2289

global news 2289 03-02-11: Vom Wahnsinn der Leih- und Entsendearbeit und des deutschen Lohndumpings

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12 Antworten zu 2289

  1. Peter sagt:

    Tja, dann lasst uns einmal warm anziehen, der nächste Winter wird kalt. Eigentlich ist es schon schade, dass Herr Sarrazin uns keine Rezepte zur sparsamen Ernährung und dem Umgang mit kalter Wohnung mehr zur Verfügung stellt.

    Nun mal Spass beiseite:Soll hier ausgetestet werden, wie hoch die Schmerzgrenze der Bevölkerung ist und wann der soziale Frieden ernsthaft zu Ende ist?

    Sollte dem so sein, so müsste unsere Gesellschaft, zumindest der größere Teil den vom Grundgesetz gesicherten Widerstand in Anspruch nehmen. Grund: Bildung einer terroristischen Wirtschafts-Regierungsvereinigung.

  2. Gaby sagt:

    Guten Abend Peter und in die Runde,

    ich bin mittlerweile zu der Überzeugung gelangt, dass der Deutschen Schmerzgrenze staatlicherseits bewusst ausprobiert wird. Wie weit kann die herrschende Klasse gehen? Wie weit lassen sich Einschnitte ins soziale Netz vornehmen? Wie lange halten die Deutschen still vor dem Hintergrund, dass ihre Löhne seit 10 Jahren sinken, statt mit der gewachsenen Produktivität steigen?

    Ich spreche deshalb wenig optimistisch, weil ein Blick in die Geschichte der stürmischen Arbeiterbewegung der letzten 100 Jahre zeigt, dass dem nunmehr 500 Jahre alten Kapitalismus ein bisschen “soziales Öl” selten unblutig abzuringen ist. Und kaum wird den Menschen ein bisschen Teilhabe an den Gewinnen des Kapitalismus gegönnt, bekommen sie sie leise schleichend wieder abgenommen. So geschehen in der Bundesrepublik seit Mitte der 1970er Jahre peu á peu und seit dem Jahr 2000 mit Volldampf unter dem Deckmäntelchen der neoliberalen Globalisierung und alternativlosen Wettbewerbsfähigkeit unter einer politisch linksgerichteten (man höre und staune!!!) Regierung!

    Das legt sich nun sehr simpel an nach dem Motto ‘Hier die Guten, dort die Bösen’, ist es aber in Wirklichkeit nicht.

    Unser deutscher Staat ist gezwungen, einen großen Teil der Mittelschicht zu erhalten, sich also in Besitzstandswahrung zu üben. Aus vielen Gründen hat die deutsche Regierung kein Interesse, griechische oder ägyptische Aufstände zu provozieren. Vergleichbare Straßenkämpfe und/oder militante Aufstände hätten in Deutschland nämlich eine viel größere Bedeutung als im peripheren europäischen Ausland oder im traditionell politisch unsicheren Nahen Osten, denn in Deutschland gilt es, die drittgrößte Exportnation zu verteidigen. Ein vergleichbares politisches Chaos könnte ansteckende Auswirkungen auf die Opposition in anderen hochentwickelten kapitalistischen Staaten haben. In Deutschland gilt folglich: Freie Fahrt fürs Kapital, aber kein Funke der Rebellion soll über die Grenzen hinaus exportiert werden. Am besten lässt man diese gefährlichen Funken erst gar nicht entstehen.

    Damit die sozialen Probleme in Deutschland, die mit der Einführung des Neoliberalismus Hand in Hand gewachsen sind, nicht zur allgemeinen Unruhe führen, müssen die sozial Benachteiligten zur Ruhe gebracht werden und so manches aufmüpfige Schäfchen, dem es heute noch gut geht, das sich aber unbehaglich fühlt, in einem Aufwasch gleich mit.

    Dazu stehen fünf ausbaufähige Instrumente bereit, die allesamt bereits ausprobiert wurden und im Waffenschrank der herrschenden Klasse liegen. Aus Platzgründen will ich sie nur stichwortweise erwähnen:

    1.
    Befriedung per Billigkonsum, verdummendem Privatfernsehen und der Einführung von Zeit- und Leiharbeit. Denn noch immer gilt: Sozial ist, was Arbeit schafft, egal, wie sie entlohnt wird. Und wir deutschen Untertanen glauben das auch noch, weil wir höchste Priorität aufs lohnabhängige Arbeiten legen und alles, was sich jenseits dieses Taktes bewegt, als parasitäres Verhalten orten.

    2.
    Propaganda, also Ablenkung und Täuschung über die tatsächlichen Zustände. Beispiel: Arbeitslosenstatistik.

    3.
    Überwachung und Bespitzelung. Ein Bandwurm von Gesetzen und technischen Vorrichtungen erlaubt heutzutage per Mikroelektronik eine umfassende Ausforschung der Deutschen unter dem Alibi der islamistischen Terrorbekämpfung.

    4.
    Repression. Bist du nicht willig, gebraucht das soziale wie wirtschaftliche Umfeld der Menschen psychische Gewalt wie verbale Bedrohung, Überwachung, Jobverlust, Psychiatrisierung.

    5.
    Militarisierung der Bundesrepublik Deutschland nicht nur außenpolitisch, sondern auch im Innern des Landes. Nicht nur kämpfen unsere Soldaten seit der rot-grünen (der politisch linken!!!) Ära an immer mehr Brennpunkten dieser Welt sondern Schritt für Schritt wird die Armee auch im Inland eingesetzt. Das illegale Einschreiten unseres Militärs während des G-8-Gipfels von Heiligendamm im Juni 2007 legt beredtes Zeugnis darüber ab, wie ausprobiert wird, wie weit unser Staat uns mit Repressionen überhäufen kann, ohne dass es zu Unruhen in weiten Teilen der Bevölkerung kommt. Im Juni 2007 ging dieser Schuss allerdings nach hinten los! Es hagelte Proteste ohne Ende.

    Es lässt mich nichts Gutes ahnen, dass Baron von und zu Guttenberg die Wehrpflicht aussetzt und eine Berufsarmee forciert. Eine Berufsarmee ist, das vermute ich, generell pflichtbeflissener und gehorsamer, als erzwungenermaßen Verpflichtete. Von den nekrophilen Seelentiefen, die sich in einer solch geschlossenen, zur Gewalt erzogenen Gesellschaft sammeln und sich gegenseitig negativ entwickelnd befördern, möchte ich erst gar nicht sprechen.

    Ciao!

    Gaby

  3. biopilz sagt:

    ich empfehle (zum einstieg): “INDIGNEZ-VOUS” (dt “empört euch”) von Stéphane Hessel hier im Gespräch im rbb-Kulturradio: http://www.kulturradio.de/programm/sendungen/110122/das_gespraech_1404.html

    (er ist mw zb am 11.2 in strassburg zu hören…)

  4. Manfred Steingrube sagt:

    Wenn die Politik nicht bereit sein wird, als Korrektiv beim Auslaufen der Übergangsregelungen der so genannten Dienstleistungsfreiheiten mit einem Mindestlohn einzugreifen, wird die ohnehin schon prekäre Situation der Geringqualifizierten weiter verschärft, die letztendlich in soziale Spannungen und in gesellschaftliche Probleme münden könnte.

    • Heiner sagt:

      Manfred Steingrube: Erinnern Sie sich an die letzten Worte von Frau Merkel: Die EU müsse wettbewerbsfähiger werden! Kann heutzutage nur bedeuten, das wahrscheinlich Millionen von Arbeitnehmern in der Zukunft den Gürtel noch enger werden schnallen müssen. Der Neoliberale sagt dazu:
      Je enger der Gürtel sitzt desto weniger passt in den Magen!
      MfG

      • Manfred Steingrube sagt:

        Heiner: Hinzu kommt ganz aktuell, dass durch den von Frankreich und Deutschland geschmiedeten „Wettbewerbspakt“ innerhalb der Euro-Länder, ein knallharter wirtschaftlicher und politischer Druck auf die schwächeren Länder ausgeübt wird, wenn, wie von Merkel und Sarkozy gefordert, die Schwächeren sich an die Stärkeren orientieren sollen. Was das für die Menschen bezogen auf die Renten, Steuern und Löhne bedeutet, erleben seit Jahren Millionen von Menschen in Deutschland.

      • Gaby sagt:

        Hallo in die Runde,

        aber zuallererst, Herr Steingrube und Heiner, wächst der Rassismus. Kapitalistischen Wettbewerb ohne Rassismus hat es noch nie gegeben. Und je schärfer dieser Wettbewerb, je größer die soziale Ungleichheit, je größer die Armut, desto mehr Rassismus.

        Chiao,

        Gaby

      • Manfred Steingrube sagt:

        Gaby: Wenn mehrheitlich die Menschen erst einmal Angst vor Arbeitslosigkeit, sozialem Abstieg und keine Perspektive für sich mehr erkennen, kann es durchaus zu einer solchen Entwicklung kommen. Dann ist die Abwertung und Ausgrenzung von Individuen nämlich nicht mehr sehr weit. Ich setze allerdings darauf, dass die Masse der Menschen im Vorfeld begreifen, dass sie selbst auch unbedingt aktiv werden müssen, auch im Alltag des demokratischen Deutschlands, um politische und gesellschaftliche Änderungen herbeizuführen. Demokratie und sozialen Frieden kann es nicht dauerhaft nur im Sessel geben.

  5. Heiner sagt:

    In unserem Nachbarland müssen eben Firmen gerechterweise!! für einen Mehr von Leiharbeitern auch draufzahlen!!:
    http://www.gleichearbeit-gleichesgeld.de/leiharbeit/leiharbeit-in-der-eu/frankreich/
    MfG

  6. Manfred Steingrube sagt:

    Die Zeit ist eigentlich noch nie so günstig gewesen wie gegenwärtig, das deutsche Problem „Entlohnung von Leiharbeitnehmern“ gesetzlich nach der EU-Richtlinie 2008/104/EG des europäischen Parlaments und des Rates vom 19. November 2008 über Leiharbeit gesetzlich zu regeln. Diese Vorgaben sind sehr deutlich. Politik und Gewerkschaften haben also die Möglichkeit, ihre Fehler aus der Vergangenheit zu korrigieren. Was gegenwärtig allerdings zu vernehmen ist, im Rahmen der Hartz IV Verhandlungen, lässt nichts Gutes für die Leiharbeiter erahnen. Ich hoffe, dass die Opposition hart bleibt, nicht umfällt und sich auf keinen „Kuhhandel“ einlässt. Jeder Kompromiss kann nur zum Nachteil der Leiharbeitnehmer sein, den dann nach Jahren der Europäische Gerichtshof korrigieren muss.

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