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global news 2341 02-04-11: Deutschland wird ein Land von alternden Einzel- oder Doppelgängern

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19 Antworten zu 2341

  1. Rote Socke sagt:

    Ja, danke, Herr Jahnke.
    Dieses Phänomen bewegt mich schon seit gut und gern 10 Jahren. Der Mechanismus, der dahinter steht, ist nach meinem Dafürhalten recht einfach: Erstens wird seitens der Politik alles unternommen, um gerade bei jungen Leuten die Familienbildung zu unterbinden, und zweitens sind Kinder in D in erster Linie ein Kostenfaktor. Da ändert auch HartzßIV nix dran. In dieser Beziehung ist Sarrazin sehr aussagefähig, kommt allerdings nicht zu den richtigen Ergebnissen: Wenn ich will, daß Kinder in Deutschland ein zu Hause haben sollen, dann muß ich dafür sorgen, daß die Sorgen der Eltern weniger werden. Warum wird – nur als Beispiel – das Elternsein nicht als berufliche Tätigkeit anerkannt? Wenn ein wirtschaftlich aktiver Mensch i.S. Frau in D sich zur Mutter degradiert, hat sie Einkommenseinbußen in Größenordnungen und noch einen Kostenfaktor mehr. Das sollte anders werden.

    Der allseits so hoch geschätzte offizielle Hartz-IV-Satz ist nach wie vor ein Bonussystem. Die meisten Boni hat, wer allein lebt oder in einer gleichgeschlechtlichen LG ohne Partner. So wie sich was natürliches entwickelt, entfallen die Boni. Ist doch Humbug, oder?

    Meine Meinung.

  2. Gaby sagt:

    Guten Abend, Rote Socke und in die Runde,

    ich stimme Deinen Einwänden 100 %ig zu. Die ungleiche Betrachtung und Behandlung der dringend nötigen Reproduktion bzw. der sozialen Reproduktionsarbeit versus lohnabhängiger Arbeit macht mich schon lange wütend.

    Für den Kapitalisten ist da jedoch kein Widerspruch. Die Kinderaufzucht, die Pflege der Familienangehörigen, aber auch der Bildungssektor sind im kapitalistischen Sinne “tote Kosten”. Diese Sektoren bringen keinen unmittelbaren Profit. Kinder müssen erst mal groß werden und ob aus denen für den Kapitalisten gebrauchsfertige Arbeitskraft wird, steht in den Sternen. Kranke und Alte zu pflegen und durchzufüttern ist, aus betriebswirtschaftlicher Sicht, überflüssig, denn die Kosten überwiegen den betriebswirtschaftlichen Nutzen; das gilt auch für Arbeitslose. Die soziale Komponente kommt in all diesen Kosten-/Nutzen-Betrachtungen nicht vor.

    So ungefähr ab dem 17. Jhr. hat es sich in Europa heraus kristallisiert, dass die Frauen ideologisch mit der “ungezügelten Natur” gleichgesetzt werden, wohingegen die Männer als “kulturelle Wesen” angesehen werden. Die lohnabhängige Arbeit adelt – aber nur den Mann, weshalb er bis heute auch meistens besser bezahlt wird als die lohnabhängige Frau! Der “naturhaften” Frau wurden über die letzten Jahrhunderte peu á peu diejenigen Arbeiten zugeschoben, die für den Kapitalisten keinen direkten Wert haben, sondern lediglich Kosten darstellen. Arbeitsleistungen, denen kein Arbeitsvertrag zugrunde liegt, werden im Kapitalismus nicht als verwertbare, profitbringende Arbeit angesehen, also auch nicht entlohnt. Der Mutterschaft, Hausarbeit, Pflege der Angehörigen etc. pp. liegt kein Arbeitsvertrag zugrunde, folglich ist es auch keine Arbeit im volkswirtschaftlichen Sinne; der Wert der Reproduktionsarbeit schlägt sich also auch nicht positiv im BIP nieder.

    Es obliegt der nationalen Politik, per Gesetze diese ideologische wie unmittelbare Ungleichbehandlung von Männern und Frauen zu durchbrechen, denn der Staat ist diejenige Instanz, die dem Kapitalismus und all seinen menschenverachtenden Ideologien Grenzen setzen kann, sofern der politische Wille vorhanden ist. Wo das nicht der Fall ist, haben Frauen bis zum heutigen Tage mit vielerlei Diskriminierungen, schlechteren Arbeitsbedingungen und Entlohnungen zu kämpfen.

    Wo die politischen Bedingungen besser sind, beispielsweise in Skandinavien, trägt die Wirtschaftsform des Kapitalismus tatsächlich zum allgemeinen Wohlstand für (fast) alle bei, denn Wohlstand bedeutet für das Wirtschaftssubjekt nicht nur, einen gut gefüllten Geldbeutel zu haben, sondern auch seine vielfältigen sozialen Bedürfnisse und das Bedürfnis nach Bildung flächendeckend und nicht nur punktuell, wie neuerdings in Deutschland, befriedigt zu sehen.

    Aber vom nordischen, dem menschenfreundlicheren Wirtschaftsmodell, das in Deutschland einst Soziale Marktwirtschaft hieß, entfernt sich Deutschland immer stärker. Wir machen gerade eine reaktionäre Rolle rückwärts ins 19. Jhr. und glauben, das sei Fortschritt.

    Ich wünsche Euch allen einen schönen Sonntag,

    Gaby

  3. Willi sagt:

    Nicht nur in Deutschland sondern fast ganz Europa sinkt seit Jahren die Geburtenrate. Dieser Prozess nährt sich selbst, wie man schön in Japan sehen kann. Im Extremfall sind eines Tages alle Frauen in der Menopause und die letzte einheimische Generation stirbt weg.

    • globalnote sagt:

      Das ist so nicht richtig, da es gewaltige Unterschiede in der Geburtenrate allein in Europa gibt. Siehe dazu hier: http://www.jjahnke.net/index_files/04047.gif . Für Witze (Menopause) ist hier wirklich kein Anlaß.

      • Rote Socke sagt:

        Danke, Herr Jahnke.
        Da wird man doch wirklich nachdenklich! Was ist an Irland oder Island so weltbewegend anders, daß dort die Geurtenraten so hoch liegen? Es muß eine objektive Gegebenheit geben, die dahinter steckt. Was mich wundert – auch in Frankreich gibt es eine relativ hohe Fruchtbarkeitsrate! Deutschland wird (in Europa) nur von Portugal unterboten. Vielleicht liegt es am Wetter? ;)

        Hier sollten sich mal wirklich die eine Rübe machen, die dafür bezahlt werden, oder?

      • globalnote sagt:

        Die Gründe sind ziemlich klar, in allen diesen Ländern haben Frauen meist weit bessere Entwicklungsmöglichkeiten als in Deutschland mit weit weniger Lohndiskriminierung, einer Unterstützung in den Familien, bessere Kindergartenmöglichkeiten und eine bessere Anerkennung ihrer Erziehungsleistung als in Deutschland, wo die meisten Männer nicht gelernt haben, ihre Frauen in der Ehe voll gleichberechtigt zu behandeln. Ich habe ja immer wieder darüber berichtet, so das es für Leser des Infoportals eigentlich kein Geheimnis sein kann.

    • Gaby sagt:

      Guten Tag, Willi und Mitdiskutanten,

      sag mal, wie meinst Du das, wenn Du schreibst: “Dieser Prozess nährt sich selbst, wie man schön in Japan sehen kann.”

      Deine Worte wirken mir, als habe G. W. Friedrich Hegels “Weltvernunft” verwirrt und schwermütig zu mir herüber geseufzt.

      Mit freundlichen Grüßen

      Gaby

    • Rote Socke sagt:

      Danke, Heiner!
      Hätte ich von unseren westlichen Nachbarn nicht gedacht! Ich denke (wenn ich darf) mal so: Es geht wohl weniger um die Höhe solcher Beihilfen, denn egal, wieviel, es ist egal zu wenig, es geht wohl mehr um die Sorge um Kinder und Familie, und da hat D in den zurückliegenden Jahren deutlich verloren!

      Die Kinderkrippen der DDR sind ja mit Erfolg wegrationalisiert und nicht selten zu Konsumstätten umgewidmet worden, und die Kindergärten werden in der lieblosen und saudämlichen Form wiederbelebt, wie es der sogenannte Grüne Pfeil aus dem Osten wurde: Alles, was bleibt, ist Name und äußerer Schein, der Inhalt selbst ist absolut verkorkst, und wenn ich mir die Schauspieler so anschaue, die für dieses Ressort die »Verantwortung« (die wissen ja gar nicht mal, was das ist, nur, wieviel sie dafür bekommen!) tragen, fällt mir auch nichts weiter ein! Die ganze Clique sollte ihren Hut nehmen! Vorsichtg formuliert!

      • globalnote sagt:

        Auch die Geburtenrate der DDR ging von etwa 2 in 1980 auf nur noch 1,5 in 1990 zurück. Es sind also nicht nur die Kinderkrippen, die hier zählen. Die DDR versuchte, nicht zuletzt aus ökonomischen Gründen mehr Frauen in der Wirtschaft zu haben, ohne die Kinder zu verlieren, doch auch hier war das Ergebnis am Ende kein großer Erfolg.

      • Rote Socke sagt:

        Kein Wunder, Herr Jahnke! Die Zeiten waren unsicher geworden und keiner wußte, was kommen wird, damals, 1990. Die sozial sicheren Zeiten und die Zeiten der Vollbeschäftigung waren für uns Zonies schlicht vorbei. Das war uns allen klar. Hinzu kam: Die ersten Einrichtungen, die geschlossen worden waren, waren die Kinderkrippen! (auf dem Gelände der Krippe, in die wir unsere Tochter gebracht hatten, wurde ein PLUS-Markt eröffnet. Bravo!)

        Gut, uns wurde verklickert, daß es doch besser sei, wenn die Mamas wieder Mamas würden und heim zu den drei K fänden, das fanden unsere Frauen aber nicht ganz so toll, denn die Gehälter der Papas wurden nicht mehr dadurch, daß sie Papas geworden waren, und so viel staatlichen Zuschuß hat es auch nicht gegeben, zudem stand das Damoklesschwert der Arbeitslosigkeit für die nächsten 14 Jahre im Raum, bis der/die/das Kleine aus dem Gröbsten raus war.

        Soll kein Lobgesang auf die Zone sein, nur, was Recht ist sollte auch Recht bleiben, oder? Das System der Kinderbetreuung bis hin zur Berufs- und Hochschulausbildung in der DDR hatte schon was für sich und man hätte nicht das Kind mit dem Bade ausschütten sollen, um im Bild zu bleiben. Problem war nur die Finanzierung, denn im Imperialismus der BRD drehte sich immer alles um nicht vorhandenes Geld, auch zu den von Ihnen so gern besungenen Zeiten der Sozialen MarkWirtschaft.

        Wir waren irgendwo bei der Frage hängengeblieben, Kapitalismus oder nicht. Es hat schon immer zwei Richtungen gegeben, und zwar entweder die soziale Komponente bei der Kapitalisierung der Gewinne der Konzerne zu verstärken, wie das offenbar unsere Nachbarn tun, denn woher sonst kommt das Geld für die sozialen Leistungen, oder aber einen radikalen Schritt der Marke “und bist du nicht willig…” zu gehen. Die erste Variante fordert die Politik, die in D leider zur Hure des Kapitals verkommen ist, die zweite Richtung ist Quell für Extreme, und Tummelplatz für allerhand Abenteurer… Und dazwischen liegt eine ganze Palette von Möglichkeiten, die nur endlich mal genutzt werden sollten.

      • globalnote sagt:

        Sie haben mich vielleicht nicht ganz verstanden. Die Geburtenrate ging noch zu vollen DDR-Zeiten ab 1980 zurück (bis 1990 um 25 %!), nicht erst 1990 und danch, als sie wegen der Unsicherheiten der Wiedervereinigung noch weiter fiel.

      • Gaby sagt:

        Guten Tag in die Runde,

        angeregt durch Dr. Jahnkes Hinweis auf die rückläufigen Geburtenraten der 1980er Jahre in der DDR, habe ich versucht, mich per Internet näher zu informieren.

        Gerade habe ich ganz gewaltig die Ohren angelegt vor angewidertem Staunen, welchem ungeheuren gesellschaftlichen und moralischem Druck die Frauen in der DDR ausgesetzt waren, um nur ja beruflich ihren Mann zu stehen, gleichzeitig so früh wie möglich möglichst viele Kinder zu gebären und daheim die angeblich geschlechtsspezifischen Hausarbeiten fleißig zu erfüllen. Mich wundert jetzt überhaupt nicht mehr, dass die Frauen in den 1980er Jahren, also vor der Wiedervereinigung, immer weniger Kinder zur Welt brachten.

        http://de.wikipedia.org/wiki/Frauen-_und_Familienpolitik_der_DDR#1980er-Jahre

        http://www.kas.de/wf/de/71.6655/

        Keine psychisch halbwegs gesunde Frau lässt sich von der Nation bzw. dem Staat, also in erster Linie von Männern, derart unter Druck setzen! Frauen sind keine Roboter, die sich, gelenkt von männlicher Hand, vollkommen im kapitalistischen Produktionsprozess verwursteln lassen! Da muss der Mann schon Abstriche hinnehmen und sei es um den Preis einer schrumpfenden Bevölkerung.

        Bisher habe ich die Ansicht vertreten, dass der Sozialismus wie der Kommunismus mißlungene Ableger des Kapitalismus sind, da sich beide Systeme in ökonomischer Sicht nicht vom Kapitalismus emanzipiert haben. Die Basis beider Gesellschaftssysteme war die Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft, die Ausbeutung der Natur, Produktivitäts- wie Profitmaximierung. Und in beiden Systemen waren die Frauen nicht wirklich gleichberechtigt.

        Was ich allerdings vorhin in den genannten Links gelesen habe, lässt mich obendrein vermuten, dass sich die Frauen in der DDR noch viel unglücklicher fühlten als ihre Schwestern in der sozialmarktwirtschaftlichen Bundesrepublik Deutschland.

        Ab heute werde ich nie wieder denken und nie wieder reden, die Frauen in der DDR hätten ein auf ihre spezifischen Bedürfnisse besser zugeschnittenes Leben gehabt. Das ist schlichtweg ein Mythos!

        Schönen Tag noch,

        Gaby

      • Rote Socke sagt:

        @Gaby
        Interessant, was so alles geschrieben wird! Wenn Sie sich die von Ihnen empfohlenen Texte nochmal vornehmen und mal etwas zwischen den Zeilen lesen, kommen Sie der tatsächlichen Situation etwas näher. Wir hatten in der Zone chronischen Arbeitskräftemangel! Die Betriebe haben deshalb ungern (potentiell) Schwangere eingestellt, weil im Falle eines Falles der Arbeitsplatz 3 Jahre lang offengehalten werden mußte, aber befristete Einstellungen auf eine bestimmte Position gab es nicht.

        Wissen Sie eigentlich, was ein »Haushaltstag« ist? Wurde auch wegrationalisiert, und keine Sau fragt nach! 12 zusätzliche freie Tage für die (verheirateten) Damen in der Zone im Jahr!

        Da kommen wir aber der Frage nicht näher, warum es in den 1980er Jahren einen Geburtenrückgang gegeben hat. Vielleicht hilft diese Graphik etwas weiter?

      • globalnote sagt:

        Auf diese Grafik hatte ich mich bezogen, weil Sie nur auf den Rückgang der Geburtenziffer ab 1990 ausweichen wollte, während er schon 1980 einsetzte und bis 1990 ein Minus von 25 % ergab. Warum wohl, wenn es den Frauen im Sozialismus so gut ging??

      • Gaby sagt:

        Hallo, Rote Socke und Mitlesende,

        doch, ich habe gelesen, dass es pro Monat einen Haushaltstag für die Damen gegeben hat. Für die verheirateten Frauen wohlgemerkt! Das bedeutet ja nichts anderes, als dass die Hauptlast der Hausarbeit und der Kinderversorgung auch im Sozialismus ganz selbstverständlich die Aufgabe der Frauen gewesen ist, neben der staatlich verordneten Volltagsmaloche, neben dem ganzen moralisch katalysierten Konformitätsdruck und dem ausdrücklichen Wunsch der Regierung, so viele Kinder wie möglich zu gebären. Die so hochgelobte Kinderbetreuung diente weder den Kindern, noch den Frauen, sondern allein den Zielen des Staatsapparats und diese Ziele waren männlich geprägt, dienten also in erster Linie männlichen Machtinteressen.

        Ich wette, kein DDR-Mann hätte sein Leben mit dem einer verheirateten Frau tauschen wollen! Und ich wette, dass sich die heranwachsenden Mädchen feste vornahmen, sich nicht wie ihre Mütter nach Strich und Faden für eine so unsinnige Sache wie Staat und sozialistische Ideologie ausnutzen zu lassen! Wenn frau sich nicht dem Würgegriff der allumfänglichen, staatlichen Fremdbestimmung entziehen kann, so kann sie in den Gebärstreik treten und genau das ist in der DDR passiert.

        Mein Fazit: Der einst real existierende Sozialismus war nicht weniger menschenverachtend wie der Kapitalismus schlechthin – vermutlich sogar noch einen Tick verachtender wegen des ungeheuren Drucks, den der männliche politische Wille erzeugte, unbedingt mit dem gereifteren westlichen Kapitalismus aufholend mithalten, ihn gar überholen zu wollen. Der Druck auf die einfachen Menschen, allen voran den Frauen, war so enorm, dass letztlich die Mauer implodierte. Aber das ist ja nun alles Geschichte!

        Oder doch nicht? Immerhin verzeichnen wir in allen kapitalisierten Nationen Geburtenrückgänge, dabei geht es uns doch angeblich so gut, wie noch niemals jenseits des Kapitalismus. Wir brauchen uns nicht einmal anzustrengen, integere Menschen zu sein, schließlich kann man/frau sich heutzutage jede Dienstleistung kaufen, bis in den Tod. Und doch sind wir nicht wirklich glücklich, weil es schlichtweg unmöglich ist, glücklich zu sein, solange wir unter der Knute eines anderen Menschen arbeiten und zusehen müssen, wie unsere natürlichen Lebensgrundlagen mehr und mehr vernichtet werden (Extembeispiel: Reaktorunglück Fukushima).

        Die moderne Produktionsweise führt zum Hass. Zum Hass auf die Arbeit, weil man/frau sich als fremdbestimmter, seiner Selbst entfremdeter Lohnsklave empfindet und letztlich zum Hass auf sich selbst, denn die Lebensumstände prägen unser Ich. Lebenslang empfundener Hass macht müde, schlapp und krank. Die kapitalistische Produktionsweise bringt keine gute gesellschaftliche Basis hervor, Kinder in die Welt zu setzen und sich an deren Aufzucht vergnüglich, also lebensbejahend zu erfreuen, schon gar nicht dann, wenn der Mutterschaft seitens der Gesellschaft grundsätzlich mißtrauisch begegnet wird, weil sie wegen der spezifischen Bedürfnisse der Frauen als kapitalschädigend, als “totes Kapital” empfunden wird. Alle staatlichen Bemühungen der Kinderbetreuung werden unter diesen nekrophilen = lebensverneinenden Umständen ins Leere laufen.

        Ich denke, die Schwächen des kapitalistischen Systems spüren insbesondere die Frauen aller Länder, die durch dieses Geldvermehrungssystem in mehrfacher Weise um ein sinnliches, biophiles = lebensbejahendes Leben betrogen werden und etlichen schwerwiegenden Doppel- gar Dreifachbelastungen ausgesetzt sind. Der Kapitalismus pervertiert peu á peu das Leben der Menschen, weil dieses System das Geld wertvoller macht als das Leben und die Menschen, Frauen wie Männer, reagieren darauf mit der Verkümmerung ihrer vitalsten biologischen Interessen.

        Klar, Skandinavien ist ebenso kapitalistisch geprägt wie der Rest der Welt. Auch hier werden sich die Menschen wie Lohnsklaven fühlen und diesen Zustand hassen. Aber die Skandinavier haben gegenüber dem Rest der Welt einen entscheidenden Vorteil und der heißt “historisch gewachsene Solidarität”. Diese seit der Wikingerzeit über viele Jahrhunderte gewachsene Solidarität verhindert bis heute, dass Kinder als Störenfriede und lästige Kostenfaktoren empfunden werden, aber auch, dass Frauen, Mutterschaft und Kinderaufzucht als minderwertig angesehen werden, was dazu führt, dass sich skandinavische und dänische Männer trotz der kapitalistischen Moderne vergleichsweise sehr viel besser an der täglichen Hausarbeit beteiligen und sich ebenso, vergleichsweise, besser flächendeckend um ihren Nachwuchs kümmern. Und weil es sich aus den genannten Gründen in dem relativ zum Rest der Welt menschenfreundlichen Biotop Skandinavien und Dänemark vortrefflich Kinder groß ziehen lässt, werden dort auch vergleichsweise viele Menschen geboren, die hoffnungsvoll in eine Zukunft blicken, die sowohl ihre körperlichen Bedürfnisse befriedigt, wie auch ihre geistigen und sinnlichen. In der Ursuppe der Solidarität greifen die staatlichen Maßnahmen der Kinderbetreuung vortrefflich.

        Der Schlüssel für unsere deutsche Zukunft ist nicht Sozialismus oder Kommunismus, sondern ehrlich empfundene und ehrlich gelebte Solidarität und diese Solidarität liegt in jedem von uns, ab unserer Geburt, wie ein einfaches Stück Brot.

        Die Lebensumstände entscheiden, ob das zarte Pflänzchen Solidarität erwachsen und fruchtbar wird oder gleich in der Grundschule per national betriebender Kapitalismuspolitik zertreten wird. In Deutschland wird 10jährigen ins Gesicht gesagt, dass sie für’s Gymnasium taugen oder nur für Hartz-IV. Was ist das für ein Leben, frage ich, Gottverdammt noch mal!?

        Frauen wie Männer sind biologisch gleichwertig und nicht, wie uns die Philosophie des Kapitalismus seit dem 17. Jhr. per hanebüschendster Behauptungen noch heute berühmter Männer wie Malthus, Bentham, Kant, Hegel etc. lehren wollen, der Mann sei Kultur (= kapitalschaffend) und die Biologie der Frau sei lediglich vernachlässigendbare Natur, deren potentielle Arbeitskraft es im kapitalistischen Sinne noch auszuheben gilt, ohne, dass dieses angeblich strohdoofe Geschöpf es merkt.

        So zu denken ist absolut menschenfeindlicher Quatsch und die Frauen vieler Länder, vor allem in den hochkapitalisierten Ländern, begreifen das mittlerweile und reagieren entsprechend. Kein Kind diesem System!

        Einen angenehmen Abend wünscht

        Gaby

  4. Heiner sagt:

    Rote Socke: Und die vielen Franzosen werden auch immer älter, was ja in einer funktionierenden Gesellschaft auch gut ist.:
    http://www.sueddeutsche.de/leben/langes-leben-rotwein-und-rente-1.1080428
    MfG

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