2253

global news 2253 31-12-10: Wie will man eigentlich in Deutschland eine bessere Binnenkonjunktur hinkriegen, wenn sich jetzt immer mehr Menschen vor Altersarmut fürchten müssen?

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6 Antworten zu 2253

  1. Guten Morgen Herr Dr. Jahnke,

    gibt es eigentlich noch irgendeinen Chart, der ins “unendlich Positive” weist? Meiner Erinnerung nach meine ich nur solche gesehen zu haben, deren Fortsetzungen uns alle gegen das jeweilige Desaster, zusammengenommen in eine Art Supergau, führen werden; alle laufen auf der gleichen Zeitschiene, oft konträr immer aber ihren jeweiligen Peaks entgegen.

    Robert Reich beschreibt dies ganz anschaulich für die USA wenn er von den zwei amerikanischen Wirtschaften, der „Big Money“ Wirtschaft und einer solchen, die von den „arbeitenden Durchschnittfamilien“ gebildet wird, spricht; offensichtlich ist der Rest der Bevölkerung schon abgeschrieben und wird bei dem weiteren Auseinanderdriften, besser wäre das wohl mit dem Abstoßen des „Big Money“ von der amerikanischen Basis zu beschreiben, keinerlei Rolle mehr spielen.

    Der Gau und seine subs sind vorprogrammiert; bei allem Respekt für Ihre zehn Schritte zurück zur Marktwirtschaft, ich ginge sie gerne mit, aber bevor auch nur eine maßgebende Minderheit aufbrechen können wird muß es zuerst richtig wehtun. Und zwar nicht denjenigen, die den Schmerz schon lange ahnen oder bereits verspüren sondern denjenigen, die zum Leidwesen der großen Mehrheit noch lange alle Arten von Schmerzmitteln werden einwerfen können, die sie in eine Art Trance den immer gleichen Weg nehmen lassen, um sich über mehr Schulden, mehr Sparen, mehr Tricksen, mehr Wachsen und noch mehr Propaganda im Nebel des mainstream die Taschen zu füllen.

    Wenn weder Den Haag noch wikileaks oder auch nur die zusammengefaßten Wahrheiten eines Priol und seines Jahresrückblicks die Feste erschüttern kann, die sich das Berufspolitikum im gezielten Schatten des Großkapitals hat aufbauen dürfen, wo soll da eine Wende, nein, die Rückbesinnung auf alte aber durchaus erfolgreiche Werte herkommen?

    Möge 2011 die Hoffnung nicht sterben sehen?
    Oder doch?

    Alles Gute!

    Christian A. Wittke

  2. Manfred Steingrube sagt:

    Von dieser Bundesregierung wird kein „großes Engagement“ gegen Altersarmut zu erwarten sein. Eher wird das Gegenteil eintreten (Streichung der Beiträge zur Rentenversicherung für Hartz IV-Bezieher) Von zukünftigen Bundesregierungen wohl eher auch nicht. Die politischen Lager in Deutschland (zumindest von denen angenommen werden kann, dass sie eine gegen Altersarmut gerichtete Politik betreiben würden) sind untereinander weit davon entfernt als dass irgendeine Gemeinsamkeit erkennbar wäre.
    Die Gewerkschaften sind nach meiner Überzeugung in ihrer politischen Ausrichtung zwar auf dem richtigen Weg gegen Lohndumping und Mindestlohn vorzugehen, aber leider in der letzten Konsequenz zu schwach, weil sie die Mitglieder und Betroffenen nicht wirklich aktivieren können, um nachhaltig auf Medien, Politik und Wirtschaft, Einfluss nehmen zu können.
    Hatte der DGB Vorsitzende Michael Sommer nicht von einem heißen Herbst auch in den Betrieben gesprochen!? Davon haben wir leider nicht viel mitbekommen und mussten uns sogar noch eine Jacke anziehen, um nicht zu frieren. Es wäre also an der Zeit, dass in den oberen Etagen der Gewerkschaftsführungen ein Umdenken einsetzt. Alte Rituale, die vielleicht noch vor 20 Jahren Eindruck machten, wie z.B. Protestaktionen mittels Postkarten als Symbol der Wut der Arbeitnehmer auf die Bundesregierung, sind einfach nur reine Krümelmonster und sind aus meiner Sicht nichts weiter als ein Zeichen von Schwäche, aber auch Versagen vor den gewaltigen Problemen, die noch auf uns zukommen werden durch den Altersarmut-Tsunami. Altersarmut hat ihre Wurzeln auch in den Betrieben. Nämlich immer dann, wenn korrupte Betriebsräte nicht auf die Einhaltung von Tarifverträge bestehen. Das gehört leider auch zur betrieblichen Wirklichkeit. Nicht wenige lassen sich durch „persönliche Vorteilsnahme kaufen“(erinnert sei an Siemens, VW, Bahn usw.) In dieser Deutlichkeit muss das auch ausgedrückt werden, um zu begreifen, was in sehr vielen Betrieben zum Nachteil von Arbeitnehmern in Deutschland läuft. Darüber wird allerdings nicht gerne gesprochen.
    Ich erwähne dies nur deshalb, weil in unserer Gesellschaft offensichtlich die Problematik der Altersarmut mit all ihren Facetten noch immer nicht wirklich angekommen zu sein scheint (oder sie nicht wahrhaben wollen). Es muss doch ein Aufschrei der Betroffenen erfolgen. Im Niedriglohnsektor (Vollzeitbeschäftigte arbeiten an der Armutsgrenze) sind über 6 Millionen Menschen beschäftigt. Warum nur lassen diese Menschen es scheinbar dauerhaft zu. sich diesem politischem Diktat zu unterwerfen!? Es kann doch nicht allein immer nur mit “Angst” begründet werden! Müssen die Schmerzen denn erst immer unerträglich werden, bevor etwas dagegen unternommen wird!?
    Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass in uns das viel zitierte “Preußengen” stecken soll, dass über Jahrhunderte zur “Ordnung und Disziplin” gegenüber Machthabern als Lebensgrundlage beigetragen hat. Die Kehrseite wäre ja dann, dass wir ein Volk von “Hosenscheißern und Masochisten” wären.
    In diesem Sinne wünsche ich mir ein weiterhin gut präpariertes Infoportal 2011, damit die Menschen sich (symbolisch!) wie im Jahr 1789 freimachen von der ewigen Unterdrückung durch den Geldadel und ein auf Distanz haltenes Bürgertum, damit in Deutschland endlich ein politisch-sozialer Wendepunkt erreicht werden kann.

    • globalnote sagt:

      Lieber Herr Steingrube,

      Ich bin voll bei Ihnen und Ihrer Analyse. Doch der Wandel wird wohl noch nicht 2011 eintreten. Wir brauchen vielleicht noch die Krise Teil 2.

  3. Gaby sagt:

    Hallo, in die Runde,

    ebenso, wie die Arbeitslosenhilfe 2005 in Hartz-IV umgewandelt wurde, egal, wie lange und wie viel jemand in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt hat, so habe ich den Eindruck, dass die staatliche Rentenversicherung umgewandelt wird in eine Almosenanstalt.

    So, wie es in der Bundesrepublik kein Recht auf Arbeit gibt, gibt es eines Tages auch kein Recht auf eine Rente, die über das existenzerhaltende Maß hinaus geht. Wer mehr als ein Butterbrot will, muss sich selbst versichern oder sich lebenslang in den Dienst des kapitalistischen Verwertungsprozess menschlicher Arbeitskraft stellen.

    Die Japaner machen uns das vor, indem sie gar nicht erst an Rente denken.

    http://www.n-tv.de/panorama/Japan-foerdert-Arbeit-im-Alter-article836471.html

    Die Japaner zeigen uns allerdings auch, wie es sich lebt, wenn die Wirtschaft mehr als 10 Jahre nicht aus der Deflation heraus kommt.

    Schönen Abend noch,

    Gaby

    • globalnote sagt:

      Der nächste oder übernächste Wochenbrief wird unter dem Thema kommen: “Die skandinavische Wohlfahrt grüßt die soziale Abfahrt in Deutschland“. Man muß ja nicht nur mit Japan vergleichen.

      Beste Gruesse
      Joachim Jahnke

      • Gaby sagt:

        Guten Abend, Herr Dr. Jahnke,

        ich habe deshalb auf Japan geschaut, weil ich unke, dass uns Deutsche die neuerliche, obschon alte Debatte um die Altersarmut mental darauf zurichten soll, langfristig unsere erworbenen Altersansprüche zurückzuschrauben.

        Die Deflation Japans habe ich erwähnt, weil Sie titeln: “Wie will man eigentlich in Deutschland eine bessere Binnenkonjunktur hinkriegen, wenn sich jetzt immer mehr Menschen vor Altersarmut fürchten müssen?” Ich sage ganz klar: Gar nicht!

        Mir ist bewusst, dass die skandinavischen Länder eine menschenfreundlichere Ökonomie betreiben und deshalb unsere Politikerkaste, die immer davon schwafelt, sich den Zwängen der Globalisierung wettbewerbsfähig anpassen zu müssen, der Lüge überführt. Die kapitalisierten Skandinavier sind auch in die neoliberale Globalisierung eingebunden, zeigen aber, dass die Nationalstaatlichkeit trotz Globalisierung nicht alle ökonomischen Zepter aus der Hand geben muss, wie es der neoliberale Musterschüler Deutschland dienstbeflissen, überfleißig tut.

        Ich schaue nicht nur auf Japan! In diesem Thread bot es sich jedoch an.

        Mit gespannten Grüßen Ihren in 2011 erscheinenden Wochenbriefen entgegen blickend, verbleibe ich

        mit herzlichen Grüßen an Euch alle,

        Gaby

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