man natürlich auch von Dumpinglöhnen und einem flexibleren Arbeitsmarkt. Normalen Franzosen sind die Deutschen mit ihrer Arbeitswut sicher eher unheimlich. Die übernehmen auch nicht Sarkozys Hinweis auf deutsche Leistungen. Das war auch früher nicht so, als immer wieder auf Deutschland als Modell verwiesen wurde.
Frankreich hat zudem ein längeres historisches Gedächtnis und erinnert sich eher an deutsche Untaten, als wir dies auf dieser Seite des Rheines zu tun bereit sind. Zudem gerät Merkel immer mehr in die Rolle einer Thatcher und die war in Frankreich auch nicht beliebt. Als Gläubiger wird Deutschland sehr schnell auf französische Empfindlichkeiten stoßen. Ebenso ist der deutsche Integrationswahn in Frankreich wenig populär, siehe der negative Volksentscheid zu Lissabon.
Hallo NN,
zu > Wie ist das zu verstehen?
Ich meine, die Generationen verschwinden langsam, die D aufgrund WKII lieber von der Karte gestrichen hätten sehen haben wollen.
Dennoch war es ein strategisch wichtiger Puffer gegen den Osten (und so blieb D eben installiert)…
Aber unter Umständen gibt es ja auch intern Bestrebungen, mit der Begründung, die Deutschen stürben aus, daß D ein Einwanderungsland wird – ein Schmelztiegel des Gen-Pools
>> Ist die Angst der Welt gegenüber D so groß, daß man es ausmerzen muß?
Gerade zwischen den Kriegen hat D gezeigt, welche Potentiale in diesem Volk der Dichter und Denker steckt, und was aus der Händen Kraft alles möglich ist…
Daß im Ausland eher Respekt vorherrscht, mag ich ja so annehmen, doch solange wie D keine Vormachtsstellung erreicht, kann es ja auch beim Respekt bleiben, danach grassiert nur noch blanke Angst…
mfg
Christoph.
Hallo NN,
ich möchte doch gern auf diesen Punkt von Ihnen eingehen:Dem widerspreche ich keineswegs.
>Mir schien der Post von Christoph zu einseitig (Ausland manoevriert Deutschland in prekaere Situation). Dies ist nicht der Fall.
Was wir zur Kenntnis nehmen müssen ist: daß D in sämtlichen Grafiken des Herrn Jahnke ziemlich weit unten positioniert ist. Sämtliche EU-Förderung geht von D aus. D.h bevor sich z.B. G sich nicht umschuldet, S, I, P in den Startlöchern stehen, EU-Hilfen und Kredite anzunehmen (die gestützt werden durch D-Steuerzahler) so wird hier ein Haufen Geld willentlich verbrannt; in den kommenden 1-2 Jahren wird die Situation sich verschärfen; wenn es so im Beamtengalopp bleibt, und keine störenden Einflüsse auftreten.
Das Ausland ist nicht Schuld, das man ihm das Geld hinterwirft – stimmt, an der prekären Situation sind die jetzt aktiven schuld.
Antwort auf “globalnote sagt:
Mai 1, 2011 um 12:47 pm ” :
Ich denke, Sie haben primaer recht mit Ihrem Post. Gleichzeitig denke ich aber auch, dass auch hierzulande (in F), der Einfluss der Medien nicht zu unterschaetzen ist.
Meine Kollegen sind keine Business-Typen, sondern junge Ingenieure. Die Arbeit ist fuer Sie sicher kein Selbstzweck. Sie sind politisch nicht uebermaessig interessiert, ansonsten aber gut gebildet und finanziell nicht bedroht (d.h. entweder es ist genug Geld zum Abpuffern da oder sie haben noch keine Erfahrung gemacht, wie schnell man durch das soziale Netz fallen kann).
Viele haben ein Deutschlandbild, das, wenn ueberhaupt, eher auf Deutschland vor 10-30 Jahren zutrifft (gruen, auslandsinteressiert, wirtschaftlich erfolgreich, sozial). Dementsprechend fallen dann Meldungen vom deutschen “Nach”krisen-Wunder auf fruchtbaren Boden. Andererseits muss man auch sagen, dass sie auch schnell begreifen, wenn man sie mit neuen Fakten versorgt bzw. auf Unstimmigkeiten hinweist.
Dies kann man von einem Grossteil der deutschen Kollegen nicht behaupten (nicht einmal physikalisch-mathematisch gut gebildete Kollegen wollten einsehen, dass ein dauerhafter Exportueberschuss nicht gut sein _kann_).
Hallo NN,
das stimmt mich stutzig:
Dies ist jetzt bezogen auf das Zauberwort: WACHSTUM. (den ich jetzt vereinfachenderweise dem Exportüberschuß gleichsetze…)
(Das hier ein ganzes Volk auf den Holzweg geschickt wird, wird dabei geschickt vermieden..)
>nicht einmal physikalisch-mathematisch gut gebildete Kollegen wollten einsehen, dass ein dauerhafter Exportueberschuss nicht gut sein _kann_
D.h. für diese Kollegen wachsen z.B. Bäume über den Himmel hinaus?!
Um aber das Buzzword “Exportüberschuß”, bzw. die Auswirkungen auf die Wirtschaft, und das letztlich auf die Bevölkerung hat, zu erklären, da hat sich ja schon Herr Jahnke anschaulich in div. Grafiken alle Arme und Beine ausgerissen, und textuell hinterlegt, daß es auch jeder verstehen sollte, doch volkswirtschaftliche Hintergründe werden in den Nachrichten nicht vermittelt, wenn Fr. Bundeskanzler das Wachstumsgesetz kreiert um damit Wachstum und Wohlstand herbeizudiktieren versucht…
Ich glaube nicht, dass die ältere Generation mehr Schuld an der Misere trägt als die Junge. Ich war früher auch naiv genug um die SPD zu wählen, bis ich merkte, dass der Kurs dieser Partei weder sozial noch demokratisch ist. SPDler wie Sarrazin, Schröder oder Müntefering haben die Identität dieser Partei nachhaltig zerstört, die einst durch Menschen wie Willy Brandt oder Helmut Schmidt geprägt wurde. Wen soll man denn heute noch wählen können ohne hinterher enttäuscht zu werden?
Das Problem ist doch, dass es keine Partei geschafft hat bisher einen funktionierenden Kompromiss zu entwerfen, der es Unternehmen genauso wie ihren Arbeitern ermöglichen würde, die Folgen der Globalisierung zu ihrem Vorteil zu entscheiden. Man hat sich einfach dazu entschieden, nur einem von beiden zu helfen und das sind nunmal die einflussreichen Unternehmen.
Die Globalisierung stellt Deutschland letztenendes vor das Problem als demokratisches Land mit Ländern zu konkurieren, die nicht demokratisch sind und daraus einen enormen Vorteil ziehen. Deutschland versucht mit aller Macht seine Stellung in der Welt zu erhalten. Gegen ein Land wie China, dass Kapitalismus und Diktatur vereint kann man nicht wetteifern ohne die eigenen demokratischen Werte zu verraten. Es gebe nur eine Lösung, die unsere Demokratie retten kann: Man darf keinen Handel treiben mit einem Land, dass Regimekritiker einfach verschwinden lässt, einem Land, dass sich einen Dreck um seine eigenen Bürger schert!
Vielleicht ist es ähnlich wie die USA unter Lincoln zu einer Einheit fanden: Es ist nicht möglich gegen Sklaventreiber zu konkurrieren, es sei denn man schafft sie ab!
Es ist schon logisch, daß die ältere Generation mehr Verantwortung trägt. Schließlich war sie viel länger in demokratischen Einflußpositionen, und sei es über das Wahlrecht, als die Jüngeren.
Gegen China-Dumping kann man sich wehren, wenn man nur will. Dazu gibt es die legalen Anti-Dumping-Spielregeln der WTO. Doch die neoliberale Bundesregierung und die Partner in Brüssel wollten die europäische Arbeiterschaft dem ungleichen Wettbewerb ausliefern wegen angeblicher Exportinteressen nach China. Man hätte diesen Regierungen längst die rote Karte zeigen können. Doch die Mehrheiten in den Bevölkerungen wollten offensichtlich naiv sein oder sich in ihr Privatleben zurückziehen. Warnungen gab es immer genug. Niemand hat die Deutschen gezwungen, Schröder oder danach Merkel zu wählen.
und unser neuer bundesbankpräsident weidmann,der ganz dick mit herrn assmussen ist und grosse verantwortung für diesen ganzen schlammassel trägt,wird an der neoliberalen haltung der entscheidungsträger in d nichts ändern und kein gegengewicht bilden.alles geht weiter wie gehabt.schlimm das ganze.
Guten Tag in die Runde,
die Soziale Marktwirtschaft ist seit nach dem 2. Weltkrieg mit dem Versprechen auf Vollbeschäftigung und Wohlstand für die Massen angetreten und scheiterte während der 1970er Jahre kläglich. Nicht nur die Inflation wuchs, sondern auch die Arbeitslosigkeit und die Staatsverschuldung.
Der nach diesem ökonomischen Schock installierte Neoliberalismus ist insofern die ehrlichere Wirtschaftsform, als dass hier von vornherein postuliert und praktiziert wird, dass es keine Vollbeschäftigung und keinen Wohlstand für alle geben wird. Da wissen wir also von vornerein, welche Unzumutbarkeiten auf uns zukommen.
Aber warum ist es, selbst in der Sozialen Marktwirtschaft, unmöglich, Wohlstand und Arbeitsplätze für alle zu schaffen? Weil Wachstum und Profit nicht dauerhaft proportional steigen. Nahe der Vollbeschäftigung sinkt die Kapitalrendite unweigerlich. Die Unternehmer versuchen nun, die Rentabilität über ihre Preispolitik aufrecht zu erhalten. Es kommt, wie wir in den 1970er Jahren gesehen haben, unweigerlich zur Lohn-Preis-Spirale und damit einhergehender galoppierender Inflation plus steigender Arbeitslosigkeit. Es ist eine der vielen Paradoxien des Kapitalismus, dass eine hohe Produktivität eben nicht Wohlstand für alle erzeugt, sondern genau das Gegenteil. Was nicht nur uns Deutschen fehlt, ist das Massenbewußtsein, diesen kapitalistischen Schwachsinn ein für allemal zu brandmarken.
Nun stellt sich die Frage, was ein Unternehmer tut, dessen Kapitaleinsatz sich im Heimatmarkt immer weniger rentiert. Entscheidet er sich für mehr individuellen Profit oder entscheidet er sich für mehr Wachstum, also noch größeren Wohlstand für die Massen? Entgegen aller fadenscheinigen Versicherungen werden sich die Unternehmer für mehr eigenen Profit, also gegen das Wachstum der Gütermärkte entscheiden. Sie wechseln sogar ihre Standorte in solche Volkswirtschaften, die eine höhere Wachstumsrate als der Heimatmarkt vorzuweisen haben, auch dann, wenn die Lohn-Stück-Kosten etwas höher liegen und zwar so lange, bis auch dieser Markt abgegrast ist und einbricht. Dann zieht die Karawane weiter, immer auf der Jagd nach dem höchstmöglichen Eigenprofit. Die Metapher “Heuschrecke” ist durchaus angemessen.
Um die Mechanik des Kapitalismus zu verstehen, muss man wissen, dass seit Thomas Hobbes (1588 – 1679) die irrige Ideologie vorherrscht, Kapital ließe sich endlos akkumulieren, sofern die menschliche Arbeitskraft effizient ausgebeutet und der geringste Lohn gezahlt wird. Im Kapitalismus ist noch nie zum Wohle der Massen produziert worden, sondern stets, um den unternehmerischen Kapitalstock zu vergrößern. Dieses kapitalistische Basisprinzip galt auch in der Sozialen Marktwirtschaft.
Um diesen profitgeilen Teufelskreis zu durchbrechen, müssten die nationalen Staaten in die Lage versetzt werden, Investitionspolitik und Profitraten zu Gunsten von mehr Massenkonsum einschränken zu können. Ein solcher Gedanke ist derzeit jedoch reine Utopie und wird vermutlich nie verwirklicht werden.
Aus all meinen Ausführungen geht hervor, dass es mir fern liegt, einzelne Funktionseliten wie beispielsweise Helmut Kohl, Reagan, Thatcher, Hayek, Friedman etc. für den Verfall unserer Sozialen Marktwirtschaft verantwortlich zu machen. Vielmehr steckt die Fäulnis, das Asoziale im Kapitalismus selbst und das nun schon seit rund 500 Jahren.
Ich frage mich häufig, wie lange wir uns diesen Geldterror eigentlich noch gefallen lassen. Noch einmal 500 Jahre?
Ein schönes Wochenende wünscht
Gaby
global: das problem ist doch, dass man hierzuulande keine wirkliche möglichkeit der mitbestimmung hat. politiker, die alles besserwissen und das volk für dummm halten, sind gegen bundeweite direkte demokratie, als könnte man die repräsentative demokratie als eine wirkliche volksherrschaft bezeichnen!habe vor kurzem in einem forum einen beitrag gelesen, der mann war anhänger der ösi-schule. seine ansicht war, demokratei ist nichts, wirtschaft ist alles-was soll man da sagen!
Hallo ribi und Mitlesende,
die von Dir gewünschte demokratische Mitbestimmung des Volkes geht ursprünglich auf Jean-Jacques Rousseau (1712 – 1778) zurück. Er postulierte ausdrücklich die “direkte Demokratie”. Wieder aufgelebt ist diese Idee in der Pariser Kommune 1871, den Räten in Rußland und in Deutschland nach dem 1. Weltkrieg. Weitere Erben der Idee der direkten demokratischen Mitbestimmung waren die kritischen Studenten der 1968er-Bewegung. Zuletzt aufgelebt ist diese Idee bei den GRÜNEN der 1980er Jahre in Form von “Basisdemokratie”, “direkte Demokratie” und “Rotationsprinzip”. Der überhaupt nicht kritische “Marsch durch die Institutionen” hat die GRÜNEN, deren Gründungsmitglied Rudi Dutschke war, in das Herz der deutschen Demokratie, also auf die Ministersessel gebracht und sie an der Agenda 2010 fleißig mittüffeln und durchsetzen lassen.
Nun stellt sich die Frage, warum alle diese, mitunter ziemlich blutig gelaufenen Mitbestimmungs-Emanzipations-Versuche der “direkten Demokratie” fehl geschlagen sind. Das liegt meiner Meinung daran, dass das der Demokratie vorgeschaltete Element, die kapitalistische Ökonomie, nicht abgeschafft wurde. Solange der Kapitalismus als die göttliche Natur dieses Planeten, die Natur des Menschen angesehen wird, wir uns also nicht aus den Kategorien der “abstrakten Arbeit” und der hieraus resultierenden Warenproduktion und des Geldes lösen, wird es keine direkte Mitbestimmung in einer Demokratie geben, denn wir werden immer zu Gunsten der Weltmacht Kapitalismus und nicht zum Wohle der Menschen entscheiden, wenn wir gefragt werden, was richtig und was falsch ist.
Das ist ja gerade das Manko politisch linksgerichteter Geister. Die SPD, Die Linken und die Gewerkschaften tun alles, sich dem Kapitalismus anzubiedern, spielten in der Vergangenheit die Kriegstreiber, heute die neoliberalen Einpeitscher, um nur ja von den Konservativ-Liberalen ernst genommen zu werden und drängen ihre Anhänger, die Arbeiterschaft, auf diese Weise immer tiefer in die Weltmaschine Kapitalismus hinein. Das ist in Deutschland seit 1848 so, ab dem Jahr 2000 zeigt sich das völlig ungeschminkt, also für jeden noch so politisch uninteressierten Deutschen sehr deutlich.
Und wieder, wie immer (!), sind es die Konservativen des Parlamentarismus, die wirtschaftsliberalen Geister, die sehr viel mehr Durchblick haben als die politisch Linken. Sie werfen den Verfechtern der “direkten Demokratie” völlig zu Recht vor, dass der Volkswille gern von diversen modernen Diktaturen aufgegriffen wurde, denn die Fragen, die dem Volk in einer “direkten Demokratie” gestellt werden, sind immer von den Gesetzmäßigkeiten und irrationalen Widersprüchen im Kapitalismus vorformuliert, können vom Bürger/in also lediglich systembedingt entschieden werden. Der englische Historiker J. L. Talmon nannte die “direkte Mitbestimmung des Volkes” Anfang der 1960er Jahre “totalitäre Demokratie”, was mich an Goebbels denken lässt, der das deutsche Volk am 18. Feb. 1943 fragte, ob es den “totalen Krieg” will und das deutsche Volk brüllte aus voller Kehle “Ja”.
Auf gut Deutsch: Wenn das deutsche 80-Millionen-Volk ständig, ich schätze zwei Mal pro Tag und alle Jahre eines Menschenlebens hindurch, zur direkten demokratischen Abstimmung gerufen würde, wären wir nicht nur zeitlich und intellektuell total überfordert, sondern es käme unter’m Strich der gleiche Mist heraus, den unsere Politiker in unseren Augen tagtäglich produzieren, weil wir nicht das abschaffen wollen, was uns allen unsere alltäglichen Probleme bereitet; den Kapitalismus.
Wie sonst konnte es bei der letzten Bundestagswahl zu einer Schwarz-Gelben Regierung kommen, wenn uns nicht bereits unsere Alltagsprobleme so enorm überfordern, dass wir nicht mal mehr klar denken können, wir gar unsere eigene Historie nicht mehr vor Augen haben?
Gaby
Sorry, habe mich vertippt!
Rudi Dutschke war eines der Gründungsmitglieder der GRÜNEN und nicht alleiniger Begründer, wie es meine unglaublich doofe Formulierung vermuten lässt.
Gaby
All die theoretischen Erörterungen führen zu nichts. Geht unter das Volk und hört zu. Der Souverän hat längst gesprochen. Welche Regierung hatte in den letzten Jahrzehnten eine Mehrheit von mehr als 50% der Wähler? Ist der Souverän machtlos? Nein, er stimmt jeden Tag ab.
Deutsche sind traditionell leidensgewohnt und ruhig (“Ruhe ist die erste Bürgerpflicht”).
Lieber J.J.J., dass es innerhalb der SPD keinen Widerspruch gegeben habe, kann ich nicht nachvollziehen. Auf einem Parteitag Mitte der 90-er Jahre platzte mir der Kragen und ich musste Stellung beziehen. Der Parteitagsleitung war es gelungen, den Punkt “Steuerliche Freistellung von Aktiengewinnen” am Ende zu plazieren. Die meisten waren bereits gegangen. Ich stellte die Frage, ob sie sich erinnern, wozu wir in den 60-er Jahren angetreten waren: “Versteuerung von leistungslosen Einkommen”. Dabei sah ich, wie sich in den Pupillen der übriggebliebenen Delegierten die Schwärze zu einem Dollarzeichen zusammenzog. Sie riefen “Buuuuh”. Der Antrag auf Befürwortung der Freistellung wurde mit grosser Mehrheit angenommen.
In der Zwischenzeit werden die meisten dieser Dollar-Augen nur mehr Papier besitzen.
Wir aber wissen, dass Leben nur durch Arbeit verwirklicht wird. Das Papier bringt seinen Zins, so lange, bis niemand es mehr anerkennt.
Sie sind oft im Ausland. Dort, besonders in Irland, ist der Unmut offen erkennbar. Oder auch in Frankreich. Dort gibt es Traditionen, die wir nicht gut heissen. Wir als das Volk müssen uns nicht gegenseitig erwürgen, um das Wohl der Herrscher zu sichern. Dort weiss man dies.
Da wir solches Vorgehen nicht wünschen, das wissen die Herrscher, treiben sie es bis auf die Spitze.
Beispiel: Hustet eine Bank, sind sofort Hunderte von Milliarden zur Stelle. Dagegen sind Dinge, die dem Volk lieb und wert sind, wie Schulen, Kindergärten, Bildung, Krankenhäuser, kurzum, was uns allen sehr nahe geht für die Zukunft unserer Kinder und uns selbst, diese Dinge dagegen werden von der Regierung als “unbezahlbar” abgetan.
Seien Sie sicher, lieber J.J.J., das Volk wird es schon richten.
Der Souverän schläft nie.
mit freundlichen Grüssen
Georg Hausmann
P.S.: Insbesondere denke ich oft an das Leiden der einzelnen betroffenen Menschen. Denen helfen andere Menschen. Die haben Gefühl. Die “Regierung” kann das nicht.