1856

Gedanken zur Zeit 1856 16-09-10: Emotionen sind nicht unbedingt gut, aber langsam werde ich wirklich wütend

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10 Antworten zu 1856

  1. Gaby sagt:

    Guten Abend, Herr Dr. Jahnke,

    in Deutschland ist die Armut kaum sichtbar; sie wird gezielt ausgegrenzt.

    Wer es sich in Deutschland leisten kann, und das sind immer noch viele, viele Menschen, schaut nicht auf die Armen in den Straßen, sondern verbringt seine Freizeit in Konsumtempeln, die erstens ohne Auto oder teure öffentliche Verkehrsmittel nicht erreichbar sind oder so teuer, dass Arme nicht mal das Eintrittsgeld bezahlen können.

    Mein Mann und ich haben derzeit Jahresurlaub und verbringen ihn mit Tagestouren innerhalb Deutschlands. Die Eintrittspreise für Zoos, Tierparks und die Sea-Life-Meeresaquarien bewegen sich pro Erwachsenem auf dem Niveau von 15 Euro. Das ist so teuer, dass ich in den letzten drei Wochen nirgendwo eine mit Kopftuch verschleierte Frau gesehen habe. Dafür sah ich aber jede Menge deutsche Schulkinder, die gerade dabei sind, ihre Klassenausflüge zu tun. Alle gut gekleidet, gut genährt, voller ansteckender Fröhlichkeit.

    Museen und Freilichtmuseen zu besuchen, ist eine billigere Angelegenheit, kostet pro Erwachsenen gerade mal 3 bis 6 Euro. Aber auch hier sind keine Menschen anzutreffen, die den Eindruck machen, dass es ihnen an etwas fehlt, stattdessen massenweise körperlich gut entwickelte Kinder und ihre LehrerInnen und natürlich Besucher jedweden höheren Alters bis zum Senior.

    Heute waren Uli und ich in Oberhausen in NRW. Als das Revier starb, entstand auf diesem gigantischen Gelände das Centero. Hier ist alles vertreten, was das Konsumentenherz begehrt: Ein Kirmesplatz, ein Stand mit Bademöglichkeit, ein gigantisches Sea-Life, eine riesengroße Märklin-Modellanlage der Darstellung des Reviers in den 60er Jahren, ein Charter-Jachthafen, jede Menge Restaurants und ein Shopping-Center, das als das größte Europas gilt. Jedwede deutsche, europäische, amerikanische etc. pp. Marke hat hier ihr Zuhause. Das Highlight ist das ausgediente Gasometer, das durch MAN in 1929 entstand, längst ausgedient hat und heute zu einem Aussichtsturm mit innenliegenden Attraktionen umgewandelt ist. Eintritt: 7 Euro pro Erwachsenem. Hier gibt es jede Menge gut situierter Deutsche und Schüler mit ausländischen Wurzeln zu sehen, die alle fröhlich schoppen, nicht negativ auffallen, sondern in der bestmanierlichste und obendrein ansteckend, frölichsten Art.

    Als wir letzte Woche im Kölner Zoo waren, wo die bürgerliche Welt ebenso in Ordnung ist und es an Ausflugs-Schulklassen nicht fehlte, trieb es mich hinterher in die Kölner Innenstadt. Für meine Augen war verheerend, was ich sah! Viele Menschen schieben ihr letztes Hab und Gut mit Einkaufswagen vor sich her. An jeder Ecke wird gebettelt. Es schleichen viele Menschen daher, die weder rechts noch links schauen, gebückt, verhärmt, löchrig gekleidet und es gibt viele verschleierte Menschen zu sehen. Was ich sah, ist weder der Orient, noch Deutschlands einstiger Reichtum. Es ist ein Bild des Jammers und Niedergangs! Es ist die andere Seite der Medaille des heute noch so reich wirkenden Deutschlands.

    Das Koblenzer Löhr-Center, ein kleiner Konsumtempel, liegt mitten in Koblenz-City, ist also für die Innenstadtbewohner kostenlos zu Fuß zu erreichen, sofern sie nah genug an diesem Center leben. Im Löhr-Center selbst, das wir diese Woche besuchten, war keine Armut zu erblicken und ein bisschen industriell gefertigter Obstsalat kostet dort 2,99 Euro; das ist ein horrend hoher Preis, von den übrigen Preisen für Kleidung, Schmuck, Schuhe mal ganz abgesehen. Ich schätze, die herumlaufende Security sorgt dafür, dass sich kein Bettler darin aufhalten, sondern nur das mittlere Bürgertum und zwar reichlich. Da wird bei Hussel für eine 100 Gramm Tüte Plätzchen tatsächlich 6 Euro gezahlt. An der Hussel-Kasse standen die Leute Schlange. Überall sonst, auch in meinem Lieblings-Klamottenlanden Cecil, standen die Leute Schlange und das an einem gewöhnlichen Dienstag um die Mittagszeit.

    Anders sah es aus, als ich das Löhr-Center nicht per geparktem Auto sondern zu Fuß vor die Tür verließ. Sofort wurde ich mit der Armut konfrontiert – so viel Armut, dass ich fast auf der Stelle drauf losgeweint hätte – aber das tut Frau ja nicht in der Öffentlichkeit. Ich kann mich erinnern, dass es in den 1980er Jahren, als das Löhr-Center eröffnete, diese offen bloßgelegte Armut direkt vor seinen Türen nicht gegeben hat. Damals war alles bürgerlich-konservativ in Ordnung. Damals gab es ja auch noch die Arbeitslosenhilfe, die in 2005 von der rot-grünen Regierung auf Hartz-IV reduziert wurde.

    Deutschland ist zweigeteilt, die USA vermutlich ebenso wie der Rest der Welt. Armut wird gezielt ausgegrenzt, Konsumtempel werden weit entfernt ins Revier gelegt, um der Mittelschicht den Anblick der Armut zu ersparen, in den sie selbst von jetzt auf gleich sinken kann aufgrund unserer neoliberalen Wirtschaftspolitik.

    Ich weiß nicht, welchen Gruß ich Euch senden soll, es ist schrecklich, was sich allein in Deutschland an Armut abspielt.

    Gaby

    • Detlef sagt:

      Hallo Gabi
      Der äußere Eindruck kann einen sehr leicht täuschen!
      Dein Satz -
      Dafür sah ich aber jede Menge deutsche Schulkinder, die gerade dabei sind, ihre Klassenausflüge zu tun. Alle gut gekleidet, gut genährt, voller ansteckender Fröhlichkeit. -
      beruht bestimmt auf so eine Täuschung.
      Es sind wiedermal bundesweit Wandertage angesagt, das ist richtig.
      Es wird in der Regel aber so geplant das die dabei anfallenden Kosten weit unter den üblichen Kosten liegen.
      Meine kleine Tochter ist zum Beispiel nach Erfurt in den Zoo gefahren. Zug-Fahrkarte plus Busfahrt plus Zoo-Eintritt für insgesamt 6,50 €. Dafür bekommt man normalerweise nicht mal die Zugfahrkarte (Kinder) für diesen Preis, das Normal-Ticket kostet schon 8,90€ für ein Kind.
      Und trotz dieses billigen Preises von gesamt 6,50€ gab es Kinder die nicht mit gefahren sind!
      Gut “genährte” Kinder sind in der Regel Fast-Food-Kinder der “Armen”-Generation, da eine Tiefkühlpizza billiger ist wie eine vollwertige Mahlzeit aber eben auch aufschwämmt!
      Gut gekleidet? Also ich schicke meine zwei Mädels auch immer ordentlich aus dem Haus, das heißt aber noch lange nicht das die Kleidung nicht aus dem KiK oder anderen Billig-Läden ist. Auch da gibt es anständige Sachen für den kleinen Geldbeutel.
      Wenn Frau von der Leyen mit ihrer, ach so sozialen, Chipkarte durch kommt, dann folge mal so einer Schulklasse und beobachte wie viele Kinder mit dieser Chipkarte den Eintritt bezahlen, du wirst es nicht für möglich halten wie weit die Armut in Deutschland schon um sich gegriffen hat.
      Ich betätige mich seit einer ganzen Weile schon freiwillig bei der Freiwilligenagentur Gotha und sehe das Elend jeden Tag weiter um sich greifen, wie diese “wohlgenährten” Kinder in unserer Diakonie mit einer warmen vollwertigen Mahlzeit versorgt werden, ich garantiere dir, um so dicker der Bauch, um so größer das Elend!

      • Gaby sagt:

        Guten Abend, Detlef und guten Abend an alle Menschen in diesem Forum,

        leider habe ich Deinen Beitrag gar nicht wahrgenommen, weil er mir nicht per E-Mail von WordPress zugeschickt worden ist und gerade auf die E-Mails konzentriere ich mich, um den Überblick in diesem Forum zu behalten. Bitte entschuldige, dass ich Deinen Beitrag erst jetzt, völlig zufällig, wahrgenommen habe.

        Du hast Recht, mit dem was Du sagst. Es ist in Wissenschaftskreisen schon lange bekannt, dass Wohlstandsbäuche in der Bundesrepublik mittlerweile mehr mit Unter- bzw. Fehlernährung als mit Wohlstand zu tun haben, gerade so, wie in Drittwelt-Ländern, die die Bäuche von Kindern unterernährt aufblähen lassen. Allein das sozialistische Kuba bildet bis heute eine Ausnahme – da gibt es bis heute keine unterernährten Kinder, obwohl Kuba ein armes Land ist.

        Aber in meinem Beitrag wollte ich auf etwas ganz anderes hinweisen: Nämlich auf das von mir erworbene Bild einzelner von mir aufgesuchter Bereiche Deutschlands in 2010. Dr. Jahnke meinte vor einigen Wochen, dass er meine Beobachtungen schätzt und diese Eindrücke gebe ich nun, da ich den Jahresurlaub nehme, in diesem Forum wider.

        Es ist wünschenswert, wenn sich solche Erfahrungen, wie die Deinen, Detlef, zu den meinigen dazu mischen. Es ist wichtig, zu erfahren, wie die Realität in Deutschland tatsächlich aussieht. Es wäre wünschenswert, wenn sich in diesem Forum mehr Menschen, Frauen wie Männer melden würden, die meine Eindrücke mit konkreten Alltagserfahrungen widerlegen oder bestätigen, also der Wahrheit unsres Landes ein Stück näher- oder abrücken.

        Wir müssen uns austauschen, über unsere Erfahrungen berichten. Wir müssen die Lebenswirklichkeiten voneinander kennen. Nur dann wissen wir uns einzuordnen, wissen wir, dass wir nicht allein sind mit unseren angstvollen Gedanken, gar mit unserer Wut, unseren Zweifeln, gar Alpträumen, die uns nachts nicht schlafen lassen.

        Danke, Detlef, für Deinen Beitrag, der war prima.

        Mit freundlichen Grüßen

        Gaby

  2. Heiner sagt:

    http://www.fns.usda.gov/pd/34snapmonthly.htm
    Mittlerweile beziehen über 41 Millionen Amerikaner(13,5%/Bevölkerung) Lebensmittelgutscheine über SNAP. Das sind 133$ im Monat!
    Erwachsene ohne Kinder erhalten das 3Monate!Danach kommt die Mülltonne!
    Ausgeschlossen vom Einkauf mit diesen Gutscheinen sind:
    Hunde/Katzenfutter etc.Alkohol, Medikamente und Fast Food Buden, und Zigaretten.
    Noch was zur offiziellen Arbeitslosenzahl in den USA(das ist so wie bei uns mit den gefälschten, nicht realen Zahlen):
    In den USA sind z.ZT. 139 Millione Menschen beschäftigt. Der Bevölkerungsanteil von 16-60Jahre
    also arbeitsfähig beträgt ziemlich genau 238Millionen!Noch Fragen?
    MfG

    • Peter sagt:

      Na, dann geht es uns doch sogar noch besser als den Amerikanern. Da sollte man doch nicht meckern und unserer Bundesregierung dankbar sein…

  3. Heiner sagt:

    http://www.tafel.de/die-tafeln/zahlen-fakten.html
    Peter: Noch ein Satz von Ludwig Erhard aus dem Jahre 1957 dazu:
    Kein Einwand wird mich davon abbringen, daran zu glauben, daß die Armut das sicherste Mittel ist, um den Menschen in den kleinen materiellen Sorgen des Alltags verkümmern zu lassen.
    MfG

  4. Peter sagt:

    Lieber Dr. Jahnke,
    meine Wut ist garantiert um einiges grösser, als die Ihre.
    Als gestandenes Mitglied der sogenannten Unterschicht und ständiger Leser Ihres Infoportals bin ich bestens informiert, und weiss, wie es sich anfühlt, wenn man arm, hilf und machtlos ist.
    Ich habe Hartz4 am eigenen Leib erfahren, (wegen schwerer Erkrankung).
    Ich habe unser “Gesundheitssystem” erlebt, wie Vieh wird der AOK Patient inzwischen behandelt.
    Für Krebspatienten gibt es bei Hartz einen Mehrbedarf von 1,80 Euro pro Tag, aber nur nach langem Kampf.
    Eins meiner Kinder hat eine schwere Behinderung.
    Nichts gibts, ein alter gammeliger Rollstuhl, keine ausreichende Physiotherapie, nichts und nichts.
    Wissen Sie, wie man sich da fühlt?
    Dieses Land ist am Ende, es wird neuen Terrorismus geben, oder es gibt eine neue faschistische, rechte Sammlungsbewegung.
    Populisten haben Hochkonjunktur.
    Nicht nur bei uns.
    Den deutschen Pisakrüppeln ist nicht mehr zu helfen.
    Meine Wut ist gross, nur meine Hilflosigkeit ist noch grösser.
    Meine Frau arbeitet in einem Kindergarten mit vielen Migrantenkindern und Unterschichtkindern.
    Da erspare ich uns lieber die Details.
    Nur soviel:
    Es ist eine Katastrophe, Kinder werden zuhause angebunden, damit Mama arbeiten kann.
    Da wird geprügelt, da ist kein Geld da für das Mittagessen der Kleinen im Kindergarten, die sitzen dann am Katzentisch und dürfen zugucken, wie die anderen Kinder sich den Bauch vollschlagen.
    Ich höre lieber auf, ich merke, es tut mir nicht gut.
    Machen Sie weiter, schlagen Sie dem asozialen reichen Dreckpack Ihre Fakten um die Ohren.
    Man muss sie blossstellen, unsere korrupten Politiker, unsere Meineidschwörer, man muss jede Schweinerei aufdecken, ich weiss nicht, was ich noch sagen soll, nur so viel, es ist wahrscheinlich am besten, wenn man die Wut nicht zulässt, und auf der Sachebene seine klare Linie behält.
    Mit sehr freundlichen Grüssen, Peter

    • Gaby sagt:

      Guten Abend, Peter und Mitdiskutanten,

      Dein Bericht hat mich sehr betroffen gemacht und ich weiß aus eigener Anschauung, dass Du nicht übertreibst. Mittlerweile ist die soziale Lage in Deutschland so schlimm, dass es im Grunde niemanden aus dem Volk mehr gibt, der nicht jemanden kennt, der ohne Selbstverschulden in sehr schwache finanzielle Verhältnisse abgerutscht ist.

      Mir sind zwei Familien bekannt:

      Eine wohnt in meiner direkten Nachbarschaft, der Mann war sogar mal mein Kollege (der allerdings in einer völlig anderen Abteilung arbeitete), als er während der ersten Entlassungswelle meines Arbeitgebers in 2000 seine Arbeit verlor, weil die Hausdruckerei ausgelagert wurde. Seither hat er nutzlose Bewerbungstrainings machen müssen, war zweimal als Leiharbeiter eingestellt und befindet sich jetzt, mit seinen 57 Jahren, in einer von der ARGE finanzierten Ausbildung zum Altenpfleger. Von Beruf ist er Drucker und Setzer. Die Familie kann weiterhin ein bürgerliches Leben führen, weil die Frau schwarz als Putzfrau in Privathaushalten arbeitet und sie einen starken Familienverband im Hintergrund haben. Da sorgt einer für den anderen, gerade so, wie in den Entwicklungsländern.

      Die andere Familie lebt etwas weiter weg und besteht aus einem arbeitslos gewordenen Versicherungskaufmann, der seit rund 20 Jahren mit einer behinderten Freundin zusammen lebt. Von ihm weiß ich, wie extrem schwer es ist, von der Krankenkasse auch nur die geringsten Zuschüsse für Sonderbedarf zu erhalten. Oft gibt es, nach langem Papierkrieg, nichts. Beide leben derzeit von Hartz-IV. Der Rollstuhl seiner Freundin ist auch so ein gammeliges Ding, gerade so, wie Du es bezüglich Deiner Tochter beschreibst.

      Am Ende dieses Jahres werde ich noch eine ganze Menge anderer Familien kennen, die bereits finanziell und sozial am Abrutschen sind. Es sind die Arbeitskollegen meines Mannes, die am 17. August 2009 ihre Arbeit verloren, in eine Zweckgesellschaft und einen Pool wanderten und da am 31. Dez. 2010 raus fliegen in die Arbeitslosigkeit. Die wenigsten von ihnen haben bisher eine neue Arbeitsstelle gefunden. Angebote bestehen zumeist nur aus Zeit- bzw. Leiharbeit. Natürlich wird jede Arbeit angenommen, aber solche Arbeit hat keine Zukunft. Das ist den Menschen bewußt; das macht Angst vor der Zukunft. Es sind viele Männer dabei, die erst 47 oder 52 Jahre alt sind. Sie wissen, dass sie in der Altersarmut landen. Sie halben Kinder, die erwachsen sind, sich aber zur Generation „Praktikum“ gehören. Es ist schwer für junge Menschen, eine Festanstellung zu bekommen.

      Es ist jetzt schon ganz besonders peinlich für mich und meinen Mann, wenn wir diese im Prinzip arbeitslosen Kollegen beim Einkaufen oder sonst wo treffen. Peinlich deshalb, weil wir uns sehr schämen, dass wir noch Arbeit haben, peinlich auch deshalb, weil sich die Charaktere der ehemaligen Kollegen meines Mannes verändert haben: Sie sind Zyniker geworden, sie hassen das Wirtschaftssystem, sie hassen Deutschland, sie haben keine Hoffnung für die Zukunft, sie geben auf und sagen das gerade heraus. Nicht nur Sarrazin, Clement, Müntefering, Merz und wie sie alle heißen, die gut situierten Eliten unseres Landes, sähen mit ihren Worten Zwietracht in die Gesellschaft, der Spaltpilze gibt es viele und der häufigste, die Angst vor dem wirtschaftlichen Absturz, wird nicht beim Namen benannt. Der gärt in den Menschen selbst und was lange gärt, explodiert eines Tages.

      Ich finde, es ist gut, die Wut und die Hoffnungslosigkeit aus sich heraus zu lassen. Das sollte nicht runter geschluckt werden. Ich höre zu. Aber viele Menschen, denen es jetzt noch gut geht, fühlen sich von dieser depressiven Hoffnungslosigkeit angewidert, hören nicht hin, wollen nichts mit diesem sozialen Absturz zu tun haben. Es keimt der mittelalterliche Aberglaube auf, sich vom Unangenehmen fernzuhalten, damit es einen nicht selbst trifft. Manche Deutsche meines Umfeldes klammern sich optimistisch an die Hoffnung, dass ihnen Arbeitslosigkeit nicht passiert, wenn sie die Augen erst gar nicht auf unser gesellschaftliches Elend richten. Das ist ein grober Trugschluss!

      Peter, ich kann Dir nur raten, Deine Wut nicht runterzuschlucken, sondern rauszulassen. Sprich über Deine Gefühle. Wenn Du es nicht laut tun möchtest, dann schreibe Deine Gefühle, Deine Eindrücke, Deine Meinungen in dieses Forum. Wir reden darüber. Es tut gut, sich seinen Frust von der Seele zu reden, zu schreiben. Vor allen Dingen hier. Mir hat dieses Forum sehr geholfen, meinen tiefen inneren Schmerz, die Demütigung zu verarbeiten, als ich am 1. Oktober 2009 meinen 24-jährigen Volltagsjob verlor und seither nur noch halbtags in der Firma arbeiten darf, weil zu alt und zu teuer.

      Der Gedankenaustausch wird Dir zwar nicht über Deine wirtschaftlichen Probleme hinweg helfen, aber er wird Dir ein Gefühl vermitteln, dass Du nicht alleine bist.

      Herzliche Grüße, auch an Deine Familie und herzliche Grüße an Euch alle,

      Gaby

  5. Heiner sagt:

    http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/politik/304863/304864.php
    Gaby: ZUM THEMA KUBA: UND da gibt es keine unterernährten Kinder/bzw. unterernährte Erwachsene!!??
    MfG

    • Gaby sagt:

      Hallo, Heiner,

      Zitat: “Ende Januar 2006 erhielt Kuba vom UN-Welternährungsprogramm ein Zertifikat, in dem ihm bestätigt wird, das einzige Land Lateinamerikas und der Karibik ohne unterernährte Kinder zu sein. Nur zwei Prozent würden Eisenmangelerscheinungen zeigen.”

      Quelle: Wikipedia/Kuba

      Beste Grüße

      Gaby

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