Dieser Beitrag wurde geschrieben von am Sonntag, 28. Februar 2010 um 8:06 pm und eingeordnet unter Globalisierung, soz, Wi. Du kannst den Antworten zu diesem Eintrag mit Hilfe des RSS-2.0-Feeds folgen.
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Als in Deutschland lebender Finne kann ich es nur begrüßen, wenn in der Debatte um Sozialstaat, Wirtschaftsleistung sowie gesellschaftlicher Teilhabe aller Menschen der Blick auf die skandinavischen Länder gerichtet wird. Nicht weil diese Länder ein Paradies auf Erden wären und der neoliberale Mainstream spurlos an diese vorbei ginge (z.Z. plant etwa die konservative Regierung meines Landes eine Erhöhung des Rentenalters), sondern weil sie bisher jedenfalls gegenüber der Entwicklung in Deutschland auf den meisten Feldern besser abschneiden – zum Wohle ihrer Staatsbürger.
Wie kann das bessere skandinavische Beispiel in Deutschland stärker in die Diskussion z.B. um Hartz IV eingebracht werden, und gelingt es den Menschen in in den dortigen Ländern, dem Druck zu widerstehen, der von Deutschland, aber auch der Brüsseler Kommission ausgeht, soziale Standards nicht nach oben, sondern im Namen der Globaliserung nach unten zu nivellieren.
Hallo
Es gab mal das ´Modell Deutschland´, so anfang bis Mitte der 70er Jahre.
Mir fallen in diesem Zusammenhang auch noch die wirtschaftspolitischen Zielsetzungen dieser Jahre ein, magisches Viereck hieß das glaube ich:
Hoher Beschäftigungsstand, Preisstabilität, Aussenwirtschaftliches Gleichgewicht, angemessenes wirtschaftswachstum.
Und was ist daraus geworden ?
Exportkanibalismus, Niedriglohnsektor, Deflation und Inflation gleichzeitig, Wirtschaftswachstum ???
gruss georg
wer mich kennt, weiß, dass ich insbesondere ein Dänemark-Liebhaber bin und das habe ich auf dieser Plattform, wenn sich die Gelegenheit bot, auch nie verschwiegen. Ich will damit sagen, dass ich kein Deutschtümmler bin, mein Land also mit der gebotenen Kritik betrachte, mir aber trotzdem gestatte, folgende, vielleicht unbeabsichtigt provokant wirkende Frage zu stellen:
Warum sind deutsche Produkte weltweit nach wie vor so begehrt wie seit mehr als 100 Jahren? Warum hat es unser marodes Bildungssystem noch immer nicht geschafft, deutsche Innovationen abreißen zu lassen? Warum kommen Waren, die höchste Präzision und Verlässlichkeit erfordern, zum guten Teil aus Deutschland? Und warum sind es die Deutschen, die den Wert ihrer Erfindungen am wenigsten erkennen, gar vermarkten? Man denke nur an die Erfindung des Computers oder des Faxgerätes, die wir so leichtfertig aus unseren Händen gaben, weil wir den Wert der Erfindung nicht erkannten.
Da wäre ich schon froh, wenn mir jemand diese Fragen beantworten könnte.
Hallo Gaby,
ich meine das (vergangene) Modell “Deutschland” funktionierte gut wegen eines sehr guten Bildungssystems und der Möglichkeit durch Kreativität und Aufstiegschancen für den größten Teil der Gesellschaft. Mit der Globalisierung und deren Folgen ist das nicht mehr gegeben. Ich vermute,daß mit der Entdeckung der Eliten, viel mehr Geld durch Spekulation, durch exessives Lohndumping und die Käuflichkeit der Politiker zu erlangen, irreparabler Schaden an der gesamten Gesellschaft entsteht.
na dann rechnet doch mal die sozialabgaben mit rein….! und zeigt dann die statistik. also renten-, kranken-, pflege-, arbeitslosenversicherung etc.. dann sind die indirekten doppelbesteuerungen nicht mit drin. und dann kann man freilich höhere steuern bei höherem einkommen schon zahlen! warum gehen dann ärzte nach skandinavien: weil sie gern höhere steuern zahlen???
grüßle
Diese Bemerkung verstehe ich nicht. Mit Sozialabgaben sieht das Bild nicht viel anders aus: 48,7 % für Dänemark, 48,3 % für Schweden, 48,3 % für Norwegen und 43,6 % für Finnland bei nur 39,5 % für Deutschland. Damit hat die Abwanderung von Ärzten rein gar nichts zu tun!
also ich finde auch, dass fairerweise die Sozialabgaben mit berücksichtigt werden müssen. Dann sieht es allerdings für Deutschland sehr schlecht aus:
Deutschland: 52%
Schweden: 44.6 %
(taxing wedges, OECD 2008)
umso höher sind die Erfolge in Skandinavien zu gewichten. Ein Vorteil von Systemen mit höheren Steuerabgaben lässt sich aber NICHT ableiten.
Das Studium dieses OECD-reports ist sehr aufschlussreich. Ich selbst musste meine Ansichten über sog. Hochsteuerländer revidieren. Heute würde ich zumindest Schweden nicht mehr dazuzählen, resp. Deutschland als “teurer” betrachten.
Was mich als Schweizer an dieser OECD Studie stört, ist die Nicht-Vergleichbarkeit der taxing wedges für die Schweiz (29.5%) weil gewichtige Abgaben wie die Krankenversicherung nicht eingerechnet sind. Das ergibt eine viel zu niedrige Steuer- und Abgaben-last im Vergleich mit den anderen europäischen Ländern.
Hier Steuer und Sozialabgaben in % BIP nach Eurostat, Taxation trends, 22.06.09: 48,7 % für Dänemark, 48,3 % für Schweden, 48,3 % für Norwegen und 43,6 % für Finnland bei nur 39,5 % für Deutschland.
Und hier aus OECD, Taxing Wages 2006-2007, 11.03.08, Einkommenssteuer und Sozialabgaben auf Arbeitseinkommen in % für eine Einzelperson 2007:
Norwegen 37.5
Dänemark 41.4
Finnland 43.7
Schweden 45.4
Deutschland 52.2
dann sind das in deutschland ja schon mal 15% mehr steuern als in norwegen bei welchen durchschnittlichen einkommen?? das man hier mal etwas klarer sieht. und das BIP interessiert ja den einzelnen schon gar nicht. es geht immer nur um die einzelperson!! und dann muss man mal die doppelbesteuerungen mit reinrechnen. und die inflation in deutschland im vergleich zu norwegen?? kalte progression im vergleich skandinavien versus deutschland??
Sie dürfen sich wirklich nicht an Norwegen verbeissen. Wegen seiner Energiereserven gehört das Land eigentlich in eine Sonderkategorie.
International ist die Wirtschaftsleistung nun mal die Bezugsgröße für die Abgabenquote und der normale Vergleichsmaßstab. Beim Vergleich mit dem Arbeitseinkommen wird es immer schwierig, weil es da ganz unterschiedliche Verhältnisse nach Einkommenshöhe und Familienstand sowie Kinderzahl gibt. Das läßt sich am Ende nur sehr schwer vergleichen. So habe ich meine Darstellung der Steuerlastquoten auf Ihren Wunsch um die Sozialabgaben ergänzt, was die Abgabenquote ergibt.
Die Inflation vermeidet man, wenn man mit der Wirtschaftsleistung vergleicht. Außerdem kann man Inflationsraten nur innerhalb der gleichen Währungen vergleichen, weil man sonst die Wechselkursänderungen berücksichtigen muß, und bis auf Finnland ist Skandinavien nun mal nicht im Euro.
Danke, sehr ausführlicher Beitrag. Dennoch, wie sie ja schon schreiben. Auf Grund der niedrigen Löhne in D deutliche gefühlte Verarmung der Bevölkerung. Nicht Konsumzurückhaltung sondern unfähig zu konsumieren.
Versteckte Zahlungen beim Arzt: wo tauchen die Ausgaben für sog. “grüne” rezepte und Zuzahlungen durch Patienten für Zusatzleistungen und Selbstkaufmedikamente auf. Medizinstud. in D müssen unbezahlte Praktika ganztägig absolvieren, ersetzen dort Ganztagsschwestern! müsste alles noch reingerechnet werden in die gesamtbetrachtung.
ich weiss wirklich nicht, ob noch höhere steurern eine verbesserung bringen…. es wird in den imensen staatsausgaben versacken.
Als in Deutschland lebender Finne kann ich es nur begrüßen, wenn in der Debatte um Sozialstaat, Wirtschaftsleistung sowie gesellschaftlicher Teilhabe aller Menschen der Blick auf die skandinavischen Länder gerichtet wird. Nicht weil diese Länder ein Paradies auf Erden wären und der neoliberale Mainstream spurlos an diese vorbei ginge (z.Z. plant etwa die konservative Regierung meines Landes eine Erhöhung des Rentenalters), sondern weil sie bisher jedenfalls gegenüber der Entwicklung in Deutschland auf den meisten Feldern besser abschneiden – zum Wohle ihrer Staatsbürger.
Wie kann das bessere skandinavische Beispiel in Deutschland stärker in die Diskussion z.B. um Hartz IV eingebracht werden, und gelingt es den Menschen in in den dortigen Ländern, dem Druck zu widerstehen, der von Deutschland, aber auch der Brüsseler Kommission ausgeht, soziale Standards nicht nach oben, sondern im Namen der Globaliserung nach unten zu nivellieren.
Hallo
Es gab mal das ´Modell Deutschland´, so anfang bis Mitte der 70er Jahre.
Mir fallen in diesem Zusammenhang auch noch die wirtschaftspolitischen Zielsetzungen dieser Jahre ein, magisches Viereck hieß das glaube ich:
Hoher Beschäftigungsstand, Preisstabilität, Aussenwirtschaftliches Gleichgewicht, angemessenes wirtschaftswachstum.
Und was ist daraus geworden ?
Exportkanibalismus, Niedriglohnsektor, Deflation und Inflation gleichzeitig, Wirtschaftswachstum ???
gruss georg
Schönen guten Abend,
wer mich kennt, weiß, dass ich insbesondere ein Dänemark-Liebhaber bin und das habe ich auf dieser Plattform, wenn sich die Gelegenheit bot, auch nie verschwiegen. Ich will damit sagen, dass ich kein Deutschtümmler bin, mein Land also mit der gebotenen Kritik betrachte, mir aber trotzdem gestatte, folgende, vielleicht unbeabsichtigt provokant wirkende Frage zu stellen:
Warum sind deutsche Produkte weltweit nach wie vor so begehrt wie seit mehr als 100 Jahren? Warum hat es unser marodes Bildungssystem noch immer nicht geschafft, deutsche Innovationen abreißen zu lassen? Warum kommen Waren, die höchste Präzision und Verlässlichkeit erfordern, zum guten Teil aus Deutschland? Und warum sind es die Deutschen, die den Wert ihrer Erfindungen am wenigsten erkennen, gar vermarkten? Man denke nur an die Erfindung des Computers oder des Faxgerätes, die wir so leichtfertig aus unseren Händen gaben, weil wir den Wert der Erfindung nicht erkannten.
Da wäre ich schon froh, wenn mir jemand diese Fragen beantworten könnte.
Gaby
Hallo Gaby,
ich meine das (vergangene) Modell “Deutschland” funktionierte gut wegen eines sehr guten Bildungssystems und der Möglichkeit durch Kreativität und Aufstiegschancen für den größten Teil der Gesellschaft. Mit der Globalisierung und deren Folgen ist das nicht mehr gegeben. Ich vermute,daß mit der Entdeckung der Eliten, viel mehr Geld durch Spekulation, durch exessives Lohndumping und die Käuflichkeit der Politiker zu erlangen, irreparabler Schaden an der gesamten Gesellschaft entsteht.
mfg
na dann rechnet doch mal die sozialabgaben mit rein….! und zeigt dann die statistik. also renten-, kranken-, pflege-, arbeitslosenversicherung etc.. dann sind die indirekten doppelbesteuerungen nicht mit drin. und dann kann man freilich höhere steuern bei höherem einkommen schon zahlen! warum gehen dann ärzte nach skandinavien: weil sie gern höhere steuern zahlen???
grüßle
@Kroker,
Diese Bemerkung verstehe ich nicht. Mit Sozialabgaben sieht das Bild nicht viel anders aus: 48,7 % für Dänemark, 48,3 % für Schweden, 48,3 % für Norwegen und 43,6 % für Finnland bei nur 39,5 % für Deutschland. Damit hat die Abwanderung von Ärzten rein gar nichts zu tun!
Beste Gruesse
Joachim Jahnke
also ich finde auch, dass fairerweise die Sozialabgaben mit berücksichtigt werden müssen. Dann sieht es allerdings für Deutschland sehr schlecht aus:
Deutschland: 52%
Schweden: 44.6 %
(taxing wedges, OECD 2008)
umso höher sind die Erfolge in Skandinavien zu gewichten. Ein Vorteil von Systemen mit höheren Steuerabgaben lässt sich aber NICHT ableiten.
Das Studium dieses OECD-reports ist sehr aufschlussreich. Ich selbst musste meine Ansichten über sog. Hochsteuerländer revidieren. Heute würde ich zumindest Schweden nicht mehr dazuzählen, resp. Deutschland als “teurer” betrachten.
Was mich als Schweizer an dieser OECD Studie stört, ist die Nicht-Vergleichbarkeit der taxing wedges für die Schweiz (29.5%) weil gewichtige Abgaben wie die Krankenversicherung nicht eingerechnet sind. Das ergibt eine viel zu niedrige Steuer- und Abgaben-last im Vergleich mit den anderen europäischen Ländern.
@critico,
Hier Steuer und Sozialabgaben in % BIP nach Eurostat, Taxation trends, 22.06.09: 48,7 % für Dänemark, 48,3 % für Schweden, 48,3 % für Norwegen und 43,6 % für Finnland bei nur 39,5 % für Deutschland.
Und hier aus OECD, Taxing Wages 2006-2007, 11.03.08, Einkommenssteuer und Sozialabgaben auf Arbeitseinkommen in % für eine Einzelperson 2007:
Norwegen 37.5
Dänemark 41.4
Finnland 43.7
Schweden 45.4
Deutschland 52.2
Beste Gruesse
Joachim Jahnke
dann sind das in deutschland ja schon mal 15% mehr steuern als in norwegen bei welchen durchschnittlichen einkommen?? das man hier mal etwas klarer sieht. und das BIP interessiert ja den einzelnen schon gar nicht. es geht immer nur um die einzelperson!! und dann muss man mal die doppelbesteuerungen mit reinrechnen. und die inflation in deutschland im vergleich zu norwegen?? kalte progression im vergleich skandinavien versus deutschland??
@Kroker,
Sie dürfen sich wirklich nicht an Norwegen verbeissen. Wegen seiner Energiereserven gehört das Land eigentlich in eine Sonderkategorie.
International ist die Wirtschaftsleistung nun mal die Bezugsgröße für die Abgabenquote und der normale Vergleichsmaßstab. Beim Vergleich mit dem Arbeitseinkommen wird es immer schwierig, weil es da ganz unterschiedliche Verhältnisse nach Einkommenshöhe und Familienstand sowie Kinderzahl gibt. Das läßt sich am Ende nur sehr schwer vergleichen. So habe ich meine Darstellung der Steuerlastquoten auf Ihren Wunsch um die Sozialabgaben ergänzt, was die Abgabenquote ergibt.
Die Inflation vermeidet man, wenn man mit der Wirtschaftsleistung vergleicht. Außerdem kann man Inflationsraten nur innerhalb der gleichen Währungen vergleichen, weil man sonst die Wechselkursänderungen berücksichtigen muß, und bis auf Finnland ist Skandinavien nun mal nicht im Euro.
Beste Gruesse
Joachim Jahnke
Danke, sehr ausführlicher Beitrag. Dennoch, wie sie ja schon schreiben. Auf Grund der niedrigen Löhne in D deutliche gefühlte Verarmung der Bevölkerung. Nicht Konsumzurückhaltung sondern unfähig zu konsumieren.
Versteckte Zahlungen beim Arzt: wo tauchen die Ausgaben für sog. “grüne” rezepte und Zuzahlungen durch Patienten für Zusatzleistungen und Selbstkaufmedikamente auf. Medizinstud. in D müssen unbezahlte Praktika ganztägig absolvieren, ersetzen dort Ganztagsschwestern! müsste alles noch reingerechnet werden in die gesamtbetrachtung.
ich weiss wirklich nicht, ob noch höhere steurern eine verbesserung bringen…. es wird in den imensen staatsausgaben versacken.