1704

Gedanken zur Zeit 1704 13-03-10: Der Euro-Sündenfall: Nun doch deutsche Garantien alias Zahlungen an Griechendland

Hier zum Text

11 Antworten zu 1704

  1. Paten sagt:

    Guten Tag. Einerseits dürfen weder EU noch ein Staat für fremde Staatsverbindlichkeiten selbst eintreten und/oder dafür haftbar gemacht werden und umgekehrt, andererseits sind gemeinsame Finanzierungen etwaiger Projekte/Vorhaben hoheitlich möglich, also die projektbezogene gemeinsame Verschuldung ist erlaubt.

    Daraus ergibt sich also:
    Griechenland muss seine Schulden generell selbst bezahlen.
    Die Finanzierungsquelle neuer Darlehen zur Umschuldung darf nur kein EU-Staat/EU selbst sein.

    Bleiben also: Staatshaushalt aus Wirtschaftsleistung (Sozialabbau).
    Nicht-EU-Staat. Private Bank in/außerhalb EU (Ackermann nimmt die ungenutzten Bailout.Garantien der Bundesregierung oder anderer Staaten). Konzerne. Andere Finanzinstitute wie Hedgefonds, Versicherungen, UNO, IWF -neuer EWF- …).

    Ob man China gönnt, seine fallenden Dollars mit Sicherungsklausel in Euro zu verwandeln?

    Welches gemeinsam zu finanzierende Vorhaben wird ggf. erfunden für gemeinsame Bondausgabe bei getrennter anteiliger Haftung? Die Deutsche Telekom macht doch schon mit den höchsten Kosten in EU in Griechenland, dessen Telekom sie kaufte, hohe Gewinne. Vielleicht kauft man ja ein paar nutzlose Lizensen von Papandreou? Schröders fast 100 UMTS-Mrd. lLassen grüßen.

    Schlussendlich: Da sowieso -fast- keiner die Bevölkerungen fragt und die Schulden-Kriterien ja eh keine Rolle spielen: Ändert doch einfach den Artikel ab und schafft für die EU-Bürokraten eine griechische Insel an mit Rundumversorgung bis zur Seebestattung,

    MfG

  2. Guten Tag

    Selbst auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: was da EURO genannt wird hat jede Bedeutung im Sinne einer klassischen Währung verloren. Natürlich werden sich die Banksters auf die Anleihen sämtlicher PIIGS und Konsorten stürzen, finanziert durch die zur Verfügung gestellte, billigste Liquidität. Eine Lizenz zum Scheffeln, auf Wachstum gepolt was auch die Garantien zunächst solche sein lassen wird: aber womit und wie sollten sich Griechenland oder andere Staaten erholen? An den grundsätzlichen Parametern ändert sich nichts; im Gegenteil, der Niedergang der Wirtschaftsleistung nahezu aller Staaten im Wettbewerb um Billigstlöhne, Niedrigkosten im Verbund mit hohlen und vorsätzlich unterbewerteten Währungen kann niemand gewinnen.

    Was es alles nicht besser macht ist die Tatsache, daß $, £ und ¥ ebenso ausgehöhlt sind und sich vom gelb-roten Renminbi veräppeln lassen. Sehenden Auges gehen wir weiterem Spannungsaufbau entgegen, mehr bail-outs, geflickten crunches und gefälschten Zahlen; der Niedergang ist immer a-sozial, sein Gau kommt plötzlich und sicher.

  3. Gaby sagt:

    Hallo, in die Runde,

    zwar leben wir in einer Welt ungeheurer Nahrungsmittel- und Warenfülle, aber uns wird vermutlich das Schicksal Tantalos ereilen, der dazu verdammt ist, ewig Hunger und Durst zu leiden, weil eine Zauberhand die reichhaltigen Gedecke ständig hinweg fegt, sobald Tantalos danach greift. Die kreditverseuchte Realwirtschaft lässt mir solche gruseligen Gedanken entstehen.

    Ich glaube nicht daran, dass sich die Billionen über Billionen Schuldenberge, die um den Erdball schwirren, jemals mit solider Wertschöpfung aus der Welt schaffen lassen. Und wenn uns diese Marktwirtschaft letztlich wegen Unfinanzierbarkeit um die Ohren fliegt, geht das ganz schnell, wie Herr Wittke mahnt.

    Sollte ich das erleben müssen, werde ich wissen, wie hoffnungslos man sich nach dem 2. Weltkrieg als Ausgebombter ohne funktionierenden Staat fühlte.

    Gaby

  4. Paten sagt:

    Guten Tag, nochmal nach dem Rundbrief. Wenn die griechischen Anleihen dann 8% kosten, werden auch die uneinsichtigsten Gesundbeter und Ignoranten erkennen müssen, dass Griechenland kein Wirtschaftswachstum von 12-15% hinkriegt, um die gegen 150% hochziehende Staatsverschuldung zu bezahlen.
    Der Kollaps – mit und ohne Sozialabbau und Protesten- muss kommen und damit w e r d e n die deutschen und französischen Garantien fällig gestellt (während die EZB für die angekauften den Banken wieder schöne Liquidität ohne Gegenwert in die Banken pumpte).

    Die wichtigste Aussage an Dr. Jahnkes ist die zum eigentlichen Dominoeffekt: Dem griechischen Bankrott folgen andere und dem griechischen Sozialabbau auch der deutsche.

    Wie man hört, feiern die staatsnahen Gewerkschaftsbosse (inzwischen schon Staatsorgane gegen ihre Mitglieder geworden) das alles zusammen mit den Arbeitgebern am 17.03. im Kanzleramt.

    MfG

  5. #1948

    Der Erpressung zweiter Akt, erster Teil: ‘Griechenland, geh Du voran’.

    Weitere Teile in Arbeit frei nach
    ‘andere Länder, gleiche Sitten’.

    Nur zur Erinnerung: der erste Akt läuft noch:
    ‘Die Banksters!’.

    Zum dritten Akt werden die Glocken den Einzug der dann ‘allumfassenden Kreditklemme’ einläuten; immerhin hatte der deutsche Bruder allen Wirtschaftens diese Woche bemängelt (>ARD MoMa), dieselbe sei ‘eben noch nicht flächendeckend’ und die Banken würden schon…

    Der Mann ist die Inkarnation aller Krisen!

    Wenn doch der Schrecken schneller käme, dann würde das Ende schon…

    Guten Sonntag!

  6. Labi sagt:

    Hallo Herr Jahnke,
    habe eine Frage bezüglich Grafik 16039 – wie kamen Sie zu diesen Ergebnissen? Auf der http://www.bis.org/ konnte ich nicht diese Zahlen finden.

    Die Griechen selbst zeigen etwas andere Schuldenstruktur nach Gläubigerstaaten: http://www.pdma.gr/%28S%28czxw5pjl4tkvb0555fmucw55%29%29/StaticPage1.aspx?pagenb=463

    Es wäre nett, wenn Sie erläutern wie Sie zu diesen Zahlen gekommen und eine aktive Link zu Quelle einfügen.

    Vielen Dank.
    Mit freundlichen Grüßen
    Labi

    • globalnote sagt:

      @Labi,

      Die Zahlen kommen von den Vierteljahresberichten der BIZ zu den internationalen Forderungen der Banken. Sie müssen das schon selbst bei der BIZ herausfinden. Ich kann nicht noch Links aus einem komplizierten Tabellenwerk anbieten, durch das ich mich erst durch Aggregierung der Einzelbeträge durcharbeiten mußte. Das ist schon genug, und meist unterschätzte Arbeit meinerseits. Ihr Link weist nicht auf die Forderungsstruktur der Banken, sondern auf die Länderstruktur der Anleihenhalter und das nicht aktuell sondern für den gesamten Zeitraum 2005 bis 2009, wahrscheinlich auf den Zeitpunkt des jeweiligen Erwerbs abstellend, wobei viele Anleihen seitdem zurückgezahlt oder weiterveräußert sein können. Das ist nicht dasselbe wie Bankenforderungen gegen Schuldner in Griechenland. Außerdem kann ich die griechischen Angaben nicht überpfüfen.

      Beste Gruesse
      Joachim Jahnke

  7. ErhardsLudwig sagt:

    Der österreichische Kurier berichtet hier darüber, was
    derzeit hinter verschlossenen Türen (bislang angeblich ohne jede schriftliche Dokumentation) vorbereitet wird:
    http://kurier.at/wirtschaft/1985331.php

    Der Däne Jacob Funk Kirkegaard, seit 2002 Research Fellow am Peterson Institute for International Economics und dort u. a. mit der Analyse der Veränderungen in den europäischen Volkswirtschaften befasst, präsentierte am 5. März 2010 hier seine Erkenntnisse zu Griechenland und zur “Europäischen Solidarität” unter dem Titel “Greece, Act III—Athens’s Leverage versus Eurozone Solidarity?”:
    http://iie.com/realtime/?p=1372

    Und hier der Hinweis, was in Wolfgang Schäubles Namensartikel in der Financial Times von Freitag (http://www.ft.com/cms/s/0/2a205b88-2d41-11df-9c5b-00144feabdc0.html?nclick_check=1) noch fehlt: http://baselinescenario.com/2010/03/12/the-german-finance-minister-needs-to-confront-investment-banks/#more-6768

    Das Griechenland-Problem macht es wiederum deutlich:

    Merkel (und andere) hängen als Marionetten an den Fäden von Ackermann (und anderen). Big Finance (besonders in Deutschland und Frankreich) will das eigene Griechenlandengagement noch zügig und möglichst gewinnbringend in andere Hände lenken – erst dann darf die Blase platzen und dabei erneut Gewinn für Big Finance (aus der Spekulation gegen Griechenlands Bonität) in deren Kassen spülen.

    So lange Griechenland beim Euro bleibt, kann keine Hilfszahlung oder Garantie, weder aus dem EU-Bereich, noch vom IWF, das eigentliche Problem Griechenlands lösen, nämlich eine halbwegs wirksame Wettbewerbsfähigkeit der eigenen Produktionen und Einkommensentstehungen wieder herzustellen. Hierzu wäre die nennenswerte Abwertung der eigenen Währung eine wichtige Voraussetzung.

    Ein geregelter Ausstieg aus dem Euro mit der Rückkehr zu einer eigenen Währung bietet wohl die einzig sinnvolle und praktikable Lösung, will man Griechenland nicht zu einem Fass ohne Boden werden lassen.

    Je früher ein solcher Ausstieg vereinbart und vollzogen wird, desto besser für Griechenland, den verbleibenden Euro-Raum, die gesamte EU und die Vermeidung weiterer Spannungen im bereits jetzt in der Gemeinsamkeit überaus gefährdeten Europa.

    Für einen erfolgversprechenden Neubeginn müsste Griechenland dann natürlich noch mit seinen Gläubigern einen vernünftigen Vergleich (haircut) zur Bereinigung der nicht weiter in vollem Umfang bedienbaren Schulden vereinbaren.

    Sollten einige der immer noch nahezu ungebremst auch Richtung Griechenland zockenden Banken einen derartigen Forderungsausfall nicht verkraften können, was nicht nur vorstellbar, sondern durchaus wahrscheinlich ist, müsste noch einmal der jeweilige Staat mit seinen Steuerzahlern in Aktion treten, diesmal aber nicht mehr als “bedingungsloser” Ruck-Zuck-Bailouter, sondern nur gegen Übernahme dieser Banken durch den Staat.

    Dies hätte im Vergleich zu den bisherigen nahezu bedingungslosen Wohltaten zugunsten der Zockergemeinde der Banken den Vorteil, diese Banken wettbewerbsgerecht zerlegen und neu aufstellen zu können, um sie dann später zur Steuerzahlerentschädigung wieder zu verkaufen (analog zur früheren schwedischen Lösung).

    Damit könnte auch sichergestellt werden, dass diese Banken zukünftig keine Zockergeschäfte mehr betreiben und sich auf die eigentliche Aufgabe der Finanzierung der Realwirtschaft zurückbesinnen müssen.

    Besser und billiger als das Versenken von Steuermitteln und Staatsschulden in “Griechenländer” als Fässer ohne Boden käme das allemal.

    Doch sind natürlich nach wie vor Zweifel angebracht, ob die von den Bürgern gewählten Politiker auch so denken und handeln wollen. Unter der tatsächlichen Führung von Ackermann und Konsorten (Jörg Asmussen winkt herüber) werden sie das hier in Deutschland wohl eher nicht tun. Der stille Staatsstreich (The Quiet Coup) hat auch diesseits des Atlantik längst stattgefunden.

    Und hier noch der Link zu einem erhellenden Kommentar in der New York Times vom 11. März 2010:
    http://economix.blogs.nytimes.com/2010/03/11/greece-the-latest-and-greatest-bubble/

    • Vergessen Sie bei der Simplifizierung nicht, daß umgehend andere Länder ihre Wettbewerbsfähigkeit wieder gewinnen wollen bzw. müssen und das Muster Griechenland stante pede für sich in Anspruch nehmen werden? Die Wetten gegen die jeweils schwächsten EUROländer werden nicht nur eine Lawine auslösen.

      • ErhardsLudwig sagt:

        Sehr geehrter Herr Wittke,

        was spräche dagegen, wenn auch noch andere Problemländer ihre Wettbewerbsfähigkeit zurück zu gewinnen versuchten und zu diesem Zweck aus dem Euro ausstiegen?

        Wenn der entscheidende Konstruktionsfehler des Euro – die nach wie vor fehlende gemeinsame Fiskalpolitik mit den dabei nicht nur unvermeidbaren, sondern gebotenen Ausgleichszahlungen an wirtschaftlich schwächere Partnerländer und -regionen – nicht beseitigt wird, kann auf Dauer ein Auseinanderbrechen der Eurozone tatsächlich kaum verhindert werden.

        Eine halbwegs geregelte Verminderung der Teilnehmer am Euro auf die Länder, deren Leistungsbilanzbeziehungen einigermaßebn ausgeglichen sind, die sich in einem wirtschaftlich kompatiblen Zustand befinden und die auch eine dementsprechende Fiskalpolitik betreiben, böte die Chance, den Euro in einer Kernzone zu retten. Bis auf weiteres nicht dazugehörige EU-Länder könnten dann später (wieder) aufgenommen werden, sobald deren Wirtschaftsentwicklung hinreichende Kompatibilität erreicht hat.

        Das schon früher immer wieder mal diskutierte “Europa der zwei Geschwindigkeiten” könnte dazu beitragen, den ansonsten stark existenzbedrohten Euro doch noch zu retten und damit den inzwischen ebenfalls zunehmend gefährdeten Gemeinsamkeitsgedanke in Europa wahren.

        Nicht immer sind komplizierte Konstruktionen und Lösungen die Überlegenen, wie wir am Beispiel der vielen krisenwirksamen Finanzinnovationen und auch an den Verträgen von Maastricht und Lissabon und natürlich am wenig stabilen Stabiltäts- und Wachstumspakt deutlich sehen können.

        Und hat Christine Lagarde eigentlich Unrecht, wenn sie heute in der Financial Times Deutschland dazu aufruft, auch am Abbau seiner Exportüberschüsse zu arbeiten?

        Die nachhaltigen Leistungsbilanzüberschüsse Chinas, Deutschlands, Japans und vieler Ölländer bringen auf Dauer eben keinen Wohlfahrtsgewinn, wie Herr Dr. Jahnke in seiner vorbildlichen Informationsarbeit immer wieder deutlich belegt.

        Der durch die viel zu früh jenseits aller wirtschaftlichen Vernunft eingeführte gemeinsame Währung Euro begründete Verzicht auf die Anpassungswirkung einer Abwertung in den Defizitländern der Eurozone hat zweifelsfrei dazu beigetragen, die Exportüberschüsse Deutschlands und damit letztlich schädliche und die meisten Menschen belastende Folgen – auch hier in Deutschland – zu stabilisieren.

        Durch vergleichsweise einfache Lösungen tabufrei zur Korrektur derartiger Ergebnisse beizutragen, dürfte sicher auch Ihre Zustimmung finden.

        Beste Grüße
        ErhardsLudwig

    • Sehr geehrter Herr Ludwig,

      „Nichts“ und „Ja“ kann ich da nur auf Ihre Fragen antworten.

      Im Grunde sind wir nicht auseinander. Der EURO, so wie mal installiert, ist meiner bescheidenen Meinung nach tot; davon ableitend kann man sich alle möglichen Konstellationen vorstellen allerdings nur dann, wenn die Hausaufgaben gemacht werden: das sind natürlich genau solche Dinge, die man absichtlich bei der Einführung des EUROs im Wahn der Globalisierung außen vor gelassen hat – die Zeit des Duschenwollens ohne naß zu werden muß vorbei sein; sie ist auch vorbei.

      Wirtschaftliche Kompatibilität mit allem was dazu gehört wäre sicher der Königsweg für jedwede gemeinsame Währung, das wußten die Mitdenkenden alle schon mindestens seit dem die Einführung des EUROs diskutiert wurde; allerdings geht auch jeder neue Versuch schief, wenn dazu die globalen Götzen nicht ebenfalls und umgehend einer Kontrolle unterworfen werden. Das Einfangen der Bankster mit ihren aus jeder Fassung geratenen Chaoswetten ist das Eine, die Schaffung gewuchteter Märkte das Andere. Dazu müssen wir uns solcher Mittel bedienen, die vormals als Werkzeuge des Protektionismus verschrieen wurden; gemeinsam, richtig, sauber und feinfühlig angewendet werden sie uns einer Balance näher bringen.

      Da ist nichts Kompliziertes dran und der Komplexität wird man Herr mittels moderner Computerprogramme.

      Meinen Gruß

      Christian A. Wittke

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Log Out / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Log Out / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Log Out / Ändern )

Verbinde mit %s

Follow

Get every new post delivered to your Inbox.

Join 26 other followers