2311

global news 2311 28-02-11: Die Bundesregierung betreibt eine besonders gefährliche Form von Konkursverschleppung an der Eurozonen-Peripherie

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8 Antworten zu 2311

  1. Gaby sagt:

    Guten Tag in die Runde,

    das liest sich alles ziemlich dramatisch und ich habe das Gefühl, dass unseren überschuldeten Nachbarländern unter den gegebenen Umständen nichts anderes übrig bleibt, als Staatsbankrott anzumelden. Im Falle eines Staatsbankrotts entfallen gewöhnlich die Zinszahlungen und/oder die Verpflichtung der Kapitalrückzahlung der Staatsanleihen; die Gläubiger gucken auf jeden Fall in die Röhre!

    Ein Staatsbankrott ist überdies weit weniger dramatisch, als man sich das gewöhnlich vorstellt. Das insolvente Land und die Menschen verschwinden nicht, aber die Zahlungsverpflichtungen verschwinden ganz oder teilweise. Nach einem Bankrott kann die Volkswirtschaft eines solchen Landes wieder tief durchatmen und neu beginnen.

    Und wieder deucht mir, dass es im Rahmen des Kapitalismus völliger Unsinn ist, weit in die Zukunft hinein zu sparen. Ein auf die Zukunft gerichtetes Anhäufen von Geld ist schier unmöglich! Besser wäre es, die Sparneigung, also die Akkumulation des Geldes, global zu verpönen, als unanständig zu deklarieren und stattdessen alles Geld der Welt in einem beständigen Konsumkreislauf in den einzelnen Volkswirtschaften fließen zu lassen.

    Denkt nur, wie gut es uns allen gehen könnte, würde das Geld nicht mehr sinnlos gehortet, nur um in naher Zukunft zwangsläufig entwertet zu werden! Mir wäre es lieber, alle Kapitalisten dieser Welt würden ihr Geld mit vollen Händen auf die Straße werfen, statt es in Tresoren und Staatsanleihen zu verstecken.

    Schönen Tag noch,

    Gaby

    • Thomas71 sagt:

      Hallo Gaby,

      ich schätze Deine Kommentare sehr, möchte aber zum Thema Geldhortung darauf verweisen, dass hier höchstwahrscheinlich eine Summe ab 200.000 Euro oder mehr gemeint ist. Ich persönlich denke, dass es kein Fehler sein kann, Geld
      - für etwaige Selbstständigkeit
      - für unsichere Zeiten zurückzulegen
      - fürs Alter vorzusorgen
      - fürs Haus o. Wohnung zu sparen.

      Gruss

      Thomas71

  2. Willi sagt:

    Liebe Gabi, wenn Ihr Wunsch Wirklichkeit würde, hätten wir innerhalb weniger Tage eine zweistellige Inflationsrate in Deutschland und leere Läden, wie in der einstigen DDR. Wollen Sie das wirklich?
    LG
    W

    • Gaby sagt:

      Lieber Herr Willy und Mitlesende,

      schönen Dank für Ihren Einwand, jedoch bezweifle ich, dass sich der planwirtschaftliche Kasernensozialismus mit der Sozialen Marktwirtschaft vergleichen lässt, ebenso, wie sich der Ordoliberalismus mit Keynes’schen Anstrich nicht mit dem Neoliberalismus gleichsetzen lässt.

      Wenn ich mir wünsche, die Kapitalisten sollen ihr Geld auf die Straße werfen, statt sinnlos zu akkumulieren, meine ich damit, dass sie endlich menschenwürdige Löhne/Gehälter zahlen sollen, auch und vor allem den prekär Beschäftigten. Ich bin davon überzeugt, dass nicht nur die deutsche Binnenwirtschaft aufblüht und die Unternehmer wieder gerne in ihre Werkstätten investieren, sobald die Menschen aufhören, ihr Geld dreimal umzudrehen, bevor sie es aus Angst vor Altersarmut doch nicht ausgeben. Ich bin also davon überzeugt, dass das Lohnniveau der Dreh- und Angelpunkt einer gesunden wie kranken Marktwirtschaft ist.

      Selbstredend war die Soziale Marktwirtschaft, die ich glücklicherweise jahrzehntelang erleben durfte, von Inflation geplagt, allerdings blieb sie stets im einstelligen Bereich und die Läden waren damals reichlicher als heute vorhanden und sie waren wesentlich großzügiger mit Waren jedweder Couleur bestückt. Es kann also keine Rede davon sein, dass die Inflation überbordet und die Geschäfte leer wären, wenn die Menschen auskömmlich entlohnt würden. Im Gegenteil: Je mieser die Löhne, je magerer und unsicherer die Leistungen unserer Sozialversicherungen, desto heftiger entsteht das, was Karl Schiller einst den “sich selbst nährenden Schrumpfungsprozess” nannte.

      Mit herzlichen Grüßen

      Gaby

      • Thomas71 sagt:

        Hallo Gaby,

        hier sprichst Du ein grundsätzliches Verteilungsthema an. Ich denke mit Rückblick auf die letzten 15 Jahre, dass es weiter zu einer Umverteilung von unten nach oben kommen wird. Daher wäre es besser sich ein neues Land zu suchen. Hast Du zufällig einen Vorschlag zur Hand?

        Gruss

        Thomas71

  3. Gaby sagt:

    Guten Tag, Thomas71 und Mitdiskutanten,

    vielen Dank für Dein Lob und mit Deinen weiteren Ausführungen hast Du vollkommen Recht!

    Ich habe überhaupt nichts dagegen, dass Menschen auf ein Häuschen, ein Auto, neue Wohnungseinrichtungen, für den Urlaub, für die Kinder/Enkel oder für irgendwelche Familienfeste etc. pp. sparen. Das Geld wird nur temporär festgehalten, es kommen ein paar Zinsen drauf und schrumms geben die Menschen es wieder aus. Das Geld läuft in die Volkswirtschaft zurück, es zirkuliert munter.

    Die Menschen bräuchten nicht mal für’s Alter zu sparen, sofern die Sozialversicherungssysteme eines Landes, staatlich verwaltet, seriös funktionieren und das tun sie ganz besonders dann, wenn den Menschen flächendeckend ein Lohn gezahlt wird, der sich an der Produktivität einer Volkswirtschaft orientiert. In Deutschland ist das leider seit rund 20 Jahren immer weniger der Fall mit der Folge, dass die Sozialkassen schrumpfen.

    Ich verdamme eine ganz andere Art des Sparens, nämlich das Sparen auf Kosten einer Volkswirtschaft. Zu geringe Löhne bedeuten, dass der Unternehmer an seinen Mitarbeitern spart, um seinen Profit zu erhöhen; die Verlierer sind die Lohnabhängigen – gegenwärtig und zukünftig, denn zu geringe Löhne bedeuten überdies, dass unsere Sozialkassen, wozu auch die staatliche Rentenkasse gehört, schwer geschädigt werden. Zu geringe Steuern auf Erbschaften, Einkünfte und Vermögen bzw. gar nicht vorhandene Steuern (Vermögenssteuer) lassen die Kapitalisten reich und reicher werden um den Preis eines verarmenden Binnenmarktes inklusive deren Bewohner, die überdies mehr und mehr unter psychischen Problemen wie Angstzuständen und Depressionen leiden. Heutzutage sparen die Unternehmer kaum noch, um das Geld plus Kredite zu reinvestieren, es also in die Volkswirtschaft zurück fließen zu lassen.

    Und was machen unsere schwerreichen Kapitalisten mit all dem vielen, vielen Geld, das sie permanent horten und gar nicht mehr wissen, wofür sie es ausgeben sollen? Die nehmen ihre Geldsäcke und spekulieren an den Börsen, allerschlimmstenfalls sogar auf Nahrungsmittel, Energie und Rohstoffe. Steigen hier per Spekulation die Preise, haben wir ratzfatz in vielen Schwellenländern Hungeraufstände, die in Revolutionen, schlimmstenfalls sogar geradewegs in die Barbarei führen können.

    Ob dieser Überlegungen plus der Überzeugung, dass es im Kapitalismus unmöglich ist, ohne Geldentwertung auf 30, 40 Jahre in die Zukunft hinein zu sparen, kommt es, dass ich mir wünsche, die Kapitalisten würden all ihr überflüssiges Geld jetzt sofort auf die Straße werfen, also per guter Löhne unter’s Volk mischen, statt sich drum zu schlagen, die höchstverzinslichsten Staatsanleihen der Euro-Schwachländer zu ergattern und dann auch noch die Frechheit besitzen, zu hoffen, dass sie nicht Opfer eines haircut (Gläubigerbeteiligung) werden.

    Falls Du aus Deutschland auswandern möchtest, empfehle ich Dir die skandinavischen Länder inkl. Dänemark. Zwar können sich diese Länder auch nicht ganz und gar dem globalen neoliberalen Einfluss entziehen, aber bei denen funktionieren die Volkswirtschaften noch nach den Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft, nach dem Prinzip des ausgleichenden Teilhabekapitalismus.

    Mit freundlichen Grüßen

    Gaby

  4. martin sagt:

    was mich beim Kapitalismus immer wieder besonders beeindruckt ist die haarsträubende Handlungslogik. Wenn “einer” mit dem Rücken an der Wand steht und schon fast am Strick baumelt – na dann muss die “Risikoprämie”- sprich der Zins – ordentlich erhöht werden. Damit hat er nun gar keine Chance mehr und wenn er dann erfolgreich aufgehängt wurde, dann gucken alle entsetzt, als hätten sie es nicht beabsichtigt.
    Wozu dient denn das ganze Wirtschaften? Arbeiten wir, um uns ein besseres Leben zu ermöglichen, oder um uns gegenseitig tot zu konkurrieren? Ist das Wirtschaften ein Selbstzweck, der nur der Geldvermehrung dient? Offenbar ist es so und einige verdienen sehr gut daran.

  5. Gaby sagt:

    Schönen guten Tag, Martin und in die Runde,

    vor einigen Tagen habe ich an dieser Stelle geschrieben, dass mir nicht in den Kopf will, dass der Neoliberalismus wegen der weltweiten Inflation der 1970er Jahre installiert wurde. Zwar ist das die geläufige Erklärung, aber wenn ich darüber nachdenke, entpuppt sie sich mir als Pillepalle. Da muss ganz was anderes gelaufen sein!!!

    In der Spiegel-Ausgabe “Die Macht der Konzerne” vom 31. Jan. 1972 habe ich vorhin gelesen, dass das eigentliche Problem die Firmenfusionen waren/sind, die bereits 1966 begannen. Im Jahr 1972 wurde die deutsche Wirtschaft von 600 Kapitalisten inklusive ihren Helfershelfern, der neuen Klasse der Manager, geführt. Fusionen bedeuten Machtkonzentration, überbordende Produktivität, steigende Preise bei gleichzeitigem Lohnabfall und steigende Arbeitslosigkeit. Fusionen verhöhnten damals die Lehrbuch-Ökonomie und somit die Soziale Marktwirtschaft. Es wurde gemunkelt, dass wir uns in 1972 auf dem Weg in eine andere Gesellschaftsordnung befinden, die durchaus demokratiegefährdend sein kann.

    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-43019797.html

    Zwar kann ich das Gelesene noch nicht befriedigend in meine Gedanken einordnen, aber mir deucht, dass der globale Neoliberalismus plus der Marktöffnung Chinas plus der Bildung der EU-Währungsunion mit der damals weltweit stattfindenden Machtkonzentration der westlichen Konzerne zu tun hat. Hmm, aber das ist bestimmt noch nicht des Rätsels komplette Lösung!

    Ich gebe Dir Recht, Martin, es ist Schwachsinn, ein Land, das überschuldet ist, auch noch mit Risiko-Zinsaufschlägen zu geißeln. Ausbaden müssen diese Grausamkeiten die Bürger/innen. Und wenn der Staat in höchster Not Bankrott anmeldet, werden die Spareinlagen der Bürger garantiert stark abgewertet, schlimmstenfalls sogar ganz entwertet. Und wieder einmal würde das kapitalistische Versprechen “Wohlstand für alle” grob fahrlässig gebrochen.

    Beste Grüße aus dem sonnigen Rheinland sendet

    Gaby

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