1741

Gedanken zur Zeit 1741 14-04-10: Keine Überraschung: BILD fest hinter dem FDP-Steuerkonzept – Doch das ist schädlich für Deutschland und die BILD-Leser

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5 Antworten zu 1741

  1. Georg Hausmann sagt:

    der … Plan belohne alle, die früh aufstehen und fleißig seien …

    Jawohl, so sieht es aus. Jetzt weiss man endlich, wie die wahre Belohnung aussieht, für jemanden, der früh aufsteht und fleissig ist. Weil er so dumm ist, bekommt er garnix! Kohl hatte ja auch schon erkannt, dass nicht Arbeit, sondern Leistung sich wieder lohnen muss. Und die FDP ist nun einmal für die Leistung. Und Leistung fängt bei 1 000 000 im Jahr an.

  2. Gaby sagt:

    Schönen Tag in die Runde,

    ich bewerte den BILD-Kommentar so:

    Es wird an die historisch gewachsene Tatsache erinnert, dass der Kapitalismus in erster Linie eine Ideologie liberaler, männlicher Herrenmenschen ist. Für denjenigen bzw. diejenige, die das nicht so interpretiert, bleibt die unmissverständliche Option der zwieträchtigen Teilung des Volkes in Fleißige und Faule, womit wir wiederum bei den Wurzeln des Kapitalismus wären. Fazit: Seit rund 350 Jahren hat sich die Basis des Kapitalismus nicht modernisiert; sie ist zuverlässig liberal = asozial geblieben.

    Eines der grundlegenden ideologischen Probleme des Kapitalismus ist, dass es zwei Arten von Arbeit gibt. Die eine wird entlohnt, die andere nicht. Sehr rasch haben die Männer vor Jahrhunderten die Lohnarbeit unter sich aufgeteilt und den Frauen die zwar nötige, aber doch ehrenrührige, weil nicht entlohnte Hausarbeit, Kinderaufzucht, Pflege der kranken und alten Familienmitglieder zugeschoben. Das ist bis heute mehrheitlich so geblieben.

    Der BILD-Kommentar lobt zwar das frühe Aufstehen, bezieht es aber, ganz im kapitalisitischen Sinne, nur auf die Lohnabhängigen. Von Hausfrauen und Müttern, gar Omas und Opas, die morgens früh raus müssen, um die Familie zu versorgen, ist in kapitalistisch logischer Abfolge nicht die Rede. Seit ungefähr 300 Jahren gilt die Losung: Frau = Natur, Mann = Kultur und Fortschritt. Das impliziert nun wiederum, dass Frauenarbeit generell eine faule, läppische, gar verwilderte Angelegenheit ist, mit der der kultivierte Mann nichts zu tun haben will.

    Selbstverständlich mahnt die liberale BILD Steuersenkungen an. Für Liberale gilt seit jeher, dass Steuern verhasste Geschenke an den Staat sind und nicht umgekehrt, dass staatliche, steuergestützte Leistungen sozialerhaltende Notwendigkeiten für das einfache, lohnabhängige Volk sind. Der Liberalismus hat sich vor rund 350 Jahren als Opposition gegen den Absolutismus gebildet. Gleichfalls bilden sich die Liberalen jedoch seit ihren Anfängen ein, ihrerseits schalten und walten zu können, wie absolutistische Herrscher. Westerwelle, Sarrazin, Sloterdijk, Henkel, aber auch Clement und Müntefering und wie sie alle heißen, sind die populärsten Beispiele für derart grotesk polterndes Spalt-Verhalten in einer (Schein)Demokratie; von vielen Unternehmern und Spekulanten ganz zu schweigen!

    Doof sind die Kommentatoren der BILD keinesfalls; die wissen, was sie tun. Wenn die Erinnerungen an das Wesen des Kapitalismus beim Leser nicht fangen, so fängt doch immerhin die Saat der ausgeworfene Stänkereien, ein Terrain, das dem Kapitalismus und seinen liberalen Architekten von jeher so eigen ist, wie dem putzigen Igel seine Stacheln.

    Bis demnächst,

    Gaby

    • Georg Hausmann sagt:

      Es gibt da ein Werk von einem “Johann Jakob Bachofen: Mutterrecht und Urreligion.” Krömer Verlag, Leipzig, 1927. Dies Werk kommt aus der ach so bösen sozialistischen Schweiz. Ich fand es durch Zufall bei dem Müll, den ein Nachbar in den Spermüll geworfen hat. Bücher sollte man so nicht behandeln.
      In diesem Werk werden gewisse Dinge beleuchtet, die eigentlich jedem auffallen müssten, der nicht der christlichen Indoktrination völlig erlegen ist, das werden wohl genügend viele sein. Kurzum, wie auch leicht nachzuforschen, es herrschten früher stets die Frauen, sie entschieden auch, welches Kind weiterkommt. Die Männer waren ohnehin für die Unterstützung der Familie nutzlos, höchstens für den Nachwuchs, denn ohne geht es halt nicht. Aber dann fuhren sie wieder ihren männlichen Abenteuern nach und bezwangen Meeresungeheuer und retteten Jungfrauen aus den Höhlen, wo der Drachen lebte.
      Selbstverständlich heisst es heute als Kritik, dass dies längst widerlegt sei und die Wissenschaft habe wesentliche Teile der damaligen Erkenntnis nicht bestätigen können. Wohlan, jeder kann sich selbst informieren über Patriarchat und Matriarchat, über Erbrecht in mütterlicher oder väterlicher Linie. Irgendwann sollte es auch dem Verknöchertsten auffallen, dass wir hier irgendwo schief liegen. Schon Cartago musste zerstört werden, später Ägypten, weil es nicht den anmassenden Ansprüchen der Männerherrschaft, der Intolereanz pur, die solch eine Herrschaft mit sich bringt, genügen konnte. Was fehlte, war noch die Entwicklung der monotheistischen, alleinseligmachenden Religion. Eine nach der anderen entstand, aber offensichtlich nicht aus religiösen Gründen, sondern zur Machtausübung. Damit konnten gewisse Herren wunderbaren Reichtum anhäufen, bis heute. Denn der Pfennig der vielen Armen wird zum Palast des Einen. Und vor allem kann der Herrscher dann hier und dort ein wenig “helfen”, wie grosszügig.
      Meiner Meinung nach sollte man diesen sexistischen Kampfplatz verlassen und dorthin sehen, wo das Problem wirklich liegt: In der Unterdrückung aller normalen Lebensäusserungen durch “Angsterzeugung”. (Auf die gegenwärtige Päderasmusdiskussion möchte ich nicht verweisen)
      Falls es interessiert, es gibt einen Mann, (wieder mal keine Frau), der sich dieses Themas angenommen hat. Er heisst Karlheinz Deschner und schreibt sein Leben lang an dem Werk “Kriminalgeschichte des Christentums”, bisher sind von den 10 Bänden bereits neun erschienen. 5.000 Seiten unwiderlegbare Dokumentation, trotz aller Anfeindungen und Rechtsanwälte.
      Ich habe übrigens bisher nicht bemerkt, dass Frauen bzw. Mütter zu solch männlicher Intoleranz überhaupt fähig sind. Irre ich mich?

  3. Paten sagt:

    Guten Abend. Ich hab das FDP-Ding mal auf’s Monatsgehalt umgerechnet und für Stufe V= 1, 3,5 und 100 Mio. € Jahreseinkommen veranschlagt und alle in die gesetzliche RV,KV, PflV, ALV geschickt.

    Zu beachten ist auch, dass die Steuern-%% nur auf die Beträge in der jeweiligen Stufe anzuwenden sind, so dass die Beträge der höheren Stufen zu summieren sind, was daher ein anderes Steuer-% als da von der FDP angegebene ergibt (0;14;25;35;42;45%). Ich hab das auf die Höchstbeträge pro Stufe umgelegt,was also die maximale Steuer jeder Stufe ergibt.

    Mehr Netto vom Brutto?

       Brutto       max.	nach 	        Netto
      p.M. max.     ESt.    ESt.      nach SV = 19,925% 
    
    0       667   	0%         667       534,10     80%
    I     1.042 	5%         989       781,67     75%
    II    2.917  	18%      2.395     1.814,35     62%
    III   4.417  	24%      3.371     2.490,50     56%
    IV   20.894 	38%     12.928     8.764,35     42%
    V    20.894 	45%     11.492     7.328,66     35%
    V    83.333 	43%     47.269    30.664,92     37%
    V   291.667	45%    161.852   103.737,84     36%
    V 8.333.333   	45%  4.584.769 2.924.352,42     35%
    

    Bis Stufe III sind alle AN im Bereich der gesetzlichen Beitragsbemessungsgrenzen und das ist die große Masse der Konsumenten, deren Einkommen für die MWst und Akzisen und damit für die Sozialtransfers benutzt wird. Die Niedrigstlöhne sind auf ALG-II Niveau, brauchen eher selbst Sozialleistungen und zahlen dennoch Steuern dafür? Hier wird auch kaum gespart.
    Ab Stufe IV beginnen die Großverdiener, die schon aus Ersparnisse und Vermögensanlagen Einkommen erzielen, welches nicht zum normalen Lebensunterhalt nötig ist und viel schneller wächst als.

    Einkommenserhöhungen innerhalb einer Stufe und über alle Stufen führen nach Abzug von Steuern und SV sichtbar stets prozentual zu weniger Netto vom Brutto. Früh aufstehen für Lohnerhöhungen? Springt man mit 100 € über die Stufengrenze, ergibt das 5 € mehr Netto. Diese kalte Progression wollte die FDekadentP doch vermeiden?

    Gerade unter dem Aspekt, dass man die Inflation noch abziehen muss, reicht das nicht. Auch hier eine Mogelpackung.

    Und: Was nützt diese Vereinfachung der Steuersätze, wenn das gesamte System der Ausnahmen, Subventionen und Rückerstattungen an die Superreichen in Kraft bleibt? Eben nicht grundgesetzkonform, wenn Vermögensbildung von unten nach oben befördert wird, dann dieses Vermögen und seine Erträge aber nicht mehr dem Allgemeinwohl verpflichtet sind.

    Und: Ein Mindestlohn von 10 € *160 Ah/Monat = 1.600 € Brutto. Da wären alle in der Stufe-3 mit etwa 1.100 netto (68%).

    Die Partei der sozialen Schere macht hier wieder ihren Schnitt bei der großkopferten Klientel, denen sie ja keine Ggegenfinaziereung abverlangt, wenn man nicht Not leidenden Hoteliers die Mehrwertsteuer auf Einkommen um 12% erläßt, aber dem Niedrigstlöhnern den volle Satz zahlen läßt.

    MfG

  4. Gaby sagt:

    Guten Tag Georg Hausmann und mitlesende Wegbegleiter,

    in den letzten Monaten habe ich mich fast ausschließlich mit diesem Dingsbums beschäftigt, das wir Kapitalismus nennen, also Entstehung, Entwicklung und, was diese Ideologie aus den Menschen macht und die Menschheitsgeschichte vor allem der letzten 250 Jahre von einer ökonomischen wie militärischen Katastrophe in die nächste trieb und noch treibt.

    Es steht außer Frage, dass wir es heute mit einer ungeheuren Geschichtsklitterung zu tun haben. Die Geschichte der Menschheit wurde gezielt im Sinne des Kapitalismus umgeschrieben. So kommt es, dass uns das Mittelalter als kalter, dunkler, gewalttätiger Orkus vermittelt wird, dessen Erlösung die „Moderne“, also der Kapitalismus ist. Seither geht es uns allen angeblich besser als je zuvor; wir leben in der schönsten aller Welten. Bei näherer Betrachtung stimmt das ganz und gar nicht! Im Gegenteil: Der Kapitalismus hat der Menschheit so ziemlich die mieseste aller Lebenswelten eingebrockt. Die meiste Zeit der letzten 400 Jahren waren die Menschen erbärmliche Kartoffelfresser, für die das Strammstehen und sich erschießen lassen sogar dionysische Highlights waren. Pfui deibel, kann ich da nur spucken!

    Höchst verblüfft war ich, als ich las, dass sogar die Märchen der Gebrüder Grimm noch zu deren Lebzeiten mehrfach im Sinne des Kapitalismus umgeschrieben wurden. Die meisten dieser Märchen sind gar keine Volksmärchen, sondern wurden von diesen Burschen erfunden. Heute lehren die Grimm’schen Märchen vor allem Demut, Gehorsam, Verlässlichkeit, Aufrichtigkeit, Genügsamkeit und das dankbare Annehmen auch des widerwärtigsten Schicksals – also preußische Tugenden. Das sind genau die Eigenschaften, die die Unternehmer der letzten 400 Jahre an ihren Lohnsklaven schätzten und die heute, nach dem Untergang der für uns angenehmen Keynesianischen Ära, wieder modern werden.

    Es ist unglaublich, was sich solche Männer wie Mandeville, Hobbes, Malthus, Bentham, Rousseau, Descartes aber auch Gobineau, Kant, Nietzsche etc. pp. alles haben einfallen lassen, die Menschen nicht nur bestialischer als jedes Ungeheuer darzustellen, sondern gleichzeitig lieferten sie auch das Material, die „widerspenstigen“ Menschenhunde in den Kapitalismus hinein zu prügeln. Heute sind wir alle derart gut dressiert, dass wir uns sogar darum reißen, unter der Fuchtel eines anderen Menschen zu arbeiten. Wir halten das für den Normalzustand. Erstaunlich, wie sich die Zeiten wandeln!

    Warum soll es also von Seiten der Katholiken nicht auch Geschichtsfälschungen geben? Ich halte das sogar für naheliegend, denn wer sich derart hartnäckig auf einen Aristoteles, der nun wirklich jede Menge dummes Zeug erzählte, jahrhundertelang einschießt, dem ist auch zuzutrauen, dass die Geschichte der Frauen gänzlich aus der Historie verschwindet bzw. stark modifiziert wird.

    Ich kann die Frage, ob Frauen toleranter sind als Männer nicht beantworten, weil wir uns stets so verhalten, wie die gesellschaftlichen Umstände es fordern. Das System, in dem wir leben, also der Kapitalismus, provoziert die Entwicklung unserer niedersten Instinkte. Die absolute Bedeutung des Geldes macht den Menschen zur herzlosen Ware und atomisiert ihn gleichzeitig. Das gilt für Kinder, Frauen und Männer gleichermaßen. Aus einem solch tier- wie menschenunwürdigen Milieu kann, das ist meine Überzeugung, keine Toleranz, keine Muße und auch keine echte Sinnlichkeit erwachsen, sondern nur seelisch grotesk verkrüppelte Arbeitsarmeen, die im Stechschritt über das millionenschwere Heer der „Überflüssigen“ marschieren.

    Mit lieben Grüßen

    Gaby

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