2215

global news 2215 27-11-10: Und jetzt deutsch-französische Götterdämmerung: Setzt sich Frankreich mit seiner Position gegen die Mithaftung der Anleihegläubiger durch?

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9 Antworten zu 2215

  1. Des Problems Lösung?
    Die Transfer-Union!?

    Abgekürzt bedeutet sie doch, daß mit Exporterlösen, besser, den Gewinnen aus der Exportmaschine Deutschlands nicht erzielte(s) Einnahmen/Wachstum in den Rest-Euroländern ausgeglichen werden soll; da ein Gutteil, nein, heute die gesamten deutschen Exportgewinne in Euroland eben mittels einer künstlich übergestülpten gemeinsamen Währung, Niedrigstlöhnen und fragwürdigen Arbeitsverhältnissen gemacht werden sollen damit die Gewinne des einen die Verluste das anderen ausgleichen. Dazwischen läßt’s sich für die Maschine und ihre mannigfaltigen Getriebe augenscheinlich gut leben, der große Rest schaut zitternd zu.

    Das erinnert mich sehr an das Szenario nach 1989 in Ost-Deutschland, das (noch) heute unter De-industrialisierung, Überalterung und Menschenschwund leidet weil der Westen viel lieber die Maschinen schneller laufen ließ bzw. in noch billigeren Gefilden produzierte als etwa eigene Investitionen, so nicht transferunionisiert, ergo subventioniert, vor Ort zu tätigen.

    Kann überhaupt jemand bestätigen, daß die Maschine nachhaltig und ausreichend Gewinn macht und machen wird, um tatsächlich das transferieren zu können, was eine Balance innerhalb Eurolands erlaubte bzw. ermöglichte? Wieviel ist das und wenn ja, ist die Logik ausreichend stabil, um den darunter Leidenden klar zu machen, ihr Leid sei kleiner weil es (ausgerechnet) dem deutschen Hans Spitze geht?

    Alles zusammen – und ich lebe außerhalb Deutschlands, habe vier Kinder im Schulalter, die nach Hause bringen, was an anderer Eßtische paroliert wird – läßt Emanuel Geibel zu mir sprechen; Sie wissen schon „Am deutschen Wesen…“: wie nachhaltig wird das diesmal sein?

    Die Anzahl der Leidenden wird die Profiteure vom Hof jagen, meine Meinung! Denn auch die Transfer-Union ist wieder nur am Kern der Sache vorbeigemogelt, kurzfristig. Beweis: heute beschreibt der Spiegel mögliche Szenarien, die sich durch eine Wiedereinführung der DM ergeben könnten: nicht ein Wort wie viel anders, möglicherweise besser, es den anderen europäischen Ländern gehen könnte, wenn sie wieder in eigener Währungshoheit beschließen könnten, wie günstig sie für wen und was arbeiteten und damit den deutschen Turbolader nachgerade schlagartig abschalteten.

    Der Spiegel spricht zu Recht von einem Schreckensszenario, allerdings unvollständig und maingestreamt und viele Jahre zu spät: „Ach was?!“ kann man da nur zurückschreien: „Konnte man doch alles kommen sehen!“ Genau so, wie man jetzt schon sehen kann, daß auch eine Transfer-Union (was für ein dämliches Wort dazu?) die Catch 22 Situation, die Ausweglosigkeit des EURO Konstruktes und seiner circuli vitiosi nicht lösen werden kann.

    Nur ein Wirtschaftsraum mit in allen Winkeln gleichen Bedingungen funktionierte, dann oben drauf eine Währung, das wäre es gewesen, Herr Kohl, Herr Weigel, und Genossen. Auf dem Weg dahin muß sie alle der Teufel, die Gier und die Mauer nach Größenwahn geritten haben.

    caw

    • globalnote sagt:

      @caw,

      Gut gebrüllt. Nur, die Transfer-Union ist praktisch schon da. Die Empfänger der Transfers werden sie nicht abschalten, nur noch versuchen, sie über Eurobonds laufen zu lassen (Prof. Bofinger plädiert schon dafür), weil das für sie billiger ist. Und die Bondhaftenden, vor allem Deutschland, müssen dann bei 10-Jahres-Bonds erst in 10 Jahren zurückzahlen, man kann also die Zukunft kräftig belasten und dann das “nach uns die Sintflut” der klurzlebigen Politik.

      • @globalnote

        D’accord!

        Ich weiß ja, brüllen soll einen angeblich ins Unrecht setzen; ich wollte nur klarstellen, daß ein Ponzi hier nur den anderen ablöst. Wir können ja beginnen, Wetten zu erstellen, ob, wann und wie 10-ner Euroschätzchen, oder demnächst 20- oder 30-iger, jemals bezahlt werden werden.

        Vielleicht ist da was zu gewinnen.

        Schönen Sonntag.

        caw

  2. die Simpsons sagt:

    Wer soll denn die Euro-Bonds kaufen? Die Versicherer, die Banken evtl. Privatanleger. Letztere scheiden ja wohl aus, da immer mehr Menschen begreifen welches Spiel hier gespielt wird. Bleiben letztendlich an forderster Front, die Lebensversicherer. Vorsicht, Lebensversicherer sind Ponzefinanzierer und auch hier sind die Leute vorsichtiger geworden. Lieber erst gar keine Lebensversicherung abschliessen oder noch besser die bestehende kündigen.
    Was bleibt ist die EZB und QE 2, 3, 4 usw.

    zum heutigen Advent ein kleines Gedicht:

    Advent, Advent die Eurohütte brennt,
    dem Euro gehen die Lichtlein aus,
    der Joe, der kann viel zündeln,
    von Ost nach West, von Nord nach Süd,
    der Euro bald in Gänze glüht

  3. martin sagt:

    Für mich wäre mal wichtig zu erfahren, ob die gegenwärtigen Probleme im Euro-Raum allein Folgen der vorangegangenen US-Subprime-Krise und der Beteiligung europäischer Banken daran sind, oder ob hier ein Geburtsfehler des Euro zu Tage kommt.
    Die Währungsunion wurde ja ohne eine gemeinsamen Regierung eingeführt. Jede Euro-Regierung werkelt demnach mit eigener Sozial-, Fiskal- und Steuerpolitik so vor sich hin. Nach Mahnkopf/Altvater hätte es aber eine Abstimmung der Wirtschafts- und Sozialpolitik geben müssen.
    Sie schreiben schon 1999: “Drittens schließlich hätten Ausgleichsmechanismen etabliert werden müssen, finanzielle Transferzahlungen also, um die Niveauunterschiede bei den wichtigsten ökonomischen Indikatoren (Lohnstückkosten, Produktivität) zwischen den an der Währungsunion beteiligten Ländern monetär zu kompensieren und tendenziell tatsächlich zu verringern, um die Ausgleichszahlungen überflüssig zu machen. Aber es ist fast ausgeschlossen, ein System der fiskalischen Umverteilung nur auf der Ausgabenseite zu begründen. Wenn es wirklich wirksam werden soll, müssen die Steuersysteme angeglichen werden, um die relative Belastung (Steuerquote) der Bürger in der Währungsunion einigermaßen ähnlich zu gestalten.”

    Für mich hört sich das so an, als wäre die “Transfer- und Inflationsgemeinschaft”, die wir jetzt haben, eine natürliche Folge der Einführung des Euro, bei der eine Angleichung der ökonomischen Bedingungen nicht vorgesehen war. Man hätte also den zweiten vor dem ersten Schritt getan und fällt gerade damit auf die Schnauze.

    • globalnote sagt:

      Ja, so ist es. Doch eine Erkenntnis wurde erst später gemacht, daß nämlich die deutsche Exportindustrie, unterstützt von der Mindestlöhne verweigernden und Niedrigstlöhne fördernden Bundesregierung, in einen Niedriglohnwettbewerb einsteigen würde, um die Unmöglichkeit von Wechselkursänderungen im Euroverbund brutal auszunützen, was vom Eurosystem so wohl nicht vorausgesehen war. Überraschend war auch, daß die EZB auf die boomenden Länder an der Europeripherie bei ihrer Zinspolitik keine Rücksicht nehmen würde und damit Öl ins Boom-Feuer schütten würde. Die Fehler wären vermeidbar gewesen, wurden aber absichtsvoll begangen. Bundesregierung und EZB tragen hier schwere Verantwortung, die nun auf den deutschen Steuerzahler qua Transferzahlungen abgewälzt wird. Das Ganze stinkt entsetzlich. Keiner der Verantwortlichen in Bonn oder jetzt Berlin wird das jeh einräumen. Die verstecken sich alle hinter Warnungen vor einer Gefahr für den Euro, die sie doch selbst heraufbeschworen haben.

    • Ich meine, die logische Fortführung der römischen Verträge (1957) wäre die Angleichung der unterschiedlichen Wirtschaftsräume gewesen; in Ansätzen erfolgte das ja auch ernsthaft in etwa bis zur Wiedervereinigung Deutschlands. Der Prozeß hätte fortgeführt, ja in Vorbereitung der Euro-Einführung beschleunigt gehört bzw. dessen Einführung quasi als Krönung dieser Angleichung und Bildung eines vereinheitlichten Wirtschaftsraumes bis zur Realisierung desselben ausgesetzt bzw. vor sich hergeschoben werden müssen.

      So aber tat man das Zweite vor dem Ersten, die conditio sine quo non ging völlig verloren, sei es weil Export und/oder Kapital die Regie übernahmen oder die Globalisierung verblendete; dazu hat man stur wie dumm auf jeden Ausstiegsmechanismus verzichtet, dessen Vorhandensein zumindest eine gewisse Disziplin zur weiteren Angleichung der unterschiedlichen Wirtschaften bedeutet hätte. Hätte… hätte… hätte, wir kennen alle die Fehler und erleben die Folgen. Tatsache ist, die Steigbügelhalter der deutschen Exportbonanza sind derart geblendet, vereinnahmt, gekauft, daß sie kein Zurück kennen und die kommende Explosion des Euro geradezu katalytisch verstärken indem sie sturheil vorgegaukeltes Glück in der Erhöhung der Ungleichgewichte suchen. Irland und Griechenland erhalten Kredite und müssen Zinsen zahlen, beides entfernt es weiter denn je von jeder Angleichung; gelebte Transfer-Union ist das nicht!

      Das ist kein Doomsday Szenarium oder gar alarmistisches Geschwätz über den Untergang des Weltwährungssystems oder gar des Planeten selbst; aber man kann bedauern, daß für jeden von uns eine once-in-a-lifetime Chance, die Geliebte des Zeus, nichts weniger wollte bzw. sollte Europa sein, in ruhiges, das heißt militärisch wie wirtschaftlich beruhigtes Fahrwasser zu bringen, grob fahrlässig versaubeutelt wurde.

      @Heiner
      Dann wäre es ja gut, wenn den Ausgang wir, die Wähler und die Mehrheit der demokratisch gesinnten Bürger bestimmen würden.

      @alle
      Gute Nacht!

      caw

  4. Heiner sagt:

    Den Schlüssel für den europäischen Aufbruch wird Helmut Kohls Europa noch frei Haus liefern: die Währungsunion. Mit ihr eröffnet sich die Möglichkeit, in der Schaltzentrale der Globalisierung, dem internationalen Finanzmarkt, sozialverträgliche Regeln durchzusetzen. Zugleich wird sie aber die Unionsstaaten so eng aneinander binden, daß sie entweder demokratische Formen der gemeinsamen Gesetzgebung erfinden oder SCHEITERN werden.
    Anmerkung des Schreibers: Insofern befinden wir uns gerade in den GEH-Burtswehen des Euro.
    Für die Bürger des alten Kontinets bedeutet das, sie
    müssen entscheiden, welche der beiden mächtigen Strömungen des europäischen Erbes die Zukunft gestalten wird: die demokratische, die auf Paris 1789 zurückgeht, oder die totalitäre, die in Berlin 1933 siegte. Den Ausgang bestimmen wir, die Wähler und die Mehrheit der demokratisch gesinnten Bürger.
    Martin/Schumann/Die Globalisierungsfalle/Schlusswort.
    MfG

  5. Gaby sagt:

    Guten Abend, in die Runde,

    aufmerksam habe ich die letzten beiden Tage Eure erhellenden Beiträge gelesen, für die ich mich an dieser Stelle bedanke, haben sie mir doch manche Dinge aufgezeigt, die mir bisher gar nicht bewusst waren.

    An der Überschrift dieses Beitrags irritiert mich die Vokabel „Götterdämmerung“. Ist damit ganz profan „Zusammenbruch“, also das Nichts gemeint oder bezieht sich die Vokabel auf „Ragnarök“? Wenn letzteres gemeint ist, deutet der Artikel darauf hin, dass sich alles Böse, nachdem unsere gerade regierenden Eliten auf dem Schrotthaufen der Geschichte gelandet sind, bessern wird.

    Am 18. Oktober 2010 hat „Teflon“-Merkel ihre Forderung nach automatischen Bestrafungs-Sanktionen für den Stabilitätspakt fallen gelassen und von Sarkozy Rückendeckung für Vertragsänderungen und eine Gläubigerbeteiligung an einem permanenten Krisenmechanismus ab 2013 erhalten. Heute will sich der „Kaiser ohne Kleider“ nicht mehr an diese Zusage erinnern. Gleichzeitig wird von der deutschen Bundesregierung jedes Ungleichgewicht verursachende Diktat unseres lohndumping-getriebenen Exportwahns öffentlich nicht einmal erwähnt und wenn, dann heißt es: Wir können doch nichts dafür, dass unsere Produkte so gut sind, dass sie die ganze Welt haben will.

    Die deutschen Medien berichten, es handele sich akut um ein diplomatisches Kommunikationsproblem zwischen Frankreich und Deutschland. Allerdings ist mir rätselhaft, wo dieses Sender-Empfänger-Sender-Problem liegt. Vermutlich ist es so, dass die Politik längst von den Märkten beherrscht wird und vielmehr Probleme hat, diesen Fakt ihren Bürgern zu kommunizieren. Dazu passt, dass Josef Ackermann kürzlich sagte: „Wir müssen von der Mentalität wegkommen, dass das ein Problem der Banken ist.“ Aber Hallo! Haben wir eine europäische Bankenkrise oder Schuldenkrise? Für mich ist das, explizit Irland betreffend, eine handfeste Bankenkrise!

    Die Deutschen, die mein Leben begleiten, sehen das völlig anders. Die Franzosen und Südländer spinnen, sind faule Gesellen, leben jetzt auf Deutschlands Kosten; Merkel hat ausnahmsweise recht, wenn sie harte Härte (!) und noch härtere Strafen (!) fordert für die, die Schulden machen.

    Erst gerade eben hat mir eine Freundin per Telefon ins Ohr gebrüllt: „Wo komme ich denn hin, wenn ich monatlich mehr ausgebe, als ich habe. Schuldenmachen ist Schwachsinn! Die Schuldenländer müssen endlich preußische Zucht kennen lernen!“ Diese Dame ist, wie die meisten mir bekannten Deutschen, nicht davon zu überzeugen, dass ein Staatshaushalt anders funktioniert als ein Privathaushalt. Es gilt in Deutschland unter meinen Gleichaltrigen und Älteren: Schuldenmachen gehört sich nicht!

    Jeep, so wird, um noch einmal auf unsere deutschen Mainstream-Medien hinzuweisen, aus Desinformation Kriegslust geschürt. Der SPIEGEL schürt eifrig mit. Na dann, Prosit 2011!

    Auch auf den Begriff „Götterdämmerung“ will ich noch einmal zurück kommen. Ich glaube sinnbildlich an Ragnarök, also daran, dass nach dem virtuellen oder real-kriegerischem Zusammenbruch unserer „göttlichen“ Politiker und noch „göttlicheren“ Märkte eine Morgendämmerung anbricht, also neues Leben wächst, das nicht nur die „unsichtbare Hand des Marktes“ endgültig vernichtet hat, sondern die Menschen endlich zur Vernunft kommen und erkennen, dass Kapitalismus nur dann funktioniert, wenn das eintritt, was ein altes deutsches Volkslied, im Kapitalismus entstanden, zu singen weis:

    „Taler, Taler, du musst wandern,
    von der einen Hand zur andern.
    Das ist schön, das ist schön.
    Lass dich hier ja nimmer seh´n!“

    Bis denne,

    Gaby

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