2231

global news 2231 08-12-10: Was spricht eigentlich gegen gemeinsame Euroanleihen?

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17 Antworten zu 2231

  1. Jens S. sagt:

    Mal eine Verständnisfrage: Welche Länder ausserhalb der PIGS-Staaten sind denn bitte sehr stark? ALLE anderen Länder verschulden die Öffentlichkeit auch (bis auf Finnland).
    Eine Rückzahlung über die Beteiligung der privaten Vermögen erwartet niemand. Die starken Länder unterscheiden sich wohl nur darin, dass sie jetzt noch nicht so zahlungsunfähig wie die schwächeren sind. Die nächste Krise wird also in 10 bis 20 Jahren kommen.

    • globalnote sagt:

      Alles ist nun mal relativ. Und gemessen an PIGS sind z.B. Deutschland und die Niederlande schon noch stark (natürlich kann sich das in der Zukunft ändern).

  2. Heiner sagt:

    Zu den Eurobonds:das ist, wie wenn der arme Neffe den Kredit des reichen Onkels unbegrenzt anzapfen darf.
    Irgendwann ist dann auch die Kreditwürdigkeit des Onkels dahin.Max Otte heute im Handelsblatt.
    MfG

  3. Gaby sagt:

    Guten Abend, Herr Dr. Jahnke und Mitdiskutanten,

    ich bin von Ihrer Analyse bezüglich der E-Bonds sehr stark beeindruckt!

    In dieser umfassenden Form habe ich bisher noch nirgendwo das Für und Wider gelesen. Bisher ist mir lediglich Stückwerk begegnet, wie beispielsweise heute der auf SPIEGEL-Online erschienene Bericht “Juncker wirft Merkel simples Denken vor” und das Gegenstück “Merkel wehrt sich gegen Junckers Attacke”. Solche Flickwerk-Berichte, die eher sensationslüstern, statt aufklärerisch daher kommen, helfen mir überhaupt nicht, die Materie zu durchblicken. Im Gegenteil: Der unbedarfte Leser wird vielmehr aufgestachelt, feindseligen Patriotismus zu entwickeln.

    Auch wenn ich Euch nun naiv erscheine, so gefällt mir Kenneth Rogoffs Vorschlag, Abschreibungen und Umschuldungen ins Auge zu fassen. Es macht meiner Meinung nach keinen Sinn, die Rückzahlung von Staatsanleihen der Schwachländer per Risikozinsaufschläge ins Unermessliche zu steigern und sie gleichzeitig zum größtmöglichen Sparen zu zwingen, was ja ebenso zwingend auf dem Buckel der Bevölkerungen ausgetragen wird. Die ökonomisch noch relativ starken EU-Länder schaden sich obendrein selbst ob solcher Würge-Maßnahmen. Da brechen Exportmärkte weg!

    Warum also kein Teil-Schuldenerlass? Deutschland hat jahrelang und tut es noch, per heimischem Lohn- und Sozialdumping von unseren Nachbarn profitiert. Da ist es an der Zeit, den ökonomischen Verlierern etwas von den Profiten zurück zu geben, die wir Deutsche ihnen abluchsten.

    Falls ich mich in meiner Einschätzung irren sollte, bin ich dankbar für konstruktive Korrekturen. DANKE.

    Mit herzlichen Grüßen

    Gaby

  4. Reinhard sagt:

    Vor ein paar Tagen habe ich in der italienischen Wirtschaftszeitung “Il Sole” einen Beitrag mit folgender Schlußfolgerung gelesen: man solle Deutschland aus der Eurozone herauswerfen und den Rest abwerten lassen. Auf diese Weise bekämen die Schwachwirtschaften wieder Luft zum Atmen.
    Eine unorthodoxe Forderung, aber bitte, man kann ja mal drüber nachdenken.
    Grundsätzlich finde ich die Eurobonds nicht so schlimm, wie sie gemacht werden. Klar, die Zinsen würden für Deutschland hochgehen, aber auf ein europaweit einheitliches Niveau, und damit wäre der Spekulation – die ja immer vom Ausnutzen von Unterschieden lebt – ein Stück weit der Boden entzogen. Aber so what, Zinserhöhungen hat es früher auch gegeben, und die Staatsverschuldung ist ja sowieso im Grunde eine öffentliche Subvention des Finanzsektors, weil die Wirtschaftskraft der ganzen Gesellschaft per Steuerhoheit des Staates den Banken zugeführt wird und ihnen ihre riskanten Geschäfte kompensiert. Vielleicht fangen sie dann wirklich mal an zu sparen.
    Und politisch: ich zahle seit 20 Jahren Subventionen für Vorpommern und Sachsen-Anhalt und deren Investitionsruinen, und ich sehe nicht, was an Subventionen für Kreta und Andalusien moralisch verwerflicher wäre.

    • globalnote sagt:

      Nun habe ich die Zinserhöhung wirklich nicht an die Spitze meiner Problemliste gestellt. Es ist vielmehr die Konkursverschleppung zugunsten der Banken in Deutschland u.Co., die hier zu Lasten armer Menschen in der Peripherie stattfindet, die das größte Problem sein dürfte. Italien hat sich schon mit sehr hohen Schulden in den Euro gerettet und möchte den Niedrigzins ohne Rücksicht auf die Risikolage behalten. Solange in der Eurozone nicht eine einheitliche Finanz- und Wirtschaftspolitik stattfindet, sind m.E. Einheitszinsen auf Staatsanleihen ohne Rücksicht auf das Risko Gift.

      In Deutschland haben wir einen Transfer, aber auch eine einheitliche Wirtschafts- und Finanzpolitik und wenn Bundesländer Anleihen auflegen, zahlen sie teilweise höhere Zinsen als der Bund!

      • Reinhard sagt:

        ja, da haben Sie Recht, Herr Jahnke, das hat der italienische Kommentator ausgeblendet: daß im Zuge einer eventuellen Abwertung der Südländer und ihres Resteuros das dortige Zinsniveau natürlich automatisch hochginge.

        Auch was die Notwendigkeit angeht, endlich eine einheitliche Wirtschafts- und Finanzpolitik in Euroland (wenn nicht in der ganzen EU) einzuführen, stimme ich Ihnen zu.
        Preisfrage: warum kommen andere europäische Regierungen, auch stockbürgerliche wie z.B. die französische, manchmal auf solche vernünftigen Ideen, die deutsche hingegen macht immer das Schlechtest Denkbare?

      • globalnote sagt:

        Meine Antwort ist keinen Preis wert. Doch lassen Sie uns nicht vergessen, daß es in der EU und Eurozone knallhart um nationale Interessen geht. Nur Deutschland hat das immer wieder in einem Europa-Dusel vergessen. Jetzt wollen die anderen, daß Deutschland als Nutznießer des Euros dauerhaft (ich betone: dauerhaft) Ausgleichszahlungen erbringt. Dafür ist der E-Bond mit Laufzeit bis 10 Jahre und mehr das beste Instrument. Luxemburg ist dafür, zumal es keine Anleihen auflegt, während es beim Rettungschirm mitbürgt. Alles ziemlich durchsichtig. Und Italien muß dafür sein. Das Endspiel um den Euro wird nach meiner Einschätzung um Italien stattfinden.

        Wenn wir schon zahlen, sollte wenigstens eine Ende irgendwann in Sicht sein. Das ist jedenfalls meine Meinung.

  5. Jens sagt:

    Besonders gefällt mir die hier stattfindene ausgeglichene Argumentation.
    Das öffentliche Gut stabile Finanzen wird also u.a. durch die deutschen Exporte gefährdet, andererseits ist die Wirtschafts- und Haushaltspolitik in nicht wenigen Euroländern nicht grade seriös und erfolgsorientiert. Würde Deutschland – rein hypothetisch – den Lohnwettbewerb beenden, viele Problemländer blieben eben solche. Zum Beispiel hat Griechenland nach OECD Daten eine noch niedrigere Steuerquote als Deutschland. Die griechische Krise ist also mit selbstverschuldet, sie hätten sich auch an Finnland orientieren können – Deutschland verbietet ja auch den Finnen nicht, ihre Finanzen zu stabilisieren. Deswegen ist die Begrenzung auf 10 Jahre sinnvoll, damit sich die Defizitländer auch selber helfen. Institutionalistisch gesprochen sollte fiskalisches free-riding begrenzt werden.

  6. Axel sagt:

    In meinen Augen hat Herr Jahnke mit der zutreffenden Feststellung, dass es im Euroland immer knallhart um nationale Interessen geht, auch gleich den Grund geliefert, warum das Euro-Experiment scheitern MUSS. Wenn man nicht mal in der Lage ist, Irland zu zwingen, seine Steuersätze auf Durchschnitt zu heben… alles zahnlose Tiger.

    Allerdings stört mich das regelmäßige Stichwort Usmchulden/Haircut… Als Kind ist die Welt noch einfach, denn da lernt man, Staaten können auch deshalb nicht pleite gehen, weil sie im Ernstfall über Steuererhöhungen Zugriff auf Geld haben. Die Einfachheit dieses Arguments finde ich bestechend. Und es ist ja nicht so, dass es keine Vermögen in Europa gäbe, auch in den sogenannten Schwachländern, die man anzpafen könnte. Es gibt nur Schwachpfeifen in Ministerämtern, die sich die Steuererhöhungen nicht trauen. Und wenn man nicht lange vorher diskutiert, hätten die Betroffenen auch keine Zeit für präventive Steuerflucht. Und wenn man die richtigen Steuern erhebt, dann nimmt man auch denen das Geld, die es hintenrum über die unterlassene Umschuldung eh kriegen. Jedenfalls grob. (Wenn man es bei den Hartzern holt, klappt das natürlich nicht.)

    Stattdessen lese ich heute, wie Schäuble den Unternehmen 4,5 Mrd. über Bürokratieentlastung schenken will, anstatt Effizienzgewinne mal dem Staat zugute kommen zu lassen… Na wir ham’s ja.

    • globalnote sagt:

      Heiner,

      Deswegen liegt die Linkspartei so falsch, wenn Sie die Schuld ausländischen Spekulanten zuweisen will.

      Beste Gruesse
      Joachim Jahnke

  7. Was spricht eigentlich gegen gemeinsame EURO-Anleihen?

    Nichts, wenn man gegen alle Vernunft aber auch gegen jedes Gesetz die Explosion des EURO-Experiments weiter intensivieren will.

    Alles, wenn man in Werten denkt und lebt die da waren “Konkursverschleppung”, “Gläubigerbevorzugung” „Bilanzbetrug“ oder auch nur “Verträge zu Lasten Dritter”; alles Schranken die komplette Regierungen im Verein mit ihresgleichen und den Bankstern für sich allein als ungültig in Anspruch nehmen während der Rest sie gnadenlos und friedlich schultern soll.

    Während dieser pseudo-europäischen Spielchen wird China zur einzigen Großmacht, der Rest übt sich in dunkler Dekadenz und das Klima kippt.

    Fröhliche Weihnacht’.

    caw

    • … ich wollte noch sagen… war aber von so überraschenden Dingen wie Schnee im Winter abgelenkt worden…

      Hat eigentlich das großartig(e,) gerettete Griechenland nun die Wende geschafft? Wächst die griechische Wirtschaft jetzt wieder nach all den Kürzungen, Bereinigungen und versprochenen Großtaten? Oder bringen die immer noch ihr Geld in Sicherheit, streiken sie weiter, arbeiten immer noch nichts bzw. zu wenig und zu kurz?

      Also, sobald die griechische Wirtschaft mit zehn oder auch nur neun Prozent wächst, dann meine ich, wäre jeder Eurobond gerechtfertigt.

      Aber nur dann – und bis dahin ist Lachen verboten!

      caw

  8. Heiner sagt:

    caw: Die griechische Wirtschaft hat noch nicht mal die Talsohle erreicht.Und von chinesischen Wachstumsraten träumen dann wahrscheinlich nur Nachts die Eulen.
    MfG

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