1965

global news 1965 30-03-10: Tricks mit Statistik: Hier angeblich „massiv gestiegene" Arbeitskosten in Deutschland

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13 Antworten zu 1965

  1. Paten sagt:

    Guten Tag,

    NRW-Wahlen kommen und die Staatsschulden drücken. Offiziell (Duktus) warten wir alle im Schweiße unseres Angesichts natürlich nicht auf den Wahlausgang und damit auf die Stimmenverhältnisse der deutschen Gesetzgebung – dem Bundesrat aus 16 MP (Minister-Privatiers), sondern auf die Steuerschätzung im Mai. Ist halt ein guter Monat für Steuerschätzungen, wenn das erste Halbjahr fast vorbei ist samt den ersten 100 Tagen Hornissen-Koalition, die keinen Stich macht. Da hilft auch kein ifo-Instituts-Orakel – harte Fakten müssen her. Fürs Volk der Wunderarbeiter.

    Hoffentlich reicht es dann, die ~80 Mrd. Nettoneuverschuldung (eigentlich mit Schattenhaushalten viel mehr; gesamt Bund/Länder/Gemeinden schon ~1.700 Mrd. €)) abzuzahlen. Der Steuerzahler als Schuldenbremser. Solange er zahlt, hat aber noch niemand die Verschuldung gebremst. Also 25% (!) unserer Haushaltsausgaben von rekordverdächtigen 320 Mrd. € bezahlen Herr Ackermann & Co. gegen Zinsen. Aus den übermäßigen Löhnen. Banken als Sozialhelfer. Man glaubt es nicht. Das ist wie Kurzarbeitergeld für alle auf der Ausgabenseite, nur eben mit Preisschild dran. Während wir medial noch schön auf die armen Griechen einhauen, weil die ja über unsere Verhältnisse leben.

    Der DM-Euro wird es vielleicht richten, wenn die Vertreibung aus dem Paradies beginnt und Frau Merkel den Schäuble die Reset-Taste drücken lässt. Schwarzer Knopf drückt roten. Was sind die 6% Testzinsen diese Woche für die Übungsanlage von 5 Mrd. € für Griechenland gegen die dann fällige Entwertung der notfalls zum Abschuss freigegebenen Währung? Die haben nun mit Papandreou ihre Lohnerhöhungen heute und in alle Ewigkeit schon abgetreten an die ausländischen Gläubiger (von Deutschland lernen heißt biegen lernen) und wenn dann noch die Einkaufspreise per Drachme produktivitätsbedingt um 40% oder so stiegen, würden Aldi und Lidl und unser rosa Riese dort Bilanzdämmerung haben. Bei uns sind dann die unverkäuflichen Lager voll (ifo wird das als wachsendes Volksvermögen und Vertrauen in das Schlaraffenland werten). Dann fallen die Umsätze bei zunächst gleicher Lohnmenge und wir haben wieder den schönen Effekt der letzten beiden Jahre des freien Falles – die Arbeitskosten steigen (gemessen am Branchen-BIP) gezwungener Maßen wegen sinkender Produktivität (gebremste und verlagerte Produktionsbänder) mangels weltweiter Kaufkraft, aber die Löhne stagnieren oder sinken.

    Dem einen seine Lohnzahlung (Arbeitskosten) ist eben dem anderen sein Einkommen (Arbeitslohn). Der eine stöhnt über steigende Kosten (und will den Niedriglohnsektor ausbauen), der andere über dasselbe Geld als zu geringes Einkommen (und will den Mindestlohn und mehr). Aber wir sollten uns dennoch nicht vergriechen. Der oberste Schuldenbremser von der CDU ähnelt Obama. Wir schicken noch 30.000 Soldaten für nachhaltigen Frieden, so können wir dann 100.000 abziehen, was viel mehr Abzug ist. Wir machen erst mal jährlich 100 Mrd. neue Schulden, dann können wir richtig auf die Bremse treten. Ist ja ein Grundgesetz. Die Reise nach Jerusalem.

    MfG

  2. Hagnum sagt:

    Moin!

    In aller Kürze: diesem desinformativen Treiben schließt sich auch der ZDF-
    Videotext an.Dieser titelte: Lohnnebenkosten (in D) zu hoch!

    Aus dem Text geht dann hervor,dass die Lohnnebenkosten in D unter dem
    EU-Durchschnitt liegen.

    Blöd für die,die nur Überschriften lesen.Die gehen dann wunderschön desinformiert,wie ja auch geplant,in den Tag.

    Grüße

  3. joe sagt:

    Hallo ich hätte eine Frage zu den Lohnstückkosten. Dort wird ja immer nur die Entwicklung und Veränderung genüber den Vorjahren angezeigt. Inwiefern ist es möglich das Ausgangsniveau dabei miteinzubeziehen? Oft höre ich das Argument, Deutschland hätte soviel nachzuholen aufgrund der Wiedervereinigung etc.

    • globalnote sagt:

      @joe,

      Das hat mir tder 20 Jahre zurückliegenden Wiedervereinigung nun gar nichts zu tun (im Gegenteil: die Lohnstückkosten in den NBL sind noch niedriger). Leider sind die absoluten Lohnstückkosten aus keiner Statistik zu entnehmen. Die gibt es offensichtlich nur für die Lohnkosten selbst. Wenn aber die Lohnkosten in Deutschland nur um weniger als 4 % über dem Niveau der anderen 9 Spitzenländer liegen und die Lohnstückkosten seit dem Jahr 2000 so viel geringer in Deutschland gestiegen sind, kann man sich ausmalen, was das für die Differenz der Stücklohnkosten bedeutet, nämlich ein sehr großes Plus in der Wettbewerbsfähgikeit. Anders wären die gewaltigen deutschen Überschüsse auch gar nicht zu erklären. Leider kann ich Ihnen (und mir selbst) nicht mehr an konkreten Daten bieten.

      Beste Gruesse
      Joachim Jahnke

      • globalnote sagt:

        @Paten,

        Nein, das hilft leider nicht. Denn da sind auch nur die Veränderungsraten, nicht aber die absoluten Werte für die Lohnstückkosten gelistet.

        Beste Gruesse
        Joachim Jahnke

      • Paten sagt:

        Gute Tag. Deshalb ja mein Konjunktiv. Das Problem ist bei Millionen Waren und Dienstleistungen, dass die untereinander (Airbus und Zahnbürste) kaum vergleichbar sind, nur eben gleiche Waren verschiedener Wettbewerber,wenn man es genau nimmt.

        Abstrahiert man ‘Ware’ als Jahresprodukt einer Branche und einer Volkswirtschaft als jeweiliges BIP = “die Ware”, dann kann man die Lohnkostenanteile (Volkseinkommen AN inkl. aller Steuern und SV AG+AN) darin sichtbar machen (und auch noch auf Arbeitsstunden runterbrechen). man kann das auch steuerbereinigt machen. Das ergibt dann einen Mittelwert, aber immerhin kann man so mit dem Ausland vergleichen.

        Die Wirtschaftswissenschaftler machen das ja auch, nur setzen die zur Trendbestimmung lieber eine Ausgangspunkt =100 und schauen dann auf dieser Pferderennbahn die jährlichen Einläufe an.

        MfG

    • globalnote sagt:

      @heiner,

      Auch nur jährliche Veränderungswerte und schon ziemlich alt. Die Frage war auf absolute Werte gerichtet.

      Beste Gruesse
      Joachim Jahnke

    • globalnote sagt:

      Leider auch keine absoluen Werte. Wieder nur Indexzahlen. Die habe ich schon für 2009 gemeldet. Was joe gefragt hatte, waren absolute Werte.

      Beste Gruesse
      Joachim Jahnke

  4. joe sagt:

    hab eine Antwort von Flassbeck auf einen ähnlichen Einwand gefunden, aus dem ich aber dennoch nicht besonders schlau werde:

    “Zu Ihrem ersten Einwand, die Lohnstückkosten wären im Jahr 1999 nicht nah beieinander gewesen, folgender Hinweis: Wenn die Lohnstückkosten zwischen den Euro-Teilnehmerländern weit auseinander gelegen hätten, dann wären damals die Wechselkurse, mit denen der Einstieg in die EWU vollzogen wurde, grotesk falsch gewesen. Die D-Mark wäre damals nach Ihrer Ansicht also grandios überbewertet gewesen. Glauben Sie im Ernst, dass sich Theo Waigel und mit ihm die deutsche Wirtschaft auf so ein Experiment eingelassen hätten? Glauben Sie, dass die Devisenhändler die Festschreibung völlig verzerrter Wechselkurse nicht zum Anlass für Spekulationen genommen hätten, nämlich Spekulationen auf ein lang anhaltendes Leistungsbilanzdefizit? Es ist genau das Gegenteil eingetreten: Deutschland hat sein (nicht sehr großes) Leistungsbilanzdefizit in einen enormen Überschuss verwandelt. Das schaffen Staaten, deren Währungen fühlbar überbewertet sind, nicht, jedenfalls nicht in dieser Größenordnung und nicht über einen acht Jahre währenden Zeitraum. Die Leistungsbilanz widerlegt Ihre Ansicht fundamental.”
    http://www.ftd.de/wirtschaftswunder/index.php?op=ViewArticle&articleId=1283&blogId=16

    • globalnote sagt:

      @joe,

      Flaßbeck hat recht. In der Leistungsbilanz spiegelt sich die Wettbewerbsstärke.

      Beste Gruesse
      Joachim Jahnke

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