1857

Gedanken zur Zeit 1857 17-09-10: Die ersten Fehler mit den Roma wurden viel früher gemacht als jetzt in Frankreich

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4 Antworten zu 1857

  1. Heiner sagt:

    http://www.pesterlloyd.net/2009_44/0944ostrovany/0944ostrovany.html
    Wenn schon die große EU kein gemeinsames Konzept für die Bootsflüchtlinge aus Afrika entwickeln kann, dann darf es wirklich nicht verwundern das hilflose Menschen aus populär-politischen Gründen als öffentliche Verschiebemasse missbraucht werden und da landen wo es Ihnen eher noch schlechter geht!
    s.o.
    MfG

  2. georgi sagt:

    Rumänien und Bulgarien sind EU-Mitglieder. Die Bürger beider Staaten genießen Freizügigkeit innerhalb der EU. Das haben Merkel und Sarkozy so gewollt, als sie die beiden Staaten in die EU aufgenommen haben. In diesen Staaten lebende Roma haben nun ausdrücklich das Recht, sich innerhalb der EU bessere Lagerplätze zu suchen. Es wäre nun Unrecht und diskriminierende Behandlung dieser Roma, wenn nun diese Roma in ihre Heimatländer abgeschoben werden würden. Viviane hat nun möglicherweise recht, daß es einen Rechtsbruch dieser Größenordnung nach dem Zweiten Weltkrieg in Westeuropa noch nicht gegeben hat. Von der Hitlerzeit und der Judendeportation war nie die Rede. Im Gegenteil grenzt sich Viviane in dem beanstandeten Zitat von dieser Zeit ab, weil in der EU weitaus höhere Rechtsnormen gelten als zur Hitlerzeit (“vor dem Zweiten Weltkrieg”) und ihre Kritik an Sarkozys Abschiebung damit gerade nicht auf die gleiche Stufe stellt wie die Judendeportationen in der Hitlerzeit. So verstehe ich die Angriffe gegen Vivianes Person nicht. Wenn man schon jemanden angreifen möchte, dann wären Merkel und Sarkozy viel bessere Adressaten dafür, die die Aufnahme von Rumänien und Bulgarien in die EU vorangetrieben haben. Die Roma aus dem Kosovo sind etwas anderes. Der Kosovo ist nicht EU-Mitglied.

    • globalnote sagt:

      @georgi,

      Da täuschen Sie sich aber zweimal. Erstens, hat niemand das Recht, irgendwo auf fremdem Boden Lager aufzuschlagen, auch in Deutschland nicht. Hier wäre die Polizei schnell zur Stelle und es gibt hier nur keine Lager, weil die staatlichen Stellen Roma, vor allem vom Balkan, in feste Unterkünfte einquartiert haben. Die deutsche Abschiebung in den Kosovo, der immer noch nicht zur Ruhe gekommen ist und unter rassistischen Spannungen leidet, ist wahrscheinlich schlimmer als die französische nach Rumänien. Man hätte Rumänien bei der Aufnahme in die EU verpflichten müssen, angemessene Bedingungen für die dortigen Roma zu schaffen, um eine Massenabwanderung zu vermeiden. Das ist nicht nur eine rechtliche, sondern vor allem eine moralische Frage.

      Ich habe die Dame ja wörtlich zitiert: „Ich habe nicht geglaubt, dass Europa nach dem Zweiten Weltkrieg noch einmal Zeuge einer solchen Situation wird.“ Sie spricht nicht von „vor“ dem zweiten Weltkrieg, sondern von einer „solchen Situation“ wie im Weltkrieg, und da sind immerhin die Juden aus Frankreich in die Gaskammern des Dritten Reichs vertrieben worden, wie jeder weiß. Das kann nur als Anspielung auf die rassische Verfolgung zu Nazizeiten verstanden werden und wird in Frankreich auch so verstanden. Selbst französische Kritiker von Sarkozy’s Abschiebungen sind über die Bemerkungen der Dame entsetzt. Für Sarkozy bedeutet das freilich Wählerstimmen zu Lasten von Le Pen (auch das hätte die Dame bei der Formulierung ihrer Kritik beachten sollen).

  3. Gaby sagt:

    Hallo in die Runde,

    über die Worte der EU-Kommissarin habe ich mich auch gewundert, als ich sie aus den Medien vernahm. Und ich habe sie auf Anhieb so verstanden, dass ein Zusammenhang zwischen der französischen Roma-Abschiebung und dem deutschen Holocaust hergesellt wird.

    Diese Vermischung unserer unentschuldbaren Historie mit aktuellen Tagesthemen ist ein Trend, der sich seit einigen Jahren beobachten lässt. Dafür verantwortlich mache ich den Historikerstreit in den Jahren 1986/87, die Ernst Nolte angestoßen hatte. Die ganze Debatte, den Holocaust in ein identitätsstiftendes Geschichtsbild einzureihen, hat letztlich zu seiner Verharmlosung geführt und der Bundesrepublik obendrein einen kräftigen Rechtsruck verpasst.

    Bei den jungen Deutschen meines Umfeldes, die ganz und gar nicht rechtsradikal sind, spielt der Holocaust kaum noch eine Rolle – die entsetzlichen Dimensionen werden verniedlicht und das Wort selbst steht mittlerweile als Synonym für „gründlich Ordnung schaffen“. Die millionenfache Menschenvernichtung wird mit „demonstrativer Stärke“ in Verbindung gebracht. Das äußert sich dann in so lapidar hingeworfenen Worten wie zum Beispiel: „Früher hätte man das Problem per Gaskammer gelöst!“ Natürlich meinen die jungen Leute das nicht ernst, aber sie sprechen es aus. Es scheint ihnen nicht bewußt zu sein, dass Worte die Dämonen der Vergangenheit wecken können.

    Ich halte diese offensichtliche Geschichtsblindheit, die fehlende Sensitivität, für brandgefährlich – nicht nur in Deutschland.

    Mit freundlichen Grüßen

    Gaby

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