1731

Gedanken zur Zeit 1731 05-04-10: Der Vorwärts hat mich für eine Kritik am Arbeitsmarktpapier der SPD engagiert

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11 Antworten zu 1731

  1. Paten sagt:

    Guten Tag. Nun habe ich alles gelesen und frage mich, was das soll? Dr. Jahnkes Infoportal ist ja nun keine Wundertüte und so weis auch der ‘Vorwärts’ im Voraus wie die Antwort zur schwafelig formulierten Arbeitsmarktpolitik früher und künftig der sPD aussehen wird.

    Anschließend kommt dann prompt das akribische Zerfleddern jedes Satzes des Gastbeitrages, wobei der “Vorwärts” zum Fachblatt für neoliberale Arbeitsmarktpolitik und Verteidiger des Sozialabbaus mutiert. Genau das war ja beabsichtigt mit der Einladung auf’s Minenfeld.

    Der ‘Vorwärts’ gehört zum Medienimperium der sPD unter der DDVG (Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft), die als Holding-Mutter und über undurchsichtige Treuhandschaften das mediale Parteivermögenssilber der sPD vergoldet. Herausgeber: Hubertus Heil (ab Schröderende 2006; auch Fraktionsvize sPD im Bundestag).

    Wissenschaftliche Untersuchungen dazu ergaben schon lange, dass unter dem Eindruck von Mitgliederverlusten und wachsender Kritik an den abdriftenden Parteivorständen die Kommunikation mit den Mitgliedern nicht mehr per parteiinterner Nachricht auf Ortsgruppenbasis erfolgt und die sinkende argumentative Beeinflussung von Wählern durch schlechte Vorstandspolitik in Opposition und Regierung nur noch durch viel Geld im Parteienwettbewerb kompensiert werden kann.

    Dazu dient auch das Medienimperium der sPD, wo die Restmitglieder lediglich noch Teil der allgemeinen Zielgruppe ihrer lokalen und zentralen Medien sind.
    Daher kann von einer journalistischen Unabhängigkeit solcher parteiprogrammatisch gleichgeschalteter und über Herausgeberschaft (Hubertus Heil) und Chefredaktionen (Uwe-Karsten Heye; Brandt’s Redenschreiber, Schröders Regierungssprecher, danach Generalkonsul in NY) vom Parteivorstand kontrollierten Medien keine Rede mehr sein.

    Die Rechtfertigung der gegen die Beitragszahler der ALV und Arbeitnehmerinteressen ab Schröder/Fischer 1998 mit Hartz I-IV ab 2005 über den wuchernden Niedrigstlohnsektor bis massenhafter Migranten-AL in Kollaboration SPD/CDU/CSU samt steuerlich geförderter Verlagerungen nach China (=steuerliche Förderung von Schaffung von Arbeitslosigkeit hier)usw., was alles zum Wahldesaster der sPD 2009 führte, soll medial in Erfolge umgewandelt, die Kritiker als einzelne Unbelehrbare und Irrläufer dargestellt werden. Eigentlich ein Angriff auf die potentielle Leserschaft des Inforportals.

    Scholz hat nicht die AL-Statistik durch Rausrechnen verbogen und in Erfolge verwandelt, er hat eben Millionen Menschen durch Kurzarbeit vor Arbeitslosigkeit gerettet! (Die auch nur 67% bekommen hätten.)Tatsächlich haben die Unternehmen Arbeit für 0 (NULL) Euro gekauft, da ja auch die SV-Beiträge durch die Neuverschuldung der Regierung und damit der künftigen Arbeit bezahlt werden! Nun sind sogar 1-€ -Jobber teurer, aber China hat Scholz klar geschlagen in den Arbeitskosten für Unternehmer!

    Der Höhepunkt der Rechtfertigung neoliberaler Arbeitsmarktpolitik der vom geistig gesunden Wähler abgestraften Regierungs-sPD ist aber vom “Vorwärts”: “Ich finde es schlimm, dass immer der Vorwurf geäußert wird, dass eine Meinungsänderung schlimm ist – ich finde es richtig und wichtig, dass sich auch Spitzenpolitiker irren können und ihre Meinung revidieren könnten. Jeder normale Mensch darf das doch auch!”

    Der Partei- und Regierungspolitiker Hitler hat sich bei der Judenfrage auch geirrt? Und beim Angriffskrieg? Darf doch jeder! Deshalb brauchen die ja auch kein qualifiziertes und berufserfahrenes Führungspersonal mehr. Kein Wunder, das der “Vorwärts” die sPD in der Tradition von Bernstein sieht, einem Revisionisten, der den Arbeitnehmern ihr Recht auf Kampf für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen (Tarifverträge, Mindestlöhne) abspricht und durch immer mehr simple Reformen des Kapitalismus ersetzen will. Entsprechend weg vom Kampf sind ja die sPD-gebremsten Gewerkschaften wirklich, wenn die der Auflsüng der Tarifberträge einfach zusehen und den Ostlern gar keine gönnen. Wegen der niedrigen Produktivität. Von wegen die verstehen nichts davon!
    Die Reformisten der sPD haben so schon eine Menge Soziales für den deutschen Arbeitnehmer rausgeholt, wie alle im Europavergleich der Lohntüten und Bildung und Lebensqualität, Renten und Umverteilung bis China-Dumping etc. sehen können.

    Der Keynesianismus, der in Wahrheit hinter all der Kurzarbeit und den Bankenbailouts und der Zwangsarbeit gegen Beitragszahlung steht und damit an den Verteilungshebeln der Regelsatz-Fleischtöpfe stets Parteivorstände sich tummeln müssen, hat es noch niemals geschafft durch finanzielle Staatsinterventionen auf Dauer (!) auch nur irgendein Wachstumsproblem oder daran gekoppeltes Beschäftigungsproblem zu lösen. Erst kam der 2.Weltkrieg als deficit spending heraus und danach bis Japan und nun GIPSIs trotz Unmengen an Staatsgeld wieder Ende der Fahnenstange und galoppierende Arbeislosigkeit, wie auch in den USA, die mit Billionen hantieren. Und wie lange, soll Deutschland denn noch jährlich mit 100 Mrd. € verschulden, damit keine Arbeitsplätze entstehen und GB ebenfalls schon siecht vor lauter Staatsgeld? Oder meinen wir die Rettung des Bankensektors sei Arbeitsmarktpolitik?

    Und die USA sind ja Schuld, laut “Vorwärts”, wenn die sPD nach unten tritt und nach oben rechts dienert und China, Banker-Boni, Arbeitsplatzverluste usw. sie förmlich überrollen. Wozu braucht man die dann? Und wer? Nennt das Ding endlich “Rückwärts” und beschafft euch Wirtschaftler, die was davon verstehen. Bei eurem Medienimperium klappt es doch auch mit dem Profit.

    Mfg

  2. Gaby sagt:

    Hallo, Herr Dr. Jahnke,

    nun sind wir wieder an dem Punkt, wo ich schon einmal, nicht ohne Ihre Kritik, behauptete, dass unsere linkspolitischen Strömungen im Zweifelsfalle wirtschaftsliberal reagieren. Links wie Rechts stammt historisch aus dem gleichen vom Absolutismus abgerungenen Liberalismus.

    Der Kapitalismus schlechthin wurde von linken Strömungen selten ernsthaft in Frage gestellt, deshalb kam es auch zu keiner Emanzipation von diesem System. Vielmehr wurde darum protestiert, „sociales Oel“ in das Räderwerk der „schönen Geldvermehrungsmaschine“ zu gießen, um das entwürdigende, täglich unerträglich lange Arbeiten unter dem brutalen Joch der Unternehmer erträglicher zu machen.

    Da sich die SPD, die Gewerkschaften, auch Sarah Wagenknecht, als bekennende Kommunistin, und viele, viele andere linksgerichtete politische Strömungen mit ihren Vortänzern, nicht vom kapitalistischen System der überbordenden Warenproduktion auf der Grundlage abstrakter Arbeit distanzieren, sind sie Teil dieses Systems und werden im Zweifelsfall stets den Unternehmern Zugeständnisse machen bzw. Sachverhalte, die ihre Auffassung vom Kapitalismus durchbrechen, nicht akzeptieren.

    Kommunismus und Sozialismus sind übrigens nichts anderes als eine „nachholende Moderne“, deren Vorbild der viel weiter entwickelte Kapitalismus des Westens war. Auch das agrarische Deutschland war im Kaiserreich eine gegenüber Frankreich und England „nachholende Moderne“ und diese kapitalistische Modernisierung wurde mit aller Brutalität in der deutschen Bevölkerung durchgesetzt.

    Politisch wie wirtschaftlich linksgerichtete Geister denken viel zu kurz, wenn sie ökonomisches Übel allein den Bankern, Unternehmern und Politikern anlasten. Es ist das kapitalistische System selbst, das verschrottet werden muss, sofern die Menschheit noch ein paar Tausend Jährchen auf diesem Planeten existieren will. Aber statt so radikal zu denken, wird eher China bemitleidet und darauf gehofft, dass es unsere Volkswirtschaft auf die Füße bringt, sobald dieses „arme, minderbemittelte Land“ Vollmitglied der WTO ist.

    Das Kapitalismusverständnis der meisten Linken, Rechten und auch Liberalen ist so, wie wenn sie sich ein Tigerbaby großziehen und sich im kurzen Todeskampf wundern, dass der erwachsene Tiger sie tötet und Teile von ihnen frisst.

    Bis demnächst,

    Gaby

    • test.63 sagt:

      @Gaby

      Sehr gut erkannt !

      Wenn die SPD, die Gewerkschaften oder die Partei “Die Linke” sich nicht als “Teil des Systems” integrieren würden, würden diese nicht mehr im Bundestag sitzen. So einfach ist das..

      Aber trotzdem:

      Die Linke hat es in Deutschland seit spätestens November 1918 (November – Revolution) sehr schwer. Es ist für mich ein Beweis dafür, daß die SPD incl. der Gewerkschaften aus der damaligen Lage aber auch nichts gelernt haben.

      http://de.wikipedia.org/wiki/Novemberrevolution

      • Gaby sagt:

        Hallo, test63 und Mitlesende,

        in der Tat: Wenn sich die linkspolitischen Strömungen des 19. Jhr. nicht so vehement von den Ludditen und Maschinenstürmern distanziert hätten und wären sie nicht zu Hauf in die „Arbeitervereine“ der Liberalen gerannt, säßen Gewerkschafter heute nicht in Vorständen, hätte die SPD niemals die Hartz-IV-Gesetze beschlossen und wären Die Linken nicht so ungeheuer blind in Sachen WTO und Chinas unseriöser Wirtschaftspolitik.

        Ich kann nur empfehlen „Die Geschichte der Sozialdemokratie“ von Joseph Roven zu lesen. Er schreibt darin unter anderem: „Meistens werden diese Vereine [Arbeitervereine] von freisinnigen Bürgern guten Willens geführt.“

        Und er schreibt:

        „Während Liebknecht und sein Freund Bebel Arbeiter-Vereinigungen organisierten, in denen sie die Grundlagen einer politischen und nationalökonomischen Bildung legten, blieben sie noch lange mit demokratischem, d.h. linksliberalen Parteien verbunden, vornehmlich in Sachsen und Württemberg. Aber nach und nach kamen sie zu der Überzeugung, daß die liberale Linke nicht imstande war, auf demokratischem und antipreußischem Wege die deutsche Einheit herzustellen [...]“

        Deutlicher kann nicht ausgedrückt werden, dass die Arbeiterführer nichts anderes wollten, als sich in das System „Nation, Staat und Kapitalismus“ zu integrieren. Sie wollten den Makel der ewig Revoltierenden, den sie von den Ludditen und Maschinenstürmern geerbt hatten, ablegen. Wären sie an einer echten Emanzipation vom Kapitalismus interessiert gewesen, hätten sie niemals das System der „abstrakten Arbeit“, der ungeheuren Zunahme der Produktivkräfte und dem dadurch entstehenden Verlust an Muße und Sinnlichkeit zugestimmt.

        Für diejenigen unter uns, denen das eine zu zähe Kost ist, zitiere ich eine Passage aus Thomas Manns Roman „Der Zauberberg“, 1919:

        „Ich bedachte in diesem Zusammenhang, dass der sittliche Unterschied zwischen Kapitalismus und Sozialismus darum geringfügig ist, weil beiden die Arbeit als höchstes Prinzip, als das Absolute gilt.

        Es geht nicht an, zu thun, als sei der Kapitalismus eine schmarotzerische und unproduktive Lebensform. Im Gegenteil, die bürgerliche Welt kannte keinen höheren Begriff und Wert, als den der Arbeit, und dies sittliche Prinzip wird im Sozialismus erst recht offiziell, es wird wirtschaftliches Prinzip, politisches und menschliches Criterium, vor dem man besteht oder nicht, und dies so sehr, dass niemand fragt, warum und wieso eigentlich Arbeit diese unbedingte Würde und Weihe besitzt. Oder bringt der Sozialismus einen neuen Sinn und Zweck der Arbeit? Nicht, dass ich wüsste. Ist Arbeit ein Glaube, ein Absolutum? Nein.

        Der Sozialismus steht geistig, moralisch, menschlich, religiös nicht höher, als die kapitalistische Bürgerlichkeit, sondern ist nur ihre Verlängerung. Er ist ebenso gottlos, wie sie, denn Arbeit ist nicht göttlich.“

        Was der feinsinnige Thomas damals noch nicht wusste: Wenige Jahre später sollten der liberale Nationalismus und der Sozialismus die schlimmste Epoche in der deutschen Geschichte einläuten. Der Begriff „Nationalsozialismus“ ist nicht nur ein Wortspiel.

        Im „Nationalsozialen Katechismus“, 1897, der damals zur Popularisierung des sozial modifizierten liberalen Denkens unter’s deutsche Volk gebracht wurde, stehen so Sachen wie diese. Sie zeigen, in welch ideologischen Verblendungen sich die linkssozialen Geister zu bewegen verstehen:

        „1. Warum nennt ihr euch nationalsozial? Weil wir überzeugt sind, daß das Nationale und das Soziale zusammengehören.

        2. Was ist das Nationale? Es ist der Trieb des deutschen Volkes, seinen
        Einfluß auf der Erdkugel auszudehnen.

        3. Was ist das Soziale? Es ist der Trieb der arbeitenden Menge, ihren Einfluß innerhalb des Volkes auszudehnen.

        4. Wie hängt beides zusammen? Die Ausdehnung des deutschen Einflusses auf der Erdkugel ist unmöglich ohne Nationalsinn der Masse, und die Ausdehnung des Einflusses dieser Masse im Volk ist unmöglich ohne weitere Entwicklung der deutschen Macht auf dem Weltmarkte.

        5. Inwiefern hängt die Ausdehnung deutschen Einflusses auf der Erdkugel vom Nationalsinn der Masse ab? Weil die großen Opfer, welche für Flotte und
        Heer gebracht werden müssen, wenn Deutschland in Asien, Afrika, Amerika und vor allem auch in Europa etwas bedeuten soll, nicht auf die Dauer ohne den Willen der arbeitenden Menge aufgebracht werden können [...]

        22. Kann sich der Einfluß aller Kulturvölker nicht gemeinsam ausdehnen? Nein, denn dazu ist der Absatzmarkt für die Waren dieser Völker nicht groß genug. Dieser Markt wächst langsamer als das Streben nach Ausdehnung in den Kulturvölkern. Der Kampf auf dem Weltmarkt ist ein Kampf um’s Dasein [...]“

        Punkte 1 bis 22 entstammen dem Buch: „Europastrategien des deutschen Kapitals 1900 – 1945“ von Reinhard Opitz.

        Wie ich schon mehrfach schrieb: Im Zweifelsfalle wird aus „linksgerichtet“ „liberal gerichtet“. Das gilt auch innerhalb der Räumlichkeiten des modernen „Deutschen Bundestages“, wie uns seine Geschichte seit der rot-grünen Schröder-Ära zeigt.

        Bis demnächst,

        Gaby

      • Paten sagt:

        Guten Tag. Gaby:

        22. Kann sich der Einfluß aller Kulturvölker nicht gemeinsam ausdehnen? Nein, denn dazu ist der Absatzmarkt für die Waren dieser Völker nicht groß genug. Dieser Markt wächst langsamer als das Streben nach Ausdehnung in den Kulturvölkern. Der Kampf auf dem Weltmarkt ist ein Kampf um’s Dasein [...]“

        Wirtschaftlicher Globalisierungszwang aus der Produktionsweise: Überproduktion wegen nationaler -relativ zum Überangebot- Unterkonsumption (Bedarf und Kaufkraft).

        Am Ende Überfall auch auf die UdSSR zur Absatzmarktbechaffung. Heute Integration DDR, Osteuropa + Südeuropa bis die auch nicht mehr auf Kredit kaufen können, China nur noch das Nötigste nimmt (wir haben keine Rohstoffe, nur Maschinen und Know-how), GB pleite ist, USA auch nichts mehr groß importiert zum Bilanzausgleich und nun nur hier noch die Türkei bleibt als Reserveabsatzmarkt (mit dem selben Schicksal dann wie GRE etc.) Tod auf Raten.

        Und niemand hat den Mut mal NEIN zu sagen.

        MfG

    • Gaby sagt:

      Guten Abend, Paten,

      so sehe ich das auch. Als Punkt 22 geschrieben wurde, gab es übrigens noch nicht die Dritte industrielle Revolution der mikrochipgesteuerten Automation und Rationalisierung, die zu einer ungeheuren Explosion der Produktivkräfte geführt hat.

      Vielleicht erleben wir ja noch, dass sich der Kapitalismus ad absurdum führt und mit einem gigantischen Knall implodiert.

      Darf ich gar nicht dran denken! Wegen der hausgemachten Alternativlosigkeit des Kapitalismus werden wir in eine Barbarei ungeahnten Ausmaßes verfallen und es gibt beileibe nicht so viele Soldaten, Polizisten, Waffen und Panzer, um die wütenden, hungrig wie durstigen Menschenmassen, die sich allein in der westlichen Hemisphäre revoltierend erheben würden, einzuschüchtern oder tot zu schießen.

      Gaby

  3. Paten sagt:

    Guten Tag. Die Frage ist nicht der Name Zeit- oder Leiharbeit, sondern die Ideologie dahinter. Und die ist römisch-dekadent oder moderner „transatlantisch“: Zum Produktionsprozess gehören MMM – Material, Maschine und Mensch. Das ganze Gerede von “Flexibilisierung“ und „Mobilität“ (Fabriken sind immobil, der Rest kann möglichst auf fremde Kosten bewegt werden) bedeutet schlicht, dass der Produktionsfaktor Mensch dito wie Maschine und Material dann zu Verfügung stehen muss, wenn der Kapitaleigner per Kredit ins Regal greift und nur dann dürfen Kosten entstehen.

    Die monetaristisch-technokratische inhumane Sichtweise des gesellschaftlichen Produktionsprozesses, in der der körperlich und geistig arbeitende Mensch zum reinen Leasingobjekt wird wie Gebrauchs-Prostituierte und bis zum Sklavenhandel es nur noch ein Schritt ist (wenn der Restwert mit er Versicherung verrechnet wird) muss sich der profitgetriebene Kapitaleigner dann -im Bestreben den Bio-Kostenfaktor zu optimieren- natürlich auch der sozialen Verantwortung für die Nebenkosten (sprich SV-Beiträge) entledigen. Dem dient dann das Geschwätz von der „Eigenverantwortung“ des Bürgers, die dann mal eben einer Privatversicherung bedarf.

    Und wenn man das alles etabliert und in Gesetze gegossen hat und die alte Garde in millionenschwere Anstellungen wechselte, kommen die daher und erklären den geschröpften Arbeitnehmern (die als AL-Versicherte -und da sticht Dr. Jahnkes Argument genau- plötzlich entrechtet wurden und für ihre Beiträge angeblich Arbeitsleistungen schuldet, was sich „Födern und Fordern“ nennt), man solle doch alle Kritik aufgeben und vergessen und verzeihen und nach vorne blicken, ein paar Führungshanseln hätten sich eben geirrt und das böse Ausland lässt ja nun gar keine Finanzkontrollen und Schutzzölle zu! China ist nun mal billiger, da kann man doch nicht von Dumping reden!

    Im Prinzip stehen alle diese Aussagen für den sozialen Unwillen, deutsche Arbeitnehmer nach innen und außen zu schützen und rücksichtlose Auslieferung ans Kapital. Sarazzin ist noch sPD-Mitglied. Nicht mal dafür reicht es die konsequente Kritik mehr.

    MfG

  4. test.63 sagt:

    @Gaby

    Sehr gute Darstellung !

    Doch mir bleibt eine Frage offen, die trotzdem ganz interessant ist:

    Die Gewerkschaftsbosse, welche in den Vorständen sitzen, sind nur das eine Problem. Das andere, wirklich brisante Problem ist, daß einige Gewerkschaftsbosse in dem Bundestag als Abgeordnete sitzen. Das ist ein wirkliches Problem. Diese Herren od. Damen können und werden niemals die Interessen der Arbeiter vertreten. Das wird nicht funktionieren. Oft wird selbst in bürgerlichen Medien darüber gerätselt, warum der deutsche Arbeiter sich jahr- (zehnt)elange Lohnzurückhaltung auferlegen lässt, ohne dagegen auf die Barrikaden zu gehen ?

    Das geschieht einfach deswegen, weil die Gewerk- schaften als Ruhigsteller der deutschen Arbeiter fungieren. Wer hätte je etwas anderes gedacht, wenn die Gewerkschaftsbosse im Bundestag sitzen. Das ist ein zwingender Zusammenhang. So wundert es nicht, wenn Frau Merkel Herrn Huber, Chef der IG Metall, im Bundestag zu einem Stelldichein einlädt. Schließlich hat Herr Huber in der ihm unterstellten Gewerkschaft durchgesetzt, daß er auf Lohnerhöhungen verzichtet. Das passt wie die Faust aufs Auge.

    Warum wird Herr Huber eigentlich durch die Mitglieder der von ihm vertretenen Gewerkschaft zum Vorsitzenden gewählt ? Haben die Mitglieder da überhaupt noch etwas zu sagen oder funktioniert die Wahl des Leitungspersonals dort so wie bei der SPD nach der Bundestagswahl 2009 ?

    MFG test.63

    • Paten sagt:

      Guten Tag. http://www.igmetall.de/cps/rde/xchg/internet/style.xsl/view_suche.htm?txtSearch1=wahl&go=Ja&txtSearch=+

      unten, Satzung, §21: Delegierte der Wahlbezirke zum Gewerkschaftstag. Das war’s. Es gibt keine feste Wahlordnung mit Modus, Prösidumsgröße, Funktionen usw-

      Kurz: Der Vorstand erläßt jedesmal dafür eine neue Wahlordnung mit neuen Spielregeln. Sehr witzig, wenn den mal jemand abwählen will und damit vielleicht sogar einen außerordentlichen Gewerkschaftstag schaffen würde.

      MfG

      • test.63 sagt:

        @Paten

        Eben Eben,

        so ist das gedacht…

        Das Problem ist, daß die Arbeiter dem Treiben; ich möchte fast sagen, ausgelie-fert sind, Wenn man sich mal die Mitglie-derstatistik ansieht, treibt es jedem Arbeiter die Tränen in die Augen. Das wird sich erst lösen lassen, wenn die IG Metall nochmal 1,5 Millionen Mitglieder verloren hat, dann werden die Oberen dort kämpferischer. Die Kampfbereit- schaft einer Gewerkschaft ist wahrschein-lich umgekehrt proportional zur Anzahl Ihrer Mitglieder. Das ist meines Erachtens nach ein blankes Drama. Übrigens, Verdi geht es nicht anders.
        Einfach nal unter Wikipedia nachsehen..

        Ich treibe hier ausdrücklich keine Kritik an den normalen Mitgliedern
        bei IG Metall und Verdi. Aber so
        geht das nicht. Diese Mitglieder scheinen sich das aber immer weniger kampflos bieten zu lassen, wie einige
        labournet.de – Beiträge aufzeigen.

        Weiter so !!!

        Solange einige Gewerkschaftsobere im Bundestag als Abgeordnete fungieren,
        werden die Mitgliederzahlen immer weiter sinken. Da kann sich der Arbeiter noch auf was gefasst machen….

  5. Gaby sagt:

    Hallo, test63 und Mitlesende,

    dass die Lohnabhängigen heute so überaus ängstlich sind, hat mit der Schleifung unserer Sozialgesetzgebung zu tun. Ich sehe das jedenfalls so.

    Heutzutage ist es für jemanden, der einen unbefristeten Arbeitsvertrag hat, ziemlich leicht, seinen Arbeitsplatz zu verlieren. Dann bekommt er ein Jahr lang Arbeitslosengeld, danach unbefristet Hartz-IV, aber nur, wenn er zuvor bewiesen hat, dass er wirklich nichts mehr hat. Und die Aussicht, einen neuen Job zu bekommen, geht gegen Null. Das macht die Leute überaus vorsichtig. Da verzichten sie lieber jahrelang auf Lohnerhöhungen, als ihren Arbeitsplatz zu riskieren.

    Von denjenigen, die befristet beschäftigt sind (das soll mittlerweile jeder 2. sozialversicherungspflichtige Arbeitsplatz sein) ist auch kein Widerstand zu erwarten, denn diese Menschen verhalten sich logischerweise super brav und angepasst, weil sie hoffen, in ein unbefristetes Beschäftigungsverhältnis übernommen zu werden.

    Zu Verdanken haben wir die kontraproduktiven Grausamkeiten der sozialen und wirtschaftspolitischen Gesetzgebung unseren Politiker, insbesondere der rot-grünen Regierung unter Schröder. Merkel ist unter schwarz-rot nur der verlängerte Arm der Schröder-Regierung gewesen und jetzt macht sie plötzlich einen auf „sozial“. Klar, jetzt hat sie Westerwelle als Vize, der, historisch gesehen, sogar die Legitimation hat, Arbeitslose als Sündenböcke zu branntmarken. Das liberale Bürgertum hat im Laufe der Geschichte nie etwas anderes getan, als gegen Arbeitslose loszupoltern, was das Zeug hält. Und mittlerweile machen es, logischerweise, auch die Sozis, ganz aktuell in der Gestalt Sarrazins, zwischen 2003 und 2006 waren es Clement und Müntefering, die in der Öffentlichkeit durch ihre groben Worte sehr unangenehm aufgefallen sind, um nur die Spitze des Eisbergs zu nennen.

    Der Grund: Arbeitslose beweisen durch ihre schlichte Existenz, dass die wunderschöne Geldvermehrungs-Maschine des Kapitalismus doch nicht so herrlich, durch eine unsichtbare Hand gepflegt, läuft, wie uns einfachen BürgernInnen das seit gut 250 Jahren versprochen wird. Das macht unsere Eliten wütend. Aber statt vom scharfen neoliberalen Wirtschaftskurs abzuweichen, fahren sie volle Fahrt in den Kollaps, denn es kann nicht sein, was nicht sein darf. Basta!

    Bis demnächst,

    Gaby

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