Dieser Beitrag wurde geschrieben von am Dienstag, 16. März 2010 um 4:11 pm und eingeordnet unter Aus, Globalisierung, Kri, Wi. Du kannst den Antworten zu diesem Eintrag mit Hilfe des RSS-2.0-Feeds folgen.
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Schöne Zusammenfassung aller Wahrheiten, die in der deutschen Öffentlichkeit fast tabu sind und die deshalb bei den Wenigsten wirklich angekommen sind. Die Kritik seitens der Euro-Partner, speziell Frankreich, kann man aber dennoch als einen kleinen Hoffnungsschimmer sehen, dass vielleicht die Partner hier ihre Mehrheitsstellung nutzen und von aussen Deutschland zu einer vernünftigen Wirtschaftspolitik zwingen. Das wird aber ein sehr zehes Ringen, denn Deutschlands Schlüsselindustrien sind nun mal exportabhängig und ihre Vertreter werden sich weiterhin mit Händen und Füssen gegen alle Massnahmen wehren, die ihre Vormachtsstellung gefährden würden. Dieser Konflikt wird sich daher wahrscheinlich noch stark entzünden und möglich ist auch, dass man dann tatsächlich das Experiment Euro beendet.
Eine Währungsunion funktioniert eben nur, wenn sie wie eine gute Ehe ist, wo die Partner miteinander reden und aufeinander Acht geben. In der Euro-Ehe verhält sich Deutschland allerdings wie ein Gatte, der nur knausert, aber von seiner Gattin lukullische Mahlzeiten erwartet und ihr anschliessend Vorwürfe macht, dass sie bei der Bank ein Kredit aufgenommen hat, um seine Wünsche zu erfüllen.
“Bundesregierung und Industrielobby sind auf diesem Ohr Taub und argumentieren nicht das Import- sondern statt dessen das Exportthema und die deutsche Wettbewerbsfähigkeit.”
Neben den verheerenden Auswirkungen des “sich Taub stellen” im innerdeutschen “Dialog” mit dem eigenen Volk, attestiert der Bundesregierung die nun von ihren Vertretern angewandte Strategie eine tatsächliche Taubblindheit, die ich mit tiefem Erschrecken zu Kenntnis nehme.
Wäre es denn wirklich möglich, dass unsere Volksvertreter gar nicht realisieren, was sie dabei sind anzurichten – nun auch im Ausland?
Oder sind die Zwänge der Lobby wirklich so eng, dass sie wider besserem Wissen diesen Weg gehen müssen?
Nicht, dass eine von beiden eventuell mit “Ja” zu beantwortenden Fragen, beruhigender wäre als die andere…
Aber nun auch noch Ex-MP EU-Kommissar Oettinger: “Europa benötige mehr Reformen, wie sie in Deutschland gemacht worden seien.”
Die von Dr.Jahnke hier aufgezeigten Reform-Tabus 1-10 sollen also von allen EU-Ländern gebrochen werden? Hurra, alle werden Exportweltmeister damit!
Die unkundigen Hurra-Patrioten in anderen Blogs jubilieren, dass das nicht unser Problem sei; die erst mal arbeiten sollten; Frau Lagarde hätte keine Ahnung von Wirtschaft; die wolle bloß “Schuld” auf uns abwälzen; dies sind nur sauer, weil wir viele Waffen exportieren und dadurch die Wrtschaft mehr brumme usw. Kurz: Alle selber schuld. Deutschland über alle(s)!
Ich schrieb ja schon mal, dass die Medien jetzt alle darauf nationalistisch konditionieren, froh mit dem deutschen Soziallabbau zu sein, weil es anderen noch schlimmer ginge, Funktioniert, nur weil eine kluge Französin in aller Ruhe und Zurückhaltung ein wahres Wort sagte und dabei vom Interesse “der Gruppe” sprach, nicht wie die Hurra-Patrioten vom Ego.
Offenbar haben viele am griechischen Beispiel nicht gemerk, dass unsere Überschüsse dort mit deren Staatsschulden bezahlt werden, die aus unseren Überschüssen auf den Bankkonten verzinslich von unseren Banke kreditiert werden bis das Wirtschaftswachstum dort hinter dem Schuldenwachstum weit zurückfällt, wonach dem Bankenbailout der Staatsbailout folgen muss (oder Staatsbankrott ohne Rechtsnachfolge der Schulden) oder unserer Banken Kredite fallen aus, wogen jetzt die “bilateralen Staatshilfen” wieder unsere Banken retten sollen – zu Lasten des deutschen Arbeitnehmers, der auch noch möglichst die wegfallende Gewerbesteuer aus Einkommens- und/oder Verbrauchssteuern übernehmen soll.
Die privatisierten Gewinne aus den Exportüberschüssen verwandeln sich jetzt wie die Zockerverluste in sozialisierte Schulden des deutschen Steuerzahlers, der schon durch niedrigste Lohnstückkosten am wenigsten Einkommenszuwachs in ganz Europa hat und damit die ausgebremsten Importe und Investitionen in Arbeitsplätze mangels Kaufkraft gegenfinanziert. Und sein Angstsparen finanziert dann die deutsche Staatsschuld, die ja fast nur aus Sozialtransfers besteht.
Hurra-Dummheit + Nationalismus + Angst = gute Nachbarschaft innen und Außen ??? Es wird gefährlich, wenn beziehunge beginne irrational zu werden.
Klasse Zusammenfassung, wenn ich das so salopp sagen darf.
Salopp paßt zu Galopp – in dem befinden wir uns zielabwärtsgerichtet. Die NYT schrieb unter Payback Time, daß die USA in 2012 schlanke 2 Billiarden brauchen wierden, nur um fällige Schulden zu refinanzieren, gleichzeitig müssen so um die 700 Billionen an „corporate debt“ bis 2015 abgedeckt werden, immer Dollares! Das ist nur auf die USA bezogen, wollen wir mal Japan, den Euroraum, UK und den Rest dazurechnen? Da ist die Angst, das triple „A“ in Form von mono „X“ um die Ohren geschlagen zu bekommen eine zu vernachlässigende. Über Moody’s stumpfe Messer schrieb die NYT auch gestern hier.
Kein Wunder daß niemand so recht an wirkliche Finanzreformen ran will; womöglich verweigern die Banksters die Tateinheit wenn man ihnen zu sehr auf die Füße tritt; schließlich kann niemand mit Unternehmens- oder auch höchst phantasievoll generierten Spekulatiusgewinnen so gigantische Summen verdienen, damit diese, versteuert, den Schuldnern einfach so zur Verfügung gestellt werden können. Ergo, quantitatives Drucken der return Taste bleibt angesagt.
Angesichts solcher Zahlen und Rechnungen geht doch aber auch gar nichts mehr auf.
Bei aller Übereinstimmung mit ihrer Herleitung gehen Rechnungen dennoch nur auf, wenn engl. “Trillion” = dt. Billion und engl “Billion” = Milliarde. Nichts für ungut.
Upps, Sie haben natürlich Recht, sorry; obgleich ich zwischen genau diesen Welten lebe sollte es da gerade nicht passieren: es sind dies “700 Milliarden” bzw. “2 Billionen”.
Mal sehen, wann mein Lapsus wieder Sinn machen wird und es demnächst die Billiarden der langen Leiter sein werden, was dann die auf der kurzen Leiter kletternde Wall Street als Quadrillion bzw. ‘a thousand trillions’ bezeichnete; Rückschlüsse aus der Tatsache zu ziehen, daß unsere ach so globalisierte Welt bereits jenseits der vergleichsweise bescheidenen Million zwei verschiedene Leitern erklimmen muß, um ein und dasselbe zu sagen aber anders auszudrücken, bringen einen auch nicht weiter. War ja auch schon mal anders, immer aber verwirrend.
ich habe seit gestern über dieses Thema nachgedacht und muss zugeben, ich verstehe den aktuellen Hype um Deutschlands Exportgebaren nicht! Ich wäre dankbar, wenn mir jemand erklären könnte, warum plötzlich diese Schlammschlacht zwischen Frankreich und Deutschland losbricht und zwar aus folgenden Gründen:
Es ist doch so, dass spätestens seit 2006 bekannt war, wie es Deutschland zur Exportmeisterschaft gebracht hat, das intern von linksgerichteten Ökonomen kritisiert wurde, aber das liberale Bürgertum trotzdem nicht vom falschen Kurs abwich. Ich meine sogar, mich erinnern zu können, dass erste kritische Stimmen, die sich gegen Deutschlands exportlastige Ökonomie richteten, bereits in 2004 zaghaft durch den Medienblätterwald flüsterten. Vor allen Dingen Dr. Jahnke ist mir als einer derjenigen in Erinnerung, der immer mal wieder anklingen ließ, wie unfair sich Deutschland gegenüber seinen Geschäftspartnern verhält.
Die französische Finanzministerin, Entschuldigung, wenn ich das so bewerte, hat nichts anderes getan, als ganz zaghaft ihr Stimmchen gegen Deutschland zu richten, statt in unmissverständlichen (!) Worten mit unseren Ökonomen und Politikern Tacheles zu reden. Tacheles kann man durchaus höflich und freundlich, mit geschliffenem englischen Humor rüber bringen – trotzdem sitzt die Kritik! Ich habe darüber nichts dagegen, wenn der Chor der von Deutschland bedrängten EU-Mitglieder unüberhörbar anschwillt. Am liebsten wäre mir ein nimmermüder Kanon.
Was ich überhaupt nicht verstehe, ist die Reaktion der deutschen Bundesregierung. Es wird nicht verlangt, dass wir schlechtere Qualität fertigen und ausliefern! Es wird lediglich angeregt (!), dass die Deutschen sich daran erinnern (!) möchten, dass in der Ökonomie der Gewinn des einen immer der Verlust des anderen ist. Frankreich regt doch nur sehr zaghaft an, mal darüber nachzudenken, den Deutschen ein bisschen mehr Lohn zu zahlen, damit die sich zum Beispiel französischen Käse in Deutschland kaufen können. Mit dieser Idee haben haben die Franzosen Recht!
Ich komme mit meinem bescheidenen Intellekt nicht damit zurecht, warum es sich erst jetzt, in 2010, ein EU-Mitglied „wagt“, gegen Deutschland Kritik zu äußern und ich komme schon gar nicht mit der schäbigen deutschen Reaktion zurecht. Unsere Politiker benehmen sich wie Kinder, denen ein Erwachsener den Fußball wegnimmt. Ich schäme mich für die deutsche Reaktion!!!!!
Da aber weder die französischen wie die deutschen Eliten naive Kinder sind, deucht mir, dass die Probleme, die die Euro-Zone derzeit hat, dramatischer sein müssen, als es uns die Presse verrät und wir uns das selbst vorstellen können.
Frankreich kommt erst jetzt, weil einerseits Deutschland auch noch in der globalen Krise weiter gegen die Eurozonenpartner “China in Europa” spielt , die jetzt besonders verwundbar sind, und weil andererseits die Krise auf der Südschiene der Eurozone zum ersten Mal deutlich zeigt, wohin das nicht nur führen kann, sondern schon geführt hat.
für Ihre Antwort. Genau eine solche habe ich befürchtet. Es wird sich heutzutage erst gemuckst, wenn das Kind „Volkswirtschaft“ bereits in den Brunnen gefallen ist.
Ich wünsche mir sehnlichst aufrechte, intelligente Ökonomen, wie Keynes einer war. John M. Keynes war zu seinen Lebzeiten gefürchtet dafür, dass er sowohl die englische Regierung wie die englischen Banker immer wieder öffentlich in scharfen Worten angriff und sie der Dummheit überführte. Heute wird nur noch gewispert und geflüstert – eine gehaltvolle Auseinandersetzung mit der aus dem Ruder laufenden Ökonomie findet nur in Nischen statt.
Ich bin echt sauer, schließlich geht es um unser aller Existenz, die ich in den Händen eines Haufens Dilettanten wähne.
Eine Frage hätte ich dann aber doch noch. Und zwar die Grafik 12998 betreffend. Die Daten zur Nachfrage privater Haushalte sind für jedes Land extra normiert.
Wie hat sich die Nachfrage privater Haushalte pro Haushalt absolut entwickelt? Hat dort Euro-weit eher ein Angleichungsprozess stattgefunden oder geht auch hier die Schere krass auseinander?
Drei Länder haben Deutschland seit 2000 in konstanten Euros/Kopf überholt, die meisten anderen haben sich von unten angenähert. Das ist bei vielen ein Annäherungsprozeß, aber auf der Basis sehr unterschiedlicher Wirtschaftsleistung, wobei Deutschlands Entwicklung praktisch stagniert: http://www.jjahnke.net/index_files/15069.gif . Insgesamt ist der Unterschied zwischen ganz Oben und ganz Unten etwa gleichgeblieben.
Hallo,
ich habe den Verdacht, dass mit der Wirtschaftspolitik in Europa insgeheim eine Hegemonieplolitik der Bundesregierung mit der verbundenen Industrielobby betrieben wird, um möglichst viele EU – Länder in die Abhängigkeit Deutschlands und eines deutschen Diktats zur Volkswirtschaft/Gesellschaft im Interesse der Maximierung der Gewinne der international wirkenden Konzerne zu bringen. Kredite, die unausweichlich auch von Deutschland erbracht werden müssen, sind immer an Bedingungen geknüpft, die man “geschickt” aufstellen kann (siehe Senkung der Realeinkommen der Bevölkerung in Griechenland).
Viele Grüße
Dieter
Schöne Zusammenfassung aller Wahrheiten, die in der deutschen Öffentlichkeit fast tabu sind und die deshalb bei den Wenigsten wirklich angekommen sind. Die Kritik seitens der Euro-Partner, speziell Frankreich, kann man aber dennoch als einen kleinen Hoffnungsschimmer sehen, dass vielleicht die Partner hier ihre Mehrheitsstellung nutzen und von aussen Deutschland zu einer vernünftigen Wirtschaftspolitik zwingen. Das wird aber ein sehr zehes Ringen, denn Deutschlands Schlüsselindustrien sind nun mal exportabhängig und ihre Vertreter werden sich weiterhin mit Händen und Füssen gegen alle Massnahmen wehren, die ihre Vormachtsstellung gefährden würden. Dieser Konflikt wird sich daher wahrscheinlich noch stark entzünden und möglich ist auch, dass man dann tatsächlich das Experiment Euro beendet.
Eine Währungsunion funktioniert eben nur, wenn sie wie eine gute Ehe ist, wo die Partner miteinander reden und aufeinander Acht geben. In der Euro-Ehe verhält sich Deutschland allerdings wie ein Gatte, der nur knausert, aber von seiner Gattin lukullische Mahlzeiten erwartet und ihr anschliessend Vorwürfe macht, dass sie bei der Bank ein Kredit aufgenommen hat, um seine Wünsche zu erfüllen.
“Bundesregierung und Industrielobby sind auf diesem Ohr Taub und argumentieren nicht das Import- sondern statt dessen das Exportthema und die deutsche Wettbewerbsfähigkeit.”
Neben den verheerenden Auswirkungen des “sich Taub stellen” im innerdeutschen “Dialog” mit dem eigenen Volk, attestiert der Bundesregierung die nun von ihren Vertretern angewandte Strategie eine tatsächliche Taubblindheit, die ich mit tiefem Erschrecken zu Kenntnis nehme.
Wäre es denn wirklich möglich, dass unsere Volksvertreter gar nicht realisieren, was sie dabei sind anzurichten – nun auch im Ausland?
Oder sind die Zwänge der Lobby wirklich so eng, dass sie wider besserem Wissen diesen Weg gehen müssen?
Nicht, dass eine von beiden eventuell mit “Ja” zu beantwortenden Fragen, beruhigender wäre als die andere…
Guten Tag. Die Sünde vor #1 war der Euro.
Aber nun auch noch Ex-MP EU-Kommissar Oettinger: “Europa benötige mehr Reformen, wie sie in Deutschland gemacht worden seien.”
Die von Dr.Jahnke hier aufgezeigten Reform-Tabus 1-10 sollen also von allen EU-Ländern gebrochen werden? Hurra, alle werden Exportweltmeister damit!
Die unkundigen Hurra-Patrioten in anderen Blogs jubilieren, dass das nicht unser Problem sei; die erst mal arbeiten sollten; Frau Lagarde hätte keine Ahnung von Wirtschaft; die wolle bloß “Schuld” auf uns abwälzen; dies sind nur sauer, weil wir viele Waffen exportieren und dadurch die Wrtschaft mehr brumme usw. Kurz: Alle selber schuld. Deutschland über alle(s)!
Ich schrieb ja schon mal, dass die Medien jetzt alle darauf nationalistisch konditionieren, froh mit dem deutschen Soziallabbau zu sein, weil es anderen noch schlimmer ginge, Funktioniert, nur weil eine kluge Französin in aller Ruhe und Zurückhaltung ein wahres Wort sagte und dabei vom Interesse “der Gruppe” sprach, nicht wie die Hurra-Patrioten vom Ego.
Offenbar haben viele am griechischen Beispiel nicht gemerk, dass unsere Überschüsse dort mit deren Staatsschulden bezahlt werden, die aus unseren Überschüssen auf den Bankkonten verzinslich von unseren Banke kreditiert werden bis das Wirtschaftswachstum dort hinter dem Schuldenwachstum weit zurückfällt, wonach dem Bankenbailout der Staatsbailout folgen muss (oder Staatsbankrott ohne Rechtsnachfolge der Schulden) oder unserer Banken Kredite fallen aus, wogen jetzt die “bilateralen Staatshilfen” wieder unsere Banken retten sollen – zu Lasten des deutschen Arbeitnehmers, der auch noch möglichst die wegfallende Gewerbesteuer aus Einkommens- und/oder Verbrauchssteuern übernehmen soll.
Die privatisierten Gewinne aus den Exportüberschüssen verwandeln sich jetzt wie die Zockerverluste in sozialisierte Schulden des deutschen Steuerzahlers, der schon durch niedrigste Lohnstückkosten am wenigsten Einkommenszuwachs in ganz Europa hat und damit die ausgebremsten Importe und Investitionen in Arbeitsplätze mangels Kaufkraft gegenfinanziert. Und sein Angstsparen finanziert dann die deutsche Staatsschuld, die ja fast nur aus Sozialtransfers besteht.
Hurra-Dummheit + Nationalismus + Angst = gute Nachbarschaft innen und Außen ??? Es wird gefährlich, wenn beziehunge beginne irrational zu werden.
MfG
/Sarkasmus an
Kann die EU noch gerettet werden, wenn man Deutschland raus wirft?
/Sarkasmus aus
Klasse Zusammenfassung, wenn ich das so salopp sagen darf.
Salopp paßt zu Galopp – in dem befinden wir uns zielabwärtsgerichtet. Die NYT schrieb unter Payback Time, daß die USA in 2012 schlanke 2 Billiarden brauchen wierden, nur um fällige Schulden zu refinanzieren, gleichzeitig müssen so um die 700 Billionen an „corporate debt“ bis 2015 abgedeckt werden, immer Dollares! Das ist nur auf die USA bezogen, wollen wir mal Japan, den Euroraum, UK und den Rest dazurechnen? Da ist die Angst, das triple „A“ in Form von mono „X“ um die Ohren geschlagen zu bekommen eine zu vernachlässigende. Über Moody’s stumpfe Messer schrieb die NYT auch gestern hier.
Kein Wunder daß niemand so recht an wirkliche Finanzreformen ran will; womöglich verweigern die Banksters die Tateinheit wenn man ihnen zu sehr auf die Füße tritt; schließlich kann niemand mit Unternehmens- oder auch höchst phantasievoll generierten Spekulatiusgewinnen so gigantische Summen verdienen, damit diese, versteuert, den Schuldnern einfach so zur Verfügung gestellt werden können. Ergo, quantitatives Drucken der return Taste bleibt angesagt.
Angesichts solcher Zahlen und Rechnungen geht doch aber auch gar nichts mehr auf.
Meinen Gruß
Christian A. Wittke
Guten Abend.
Bei aller Übereinstimmung mit ihrer Herleitung gehen Rechnungen dennoch nur auf, wenn engl. “Trillion” = dt. Billion und engl “Billion” = Milliarde. Nichts für ungut.
MfG
@Paten
Upps, Sie haben natürlich Recht, sorry; obgleich ich zwischen genau diesen Welten lebe sollte es da gerade nicht passieren: es sind dies “700 Milliarden” bzw. “2 Billionen”.
Mal sehen, wann mein Lapsus wieder Sinn machen wird und es demnächst die Billiarden der langen Leiter sein werden, was dann die auf der kurzen Leiter kletternde Wall Street als Quadrillion bzw. ‘a thousand trillions’ bezeichnete; Rückschlüsse aus der Tatsache zu ziehen, daß unsere ach so globalisierte Welt bereits jenseits der vergleichsweise bescheidenen Million zwei verschiedene Leitern erklimmen muß, um ein und dasselbe zu sagen aber anders auszudrücken, bringen einen auch nicht weiter. War ja auch schon mal anders, immer aber verwirrend.
In diesem Sinne, meinen Gruß
Christian A. Wittke
Schönen guten Abend in die Runde,
ich habe seit gestern über dieses Thema nachgedacht und muss zugeben, ich verstehe den aktuellen Hype um Deutschlands Exportgebaren nicht! Ich wäre dankbar, wenn mir jemand erklären könnte, warum plötzlich diese Schlammschlacht zwischen Frankreich und Deutschland losbricht und zwar aus folgenden Gründen:
Es ist doch so, dass spätestens seit 2006 bekannt war, wie es Deutschland zur Exportmeisterschaft gebracht hat, das intern von linksgerichteten Ökonomen kritisiert wurde, aber das liberale Bürgertum trotzdem nicht vom falschen Kurs abwich. Ich meine sogar, mich erinnern zu können, dass erste kritische Stimmen, die sich gegen Deutschlands exportlastige Ökonomie richteten, bereits in 2004 zaghaft durch den Medienblätterwald flüsterten. Vor allen Dingen Dr. Jahnke ist mir als einer derjenigen in Erinnerung, der immer mal wieder anklingen ließ, wie unfair sich Deutschland gegenüber seinen Geschäftspartnern verhält.
Die französische Finanzministerin, Entschuldigung, wenn ich das so bewerte, hat nichts anderes getan, als ganz zaghaft ihr Stimmchen gegen Deutschland zu richten, statt in unmissverständlichen (!) Worten mit unseren Ökonomen und Politikern Tacheles zu reden. Tacheles kann man durchaus höflich und freundlich, mit geschliffenem englischen Humor rüber bringen – trotzdem sitzt die Kritik! Ich habe darüber nichts dagegen, wenn der Chor der von Deutschland bedrängten EU-Mitglieder unüberhörbar anschwillt. Am liebsten wäre mir ein nimmermüder Kanon.
Was ich überhaupt nicht verstehe, ist die Reaktion der deutschen Bundesregierung. Es wird nicht verlangt, dass wir schlechtere Qualität fertigen und ausliefern! Es wird lediglich angeregt (!), dass die Deutschen sich daran erinnern (!) möchten, dass in der Ökonomie der Gewinn des einen immer der Verlust des anderen ist. Frankreich regt doch nur sehr zaghaft an, mal darüber nachzudenken, den Deutschen ein bisschen mehr Lohn zu zahlen, damit die sich zum Beispiel französischen Käse in Deutschland kaufen können. Mit dieser Idee haben haben die Franzosen Recht!
Ich komme mit meinem bescheidenen Intellekt nicht damit zurecht, warum es sich erst jetzt, in 2010, ein EU-Mitglied „wagt“, gegen Deutschland Kritik zu äußern und ich komme schon gar nicht mit der schäbigen deutschen Reaktion zurecht. Unsere Politiker benehmen sich wie Kinder, denen ein Erwachsener den Fußball wegnimmt. Ich schäme mich für die deutsche Reaktion!!!!!
Da aber weder die französischen wie die deutschen Eliten naive Kinder sind, deucht mir, dass die Probleme, die die Euro-Zone derzeit hat, dramatischer sein müssen, als es uns die Presse verrät und wir uns das selbst vorstellen können.
Gaby
@Gaby,
Frankreich kommt erst jetzt, weil einerseits Deutschland auch noch in der globalen Krise weiter gegen die Eurozonenpartner “China in Europa” spielt , die jetzt besonders verwundbar sind, und weil andererseits die Krise auf der Südschiene der Eurozone zum ersten Mal deutlich zeigt, wohin das nicht nur führen kann, sondern schon geführt hat.
Beste Gruesse
Joachim Jahnke
Vielen Dank, Herr Dr. Jahnke,
für Ihre Antwort. Genau eine solche habe ich befürchtet. Es wird sich heutzutage erst gemuckst, wenn das Kind „Volkswirtschaft“ bereits in den Brunnen gefallen ist.
Ich wünsche mir sehnlichst aufrechte, intelligente Ökonomen, wie Keynes einer war. John M. Keynes war zu seinen Lebzeiten gefürchtet dafür, dass er sowohl die englische Regierung wie die englischen Banker immer wieder öffentlich in scharfen Worten angriff und sie der Dummheit überführte. Heute wird nur noch gewispert und geflüstert – eine gehaltvolle Auseinandersetzung mit der aus dem Ruder laufenden Ökonomie findet nur in Nischen statt.
Ich bin echt sauer, schließlich geht es um unser aller Existenz, die ich in den Händen eines Haufens Dilettanten wähne.
Gaby
stimme in allen Punkten zu.
Eine Frage hätte ich dann aber doch noch. Und zwar die Grafik 12998 betreffend. Die Daten zur Nachfrage privater Haushalte sind für jedes Land extra normiert.
Wie hat sich die Nachfrage privater Haushalte pro Haushalt absolut entwickelt? Hat dort Euro-weit eher ein Angleichungsprozess stattgefunden oder geht auch hier die Schere krass auseinander?
MfG
@zer0
Drei Länder haben Deutschland seit 2000 in konstanten Euros/Kopf überholt, die meisten anderen haben sich von unten angenähert. Das ist bei vielen ein Annäherungsprozeß, aber auf der Basis sehr unterschiedlicher Wirtschaftsleistung, wobei Deutschlands Entwicklung praktisch stagniert: http://www.jjahnke.net/index_files/15069.gif . Insgesamt ist der Unterschied zwischen ganz Oben und ganz Unten etwa gleichgeblieben.
Beste Gruesse
Joachim Jahnke
Dankeschön
MfG
Hallo,
ich habe den Verdacht, dass mit der Wirtschaftspolitik in Europa insgeheim eine Hegemonieplolitik der Bundesregierung mit der verbundenen Industrielobby betrieben wird, um möglichst viele EU – Länder in die Abhängigkeit Deutschlands und eines deutschen Diktats zur Volkswirtschaft/Gesellschaft im Interesse der Maximierung der Gewinne der international wirkenden Konzerne zu bringen. Kredite, die unausweichlich auch von Deutschland erbracht werden müssen, sind immer an Bedingungen geknüpft, die man “geschickt” aufstellen kann (siehe Senkung der Realeinkommen der Bevölkerung in Griechenland).
Viele Grüße
Dieter