1852

global news 1852 30-12-09: Hält der Euro in 2010 zusammen?

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10 Antworten zu 1852

  1. Gaby sagt:

    Schönen guten Tag,

    mir geht gerade ein ganz anderer Gedanke durch den Kopf: Ist Griechenland nicht ein willkommenes Fressen für den IWF?

    Der neoliberale IWF ist bekannt dafür, zuerst einmal den radikalen Umbau der Ökonomie eines notleidenden Landes zu fordern und dann mit Krediten auszuhelfen. So wird die neoliberale Wirtschaftsform durch die Hintertüre und natürlich gegen den Willen des Volkes installiert.

    Viele Grüße

    Gaby

    • globalnote sagt:

      @Gaby,

      Die EU wird den IWF nicht in die Eurozone lassen und kann das mit ihren Stimmen im IWF auch verhindern. Außerdem muß in Griechenland im eigenen Interesse vieles korrigiert werden, z.B. eine schlimme Korruption, die der Premierminister selbst einräumt.

      Beste Gruesse
      Joachim Jahnke

  2. heiner sagt:

    Zu Griechenland fällt mir da nur das Sprichwort ein:
    Wer einmal lügt dem glaubt man nicht, auch wenn er mal die Wahrheit spricht!
    Letzten Endes aber werden die anderen Staaten Griechenland und Italien unter die Arme greifen werden,
    obwohl das ja normalerweise durch die no- bail-out-Klausel
    ausgeschlossen ist.Überbrückungskredite z.Bsp.wären da unter Berufung auf eine schwere Wirtschaftskrise denkbar.
    Ein Austritt aus der Währungsunion ist ja auch nicht mal vertraglich vorgesehen.Griechenland und Italien müssen eben sich selber am meisten anstrengen ihre Karre wieder aus dem Dreck zu ziehen!
    MfG

  3. Paten sagt:

    Guten Tag. Gute Frage. Vielleicht aber: Was hält den Euro zusammen? Es waren die Gründungskriterien: 3% Nettoneuverschuldung Staatshaushalt, wenn diese Investiert werden. 60% Staatschulden vom BIP als Obergrenze. Nahe 2% Inflationsziel EZB. Was gilt davon noch? Nichts. Die aktuelle Deflation ist noch schlimmer für Beschäftigung und Produktion als etwas zu viel Inflation.

    Was waren weitere Webfehler: Territoriale Einheitswährung ohne Harmonisierung der europäischen Steuern-, Abgaben und Sozialsysteme. Als ob zu DM-Zeiten bezüglich Maße, Gewichten und Währungen und Abgaben in Deutschland die Kleinstaaterei beibehalten worden wäre. Der einheitliche EU-Außenzoll kann die Webfehler innen aber nicht überdecken. Das Argument der wegfallenden Umtauschgebühr ist nur peinlich und lächerlich, als ob 400 Mio. Menschen täglich im anderen Land sind, dauernd umtauschen und irgendwas sparen würden. Tatsächlich ersparten sich Konzerne bei innerbetrieblichen Lieferungen die Tauschkosten und Investitionsverluste und Risiken. Dies im Zusammenhang der US-Angriffe (Soros) gegen die Währungen Frankreichs, Portugals und Italiens, die mühsame Kapitalakkumulation der dortigen Kapitaleigner in Landeswährung immer wieder entwertete und das Wachstum zurückwarf.

    Die steigende DM verstärkte die Verluste dann weiter und behinderte Deutschlands Wachstum aus Exporten bei gleichzeitiger Bindung der wichtigsten Importe (Öl, Gas, Metalle) an den Dollar, der die Börsenpreise dazu noch auf immer neue Höhen trieb, die Terms of Trade zusätzlich zu den finanziellen Sonderbelastungen der deutschen Einheit in den 90-gern schlechter wurde. All das führte zu der ab 2000 eingeführten Blockwährung – ein Verteidigungsbündnis gegen Spekulanten und die Verschleierung von Problemen aus nichtäquivalentem Austausch und unterschiedlicher Stundenproduktivität (Stückkosten) innerhalb der EU.

    Wenn, z.B. ein Nettoimporteur wie Griechenland beim Nettoexporteur Deutschland für 1 Mrd. DM einkaufen geht und dagegen für 0,5 Mrd. DM liefert, importiert er auf Kredit aus Deutschland für 0,5 Mrd. DM, die er ja nicht mit Exporterlösen bezahlen kann. Der DM-Kredit kommt aus deutschen Banken, die dagegen Drachmen erhalten, die die griechische Staatsbank ausgibt. Nur kann man mit dem 0,5 Mrd. DM in Drachmen im nächsten Jahr auch nichts kaufen, denn aus dem Handel 1 Mrd. DM sind ja wieder die 0,5 erlöst worden, die Deutschland zum Import aus Griechenland braucht.

    Ergo wurden die Warenwerte des Handels über die Kursrelation ausgeglichen, sonst würde sich das kreditierte Handelsbilanzdefizit Griechenlands kurzfristig mangels Kaufkraft als abzuschreibender Kredit erweisen, den die deutschen Banken zu tragen hätten. Dahinter steckt letztendlich, dass verschiedene nationale Produktivität und damit verbundene Löhne und Steuern der produzierenden Gewerbe (Wertschöpfung) mengenmäßig immer nur eine Arbeitsstunde gegen eine Arbeitsstunde austauschen können.

    Würde Gold produziert und einer in 1 Stunde ein Kilo herstellen, der andere 2 kg, so wäre der Währungskurs für 1 kg 2:1 bei Geldwertstabilität (Kaufkraftäquivalent) des Goldes. Wer tauscht schon 2 kg für eins als faire trade?

    Mit dem Einheitseuro wurden zwar Preise direkt vergleichbar, das waren sie aber vorher mittels der Kurse auch schon. Ein Scheinargument für Rechenschwächler. Tatsächlich fiel die Möglichkeit weg, die unterschiedlichen Produktivitäten / Arbeitsstundenwerte per Kursrelation an die Menge des Warenhandels anzupassen. Deshalb kommt es zu steigenden Warenkrediten Deutschlands und dem exportweltmeister, während die Nettoimporteure wie o.a. immer mehr fiktive Warenschulden aufbauen (für Exporteinnahmen zum Defizitausgleich), die sie weder herstellen können, noch dass wir sie in der Menge brauchen. Fiktionen.

    Das führt zur schnellen Überschuldung des BIP >100% (das ist die wahre negative Kredit-Krise der Südländer, nicht die Finanzkrise der USA, wo sie nicht mitspielten), solange Außenhandel ohne Kurskorrekturmöglichkeit betrieben wird. Und wer nicht mehr zahlen kann, dem werden die weiteren Kredite verteuert. Und der Augenwischer-Trick mit „alle Bürger, Banken und Unternehmen pleite, aber der Steuerbürger als Staat AAA“ ist jetzt auch beendet. Ergo zahlt Deutschlands Steuerbürger teuer die Rechnung des verpatzten Euro und für den Ungleichgewichts-Titel „Exportweltmeister“ statt Bilanzweltmeister.

    Nur hat Finanzkrisenspekulation, Verlagerung und China’s Dollarbindung den Dollar um weitere 14% zum Euro verbilligt, die Außenmärkte sind weggebrochen, der Binnenmarkt ist als Niedriglohnsektor nicht fähig ausgleichende Kaufkraft zu entwickeln und Deflation, Umverteilung der Steuerbelastungen und asiatischer und US-amerikanischer Jobklau (Mercedes) durch Dumping machen Deutschland auf einen Schlag zum Schuldnerland, dass schon gar nicht mehr auch noch die anwachsenden Schulden der anderen Europäer schultern kann.

    So werden wir zurück müssen zu einer Binnenwährung, die unsere Produktivität, Kaufkraft, Einkommen und Arbeitsplätze schützt. Egal ob die Amis eine Währunsgreform machen mit dem Amero oder nicht. Die lösen nur ihr Schuldenproblem mit China. Das haben wir ja nicht. Und sollten auch nie dahin kommen. Vielleicht kriegen wir ja unsere finanzielle Selbstbestimmung erst dann hin, wenn wir erkennen, dass wir nur noch für andere arbeiten und unser Wohlstand mit den Gütern exportiert wird. Wenn die anderen nicht ausgleichen können und wollen ist der Zusammenhalt des Euro für uns immer nutzloser, bald schädlich. SFR? NKR? als Reservewährung?

    MfG

  4. Gaby sagt:

    Hallo in die Runde,

    stimmt, Herr Dr. Jahnke, die Griechen haben ein enormes Problem mit der Korruption. Eine durchschnittliche Familie zahlt gut 1.700 Euro Schmiergelder pro Jahr. Auch die Steuerhinterziehung treibt große Blüten. Rund ein Drittel der griechischen Wirtschaft läuft am Finanzamt vorbei. Und zu allem Überdruss sehen die Griechen in ihrem Staat etwas, dass man schamlos ausplündern kann. Ich denke, hier ist ein Mentalitätswandel nötig.

    Und was passiert, wenn die EU die maroden griechischen Finanzen stützt? Es könnte andere Wackelkandidaten dazu einladen, sich ebenso sanft fallen zu lassen. Aber auch wenn Griechenland vor dem Staatsbankrott bewahrt wird, wie will es je seine Verschuldung in den Griff bekommen? Der Bauboom auf Pump der vergangenen Jahre ist der Krise zum Opfer gefallen und die Touristenzahl dürfte sich künftig auch verkleinern. Viel mehr hat das kleine Land nicht, mit dem sich auf internationalem Parkett Geld verdienen lässt. Und der starke Euro führt mit Sicherheit auch nicht zur raschen Erholung des Landes.

    Da bleibt nur eins: Das Land muss sich selbst am Schopfe fassen und aus dem Sumpf ziehen. Korrekturanreize sind mehr als genug vorhanden. Dass Griechenland die EU verlässt oder gar der Euro zerbricht, halte ich hingegen für unwahrscheinlich.

    Beste Grüße

    Gaby

    • globalnote sagt:

      @Gaby,

      Das Zerbrechen des Euro ist nur unwahrscheinlich, weil die deutsche Exportindustrie, die vor allem wegen des festen Wechselkurses bei tatsächlicher Abwertung des deutschen Parts innerhalb der Eurozone die Vorteile von den Ungleichgewichten kassiert, dagegen halten wird. Da wird der deutsche Michel wieder zahlen, nachdem ihm die Bundesregierung vorhält, daß der Euro unser Schicksal ist. Dabei hätte er nie eingeführt werden dürfen. Er war das Machwerk von Technokraten, die ich persönlich kenne und vor denen ich nicht den mindestesten Respekt habe, und er wurde nicht dem deutschen Volk zur Zustimmung vorgelegt. Der Euro ist bei Lichte betrachtet ein Herzstück der deutschen neoliberalen Politik, auch wenn die Franzosen in ihrer Dämlichkeit darum gebeten hatten.

      Beste Gruesse
      Joachim Jahnke

    • Paten sagt:

      Guten Abend. Die u.a. Griechen plündern den deutschen Steuerzahler aus, solange der Exportwahn blökt und die Gewinne aus den Krediten aus Handelsbilanzüberschüssen an die Griechen einsackt. Das ist “Wachstuuum!” per Export. Nachdem USA und Asien und Russland und die ach so mit goldener Zukunft umworbenen EU- und Euro-Neuzugänge im Osten wegbrechen, wird man vor der Haustür das nahe Gute erkennen. Nur drucken die Griechen dann keine Drachmen mehr,um die Zahlungsdefizite für Importe auszugleichen, sondern knallen immer billigere Staatsgarantien an die Nationalbank für die EZB oder Ackermann raus, solange so billiges Geld reinkommt wie jetzt.
      Das geht dann an die deutschen Exporteure samt Bankgebühren und hier ist man zufrieden. Nur wird jedes Zahlungsversprechen mal fällig. Und wenn der Grieche an sich steuerlich ausfällt, läuft nur noch Turboumschuldung mit eklatanter Zinsanhäufung oder die EZB nimmt die deutsche Exportbank in Anspruch. Die hat den Müll dann verbrieft – an die EZB. Oder bittet Frau Merkel wie gehabt für fremde Schulden um eine Staatsgarantie gegen deutsche Steuern. Zahlungsunfähigkeit bei weiterer Schuldensteigerung führt so oder so zur Schuldenblase, die der letzte Jerusalem-Reisende und Gläubiger zahlen wird. Was wiederum den Griechen egal sein kann, die ihren Kreditbedarf zugunsten deutschen Exports einfach hochfahren werden. Deutschland macht alle reich! Außer seine Bürger, zu Lasten deren Wohlstands perspektivischer auch sozialer Sicherheit das geht. Es ist alles so krank.

      MfG

  5. Gaby sagt:

    Hallo, Herr Dr. Jahnke und Mitlesende,

    die Beschäftigung mit Keynes führte bei mir automatisch dazu, mich endlich mit dem Euro zu befassen. Ich teile mittlerweile Ihre und die Auffassung vieler Kritiker, dass der Euro nie hätte eingeführt werden dürfen und schon gar nicht unter so vielen heterogenen Staaten. Diese Währung bringt mehr Probleme als Vorteile. Seit ich das weiß, verbinde ich den Euro stets mit dem leicht abgewandelten Ringspruch von Tolkien:

    Ein Metall sie zu knechten,
    sie alle zu finden,
    ins Dunkel zu treiben
    und ewig zu binden.

    So und nicht anders kommt mir der Euro vor. Daher rührt meine eher pessimistischen Auffassung, dass von einem Scheitern des Euro so rasch keine Rede sein wird. Koste es, was es wolle!

    Viele Grüße

    Gaby

  6. Wolfgang sagt:

    Ich möchte nur kurz an die Äußerungen/Drohungen eines italienischen Politikers im Jahr 2005 erinnern wonach er laut über die Einführung der Lira als Zweitwährung nachgedacht hatte. Das hätte mit Sicherheit den Tod des Euro in Italien bedeutet.
    Jedenfalls, der Euro hat bisher nur Deutschland viel geholfen. Deutschland konnte sich damit erstmals mit massivem Lohndumping als Exportnation aufstellen ohne dass ihm das europäische Ausland mit Abwertungen in die Quere gekommen ist!

    Allerseits einen guten Rutsch nach 2010 und ein hoffentlich besseres Jahr.
    Wolfgang

  7. der pommer sagt:

    Der Euro wird spätestens dann zerbrechen, wenn die Chinesen den Deutschen einen Großteil ihrer Exporte abgejagt haben.
    Dann merkt auch Michel, dass er vollkommen pleite ist und obendrauf für andere Fresser (Griechen etc.) zahlen soll.

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