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global news 1801 21-11-09: Methusalem-Deutschland: Zur neuesten Bevölkerungsvorausberechnung

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18 Antworten zu 1801

  1. Manfred Steingrube sagt:

    Die theoretische Annahme einer Überalterung der Deutschen durch die vom Statistischen Bundesamt vorgelegten Zahlen sollten zumindest die verantwortlichen Politiker auf den Plan rufen. Bei gleicher oder ähnlicher Politik wie bisher scheint Deutschland auf ein „Methusalem“ zuzusteuern.

    Ob diese Prognosen am Ende (2060!?) tatsächlich auch eintreten werden, wird heute mit Sicherheit niemand vorher sagen können. Ich frage mich bei einer solchen „Studie“ immer wieder, wer sie zu welchem Zweck erarbeitet hat. Was für mich persönlich ablesbar ist, dass die Deutschen tendenziell der Politik nicht alles durchgehen lassen dürfen. Schon ihrer Kinder wegen nicht.

    Die Zahlen belegen aber auch auf der anderen Seite einmal mehr wie durch eine falsche Politik weiteren Generationen die Zukunftschancen genommen werden. Die heute in der Verantwortung stehenden Politiker tragen also im höchsten Maße mit dazu bei, dass Deutschland offensichtlich auf eine gesellschaftliche „Fehlentwicklung“ zusteuern könnte.

    • globalnote sagt:

      Hallo Herr Steingrube,

      Habe jetzt in der Grafik 14806 die Geburtenrate seit 1960 eingetragen. Sie sehen daran, wie fest sie jetzt unter 1,4 eingefahren ist. Bevölkerungsentwicklungen sind sehr große Tanker, die sich ohnehin wenig in der Richtung verändern. In Deutschland gibt es dann noch besondere Gründe, die diese Rate besonders weit nach unten getrieben haben. Die Modellrechnungen des StaBuA dürften daher für die nächsten Jahrzehnte, wenn auch vielleicht nicht bis 2060, ziemlich verläßlich sein. Sie sollen ja vor allem den Handlungsbedarf für die Poltik aufzeigen. Doch die handelt bisher eigentlich nicht oder kontraproduktiv, denn z.B. die Steuerentlastungen werden den Spielraum der Länder für die Kitas weiter einschränken.

      Beste Gruesse
      Joachim Jahnke

  2. Gaby sagt:

    Schönen guten Abend,

    ich kenne keine Frau, die deshalb Kinder bekommt, weil sie dem Staat Arbeitskräfte bzw. Rentenzahler produzieren will. Die Zeit der „stählernen Mutterkreuze“ ist erst einmal vorbei. Es wird lieber auf Kinder verzichtet, als sie einer Ideologie oder einer verkorksten Wirtschaft zu opfern, die ja immer auch den Privathaushalt betrifft. Doch, opfern ist das richtige Wort!

    Die Zahl der Kinder meiner MittelstandskollegenInnen, die jetzt mit ihrer Ausbildung fertig sind und arbeitslos daheim sitzen, mehren sich seit Ausbruch der Weltwirtschaftskrise. Die Eltern empfinden es als große Schmach, so viel Geld in die Ausbildung gesteckt zu haben und beschämend zugleich, dass ihr Nachwuchs jetzt zu den Leuten gehört, auf die sie vor kurzem noch verächtlich herab sahen. Langsam aber stetig wächst die Wut auf dieses bankrotte Wirtschaftssystem.

    Kinder werden nur dann mit großer Freude empfangen, wenn die finanzielle Ausstattung der Familien durch wenigstens einen guten Verdienst gesichert ist und wenn diese Kinder in der Gesellschaft derart willkommen sind, dass Eltern während der langjährigen Erziehung und Ausbildung nicht alle Aufgaben wie z.B. Sozialisierung, Hausaufgabenhilfe, Talentförderung etc. alleine schultern müssen. Grundvoraussetzung ist allerdings auch, dass Familien nicht ins existenzielle Aus fallen, wenn die unverschuldete Arbeitslosigkeit sie überfällt und Voraussetzung ist auch, dass wir endlich aufhören darüber zu sinnieren, ob es wertvolles und wertloses menschliches Leben gibt!!!!!

    Alle diese Voraussetzungen hatten wir mal in den 1960er und 1970er Jahren der BRD und seither werden die sozialen Rahmenbedingungen, die die Kinder in unserer Gesellschaft willkommen heißen, Stück für Stück zum Wohle der Unternehmer demontiert, da hilft es auch nicht, dem Mittelstand und den Reichen immer mehr Kindergeld auszubezahlen, wenn gleichzeitig dringend benötigte Kindereinrichtungen aus Kostengründen gar nicht erst aufgebaut bzw. abgebaut werden. Unsere überschuldeten Staatsfinanzen lassen nicht vermuten, dass sich der löchrige Zustand der Kinderbetreuung in naher Zukunft zum Besseren wandelt.

    Meine Meinung ist, dass es unseren Eliten in Wahrheit vollkommen egal ist, ob wir Deutsche eine höhere Sterbe- wie Geburtenrate haben. Billige Arbeitskräfte zum Wohle des Profits werden immer gefunden und unsere ausgedienten Politiker finden immer ein Schlupfloch in irgendeinem Aufsichtsrat, wo sie ein gut bemessenes Gnadenbrot und ein gemütlicher Stall erwartet. Allein das ist wichtig.

    Ob der geduldige, überaus leidensfähige deutsche Michel in Bälde über verbrannte Erde stolpert und wie er sein Überleben sichert, ist egal. Die FDP gibt sich gerade christlich, hat sogar einen Verein gegründet: „Christen in der FDP-Bundesfraktion“. Na, da bleibt dem Michel am Ende ja immer noch, den schwarzen Gott der nicht vorhandenen Nächstenliebe und den gelben Gott des Geldes anzuflehen, ihm jemanden zu schicken, der ihn im Alter pflegt und würdig in den Tod begleitet.

    Gaby

  3. Klaus sagt:

    “Denn erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt.”
    Die derzeitige Finanzpolitik ist absolut untauglich und ich denke. daß es in nächster Zeit zu Verwerfungen, egal welcher Art, kommen wird, die in den Auswirkungen denen des 2.Weltkriegs in nichts nachstehen.
    Danach sind all die schönen Prognosen nur noch Makulatur.
    Leider herrscht Unfähigkeit und nicht Intelligenz und leider auch wegen dem blöden Satz: Der Klügere gibt nach.

  4. heiner sagt:

    Zum Thema: http://www.altern-in-deutschland.de/
    Methusalem aus dem 5.Buch Mose, da ging es wohl um 969Jahre.
    MfG

  5. heiner sagt:

    Und wer Zeit und Lust hat an ein weiteren Zahlen
    weltweit. :www.pdwb.de
    MfG

  6. N. sagt:

    Hallo allerseits,

    ich denke 50 Jahre in die Zukunft schauen, ist etwas gewagt. Die Geburtenrate ist wohl tatsaechlich relativ gut vorhersagbar. Jedoch glaube ich, wir die durchschnittliche Lebenserwartung auch wieder sinken… Kuerzungen im Sozialsystem werden ihr Uebriges tun. Wenn natuerlich die Saeuglingssterblichkeit wieder steigt, dann gleicht sich das wieder aus…

    -N

    • globalnote sagt:

      @N

      Da müßten schon Katastrophen kommen, wie Klimadrama oder Seuchen. Denn normalerweise ist auch die Lebenserwartung in den alten Industrieländern unabhängig von ihrem Sozialsystem auf einem ziemlich festen Kurs, wobei natürlich die Armen im Durchschnitt weniger lang leben. Auch ein Anstieg der Säuglingssterblichkeit ist aus heutiger Sicht nicht wahrscheinlich. Die entscheidende Wirkung hat wohl die Geburtenrate (neben der Zuwanderung, bei der Zuwanderer in der Regel eine höhere Geburtenrate mitbringen).

      Natürlich sind im Zeitraum von 50 Jahren Katastrophen dieser Art nicht auszuschließen. Das StaBuA macht ja nur Modellrechnungen.

      Beste Gruesse
      Joachim Jahnke

  7. Manfred Steingrube sagt:

    Hallo Herr Jahnke,

    genau das ist der Punkt, den ich ansprechen wollte: Der Politik liegen Erkenntnisse über die demografische Entwicklung in Deutschland vor. Obwohl diese Zahlen eigentlich als ein Alarmsignal gesehen werden müssten, legen sie nicht die richtigen politischen Hebel um. Jetzt kann man sich natürlich fragen: was sind die richtigen politischen Hebel!? Dazu folgendes: Antworten auf diese Frage können eigentlich nur in einem Konsens aller gesellschaftlichen Gruppierungen gefunden werden. Und davon sind wir noch meilenweit entfernt. Zumindest kann ich keine Gemeinsamkeiten hinsichtlich der Frage wie der Überalterung der Gesellschaft begegnet werden kann. Die Demografie-Diskussion in der Bundesrepublik-Deutschland wird meines Erachtens überwiegend aus der ökonomischen Ecke mit dem Hinweis auf die belastenden Sozialsicherungssysteme geführt. Sie ist also sehr einseitig ausgerichtet und dient allein dem Zweck, die Entsolidarisierung der Sozialsicherungssysteme voranzutreiben. Ist damit aber allein das Problem einer möglichen Überalterung gelöst? Ich denke nicht. Dieser Weg wird eher in eine „Katastrophe“ für bestimmte Bevölkerungsgruppen führen müssen. Vielmehr muss gerade aus dieser Erkenntnis heraus politisch gegen gehalten werden und der Grundgedanke der Solidarität (der Starke trage den Schwächeren) viel stärker zur Geltung kommen. Stattdessen wird politisch das Gegenteil angestrebt.
    Damit allein wäre aber sicherlich noch nicht die mögliche Problematik einer Überalterung gelöst. Es müssten zusätzliche politische Hebel umgelegt werden. Wenn tatsächlich der Problematik ernsthaft begegnet werden würde, müssten ältere Arbeitnehmer auch tatsächlich in den Unternehmen gehalten werden. Meinen Beobachtungen zur Folge geschieht dies allerdings überwiegend gerade nicht. Wer etwas anderes behauptet hat keinen wirklichen Bezug zur Basis. Durch diese oft anzutreffende Unternehmerpolitik gehen große Potentiale der Gesamtwirtschaft mit möglichen fatalen Folgen auf Dauer verloren. Politisch betrachtet könnte aus meiner Sicht eine Quotenregelung einer Altersstruktur für Unternehmen geschaffen werden, um zu verhindern, dass Unternehmen zu Lasten der Sozialsicherungssysteme ihre älteren Arbeitnehmer „ausgliedern“ können. Viele Unternehmen sind ja nicht einmal bereit, obwohl sie oft rückwärts öffentlich diskutieren, ihre älteren Arbeitnehmer zu qualifizieren geschweige denn altersgerechte Arbeitsplätze zu schaffen. Für mich bedeutet diese reale Wahrnehmung, dass sehr viele Unternehmen ihre gesellschaftliche Verantwortung überhaupt nicht begriffen haben oder nicht begreifen wollen. Das wird, so denke ich, zu Konsequenzen führen müssen, die heute nur zu erahnen sind. Die Jugend wird ihren Anspruch auf einen Platz in der Gesellschaft einfordern müssen, wenn sie nicht untergehen will. Ansätze hierfür sind erkennbar, und das ist auch ihr gutes Recht, auf ihre schlechte Schul- und Studiensituation öffentlich aufmerksam zu machen. Die Bundesregierung hat aber nichts anderes im Sinn als ihre Klientel finanziell zu bedienen anstatt in das marode Bildungssystem zu investieren.

  8. wotan sagt:

    Vorhersagen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen. Das sogenannte Demographieproblem wird maßlos überschätzt auch in seiner Dringlichkeit. Immerhin haben wir noch 60 Jahre Zeit, um uns darauf einzustellen, genauso wie wir es in den letzten 60 Jahren getan haben. Das Thema wird hochgespielt, um Kürzungen der umlagefinanzierten Rente und eine verlängerte Lebensarbeitszeit zu rechtfertigen. Vor allem sollte Panik erzeugt werden (die Rente ist nicht sicher) zur Stimulierung des Milliardenmarkts der privaten Altersvorsorge. Die private Vorsorge wird aber nicht das Geringste an der Demographie ändern. Weit weniger populär ist ein anderes viel wichtigeres Thema: Durch die ständig steigende Produktivität nimmt der Umfang der nachgefragten Arbeit immer weiter ab. Mehr junge Leute würden dann immer weniger Arbeit finden. Schon heute ist die Jugendarbeitslosigkeit ein großes Problem. Das Demographiegetöse lenkt nur davon ab, das der technische Fortschritt immer mehr von der Kapitalseite vereinnahmt wird. Die Verarmung der Bevölkerung und Massenarbeitslosigkeit sind dann programmiert. Die steigende Altersarmut zusammen mit anderen Katastrophen werden dafür sorgen, daß man solche Hochrechnungen nicht allzu ernst nehmen muss, außer in ihrer heutigen politischen Wirkung.

    • globalnote sagt:

      @wotan,

      Natürlich sind Vorhersagen schwierig. Doch dies sind Modellrechnungen, die den unbestreitbaren Handlungsbedarf der Politik aufzeigen. Wir haben für die Politik nicht 60 Jahre Zeit, denn der Effekt beginnt schon jetzt zu wirken und wird sich nur weiter steigern, Jahr für Jahr. In 60 Jahren wäre es für die Politik eh viel zu spät. Ihre Unterstellung, man wolle nur Panik erzeugen, ist einfach falsch. Dazu ist die Entwicklung viel zu sehr eingefahren und treibt nun wie ein großer Tanker bei sehr niedriger Fruchtbarkeitsrate weiter. Natürlich kann die Produktivität das Problem lösen helfen (wie ich im Infoportal immer wieder feststelle), doch erstens muß man dann sehr rasch zu einer anderen Verteilung der Produktivitätsgewinne kommen, z.B. eine Art Maschinensteuer für die Altersversorgung oder eine Sondersteuer für die Altersversorgung auf Kapitalgewinne (schwer durchzusetzen wegen der liberalen Finanzmärkte), wofür es allerdings in Deutschland nicht einmal eine Diskussion gibt. Und zweitens muß man viel mehr für die Produktivität tun, was mit der Bildung anfängt. Die Jugendarbeitslosigkeit ist weitgehend auch ein Problem abgebrochener oder zu geringer Schuldbildung, mit der auch keine Produktivität zu gewinnen ist. Die gesamtwirtschaftliche Produktivität pro Beschäftigten wuchs zwischen 2000 und 2004 nur um 0,8 % pro Jahr und stieg dann zwischen 2004 und 2008 auf 1,2 % ( http://www.jjahnke.net/index_files/14816.gif ). Doch zeigt die Entwicklung seitdem mit einem krisenbedingten Rückfall auf das Ausgangsniveau von 2000, wie unsicher Annahmen zur Produktivitätsentwicklung sein können. Die Lösung des Rentenproblems verlangt also eine drastisch andere Besteuerung, eine Bildungspolitik zur Produktivitätssteigerung (besonders angesichts des enormen Produktivitätsfortschritts in Asien, vor allem China) und eine Wirtschaftspolitik, die starke krisenhafte Einbrüche vermeidet.

      Ihre Verharmlosung eines echten Problems mit dem Hinweis auf die Interessen der privaten Versicherungswirtschaft zeigt nach meiner Meinung nur die Fehlleistung von Albrecht Müller mit seinen NachDenkSeiten, die das Problem immer nur unter “Lügen” abheften.

      Beste Gruesse
      Joachim Jahnke

  9. wotan sagt:

    lieber Herr Jahnke,
    danke für die Verortung, ich lese beide Seiten mit großem Gewinn. Sicher kann man in der Zunahme des Lebensalters (bei den unteren Einkommensschichten dreht der Trend bereits wieder) ein Problem sehen. Meiner Meinung nach liegt die Bedrohung eher in einer Zunahme der strukturellen Erwerbslosigkeit und nicht beim Lebensalter. Selbst Herr Rürup hat gesagt (in einem ehrlichen Augenblick), daß die Rentenreformen nur deshalb nötig seien, weil der Zuwachs an Produktivität (10% jährlich z.B. im Maschinenbau in Franken) einseitig der Kapitalseite zu Gute kommt. Folge ist, daß die Menge an nachgefragter Arbeit stetig sinkt. Das Mandra der Konzernpolitik heißt doch: immer weniger Mitarbeiter bei immer mehr Produktion. Wer soll dann die Produkte kaufen? Wie Sie immer wieder sagen ist diese Krise auch eine Folge mangelnder Kaufkraft. Diese Art Wirtschaft ist daher im Kern menschenfeindlich und führt in eine Sackgasse. Irgendwann wird nur noch für die Wohlhabenden produziert. Es gibt viele Bedrohungen unseres Wohlstands, das Älterwerden gehört unter “ferner liefen” auch dazu. Trotzdem vielen Dank für das nützliche Datenmaterial. Vorschlag zur Rentenreform:
    1. Alle Berufsgruppen zahlen in die Versicherung ein wie in der Schweiz
    2. Es gibt keine Beitragsbemessungsgrenze
    3. Versicherungsfremde Leistungen werden über Steuern finanziert.
    4. Förderung der Produktivität z.B. durch Bildung
    und des Zusammenhalts der Generationen, heute ist es noch so, daß die jungen vom Reichtum der älteren Generation profitiert.

    • globalnote sagt:

      @wotan,

      Nun liegen wir ziemlich eng beieinander. Nur drei evtl. Mißverständnisse müssen wir noch ausräumen. Erstens, ist die Alterung der Bevölkerung ein Fakt und nicht nur Panikmache, schon gar nicht von der Versicherungswirtschaft erfunden (so Nachdenkseiten). Zweitens, kommt die Alterung nicht so sehr von der Zunahme der Lebenserwartung, sondern von der sehr stark abgesenkten Kinderzahl pro Frau im gebährfähigen Alter. Weil hier weniger Kinder auch weniger Mütter in der nächsten Generation bedeuten, also eine Schraube ohne Ende, solange nicht die Geburtenziffer sehr deutlich steigt, wozu sie allerdings keine Neinung hat. Dagegen ist die Zunahme des Lebensalters ein Einmaleffekt, der auf das regenerative Verhalten keinen Einfluß hat, sich also nicht multipliziert. Drittens, hätten wir das Problem, auch wenn alle Arbeit hätten. Die Modellrechnung unterstellt geradezu Vollbeschäftigung (anderenfalls wäre der Altersberg noch viel schwerer zu verdauen); deswegen hilft hier Ihr Hinweis auf Rürup nicht weiter.

      Natürlich kann man NDS mit Gewinn lesen. Leider hat A.M. immer wieder drei Probleme, zumal nachdem er sich in seinem Lügenbuch bei den ersten beiden falsch festgelegt hat: die Einordnung der neoliberalen Form der Globalisierung (durchaus kein “alter Hut”), die demografische Entwicklung (keine Lüge der Versicherungswirtschaft, wobei A.M.’s Erwartung eines schnellen Wiederanstiegs der Kinderzahl pro Frau einfach nicht aufgeht) und seine Behauptung, die Finanzkrise hätte mit der immer ungleicheren Einkommens- und Vermögensentwicklung nichts zu tun, obwohl gerade die viel des Spekulationskapitals freisetzt (auch jetzt schon wieder). Schade für NDS und die irregeleiteten Leser.

      Daneben übertreibt A.M. auch in seinen letzten beiden Bestsellern erheblich. Man kann nicht die ganze deutsche Elite für korrupt erklären, ohne eine total übertriebene Staatsverdrossenheit anzuschieben, bei der am Ende die Menschen sich in ihr Privatleben zurückziehen und die Benachteiligungen dulden (wir sind ohnehin schon auf diesem Wege). Und man kann auch nicht die ganze Schuld für das Versagen der Linken den Medien in die Schuhe schieben. So doof sind die Menschen nun auch nicht, daß sie BILD, SPIEGEL etc. alles aus der Hand fressen (zumal sie die Wahrheit am eigenen Protemonaie feststellen können). Doch wenn sie links keine überzeugenden politischen Alternativen sehen, dann bleiben sie eben zu Hause oder wählen sogar mal die FDP, weil die lange nicht mehr in der Regierung versagt hat. Da hat sich die größere Linkspartei SPD sicher selbst hingerichtet und brauchte die Medien gar nicht dafür. Auch das übertriebene Beschwören der Medienmacht, treibt die Menschen am Ende nur in die Resignation. Dann hatt zwar A.M. einen weiteren Bestseller verdient, doch politisch ist in Deutschland gar nichts gewonnen oder eher noch zusätzlich verloren.

      Beste Gruesse
      Joachim Jahnke

  10. Wolfgang sagt:

    @Gaby:
    Sie haben leider recht. Ich habe zwei Kinder und es ist wirklich nicht einfach das Studium des Jüngeren zu bezahlen. Der Größere hat eine Lehre gemacht, aber sein Einkommen Würde hinten und vorn nicht reichen um eine Familie zu gründen – mit ca 1200.-€ Netto kommt man nicht sehr weit … Auch mein Einkommen liegt ca. 25% unter Tarif, ich bin Wochenendpendler. Mein familiärer Mittelpunkt liegt ca 190km von meiner Arbeitsstelle entfernt – dieses Zerreißen von Familien, Entwurzeln von seiner Heimat und Spielball der Industrie zu sein nennt man dann modern Flexibilisierung der Arbeit. Heute würde ich nicht im Traume daran denken eine Familie zu gründen oder gar an den Wahsinn eines eigenen Hauses. Für Kinder braucht man je nach Anzahl, ca. 20 – 30 Jahre stabile Verhältnisse (Einkommen, soziale Sicherheit, sichere Rente, etc.). Diese sind unter anderem mit den Hartz- und Rentenreformen gründlich kaputt gemacht worden, man ist z.B. eine “Dauerleihgabe” zum “Schnäppchenpreis” an einen Arbeitgeber. Die Wirtschaft dient nicht mehr der Gesellschaft, sondern einzig und allein ein paar wenigen Oberen zur reinen egoistischen Selbstbereicherung, DIE vergessen dabei völlig, dass IHR Reichtum allein aus der Arbeit der vielen Arbeitnehmer kommt und nicht wie SIE so oft behaupten von eigener Hand. Die so genannten Leistungsträger sind geworden was sie heute sind, allein durch die Arbeit von Millionen Arbeitnehmern.

    Jedenfalls, ich habe im September versucht mit meiner Stimme das Schwarz-Gelbe Neoliberalenbündnis zu verhindern. Leider haben zu wenige das dumme Geschwätz von Westerwelle nicht durchschaut.

  11. tomo sagt:

    “Da müßten schon Katastrophen kommen, wie Klimadrama oder Seuchen.”
    Die Möglichkeit eines absoluten Wirtschaftscrashes oder eines Krieges wird vergessen oder verdrängt. Als ob man nun in alle Ewigkeit in Frieden leben wird. Man sollte nicht übermütig werden und nach der längsten Friedensperiode, die nun 65 Jahre andauert, den Krieg vergessen. Es sind nur 65 Jahre….

    “Denn normalerweise ist auch die Lebenserwartung in den alten Industrieländern unabhängig von ihrem Sozialsystem auf einem ziemlich festen Kurs, wobei natürlich die Armen im Durchschnitt weniger lang leben.”
    Sorry, aber da widersprechen Sie sich selbst. Wenn die sozialen Systeme vollkommen aus den Fugen geraten bzw. zum großen Teil abgeschafft werden,(in der Krise die uns noch zum Großteil bevorsteht kann das sehr wohl der Fall sein) , so wird es kurz und mittelfristig (vllt auch langfristig , durch die vollkommene Abkehr von den Sozialsystemen) immermehr Arme geben und dadurch auch immer geringere Alters-Lebenserwartung. Man sollte auch nicht den Gewaltfaktor einer verarmten und verelendeten Gesellschaft vernachlässigen, in der sich Mord und Totschlag potenzieren.Aber um auf Sicher zu gehen, das die Gesellschaften nicht zu alt werden, haben die Regierungen die 2-Klassen Medizin forciert und weiterentwickelt.Daran wird schon lange gearbeitet, es wurden dementsprechende Gesetze verabschiedet… und es wird immer weitergehen. Natürlich werden die Gesetze nicht rapide geändert, sondern peu à peu. Die 2-Klassen Medizin ist schon sukzessive, durch die Hintertür eingeführt worden. Auch das wird in Zukunft dazu führen, dass immer weniger Menschen, einer immer größer werdenen Gruppe, in den Genuss “lebensverlängernder Maßnahmen” und (guter) medizinischer Versorgung kommen.Wie heisst das nochmal im prachtvollem sozialdarwinistendeutsch…. sozialverträgliches Frühableben. Aus dieser Perspektive gesehen, bin ich mir ganz sicher das das Maß der “Alten”, immer gut zu kompensieren sein wird. Trotzdem wird man immer weiter das MethusalenKomplott predigen, was die Prediger damit erreichen wollen, ist die Fortsetzung den asozialen Kurses mit dem Verweis das die Alten und Krank zu viel kosten.

    PS
    Jüngt habe ich in der S-Bahn ein Gespräch mitbekommen, in dem sich ein junger Mensch in einer Gruppe darüber ausgelassen hat, dass die Alten ja nicht tun, zu teuer sind und die ganze Rente für nichts kassieren und nur kosten… sein Gesprächspartner sollte seine Großmutter fragen wie oft diese im Krankenhaus gewesen sei und ob sie wüsste wieviel das kostet. Er kam zum Schluss, dass man die Großmutter eigenlich garnichtmehr behandeln dürfte: “Einfach Morphium und weg ist sie”. Bei solch indoktrinierten Leuten fällt die “Diskussion” auf sehr fruchtbaren Boden, nur mit welchen Folgen? Ich möchte nur darauf hinweisen, dass mit solchen Demografie-Thesen sehr leicht “moderne” Euthanasieprogammen Vorschub geleistet wird.Man kommt zu vermeintlich logischen Erklärungen (siehe junger Mann in SBahn), sieht aber nicht die Unmenschlichkeit, die in Folge dieser Gedankengänge erwachsen können.

    • globalnote sagt:

      @tomo

      Was unterstellen Sie mir da bloß alles. Ich habe gar nichts vergessen oder verdrängt, sondern die Kriege selbst als Möglichkeit erwähnt und mit dem Crash beschäftige ich mich hier ja permanent.

      Ich habe schon einem anderen Besucher des Diskussionsforums geschrieben, daß es nicht die Lebenserwartung ist, die den Altersprozeß der Gesellschaft vorantreibt, sondern die viel zu geringe Kinderzahl. Die Gesellschaft altert vor allem von unten. Wenn Frauen nur noch 1,37 Kinder haben, dann gibt es auch weniger Mütter in der nächsten Generation und die haben dann wieder viel zu wenig Kinder. Das ist das Problem und nicht die längere Lebenserwartung, die ja ein Einmalereignis ohne Rückwirkung auf das entscheidende regenerative Verhalten ist (alte Frauen bekommen ohnehin keine Kinder mehr!). Auch das von Ihnen im sozialen Kontext angeprangerte Frühableben ist ein Thema der Lebenserwartung ohne wesentliche Auswirkung auf die Geburtenhäufigkeit. Ich verstehe nicht, wo ich mir da widersprechen sollte. Ich predige auch kein Komplott, sondern weise nur auf eine nachweisbare Entwicklung hin, die sich in der Tendenz offensichtlich nicht verändert.

      Ansonsten scheinen Sie mir mit Ihren Befürchtungen ein bißchen sehr zu übertreiben. Die Alten werden immer wahlentscheidender sein und wir sind immer noch eine Demokratie und nicht im Dritten Reich mit Euthanasieprogrammen. Ein Gespräch in der S-Bahn ist auch noch keine Wahlentscheidung. Sie machen hier viel zu sehr auf Panik. Ich tue das jedenfalls nicht, weil das Rentenproblem durch Änderungen im Steuersystem durchaus beherrschbar bleibt. Nur die Politik muß eben handeln und solche Modellrechnungen zeigen ja den politischen Handlungsbedarf auf.

      Beste Gruesse
      Joachim Jahnke

  12. Radi sagt:

    @globalnote
    Mich wundert etwas dass sie entgegen ihrer bisherigen Skepsis die Zahlen vom STBA nun vorbehaltlos akzeptieren.
    Mir liegt exemplarisch eine Tabelle dieser Behörde vor nach der die Geburtenquote seit 1975 bis 2000 bei durchschnittlich 1,4 liegt. Danach lag die Zahl auch 1980 nicht bei 2 sondern nur bei 1,44.Warum sollte auch seit der Auswirkung des Pillenknicks 1975?
    Das würde also bedeuten dass die Geburtenquote seit 35 Jahren ziemlich konstant ist.Der angebliche Bevölkerungsschwund müsste somit längst deutlich bemerkbar sein.
    Da ein Grossteil unserer Poitiker die Sozialversicherungen, ganz im sinne von Unternehmern und Versicherungen, am liebsten völlig privatisieren würden käme ihnen die negative Prognose des STBA gerade richtig.Zufall?
    Die Steuermehreinnahmen von 06 und 07 und eines fast! ausgeglichenen Haushalts, aufgrund von einer Million zus.Beschäftigten,obwohl die meisten Billig und Pekärjobs waren,widerspricht auch völlig der vorgegebenen Vollbeschäftigungsthese.
    Zudem wird m.E. immer wieder unter den Teppich gekehrt,dass junge Menschen bis ca.20 Jahre erstmal Kosten verursachen wegen Erziehung und Aus-Bildung. Sie können auch nicht in den Arbeitsmarkt integriert werden und für die steigende Zahl der Rentner aufkommen, wenn die entsprechenden Arbeitsstellen fehlen aufgrund einer unsozialen Wirtschafts und Steuerpolitik.Siehe 4 Millionen offizieller Arbeitsloser die gerne zu einem anständigen Lohn aktiv sein würden.
    Andere vergleichbare Länder v.A. die skandinavischen haben diese Kausalitäten offenbar längst begriffen

    • globalnote sagt:

      @Radi,

      Ich habe mir nicht die Mühe machen können, die Modellrechnung des StaBuA im Detail nachzuprüfen. Was mir allerdings plausibel erscheint, ist die wichtigste Bestimmunggröße, nämlich die Geburtenrate. Die langfristige Tendenz habe ich im Rundbrief immerhin zur allgemeinen Aufklärung abgebildet. Vielleicht kann das auch einmal bei aller gern geäußerten Kritik anerkannt werden. Diese Abbildung zeigt die StaBuA-Zahlen für Westdeutschland seit 1962 und Sie können daran klar den Pillenknick ab 1965 erkennen. Das Einpendeln auf 1,4 ist erst ab 1992 und nicht – wie Sie annehmen – seit 35 Jahren. Bei langfristigen Betrachtungen macht es keinen Sinn, die frühere DDR und O-Deutschland in den Jahren direkt nach der Wiedervereinigung einzubeziehen. Jedenfalls ist das Datum von 1,4 oder etwas darunter nun wirklich ausreichend fest eingefahren.

      Sie müßen sich wirklich vom Verdacht freimachen, den A.Müller und Nachdenkseiten wider besseres Wissen immer wieder streuen, nämlich daß das Statistische Bundesamt die Daten im Auftrag der Versicherungswirtschaft fälscht. Das ist purer Unsinn. Das Gespenstersehen links ist manchmal schon komisch und wird wirklich nicht helfen.

      Daß das Statistische Bundesamt in einer Modellrechnung die arbeitsfähigen Jahrgänge und die im Ruhestand vergleicht, sollte in Ordnung gehen. Wenn die Arbeitsfähigen dann teilweise arbeitslos sind, wie alle Erfahrung zeigt, kommt es nur noch schlimmer (und auch das nicht wegen der Versicherungswirtschaft!).

      Auch die Kosten der jüngeren Generationen sind natürlich zu finanzieren. Aber das dürfte wohl Jeder wissen.

      Daß die Politik das Problem noch nicht richtig angefaßt hat, dürfte ebenso allgemein bekannt sein. Auch ich weise immer wieder darauf hin. Deshalb ist die Modellrechnung durchaus wichtig. Solche Rechnungen werden übrigens in allen Ländern angestellt. Sie sind wirklich kein Anschlag auf unsere soziale Ordnung, sondern können uns bei richtiger politischer Reaktion eher vor bösen Überraschungen bewahren.

      Vielleicht werden Sie noch einsehen, daß Ihr Verdacht unberechtigt ist.

      Beste Gruesse
      Joachim Jahnke

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