1979

global news 1979 18-04-10: Die unglaubliche Schweinerei des Geldhauses Goldman, Sachs & Co.

9 Antworten zu 1979

  1. georgi sagt:

    Sind synthetische Wertpapiere denn etwas anderes als die sogenannten Zertifikate? Solche Papiere wurden doch mit unglaublich hohen Provisionen (etwa 7%) begeben, damit Drücker und Bankinstitute Rentnern diese Papiere bevorzugt aufschwatzen, Diese sogenannten Zertifikate sind unglaublich kompliziert konstruiert, und hatten irgendeinen Haken, mit dem man diese Rentner ganz in Ruhe abzocken konnte.

    Wenn man jetzt die Goldmänner verurteilt, dann müßte man doch wohl auch Sparkassen, Anlageberater und andere Finanzdienstleister verurteilen.

    • globalnote sagt:

      @georgi,

      Ja, die sind etwas ganz anderes, weil keine Werte hinterlegt sind und diese Papiere nur an institutionelle Anleger verkauft wurden, die damit auf die Werthaltigkeit der Papiere spekulieren konnten, während sie auch noch einen Zins bekamen.

      Sparkassen etc. haben solche Papiere nicht gestrickt und konnten daher auch nicht wie Goldman betrügen, jedenfalls nicht mit solchen Papieren und schon gar nicht in solchem Umfang.

      Beste Grüße
      Joachim Jahnke

      • georgi sagt:

        Lieber Herr Dr. Jahnke!

        Hinter Zertifikate stehen auch keine Werte. Zertifikate sind schlicht Anleihen mit z.T. undurchschaubaren Konditionen, die sich aus Parametern des Marktgeschehens (etwa Ölpreis, bestimmten Aktienkursen etc.) ergeben, wo man aufpassen muß, daß man nicht hereingelegt wird.

        Sparkassen etc.

        haben vielleicht sowas nicht gestrickt aber in beträchtlichem Umfange an unbedarfte Kunden verkauft.

        Daß Banken mit Leerverkäufen und anderen Arten von Manipulationen dafür sorgen, daß begebene Wertpapiere wie Optionsscheine und Zertifikate ihren Wert verlieren, damit sie nicht soviel zurückzahlen müssen, hielt ich für ein offenes Geheimnis.

      • globalnote sagt:

        @ georgi,

        Ich denke, daß Sie hier zu viel zusammenwerfen. Es geht bei GS um einen Betrugsfall mit offensichtlich nachweisbarem Täuschungsmanöver bei der Darstellung der CDOs, die auf die Werte von RBMS aufbauen. Damit wurden Schulden aus Hypotheken international handelbar gemacht.

        Die Sparkasse kann einen solchen Betrug nicht begehen, weil sie solche CDOs nicht selbst strukturiert. Da kann höchstens mal ein krummer Anlageberater auftreten, der unbedingt seine Provision verdienen will. Das ist dann aber in einer ganz anderen Dimension.

        Auch geht es hier nicht nur um Leerverkäufe oder shorten. Sie müssen wirklich meinen Rundbrief noch einmal lesen. Goldman hat ein Wertpapier herausgebracht mit einem Prospekt, das total verheimlichte, daß der Sponsor Paulson gegen das Papier wettete und Goldman nur veranlaßte, gegen Bezahlung das Papier auf den Markt zu bringen, um dann dagegen zu wetten. ACA galt bei den Kunden als Bürge für die Qualität des Papiers, doch wurde ACA von Goldman vorgespiegelt, daß Paulson selbst einen riskanten Teil des Papiers erwerben würde, so daß ACA die Auswahl der RMBS durch Paulson im Wesentlichen ebenso getäuscht akzeptierte.

        Was Sie da ein offenes Geheimnis nennen, ist mir nicht klar. Welche Bank in Deutschland hat denn Wertpapiere selbst entwertet??

        Man muß auf diesem schwierigen Feld mit Behauptungen sehr vorsichtig sein.

        Beste Grüße
        Joachim Jahnke

  2. Wilf sagt:

    Selbst bei so “einfachen” Produkten wie Optionsscheinen hat der Anleger nur 33% Chance, dass er richtig liegt. In 67% der Fälle macht er Verlust, weil der Kurs in die falsche Richtung läuft oder stagniert, wobei der Zeitwert (Vola) abgebaut wird. Diese Erkenntnis hat mich 15000 DM gekostet. Seitdem meide ich jegliche Finanzmarktprodukte, wo laufende Provisionen anfallen oder die wettähnlichen Charakter haben. In einer Spielbank ist die Chance mit Farbe zu gewinnen, wesentlich höher.

  3. Bank, Banker, Banksters…

    Ich habe seit Anbeginn des bank crunches die ursächlichen Banker als Bankster bezeichnet und wurde dafür von vielen Weichzeichnern für unseriös erklärt. Manche Beiträge wurden nicht freigeschaltet (hier immer!), weil es eine die ganze Branche beleidigende Verfehlung sei, die Gangster als solche zu bezeichnen. Ich habe dies dennoch nicht gelassen und nicht anonym und auch nicht, um Schaum zu schlagen, weiter getan; die Gangster des Finanzwesens gab es und sie gibt es; Madoff und Goldman Sachs sind nur der kleinste Teil der Spitze eines vielschichtigen Eisberges, dessen immense und unförmige Masse zu mehr als 90% nie sichtbar wird.

    In James K. Galbraith, US economist, hatte ich bereits vor mehr als einem Jahr jemanden gefunden, der passend und griffig formulierte:


    “…as long as the old management is in place, there are no incentives to cooperate in the evaluation you need to make.”

    “There was clearly a systematic failure. But that does not mean there was no criminal energy around.”

    “When a bank is insolvent, the incentives for normal banking practice disappear. They become perverse.”

    Ergo, altes Management muß zwingend entfernt werden! Kriminelle Energie war/ist Teil des Systemfehlers; insolvente Banken verhalten sich pervers, die Bankfunktion per se ist nicht mehr gegeben.

    Klar muß allerspätestens jetzt auch dem naivsten aller Außenstehenden sein: Ackermanns 25% Renditeziel und zum Beispiel die tatsächlich enormen GS Gewinne (>3.4 Milliarden in 90 Tagen) fußen zu 99% auf oben, nicht auf der Banksters Beteiligungen an Auto- oder Flugzeugherstellern, irgendwelcher Kreditvergaben oder dem Verwalten von Sparguthaben; diese Macht, solche Gewinne quasi selbst gestalten zu können begründet auch Einladungen ins Kanzleramt, wunderschöne Geburtstagsfeten oder einen Platz in Obamas Team.

    In diesem Stadium der Abhängigkeit von perversen Banken befinden wir uns noch immer, tatsächlich sogar immer mehr! Wir mögen nun mit der Aufarbeitung im Kleinen beginnen, mit einer schlappen Milliarde von GS hier und ein paar solchen, die mit Lehman, Lynch oder Stearns untergingen; in der Zwischenzeit aber werden uns currency und credit crunch global einholen und den Schaden an lange gewachsenen wirtschaftlichen Strukturen immens und größtenteils unumkehrbar weiter erhöhen.

    Neue Banken, regenerierte Regeln, neues Geld, in vielen Fällen sogar neue Währungen werden dringend benötigt. Das richtet keiner der Märkte, das muß getan, gemacht, geschaffen werden: heute, Morgen früh!

    Aufarbeiten ist richtig und gut aber Arbeit und Arbeiten ist überlebenswichtig während eine Genugtuung zunächst darin zu suchen wäre, die TBTF-, too-big-to-fail, Abhängigkeit schleunigst und definitiv zu beenden.

    Happy Sunday!

    caw

  4. Paten sagt:

    Guten Tag. Als der US-Häusermarkt ab 2000 künstlich von den Bank- und Versicherungslobbyisten zum Boomen gebracht wurde, damit die Kreditblase immer wieder abzweigbare Bankgewinne generiert, die Risiken aber beim Kreditnehmer belässt, stiegen bis Ende 2007 die Häuserpreise an. GS beschäftigte Hunderte Mitarbeiter in diversen Abteilungen , die Hypothekenkredite verkauften, Grundstücke handelten, Hypokreditberatungen durchführten, CDS und CDO verkauften. Die CDS-Wetten, die jeder Anleihezeichner in einen Immobilienfond als Absicherung mitbekam, hatten in einem langfristig boomenden Markt praktisch keine Bedeutung, denn sie waren ja auf Rückzahlungsausfall gerichtet.

    Der Anleihezeichner, von dem die Bank Geld für den Ankauf von gebündelte (verbrieften) Hauskrediten nahm, konnte nun auf Zinszahlungen der eigentlichen Kreditnehmer, bei deren Ausfall durch die GS-CDS-Wetten, vertrauen. Je mehr sich GS als größte US-Bank mit Milliarden in den Hauskreditmarkt einschaltete und Geld generierte und investierte, desto größer wurden auch die Verbindlichkeiten aus den den Anlegern mitgelieferten CDS.

    Ende 2007 mehrten sich die Anzeichen, dass der übersättigte Markt umkippen würde. Immerhin hatten inzwischen 50 Millionen (!) Haushalte Hauskredite, neben den anderen für Auto, Kreditkarten, Studium, Geschäftsaufbau. Wenn mehr Geld pro Zeiteinheit geschuldet wird als erarbeitet, dann platzen die Rückzahlungen und der Versicherer, hier neben AIG auch GS über die CDS, ist dem Kreditgeber/Anleihezeichner verpflichtet, zu denen ja auch die deutschen Kapitaleigner über die privaten Deutsche Bank, Dresdner und Commerzbank sowie die bekannten staatlichen Pleitebanken wie HRE usw. gehörten. GS zentralisierte also alle Positivwetten (Immobilienpreise steigen) seiner Trader, die beim einbrechenden Markt verloren werden mussten, in einem Konto und baute die Fiktion eines Großinvestors (Abacus) in langfristige CDO, machte für neue Anleger die Show auf weiter steigende Hauspreise, worauf die stärksten Investoren angeblich vertrauen würden. Die hereingelegten Anleger kauften jetzt Wetten auf steigende Preise, von denen sie ja profitieren wollten und GS hielt natürlich die Gegenwette auf sinkende Preise. Letztere traten beim Blasenplatzen ein, die Anleger verloren rechtmäßig ihre Einlagen als Wettverlierer und GS machte 1 (weitere) Mrd. $ gut. Nur dass eben herauskam, dass in den Abacus-Fond gar kein Großinvestor investierte, von vornherein also für GS klar zu sein schien, dass alles wegen der Zahlungsausfälle aus den gekauften Hauskrediten verloren geht und somit die Investoren vorsätzlich gelinkt wurden, was zur Anklage durch die SEC führte.

    Und alle wundern sich, wie die US-Banken so schnell aus der Krise kamen und die Staatskredite zurückzahlten, um keiner Kontrolle mehr zu unterliegen. Denkt man so bei allen Großbanken, dann kann das nur die Spitze des Eisbergs gewesen sein. In DE denkt man auch schon über Klagen nach. Da kommt noch was nach hinsichtlich Finanzkontrollen, Strafen und Übernahmen. Die Messer sind gewetzt. Nur die globalen Verlierer dieses Finanzterrorismus werden nicht entschädigt sondern arbeitslos und hungrig.

    MfG

  5. heiner sagt:

    In Anlehnung an die Alien Filme mit S.Weaver gilt doch wohl im Vergleich momentan noch: Wenn der vermeindlich erste Kopf abgeschlagen ist, wachsen zwei oder mehrere nach.Stiglitz neues Buch mit dem legitimen Titel:Im Freien Fall; bedeutet ja auch nichts anderes als das nur eine Radikalkur helfen könnte.Die Vorzeichen(nach der neuerlichen Sachs/Goldmann Reinkarnation) stehen aber auf:The Show goes on!Dumm geblieben und nichts dazu gelernt
    MfG

  6. Reinhard sagt:

    Ich möchte in dem Zusammenhang nur auf einen heutigen Meinungsbeitrag in der durchaus staatstragenden Washington Post unter dem Titel “seize the yachts” (Beschlagnahmt die Jachten) hinweisen:
    http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2010/04/22/AR2010042204208.html?wpisrc=nl_opinions

    Darin wird die These vertreten, daß das Bankwesen relativ schnell wieder auf vernünftige Füße käme, wenn man die persönliche Haftung der Vorstandsmitglieder und Akteure wieder einführen würde. Warum muß man das erst aus Amerika hören?

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