2084

global news 2084 30-07-10: Arbeitslose viel häufiger im Krankenhaus und in psychischer Behandlung

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Eine Antwort zu 2084

  1. Gaby sagt:

    Hallo miteinander,

    ich war nun eine ganze Weile in Internetforen unterwegs, die sich mit dem Thema „Arbeitslose sind häufiger krank“ beschäftigen, um mir verschiedene Meinungen einzuholen.

    Was ich erfahren habe, bestätigt mich in dem jahrelang in mir gehegten Verdacht, in einer autoritären, sado-masochistischen Gesellschaft zu leben. In der überwiegenden Mehrzahl ist allen Ernstes die Rede davon, dass Arbeitslose durchweg disziplinlos, faul, gelangweilt, antriebsschwach, unmotiviert und unvernünftig sind und den ganzen Tag vor der Glotze in nikotinbraunen Buden abhängen. Selbstredend macht eine solche Verhaltensweise krank, da bedarf es keiner Diskussion.

    Es wird sogar geunkt, diese Menschen seien bereits im Berufsleben unakzeptabel oft krank gewesen, deshalb gefeuert worden und würden nun in den Wartezimmern der Arztpraxen versuchen, ihrem sinnlos gewordenen Leben einen Sinn zu geben.

    Nur wenige Menschen formulieren, dass die Angst vor dem existentiellen Absturz zu psychischen Neurosen und physischen Krankheiten führt und es nicht zur seelischen Stärkung beiträgt, eine Bewerbungsabsage nach der anderen zu erhalten. Manche verweisen darauf, dass die Betreuung der Arbeitslosen durch die Mitarbeiter der Arbeitsämter grobe Verletzungen der Würde des Menschen darstellen und unsere Gesellschaft generell mit Missfallen auf Arbeitslose schaut. Diesen wenigen Menschen bin ich für ihre Ausführungen, die vermutlich wirkungslos verpuffen, dankbar.

    Ich selbst vertrete die Meinung, dass eine kapitalistisch geprägte Gesellschaft, in der das Haben mehr zählt als das Sein, am laufenden Band wirtschaftskonforme, in meinen Augen kranke Seelen produziert, sonst könnte diese Wirtschaftsform, angetrieben durch eine gigantische Werbeindustrie, gar nicht existieren. Hast’e was, dann bist’e was! Im Umkehrschluss gilt: Hast’e nix, dann bist’e nix!

    Wenn sich der Sinn menschlichen Lebens allein auf die Formel Ausbildung – Geldverdienen/Konsum – Rente komprimiert, müssen wir uns nicht wundern, dass diejenigen, die von diesem System nicht mehr gebraucht werden, die aussortiert wurden, jämmerlich krank werden und vermutlich sogar vorzeitig sterben. Es liegt meiner Auffassung nach nicht an den Arbeitslosen, dass sie häufiger krank sind, als berufstätige Menschen, sondern es liegt an diesem inhumanen Gesellschafts- und Wirtschaftssystem, dass die Menschen in eiskalter betriebswirtschaftlicher Logik einteilt in brauchbare und nichtbrauchbare Wirtschaftssubjekte.

    Ich bezeichne solche Gesellschaften, die wir mittlerweile zuhauf auf diesem Planeten finden, als zutiefst autoritär geprägt und bevölkert von frustrierten Menschen, die gar nicht bemerken, wie sadistisch, aber auch masochistisch sie sich untereinander verhalten.

    Schönen Sonntag,

    Gaby

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