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global news 2294 08-02-11: Absturz des deutschen Einzelhandels fast wie in Eurozonenkrisenländern

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20 Antworten zu 2294

  1. Gaby sagt:

    Schönen guten Abend,

    ja, Deutschland hat eine grobe Absatzschwäche, das merken wir wöchentlich, wenn wir unsere Krämerläden und Supermärkte betreten.

    Vor lauter, lauter knallroten und knallgelben Angebotsschildern, die so gut wie an jeder Ware kleben, finden wir nicht mehr, was wir kaufen wollen. Das ist seit Herbst 2009 so. Und es gibt mittlerweile Millionen völlig verarmter Menschen, in deutschen Grenzen lebend, politisch gewollt, die sich nicht mal mehr die Sonderangebote leisten können! Pfui das!

    Das ist einer echten Empörung wert! Und, empört es uns? Nein! Jeder von uns ist froh, wenn er seinen Besitzstand wahren kann. Jeder von uns ist froh, wenn ihn keine Armut trifft, obwohl bereits der Nachbar in die Armut gezwungen wurde und wir es nennen: “Da war er halt nicht fähig, sich selbst zu erhalten!” Wisst Ihr eigentlich, wie bösartig, wie asozial eine solche Denke ist?! Ihr wisst es nicht, deshalb emört Ihr Euch auch nicht!

    Der einzige Metzger in meinem 5.500-Seelen-Dorf konnte sich seit Ende 2009 nicht mehr halten, hätte er nicht einen Partyservice und neuerdings einen alltäglichen Mittagstisch (kein urdeutsches Gericht für mehr als 5 Euro) etabliert. Selbst Schweinefilet verkauft er als “Knaller der Woche” immer mal wieder für 75 Cent pro 100 Gramm. Das ist unter Fixkosten losgeschlagen, in der Hoffung, in der Krise neue Kunden zu finden.

    Diese Woche hat SCHLECKER “Dusch das” im Angebot. Zwei plus Eins gratis für nur 1,59 Euro. Wenn ich 1,59 Euro durch Drei teile, komme ich auf den Preis eines je zuvor sehr hochpreisigen Markenproduktes (> 1 Euro) von pro Flasche 0,53 Cent. Das ist weit günstiger als die LIDL-Noname-Marke “Cien”, die Duschgel in gleicher Größe seit Jahren für 0,65 Euro anbietet.

    Whiskas-Katzenfutter ist seit Sommer 2008 pro 400-Gramm-Dose von jahrelang konstanten 55 auf 85 und 95 Cent hochgeschnellt und hielt sich wacker auf diesem Hochpreis. Begründung: Extreme Rohstoffpreise in 2008. Meine Katze Lienchen, die immer nur Whiskas-Herz verlangt und eine Dose pro Tag braucht, fraß mir bereits die Haare vom Kopf! Katze Linenchen und Kater Karnie beanspruchen für sich in Relation gesetzt, mehr Geld pro Tag, als es vergleichsweise einem Jugendlichen aus einer Hartz-V-Familie zusteht. Ist das nicht pervers?!?! Doch, das ist pervers und das empört mich längst – so lange, wie es in Deutschland seit dem 1. Jan. 2005 Hartz-IV gibt!!! Es darf nicht sein, dass ein Haustier in Relation zu einem Menschen mehr Unterhaltskosten fordert, als es einem Menschen politisch zugestanden wird!!!!!

    Neuerdings, so ungefähr seit Mitte 2010, wird Whiskas im FRESSNAPF und SCHLECKER vermehrt für 65 und 55 Cent die Dose angeboten. Der Globalplayer Waltham hat wohl ein stakes Absatzproblem im einst reichen Deutschland oder wie soll ich diesen rapiden Preisknick, der nun alle zwei, drei Wochen in Deutschland erfolgt, deuten?

    Und als ich letzte Woche im FRESSNAPF war, um mal eben fünf Paletten (5 x 12 Dosen) Whiskas-Herz für 65 Cent im Sonderangebot zu kaufen, nahm ich auch noch vier Beutel Catsan mit.

    Catsan ist die von mir seit 25 Jahren bevorzugte Katzenstreu für die Katzentoiletten meiner beiden Katzen Lienchen und Kater Karnie. Der Preis für eine 10-Kilo-Tüte wanderte in den letzten zwei Jahren von 6,99 Euro auf 8,99 Euro.

    Ich staunte letzte Woche nicht schlecht, dass Catsan nun für 6,70 plus gratis 25 % mehr Inhalt angeboten wird. Klaro, dass ich spontan vier Tüten kaufte.

    So billig, wie derzeit, lässt es sich in Deutschland, was den alltäglich nötigen Konsum betrifft, seit rund 10 Jahren nicht mehr leben. Nie zuvor habe ich sooooo günstige Angebote plus generöser Geschenke erlebt!

    Das bedeutet für mich Hobbyökonomen allerdings, dass die Kapitalisten ein echtes Absatzproblem mit uns Deutschen haben. Das sagt mir aber auch, dass sich Deutschland seit spätestens Anfang 2010 in einer Depression befindet. Meinen Bekannten sagt es hingegen, dass die Preise in Deutschland in der Vergangenheit zu hoch gewesen seien und jetzt auf Normalmaß sinken. Das sei nur gerecht, wo doch in der Vergangenheit die ganze Welt an uns verdiente.

    Die glauben tatsächlich, was sie reden!

    Eine Inflation kann mit dem ökonomischen Werkzeug der Zinserhöhung bekämpft werden, allerdings nur dann, wenn sich ein Land nicht im Korsett des Euro inklusive Schwachländer befindet. Einer Depression kann im Euro-Verbund, wenn überhaupt, nur mit gehobenen deutschen Löhnen begegnet werden.

    Aber von einer deutschen Lohnerhöhung sind wir Deutschen weit entfernt. Unsere Politiker glauben noch immer, dass, je geringer der Lohn, desto mehr Arbeitsplätze entstehen werden. Kanzlerin Merkel verlangt sogar eine europäische Angleichung an deutsche Rezessions-Verhältnisse.

    Fazit: Man reiche mir den Übelkübel, sonst wird mir ohne Kübel übel!

    Hessel hat Recht: Empört Euch!

    Schärft Euren Geist, Unklarheiten, Ungerechtigkeiten, Unlogiken zu erkennen, aber auch unbedeutende Alltäglichkeiten bewußt zu sehen und zu thematisieren. Da wäre uns Deutschen bereits viel geholfen, denn aus dem Erkennen des kapitalistischen Schwachsinns, der uns alltäglich umgibt, formiert sich vielleicht Widerstand, formiert sich vielleicht wieder gesundes, aktiv psychisches Leben.

    Ciao,

    Gaby

    • biopilz sagt:

      > …Hessel hat Recht: Empört Euch!…

      war gestern abend in strassburg bei einer französisch-sprachigen veranstaltung mit ihm:
      coe.int/t/dc/press/news/20110207_dialogues_EN.asp

      -hessel war zuvor schon durch veranstaltungen in der buchhandlung kleber u journalistentreffen gefordert bevor er zuletzt am abend eintraf:

      vor vollem saal, ca 1000 leute…, 99% franzosen (-ich würd sie subjektiv zumeist als typ. wohlstandsbürger bezeichnen, wie die 1.3 mio franzosen die sein büchlein in den buchhandlungen en passant mitnahmen…)

      eine begrüssung u lobhudelung durch den strassburger bürgermeister u. eine weitere vorrednerin (ungenau: vermute aus diplomat. kreisen kommend…) dann fragestunde (durch einen redakteur der dna?) an hessel, zwischendrin ein euphorischer bericht seiner verlegerin zum erfolg des büchleins u eine kurze einführung -vermutlich des autors (arte?)- zum auf der grossleinwand hinter der bühne laufenden videos (ca. 5 min) über stationen von hessels leben… (die langfassung davon läuft in kürze auf arte)
      weiter mit fragen u antworten

      abschliessend
      ein langes gedicht von apollinaire: La jolie rousse u noch ein kurzes auf deutsch von hölderlin…

      mein fazit dieses abends:

      hessel ist ein sympathischer opa der sich gern reden hört u von tausend leuten zum abgang im stehen feiern lässt…

      hmm aber um das zu verstehen: ihn u sein publikum muss mensch franzose sein und die geschichte selber erlebt haben…

      ob sich dies MIT DEN ADEPTEN direkt in politische kraft ummünzt halt ich für eher unwahrscheinlich…

      allesinallem:
      zeitvergeudung
      -da tut sich mehr südlich des mittelmeers, in gorleben, berlin od stuttgart…

      -aber so wie voltaire u rousseau zur beackerung des geistigen bodens zur franz. revolution beitrugen… eben EIN beitrag

      weiterhin sind die franzosen nicht so mit scheuklappen ausgestattet wie die deutschen:

      in f gehen etwa auch ältere noch mit auf die strasse wenns gilt gegen die verschlechterung der arbeitsbedingungen von absolventen krach zu schlagen… u das zeigt wirkung: gesetze werden da (bisher) noch nachträglich abgeändert…
      -hierzulande muss wohl erst -wie mubarak die regierung gechasst werden bis sie den a**** “durch den druck der strasse” bewegt…

      zuletzt nochmal hessel auf deutsch:
      http://www.kulturradio.de/programm/sendungen/110122/das_gespraech_1404.html

      http://biopilz.wordpress.com/2011/02/11/hessel-hat-recht-emport-euch

  2. Gaby sagt:

    Guten Tag, Biopilz und alle anderen,

    Danke für Deine Ausführungen.

    Nun, man kann Hessel langweilig finden oder faszinierend. Ich finde ihn faszinierend. Ich kann mich nämlich nicht erinnern, dass je ein derart integerer und ziemlich alter Mann zu den jungen Leuten gesagt hätte: “Empört Euch!” Für mich ist das eine völlig neue, staunenswerte Erfahrung. Mir gefällt zudem seine Kritik an Israel; ein Thema, das in Deutschland eher zu den Tabuthemen gehört.

    Kürzlich habe ich im Radio den Thementag “Empört Euch!” verfolgt. Da wurde ganz klar gesagt, dass die Bereitschaft der Deutschen, Wut über unsere gesellschaftlichen Ungleichgewichte zu entwickeln, stark gewachsen ist. In Hessen haben kürzlich mehr Studentenproteste mit dem Ziel, die Studiengebühren abzuschaffen, stattgefunden, als in der ganzen Bundesrepublik während der 68er-Revolten. Allerdings haben die Medien so gut wie gar nicht darüber berichtet. Auch “Stuttgart 21″ hätte nie diese mediale Aufmerksamkeit erfahren, wenn keine Wasserwerfer und Pfefferspray zum Einsatz gekommen wären.

    Wir Deutschen werden bewußt uninformiert gehalten. Es wird uns nicht gesagt, dass seit Ausbruch der Finanzkrise fast täglich gegen alles mögliche in der Bundesrepublik protestiert wird. Unser Unmut soll durch solche Berichte nicht gestärkt werden. Auch die Gewerkschaften, die Kirchen, die Sozialverbände treten viel zu zahm und langweilig auf mit dem Ziel, bloß nicht den deutschen Furor zu wecken. Und die Ereignisse in Ägypten werden schon gar nicht dazu beitragen, dass die Berichterstattung über deutschen Protest offener wird.

    Da bleibt uns nur, im Internet auf eher linken Webseiten zu verfolgen, wo was in unserer Republik los ist, wogegen gerade protestiert wird.

    Wir Deutsche müssen eben alles selber machen!

    Mit lieben Grüßen

    Gaby

    P.S.: Vor wenigen Minuten ist der erste Trupp Kraniche mit lautem Geschrei von ihrem Winterquartier über mein Haus gen Osten geflogen. Der Frühling ist nah!!!! Gerade fliegt ein zweiter Trupp hoch über meinem Dach hinfort.

  3. biopilz sagt:

    > …Wir Deutsche müssen eben alles selber machen!
    MEHR auf jeden fall!

    (-heute hatten wir wieder einen infostand zu stuttgart21 mit akternativen k21 u baden21, hier in der provinz…)

    • Gaby sagt:

      Ja, biopilz,

      es vergeht mittlerweile kein Tag mehr in Deutschland, wo nicht irgendwelche Proteste stattfinden.

      Aber in den Nachrichten von ARD, ZDF und den Privaten erscheinen solche Proteste nur, wenn es viele Verletzte gegeben hat, wie bei Stuttgart 21 mit den Wasserwerfern oder dem kürzlich stattgefundenen Castor-Transport. Die täglichen Proteste, die friedlich verlaufen, werden nicht publik gemacht.

      Die Franzosen gehen wegen Atomklos wie bei uns Gorleben und Asse nicht auf die Straße. Dies als kleine kritische Anmerkung zur Protestbereitschaft der Franzosen. Die Franzosen haben andere Prioritäten zu protestieren, als die Deutschen. Das heißt aber nicht, dass die Deutschen im Jahre 2010/11 friedlicher wären, als die Franzosen.

      Beste Grüße

      Gaby

      • globalnote sagt:

        Die Franzosen reagieren auf die Globalisierung und auf den damit für sie verbundenen Verlust an Lebensqualität und sozialer Gerechtigkeit öffentlich (auf der Straße) viel empfindlicher als die Deutschen. Dagegen lieben sie die Technik und würden nie gegen einen neuen Bahnhof auf die Straße gehen, zumal wenn der TGV da hält. In Frankreich gilt auch die Nukleartechnologie als ein nationaler Spitzenbereich. Da an die 80 % des Stroms aus Kerkraft kommt, ist jeder Protest dagegen ziemlich sinnlos.

        Generell regen sich die Deutschen wohl mehr “romantisch” auf und sind technikskeptischer, während die Franzosen auf die vorgegebene Rationalität der Technik zu vertrauen bereit sind, dafür aber den Idealen der französischen Revolution von Gleichheit, Solidarität und Brüderlichkeit weiter anhängen. Nichts würde die Franzosen mehr begeistern, als wenn wieder von Frankreich eine soziale Revolution ausgehen würde. Deutschland ist im Vergleich zu Frankreich ein stark alterndes Land, das sich gegen jede Veränderung sträubt. Frankreich differenziert da weit stärker.

        Schließlich sind die Franzosen mehrheitlich nicht so zur Resignation bereit, wie große Mehrheiten in Deutschland, die sich an den heimischen Herd zurückziehen und ihre individuell empfundenen Wunden lecken, statt sich dagegen in Solidarität aufzubäumen.

        Ich verallgemeinere hier sehr stark, um die Unterschiede herauszuarbeiten.

      • biopilz sagt:

        > …Die Franzosen gehen wegen Atomklos wie bei uns Gorleben und Asse nicht auf die Straße…

        hmm, kann ich NICHT bestätigen… *grins*

        -wir haben pers. starke unterstützung vorort erlebt!

        was es da mmn braucht sind lediglich kristallisationskeime u es geht was…

        nb.
        einen castorzug später hat eon die versendung von castoren richtung f u gb zur “wiederaufarbeitung” (-eben nur alibi-veranstaltung -ehemals zum bombenbau -inzwischen mmn va zur formalen erfüllung der bedingungen des atomgesetzes… dh eine riesen- atommüllvermehrung…) in lahague u sellafield/windscale gestoppt! -u ich glaub ein klein wenig haben auch unsere aktionen dazu beigetragen…

      • Gaby sagt:

        Lieber Herr Dr. Jahnke und Mitlesende,

        die beiden von Deutschland angezettelten Weltkriege haben uns Deutsche bitter gezeigt, dass sich unsere Technikbegeisterung Ende des 19. Jhr./Anfang des 20. Jhr. (Gründerjahre) ruckzuck in Schlachtfelder und Menschenschlachthäuser (KZts) verwandeln können.

        Es ist sicher nicht falsch, wenn die Deutschen heute bezüglich einer Technik, die nicht wirklich beherrschbar ist, skeptisch und mit Protesten reagieren. Bei der Atomkraft ist das jedenfalls so und es gibt immer noch keine sicheren Endlager für den Atommüll. Ein Umstand, der die auf technische Sicherheit pochenden Deutschen den Angstschweiß ins Gemüt treibt.

        Und warum sollen die Deutschen für einen einzigen Bahnhof plädieren, der Milliarden über Milliarden Euro verschlingt, wenn sie gleichzeitig seit Jahren erleben, dass die Sicherheit der deutschen Züge stark zu wünschen übrig lässt und auf vielen Nebenstrecken die einfachsten Einrichtungen fehlen, Zugkollisionen oder vereiste Weichen in Winter zu verhindern?

        So viel ich auch nachdenke, ich komme nicht darauf, was Sie damit meinen, wenn Sie schreiben: “Generell regen sich die Deutschen wohl mehr “romantisch” auf…”. Ich weiß nicht, was Sie unter “romantischem Protest” verstehen. Aber in mir regt sich die Frage: Sind die Proteste der Franzosen gegen ihren Sozialabbau im Kontext des Neoliberalismus nicht auch romantisch motiviert?

        “Im Kontext des Neoliberalismus” bedeutet für mich, dass sich der Kapitalismus, insbesondere der perverse Neoliberalismus, derzeit nicht aufhalten lässt und auch die Franzosen, global konkurrenzgetrieben, mitziehen müssen, ob sie wollen oder nicht. Ich denke, alle diesbezüglichen französischen Proteste gingen bisher ins Leere. Neoliberale Reformen werden brutal durchgesetzt, trotz Hessels formidablem Aufruf “Entrüstet Euch!” und regelmäßigen Generalstreiks, die Frankreich erschüttern.

        Und mittlerweile, ob des tagelangen Nachdenkens Ihrer Worte, ist mir auch klar, warum die Deutschen die Franzosen zu den Südländern zählen, obwohl die Franzosen die zweitmächtigste Wirtschaftsmacht in der EU sind. In Deutschland hat die soziale Lebensart der Franzosen im einfachen deutschen Volk wenig Zuspruch, eben weil die Deutschen ziemlich unromantische Leute sind und eher zur protestlosen reformbedingten Enthaltsamkeit neigen als die Franzosen.

        Der Deutsche spart sich gern kaputt, weil er an ein höheres Ziel, seinen “Vater Staat” und seine technikbegabte Weltbedeutung glaubt, gepaart mit eotional eiskalten preußischen Tugenden wie Disziplin, Pünktlichkeit, Ordentlichkeit etc. pp. Der Franzose glaubt nicht an ein höheres Ziel, sträubt sich also verständlicherweise gegen asoziale Reformen und trotzdem macht auch ihn der Kapitalismus, insbesondere der Neoliberalismus auf kurze Sicht kaputt.

        Ich selbst halte Sparsamkeit im Rahmen des Kapitalismus für eine sehr, sehr schlechte Eigenschaft, wie ich schon oft auf dieser Plattform eindringlichen betonte. Der allgemeine Deutsche denkt in dieser Beziehung jedoch noch immer Rahmen des 13. Jhr. oder moderner gesprochen: Er vertraut auf die Tugenden der schwäbischen Hausfrau, genauso, wie Frau Dr. Merkel.

        So gesehen, trägt Frau Dr. Merkels Ansinnen, ganz Europa auf Sparkurs zu bringen, tatsächlich protestierend die Romantik des ausgehenden Mittelalters in sich und jeder Mensch bzw. jedes Land, der/das nicht im deutschen Sinne spart, provoziert den Protest unserer deutschen Politiker, aber auch den der deutschen Bevölkerung.

        Vielleicht ist es dieser, im Kapitalismus unglaublich schädliche Sparwahn der Deutschen, den Sie, Herr Dr. Jahnke, mit “romantischem Protest” umschreiben.

        Anders kann ich Ihre Worte derzeit nicht interpretieren. Und wenn meine Interpretation stimmen sollte, haben Sie absolut Recht, den Deutschen “romantischen Protest” vorzuwerfen. Ich nenne diesen erzwungenen Sparwahn im Rahmen der Moderne ganz simpel “mörderische Bösartigkeit”.

        Mit lieben Grüßen an Euch alle,

        Gaby

      • biopilz sagt:

        (vorab ich blicks grad nicht wie das antworten auf einen beitrag geht… vermute das geht hier in dem forum nicht sooo gut, jedenfalls isses mmn mind unübersichtlich…)

        bezug auf gaby beitrag (https://rundbriefe.wordpress.com/2011/02/08/2294/#comment-9773)):
        >…Ich nenne diesen erzwungenen Sparwahn im Rahmen der Moderne ganz simpel „mörderische Bösartigkeit“…

        alles ist steigerbar:
        http://www.heise.de/tp/r4/artikel/34/34163/1.html (u beachte darin den link: “…aufgetaucht…”)

        ich fürcht sowas wird uns mit der “schwäbischen spar-mentalität” ab jetzt noch öfter begegnen

        -wenn das schiff solang überhaupt auf kurs bleibt
        -u beim greifen der neuverschuldungssperre wirds erst so richtig grimmig- eigentlich wird aber schon viel früher mit dem kollaps der euro-zone in der jetzigen form zu rechnen sein…bis zum grossen knall…

        u hintergrund:

        -zitat von peter bofinger (sinngemäss, aus einem seminar:”…ich hab mit engelszungen an die politiker hingeredet, aber die sind u bleiben dumm…”)

        -in dem zusammenhang die offene aussage von horst seehofer auf die frage von erwin pelzig bei pelzig unterhält sich: wie er zu entscheidungen käme weil ja kaum sachverstand vorhanden sei… sinngemäss: “…er würde von vielen seiten ratschläge bekommen u im grunde entscheide er zuletzt aus dem bauch heraus… u das würde dann meistens so falsch nicht sein…”

        tja mit dem horizont “des mädels aus der uckermark” bzw “des bayr. verwaltungs-betriebswirts” -also eher marke “schwäb hausfrau” MUSS das so aussehen (zumal bei “beratern” wie zb issing, siehe zb. http://www.nachdenkseiten.de/?p=3526 )

        makro- u mikroökonomie gehen eben langfristig NICHT zusammen!

        mir grausts -wie der mehrheit der jugend- auch vor der zukunft -bei DEN kapitänen!!

      • biopilz sagt:

        zu “…aufgetaucht…”:

        da gibts offenbar noch ne weitere version mit “…voten der einzelnen beteiligten…”

  4. biopilz sagt:

    > …wie große Mehrheiten in Deutschland, die sich an den heimischen Herd zurückziehen und ihre individuell empfundenen Wunden lecken, statt sich dagegen in Solidarität aufzubäumen…

    *scheu-lächel* ich glaub der dt michel wacht langsam auf…

    natürlich klappt “frösche kochen” (möglicherweise bei solchen gruppen die marginalisiert sind u/od sich so fühlen..) eine weile…
    -aber wenn der schmerz die sich verschlechternden bedingungen weiter zu ertragen grösser wird als die risiken sich dagegen aufzulehnen UND eine kritische masse erreicht ist dann geht was… -da brauchts dann mmn eben nur besagte kristallisationskeime…

    zb: ich krieg ja berlin u liebig14 nich so mit aber allein die tatsache dass 2500 pozilisten mobilisiert werden und offenbar als notwendig angesehen werden um ZWEI individuuen ihr recht auf eigentum durchzusetzen deutet für mich darauf dass sich auch in “dumpfland” langsam mehr tut -od die “obrigkeit” dieses zumindestens fürchtet / diesem vorzubeugen sucht…

    • Gaby sagt:

      Hallo, Biopilz und Mitdiskutanten,

      zum Thema “aufgetaucht” denke ich, dass jedes Land zwei Werkzeuge hat, Wohlstand für seine Bevölkerung zu schaffen: den Staatshaushalt und die Währungspolitik. Den Euroländern fehlt seit der Euro-Einführung die nationale Währungspolitik und nun sollen sie auch noch ihre Staatshaushalte und ihre Sozialpolitik kontrollieren lassen und zwar nach den Vorgaben des neoliberalen Musterschülers Deutschland? Igitt! Wieso laden wir nicht gleich den IWF ein, Euroland zu managen?

      In meinem Bekanntenkreis wird diese Idee jedoch sehr wohlwollend aufgenommen. Es heißt im Brustton der Überzeugung und nicht ohne nationalen Stolz gesprochen, dass nicht einzusehen sei, dass die Deutschen stets diszipliniert und sparsam sind und die Südländer (plus Frankreich) sich auf unsere Kosten einen schönen Lenz machen. Dass sich in solcher Denke ökonomische Unkenntnis und Rassismus paaren, muss ich hier sicher nicht erläutern.

      Herzlichen Dank, Biopilz, für die Verlinkung. Und, warst Du heute im Bahnstreckenabschnitt Karlsruhe aktiv?

      Beste Grüße an alle,

      Gaby

  5. biopilz sagt:

    > …Deshalb sollte man Hessel jeden Erfolg wünschen und nicht daran rummäkeln…

    hmm hier ergibt eins das andere, ich halts für ungeeignet per blog umfassend zu erörtern u zu bearbeiten (zumal wenn mensch sich nicht pers kennt, da kann leicht was zu missverständnissen u schiefen wickeln führen -engl: “flames”

    ich würd mich gern mal intensiver pers austauschen -mglw im rahmen von open-space dh offen u genug zeit…:

    ende märz ist in sachsen ein “utopie-seminar” geplant… -evtl motiviert das (ausser mir) von hier jemensch?

    …eine schwalbe macht noch keinen sommer…
    ich bin wahrscheinlich ZU sehr aktivist u zu wenig schreibtischtäter u von daher tendenziell zu ungeduldig…

    -andererseits ich bin in m aufgewachsen: da gabs 1919 für ein paar wochen eine räterepublik… die wurde ua durch kaffeehaus-revoluzzer mitbefeuert…

    vorab:
    wir haben es allerorten mit lauter “-ismen” zu tun:
    zb michel aglietta u seine regulationstheorie u dass wir in der ägide der vermögensbesitzer sind gefällt mir gerade als welt-erklärungsmuster des weiteren zb robert kurz …

    • Gaby sagt:

      Lieber Biopilz,

      Du bist so sehr Aktivist, dass Du selbst das Wörtlein “und” in aller Eile in “u” niederschreibst. Bravo, ob solch flammendem Aktionismus, den kein gewöhnlicher Deutscher versteht.

      Robert Kurz ist völlig anders! Der nimmt sich Zeit, sehr viel Zeit, zum Erklären seiner Kapitalismuskritik.

      Viel Glück und ich wünsche Dir alles erdenklich Gute,

      Gaby

  6. Heiner sagt:

    Schöne Dokumentation auf Arte über/von Hessel!
    MfG

  7. Heiner sagt:

    c`est ca!
    MfG

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