2286

global news 2286 31-01-11: Einzelhandelsumsatz im Dezember 2010 minus 1,2 % gegenüber Vorjahr und minus 3 % gegenüber Juli (doch vom Statistischen Bundesamt wieder nur irreführende Aufschwungspropaganda)

Hier zum Text

9 Antworten zu 2286

  1. Georg Hausmann sagt:

    Rente: meine ist um ca. 5 Euro gesunken. Dazu eine Inflation von ca. 7 %. Das bedeutet, ich muss täglich abends 2 Bier weniger trinken. Irgendwann kommt da Unlust auf. Mit freundlichen Grüssen GH

  2. Manfred Steingrube sagt:

    Nun ist es doch mehr geworden als eigentlich gewollt.

    Diese Zahlen belegen einmal mehr, dass an den propagandistisch aufgebauten Kampagnen zahlreicher Medien zur angeblichen „Kauflust“ – selbst in der dramatischen Steigerungsform zum „Kaufrausch“ auch nicht – der Deutschen am Ende nicht sehr viel übrig bleibt.

    Der schwache Einzelhandelsumsatz sollte auch ein Indiz dafür sein, dass an der Propaganda „bei den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland schlagen die Tariflohnerhöhungen voll durch“, nichts weiter ist als ein dummes Geschwätz, dass den Realitäten nur selten standhält.

    Dass in diesem Zusammenhang durchaus von propaganditischen Feldzügen gegen die Vernunft gesprochen werden kann, liest man allein schon daran ab, dass es in Deutschland immer mehr Unternehmen ohne Tarifbindungen gibt. Übersetzt heißt das: Rein rechnerisch profitieren rd. 11 Millionen ArbeitnehmerInnen! überhaupt nicht von Tariflohnerhöhungen.

    Selbst tarifgebundene Arbeitnehmer profitieren nicht gleichmaßen von einer Tariflohnerhöhung, da die prozentuale Tariflohnerhöhung immer auf den individuellen Lohn des Arbeitnehmers bezogen ist.

    Konkret: In der IG Metall gibt es 14 Entgeltgruppen.

    Ein Arbeitnehmer in der Entgeltgruppe 1 verdient gegenwärtig noch 1.906,50 € (ohne eine 10%tige Leistungszulage!).

    Ein Arbeitnehmer in der Entgeltgruppe 14 verdient gegenwärtig noch 3.925, 00 € (ohne eine 10%tige Leistungszulage und ohne Jahresstaffelung!).

    Mit dem 01.04.2011 wird eine tabellenwirksame Lohnerhöhung von 2,7 % eingerechnet.

    Ein Arbeitnehmer in der Entgeltgruppe 1 erhält dann eine Lohnerhöhung von 51,48 €.

    Ein Arbeitnehmer in der Entgeltgruppe 14 erhält dann eine Lohnerhöhung von 105,98 €.

    Damit wird schon deutlich, dass innerhalb einer Tariflohnerhöhung Unterschiede in eigentlich astronomischer Höhe bestehen, wenn man davon ausgeht, dass über 100% astronomisch sind. Diese Unterschiede bestehen allerdings in allen tarifgebundenen Branchen in Deutschland.

    Rechnet man also von rd. 28 Mio. Arbeitnehmern (rd. 22 Millionen in Vollzeit, rd. 6 Mio. in Teilzeit), die sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind (also ohne die rd. 5 Mio. Arbeitnehmer, die ausschließlich geringfügig beschäftigt sind), rd. 11 Mio. Arbeitnehmer raus, die nicht tarifgebunden sind, bleiben noch 17 Mio. Arbeitnehmer in Vollzeit und Teilzeit übrig.

    Jetzt kann man durchaus die Ansicht vertreten, dass diese 17 Mio. Arbeitnehmer den Einzelhandelsumsatz kräftig ankurbeln könnten.
    Die Betonung liegt aber in der konjunktiven Form, also in der Möglichkeitsform. Demnach wäre vieles möglich. Ist es aber oft nicht. So auch nicht in diesem Fall, wenn die Arbeitsverhältnisse in der Leiharbeit, im Dienstleistungsgewerbe mit den unzähligen Callcentnern und Briefträgern, im Hotel- und Gaststättengewerbe, in der Reisebranche, im Friseurhandwerk, in der Wach- und Sicherheitsdienstbranche, den ambulanten medizinischen Diensten, in anderen Pflegediensten, der Lebensmittelbranche, dem Einzelhandel mit den unzähligen Discountern, ja selbst im öffentlichen Dienst und bei kirchlichen Arbeitgebern werden häufig nur Billiglöhne gezahlt.

    Werden dann auch noch die Auszubildenden, die Kurzarbeiter, die Teilzeitler und die Aufstocker hinzugerechnet, wird, so glaube ich zumindest, sehr klar, dass es sich wohl doch nicht um einen sehr großen Kreis von Menschen handeln kann.

    Bei dieser Betrachtung ging es mir ausschließlich um den Kreis von Arbeitnehmern, die sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind. Es kommen ja noch weitere Millionen von Menschen hinzu, die aus unterschiedlichen Rechtskreisen der Sozialgesetzbücher Leistungen empfangen müssen, weil die Politik einfach unfähig ist, spürbare Gesetze zu beschließen, um den Menschen helfend ein wenig unter die Arme zu greifen, durch einen flächendeckenden Mindestlohn.

    • Manfred Steingrube sagt:

      Heiner:
      An diesen Kreis von Menschen, die hoch verschuldet sind, habe ich gar nicht gedacht. Die müssen selbstverständlich in den „Kaufrausch“ mit einbezogen werden.
      Vielleicht demnächst auch noch die „Frührentner“, deren Hinzuverdienstmöglichkeiten massiv aufgestockt werden soll, so gegenwärtigen die Pläne der Koalition.

  3. Heiner sagt:

    Andreas Scheuerle von der Dekabank bringt das letzten Endes auf den Punkt. Er spricht von einer herben Enttäuschung. Wir hatten schon im November einen erheblichen Rückgang und nun keine Gegenbewegung im Dezember – das heißt, wir hatten sattes Minus im Quartal. Das dürfte dazu führen,dass die Zahlen nach unten revidiert werden. Bisher geht das StaBu von einem Wachstum von 0,5% aus, das könnte nun auch weniger werden. Und weiter!: Der Einzelhandelsverband war zu optimistisch und hat uns auf die falsche Fährte geführt!
    MfG

  4. Gaby sagt:

    Hello friends,

    eigentlich wollte ich mich zu diesem Thread nicht melden, weil es abzusehen war und mich gar nicht überrascht, dass das Weihnachtsgeschäft 2010, trotz aller Konsum-Propaganda, volle Kanne in die Hose gegangen ist. Euren Kommentaren und Links stimme ich vollumfänglich zu.

    Das Ostergeschäft 2011 wird ebenso ins Wasser fallen! Es wurde bereits im Dezember 2010 angekündigt, dass die Osterhasen heuer um 20 bis 30 % im Preis zulegen, wegen gestiegener Kakaopreise. Das bedeutet, auch ein no-name ALDI- oder LIDL-Hase wird im April dieses Jahres mehr als einen Euro kosten. Und ob die Deutschen in diesem Jahr ihren Kindern bunte Hühnereier verstecken, ist fraglich, schließlich haben wir den Dioxin-Skandal noch nicht vergessen! Die ganze deutsche Nation stürzt sich derzeit auf Bio-Eier und die fleißigen Bio-Hühnchen kommen mit dem Legen nicht nach, was die Bio-Eierpreise verteuert bzw. den Kunden mit leeren Taschen von dannen ziehen lässt, weil es gar nicht so viele Bio-Eier gibt, wie derzeit nachgefragt werden. Da tun sich für skrupellose Hühnerbarone ganz neue Geschäftsfelder auf!

    An dieser Stelle möchte ich, auch im Hinblick auf die ägyptische politische Entwicklung, Erich Fromm sprechen lassen:

    “Despoten und Herrschercliquen können ihre Mitmenschen erfolgreich unterdrücken und ausbeuten, aber sie können Reaktionen gegen diese unmenschliche Behandlung nicht verhindern. [..]

    Man kann ganze Völker oder Gesellschaftsgruppen lange Zeit unterjochen und ausbeuten, aber sie werden reagieren. Sie reagieren mit Apathie oder mit einer derartigen Beeinträchtigung ihrer Intelligenz, Initiative und ihrer Fertigkeiten, dass sie allmählich ihre Funktionen im Dienst ihrer Beherrscher nicht mehr erfüllen. Oder sie reagieren mit einer solchen Anhäufung von Hass und Destruktivität, dass sie sich schließlich mitsamt ihren Beherrschern und ihrem System selbst vernichten. Aber ihre Reaktion kann auch in einer solchen Sehnsucht nach Freiheit und Unabhängigkeit bestehen, dass sie mit ihren schöpferischen Impulsen eine bessere Gesellschaft aufbauen.”

    Das sind starke Worte, niedergeschrieben von Erich Fromm anno 1955 (Wege aus einer kranken Gesellschaft, S. 23).

    An diesen Worten gemessen: Wie steht es um Deutschland? In Ägypten fliegt derzeit nicht nur der Deckel vom Pott, sondern der ganze nordafrikanische Kessel droht zu entzweien.

    Have an nice time!

    Gaby

    • Georg Hausmann sagt:

      Der Deutsche Michel trägt eine Zipfelmütze. Die zieht er sich bis weit über Augen, Ohren und Mund. Denn Ruhe ist die erste Bürgerpflicht.

  5. Gaby sagt:

    Guten Abend, Herr Hausmann und Mitlesende,

    den “deutschen Michel” beschmunzle ich lediglich als lustige Karikatur, die meines Erachtens mit dem wirklichen Leben nichts zu tun hat. Da könnte man auch sagen, die Deutschen sind wie die drei Affen, die nichts sehen, hören und sprechen. Wer die Deutschen kennt, weiß, dass das nicht stimmt. Der Deutsche an sich führt ein rühriges Leben und macht sich seine Gedanken, die ihn zwar nicht aktiv entrüsten, aber er wappnet sich innerlich auf noch schlimmere Zeiten. Diese Haltung ist schlimm, weil sie in die Depression mündet.

    Viel treffender erscheinen mir deshalb Erich Fromms Worte, die ich sicher noch einmal wiederholen darf: “[..] Sie reagieren mit Apathie oder mit einer derartigen Beeinträchtigung ihrer Intelligenz, Initiative und ihrer Fertigkeiten, dass sie allmählich ihre Funktionen im Dienst ihrer Beherrscher nicht mehr erfüllen.”

    Ich denke, in dieser depressiven Situation befindet sich Deutschland heute. Die letzten 100 ereignisreichen Jahre deutscher Geschichte lassen sich nicht so einfach durch Alliierte, die uns nach dem Zweiten Weltkrieg die Demokratie verordneten, abschütteln. Wir sind längst nicht so modern, wie wir uns gerne nach außen geben, sondern das Kleinbürgertum ist noch heute konservativ rechtsgewandt. Wir haben gelernt, Kaiser und Adolf preußisch diszipliniert in den Untergang zu folgen und sind preußisch diszipliniert wieder auferstanden, Dank unserer Trümmerfrauen und dem Nazi-Gesocks, dass in der Bundesrepublik wichtige Funktionen einnahm, gegen die späterdings Dutschke und seine Anhänger protestierten.

    Es ist nicht so, dass der Deutsche mit tief herunter gezogener Zipfelmütze rumläuft, es ist aber so, dass viele Kleinbürger in ihrer wirtschaftlichen und sozialen Unsicherheit sehr gerne reaktionär werden. Das habe ich in meinem eigenen Elternhaus live erlebt. Als ich in 1980 mit 18 Jahren die Grünen wählte, flog ich aus meinem konservativen Elternhaus hochkant raus!

    Seit Dr. Jahnke auf dieser Plattform Stephanes Streitschrift “Entrüstet Euch!” bekannt gemacht hat, habe ich mich ernsthaft gefragt, ob es in Deutschland nicht auch einen Menschen gibt, der zum Entrüsten aufruft.

    Den gibt es tatsächlich. Es ist Jutta Ditfurth. Sie schrieb in 2009 das Buch “Zeit des Zorns – Streitschrift für eine gerechte Gesellschaft”. Das Buch wird nicht mehr verlegt, es ist über AMAZON lediglich gebraucht zu kaufen. Ich habe es für 8,95 Euro gekauft und morgen wird es an meine Haustür geliefert.

    Hier ein Link, der über den Inhalt des Buches informiert:

    http://www.stattweb.de/baseportal/Buecher&zeigen=124

    Jutta Ditfurth, die ihr “von” mit 18 Jahren bewußt aus ihrem Namen strich, erzählte in einer Talkshow “Hart aber herzlich” einen Witz aus Adelskreisen, der immer wieder lachend beim Kaffeekränzchen erzählt wird, aber keinesfalls für unsere Ohren bestimmt ist.

    “Welches Lebewesen kommt dem Menschen am nächsten? Der Bürger!”

    Dieser Witz, über den adelige Kinder am meisten lachen, impliziert, dass allein der Adelige ein Mensch ist und alles, was unten drunter lebt, nichts anderes ist, als das Bemühen, evolutionär ein Mensch zu werden. Und wir kleinbürgerlichen Deppen versuchen noch heute, es dem Adel an Höflichkeit, Benimm und Manier gleichzutun, obwohl diese Leute, wozu heute auch der Banken- und Finanzadel gehört, auf uns spucken und uns genauso ausnutzen, wie die Feudalherren vergangener Jahrhunderte die Bauern ausnutzten.

    Wir sollten uns an einen alten Volkswitz erinnern: “Der Börsengang ist des kleines Mannes Untergang!”

    Wir sollten kritisch nachdenken, warum Baron von und zu Guttenberg und seine Freifrau Stephanie eine solche Beliebtheit im deutschen Volk besitzen. Meine Zuneigung genießen sie beide nicht – von Anfang an nicht.

    Deutsche, nehmt Euren empfundenen Zorn endlich ernst! Er ist keine Laune aufgrund von Bauchgrimmens nach einem fetten Essen, sondern ein konkretes innerliches Empfinden asozialer Zustände und dagegen müsst Ihr protestieren! Seid froh, dass Ihr noch Zorn empfinden könnt! Ihr seid keine Maschinen, wie die Kapitalisten Euch gerne zugerichtet hätten! Ihr seid und bleibt Menschen!

    Erzürnt Euch!

    Tut an der Wahlurne Euren Protest kund! Gründet Bürgerinitiativen, entsendet Petitionen, sammelt Unterschriften zu bestimmten Anliegen. Vereinigt Euch in Eurem Unbehagen.

    Liebe Grüße

    Gaby

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