2297

global news 2297 11-02-11: Inflation auf höchtem Stand seit eineinhalb Jahren und vom Statistischen Bundesamt immer noch verharmlost

Hier zum Text

2 Antworten zu 2297

  1. carolus sagt:

    speiseöle(rapsöl) sind auch explodiert.von 0.99 auf 1.39.

  2. Gaby sagt:

    Guten Abend carolus und Mitlesende,

    mach’ Dir über’s Speiseöl keine Sorgen. Der Preis wird bald per Sonderangebot auf 88 Cent fallen. So geschehen kurz vor Weihnachten 2010 mit “Rama Cullinesse”, die Flasche für 1,39 Euro – mein bevorzugtes Bratmedium. Im Lidl gab es plötzlich ein Angebot für 0,88 Euro/Flasche. Logisch, dass ich da flaschenweise zugegriffen habe. Mit diesem Vorrat werde ich mehr als ein halbes Jahr lang Fleisch in der Pfanne braten können.

    Und jetzt sind wir wieder bei dem Punkt, den ich vor wenigen Tagen bereits ansprach. Wir haben es in Deutschland mit einem echten Absatzproblem zu tun. Die Leute kaufen immer weniger, folglich gibt es immer häufiger unmoralische Sonderangebote wie beispielsweise Markenduschgel nicht mehr für 1,30 Euro die Flasche, sondern drei Flaschen für 1,69 Euro. Da schäme ich mich zuzugreifen und tue es doch.

    Die Preise für Nahrungsmittel steigen tatsächlich, das sehe ich jeden Tag. Aber gleichzeitig fallen sie wiederum in einzelnen, ständig wechselnden Produkten beschämend tief. Der Einzelhandel fährt derzeit Achterbahn in einer ökonomischen Geisterbahn.

    Es gibt für mich persönlich noch einen Index, der mir zeigt, wie gut oder wie schlecht Waren abgesetzt werden. Mein dörflicher Lidl hat mit Ausbruch der Finanzkrise eine Ecke im Kühlregal eingerichtet, wo täglich Waren hinein getan werden, die ca. 5 Tage vor dem Verfalldatum stehen. Diese Waren sind 30 % billiger. Anfangs war in dieser Ecke kaum was drin. Aber seit Mitte 2009 quillt das Fach jeden Tag um die Mittagszeit über – gegen Ladenschluss, also 20.00 Uhr, ist es leer. Das sagt mir, dass die Leute meines Dorfes weniger zum regulären Preis konsumieren, sich aber auf Sonderangebote stürzen und sie hoffnungsvoll erwarten. Die Menschen warten mittlerweile ab, ob der Preis nicht doch fällt und dann hamstern sie.

    Gleichzeitig heißt das aber auch, dass unsere städtische Tafel weniger abgelaufene Nahrungsmittel erhält, weil alle Lidl meines Landkreises versuchen, sie reduziert zu verkaufen, statt sie zu verschenken.

    Die Europäische Zentralbank hat die Aufgabe, die Preise im Euro-Land stabil zu halten. An Inflation wird offiziell nur knapp unter und knapp über 2 % als ungefährlich, also normal betrachtet. Wir liegen jetzt knapp über der tolerierten Inflationsentwicklung im Euro-Land. Eigentlich müssten die Alarmsirenen schallen!!!! tun sie aber nicht, wir Deusche werden beschwichtigend beruhigt.

    Zyklische, also allgemeine Preiserhöhungen rekrutieren sich aus einem Schub regulärer Nachfrage, die aus der realen Kapitalverwertung aufgrund von erhöhter Nachfrage und erhöhten Profiten entspringt. Diese Inflation entwertet das Geld nicht.

    Ganz anders verhält es sich, wenn Staatskonsum und Notenbankgeld die Konjunktur künstlich beleben, wenn also der Fall eintritt, dass die Konjunktur nicht von alleine anzieht, weil mehr Löhne gezahlt würden und die Nachfrage deshalb steigt. In diesem Fall beruht die allgemeine Preissteigerung auf der Entwertung des Geldes, also einer tatsächlichen Inflation. Ich denke, wir haben es derzeit mit dieser Art der Inflation (Geldentwertung) zu tun.

    Wie passen nun aber meine alltäglichen Verbrauchererfahrungen im Lidl meinem Dorfes und den Einzelhändlern mit der unmoralisch niedrigen Preisentwicklung per Sonderangebote mit den Angaben der steigenden Inflations-Berichterstattung des Statistischen Bundesamtes zusammen? Offensichtlich gar nicht.

    Und doch tun sie das. Diesen völlig unlogischen, kranken Zustand unserer Volkswirtschaft nennt man Stagflation. Das ist ein Kofferwort, 1970 vom britischen Finanzminister Iain Macleod und seinem Spezi John Overcountry erfunden. In diesem Koffer sind die ökonomischen Gifte Stagnation und Inflation enthalten.

    Die Stagnation beschreibt den Zustand einer Volkswirtschaft oder volkswirtschaftlichen Vereinigung, also EU, die stillsteht – sie wächst nicht mehr. Die Meßgröße dieses Stillstandes ist das Bruttonationaleinkommen.

    Zur Inflation habe ich mich bereits geäußert.

    Die Stagflation ist ein Zustand, in der es einer Volkswirtschaft nicht gelingt, die Produktionskapazitäten voll auszulasten. Es gelingt den Unternehmern aber auch nicht, die Geldentwertung durch eine gedrosselte Produktion (Angebotsverknappung) zu reduzieren. Das ist ein schauriger Zustand.

    Es gibt eine Reihe Auslöser der Stagflation. An erster Stelle steht das Phänomen des Angebotsschocks, das wegen des Kostendrucks das Preisniveau hebt aufgrund von Missernten und höheren Energiekosten, gepaart mit zu niedrigen Löhnen. Es gibt noch sehr viele andere Gründe für eine Stagflation.

    An Japan können wir sehen, wie eine außer Rand und Band geratene, jenseits aller Lehrbücher beschriebene Volkswirtschaft funktioniert. Japan hat allerdings gegenüber Deutschland einen großen Vorteil, nämlich eine eigene Währung und die Japaner kaufen Staatsanleihen meist selbst, weil die Bevölkerung relativ vermögend ist.

    Beste Grüße

    Gaby

    P.S.: Vor wenigen Minuten ist der dritte und vierte Schwarm Kraniche mit lautem Gebrülle und Getute vom Rhein her über mein Haus hinweg richtung Osten geflogen. Ja, diese Vögel fliegen auch in der Nacht!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Log Out / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Log Out / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Log Out / Ändern )

Verbinde mit %s

Follow

Get every new post delivered to your Inbox.

Join 26 other followers