Dieser Beitrag wurde geschrieben von am Samstag, 25. Dezember 2010 um 11:12 pm und eingeordnet unter Kri, soz, Wi. Du kannst den Antworten zu diesem Eintrag mit Hilfe des RSS-2.0-Feeds folgen.
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Nichts Neues im Westen? Doch! Der Doktrin “Sozial ist, was Arbeit schafft!” wird immer lauter entgegen gehalten: “Nur was sozial ist, schafft Arbeit!”
Noch heulen die bornierten Wölfe historische Zitate, aber auf lange Sicht sterben sie aus und somit auch der Irrtum, dass Sparsamkeit eine staatstragende Tugend sei. Ich bin recht guter Hoffnung, dass nichts so düster bleibt, wie es jetzt ist.
zur objektiveren Beurteilung des Rückgangs der Anzahl an Beamten, müsste aus meiner Sicht die Anzahl der Lehrer getrennt ausgewertet werden. Bedingt durch den deutlichen Geburtenrückgang seit Mitte der 60er Jahre, wurden ab ca. 1980 auch weniger Lehrer benötigt. Hierdurch muß die Gesamtzahl der Beamten zwangsläufig fallen. Ob (und falls ja, wie stark) der von Ihnen beschriebene Abfall über dieses Maß hinaus hinausgeht, ist unklar.
Leider gibt diese Statistik keine getrennte Zählung für die Lehrer her. Die Gesamtzahl stieg jedoch noch bis 1995. Der dann einsetzende Abbau der Beamten und Richter allein um 17 % bis 2009 kann nicht durch den Rückgang der Zahl der Lehrer erklärt werden. Zudem ist die Zahl der Lehrer von 655600 in 1990 noch auf 678100 in 2003 gestiegen (neuere Zahlen habe ich nicht).
Lieber Herr Jahnke, und liebe Mitlesende -
das System wird auch noch ächstes Jahr überstehen-
und weitere, die “Schwämme” werden aufsaugen, was es weiterhin aufzusaugen gilt – sie sind noch nicht voll-
man kann nur den Sumpf durch eine totale Entwertung trocken legen – Trendlinien deuten es schon an;
Dank Ihrer würdigungsvollen Arbeit!
Das bis dahin viele und noch mehr leiden werden müssen, ist für mich schon lange unerträglich!
Könnte man fast sagen, das Ende käme schneller und unerwartet?! Ein neues System müßte her; im einzelnen wüßten wir schon, wie es sein müßte – wie weit wollen wir zurückgreifen, wo jeder sein ein- und auskommen hat, die Grundbedürfnisse des Lebens erfüllt; eine gesunde Familie, ein Dach (bezahlbar für alle) überm Kopf – sind wir dazu nicht zuviel – wie sieht’s dann aus mit der Ernährung von allen, Energie und weiteren
Dingen, die ich nicht zu nennen mag, im Zeitalter des Überflußes – bescheiden auf das Wichtigste wird für alle ein einschneidendes Erlebnis…
Florian verschone mich und mein Haus-
deshalb geht es noch weiter so…
und noch weiter, und oh, ENDE!
Ich weiß, es war nicht konstruktiv, dennoch ist der eigene Egoismus der Grund dafür, daß es so weiter geht… Ich hätte auch lieber besser Nachrichten an Euch…
LG,
Chrsitoph.
ebenso wie Du, vermute ich, dass die auf der Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft basierende Produktionsweise des Kapitalismus zwar nicht heute oder morgen, aber doch auf lange Sicht an ihren eigenen inneren Widersprüchen zerbricht.
Einer dieser systemgefährlichen Widersprüche ist die Innovationsfreudigkeit der Menschen, die dazu führt, die industrielle Produktivität grotesk zu übersteigern, gleichzeitig aber durch übertriebene Sparsamkeit eine Nachfragelücke nach der anderen aufreißt. Die Menschen werden es irgendwann nicht mehr hinnehmen, nur dann satt, gesund und gebildet zu sein, wenn sie es auch bezahlen können und gleichzeitig zusehen müssen, wie tonnenweise die dringend benötigten Lebensmittel und Medikamente vernichtet werden, sobald sie das Ablaufdatum überschritten haben.
Nicht einverstanden bin ich mit Deinen Überlegungen, nach denen wir zu viele Menschen sind, sie also gar nicht ausreichend ernährt und gekleidet werden können, weil die Ressourcen der Erde ausgeschöpft scheinen. Das ist Malthus’sches Gedankenschlecht! Ich bin davon überzeugt, dass die Erde sogar 12 und mehr Milliarden Menschen recht wohlhabend und glücklich erhalten kann, wenn wir es nur endlich fertig brächten, unsere ungeheure Innovationskraft und Produktivität nicht dem Kapital anzubiedern, sondern in den Dienst der Menschen zu stellen. Ich spreche nicht von Plan- sondern der Subsistenzwirtschaft, gepaart mit allen menschenfreundlichen Erfindungen unsere Zeit und der Zukunft.
Darüber hinaus bin ich davon überzeugt, dass der Mensch in seinem Wesen weniger egoistisch als vielmehr ziemlich sozial veranlagt ist. Den Gedanken, dass der Mensch dem Menschen ein Wolf wäre, haben wir vor allem dem leviathanischen Staatstheoretiker Thomas Hobbes (17. Jhr.) zu verdanken. Manche Gedanken halten sich zäh, werden von einer Generation an die andere gereicht, aber das macht sie nicht wahrer.
Ist es wirklich Deinem, meinem, unserem Egoismus zu verdanken, dass wir durch unsere Hände Arbeit die Kapitalisten dieser Welt Tag für Tag ungewollt reicher machen oder ist es nicht vielmehr so, dass wir hinein geboren werden in einen mittlerweile weltweit existenten Kapitalismus, der jahrhundertelang von führenden Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik, Philosophie und Religion erdacht und forciert wurde? Auch wenn viele von uns es wollen, wir können uns diesem System nicht aus eigener Kraft entziehen.
Abschließend möchte ich Dir versichern, dass Deine Gedanken ganz und gar nicht unkonstruktiv sind.
es soll jetzt hier kein Diskurs nur zwischen uns allein entstehen…
Danke auch Deiner Versicherung, meine Gedanken seien ganz und gar nicht konstruktiv – ich denke mittlerweile an die 10 Punkte und würd’ zu gern noch den wichtigsten, der schon länger als über ein Jahrhundert brach liegt, hinzugefügt wissen:
Maschinensteuer – eine Steuer auf Maschinen, die die Arbeitskraft
eines Menschen ersetzen – heute sind es viele Menschen, die aufgrund des Einsatzes von Maschinen nicht mehr benötigt werden…
(z.B. monatl. zu entrichten wenigstens in der Höhe des Sozialbeitrags dieses ersetzten Mitarbeiters…)
(Doch selbst wenn diese Steuer existierte, wäre diese schon längst auf den Endpreis des Produktes aufgeschlagen und damit
auf die Käufer abgewälzt…)
Allerdings sehe ich es wirklich so, daß allein der Egosimus, der Selbsterhaltungstrieb, im Genaueren, uns weiterhin zur Arbeit trotten läßt und das perfide System damit weiterhin unterstützt
und aufrecht erhält. Es ist leicht, im weiteren, dem Ganzen den Mantel der Unschuld durchs Hineingeborensein überzustülpen, um damit in der Aussage zu enden, wir können uns diesem System nicht entziehen.
Den spanischen Fluglotsen wurde Sitte und Mores gelehrt, als sie in den vergangenen Wochen kurz mal einen Streik hinlegten, der allerdings wirkungsvoll war- kurz mal auf die Haut legen, wir alle? So mir nichts Dir nichts, von heut’ auf morgen, das hätte schon was Überall kann dann das Militär nicht sein- außerdem, es liegt doch dann auch auf der Haut, wenn’s darauf ankommt!
Homo homini lupus – oder es gibt ebenso den Satz: Homo homini deus.
Eine Freiheit, die es zu leben gilt. Aber dennoch müssen wir wissentlich
dieses Spiel mitspielen, bis der Karren an die Wand gefahren ist?!
Damit wir in dieser kurzen Zeitspanne überleben können, wollten wir nicht auf die ‘Wohlfahrt’ diese Staates zurückgreifen müssen?
Und wenn dann alle darauf zugreifen, reiben wir uns die Augen und stellen fest, daß wir die Wohlfahrt waren, als wir noch arbeiteten…
@rote socke und dem Satz: es hatte mal jemand geschworen…
Wenn nach Flegelskamp, Merkels Euro Rettung geschaut wird, und man sich durch die sich jeweils gegenseitig referenzierenden EU-Gesetze hindurchgequält hat, die im übrigen kein damals abnickender Abgeordneter
weder vollständig gelesen, noch konkret und im Detail verstanden hat, so ist zusammenfassend die Frage zu stellen, ob hier nicht kriminelle Aktivitäten auf Staatsebene vorliegen? Doch wo kein Richter, ist auch kein Henker-
deswegen ist die Hand auch noch dran, die dem Wohle des deutschen Volkes schwor… und Justitia ist eben blind, oder geblendet von dem, was noch kommen möge – viele, zuviele erkennen inzwischen den Zwiespalt, der sich auftut zwischen “Staatenrettung” und dem Einsatz der Steuergelder im eignen Land… Zum Glück schläft der Michel, doch dessen Träume kennt man nicht…
… und ich mach’ jetzt auch kurz mal die Augen zu um 5:45 geht’s wieder los…
Was die Lehrerfrage angeht – ist es nicht so, wie mit dem Ei und dem Huhn? Warum ist denn die Geburtenrate “eingebrochen”? Nein, klar, nicht weil es zu wenig Lehrer gibt. *hihi* Nein, die Kinderkriegproblematik, die ja auch vom Nichtsnutz Sarrazin bis zum Erbrechen strapaziert wird, ist doch letztendlich eine der Quintessenzen aus dem, was Herr Jahnke in seinem wirklich treffenden Artikel niedergeschrieben hat! Die Ursachen dafür sind es auch, die dem Christoph das Fest der Feste versauen: Soziale Unsicherheit an allen Ecken im Land, und kein Ende in Sicht!
Da war mal jemand, der hatte »geschworen«, Unheil vom deutschen Lande abzuwenden und seinen Nutzen zu mehren, so wahr ihm jemand helfe, der immer gern zitiert wird, aber nie das tut, was man gerade von ihm erwartet. Mal ehrlich, müßte der Dame Merkel nicht die Hand abfaulen, mit der sie diesen Eid geleistet hat???
@ Chrsitoph
Es ist kein Dialog unter Euch beiden. Wir kieken alle zu…
Was Deine Maschinensteuerforderung angeht, so hast Du sie erstens selbst ad absurdum geführt, und zweitens ist sie implizit in Herrn Jahnkes Forderungen enthalten, denn jedwede Einsparung an Arbeitskräften schlägt sich automattisch auf das Betriebsergebnis nieder und gehört anständig besteuert, womit die Gesellschaft wieder genügend Mittel hat, um den von der Industrie ausgespuckten Überflüssigen eine angemessene Perspektive zu geben und Gebrauchtsein zu vermitteln, z.B. durch die Einstellung weiterer Lehrer oder durch die Erweiterung des kulturellen Sektors, was gegenwärtig gegenteilig geschieht.
Und dem Christoph möchte ich zu denken geben, dass das “sich auf die Haut legen” nur dazu führt, uns systemgeschmeidiger zu machen, denn da kriegen wir, wenn es gut läuft, ein bisschen soziales Öl in den Pelz gerieben und schwupps ist uns die Welt wieder in Ordnung und wir gehen zufrieden zurück zur Maloche.
Diese kapitalistische Peitschen- und Zuckerbrot-Politik funktioniert seit mehr als 150 Jahren recht passabel, weshalb sie auch nicht abgeschafft wird; schon gar nicht von der arbeitenden Klasse. Die Parole “Nieder mit dem Billiglohn!” wird zu meinen Lebzeiten nie und nimmer umschlagen in die Forderung “Nieder mit dem Lohnsystem!”
Oh, Gaby… da bleibt mir ja die Puste weg! Das wollten schon mal andere versuchen, ohne Lohn (bzw. ohne Göld) und sind damit auf die Fr…Visage geflogen! Neinchen, ein bißchen Lohn sollte schon sein, nur er sollte so ausgelegt sein, daß das betroffene Individschum seine Art erhalten und sich erweitert reproduzieren kann. Ersteres wird durch die Sozialpolitik in D durchaus gewährleistet, Letzteres wird seit Jahrzehnten hintertrieben und unterminiert, weshalb wir ja jetzt den/die/das Schlamassel haben!
Einigkeit bei unserem Lumpenproletariat? Wer irgendwie malochen tut, geringschätzt den, der bereits vom System ausgespien wurde, und andersrum, beinahe jeder von Hartz Betroffene geht gern zu Konditionen malochen, die weit unter dem sind, was sie eigentlich sein sollten… Einigkeit?
Vielleicht noch Recht??
Oder Freiheit???
sollte ich hier den Eindruck erwecken, ein Sozialist oder Kommunist zu sein…, sollte ich mich wirklich um einen treffenderen Ausdruck bemühen.
Die anarchistische Parole “Nieder mit dem Lohnsystem!” bedeutet nicht etwa, die Planwirtschaft oder eine Welt ohne Geld einzuführen, sondern den Kapitalismus abzuschaffen, denn ohne das Lohnsystem funktioniert der ganze Laden nicht und an seine Stelle der Subsistenzwirtschaft eine Renaissance zu verleihen. Ohne Lohnsystem funktioniert der Kapitalismus nicht, weshalb wir in einem solchen Fall auch keinen Staat, keine Nation mehr benötigen, denn die Staatsgewalt, also Politik und Gesetzgebung, sind nichts anderes als die ordnungshütende Klammer der nationalen Marktwirtschaften.
Die Solidarität in der deutschen Arbeiterklasse ist insofern real vorhanden, da ihre nationale Loyalität (Einigkeit, Recht, Freiheit) spätestens seit 1848 diejenige Kette ist, die die Arbeiterbewegung plus Gewerkschaften an die Kategorien des Kapitalismus fesselt. Seither finden keine anti-modernen Emanzipationsbestrebungen mehr statt; Sozialismus und Kommunismus zähle ich nicht hinzu. Und weil wir uns alle recht gemütlich in diesem unserem System eingerichtet haben und wir dann und wann ein paar soziale Zugeständnisse von der Politik bzw. den Kapitalisten erhalten, kommt kaum jemand ernsthaft auf die Idee zu fordern: “Nieder mit dem Lohnsystem!” Auch nicht in Wirtschaftskrisen.
Ich hoffe, verständlich erklärt zu haben, welche Sprengkraft in diesem utopischen, leicht zu überlesenden, gar mißverstandenem Satz steckt. Diese Sprengkraft, falls sie sich je entfalten sollte, würde nicht nur das kapitalistische, sondern auch das sozialistische wie kommunistische Gemurkse in einem Aufwasch auf den Schrotthaufen der Geschichte katapultieren. Mit einem solchen Knall ist, wen ich meiner Glaskugel glauben darf, in den nächsten 50 Jahren nicht zu rechnen.
Tschuldschung, aber das kann ich so nicht stehen lassen.
Hallo, Gaby & alle anderen.
In der gegenwärtigen Situation GIBT ES ABSOLUT KEINE wie auch immer geartete SOLIDARITÄT innerhalb des durch Politik und Absahner unterdrückten Volkes, weder regional, noch national, noch international! Jeder ist des anderen Feind und jeder hängt seinen eigenen Vorstellungen nach, egal, wie die gerichtet sind!
Einigkit und Recht und Freiheit – das war die Parole unserer Urgroßväter, die sich ein einheitliches Deutschland gewünscht haben, das zu der Zeit in 360 Kleinstaaten zersplittert war. Und? Haben wir ein “einheitliches Deutschland”? – Nein! Was wir haben, sind 16 föderale Subjekte, von denen jedes sein eigenes Süppchen kocht und Heerscharen von Speichelleckern mästet, die den Regierenden in den Ländern den … zu Diensten sind.
Haben wir auch nur eine länderübergreifende Organisation in deutschen Landen, die die Wünsche, Hoffnungen und Ziele der Massen repräsentiert? – Doch, die haben wir, aber die wird von 80% der Wählerschaft mißachtet, man traut sich nicht mal, mit ihr in Verbindung gebracht zu werden.
Damit sind wir bei Deinem Frust, mit Sozial- oder Kommunismus in Verbindung gebracht zu werden. Denke bitte etwas drüber nach! Das, was Du verabscheust, ist nicht S oder K, sondern der unter deren Mantel zelebrierte Stalinismus mit all seinen häßlichen Auswüchsen, die ich leider erst viel zu spät erkannt habe.
Im Übrigen läßt unser Grundgesetz die Verstaatlichung von Eigentum zu, was eine der Voraussetzungen für Kommunismus ist (konkret Art. 15, einer der beiden Lieblingsartikel von mir, neben dem 14er!). Ein Bißchen von dem, und eine Prise von jenem – das ist doch das, was ein Menü braucht, gerade zum Jahresende, oder?
meine Alltagswahrnehmung ist zwar eine positivere als Deine, aber wenn Du meinst, der Mensch sei dem Menschen ein ichsüchtiger Stichling, solltest Du fragen, warum das so ist. Hängt es vielleicht mit unserer Ökonomie zusammen?
Ähm…, was ist das für eine länderübergreifende Organisation, die von 80 % der Deutschen mißachtet wird?
Wenn der Begriff “Stalinismus” gebraucht wird als Bezeichnung für die Herrschaft Josef Stalins, hege ich gegen diesen sowie viele andere Ismusse ebenso viel Abneigung wie gegen den Kapitalismus als Etikett für die Herrschaft des Geldes. Ist Dir eigentlich mal der Gedanke gekommen, dass alle modernen, also ab dem 19. Jhr. ff. entstandenen Wirtschafts- und Gesellschaftsformen eine gemeinsame Grundlage haben könnten?
Folglich bin ich der Meinung, dass wir seit rund 500 Jahren unentwegt experimentieren, den Kapitalismus für die Menschen bekömmlich zu machen. Ein bisschen von diesen und ein bisschen von jenen ideologischen Zutaten hat uns in der Vergangenheit wenig bekömmliche Ökonomien und politische Verhältnisse beschert und nun die schwerverdauliche Suppe Neoliberalismus aufgetischt, die auszulöffeln mir ziemlich schwer fällt. Da krieg’ ich jeden Tag Wamsgrimmen und dieses Grimmen würde auch nicht verschwinden, wenn wir Deinen Lieblingsartikel 15 GG flächendeckend realisierten.
Bitte entschuldige, Gaby.
Es sollte Dich nicht gleich auf die Palme bringen. Ich wollte nur anregen, daß Du nachdenkst und nicht gleich ein ganzes Sylvesterfeuerwerk abfeuerst!
Du selbst hattest ein Loblied auf die “Solidarität in der dt. Arbeiterklasse” agestimmt, und übersiehst dabei, daß es diese Klasse als solche nicht mehr gibt, und daß in dem neu entstandenen Schlamassel alles andere herrscht, als Solidarität! Kiek doch mal richtig hin!!!
Stalinismus: Charakterisiert die – wie Du es selbst darstellst – mehr oder weniger untauglichen Versuche, den Kapitalismus als wirtschaftliche Ordnung zu überwinden, was in Vielem durchaus geglückt war, aber leider an einem unsäglichen idiotologischen Chaos gelitten hat und daran, würde ich sagen, zugrunde gegangen ist. Leider habe ich bis jetzt keine halberwege taugliche Analyse dessen gefunden, nur oberflächliche Flachheiten. Will damit sagen, ohne eine vorbehaltlose und neutrale Analyse der Prozesse werden wir das, was die Welt rund 70 Jahre in Atem gehalten und Deutschland rund 40 Jahre getrennt hat, nie verstehen und uns bei Oberflächlichkeiten in die Wolle kriegen. Muß nicht sein.
Zu der Bemerkung: “Stalinismus: Charakterisiert die – wie Du es selbst darstellst – mehr oder weniger untauglichen Versuche, den Kapitalismus als wirtschaftliche Ordnung zu überwinden, was in Vielem durchaus geglückt war, aber leider an einem unsäglichen idiotologischen Chaos gelitten hat und daran, würde ich sagen, zugrunde gegangen ist. Leider habe ich bis jetzt keine halberwege taugliche Analyse dessen gefunden, nur oberflächliche Flachheiten.”
Es war weiß Gott nicht nur das ideologische Chaos, bei dem ja die DDR Führerschaft im sozialistischen Lager beanspruchte als Land der besseren Kommunisten, die allein Marx wirklich verstanden haben wollten. Das Ganze scheiterte wirklich primitiv an der zu erwartenden Unfähigkeit, die Bedürfnisse der Menschen planen zu können und dann auch noch in Tonnen und nicht Qualitäten, ohne den Markt und das private Risiko als Schiedsrichter zu haben. Selbst die Chinesen haben das am Ende begreifen müssen. Es geht wirklich nicht und wir sollten dem nicht nachtrauern, auch nicht in verdeckter Form. Die Bundesrepublik war zu Zeiten echter sozialer Marktwirtschaft wirtschaftlich Lichtmeilen effizienter als die DDR. Dazu gibt es ausreichend statistisches Material.
da bin ich ganz Deiner Meinung: Wir sollten unser Leben nicht unter das Diktat einer Ökonomie stellen, die offensichtlich kaum ein Mensch versteht und deshalb auch nicht dem Wohl aller Menschen dienen kann. Eine Ökonomie, die von kaffeesatzlesenden Experten und ideologisch verblendeten Politikern betrieben wird, eine Ökonomie, deren Lehrsätze dazu dienen, die eh schon Reichen reich und reicher zu machen, ist eine lebensgefährliche Angelegenheit und gehört, nach den Maßstäben des gesunden Menschenverstandes, verboten.
Nun ist das Kind in den Brunnen gefallen, der Kapitalismus hat sich weltweit etabliert, wir müssen damit leben, werden aber, egal ob wir dieses Ding oberflächlich oder unterflächlich analysieren, nach derzeitiger Lage der Dinge nie und nimmer einen Weg finden, diesem Monster ein dauerhaft menschenfreundliches Antlitz zu verleihen.
Übrigens: Wo habe ich ein Loblied auf die deutsche Arbeiterklasse angestimmt? Ich habe geschrieben, dass die Arbeiterbewegung sich selber spätestens seit 1848 an die Kategorien des Kapitalismus gefesselt hat. Das ist kein Lob, das ist beißende Kritik.
So, und nun bastele ich weiter an meinem Sylvesterfeuerwerk.
@globalnote
Ich will Sie beim besten Willen nicht belehren, Herr Jahnke, es ist nur so, daß kein Unternehmen ohne Planung auskommt, und das auch in Tonnen, und natürlich mit Qualitäten. Voraussetzung ist allerdings, daß diese Planung nicht Wunsch und Traum ist, wie in den Ländern des Ostblocks überwiegend verbreitet, sondern auf realen und überprüfbaren Grundlagen.
Eine sachliche Analyse ist nicht unbedingt gleichzusetzen mit einer wie auch immer gearteten »Ostalgie«. Es geht m.E. darum zu erkennen, wohin das Schiff, in dem wir sitzen, steuern soll. Obwohl – wir, die wir hier diskutieren, werden wohl kaum einen Umschwung revolutionären Charakters miterleben können, vielleicht unsere Enkel oder deren Enkel. Sie werden es uns danken, wenn wir Objektivität an den Tag legen.
@Gaby
Vielleicht könnten wir uns darauf einigen, daß der Kapitalismus ein notwendiges Stadium in der Entwicklung der menschlichen Ökonomie ist, das seine bestimmte Zeit hat und eines Tages zwingend von einem anderen wirtschaftlichen System abgelöst wird. Wie das heißen soll und was es bringen wird, darüber können wir heute nur orakeln.
Vielleicht sei mir die Anmerkung erlaubt, daß nach meinen Beobachtungen all jene Länder, die einst den Ostblock gebildet haben, nach dessen Auflösung auf annähernd die Stufe in ihrer Entwicklung zurückgefallen sind, in der sie den Übergang zu einer staatlich gelenkten Zentralwirtschaft (um dem Kinde eine halberwege neutrale Bezeichnung zu geben) getan haben. Ich denke dabei vorwiegend an die ganzen -stans, die einst die südlichen Republiken im Bestand der UdSSR gebildet haben, oder die Mongolei, in der nach einer relativ erfolgreichen Entwicklung zu kommunistischen Zeiten heute eine humanitäre Katastrophe herrscht.
Leider ist diese Betrachtung des Scheiterns der Planwirtschaft selbst nur von “oberflächlicher Flachheit”.
Wenn ein Unternehmen an den Bedürfnissen des Marktes vorbei plant, geht es Pleite und wird sein Absatz von effizienteren Unternehmen übernommen. Wenn ein Staat das tut, verschwindet er nicht. Die Menschen können sich allerdings eine andere Regierung wählen oder auswandern. Im Fall des Sowjetblocks und speziell der DDR war beides entweder mangels freier Wahlen gar nicht oder mangels offener Grenzen nur sehr beschränkt möglich. Deswegen mußte es zum Aufstand kommen und die Mauer fallen.
Dabei geht es gar nicht mal so sehr um die Kosten des technischen Fortschritts, sondern um die ohne Wettbewerb fehlende Belohnung von Kreativität und im Falle des Sowjetblocks um die immense Einseitigkeit plus Kosten der Rüstung, deren Technologie (anders als im Westen) nicht in die kommerzielle Wirtschaft übernommen werden konnte. So konnte die UdSSR den Rüstungswettlauf mit den USA nie gewinnen.
Jedenfalls ist staatliche Planwirtschaft dieser Art (also Detailplanung der gesamten Wirtschaft) zum Mißerfolg verurteilt, auch ohne ideologisches Chaos. Aber vielleicht halten Sie diese Selbstverständlichkeit auch nur für flach?
ok, mit Deiner Definition kann ich leben, auch wenn ich glaube, dass wir da etwas erfunden haben, dem wir nicht gewachsen sind, weil unseren elitären Weltenlenkern schlichtweg Vernunft, Verstand und Einsicht fehlt, so ein sensibles und gleichzeitig so gefährliches Ding wie den Kapitalismus zu beherrschen.
Der Ostblock musste meines Erachtens kollabieren, denn diese Länder befanden sich im Stadium der kapitalistischen nach- bzw. aufholenden Modernisierung. Und, jetzt kommt der üble Stolperstein: Das von den innovativen Produktivkräften der Wissenschaft forcierte Entwicklungstempo des technologischen Fortschritts entwickelt sich derart schnell und ist überdies so unerschwinglich teuer, dass diejenigen Länder, die nicht an der Spitze des kapitalistischen Weltmarktes mitmarschieren können, zurück bleiben, also ins Elend fallen und zusammenbrechen. Es entstehen derart hohe Kosten per Aufholung des technologischen Fortschritts, die nicht mal Stalin seinem Volk vom Munde absparen konnte.
Nun aber, wie es leider häufig geschieht, zu behaupten, die westliche Politökonomie habe durch den Zusammenbruch des Ostblocks seine überragende Leistungsfähigkeit bewiesen, ist ziemlich dummes Geschwätz, weil völlig ausgeblendet wird, dass im ungezügelten Kapitalismus nur die fittesten Länder eine Überlebenschance haben und diese Chancen können ihnen, beschleunigt durch die geradezu grotesken Wirtschaftsunlogiken des Neoliberalismus, jeden Tag genommen werden.
Mir ist jedenfalls schleierhaft, wie beispielsweise die Peripherieländer des Euroraums unter den jetzigen ökonomischen Bedingungen je wieder auf die Füße kommen wollen. Ich habe die Befürchtung, dass aus ihnen für lange Zeit Armenhäuser werden.
Und überhaupt, schauen wir uns doch einmal um: Die Mehrheit der Weltbevölkerung besteht heute aus Wirtschaftssubjekten ohne Geld, aus gesellschaftlichen Unpersonen. Der Kapitalismus hat sein großes Versprechen “Wohlstand für alle” bis heute nicht eingelöst, ganz im Gegenteil!
Wenn wir unsere Marktwirtschaft behalten wollen, müssen wir dringend umschalten vom Raffgier- in den konsequenten Verteilungskapitalismus. Eine Wirtschaftsform, deren Marktteilnehmer sich ständig erbarmungslos niederkonkurrieren, also in die Armut treiben, hat meines Erachtens keine stabile Zukunft.
Liebe Grüße und nachher einen sanften Rutsch in ein hoffentich gutes neues Jahr!
Gesundes Neues allerseits!
Wie ich erkennen kann, kommen wir dem Punkt von Konsens allmählich näher. Das freut mich.
@Herrn Jahnke
Genau DAS ist der Punkt, wo springt! Das, was im Ostblock als “Plan” verkauft worden ist, war mehr Wunsch und Traum. Ich kann mich an diverse Diskussionen dazu erinnern, auf verschiedenen Ebenen, wo plumpem politischem Führungsanspruch die Erfahrung der Fachleute geopfert worden ist. Mit so einer Art von Planung geht jedes Unternehmen baden, egal ob Betrieb oder Staat, letzterer noch mehr, denn er kann die Versprechen, die er seinem Volk macht, nicht halten. Stimme Ihnen zu, ohne zu schmollen, und das ist doch schon mal ein kleiner Erfolg, oder?
@Gaby
Deine Zeilen bieten einige Punkte für eine tiefergehende Analyse, aber ich will mal den Zungenschlag vom Christoph aufnehmen und diesen Wechsel von Ansichten nicht zu einem Dialog werden lassen.
Zusammenfassend würde ich mal so sagen: Eines der Fremdworte, die die Gesamtheit der Gesellschaft mit allen ihren Individuen bezeichnet, ist das Sozium. Was sich auf das Sozium bezieht, ist sozial, was sich vorwiegend auf das Sozium bezieht, ist sozialistisch. Die »Definition« ist von mir, mehr oder weniger vom Sprachwissenschaftler in mir diktiert, und inwiefern sie zutreffend ist, wage ich nicht zu beurteilen, jedenfalls ist sie für mich plausibel.
Ausgehend von dieser Lesart kann ich die Forderungen, die Herr Jahnke in seinem, nennen wir es, 10-Punkte-Programm stellt, nicht anders als sozialistisch bezeichnen, denn sie implizieren eine Umverteilung des über die Jahre akkumulierten Mehrwerts über einen recht klugen Mechanismus auf die Mitglieder des Soziums, was wiederum dazu führt, daß Letzteres wieder Handlungsspielraum bekommt und in Würde existieren kann. Sehe ich das so richtig?
Was meiner Meinung nach »kommunistisch« ist? Das ist die Aneignung der Produktionsmittel durch das Sozium, zusätzlich zum gesellschaftlichen Mehrprodukt. Das ist in Einzelfällen durchaus zu begrüßen (z.B. Energie, Wasser- und Abwasserwirtschaft, ÖTV), die generelle Enteignung von privaten Produktionsmitteln ist – wie alle Extreme – m.E. kontraproduktiv. Wenn man die Entwicklungsgeschichte der einzelnen Länder des Ostblocks miteinander vergleicht und daraufhin analysiert, kommt man automatisch dazu, daß eben dieser Zug zwangsläufig genau zu dem führt, führen muß, was Sie, Herr Jahnke, verabscheuen: Gleichmacherei, im weitesten Sinne Staatskapitalismus, wobei der in gewissen Grenzen durchaus akzeptabel ist, aber nicht als generelles Element des Wirtschaftens, und zu einer Überpolitisierung des recht empfindlichen Mechanismus der Ökonomie einer Region oder eines Landes.
Ich bin mir, ohne daß ich das nun mit Tabellen und Analysen untermauern kann, sehr sicher, daß das von Ihnen, Herr Jahnke, vorgechlagene Programm uns als Land und die Welt als Ganzes (ja, ich gehe so weit, denn anderswo sieht es nicht anders aus!) aus dem Schlamassel herausführen kann, in das uns die rigorose Akkumulation des Kapitals (nicht die Globalisierung!) hineingeritten hat. Es, das Programm, ist keine tote Ausgeburt von Theorie, sondern die Quintessenz einer tiefgründigen Analyse. Das könnte sogar umgesetzt werden, ohne die politische Struktur des Landes in ihren Grundfesten zu erschüttern, wenn es denn eine regierende Kraft gäbe, die das umsetzt.
Die Partei, die ihrem Namen nach dazu berufen wäre, dieses umzusetzen, spricht ihrer Bezeichnung allerdings komplett Hohn.
„Stalinismus: Charakterisiert die mehr oder weniger untauglichen Versuche, den Kapitalismus als wirtschaftliche Ordnung zu überwinden, was in Vielem durchaus geglückt war, aber leider an einem unsäglichen idiotologischen Chaos gelitten hat und daran, würde ich sagen, zugrunde gegangen ist. Es ist nur so, daß kein Unternehmen ohne Planung auskommt, und das auch in Tonnen, und natürlich mit Qualitäten. Voraussetzung ist allerdings, daß diese Planung nicht Wunsch und Traum ist, wie in den Ländern des Ostblocks überwiegend verbreitet, sondern auf realen und überprüfbaren Grundlagen.“
Wir schreiben hier ein bißchen an einander vorbei. Sie hatten eine Planwirtschaft auf realen und nachprüfbaren Grundlagen für machbar gehalten, dabei zum Beweis auf die Unternehmensplanung verwiesen, und das Scheitern der angeblich in Vielem durchaus geglückten Ostblockplanung nur auf ideologisches Chaos geschoben. Ich kann weder einen teilweisen Erfolg sehen, noch kann ich mir eine erfolgreiche Planwirtschaft überhaupt vorstellen. Denn in einer Volkswirtschaft müßten – anders als bei einem Unternehmen – alle Bedürfnisse der Bevölkerung korrekt im Detail geplant werden können und das ohne Wettbewerb eines offenen Marktes und ohne einen in solchem Wettbewerb gebildete Preise. Sorry, das ist einfach entgegen Ihren Erwartungen unmöglich. Der Vergleich mit der Unternehmensplanung in einer Wettbewerbswirtschaft führt einfach nicht weiter.
… ohne eine vorbehaltlose und neutrale Analyse der Prozesse werden wir das, was die Welt rund 70 Jahre in Atem gehalten und Deutschland rund 40 Jahre getrennt hat, nie verstehen …
Es gibt Dinge, die sich planen lassen, und es gibt u.a. Mode, Innovation u.a., was schwer vorauszuberechnen ist. Warum wollen Sie wirklich alles planen? Das wollten die Obermacher im Osten auch. Und das geht nicht, ist doch klar. Und weil man aber das Panzerhemd vom Plan über die Wirtschaft gestülpt hatte, war auch beinahe jegliche Entwicklung im Osten zum Stehen gekommen.
Nein, ich will Ihnen hier nicht entgegenkommen, Herr Jahnke, ich hatte das implizit in meiner Darstellung mit drin. Allerdings wird das nur eine weig sinnvolle Diskussion, solange es keine neutrale Analyse der Vorgänge gibt.
Nun verstehe ich Sie überhaupt nicht mehr. Sie waren doch für die Planwirtschaft und meinten, daß sie nur an einem ideologischen Chaos gescheitert sei und daß sie unter Stalinismus sogar teilweise erfolgreich gewesen sei. Ich dagegen bin der Meinung, daß sie gar nicht funktionieren kann und konnte. Was verstehen Sie denn nun eigentlich unter Planwirtschaft? Es braucht keine Analysen mehr. Die Pleite der DDR-Wirtschaft ist der beste Beweis, daß es einfach nicht funktionieren kann. Wo denn in der Welt hat es jemals funktioniert? Sie scheinen mir wirklich zu träumen. Das Beste was auch erreichbar ist, ist eine soziale Marktwirtschaft, wie sie in Deutschland bestanden hat. Das sollten Sie meiner Meinung nach akzeptieren, auch wenn Sie selbst nicht das Glück gehabt haben, darin zu leben.
Klar, Herr Jahnke, Sie sind nicht gut zu sprechen auf das, was sich 40 Jahre lang hinter Mauer und Stacheldraht abgespielt hat. Daher will ich diese Diskussion nicht zu einem Dialog machen. Für eine objektive Analyse der Sache fehlt uns beiden der neutrale Standpunkt. Vom Prinzip haben Sie schon meine Gedanken richtig erkannt. Also habe ichmich so unverständlich gar nicht ausgedrückt. Machen Sie einfach aus Ihrer Analyse eine Synthese und lassen Sie Ihre Pauschalurteile außen vor.
Du hast vor wenigen Tagen leidenschaftlich von der nicht vorhandenen Solidarität in unserer Gesellschaft gesprochen. Ich habe entgegnet, dass ich diesen Verlust in solch starkem Ausmaß in meinem Alltag nicht finden kann. Deshalb vermute ich, dass Du eher von einem starken intuitiven Gefühl sprichst, das bereits im 19. Jhr. von Alexis Tocqueville eindrucksvoll beschrieben wurde.
Was er so kritisch schreibt, ist umso eindrucksvoller, weil er ein Befürworter der Moderne war. Als Politikwissenschaftler drückt er sich nicht in ökonomischen Kategorien aus, wie es Karl Marx getan hat.
Ich zitiere aus Tocquevilles Buch ‘Der alte Staat und die Revolutionen’ herausgegeben 1856, Seite 15:
“Die Menschen sind hier nicht mehr durch Kasten, Klassen, Korporationen und Geschlechter miteinander verbunden und sind daher nur zu sehr geneigt, sich bloß mit ihren besonderen Interessen zu beschäftigen, immer nur an sich selbst zu denken und sich in einen Individualismus zurückzuziehen, in dem jede öffentliche Tugend erstickt wird.
Der Despotismus, weit entfernt, gegen diese Neigung zu kämpfen, macht sie vielmehr unwiderstehlich, denn er entzieht den Bürgern jede gemeinsame Begeisterung, jedes gemeinschaftliche Bedürfnis, jede Notwendigkeit, sich miteinander zu verständigen, jede Gelegenheit zu gemeinschaftlichem Handeln; er mauert sie sozusagen im Privatleben ein.
Sie waren bereits zur Absonderung geneigt: er isoliert sie; sie erkalten füreinander: er lässt sie vollends erstarren. Da in einer derartigen Gesellschaft nichts feststeht, fühlt sich jeder, teils durch die Furcht herunterzukommen, teils durch den Drang, sich emporzubringen, in beständiger Aufregung; und weil das Geld, während es zugleich das Hauptmerkmal geworden ist, das die Menschen klassifiziert und ihren Rangunterschied bedingt, hier eine außerordentliche Beweglichkeit erlangt hat, indem es unaufhörlich aus einer Hand in die andere geht, die Lage der Individuen verändert, die Familien erhebt oder erniedrigt, so gibt es hier fast niemanden, der nicht genötigt wäre, verzweifelte und fortwährende Anstrengungen zu machen, um es sich zu sichern oder zu erwerben.”
Tocqueville beschreibt die Macht des Geldes, das ab dem 15. Jhr. unser neuer Gott geworden ist und um den wir heute noch sehr viel wilder tanzen als ehedem. Das Kapital beherrscht uns alle und ruhig gehalten werden die heutigen Verlierer dieses Systems mit Tittytainment und ein paar Brocken Almosen, die ihnen in wirtschaftlichen Krisen noch nicht einmal gegönnt werden. Solche Leute wie Sarrazin, Clement, Müntefering, Metzler etc. sorgen dafür, die Massen gegeneinander aufzuhetzen.
Ich denke, diese gewaltigen, übergeordneten, also von uns nicht beherrschbaren Auflösungserscheinungen unserer kapitalgesteuerten Gesellschaft sind es, die Dich, vollkommen zu Recht, so verzweifelt machen.
Hallo, Gaby.
»Leidenschaftlich« soll ich mich in die Brust geworfen haben? Toll. Ich habe nur meine Beobachtungen und Erfahrungen (die in Bezug auf eine Solidarität innerhalb von rund der Hälfte bis Dreiviertel der Bevölkerung wirklich eher negativ sind) ins Spiel bringen wollen, weil Du ja wiederum auf diese Solidarität so sehr geschworen hattest. Ich zitiere:
Die Solidarität in der deutschen Arbeiterklasse ist insofern real vorhanden, da ihre nationale Loyalität (Einigkeit, Recht, Freiheit) spätestens seit 1848 diejenige Kette ist, die die Arbeiterbewegung plus Gewerkschaften an die Kategorien des Kapitalismus fesselt.
Will das nicht weiter ausführen, nur der Hinweis: Als die Klassiker dieses Genres, so u.a. der ehrwürdige Marx oder der von Dir zitierte Meister Tocqueville, ihre Werke verfaßt hatten, gab es möglicherweise noch Ideale, aber die sind in den zurückliegenden rund 100 Jahren gründlichst versaut worden.
Die Arbeiterklasse als solche ist nicht mehr existent, die Gesellschaft hat Mechanismen entwickelt, die soziale Härten, wie sie damals Gang und Gäbe waren, abfedern, und die moderne Technik, speziell Computer und Internet, haben es möglich gemacht, daß praktisch jeder sein eigener Philosoph wird (bin doch wohl beredtes Beispiel dafür, oder?) und sich kaum 2…3 Menschen finden, die vorbehaltlos alle ihre Ansichten (gesellschaftlich gesehen) teilen. Da kann es, so sehr es zu wünschen wäre, zu keiner wie auch immer gearteten »Solidarität« innerhalb einer Nation kommen, noch schwieriger wird es international.
Deshalb bin ich sehr von diesem Forum angetan, denn ich finde hier in recht vielen Fragen Konsens (auch wenn meine Zuschriften diesen nicht immer diesen finden, aber das ist eine andere Sache). Ich bin deshalb nicht verzweifelt, ich sehe mich als Realisten. Und ich freue mich über jeden von Dir zelebrierten Exkurs in die Historie, denn das hilft uns heute, diese und jene Erscheinungen zu verstehen.
Guten Tag in die Runde,
Tony Judt – Remarque – Im Westen nichts Neues –
Nichts Neues im Westen? Doch! Der Doktrin “Sozial ist, was Arbeit schafft!” wird immer lauter entgegen gehalten: “Nur was sozial ist, schafft Arbeit!”
Noch heulen die bornierten Wölfe historische Zitate, aber auf lange Sicht sterben sie aus und somit auch der Irrtum, dass Sparsamkeit eine staatstragende Tugend sei. Ich bin recht guter Hoffnung, dass nichts so düster bleibt, wie es jetzt ist.
Liebe Grüße
Gaby
Dagegen scheint es doch nach Erfassung vieler Daten eine andere Wahrheit gegenüber der “efficient market hypothesis” zu geben:sharelife bedeutet: besser teilen als spalten!!
http://www.zeit.de/wirtschaft/2010-12/sozialstaat-reform-wirtschaft
MfG
Guten Tag Jahnke,
zur objektiveren Beurteilung des Rückgangs der Anzahl an Beamten, müsste aus meiner Sicht die Anzahl der Lehrer getrennt ausgewertet werden. Bedingt durch den deutlichen Geburtenrückgang seit Mitte der 60er Jahre, wurden ab ca. 1980 auch weniger Lehrer benötigt. Hierdurch muß die Gesamtzahl der Beamten zwangsläufig fallen. Ob (und falls ja, wie stark) der von Ihnen beschriebene Abfall über dieses Maß hinaus hinausgeht, ist unklar.
MfG
Tom
Hallo Tom,
Leider gibt diese Statistik keine getrennte Zählung für die Lehrer her. Die Gesamtzahl stieg jedoch noch bis 1995. Der dann einsetzende Abbau der Beamten und Richter allein um 17 % bis 2009 kann nicht durch den Rückgang der Zahl der Lehrer erklärt werden. Zudem ist die Zahl der Lehrer von 655600 in 1990 noch auf 678100 in 2003 gestiegen (neuere Zahlen habe ich nicht).
Beste Gruesse
Joachim Jahnke
Tom: Hier könnten Sie wohl fündig werden:
http://www.bildungsserver.de/zeigen.html?seite=302
MfG
@Heiner,
Da sind leider auch keine besseren Zahlen über die Entwicklung der Lehrer drin; jedenfalls kann ich sie nicht finden.
Beste Gruesse
Joachim Jahnke
Lieber Herr Jahnke, und liebe Mitlesende -
das System wird auch noch ächstes Jahr überstehen-
und weitere, die “Schwämme” werden aufsaugen, was es weiterhin aufzusaugen gilt – sie sind noch nicht voll-
man kann nur den Sumpf durch eine totale Entwertung trocken legen – Trendlinien deuten es schon an;
Dank Ihrer würdigungsvollen Arbeit!
Das bis dahin viele und noch mehr leiden werden müssen, ist für mich schon lange unerträglich!
Könnte man fast sagen, das Ende käme schneller und unerwartet?! Ein neues System müßte her; im einzelnen wüßten wir schon, wie es sein müßte – wie weit wollen wir zurückgreifen, wo jeder sein ein- und auskommen hat, die Grundbedürfnisse des Lebens erfüllt; eine gesunde Familie, ein Dach (bezahlbar für alle) überm Kopf – sind wir dazu nicht zuviel – wie sieht’s dann aus mit der Ernährung von allen, Energie und weiteren
Dingen, die ich nicht zu nennen mag, im Zeitalter des Überflußes – bescheiden auf das Wichtigste wird für alle ein einschneidendes Erlebnis…
Florian verschone mich und mein Haus-
deshalb geht es noch weiter so…
und noch weiter, und oh, ENDE!
Ich weiß, es war nicht konstruktiv, dennoch ist der eigene Egoismus der Grund dafür, daß es so weiter geht… Ich hätte auch lieber besser Nachrichten an Euch…
LG,
Chrsitoph.
Lieber Christoph und Mitlesende,
ebenso wie Du, vermute ich, dass die auf der Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft basierende Produktionsweise des Kapitalismus zwar nicht heute oder morgen, aber doch auf lange Sicht an ihren eigenen inneren Widersprüchen zerbricht.
Einer dieser systemgefährlichen Widersprüche ist die Innovationsfreudigkeit der Menschen, die dazu führt, die industrielle Produktivität grotesk zu übersteigern, gleichzeitig aber durch übertriebene Sparsamkeit eine Nachfragelücke nach der anderen aufreißt. Die Menschen werden es irgendwann nicht mehr hinnehmen, nur dann satt, gesund und gebildet zu sein, wenn sie es auch bezahlen können und gleichzeitig zusehen müssen, wie tonnenweise die dringend benötigten Lebensmittel und Medikamente vernichtet werden, sobald sie das Ablaufdatum überschritten haben.
Nicht einverstanden bin ich mit Deinen Überlegungen, nach denen wir zu viele Menschen sind, sie also gar nicht ausreichend ernährt und gekleidet werden können, weil die Ressourcen der Erde ausgeschöpft scheinen. Das ist Malthus’sches Gedankenschlecht! Ich bin davon überzeugt, dass die Erde sogar 12 und mehr Milliarden Menschen recht wohlhabend und glücklich erhalten kann, wenn wir es nur endlich fertig brächten, unsere ungeheure Innovationskraft und Produktivität nicht dem Kapital anzubiedern, sondern in den Dienst der Menschen zu stellen. Ich spreche nicht von Plan- sondern der Subsistenzwirtschaft, gepaart mit allen menschenfreundlichen Erfindungen unsere Zeit und der Zukunft.
Darüber hinaus bin ich davon überzeugt, dass der Mensch in seinem Wesen weniger egoistisch als vielmehr ziemlich sozial veranlagt ist. Den Gedanken, dass der Mensch dem Menschen ein Wolf wäre, haben wir vor allem dem leviathanischen Staatstheoretiker Thomas Hobbes (17. Jhr.) zu verdanken. Manche Gedanken halten sich zäh, werden von einer Generation an die andere gereicht, aber das macht sie nicht wahrer.
Ist es wirklich Deinem, meinem, unserem Egoismus zu verdanken, dass wir durch unsere Hände Arbeit die Kapitalisten dieser Welt Tag für Tag ungewollt reicher machen oder ist es nicht vielmehr so, dass wir hinein geboren werden in einen mittlerweile weltweit existenten Kapitalismus, der jahrhundertelang von führenden Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik, Philosophie und Religion erdacht und forciert wurde? Auch wenn viele von uns es wollen, wir können uns diesem System nicht aus eigener Kraft entziehen.
Abschließend möchte ich Dir versichern, dass Deine Gedanken ganz und gar nicht unkonstruktiv sind.
Liebe Grüße an alle,
Gaby
Liebe Gaby,
es soll jetzt hier kein Diskurs nur zwischen uns allein entstehen…
Danke auch Deiner Versicherung, meine Gedanken seien ganz und gar nicht konstruktiv – ich denke mittlerweile an die 10 Punkte und würd’ zu gern noch den wichtigsten, der schon länger als über ein Jahrhundert brach liegt, hinzugefügt wissen:
Maschinensteuer – eine Steuer auf Maschinen, die die Arbeitskraft
eines Menschen ersetzen – heute sind es viele Menschen, die aufgrund des Einsatzes von Maschinen nicht mehr benötigt werden…
(z.B. monatl. zu entrichten wenigstens in der Höhe des Sozialbeitrags dieses ersetzten Mitarbeiters…)
(Doch selbst wenn diese Steuer existierte, wäre diese schon längst auf den Endpreis des Produktes aufgeschlagen und damit
auf die Käufer abgewälzt…)
Allerdings sehe ich es wirklich so, daß allein der Egosimus, der Selbsterhaltungstrieb, im Genaueren, uns weiterhin zur Arbeit trotten läßt und das perfide System damit weiterhin unterstützt
Überall kann dann das Militär nicht sein- außerdem, es liegt doch dann auch auf der Haut, wenn’s darauf ankommt!
und aufrecht erhält. Es ist leicht, im weiteren, dem Ganzen den Mantel der Unschuld durchs Hineingeborensein überzustülpen, um damit in der Aussage zu enden, wir können uns diesem System nicht entziehen.
Den spanischen Fluglotsen wurde Sitte und Mores gelehrt, als sie in den vergangenen Wochen kurz mal einen Streik hinlegten, der allerdings wirkungsvoll war- kurz mal auf die Haut legen, wir alle? So mir nichts Dir nichts, von heut’ auf morgen, das hätte schon was
Homo homini lupus – oder es gibt ebenso den Satz: Homo homini deus.
Eine Freiheit, die es zu leben gilt. Aber dennoch müssen wir wissentlich
dieses Spiel mitspielen, bis der Karren an die Wand gefahren ist?!
Damit wir in dieser kurzen Zeitspanne überleben können, wollten wir nicht auf die ‘Wohlfahrt’ diese Staates zurückgreifen müssen?
Und wenn dann alle darauf zugreifen, reiben wir uns die Augen und stellen fest, daß wir die Wohlfahrt waren, als wir noch arbeiteten…
@rote socke und dem Satz: es hatte mal jemand geschworen…
Wenn nach Flegelskamp, Merkels Euro Rettung geschaut wird, und man sich durch die sich jeweils gegenseitig referenzierenden EU-Gesetze hindurchgequält hat, die im übrigen kein damals abnickender Abgeordneter
weder vollständig gelesen, noch konkret und im Detail verstanden hat, so ist zusammenfassend die Frage zu stellen, ob hier nicht kriminelle Aktivitäten auf Staatsebene vorliegen? Doch wo kein Richter, ist auch kein Henker-
deswegen ist die Hand auch noch dran, die dem Wohle des deutschen Volkes schwor… und Justitia ist eben blind, oder geblendet von dem, was noch kommen möge – viele, zuviele erkennen inzwischen den Zwiespalt, der sich auftut zwischen “Staatenrettung” und dem Einsatz der Steuergelder im eignen Land… Zum Glück schläft der Michel, doch dessen Träume kennt man nicht…
… und ich mach’ jetzt auch kurz mal die Augen zu
um 5:45 geht’s wieder los…
LG,
Chrsitoph.
Was die Lehrerfrage angeht – ist es nicht so, wie mit dem Ei und dem Huhn? Warum ist denn die Geburtenrate “eingebrochen”? Nein, klar, nicht weil es zu wenig Lehrer gibt. *hihi* Nein, die Kinderkriegproblematik, die ja auch vom Nichtsnutz Sarrazin bis zum Erbrechen strapaziert wird, ist doch letztendlich eine der Quintessenzen aus dem, was Herr Jahnke in seinem wirklich treffenden Artikel niedergeschrieben hat! Die Ursachen dafür sind es auch, die dem Christoph das Fest der Feste versauen: Soziale Unsicherheit an allen Ecken im Land, und kein Ende in Sicht!
Da war mal jemand, der hatte »geschworen«, Unheil vom deutschen Lande abzuwenden und seinen Nutzen zu mehren, so wahr ihm jemand helfe, der immer gern zitiert wird, aber nie das tut, was man gerade von ihm erwartet. Mal ehrlich, müßte der Dame Merkel nicht die Hand abfaulen, mit der sie diesen Eid geleistet hat???
@ Chrsitoph
Es ist kein Dialog unter Euch beiden. Wir kieken alle zu…
Was Deine Maschinensteuerforderung angeht, so hast Du sie erstens selbst ad absurdum geführt, und zweitens ist sie implizit in Herrn Jahnkes Forderungen enthalten, denn jedwede Einsparung an Arbeitskräften schlägt sich automattisch auf das Betriebsergebnis nieder und gehört anständig besteuert, womit die Gesellschaft wieder genügend Mittel hat, um den von der Industrie ausgespuckten Überflüssigen eine angemessene Perspektive zu geben und Gebrauchtsein zu vermitteln, z.B. durch die Einstellung weiterer Lehrer oder durch die Erweiterung des kulturellen Sektors, was gegenwärtig gegenteilig geschieht.
Hallo, Rote Socke und Mitkiekende,
wo Du Recht hast, hast Du Recht!
Und dem Christoph möchte ich zu denken geben, dass das “sich auf die Haut legen” nur dazu führt, uns systemgeschmeidiger zu machen, denn da kriegen wir, wenn es gut läuft, ein bisschen soziales Öl in den Pelz gerieben und schwupps ist uns die Welt wieder in Ordnung und wir gehen zufrieden zurück zur Maloche.
Diese kapitalistische Peitschen- und Zuckerbrot-Politik funktioniert seit mehr als 150 Jahren recht passabel, weshalb sie auch nicht abgeschafft wird; schon gar nicht von der arbeitenden Klasse. Die Parole “Nieder mit dem Billiglohn!” wird zu meinen Lebzeiten nie und nimmer umschlagen in die Forderung “Nieder mit dem Lohnsystem!”
Beste Grüße
Gaby
Oh, Gaby… da bleibt mir ja die Puste weg! Das wollten schon mal andere versuchen, ohne Lohn (bzw. ohne Göld) und sind damit auf die Fr…Visage geflogen! Neinchen, ein bißchen Lohn sollte schon sein, nur er sollte so ausgelegt sein, daß das betroffene Individschum seine Art erhalten und sich erweitert reproduzieren kann. Ersteres wird durch die Sozialpolitik in D durchaus gewährleistet, Letzteres wird seit Jahrzehnten hintertrieben und unterminiert, weshalb wir ja jetzt den/die/das Schlamassel haben!
Einigkeit bei unserem Lumpenproletariat? Wer irgendwie malochen tut, geringschätzt den, der bereits vom System ausgespien wurde, und andersrum, beinahe jeder von Hartz Betroffene geht gern zu Konditionen malochen, die weit unter dem sind, was sie eigentlich sein sollten… Einigkeit?
Vielleicht noch Recht??
Oder Freiheit???
Au Backe, Rote Socke,
sollte ich hier den Eindruck erwecken, ein Sozialist oder Kommunist zu sein…, sollte ich mich wirklich um einen treffenderen Ausdruck bemühen.
Die anarchistische Parole “Nieder mit dem Lohnsystem!” bedeutet nicht etwa, die Planwirtschaft oder eine Welt ohne Geld einzuführen, sondern den Kapitalismus abzuschaffen, denn ohne das Lohnsystem funktioniert der ganze Laden nicht und an seine Stelle der Subsistenzwirtschaft eine Renaissance zu verleihen. Ohne Lohnsystem funktioniert der Kapitalismus nicht, weshalb wir in einem solchen Fall auch keinen Staat, keine Nation mehr benötigen, denn die Staatsgewalt, also Politik und Gesetzgebung, sind nichts anderes als die ordnungshütende Klammer der nationalen Marktwirtschaften.
Die Solidarität in der deutschen Arbeiterklasse ist insofern real vorhanden, da ihre nationale Loyalität (Einigkeit, Recht, Freiheit) spätestens seit 1848 diejenige Kette ist, die die Arbeiterbewegung plus Gewerkschaften an die Kategorien des Kapitalismus fesselt. Seither finden keine anti-modernen Emanzipationsbestrebungen mehr statt; Sozialismus und Kommunismus zähle ich nicht hinzu. Und weil wir uns alle recht gemütlich in diesem unserem System eingerichtet haben und wir dann und wann ein paar soziale Zugeständnisse von der Politik bzw. den Kapitalisten erhalten, kommt kaum jemand ernsthaft auf die Idee zu fordern: “Nieder mit dem Lohnsystem!” Auch nicht in Wirtschaftskrisen.
Ich hoffe, verständlich erklärt zu haben, welche Sprengkraft in diesem utopischen, leicht zu überlesenden, gar mißverstandenem Satz steckt. Diese Sprengkraft, falls sie sich je entfalten sollte, würde nicht nur das kapitalistische, sondern auch das sozialistische wie kommunistische Gemurkse in einem Aufwasch auf den Schrotthaufen der Geschichte katapultieren. Mit einem solchen Knall ist, wen ich meiner Glaskugel glauben darf, in den nächsten 50 Jahren nicht zu rechnen.
Mit lieben Grüßen
Gaby
Tschuldschung, aber das kann ich so nicht stehen lassen.
Hallo, Gaby & alle anderen.
In der gegenwärtigen Situation GIBT ES ABSOLUT KEINE wie auch immer geartete SOLIDARITÄT innerhalb des durch Politik und Absahner unterdrückten Volkes, weder regional, noch national, noch international! Jeder ist des anderen Feind und jeder hängt seinen eigenen Vorstellungen nach, egal, wie die gerichtet sind!
Einigkit und Recht und Freiheit – das war die Parole unserer Urgroßväter, die sich ein einheitliches Deutschland gewünscht haben, das zu der Zeit in 360 Kleinstaaten zersplittert war. Und? Haben wir ein “einheitliches Deutschland”? – Nein! Was wir haben, sind 16 föderale Subjekte, von denen jedes sein eigenes Süppchen kocht und Heerscharen von Speichelleckern mästet, die den Regierenden in den Ländern den … zu Diensten sind.
Haben wir auch nur eine länderübergreifende Organisation in deutschen Landen, die die Wünsche, Hoffnungen und Ziele der Massen repräsentiert? – Doch, die haben wir, aber die wird von 80% der Wählerschaft mißachtet, man traut sich nicht mal, mit ihr in Verbindung gebracht zu werden.
Damit sind wir bei Deinem Frust, mit Sozial- oder Kommunismus in Verbindung gebracht zu werden. Denke bitte etwas drüber nach! Das, was Du verabscheust, ist nicht S oder K, sondern der unter deren Mantel zelebrierte Stalinismus mit all seinen häßlichen Auswüchsen, die ich leider erst viel zu spät erkannt habe.
Im Übrigen läßt unser Grundgesetz die Verstaatlichung von Eigentum zu, was eine der Voraussetzungen für Kommunismus ist (konkret Art. 15, einer der beiden Lieblingsartikel von mir, neben dem 14er!). Ein Bißchen von dem, und eine Prise von jenem – das ist doch das, was ein Menü braucht, gerade zum Jahresende, oder?
Guten Rutsch für alle!
Hallo, Rote Socke und Mitdiskutanten,
meine Alltagswahrnehmung ist zwar eine positivere als Deine, aber wenn Du meinst, der Mensch sei dem Menschen ein ichsüchtiger Stichling, solltest Du fragen, warum das so ist. Hängt es vielleicht mit unserer Ökonomie zusammen?
Ähm…, was ist das für eine länderübergreifende Organisation, die von 80 % der Deutschen mißachtet wird?
Wenn der Begriff “Stalinismus” gebraucht wird als Bezeichnung für die Herrschaft Josef Stalins, hege ich gegen diesen sowie viele andere Ismusse ebenso viel Abneigung wie gegen den Kapitalismus als Etikett für die Herrschaft des Geldes. Ist Dir eigentlich mal der Gedanke gekommen, dass alle modernen, also ab dem 19. Jhr. ff. entstandenen Wirtschafts- und Gesellschaftsformen eine gemeinsame Grundlage haben könnten?
Folglich bin ich der Meinung, dass wir seit rund 500 Jahren unentwegt experimentieren, den Kapitalismus für die Menschen bekömmlich zu machen. Ein bisschen von diesen und ein bisschen von jenen ideologischen Zutaten hat uns in der Vergangenheit wenig bekömmliche Ökonomien und politische Verhältnisse beschert und nun die schwerverdauliche Suppe Neoliberalismus aufgetischt, die auszulöffeln mir ziemlich schwer fällt. Da krieg’ ich jeden Tag Wamsgrimmen und dieses Grimmen würde auch nicht verschwinden, wenn wir Deinen Lieblingsartikel 15 GG flächendeckend realisierten.
Schönen Tag noch,
Gaby
Bitte entschuldige, Gaby.
Es sollte Dich nicht gleich auf die Palme bringen. Ich wollte nur anregen, daß Du nachdenkst und nicht gleich ein ganzes Sylvesterfeuerwerk abfeuerst!
Du selbst hattest ein Loblied auf die “Solidarität in der dt. Arbeiterklasse” agestimmt, und übersiehst dabei, daß es diese Klasse als solche nicht mehr gibt, und daß in dem neu entstandenen Schlamassel alles andere herrscht, als Solidarität! Kiek doch mal richtig hin!!!
Stalinismus: Charakterisiert die – wie Du es selbst darstellst – mehr oder weniger untauglichen Versuche, den Kapitalismus als wirtschaftliche Ordnung zu überwinden, was in Vielem durchaus geglückt war, aber leider an einem unsäglichen idiotologischen Chaos gelitten hat und daran, würde ich sagen, zugrunde gegangen ist. Leider habe ich bis jetzt keine halberwege taugliche Analyse dessen gefunden, nur oberflächliche Flachheiten. Will damit sagen, ohne eine vorbehaltlose und neutrale Analyse der Prozesse werden wir das, was die Welt rund 70 Jahre in Atem gehalten und Deutschland rund 40 Jahre getrennt hat, nie verstehen und uns bei Oberflächlichkeiten in die Wolle kriegen. Muß nicht sein.
Guten Rutsch!
Zu der Bemerkung: “Stalinismus: Charakterisiert die – wie Du es selbst darstellst – mehr oder weniger untauglichen Versuche, den Kapitalismus als wirtschaftliche Ordnung zu überwinden, was in Vielem durchaus geglückt war, aber leider an einem unsäglichen idiotologischen Chaos gelitten hat und daran, würde ich sagen, zugrunde gegangen ist. Leider habe ich bis jetzt keine halberwege taugliche Analyse dessen gefunden, nur oberflächliche Flachheiten.”
Es war weiß Gott nicht nur das ideologische Chaos, bei dem ja die DDR Führerschaft im sozialistischen Lager beanspruchte als Land der besseren Kommunisten, die allein Marx wirklich verstanden haben wollten. Das Ganze scheiterte wirklich primitiv an der zu erwartenden Unfähigkeit, die Bedürfnisse der Menschen planen zu können und dann auch noch in Tonnen und nicht Qualitäten, ohne den Markt und das private Risiko als Schiedsrichter zu haben. Selbst die Chinesen haben das am Ende begreifen müssen. Es geht wirklich nicht und wir sollten dem nicht nachtrauern, auch nicht in verdeckter Form. Die Bundesrepublik war zu Zeiten echter sozialer Marktwirtschaft wirtschaftlich Lichtmeilen effizienter als die DDR. Dazu gibt es ausreichend statistisches Material.
Liebe Rote Socke,
da bin ich ganz Deiner Meinung: Wir sollten unser Leben nicht unter das Diktat einer Ökonomie stellen, die offensichtlich kaum ein Mensch versteht und deshalb auch nicht dem Wohl aller Menschen dienen kann. Eine Ökonomie, die von kaffeesatzlesenden Experten und ideologisch verblendeten Politikern betrieben wird, eine Ökonomie, deren Lehrsätze dazu dienen, die eh schon Reichen reich und reicher zu machen, ist eine lebensgefährliche Angelegenheit und gehört, nach den Maßstäben des gesunden Menschenverstandes, verboten.
Nun ist das Kind in den Brunnen gefallen, der Kapitalismus hat sich weltweit etabliert, wir müssen damit leben, werden aber, egal ob wir dieses Ding oberflächlich oder unterflächlich analysieren, nach derzeitiger Lage der Dinge nie und nimmer einen Weg finden, diesem Monster ein dauerhaft menschenfreundliches Antlitz zu verleihen.
Übrigens: Wo habe ich ein Loblied auf die deutsche Arbeiterklasse angestimmt? Ich habe geschrieben, dass die Arbeiterbewegung sich selber spätestens seit 1848 an die Kategorien des Kapitalismus gefesselt hat. Das ist kein Lob, das ist beißende Kritik.
So, und nun bastele ich weiter an meinem Sylvesterfeuerwerk.
Guten Rutsch und alles Gute,
Gaby
@globalnote
Ich will Sie beim besten Willen nicht belehren, Herr Jahnke, es ist nur so, daß kein Unternehmen ohne Planung auskommt, und das auch in Tonnen, und natürlich mit Qualitäten. Voraussetzung ist allerdings, daß diese Planung nicht Wunsch und Traum ist, wie in den Ländern des Ostblocks überwiegend verbreitet, sondern auf realen und überprüfbaren Grundlagen.
Eine sachliche Analyse ist nicht unbedingt gleichzusetzen mit einer wie auch immer gearteten »Ostalgie«. Es geht m.E. darum zu erkennen, wohin das Schiff, in dem wir sitzen, steuern soll. Obwohl – wir, die wir hier diskutieren, werden wohl kaum einen Umschwung revolutionären Charakters miterleben können, vielleicht unsere Enkel oder deren Enkel. Sie werden es uns danken, wenn wir Objektivität an den Tag legen.
@Gaby
Vielleicht könnten wir uns darauf einigen, daß der Kapitalismus ein notwendiges Stadium in der Entwicklung der menschlichen Ökonomie ist, das seine bestimmte Zeit hat und eines Tages zwingend von einem anderen wirtschaftlichen System abgelöst wird. Wie das heißen soll und was es bringen wird, darüber können wir heute nur orakeln.
Vielleicht sei mir die Anmerkung erlaubt, daß nach meinen Beobachtungen all jene Länder, die einst den Ostblock gebildet haben, nach dessen Auflösung auf annähernd die Stufe in ihrer Entwicklung zurückgefallen sind, in der sie den Übergang zu einer staatlich gelenkten Zentralwirtschaft (um dem Kinde eine halberwege neutrale Bezeichnung zu geben) getan haben. Ich denke dabei vorwiegend an die ganzen -stans, die einst die südlichen Republiken im Bestand der UdSSR gebildet haben, oder die Mongolei, in der nach einer relativ erfolgreichen Entwicklung zu kommunistischen Zeiten heute eine humanitäre Katastrophe herrscht.
Das gibt doch zu denken, oder?
Leider ist diese Betrachtung des Scheiterns der Planwirtschaft selbst nur von “oberflächlicher Flachheit”.
Wenn ein Unternehmen an den Bedürfnissen des Marktes vorbei plant, geht es Pleite und wird sein Absatz von effizienteren Unternehmen übernommen. Wenn ein Staat das tut, verschwindet er nicht. Die Menschen können sich allerdings eine andere Regierung wählen oder auswandern. Im Fall des Sowjetblocks und speziell der DDR war beides entweder mangels freier Wahlen gar nicht oder mangels offener Grenzen nur sehr beschränkt möglich. Deswegen mußte es zum Aufstand kommen und die Mauer fallen.
Dabei geht es gar nicht mal so sehr um die Kosten des technischen Fortschritts, sondern um die ohne Wettbewerb fehlende Belohnung von Kreativität und im Falle des Sowjetblocks um die immense Einseitigkeit plus Kosten der Rüstung, deren Technologie (anders als im Westen) nicht in die kommerzielle Wirtschaft übernommen werden konnte. So konnte die UdSSR den Rüstungswettlauf mit den USA nie gewinnen.
Jedenfalls ist staatliche Planwirtschaft dieser Art (also Detailplanung der gesamten Wirtschaft) zum Mißerfolg verurteilt, auch ohne ideologisches Chaos. Aber vielleicht halten Sie diese Selbstverständlichkeit auch nur für flach?
Guten Tag, Rote Socke und Mitlesende,
ok, mit Deiner Definition kann ich leben, auch wenn ich glaube, dass wir da etwas erfunden haben, dem wir nicht gewachsen sind, weil unseren elitären Weltenlenkern schlichtweg Vernunft, Verstand und Einsicht fehlt, so ein sensibles und gleichzeitig so gefährliches Ding wie den Kapitalismus zu beherrschen.
Der Ostblock musste meines Erachtens kollabieren, denn diese Länder befanden sich im Stadium der kapitalistischen nach- bzw. aufholenden Modernisierung. Und, jetzt kommt der üble Stolperstein: Das von den innovativen Produktivkräften der Wissenschaft forcierte Entwicklungstempo des technologischen Fortschritts entwickelt sich derart schnell und ist überdies so unerschwinglich teuer, dass diejenigen Länder, die nicht an der Spitze des kapitalistischen Weltmarktes mitmarschieren können, zurück bleiben, also ins Elend fallen und zusammenbrechen. Es entstehen derart hohe Kosten per Aufholung des technologischen Fortschritts, die nicht mal Stalin seinem Volk vom Munde absparen konnte.
Nun aber, wie es leider häufig geschieht, zu behaupten, die westliche Politökonomie habe durch den Zusammenbruch des Ostblocks seine überragende Leistungsfähigkeit bewiesen, ist ziemlich dummes Geschwätz, weil völlig ausgeblendet wird, dass im ungezügelten Kapitalismus nur die fittesten Länder eine Überlebenschance haben und diese Chancen können ihnen, beschleunigt durch die geradezu grotesken Wirtschaftsunlogiken des Neoliberalismus, jeden Tag genommen werden.
Mir ist jedenfalls schleierhaft, wie beispielsweise die Peripherieländer des Euroraums unter den jetzigen ökonomischen Bedingungen je wieder auf die Füße kommen wollen. Ich habe die Befürchtung, dass aus ihnen für lange Zeit Armenhäuser werden.
Und überhaupt, schauen wir uns doch einmal um: Die Mehrheit der Weltbevölkerung besteht heute aus Wirtschaftssubjekten ohne Geld, aus gesellschaftlichen Unpersonen. Der Kapitalismus hat sein großes Versprechen “Wohlstand für alle” bis heute nicht eingelöst, ganz im Gegenteil!
Wenn wir unsere Marktwirtschaft behalten wollen, müssen wir dringend umschalten vom Raffgier- in den konsequenten Verteilungskapitalismus. Eine Wirtschaftsform, deren Marktteilnehmer sich ständig erbarmungslos niederkonkurrieren, also in die Armut treiben, hat meines Erachtens keine stabile Zukunft.
Liebe Grüße und nachher einen sanften Rutsch in ein hoffentich gutes neues Jahr!
Gaby
Gesundes Neues allerseits!
Wie ich erkennen kann, kommen wir dem Punkt von Konsens allmählich näher. Das freut mich.
@Herrn Jahnke
Genau DAS ist der Punkt, wo springt! Das, was im Ostblock als “Plan” verkauft worden ist, war mehr Wunsch und Traum. Ich kann mich an diverse Diskussionen dazu erinnern, auf verschiedenen Ebenen, wo plumpem politischem Führungsanspruch die Erfahrung der Fachleute geopfert worden ist. Mit so einer Art von Planung geht jedes Unternehmen baden, egal ob Betrieb oder Staat, letzterer noch mehr, denn er kann die Versprechen, die er seinem Volk macht, nicht halten. Stimme Ihnen zu, ohne zu schmollen, und das ist doch schon mal ein kleiner Erfolg, oder?
@Gaby
Deine Zeilen bieten einige Punkte für eine tiefergehende Analyse, aber ich will mal den Zungenschlag vom Christoph aufnehmen und diesen Wechsel von Ansichten nicht zu einem Dialog werden lassen.
Zusammenfassend würde ich mal so sagen: Eines der Fremdworte, die die Gesamtheit der Gesellschaft mit allen ihren Individuen bezeichnet, ist das Sozium. Was sich auf das Sozium bezieht, ist sozial, was sich vorwiegend auf das Sozium bezieht, ist sozialistisch. Die »Definition« ist von mir, mehr oder weniger vom Sprachwissenschaftler in mir diktiert, und inwiefern sie zutreffend ist, wage ich nicht zu beurteilen, jedenfalls ist sie für mich plausibel.
Ausgehend von dieser Lesart kann ich die Forderungen, die Herr Jahnke in seinem, nennen wir es, 10-Punkte-Programm stellt, nicht anders als sozialistisch bezeichnen, denn sie implizieren eine Umverteilung des über die Jahre akkumulierten Mehrwerts über einen recht klugen Mechanismus auf die Mitglieder des Soziums, was wiederum dazu führt, daß Letzteres wieder Handlungsspielraum bekommt und in Würde existieren kann. Sehe ich das so richtig?
Was meiner Meinung nach »kommunistisch« ist? Das ist die Aneignung der Produktionsmittel durch das Sozium, zusätzlich zum gesellschaftlichen Mehrprodukt. Das ist in Einzelfällen durchaus zu begrüßen (z.B. Energie, Wasser- und Abwasserwirtschaft, ÖTV), die generelle Enteignung von privaten Produktionsmitteln ist – wie alle Extreme – m.E. kontraproduktiv. Wenn man die Entwicklungsgeschichte der einzelnen Länder des Ostblocks miteinander vergleicht und daraufhin analysiert, kommt man automatisch dazu, daß eben dieser Zug zwangsläufig genau zu dem führt, führen muß, was Sie, Herr Jahnke, verabscheuen: Gleichmacherei, im weitesten Sinne Staatskapitalismus, wobei der in gewissen Grenzen durchaus akzeptabel ist, aber nicht als generelles Element des Wirtschaftens, und zu einer Überpolitisierung des recht empfindlichen Mechanismus der Ökonomie einer Region oder eines Landes.
Ich bin mir, ohne daß ich das nun mit Tabellen und Analysen untermauern kann, sehr sicher, daß das von Ihnen, Herr Jahnke, vorgechlagene Programm uns als Land und die Welt als Ganzes (ja, ich gehe so weit, denn anderswo sieht es nicht anders aus!) aus dem Schlamassel herausführen kann, in das uns die rigorose Akkumulation des Kapitals (nicht die Globalisierung!) hineingeritten hat. Es, das Programm, ist keine tote Ausgeburt von Theorie, sondern die Quintessenz einer tiefgründigen Analyse. Das könnte sogar umgesetzt werden, ohne die politische Struktur des Landes in ihren Grundfesten zu erschüttern, wenn es denn eine regierende Kraft gäbe, die das umsetzt.
Die Partei, die ihrem Namen nach dazu berufen wäre, dieses umzusetzen, spricht ihrer Bezeichnung allerdings komplett Hohn.
Schade.
„Stalinismus: Charakterisiert die mehr oder weniger untauglichen Versuche, den Kapitalismus als wirtschaftliche Ordnung zu überwinden, was in Vielem durchaus geglückt war, aber leider an einem unsäglichen idiotologischen Chaos gelitten hat und daran, würde ich sagen, zugrunde gegangen ist. Es ist nur so, daß kein Unternehmen ohne Planung auskommt, und das auch in Tonnen, und natürlich mit Qualitäten. Voraussetzung ist allerdings, daß diese Planung nicht Wunsch und Traum ist, wie in den Ländern des Ostblocks überwiegend verbreitet, sondern auf realen und überprüfbaren Grundlagen.“
Wir schreiben hier ein bißchen an einander vorbei. Sie hatten eine Planwirtschaft auf realen und nachprüfbaren Grundlagen für machbar gehalten, dabei zum Beweis auf die Unternehmensplanung verwiesen, und das Scheitern der angeblich in Vielem durchaus geglückten Ostblockplanung nur auf ideologisches Chaos geschoben. Ich kann weder einen teilweisen Erfolg sehen, noch kann ich mir eine erfolgreiche Planwirtschaft überhaupt vorstellen. Denn in einer Volkswirtschaft müßten – anders als bei einem Unternehmen – alle Bedürfnisse der Bevölkerung korrekt im Detail geplant werden können und das ohne Wettbewerb eines offenen Marktes und ohne einen in solchem Wettbewerb gebildete Preise. Sorry, das ist einfach entgegen Ihren Erwartungen unmöglich. Der Vergleich mit der Unternehmensplanung in einer Wettbewerbswirtschaft führt einfach nicht weiter.
@ Herrn Jahnke:
Ich hatte auch noch geschrieben:
Es gibt Dinge, die sich planen lassen, und es gibt u.a. Mode, Innovation u.a., was schwer vorauszuberechnen ist. Warum wollen Sie wirklich alles planen? Das wollten die Obermacher im Osten auch. Und das geht nicht, ist doch klar. Und weil man aber das Panzerhemd vom Plan über die Wirtschaft gestülpt hatte, war auch beinahe jegliche Entwicklung im Osten zum Stehen gekommen.
Nein, ich will Ihnen hier nicht entgegenkommen, Herr Jahnke, ich hatte das implizit in meiner Darstellung mit drin. Allerdings wird das nur eine weig sinnvolle Diskussion, solange es keine neutrale Analyse der Vorgänge gibt.
Nun verstehe ich Sie überhaupt nicht mehr. Sie waren doch für die Planwirtschaft und meinten, daß sie nur an einem ideologischen Chaos gescheitert sei und daß sie unter Stalinismus sogar teilweise erfolgreich gewesen sei. Ich dagegen bin der Meinung, daß sie gar nicht funktionieren kann und konnte. Was verstehen Sie denn nun eigentlich unter Planwirtschaft? Es braucht keine Analysen mehr. Die Pleite der DDR-Wirtschaft ist der beste Beweis, daß es einfach nicht funktionieren kann. Wo denn in der Welt hat es jemals funktioniert? Sie scheinen mir wirklich zu träumen. Das Beste was auch erreichbar ist, ist eine soziale Marktwirtschaft, wie sie in Deutschland bestanden hat. Das sollten Sie meiner Meinung nach akzeptieren, auch wenn Sie selbst nicht das Glück gehabt haben, darin zu leben.
Klar, Herr Jahnke, Sie sind nicht gut zu sprechen auf das, was sich 40 Jahre lang hinter Mauer und Stacheldraht abgespielt hat. Daher will ich diese Diskussion nicht zu einem Dialog machen. Für eine objektive Analyse der Sache fehlt uns beiden der neutrale Standpunkt. Vom Prinzip haben Sie schon meine Gedanken richtig erkannt. Also habe ichmich so unverständlich gar nicht ausgedrückt. Machen Sie einfach aus Ihrer Analyse eine Synthese und lassen Sie Ihre Pauschalurteile außen vor.
Guten Abend, Rote Socke und Mitlesende,
Du hast vor wenigen Tagen leidenschaftlich von der nicht vorhandenen Solidarität in unserer Gesellschaft gesprochen. Ich habe entgegnet, dass ich diesen Verlust in solch starkem Ausmaß in meinem Alltag nicht finden kann. Deshalb vermute ich, dass Du eher von einem starken intuitiven Gefühl sprichst, das bereits im 19. Jhr. von Alexis Tocqueville eindrucksvoll beschrieben wurde.
Was er so kritisch schreibt, ist umso eindrucksvoller, weil er ein Befürworter der Moderne war. Als Politikwissenschaftler drückt er sich nicht in ökonomischen Kategorien aus, wie es Karl Marx getan hat.
Ich zitiere aus Tocquevilles Buch ‘Der alte Staat und die Revolutionen’ herausgegeben 1856, Seite 15:
“Die Menschen sind hier nicht mehr durch Kasten, Klassen, Korporationen und Geschlechter miteinander verbunden und sind daher nur zu sehr geneigt, sich bloß mit ihren besonderen Interessen zu beschäftigen, immer nur an sich selbst zu denken und sich in einen Individualismus zurückzuziehen, in dem jede öffentliche Tugend erstickt wird.
Der Despotismus, weit entfernt, gegen diese Neigung zu kämpfen, macht sie vielmehr unwiderstehlich, denn er entzieht den Bürgern jede gemeinsame Begeisterung, jedes gemeinschaftliche Bedürfnis, jede Notwendigkeit, sich miteinander zu verständigen, jede Gelegenheit zu gemeinschaftlichem Handeln; er mauert sie sozusagen im Privatleben ein.
Sie waren bereits zur Absonderung geneigt: er isoliert sie; sie erkalten füreinander: er lässt sie vollends erstarren. Da in einer derartigen Gesellschaft nichts feststeht, fühlt sich jeder, teils durch die Furcht herunterzukommen, teils durch den Drang, sich emporzubringen, in beständiger Aufregung; und weil das Geld, während es zugleich das Hauptmerkmal geworden ist, das die Menschen klassifiziert und ihren Rangunterschied bedingt, hier eine außerordentliche Beweglichkeit erlangt hat, indem es unaufhörlich aus einer Hand in die andere geht, die Lage der Individuen verändert, die Familien erhebt oder erniedrigt, so gibt es hier fast niemanden, der nicht genötigt wäre, verzweifelte und fortwährende Anstrengungen zu machen, um es sich zu sichern oder zu erwerben.”
Tocqueville beschreibt die Macht des Geldes, das ab dem 15. Jhr. unser neuer Gott geworden ist und um den wir heute noch sehr viel wilder tanzen als ehedem. Das Kapital beherrscht uns alle und ruhig gehalten werden die heutigen Verlierer dieses Systems mit Tittytainment und ein paar Brocken Almosen, die ihnen in wirtschaftlichen Krisen noch nicht einmal gegönnt werden. Solche Leute wie Sarrazin, Clement, Müntefering, Metzler etc. sorgen dafür, die Massen gegeneinander aufzuhetzen.
Ich denke, diese gewaltigen, übergeordneten, also von uns nicht beherrschbaren Auflösungserscheinungen unserer kapitalgesteuerten Gesellschaft sind es, die Dich, vollkommen zu Recht, so verzweifelt machen.
Bis denne,
Gaby
Hallo, Gaby.
»Leidenschaftlich« soll ich mich in die Brust geworfen haben? Toll. Ich habe nur meine Beobachtungen und Erfahrungen (die in Bezug auf eine Solidarität innerhalb von rund der Hälfte bis Dreiviertel der Bevölkerung wirklich eher negativ sind) ins Spiel bringen wollen, weil Du ja wiederum auf diese Solidarität so sehr geschworen hattest. Ich zitiere:
Will das nicht weiter ausführen, nur der Hinweis: Als die Klassiker dieses Genres, so u.a. der ehrwürdige Marx oder der von Dir zitierte Meister Tocqueville, ihre Werke verfaßt hatten, gab es möglicherweise noch Ideale, aber die sind in den zurückliegenden rund 100 Jahren gründlichst versaut worden.
Die Arbeiterklasse als solche ist nicht mehr existent, die Gesellschaft hat Mechanismen entwickelt, die soziale Härten, wie sie damals Gang und Gäbe waren, abfedern, und die moderne Technik, speziell Computer und Internet, haben es möglich gemacht, daß praktisch jeder sein eigener Philosoph wird (bin doch wohl beredtes Beispiel dafür, oder?) und sich kaum 2…3 Menschen finden, die vorbehaltlos alle ihre Ansichten (gesellschaftlich gesehen) teilen. Da kann es, so sehr es zu wünschen wäre, zu keiner wie auch immer gearteten »Solidarität« innerhalb einer Nation kommen, noch schwieriger wird es international.
Deshalb bin ich sehr von diesem Forum angetan, denn ich finde hier in recht vielen Fragen Konsens (auch wenn meine Zuschriften diesen nicht immer diesen finden, aber das ist eine andere Sache). Ich bin deshalb nicht verzweifelt, ich sehe mich als Realisten. Und ich freue mich über jeden von Dir zelebrierten Exkurs in die Historie, denn das hilft uns heute, diese und jene Erscheinungen zu verstehen.
Danke, Gaby!
Weiter so!