1925

Gedanken zur Zeit 1925 02-02-11: Worüber sich die meisten Deutschen entrüsten können und worüber nicht

Hier zum Text

21 Antworten zu 1925

  1. carolus sagt:

    “bei rot über die ampel”
    ich musste lachen,als ich das las und muss mich auch ertappen,dass ich so einen inneren zensor entwickelt habe,der mir verbietet bei rot,auch wenn weit und breit kein auto in sicht,über die strasse zu gehen(was ist,wenn dich ein kind sieht,falsches vorbild usw…oder die polizei….)
    wobei mich das früher als jugendlicher und auch später bis 30 nicht gejuckt hat.
    diese jugendliche unbekümmertheit gepaart mit faktenwissen,das wärs jetzt!

  2. Gaby sagt:

    Hallo in die Runde,

    Stephane Hessel, von dem ich bis vor kurzem gar nicht wußte, dass es ihn gibt, hat es mir sehr angetan.

    Ich habe mich die letzten Tage sehr für ihn interessiert, will heißen, dass ich im Internet eine gute Anzahl Videos und Zeitungsausschnitte gefunden habe, die ich mit großem Interesse und zustimmungsvoll zur Kenntnis nahm. Hessel ist ein sehr sympathischer Mensch und unsere Journaille hat, bis auf wenige Ausnahmen, einen riesengroßen Knall! Ich habe mich wer weiß wie geschämt, bei ihren Versuchen, dem alten Hessel irgendeinen Fehler nachzuweisen, irgendetwas zu finden, das ihn selbst und seine Streitschrift in Misskredit bringt.

    Vorhin ist Jutta Ditfurths Buch “Zeit des Zorns” (2009) bei mir eingetrudelt. Es ist das erste Buch, das ich von ihr lese.

    Da heißt es bereits auf Seite 24: “Die realen sozialen Verhältnisse und die Erfahrung, von den “eigenen Leuten” (darunter den Parteien und Gewerkschaften) betrogen worden zu sein, haben die soziale Frage auch in Deutschland mit Wucht zurück auf die Tagesordnung katapultiert. Millionen von Menschen sehen sich vermeintlichen Urgewalten des Kapitalismus ausgeliefert, fühlen sich machtlos, ja ohnmächtig und nicht Herr ihres Schicksals. Wer wird der Adressat ihrer Wut? Sozial Schwächere, wie es der deutsche Untertan so schätzt, weil er sich feige nicht gegen die Obrigkeit zu erheben wagt, außer er ist betrunken und randaliert ein wenig bei der ARGE?”

    Seite 219: “Das Gift des Nationalismus ist in Deutschland immer virulent. Es wird gern gespritzt, wenn dem Kapitalismus Gefahr droht. Dann entwickelt sich die Ideologie der “nationalen Schicksalsgemeinschaft” und auf einmal gibt es keine Klassen mehr und keine internationale Solidarität. Es wird unterstellt, dass ausgerechnet der kapitalistische deutsche Staat eine fürsorgliche, auf das Wohl aller Deutschen – vor allem der schwächsten – ausgerichtete Institution ist.

    Einmal mit Pomp und Fahnen Mitglied der nationalen Schicksalsgemeinschaft geworden, wird die Opfer- und Verzichtsbereitschaft des deutschen Untertanen größer. Dafür verspricht – zurzeit auch seine gläubigsten Anhänger nur schwer überzeugend – der Staat dann ja auch scheinbaren Schutz: vor größeren Schicksalsschlägen, vor Fremden, vor Veränderungen und anderen “Sicherheits”-Problemen. Wirklich wertvolle Grundwerte wie soziale Gleichheit aller Menschen, Freiheit von Ausbeutung, Erniedrigung, Rassismus, Antisemitismus und Sexismus, Solidarität über alle nationalen Grenzen hinweg und eine umfassende gesellschaftliche Emanzipation hat die Nation niemals im Angebot. Ganz besonders nicht die deutsche, die nicht mal ein Recht auf “résistance” kennt.”

    Also, Landsleute, worüber wollen wir uns entrüsten? Darüber, dass jemand bei Rot über die Ampel huscht oder darüber, dass unsere Grundwerte und –rechte mehr und mehr mit Füßen getreten werden? Sarrazin ist mir Menetekel, was auf uns zukommt, wenn wir uns nicht endlich mit aufgeklärtem Verstand entrüsten!

    Ciao!

    Gaby

  3. Heiner sagt:

    Die einen kaufen Sarrazin, die anderen Hessel.
    Der Franzose sagt zurecht: Vive la difference!
    MfG

  4. Gaby sagt:

    Guten Morgen, Herr Dr. Jahnke und Mitlesende,

    am 2.2.11 bin ich bei der Lektüre Ihres Artikels über diese Ihre Worte gestolpert: “Stephane Hessel entscheidet sich zwischen zwei deutschen Philosophen, nämlich Hegel und Benjamin für Hegel. Nach Benjamin ist es der Sinn der Geschichte sich unaufhaltsam von Katastrophe zu Katastrophe zu entwickeln. Dagegen entwickelt sich nach Hegel die Freiheit des Menschen von Etappe zu Etappe weiter.”

    Benjamin kenne ich nicht; über Kant und Hegel, auf die das liberale deutsche Bürgertum so stolz ist, habe ich mich mein Lebtag aus gutem Grund noch nie positiv geäußert. Selbst auf Ihrer Plattform habe ich meinen verächtlichen Eindrücken ob dieser beiden Philosophen einmal grobe Luft verschafft und mich damals gewundert, warum meine Worte von Ihnen, Herr Dr. Jahnke, unwidersprochen veröffentlicht wurden.

    Die Begriffe “Hessel” und “Hegel” haben mich in Folge an einen bedeutenden Mann der Bundesrepublik erinnert, nämlich an den Richter und Staatsanwalt Fritz Bauer, dem wir Deutsche maßgeblich die Frankfurter Auschwitzprozesse zu verdanken haben und auch, dass der Holocaust nicht in Vergessenheit geriet.

    Am 21. Juni 1968 hielt Fritz Bauer eine noch heute gültige Rede mit dem Titel “Ungehorsam und Widerstand in Geschichte und Gegenwart”. Diese Rede liegt sogar im Internet.

    Dort heißt es unter anderem (Zitatbeginn):

    Meine Damen und Herren!

    Das Thema “Ungehorsam und Widerstand in Geschichte und Gegenwart”, vor mehr als sechs Monaten mit der Humanistischen Union vereinbart, hat durch die Aufnahme eines Rechts zum Widerstand in Artikel 20 unseres Grundgesetzes eine besondere Aktualität erlangt. Die Bestimmung ist, wie Ihnen ja gewiß geläufig, durchaus umstritten. Sie ist alles andere als ein juristisches Meisterstück. Kritiker der Notstandsgesetzgebung nennen die Bestimmung eine “Perversion des Widerstandsrechts”. Das Recht zum Ungehorsam und das Recht zum Widerstand, juristisch ius resistendi genannt, sind historisch überlieferte Institutionen, deren Inhalt nicht beliebig umfunktionalisiert werden kann.

    [..]

    Frankreich hatte seine Revolution. Es bekannte sich zu den Menschenrechten. Hierzu wurde sofort das Recht auf résistance gezählt. Anders in Deutschland.

    Die deutschen Philosophen machten im Kielwasser des autoritären Staates dem Widerstandsrecht der Jahrtausende den Garaus. “Wenn”, so schrieb Kant unter anderem, und es ist nur eines der vielen möglichen Zitate, “ein Volk durch eine Gesetzgebung seine Glückseligkeit mit größter Wahrscheinlichkeit einzubüßen urteilen sollte: was ist für dasselbe zu tun? – die Antwort kann nur sein: Es ist für dasselbe nichts zu tun als zu gehorchen.” Dies ist unbedingt so, daß dem Untertan kein Widerstand als Gegengewalt erlaubt bleibt.

    Die Worte Kants, denen ganz ähnliche Hegels, auch, später etwa, Treitschkes und vieler anderer entsprechen, sind das Spiegelbild der sozialen Realität in Deutschland.

    Die Deutschen, auch die Juristen, waren grundsätzlich gesetzesgläubig. Wir finden maßgebliche Formulierungen wie: “Der Staat ist rechtlich durch keine Schranke gebunden. Selbst brutale Gewaltakte würden, wenn sie in der Form des Gesetzes auftreten, für Gerichte, Verwaltungsbehörden, Untertanen verbindliche sein.”

    Diesen Satz habe ich als junger Jurastudent hier in München an der Universität gehört und doziert bekommen. Gesetz ist Gesetz, Befehl ist Befehl.

    Zitatende

    http://www.humanistische-union.de/wir_ueber_uns/geschichte/geschichtedetail/back/geschichte/article/ungehorsam-und-widerstand-in-geschichte-und-gegenwart/

    Der Leviathan (speziell die Politik) schützt unsere Grundrechte nicht! Ganz im Gegenteil; er beschneidet sie, wann immer die öffentliche (kapitalistische!) Ordnung in Gefahr gerät zu wanken – Kant und Hegel gelten als Alibi.

    Des Staates Totschlag-Paragraphen lauten heutzutage § 125 StGB “Landfriedensbruch” in Kombination mit § 133 StGB “Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte” und im weiteren Sinne “Widerstand gegen die Staatsgewalt” (§§ 110 – 122 StGB).

    Es gibt in Deutschland einen Haufen dokumentierter Fälle, wo die Polizei während Demonstrationen den ersten Stein auf die Demonstranten warf und die sich wehrenden Demonstranten später im Sinne des Landfriedensbruchs-Paragraphen abgeurteilt wurden. Die Niederschlagungen der G-8-Gipfel-Gegner laufen übrigens nach dem gleichen Muster. Das Gesetz des Landfriedensbruchs rechtfertigte letztlich auch den Einsatz von Wasserwerfern und Pfefferspray gegen die Stuttgart 21-Protestanten.

    Worauf ich hinaus will: In Deutschland können wir bestraft werden, wenn wir das Sofa verlassen, um auf der Straße zu protestieren. Ganz schnell gelten wir vor dem Gesetz als aggressive Krawallos. Dessen muss sich jeder unter uns, egal welche politische Ausrichtung er hat, bewusst sein.

    Die Mittel des Widerstands gegen untragbare soziale Verhältnisse sollten der Staatsgewalt also nicht ausschließlich eine körperliche Angriffsfläche bieten, sondern auch den politischen und juristischen Weg beschreiten, denn noch gibt es sie, die Richter, die im Sinne des Bürgers urteilen, noch gibt es sie, die Wahlurnen, die Petitionen, die Bürgerinitiativen etc. pp.

    Wir sollten also auf gar keinen Fall den Mund halten und wegschauen, wenn Unrecht zu Recht wird. Wir sollten unser Wort erheben, wann immer sich die Möglichkeit bietet. Noch sind die Gedanken frei, noch ist uns das Wort nicht so leicht zu verbieten.

    Wir sollten uns aber auch immer vor Augen halten, dass Demokratie nichts anderes als gefrorene Diktatur ist. Sobald sich das Ungemach im deutschen Volk erwärmt, taut die Diktatur auf, zeigt der Leviathan seine hässliche Fratze, notfalls mit neuerlicher Beschneidung unserer Grundrechte.

    Bis denne,

    Gaby

    • globalnote sagt:

      Es geht bei Hessel nicht um Hegel insgesamt, sondern nur um eine einzige seiner Aussagen, die er der von Benjamin gegenüberstellt. Ich denke wir können hier keine philosophische Diskussion führen, die Hegel gerecht würde.

      • Gaby sagt:

        Halloli, Herr Dr. Jahnke,

        besten Dank für Ihre Erläuterung. Das erspart mir fortan das Grübeln darüber, wie wohl Hessels “Empört Euch!” und Hegels ‘Kuscht Eucht!’ zusammen passen.

        Schönen Sonntag in die Runde,

        Gaby

  5. Manfred Steingrube sagt:

    Gründe, sich zu empören, gibt es viele. Einige haben Sie näher beschrieben. Jeder einzelne Grund für sich genommen, ist berechtigt und richtig, denn keine Empörung in Wort oder Schrift auszudrücken, bedeutet nichts weiter, als sich an falsche Verhältnisse zu gewöhnen. Emotionen und Ärger aber setzen Energien frei, sich konstruktiv an politische und gesellschaftliche Veränderungen zu beteiligen, um aus dem Morast taktischer politischer Spielchen zu kommen. Nicht der Bürger ist die Klientel der Politiker, sondern der Bürger ist der Souverän. Vom ihm hängt es ab, wie er seine Gegenwart und Zukunft gestalten will.

  6. carolus sagt:

    es gibt eine deutsche übersetzung!

    empört euch

    ullstein für 3.99

  7. Heiner sagt:

    Noch einen Satz zur Indifferenz(was ich letzten Endes als Rückgratlosigkeit bezeichnen würde):
    Because of indifference,one dies before one actually dies.
    Elie Wiesel
    MfG

  8. misch sagt:

    globalnoote: respekt für ihren einsatz! allerdings glaube ich, dass sie ein wenig an einem zerrbild der dt. gesellschaft zeichnen! ich will es mal so erklären, man kann probleme mit bestimmten unintegrierten zuwanderern haben, für die kündigungsmöglichkeiten im staatsdienst eintreten, aber genauso für mindestlöhne, gleiche bezahlung bei leiharbeitern etc. sein, dies geht!sie sagen doch sicher mit vollem recht, die hgesellschaft darf sich nicht spalten lassen, dann darf sie es auch nicht in der themenvielfalt! würde da gerne ihre meinung zu hören! mit den besten grüßen an alle user!

    • globalnote sagt:

      Bitte um Verständnis, daß ich wenig Lust habe, diese Diskussion zu den Kündigungsmöglichkeiten im Staatsdienst mit Ihnen fortzuführen, nachdem ich Sie schon mehrfach mangels Zeit für beendet erklärt hatte. Ich muß vermuten, daß Sie sich unter nur leicht wechselnden Pseudonymen und Mailanschriften, aber vom gleichen Server immer wieder melden. Das Thema Staatsdienst scheint dabei Ihr Steckenpferd zu sein.

  9. Peter sagt:

    Kürzlich hatte ich die CDU Mittelstandsvereinigung in meinem Unternehmen. Sie hätten gern ein neues Mitglied. Und da diese “Politiker” ja mit einem Unternehmer sprechen, waren die Aussagen und Visionen dieser Leute als sehr “knackig” zu bezeichnen. Sie kamen nicht ansatzweise auf die Idee, einen Unternehmer mit sozialem Gewissen vor sich zu haben.

    Obwohl innerlich mir der Kamm schwoll, hörte ich mir alles an und bot letzlich an: Ich trete der CDU und der Vereinigung bei, wenn denn das Aalener Programm wieder verbindlich aufgelegt wird. 3 Leute sassen mir gegenüber. Einem färbte sich der Kopf rot (er wußte wovon ich sprach), die 2 Anderen (Mittelalter) blickten sich hilflos um. Sie verstanden nichts.

    Übrigens, die versprochene Neukontaktierung fand nicht statt. Ergo, dass Aalener Programm wird wohl nicht wieder aufgelegt. Schade, schade für die CDU, schade für unsere Gesellschaft.

  10. Gaby sagt:

    Guten Abend, Peter,

    mit großem Interesse habe ich Ihren Beitrag gelesen. Respekt!

    Ich bin stets neugierig und deshalb frage ich ungeniert: Wie formulierten sich die “knackigen” Vorschläge und Visionen der CDU-Mitgliedsfänger? Was waren ihre Vorschläge, die Sie bewogén, spontan das Aalener Programm zu reflektieren?

    Mit herzlichen Grüßen und großem Interesse, mehr aus Ihrer Begegnung mit den CDU-Stimmenfängern zu erfahren.

    Gaby

    • Peter sagt:

      Hallo Gaby,

      nun ja, welche Ziele könnte denn die Mittelstandsvereinigung verfolgen: niedrigere Arbeitskosten (gemeint sind hier die Lohnkosten), Abbau des Kündigungsschutzes, Ausweitung der Flexibilisierung des Arbeitsmarktes (gemeint hier Leiharbeit) etc. Es wurde gemosert über Gewerkschaften und die schlimmen dummen Betriebsräte etc.. Zudem, wir haben noch zuviel Staat. Der muss natürlich weiter zurück gefahren werden und… da ist ja noch die soziale Hängematte… . Ich glaube, wir hatten im Gespräch so alle Klischees durchgekaut, garniert mit persönlichen Erfahrungen (“…darüber haben Sie sich doch auch geärgert, Herr Peter…). “Wir als Mittelstandsvereinigung wollen uns für die Duchsetzung Ihrer Ziele als Unternehmer massiv einsetzen, Herr Peter…” Nur, diese Leute kannten meine Ziele als Unternehmer nicht, sie unterstellten mir diese. Übrigens, das passiert mir auch aus der anderen politischen Richtung.

  11. Gaby sagt:

    Guten Abend Herr Peter und Mitlesende,

    das heißt also, dass diese Leute wissen, was sie tun! Und wenn sie wissen, was sie tun, wissen sie auch um die wirtschaftsschädigenden Folgen ihres Tuns. Sie können sich also nicht herausreden mit: “Huch, wir konnten ja nicht ahnen, dass diese und jene Lockerung so schamlos ausgenutzt wird!”

    Das heißt also, dass mein Eindruck stimmt, dass nämlich vollkommen bewusst das Geld seit rund 20 Jahren von unten nach oben umverteilt wird. Hätte mich auch gewundert, wenn es anders wäre, denn ich halte keinen Menschen für so dumm, dass er nicht versteht, dass neoliberales Wirtschaften geradewegs in den Manchester-Kapitalismus führt, den wir alle glaubten, längst überwunden zu haben.

    Einer meiner erschütterndsten Momente auf dem Weg, den Kapitalismus zu verstehen, war die Lektüre des “Ahlener Programms”. Ich vermute, niemals mehr seit dem 3. Februar 1947 hat sich die CDU, haben sich unsere wechselnden Regierungen und Politiker so gedemütigt und kleinlaut gefühlt wie 1947.

    Aus den Trümmern Deutschlands erwuchs tatsächlich die einzig wahre Erkenntnis, dass der ungezügelte Kapitalismus nichts anderes als breitflächige Armut, soziale Spaltung, Menschenhass und Kriegslust fördert und stets Rassismus und Antisemitismus im Gepäck hat. Nicht anders sind folgende zu Worte zu deuten:

    „Das kapitalistische Wirtschaftssystem ist den staatlichen und sozialen Lebensinteressen des deutschen Volkes nicht gerecht geworden. (…) Inhalt und Ziel (einer) sozialen und wirtschaftlichen Neuordnung kann nicht mehr das kapitalistische Gewinn- und Machtstreben, sondern nur das Wohlergehen unseres Volkes sein. Durch eine gemeinschaftliche Ordnung soll das deutsche Volk eine Wirtschafts- und Sozialverfassung erhalten, die dem Recht und der Würde des Menschen entspricht, dem geistigen und materiellen Aufbau unseres Volkes dient und den inneren und äußeren Frieden sichert.“ – CDU: Ahlener Programm 1947

    So, wie im Ahlener Programm beschlossen, kann der Kapitalismus meiner Meinung nach tatsächlich zum Wohl der Menschen national wie global funktionieren – sofern die anderen Länder dieser Erde mitziehen. Gegen einen solchen Kapitalismus, also die Soziale Marktwirtschaft, habe ich grundsätzlich nichts. Eine solche Wirtschaftsordnung (jedem Wohl und keinem Weh) erzeugt in mir keinen Aufruhr, obwohl ich mittlerweile weiß, dass der Kapitalismus schlichtweg ein Ding ist, das keine Zukunft hat, weil er permanent Leben und Ressourcen in totes Geld verwandelt und mit Geld können wir unseren außer Rand und Band geratenen Planeten (Klima) nicht bestechen.

    Das Ahlener Programm ist leider längst in Vergessenheit geraten und somit auch, wie schrecklich der Kapitalismus unter den Menschen wüten kann, wenn er nicht diszipliniert, also hart reguliert wird. Die beiden Gestalten, die hilflos in die Luft guckten, als Sie, Herr Peter, das Ahlener Programm erwähnten, sind nichts Ungewöhnliches. Ich kenne das Programm erst seit rund sechs Monaten, dabei bin ich 48 Jahre alt und ich habe bisher niemanden in meinem Menschenkreis gefunden, der schon mal davon gehört hätte.

    Wie so häufig, verschweigt uns die Schulbildung, verschweigt uns das alltägliche Tittytainment, allen voran die BILD und RTL, wichtiges Wissen, jedenfalls solches, dass uns Deutsche dazu führen könnte, uns zu empören.

    Vielen Dank für Ihre Antwort, Herr Peter. Ich freue mich, dass Sie die Zeit haben (Sie sich sie genommen haben), sich auf Dr. Jahnkes Internetplattform einzubringen.

    Mit herzlichen Grüßen an alle,

    Gaby

    • Peter sagt:

      Liebe Gaby,

      ich bin wahrlich kein Anhänger irgendwelcher Verschwörungstheorien, ganz im Gegenteil gehen mir die teilweise weit hergeholten Argumente und “Fakten”, sowie solche Diskussionen massiv auf den Wecker.

      Nun will ich aber niemanden, so auch Ihnen nicht zu Nahe treten wenn ich sage dass, glaubt jemand an eine zufällige Fehlentwicklung national und international, eine naive Gutgläubigkeit vorherrscht.

      Ich behaupte, dass die Entwicklung und Veränderung unserer Gesellschaft und deren Form weder zufällig und kein Produkt von unfähigen Politikern ist, sondern systematisch und geplant betrieben wird. Sie ist motiviert und geleitet durch den grenzenlosen und menschenverachtenden Egoismus der Raubtieres Kapital und dessen Helfer und Büttel.

      Diese 3 Herren, die mich besuchten sind willfährige und zum großen Teil völlig ahnungslose Büttel dieses Raubtieres, deren viele es gibt.

      Betrachte ich die Stimmungsentwicklung in unserer Gesellschaft, so bekomme ich durchaus Angst. Ich habe Angst vor 2 möglichen Entwicklungen:

      1. Die Menschen in dieser demokratischen Republik passen sich (wie derzeit geschieht) dieser Entwicklung an und unterwerfen sich. Ergebnis: Demokratie ist nur noch eine leere worthülse und gilt lediglich für eine bestimmte Gesellschaftsgruppe.

      2. Das Pendel bewegt sich mit einer solchen Wucht zurück, so dass das System der Demokratie und sozialer Markwirtschaft von unserer Gesellschaft nicht mehr ernst- und wahrgenommen und somit als als gescheitert und obsolet erklärt wird.

      Die Erfahrungen aus der vergangenheit lassen befürchten, dass die deutsche Gesellschaft keinen Mittelweg finden wird.

      Mir ist es völlig egal, aus welcher politischen Richtung eine offene oder verdeckte Diktatur entsteht. Diktatur ist Despotie und Unterdrückung.

  12. Heiner sagt:

    1949 hat dann die CDU/CSU die Düsseldorfer Leitsätze beschlossen: Stichwort: Soziale Marktwirtschaft/Erhard:
    http://www.gesellschaft-und-visionen.de/PDF/Strategie/Duesseldorfer%20Leitsaetze%20KAS.pdf
    MfG

  13. TÜLAI sagt:

    Eine Rezension über Stéphane Hessels Publikation in der Wochenzeiting “Die ZEIT”:

    http://www.zeit.de/2011/03/Stephane-Hessel

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Log Out / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Log Out / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Log Out / Ändern )

Verbinde mit %s

Follow

Get every new post delivered to your Inbox.

Join 26 other followers