Dieser Beitrag wurde geschrieben von am Montag, 9. August 2010 um 2:17 pm und eingeordnet unter soz. Du kannst den Antworten zu diesem Eintrag mit Hilfe des RSS-2.0-Feeds folgen.
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mir hat’s heute früh, als ich die Widerwort einer Frau „von den Laien“, der Zensursula, in den Radionachrichten hörte, glattweg das Frühstück verhagelt. Wo lebt diese Frau, dass sie so einen Quatsch verzapft? Mitten unter uns lebt sie jedenfalls nicht, sie teilt nicht die Lebenswelten der Mittelschicht dieser Gesellschaft.
Seit Herbst 2008 habe ich an meinem Arbeitsplatz erlebt, wie die um die 55-jährigen systematisch rausgeworfen wurden. Sie wurden ermuntert, Aufhebungsverträge zu unterzeichnen, versüßt mit einer Abfindung. Das Perfide daran: Der Betriebsrat muss über Aufhebungsverträge nicht informiert sein. Anfangs haben sich die angeblich zu alten und somit viel zu teuren Mitarbeiter unter extremem Druck einschüchtern lassen, die Verträge zu unterzeichnen und Almosen einzustreichen.
Dann bekam der Betriebsrat Wind von dem Gebaren der Geschäftsleitung bzw. des Personalbüros und intervenierte harsch. Es wurden ab da viel höhere Abfindungen gezahlt, die vermutlich gespeist waren aus dem Kurzarbeitergeld (= Steuergeld), das mein Arbeitgeber über acht Monate lang einstrich. Diese Summen waren insgesamt sechsstellig!
Ich bin Zeuge, dass viele der um die 55-jährigen aus dem Betrieb rausgemobbt wurden, weil zu alt und zu teuer. Das „zu teuer“ bezieht sich auf die Zeiten des Ordoliberalismus der Bundesrepublik Deutschland (ca. 1957 – 1975), als die Löhne und Gehälter noch mit der Produktivität der Unternehmen stiegen. Seit rund 10 Jahren steigen sie nicht mehr, aber trotzdem haben ältere Mitarbeiter, auch ich, beachtliche Lohnzuwächse in den davor liegenden Jahren erfahren.
Jüngeren Leuten, so um die 45 – 50 Jahre, wurde per Personalchef in der widerlichsten Weise die „Pistole auf die Brust“ gesetzt. Entweder wir gehen freiwillig oder wir erhalten ein Gnadenbrot per Halbtagsjob. Unter diese Kategorie bin ich gefallen. Ich musste mir ins Gesicht sagen lassen: „Frau X, wir wollen sie nicht mehr haben, sie sind uns viel zu teuer!“ Meine Gehaltseinbuße seit dem 1. Nov. 2009 beträgt exakt 547 Euro monatlich. Das ist viel Geld, das ich nicht mehr in unserer Volkswirtschaft verkonsumieren kann. Darüber hinaus zahle ich nun viel weniger an Sozialabgaben, an Lohnsteuer und meine Krankenkasse bekommt auch weniger Geld von mir.
Meine Erlebnisse sind kein Einzelfall, sondern gängige Praxis in Deutschland. Beim Arbeitgeber meines Mannes hat sich gleiches abgespielt. Das heißt, die Betriebe sind tatsächlich, wie es Frau Merkel uns zu Anfang der Weltwirtschaftskrise versicherte, gestärkt aus der Krise hervorgegangen, denn „alt und teuer“ ist jetzt aus den Betrieben verschwunden und an ihre Stelle sind Leiharbeiter und Menschen getreten, die in prekären Verhältnissen arbeiten müssen. Die Probezeit der viel schlechter bezahlten und mit weniger Urlaubsansprüchen eingestellten blutjungen Menschen meines Arbeitgebers beträgt mindestens 24 Monate, weil sie nur noch 1-Jahresverträge bekommen, die noch einmal um ein Jahr verlängert werden können.
Wer in diesem kannibalistischen Raubtierkapitalismus nicht psychisch krank wird, der ist ein Roboter, also ein von sich vollständig entfremdeter Mensch (Erich Fromm), der gar keinen Bezug mehr zu sich selbst und den humanistischen Wurzeln unserer Kultur, also zu den Wurzeln des Christentums hat, worunter vor allen Dingen die 10 Gebote als Naturgesetze der menschlichen Psyche gehören.
Am elendigsten wird mir im Herzen zumute, wenn Dr. Jahnke immer mal wieder davon schreibt „dicke Bretter“ zu bohren. Das wollte Max Weber auch und hat es nicht geschafft, ebenso wenig wie Erich Fromm. Das Kapital setzt sich durch, überwindet alle wirtschaftsachlichen, soziologischen, philosophischen Schranken, nur um sich zu vermehren, also aus einem Euro zwei und mehr, sehr viel mehr, zu machen.
Und überhaupt:
Die SPD soll nicht so tun, als dass Frau von der Layen die Erste wäre, die soziale Ungerechtigkeiten in Deutschland installiert. Es war die rot-grüne, ROT und GRÜN, Regierung unter Kanzler SPD-Schröder, die begann, uns neoliberal geführt, international wettbewerbsfähig zu machen auf Kosten unseres deutschen Binnemmarktes und wachsender Armut unseres Landes basiert auf Lohndrückung. Dieser Unfug wird der SPD mindestens noch 10 Jahre lang Wählerstimmen kosten.
Antwort der Bundesregierung(Bundesarbeitsministerium) zur Problematik älterer Arbeitsloser auf eine Anfrage der Linkspartei:
„Die konjunkturelle Belebung in diesem Jahr hat jedoch die Arbeitslosigkeit im Mai 2010 wieder auf den niedrigsten Mai-Wert seit 1992 gedrückt. Diese Entwicklung spiegelt die Stabilität und Robustheit des deutschen Arbeitsmarktes wider. Es ist nicht nachzuvollziehen, warum die Fragen zur Anhebung der Altersgrenzen aus Sicht der Fragesteller „vor dem Hintergrund fortdauernder Arbeitslosigkeit und der schlechten Arbeitsmarktsituation Älterer“ gestellt werden. Diese Stabilität des Arbeitsmarktes und vor allem auch die positive Entwicklung in den Jahren zuvor zeigt sich in besonderem Maße bei der Beschäftigung Älterer. Auch die Zahl der älteren Arbeitslosen ist in den Jahren 2006 bis 2008 deutlich gesunken und die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Älteren deutlich gestiegen. Die Beschäftigungsquote der Älteren hat sich in den vergangenen Jahren erheblich erhöht. Es ist daher ebenso schwer verständlich, vor welchem Hintergrund in den Vorbemerkungen der Fragesteller die Aussage getroffen wird, „dass sich die Beschäftigungssituation Älterer in den kommenden Jahren sogar noch verschlechtern dürfte“.
Als Praktiker kann ich inhaltlich nur dem Infoportal zustimmen und polemisch ganz kraftvoll zum Ausdruck bringen: Im Bundesarbeitsministerium sitzen auch Menschen, die unter einem „Lattenschuss“ leiden müssen. Hoffentlich nicht mehr sehr lange.
Als Praktiker vor Ort kann ich den “Worten der Bundesarbeitsministerin” keinen Glauben schenken.
Es hängt von der Einsichtder der Personalverantwortlichen der über 3 Millionen Unternehmen in Deutschland ab, ob älteren arbeitslosen Arbeitnehmern zu einem neuen Arbeitsplatz verholfen werden kann oder nicht, da sie nach wie vor Jüngeren den Vorzug bei Einstellungen geben. Das ist auch heute noch so. Deshalb bedarf es einer positiveren Einstellung gegenüber älteren Arbeitssuchenden, um glaubhaft der Demografieproblematik auch auf betrieblicher Ebene wirksam entgegentreten zu können. Personalverantwortliche müssen auf breiter Front davon überzeugt werden, altersgerechte Arbeitsplätze zu schaffen, und zum anderen leistungsfähige und ältere Arbeitnehmer durch altersgerechte Arbeitsplätze in den Unternehmen zu halten.
Über den gesetzlichen Rahmen hinaus, müssen zudem bedarfsorientierte betriebliche und überbetriebliche Weiterbildungsmaßnahmen älteren Arbeitnehmer angeboten werden. Finanziell daran beteiligen müssen sich alle Wirtschaftsbranchen. Es kann gesellschaftlich nicht akzeptiert werden, dass häufig Betriebe / Unternehmen die Demografieproblematik aus wirtschaftlichen und finanziellen Gründen beiseite schieben und die Gewinnmaximierung an erster Stelle setzen. Diese Einstellung ist auch mit verantwortlich, dass in wirtschaftlich schlechteren Zeiten, eher an Entlassungen von älteren Mitarbeitern gedacht wird, als diese im Betrieb zu halten und für den eigenen Bedarf weiter zu qualifizieren. Die Einflussnahme und Gestaltung sowie die Durchsetzung von Forderungen und Zielen müssen an erster Stelle von allen gemeinsam (Gesellschaft, Politik und Wirtschaft) getragen werden. Über alledem steht natürlich der erklärte Wille der Unternehmensleitungen auch in kleinen und mittleren Betrieben.
Führt dies alles nicht zum notwendigen Erfolg, müssen andere verpflichtende Maßnahmen im Interesse der Betroffenen und der Gesellschaft ergriffen werden. Dazu gehören öffentliche, private und kirchliche Betriebe / Unternehmen zu verpflichten, eine prozentual orientierte Mindestanzahl von altersgerechten Arbeitsplätzen zu schaffen. Weil es älteren Arbeitnehmer schwerer fällt, den körperlichen Anforderungen dauerhaft nachzukommen, insbesondere bei Schichtdiensten, sollte darüber hinaus ein betriebliches Gesundheitsmanagement unter Fachberatung verpflichtend eingerichtet werden, um altersbedingte Gesundheitsgefährdungen schon im Vorfeld weitestgehend auszuschließen. Zu einer guten Wirtschaftspolitik gehört neben eine betrieblich geförderte Bildung auch ein positives Betriebsklima zu erzeugen, indem sich eben auch besonders ältere Arbeitnehmer wohl fühlen und ihre Arbeit gerne machen. In einer Zeit, in der die Zahl der Facharbeiter aufgrund der demografischen Entwicklung immer weiter abnimmt, müssen Unternehmen wesentlich mehr Verantwortung übernehmen. Sie müssen mit dafür sorgen, dass ältere Arbeitnehmer besser mit Arbeitsbelastungen und Stress umgehen können.Insofern kann ich dem Infoportal nur zustimmen.
dies alles, was Sie fordern, wäre sehr wünschenswert. Aber es widerspricht der einzigen Maxime, die dem herrschendem Wirtschaftssystem, Kapitalismus – oder auch netter genannt: Marktwirtschaft – zugrunde liegt: Profitmaximierung.
Selbst wenn es gelänge, dem Kapitalismus Zügel anzulegen, also wieder die Soziale Marktwirtschaft zu reanimieren, würde, wenn nicht auch andere gravierende Änderungen vorgenommen werden, es zwar den Älteren Arbeitnehmern wieder besser gehen, aber dafür würden die Jüngeren noch nicht einmal mehr prekär beschäftigt werden; ganz zu schweigen von denen, für die jetzt schon in der kapitalistischen Verwertungsmanischerie kein Bedarf mehr ist.
Nein! Soll es nicht nur einem Teil der Gesellschaft wieder besser gehen, sondern sollen alle Teile der Gesellschaft – und warum nur der unseren! – gut leben können, so brauchen wir weitaus mehr, weit radikalere Änderungen am bestehenden Wirtschaftssystem: Es muß der erwirtschaftete Reichtum – und wir sind insgesamt tatsächlich wesentlich reicher als beispielsweise in den Siebzigern! – deutlich gerechter verteilt werden als dies der Fall ist. Dies erfordert sicher mehr, als lediglich den Spitzensteuersatz auf 50% zu erhöhen und eine Erbschaftssteuer, die den Namen verdient, einzuführen.
Ich will hier nicht weitere Maßnahmen aufführen. Ich will statt dessen die Frage stellen, sind herrschende Gruppierungen (die, denen wir u. a. per Kreuzchen die Macht überlassen) dazu bereit? Ist die Gesellschaft, sind wir dazu mehrheitlich bereit? Was glauben Sie Herr Steingrube?
Glauben Sie die CDU würde solch einschneidende Änderungen anstreben? Oder etwa gar die FDP? Die Grünen? Hoffen Sie auf die SPD?
Ich frage Sie: Wer hat denn in den letzten Jahren/Jahrzehnten, als die Weichen zu den Verhältnissen, die Sie beklagen, gestellt? Wer hat wechselseitig diese Politik, deren Ergebnisse Sie jetzt beklagen, im Bund, in den Ländern, in diesem unseren Land betrieben? Die Antwort ist wohl klar!
Also: Aus dieser Richtung ist nicht eine solche, aber bitter nötige Veränderung zu erwarten. (Aus dieser Richtung erwarte ich höchstens eine weitere Verschärfung der Teilung der Gesellschaft, ein divide et impera – mit allen(!) Mitteln.)
Nein! Eine Besserung muß aus der Gesellschaft initiiert werden. Aber ist die Gesellschaft mehrheitlich dazu bereit? Wie sieht es denn aus?
Noch profitiert ein erklecklicher Teil von den bestehenden Verhältnissen. Sie, vielleicht ein Drittel, werden reicher. Daneben haben diese vor allem auch die Macht, die Mittel, Meinung zu machen. Exemplarisch für dieses Drittel nenne ich die Namen Albrecht, Quandt, Obermann, Markworth, Illner, Miegel und Raffelhüschen. Soll etwa von denen die Änderung kommen? Soll bei denen plötzlich das “Gutmenschentum” reihum(!) ausbrechen?
Was ist mit dem Mittleren Drittel? Die, die auf der Stelle treten. Es geht ihnen zwar seit Jahren nicht besser aber auch nicht schlechter. Sie haben sichere Stellen, ein vernünftiges Einkommen, von dem man sogar hin und wieder was zurücklegen kann. Ihr Alter ist gesichert, geriestert haben sie auch. Natürlich könnte es besser gehen, vor allem weiter aufwärts. Und es schwant ihnen, dass zumindest ihr Nachwuchs wohl etwas mehr kämpfen muß – trotz der guten Ausbildung, die sie ihm ermöglichen, trotz des Vitamins Bs, das sie ihm immer noch bieten können.
Ich habe den Eindruck, dass dieses Drittel sein Heil eher darin sieht, mehr als bisher zu Strampeln, in der Hoffnung, dadurch weiter aufzusteigen und zu den Gewinnern des Bestehenden aufzuschließen. Strampeln bedeutet hier aber: Nach Oben buckeln und nach unten treten. Das Bestehende ganz im Sinne der Oberen heftig zu verteidigen: Höherer Spitzensteuersatz? Straft die Vielleister! Mindestlohn? Vernichtet Arbeitsplätze! Erhöhung des ALG-Satzes? Die kriegen eh zuviel! Längeres gemeinsames Lernen? Mein Kind soll nicht mit den Schmuddelkindern zusammen lernen! (Hamburg) Gewerkschaften? Nicht mit mir! Nur den zu starken Gewerkschaften haben wir unsere jetzige wirtschaftliche Misere zu verdanken! Mehr Staat? Gott behüte? Private machen es immer besser! Und wenn der Markt mal versagt, so war es garantiert der Staat, der die falschen Regeln setzte oder nicht richtig deregulierte (siehe Finanzkrise)!
Soll von diesen Leuten die Änderung kommen?
Was bleibt? Das letzte Drittel. Zumeist die “sozial Schwachen”, “die Bildungsfernen” oder auch nur “die Armen” genannt (verachtet?): Prekär Beschäftigte. Arbeitslose … Selbst wenn diese Veränderung wollten, würde sie von ihnen kommen? Haben sie die nötige Wut – oder weniger hart – den Wunsch? Werden sie nicht vielmehr durch Bild und Glotze dumm gehalten? Werden sie nicht vorsorglich an die Kandare genommen: Repressionssystem Hartz-IV! Wird ihnen nicht jetzt schon von Staats wegen dauernd gedroht: Willst du nicht (der Arme), wie ich will (Fallmanager=Allgott=Staat), so bekommst du eine Sanktion, 30, 60, 100% weniger vom ALG-II-Satz.
Was meinen Sie, Herr Steingrube, haben diese Menschen die Mittel, den Elan, den Mut und vor alllem die Macht, nötige Veränderungen durchzusetzen?
Erst einmal herzlichen Dank für die sehr umfangreiche Antwort auf meine Stellungnahme vom 11.08. zum Thema älterer Arbeitnehmer auf dem deutschen Arbeitsmarkt. In den letzten Tagen war ich leider verhindert das Infoportal zu besuchen, so dass ich erst heute eine Antwort geben kann.
Ich bin mir schon im Klaren darüber, dass meine Vorstellungen wie Unternehmen ältere Arbeitnehmer in ihren Unternehmen halten könnten (und auch müssten!) nicht auf besonderes Verständnis bei den allermeisten Personalverantwortlichen stoßen wird. Und doch werden Betriebsräte immer wieder mit „erhobenen Zeigefingern“ daran erinnern müssen, welche Gesamtverantwortung sie gegenüber ihren Mitarbeitern haben. Das Ganze trägt zwar auch einen Hauch von Idealismus in sich, und doch muss dieser Weg nach meinem Verständnis zum Handwerk eines jeden Betriebsrates gehören, der notfalls auch einmal die Handbremse anziehen muss. Es kommt also mit darauf an, wie ich mich als Interessenvertretung gegenüber einer Unternehmensleitung positioniere. Beschränke ich meine betrieblichen Handlungsmöglichkeiten allein auf die Stammbelegschaft, vernachlässige ich zwangsläufig die Interessen der Leiharbeiter. Diese sind aber mit ins Kalkül einzubeziehen. Das muss für alle Beteiligten auch sicht- und spürbar werden. Denn Unternehmer dürfen nicht den Gewinn absolut setzen und der Gewinnmaximierung alles andere unterordnen. Das geschieht schon viel zu oft, und die Menschen leiden darunter. Vor diesem Hintergrund halte ich es für richtig, dass sich die Betroffenen zur Wehr setzen, koordiniert und mit demokratischen Mitteln gemeinsam für das Ziel der Wiedereinführung der sozialen Marktwirtschaft. Allerdings kann ich zur Zeit nicht erkennen, wer sich an die Spitze einer solchen Bewegung setzen könnte. Die Leitmedien tragen den politischen Kurs überwiegend mit. Sie klären nur einseitig und im Interesse des Systems auf. Ich betrachte die Leitmedien daher schon lange nicht mehr als „Aufklärer“ sondern eher als „Verklärer der Globalisierung ohne wirkungsvolle soziale Schutzmechanismen für die gebeutelten Menschen“. Deshalb sind sie auch Handlanger dieses einseitigen politischen Systems.
Die Linke wird noch lange Zeit brauchen, um vereint ins politische Geschehen eingreifen zu können. Vor allem muss sie erkennen, dass vor allem China kein Entwicklungsland mehr ist, sondern einen brutalen und schrankenlosen Finanz- und Wirtschaftskurs gegen die eigene Bevölkerung und fast gegen den Rest der Welt führt.
Die „klassische Sozialdemokratie“ in der ich persönlich aufgewachsen bin und deren Mitglied ich auch Jahrzehnte war, ist unter Schröder längst abhanden gekommen. Die Sozialdemo-kratie hat unter Schröder und Kompagnons wie Steinmeier, Steinbrück, Müntefering und Clement erdrutschartige Verluste hinnehmen müssen. Schröder hat große Wunden in die Herzen vieler Sozialdemokraten gerissen, die noch lange heilen müssen sofern sie überhaupt heilbar sind. Die heute führenden Sozialdemokraten sind die Alten von gestern. Ohne „Rund-erneuerung“ erwarte ich von dieser Partei keine signifikanten politischen Änderungen zugunsten der überwiegend von Altersarmut bedrohten und arbeitenden Bevölkerung. Ebenso wenig von den anderen Parteien im Bundestag. Meine ganze Hoffnung liegt bei den Gewerkschaften, auch wenn dort „dunkle Gestalten“ anzutreffen sind mit denen ich mich nicht solidarisieren könnte. Ich halte sie trotzdem noch für fähig, Massenproteste zu organisieren, die hoffentlich nicht nur lokal begrenzt sein werden, sondern bundesweit organisiert werden.
Ob die betroffenen Menschen bereit sein werden für ihre Interessen auf die Straße zu gehen, wird sich dann zeigen müssen. Dazu bedarf es allerdings auch einer guten Vorbereitung. Nicht nur in den Betrieben, sondern auch in der Öffentlichkeit. Denn die rücksichtslose Gewinnmaximierung geht über die Unternehmen hinaus und hat sich bereits in vielen Teilen unserer Gesellschaft hinein gefressen, die ebenso rücksichtslos ihre Pfründe erhalten wollen.
Die Verschärfung der Einkommensunterschiede hat nicht zuletzt ihre Wurzeln in einer fehl-gesteuerten Politik. Das muss auch denen gesagt werden, die von der „Unterhaltungsindustrie“ abgehalten werden, für ihre ureigensten Interessen ihren Unmut über ihre soziale Situation auf die Straße zu tragen. Es kann nicht sein, dass nur einige Wenige Millionen zu Lasten anderer unter miserabelsten sozialen und unter menschenverachtenden Bedingungen ab-schöpfen. Viele Gewinne sind keine guten Gewinne, weil sie eben auf Kosten der Allgemeinheit erwirtschaftet wurden. Deshalb muss sich die Zivilgesellschaft ebenso auflehnen und die Riesengewinne vieler Unternehmen infrage stellen und sich damit auseinandersetzen. Der Bürger darf dies nicht durchgehen lassen. Der einzige demokratische Weg aus diesem ewigen Kreislauf zu entrinnen, sind soziale Massenproteste.
Hallo in die Runde,
mir hat’s heute früh, als ich die Widerwort einer Frau „von den Laien“, der Zensursula, in den Radionachrichten hörte, glattweg das Frühstück verhagelt. Wo lebt diese Frau, dass sie so einen Quatsch verzapft? Mitten unter uns lebt sie jedenfalls nicht, sie teilt nicht die Lebenswelten der Mittelschicht dieser Gesellschaft.
Seit Herbst 2008 habe ich an meinem Arbeitsplatz erlebt, wie die um die 55-jährigen systematisch rausgeworfen wurden. Sie wurden ermuntert, Aufhebungsverträge zu unterzeichnen, versüßt mit einer Abfindung. Das Perfide daran: Der Betriebsrat muss über Aufhebungsverträge nicht informiert sein. Anfangs haben sich die angeblich zu alten und somit viel zu teuren Mitarbeiter unter extremem Druck einschüchtern lassen, die Verträge zu unterzeichnen und Almosen einzustreichen.
Dann bekam der Betriebsrat Wind von dem Gebaren der Geschäftsleitung bzw. des Personalbüros und intervenierte harsch. Es wurden ab da viel höhere Abfindungen gezahlt, die vermutlich gespeist waren aus dem Kurzarbeitergeld (= Steuergeld), das mein Arbeitgeber über acht Monate lang einstrich. Diese Summen waren insgesamt sechsstellig!
Ich bin Zeuge, dass viele der um die 55-jährigen aus dem Betrieb rausgemobbt wurden, weil zu alt und zu teuer. Das „zu teuer“ bezieht sich auf die Zeiten des Ordoliberalismus der Bundesrepublik Deutschland (ca. 1957 – 1975), als die Löhne und Gehälter noch mit der Produktivität der Unternehmen stiegen. Seit rund 10 Jahren steigen sie nicht mehr, aber trotzdem haben ältere Mitarbeiter, auch ich, beachtliche Lohnzuwächse in den davor liegenden Jahren erfahren.
Jüngeren Leuten, so um die 45 – 50 Jahre, wurde per Personalchef in der widerlichsten Weise die „Pistole auf die Brust“ gesetzt. Entweder wir gehen freiwillig oder wir erhalten ein Gnadenbrot per Halbtagsjob. Unter diese Kategorie bin ich gefallen. Ich musste mir ins Gesicht sagen lassen: „Frau X, wir wollen sie nicht mehr haben, sie sind uns viel zu teuer!“ Meine Gehaltseinbuße seit dem 1. Nov. 2009 beträgt exakt 547 Euro monatlich. Das ist viel Geld, das ich nicht mehr in unserer Volkswirtschaft verkonsumieren kann. Darüber hinaus zahle ich nun viel weniger an Sozialabgaben, an Lohnsteuer und meine Krankenkasse bekommt auch weniger Geld von mir.
Meine Erlebnisse sind kein Einzelfall, sondern gängige Praxis in Deutschland. Beim Arbeitgeber meines Mannes hat sich gleiches abgespielt. Das heißt, die Betriebe sind tatsächlich, wie es Frau Merkel uns zu Anfang der Weltwirtschaftskrise versicherte, gestärkt aus der Krise hervorgegangen, denn „alt und teuer“ ist jetzt aus den Betrieben verschwunden und an ihre Stelle sind Leiharbeiter und Menschen getreten, die in prekären Verhältnissen arbeiten müssen. Die Probezeit der viel schlechter bezahlten und mit weniger Urlaubsansprüchen eingestellten blutjungen Menschen meines Arbeitgebers beträgt mindestens 24 Monate, weil sie nur noch 1-Jahresverträge bekommen, die noch einmal um ein Jahr verlängert werden können.
Wer in diesem kannibalistischen Raubtierkapitalismus nicht psychisch krank wird, der ist ein Roboter, also ein von sich vollständig entfremdeter Mensch (Erich Fromm), der gar keinen Bezug mehr zu sich selbst und den humanistischen Wurzeln unserer Kultur, also zu den Wurzeln des Christentums hat, worunter vor allen Dingen die 10 Gebote als Naturgesetze der menschlichen Psyche gehören.
Am elendigsten wird mir im Herzen zumute, wenn Dr. Jahnke immer mal wieder davon schreibt „dicke Bretter“ zu bohren. Das wollte Max Weber auch und hat es nicht geschafft, ebenso wenig wie Erich Fromm. Das Kapital setzt sich durch, überwindet alle wirtschaftsachlichen, soziologischen, philosophischen Schranken, nur um sich zu vermehren, also aus einem Euro zwei und mehr, sehr viel mehr, zu machen.
Und überhaupt:
Die SPD soll nicht so tun, als dass Frau von der Layen die Erste wäre, die soziale Ungerechtigkeiten in Deutschland installiert. Es war die rot-grüne, ROT und GRÜN, Regierung unter Kanzler SPD-Schröder, die begann, uns neoliberal geführt, international wettbewerbsfähig zu machen auf Kosten unseres deutschen Binnemmarktes und wachsender Armut unseres Landes basiert auf Lohndrückung. Dieser Unfug wird der SPD mindestens noch 10 Jahre lang Wählerstimmen kosten.
Mit lieben Grüßen
Gaby
Antwort der Bundesregierung(Bundesarbeitsministerium) zur Problematik älterer Arbeitsloser auf eine Anfrage der Linkspartei:
„Die konjunkturelle Belebung in diesem Jahr hat jedoch die Arbeitslosigkeit im Mai 2010 wieder auf den niedrigsten Mai-Wert seit 1992 gedrückt. Diese Entwicklung spiegelt die Stabilität und Robustheit des deutschen Arbeitsmarktes wider. Es ist nicht nachzuvollziehen, warum die Fragen zur Anhebung der Altersgrenzen aus Sicht der Fragesteller „vor dem Hintergrund fortdauernder Arbeitslosigkeit und der schlechten Arbeitsmarktsituation Älterer“ gestellt werden. Diese Stabilität des Arbeitsmarktes und vor allem auch die positive Entwicklung in den Jahren zuvor zeigt sich in besonderem Maße bei der Beschäftigung Älterer. Auch die Zahl der älteren Arbeitslosen ist in den Jahren 2006 bis 2008 deutlich gesunken und die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Älteren deutlich gestiegen. Die Beschäftigungsquote der Älteren hat sich in den vergangenen Jahren erheblich erhöht. Es ist daher ebenso schwer verständlich, vor welchem Hintergrund in den Vorbemerkungen der Fragesteller die Aussage getroffen wird, „dass sich die Beschäftigungssituation Älterer in den kommenden Jahren sogar noch verschlechtern dürfte“.
Als Praktiker kann ich inhaltlich nur dem Infoportal zustimmen und polemisch ganz kraftvoll zum Ausdruck bringen: Im Bundesarbeitsministerium sitzen auch Menschen, die unter einem „Lattenschuss“ leiden müssen. Hoffentlich nicht mehr sehr lange.
Als Praktiker vor Ort kann ich den “Worten der Bundesarbeitsministerin” keinen Glauben schenken.
Es hängt von der Einsichtder der Personalverantwortlichen der über 3 Millionen Unternehmen in Deutschland ab, ob älteren arbeitslosen Arbeitnehmern zu einem neuen Arbeitsplatz verholfen werden kann oder nicht, da sie nach wie vor Jüngeren den Vorzug bei Einstellungen geben. Das ist auch heute noch so. Deshalb bedarf es einer positiveren Einstellung gegenüber älteren Arbeitssuchenden, um glaubhaft der Demografieproblematik auch auf betrieblicher Ebene wirksam entgegentreten zu können. Personalverantwortliche müssen auf breiter Front davon überzeugt werden, altersgerechte Arbeitsplätze zu schaffen, und zum anderen leistungsfähige und ältere Arbeitnehmer durch altersgerechte Arbeitsplätze in den Unternehmen zu halten.
Über den gesetzlichen Rahmen hinaus, müssen zudem bedarfsorientierte betriebliche und überbetriebliche Weiterbildungsmaßnahmen älteren Arbeitnehmer angeboten werden. Finanziell daran beteiligen müssen sich alle Wirtschaftsbranchen. Es kann gesellschaftlich nicht akzeptiert werden, dass häufig Betriebe / Unternehmen die Demografieproblematik aus wirtschaftlichen und finanziellen Gründen beiseite schieben und die Gewinnmaximierung an erster Stelle setzen. Diese Einstellung ist auch mit verantwortlich, dass in wirtschaftlich schlechteren Zeiten, eher an Entlassungen von älteren Mitarbeitern gedacht wird, als diese im Betrieb zu halten und für den eigenen Bedarf weiter zu qualifizieren. Die Einflussnahme und Gestaltung sowie die Durchsetzung von Forderungen und Zielen müssen an erster Stelle von allen gemeinsam (Gesellschaft, Politik und Wirtschaft) getragen werden. Über alledem steht natürlich der erklärte Wille der Unternehmensleitungen auch in kleinen und mittleren Betrieben.
Führt dies alles nicht zum notwendigen Erfolg, müssen andere verpflichtende Maßnahmen im Interesse der Betroffenen und der Gesellschaft ergriffen werden. Dazu gehören öffentliche, private und kirchliche Betriebe / Unternehmen zu verpflichten, eine prozentual orientierte Mindestanzahl von altersgerechten Arbeitsplätzen zu schaffen. Weil es älteren Arbeitnehmer schwerer fällt, den körperlichen Anforderungen dauerhaft nachzukommen, insbesondere bei Schichtdiensten, sollte darüber hinaus ein betriebliches Gesundheitsmanagement unter Fachberatung verpflichtend eingerichtet werden, um altersbedingte Gesundheitsgefährdungen schon im Vorfeld weitestgehend auszuschließen. Zu einer guten Wirtschaftspolitik gehört neben eine betrieblich geförderte Bildung auch ein positives Betriebsklima zu erzeugen, indem sich eben auch besonders ältere Arbeitnehmer wohl fühlen und ihre Arbeit gerne machen. In einer Zeit, in der die Zahl der Facharbeiter aufgrund der demografischen Entwicklung immer weiter abnimmt, müssen Unternehmen wesentlich mehr Verantwortung übernehmen. Sie müssen mit dafür sorgen, dass ältere Arbeitnehmer besser mit Arbeitsbelastungen und Stress umgehen können.Insofern kann ich dem Infoportal nur zustimmen.
Sehr geehrter Herr Steingrube,
dies alles, was Sie fordern, wäre sehr wünschenswert. Aber es widerspricht der einzigen Maxime, die dem herrschendem Wirtschaftssystem, Kapitalismus – oder auch netter genannt: Marktwirtschaft – zugrunde liegt: Profitmaximierung.
Selbst wenn es gelänge, dem Kapitalismus Zügel anzulegen, also wieder die Soziale Marktwirtschaft zu reanimieren, würde, wenn nicht auch andere gravierende Änderungen vorgenommen werden, es zwar den Älteren Arbeitnehmern wieder besser gehen, aber dafür würden die Jüngeren noch nicht einmal mehr prekär beschäftigt werden; ganz zu schweigen von denen, für die jetzt schon in der kapitalistischen Verwertungsmanischerie kein Bedarf mehr ist.
Nein! Soll es nicht nur einem Teil der Gesellschaft wieder besser gehen, sondern sollen alle Teile der Gesellschaft – und warum nur der unseren! – gut leben können, so brauchen wir weitaus mehr, weit radikalere Änderungen am bestehenden Wirtschaftssystem: Es muß der erwirtschaftete Reichtum – und wir sind insgesamt tatsächlich wesentlich reicher als beispielsweise in den Siebzigern! – deutlich gerechter verteilt werden als dies der Fall ist. Dies erfordert sicher mehr, als lediglich den Spitzensteuersatz auf 50% zu erhöhen und eine Erbschaftssteuer, die den Namen verdient, einzuführen.
Ich will hier nicht weitere Maßnahmen aufführen. Ich will statt dessen die Frage stellen, sind herrschende Gruppierungen (die, denen wir u. a. per Kreuzchen die Macht überlassen) dazu bereit? Ist die Gesellschaft, sind wir dazu mehrheitlich bereit? Was glauben Sie Herr Steingrube?
Glauben Sie die CDU würde solch einschneidende Änderungen anstreben? Oder etwa gar die FDP? Die Grünen? Hoffen Sie auf die SPD?
Ich frage Sie: Wer hat denn in den letzten Jahren/Jahrzehnten, als die Weichen zu den Verhältnissen, die Sie beklagen, gestellt? Wer hat wechselseitig diese Politik, deren Ergebnisse Sie jetzt beklagen, im Bund, in den Ländern, in diesem unseren Land betrieben? Die Antwort ist wohl klar!
Also: Aus dieser Richtung ist nicht eine solche, aber bitter nötige Veränderung zu erwarten. (Aus dieser Richtung erwarte ich höchstens eine weitere Verschärfung der Teilung der Gesellschaft, ein divide et impera – mit allen(!) Mitteln.)
Nein! Eine Besserung muß aus der Gesellschaft initiiert werden. Aber ist die Gesellschaft mehrheitlich dazu bereit? Wie sieht es denn aus?
Noch profitiert ein erklecklicher Teil von den bestehenden Verhältnissen. Sie, vielleicht ein Drittel, werden reicher. Daneben haben diese vor allem auch die Macht, die Mittel, Meinung zu machen. Exemplarisch für dieses Drittel nenne ich die Namen Albrecht, Quandt, Obermann, Markworth, Illner, Miegel und Raffelhüschen. Soll etwa von denen die Änderung kommen? Soll bei denen plötzlich das “Gutmenschentum” reihum(!) ausbrechen?
Was ist mit dem Mittleren Drittel? Die, die auf der Stelle treten. Es geht ihnen zwar seit Jahren nicht besser aber auch nicht schlechter. Sie haben sichere Stellen, ein vernünftiges Einkommen, von dem man sogar hin und wieder was zurücklegen kann. Ihr Alter ist gesichert, geriestert haben sie auch. Natürlich könnte es besser gehen, vor allem weiter aufwärts. Und es schwant ihnen, dass zumindest ihr Nachwuchs wohl etwas mehr kämpfen muß – trotz der guten Ausbildung, die sie ihm ermöglichen, trotz des Vitamins Bs, das sie ihm immer noch bieten können.
Ich habe den Eindruck, dass dieses Drittel sein Heil eher darin sieht, mehr als bisher zu Strampeln, in der Hoffnung, dadurch weiter aufzusteigen und zu den Gewinnern des Bestehenden aufzuschließen. Strampeln bedeutet hier aber: Nach Oben buckeln und nach unten treten. Das Bestehende ganz im Sinne der Oberen heftig zu verteidigen: Höherer Spitzensteuersatz? Straft die Vielleister! Mindestlohn? Vernichtet Arbeitsplätze! Erhöhung des ALG-Satzes? Die kriegen eh zuviel! Längeres gemeinsames Lernen? Mein Kind soll nicht mit den Schmuddelkindern zusammen lernen! (Hamburg) Gewerkschaften? Nicht mit mir! Nur den zu starken Gewerkschaften haben wir unsere jetzige wirtschaftliche Misere zu verdanken! Mehr Staat? Gott behüte? Private machen es immer besser! Und wenn der Markt mal versagt, so war es garantiert der Staat, der die falschen Regeln setzte oder nicht richtig deregulierte (siehe Finanzkrise)!
Soll von diesen Leuten die Änderung kommen?
Was bleibt? Das letzte Drittel. Zumeist die “sozial Schwachen”, “die Bildungsfernen” oder auch nur “die Armen” genannt (verachtet?): Prekär Beschäftigte. Arbeitslose … Selbst wenn diese Veränderung wollten, würde sie von ihnen kommen? Haben sie die nötige Wut – oder weniger hart – den Wunsch? Werden sie nicht vielmehr durch Bild und Glotze dumm gehalten? Werden sie nicht vorsorglich an die Kandare genommen: Repressionssystem Hartz-IV! Wird ihnen nicht jetzt schon von Staats wegen dauernd gedroht: Willst du nicht (der Arme), wie ich will (Fallmanager=Allgott=Staat), so bekommst du eine Sanktion, 30, 60, 100% weniger vom ALG-II-Satz.
Was meinen Sie, Herr Steingrube, haben diese Menschen die Mittel, den Elan, den Mut und vor alllem die Macht, nötige Veränderungen durchzusetzen?
Mit freundlichem Gruß
Werner W.
Hallo Werner W.
Erst einmal herzlichen Dank für die sehr umfangreiche Antwort auf meine Stellungnahme vom 11.08. zum Thema älterer Arbeitnehmer auf dem deutschen Arbeitsmarkt. In den letzten Tagen war ich leider verhindert das Infoportal zu besuchen, so dass ich erst heute eine Antwort geben kann.
Ich bin mir schon im Klaren darüber, dass meine Vorstellungen wie Unternehmen ältere Arbeitnehmer in ihren Unternehmen halten könnten (und auch müssten!) nicht auf besonderes Verständnis bei den allermeisten Personalverantwortlichen stoßen wird. Und doch werden Betriebsräte immer wieder mit „erhobenen Zeigefingern“ daran erinnern müssen, welche Gesamtverantwortung sie gegenüber ihren Mitarbeitern haben. Das Ganze trägt zwar auch einen Hauch von Idealismus in sich, und doch muss dieser Weg nach meinem Verständnis zum Handwerk eines jeden Betriebsrates gehören, der notfalls auch einmal die Handbremse anziehen muss. Es kommt also mit darauf an, wie ich mich als Interessenvertretung gegenüber einer Unternehmensleitung positioniere. Beschränke ich meine betrieblichen Handlungsmöglichkeiten allein auf die Stammbelegschaft, vernachlässige ich zwangsläufig die Interessen der Leiharbeiter. Diese sind aber mit ins Kalkül einzubeziehen. Das muss für alle Beteiligten auch sicht- und spürbar werden. Denn Unternehmer dürfen nicht den Gewinn absolut setzen und der Gewinnmaximierung alles andere unterordnen. Das geschieht schon viel zu oft, und die Menschen leiden darunter. Vor diesem Hintergrund halte ich es für richtig, dass sich die Betroffenen zur Wehr setzen, koordiniert und mit demokratischen Mitteln gemeinsam für das Ziel der Wiedereinführung der sozialen Marktwirtschaft. Allerdings kann ich zur Zeit nicht erkennen, wer sich an die Spitze einer solchen Bewegung setzen könnte. Die Leitmedien tragen den politischen Kurs überwiegend mit. Sie klären nur einseitig und im Interesse des Systems auf. Ich betrachte die Leitmedien daher schon lange nicht mehr als „Aufklärer“ sondern eher als „Verklärer der Globalisierung ohne wirkungsvolle soziale Schutzmechanismen für die gebeutelten Menschen“. Deshalb sind sie auch Handlanger dieses einseitigen politischen Systems.
Die Linke wird noch lange Zeit brauchen, um vereint ins politische Geschehen eingreifen zu können. Vor allem muss sie erkennen, dass vor allem China kein Entwicklungsland mehr ist, sondern einen brutalen und schrankenlosen Finanz- und Wirtschaftskurs gegen die eigene Bevölkerung und fast gegen den Rest der Welt führt.
Die „klassische Sozialdemokratie“ in der ich persönlich aufgewachsen bin und deren Mitglied ich auch Jahrzehnte war, ist unter Schröder längst abhanden gekommen. Die Sozialdemo-kratie hat unter Schröder und Kompagnons wie Steinmeier, Steinbrück, Müntefering und Clement erdrutschartige Verluste hinnehmen müssen. Schröder hat große Wunden in die Herzen vieler Sozialdemokraten gerissen, die noch lange heilen müssen sofern sie überhaupt heilbar sind. Die heute führenden Sozialdemokraten sind die Alten von gestern. Ohne „Rund-erneuerung“ erwarte ich von dieser Partei keine signifikanten politischen Änderungen zugunsten der überwiegend von Altersarmut bedrohten und arbeitenden Bevölkerung. Ebenso wenig von den anderen Parteien im Bundestag. Meine ganze Hoffnung liegt bei den Gewerkschaften, auch wenn dort „dunkle Gestalten“ anzutreffen sind mit denen ich mich nicht solidarisieren könnte. Ich halte sie trotzdem noch für fähig, Massenproteste zu organisieren, die hoffentlich nicht nur lokal begrenzt sein werden, sondern bundesweit organisiert werden.
Ob die betroffenen Menschen bereit sein werden für ihre Interessen auf die Straße zu gehen, wird sich dann zeigen müssen. Dazu bedarf es allerdings auch einer guten Vorbereitung. Nicht nur in den Betrieben, sondern auch in der Öffentlichkeit. Denn die rücksichtslose Gewinnmaximierung geht über die Unternehmen hinaus und hat sich bereits in vielen Teilen unserer Gesellschaft hinein gefressen, die ebenso rücksichtslos ihre Pfründe erhalten wollen.
Die Verschärfung der Einkommensunterschiede hat nicht zuletzt ihre Wurzeln in einer fehl-gesteuerten Politik. Das muss auch denen gesagt werden, die von der „Unterhaltungsindustrie“ abgehalten werden, für ihre ureigensten Interessen ihren Unmut über ihre soziale Situation auf die Straße zu tragen. Es kann nicht sein, dass nur einige Wenige Millionen zu Lasten anderer unter miserabelsten sozialen und unter menschenverachtenden Bedingungen ab-schöpfen. Viele Gewinne sind keine guten Gewinne, weil sie eben auf Kosten der Allgemeinheit erwirtschaftet wurden. Deshalb muss sich die Zivilgesellschaft ebenso auflehnen und die Riesengewinne vieler Unternehmen infrage stellen und sich damit auseinandersetzen. Der Bürger darf dies nicht durchgehen lassen. Der einzige demokratische Weg aus diesem ewigen Kreislauf zu entrinnen, sind soziale Massenproteste.
Gruß
Manfred Steingrube
Hier jetzt zum Thema 50+, Arbeitsmarkt und Gesundheit: http://www.jjahnke.net/rundbr75.html#2105 . Vor allem im kommenden Wochenbrief.
Beste Gruesse
Joachim Jahnke
http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/1037960/
Noch ein kurzer Einwurf zum Wählen/Wahlrecht/Verhältnissen in Deutschland.:
MfG