Dieser Beitrag wurde geschrieben von am Freitag, 18. Juni 2010 um 10:05 am und eingeordnet unter Globalisierung, soz. Du kannst den Antworten zu diesem Eintrag mit Hilfe des RSS-2.0-Feeds folgen.
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Arbeitslosigkeit, niedrige Löhne und die Entlassung der Arbeitgeber aus dem Solidaritätsverband (Lohnnebenkosten) spülen immer weniger Beiträge in unsere Sozialkassen. Folglich sinkt das Rentenniveau, gleichzeitig wird das Renteneintrittsalter (notgedrungen) herauf gesetzt und die Menschen werden ermuntert, private Altersvorsorge zu leisten, was, gefüttert mit staatlichen Subventionen (Riester & Co.), vor allen Dingen die Versicherer freut.
Ob diese Entwicklung absichtlich herbei geführt wurde, indem man in 2001 China bedingungslos in die WTO aufnahm, oder ob sich die deutsche Politik überrumpelt sieht, lasse ich dahin gestellt. Aber es ist nun mal eine Tatsache, dass Chinas Lohn-, Sozial- und Umweltdumpings starke Hebel sind, unseren Sozialstaat und den Arbeitsmarkt zu schleifen.
Ein Rätsel ist mir allerdings, warum es immer noch etliche intelligente Köpfe gibt, die diesen Zusammenhang nicht sehen bzw. ihn in der Bedeutungslosigkeit verschwinden lassen. Ist es, weil China geographisch gesehen so weit weg ist?
Herr Dr. Jahnke, ich habe eine Frage: Unter Meteorologen ist es usus, Wetterprogramme zu bemühen, das Wetter einigermaßen verlässlich voraus zu sagen. Gibt es ähnliche Software auch unter Ökonomen? Wenn ja, kann es doch gar nicht so schwer sein, künftige Wirtschaftsentwicklungen zu erahnen.
Wetterprogramme gibt es nicht, aber das Einmal-Eins der Volkswirtschaft von Angebot und Nachfrage ist ziemlich primitiv und sollte selbst einer naturwissenschaftlich verbildeten Bundeskanzlerin zu vermitteln sein. Außerdem kann man aus der Vergangenheit viel lernen und auch aus den vorhandenen festen Trends.
Ja, Kapitalismus ist simpel! Der Gewinn des einen ist immer der Verlust des anderen. So funktioniert die kapitale Volkswirtschaft. Deshalb kam es immer und kommt es heute auf ökonomische Ausgeglichenheit an. John M. Keynes hat diese Einfachheit erkannt, wenn er auch gleichzeitig den Kapitalismus zu Recht verhohnepiepelte.
Diese simple Ausgewogenheit ist aber noch lange nicht in den Köpfen unseres Establishments angekommen, auch in Merkels nicht, auch nicht im deutschen Volk.
In Deutschland gilt: Wir nehmen mit, was wir kriegen. In der Vokabel „kriegen“ steckt das Wort „Krieg“ drin.
Es sind doch die anderen Länder selbst Schuld, wenn sie sich verschulden, um Waren mit dem Prädikat „Made in Germany“ abzugreifen. Niemand kann uns verbieten, unsere Qualitätsprodukte, an denen die ganze Welt genest, zu exportieren. Das stärkt unsere Wirtschaft, das schafft Arbeitsplätze, das ist sozial gerecht, sozial ausgewogen und alternativlos. Wir müssen Sieger sein und gegen jedes andere Land auf dieser Erde in selbstmörderische Konkurrenz treten. Das ist sozial! Das erzwingt unser Wirtschaftssystem.
Der liberale Markt erzwingt, sich China zu stellen, damit wir wettbewerbsfähig bleiben. Dazu gehört ganz automatisch, die deutschen Löhne zu drücken, den Niedriglohnsektor auszuweiten, Volltags- in Halbtagsstellen umzuwandeln, nur noch, wie in meiner Firma geschehen, befristete Ein-Jahresverträge mit 20 % Gehaltsabschlag auch an Akademiker zu vergeben, in dem Vertrauen, dass sich der Deutsche nach preußischer Manier, die auf Jeremy Benthams Selbstkontroll-Panoptiken basieren, so sehr in der Pflicht fühlt, seinen Job zu tun, dass er seine Arbeit entweder in 4 Stunden täglich schafft oder per endloser, unbezahlter Überstunden. Zweite Variante nennt sich heutzutage im Angestelltenbereich Home-Office (spart Kosten, weil ein Arbeitsplatz in der Firma entfällt, da daheim installiert).
Nein, ich bin kein Freund dessen, was ich gerade schrieb. Aber es ist mein beruflicher Alltag, den ich in knappen Worten zusammenfasste.
Viele meiner KollegenInnen stecken da drin, in diesen Home-Office, sind also 24 Stunden täglich verfügbar, kriegen aber nur ihr Grundgehalt, weil das Home-Office auf Vertrauensarbeitszeit basiert. Ich bekomme viele Mails auf meinen stationären Bürocomputer, die um 23.00 Uhr, gar um 2.00 Uhr in der Nacht abgeschickt wurden, nur, um den Besprechungsraum meiner Abteilung für den Tag X zu reservieren oder mich gegen 4.30 Uhr in der Frühe anzuweisen, die Hotelorganisation der Konferenztruppe XXX zu organisieren. Die Homeoffice-Menschen arbeiten rund um die Uhr, ich seit dem 1. Nov. 2009 nur noch von 8.00 bis 12.00 Uhr an meinem gewerblichen Arbeitsplatz.
Der Deutsche, das spüre ich an mir selbst und komme emotional und real nicht aus diesem innerlich gefühlten Pflicht-Gefängnis heraus, weiß sich derart pflichtbesessen, dass er, obwohl er die immer mehr zunehmende zugewiesene Arbeit nicht schaffen kann (!!!), sich abstrampelt, sie doch zu schaffen und sei es um den Preis eines Nervenzusammenbruchs, gar längerer Aufenthalte in Nervenkliniken im Falle eines meiner männlichen Kollegen, der nun schon seit knapp einem Jahr behandelt wird.
Frau Merkel sollte sich herab bewegen in den bundesdeutschen Arbeitsalltag. Da würde sie merkeln, was hier alles schief läuft, um einst Exportweltmeister gewesen zu sein und jetzt Vize.
Es ist Krieg, Deutschland gegen China wirtschaftlich in Stellung zu bringen. Deutschland wird, sofern China nicht vom Dumping ablässt, ebenso wie das nunmehr sparsame Europa, diesen Wirtschaftskrieg verlieren mit allen ekelhaften sozialen Konsequenzen, die damit einher gehen, siehe Weltwirtschaftskrise 1929 ff.
Schönen guten Tag,
Arbeitslosigkeit, niedrige Löhne und die Entlassung der Arbeitgeber aus dem Solidaritätsverband (Lohnnebenkosten) spülen immer weniger Beiträge in unsere Sozialkassen. Folglich sinkt das Rentenniveau, gleichzeitig wird das Renteneintrittsalter (notgedrungen) herauf gesetzt und die Menschen werden ermuntert, private Altersvorsorge zu leisten, was, gefüttert mit staatlichen Subventionen (Riester & Co.), vor allen Dingen die Versicherer freut.
Ob diese Entwicklung absichtlich herbei geführt wurde, indem man in 2001 China bedingungslos in die WTO aufnahm, oder ob sich die deutsche Politik überrumpelt sieht, lasse ich dahin gestellt. Aber es ist nun mal eine Tatsache, dass Chinas Lohn-, Sozial- und Umweltdumpings starke Hebel sind, unseren Sozialstaat und den Arbeitsmarkt zu schleifen.
Ein Rätsel ist mir allerdings, warum es immer noch etliche intelligente Köpfe gibt, die diesen Zusammenhang nicht sehen bzw. ihn in der Bedeutungslosigkeit verschwinden lassen. Ist es, weil China geographisch gesehen so weit weg ist?
Herr Dr. Jahnke, ich habe eine Frage: Unter Meteorologen ist es usus, Wetterprogramme zu bemühen, das Wetter einigermaßen verlässlich voraus zu sagen. Gibt es ähnliche Software auch unter Ökonomen? Wenn ja, kann es doch gar nicht so schwer sein, künftige Wirtschaftsentwicklungen zu erahnen.
Bis denne,
Gaby
@Gaby,
Wetterprogramme gibt es nicht, aber das Einmal-Eins der Volkswirtschaft von Angebot und Nachfrage ist ziemlich primitiv und sollte selbst einer naturwissenschaftlich verbildeten Bundeskanzlerin zu vermitteln sein. Außerdem kann man aus der Vergangenheit viel lernen und auch aus den vorhandenen festen Trends.
Beste Gruesse
Joachim Jahnke
@globalnote and all,
Ja, Kapitalismus ist simpel! Der Gewinn des einen ist immer der Verlust des anderen. So funktioniert die kapitale Volkswirtschaft. Deshalb kam es immer und kommt es heute auf ökonomische Ausgeglichenheit an. John M. Keynes hat diese Einfachheit erkannt, wenn er auch gleichzeitig den Kapitalismus zu Recht verhohnepiepelte.
Diese simple Ausgewogenheit ist aber noch lange nicht in den Köpfen unseres Establishments angekommen, auch in Merkels nicht, auch nicht im deutschen Volk.
In Deutschland gilt: Wir nehmen mit, was wir kriegen. In der Vokabel „kriegen“ steckt das Wort „Krieg“ drin.
Es sind doch die anderen Länder selbst Schuld, wenn sie sich verschulden, um Waren mit dem Prädikat „Made in Germany“ abzugreifen. Niemand kann uns verbieten, unsere Qualitätsprodukte, an denen die ganze Welt genest, zu exportieren. Das stärkt unsere Wirtschaft, das schafft Arbeitsplätze, das ist sozial gerecht, sozial ausgewogen und alternativlos. Wir müssen Sieger sein und gegen jedes andere Land auf dieser Erde in selbstmörderische Konkurrenz treten. Das ist sozial! Das erzwingt unser Wirtschaftssystem.
Der liberale Markt erzwingt, sich China zu stellen, damit wir wettbewerbsfähig bleiben. Dazu gehört ganz automatisch, die deutschen Löhne zu drücken, den Niedriglohnsektor auszuweiten, Volltags- in Halbtagsstellen umzuwandeln, nur noch, wie in meiner Firma geschehen, befristete Ein-Jahresverträge mit 20 % Gehaltsabschlag auch an Akademiker zu vergeben, in dem Vertrauen, dass sich der Deutsche nach preußischer Manier, die auf Jeremy Benthams Selbstkontroll-Panoptiken basieren, so sehr in der Pflicht fühlt, seinen Job zu tun, dass er seine Arbeit entweder in 4 Stunden täglich schafft oder per endloser, unbezahlter Überstunden. Zweite Variante nennt sich heutzutage im Angestelltenbereich Home-Office (spart Kosten, weil ein Arbeitsplatz in der Firma entfällt, da daheim installiert).
Nein, ich bin kein Freund dessen, was ich gerade schrieb. Aber es ist mein beruflicher Alltag, den ich in knappen Worten zusammenfasste.
Viele meiner KollegenInnen stecken da drin, in diesen Home-Office, sind also 24 Stunden täglich verfügbar, kriegen aber nur ihr Grundgehalt, weil das Home-Office auf Vertrauensarbeitszeit basiert. Ich bekomme viele Mails auf meinen stationären Bürocomputer, die um 23.00 Uhr, gar um 2.00 Uhr in der Nacht abgeschickt wurden, nur, um den Besprechungsraum meiner Abteilung für den Tag X zu reservieren oder mich gegen 4.30 Uhr in der Frühe anzuweisen, die Hotelorganisation der Konferenztruppe XXX zu organisieren. Die Homeoffice-Menschen arbeiten rund um die Uhr, ich seit dem 1. Nov. 2009 nur noch von 8.00 bis 12.00 Uhr an meinem gewerblichen Arbeitsplatz.
Der Deutsche, das spüre ich an mir selbst und komme emotional und real nicht aus diesem innerlich gefühlten Pflicht-Gefängnis heraus, weiß sich derart pflichtbesessen, dass er, obwohl er die immer mehr zunehmende zugewiesene Arbeit nicht schaffen kann (!!!), sich abstrampelt, sie doch zu schaffen und sei es um den Preis eines Nervenzusammenbruchs, gar längerer Aufenthalte in Nervenkliniken im Falle eines meiner männlichen Kollegen, der nun schon seit knapp einem Jahr behandelt wird.
Frau Merkel sollte sich herab bewegen in den bundesdeutschen Arbeitsalltag. Da würde sie merkeln, was hier alles schief läuft, um einst Exportweltmeister gewesen zu sein und jetzt Vize.
Es ist Krieg, Deutschland gegen China wirtschaftlich in Stellung zu bringen. Deutschland wird, sofern China nicht vom Dumping ablässt, ebenso wie das nunmehr sparsame Europa, diesen Wirtschaftskrieg verlieren mit allen ekelhaften sozialen Konsequenzen, die damit einher gehen, siehe Weltwirtschaftskrise 1929 ff.
Gaby