1795

global news 1795 17-11-09: Weltwirtschaft unter Drogen: Der nächste Absturz kommt mit der Entziehung

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10 Antworten zu 1795

  1. Guten Abend Herr Dr. Jahnke!

    Dieser Ritt auf des Messers Schneide kann gar nicht gut gehen, auch weil er sich in Wirklichkeit nicht in „hi Inflation“ bzw. „ho Geldmenge“ vereinfachen läßt.

    Wir leben heute bereits mit einer Indeflation – oder wie immer man gleichzeitiges Auftreten von In- und Deflation betiteln will. Alles was im Übermaß und einfach zu haben ist, was nicht dem unmittelbaren Lebensunterhalt dient unterliegt dem Preisverfall; alles andere, was verknappt werden kann (von oligopolen Anbieterstrukturen), was Abgaben oder (indirekte) Steuern angeht und all das was in den Schlund der Spekulanten gesaugt wird von Öl bis Gold und von Energie bis Nahrung wird rasend schnell teuerer.

    Ergo, ob man die Geldmenge reduziert oder ausweitet, solange die „systemrelevanten“ Banken Durchlauferhitzer spielen dürfen ändert sich nichts, außer daß die Verschuldung, die Zinslast und die Sozialaufwendungen steigen – und zwar sprunghaft und mit „normalem“ Wirtschaften nie wieder einbringbar.

    Wir brauchen andere Banken; solche die dem ursprünglichen Gedanken des Bankgeschäftes dienen – sofort, sonst nichts!

    caw

  2. Gaby sagt:

    Guten Abend, Herr Wittke und mitlesende Gäste,

    versetzen Sie sich in die Position eines Oligarchen, da wird Ihnen bewusst, dass genau dieser, für das Volk desaströse kapitalistische Kurs, das Beste ist, das dem Oligarchen passieren kann und er deshalb alles daran setzen wird, dieses Geld- bzw. Wirtschaftssystem explodieren zu lassen; Helfershelfer in Politik und Wirtschaft hat er schließlich genug.

    Der Superreiche rettet sein Vermögen in Krisenzeiten durch den Kauf von Land, Immobilien, Firmen und Gold. Kommt der ökonomische Crash, also die globale, ungeheure Verarmung der einfachen Arbeiter und Angestellten, umso besser! Der erzwungene Währungsschnitt wird von den Oligarchen, das ist meine Meinung, regelrecht herbei gesehnt.

    Gewinner einer solchen Reform bleiben die Oligarchen, aber auch der Staat, der sich locker entschuldet. Verlierer einer Währungsreform sind die einfachen Menschen. Aber um die geht nur peripher, denn sie sind völlig vom Oligarchen abhängige Wirtschaftssubjekte, weiter nichts, aber auch nichts weniger, schließlich sind sie auf die Wohltaten und Produktionsmittel der Oligarchen angewiesen und schwupps kommt es, nach dem großen Crash, wieder zu einem Wirtschaftswunder – dieses Mal global. Essen müssen die Leute immer; sie sind auf Gedeih und Verderb von den Unternehmern abhängig, die nun Monopole bilden.

    Wie das funktioniert können wir sehen, wenn wir uns das Nachkriegsdeutschland betrachten.

    Und wer ist immer der Gewinner dieses bösen Spiels? Na klar, die „schmutzigen“, also moral- und ethiklosen Geldmenschen! Das alles mit dem Spiel Monopoly zu vergleichen, wie es einige meiner Zeitgenossen tun, ist viel zu harmlos! Da gibt es nämlich ein Game over und danach kommt nichts mehr. Im realen Leben ist das anders; es geht immer weiter nach oben, wie nach unten.

    Es interessiert in Wirklichkeit überhaupt nicht, ob sich unser Staat mehr und mehr verschuldet und Steuererleichterungen auf Pump finanziert. Diese Kritik ist nur Makulatur. Es ist, als würden kritische Zwerge gegen den Riesen Gulliver aufbegehren. Ebenso interessiert nicht, ob im Saarland oder wo auch immer es zu einer Jamaika-Koalition kommt, Präsident Köhler SED-Geschädigte mit Metall ehrt oder Oskar Lafontaine Krebs hat.

    Es geht derzeit lediglich darum, super viel Geld und die dazugehörige Macht zu erhalten und sie an die nächste Generation zu vererben. Den Machteliten ist völlig egal, was aus den Wirtschaftssubjekten wird, von denen sie ihren Reichtum bezogen und künftig zwangsläufig beziehen werden, denn Essen und Heizen müssen die Leute immer!

    Gaby

    • N. sagt:

      Menschen aendern sich eben nur sehr langsam. Uns unterscheidet praktisch nix von Pharaonen und Sklaven, von Koenigen und Leibeigenen. Nur die Mittel zum Unterdruecken (und auch etwas die zum Aufbegehren) werden immer effizienter.

      -N

  3. heiner sagt:

    Frage: was hätte man statt der Droge machen sollen,
    kalter Entzug?
    MfG

    • globalnote sagt:

      @Heiner,

      Man kann gegensteuern, z.b. indem man einen Teil der Liquidität bei den Besserverdienern mit einer happigen Vermögenssteuer oder Solidarsteuer und Rücknahme vergangener Steuergeschenke abschöpft statt auch noch neue Steuergeschenke vorzubereiten, indem man die Tobinsteuer auf Spekulation erhebt, indem man die Zeichner von Hybridanleihen der Banken mithaften läßt, indem man Mindestlöhne einführt, um die Binnenkaufkraft zu stärken und vieles mehr.

      Vieles davon könnte sehr rasch an die Stelle der Droge treten.

      Beste Gruesse
      Joachim Jahnke

      • heiner sagt:

        @globalnote:
        Ich weiss, aber das wird ja leider nicht gemacht,
        also ist nach dem Crash logischerweise(wenn nichts passiert)wieder vor dem Crash. Sch…..!
        MfG

  4. Klaus sagt:

    “Liquidität bei den Besserverdienern mit einer happigen Vermögenssteuer oder Solidarsteuer und Rücknahme vergangener Steuergeschenke abschöpft statt auch noch neue Steuergeschenke vorzubereiten”
    Jau, das hat Roosevelt ab 1935 in den USA gemacht, etwa mit Spitzensteuern bis zu 94%. Ich denke ähnliches wird kommen, aber vorher saust noch einmal die Börse, und in ihrem Gefolge die US-Wirtschaft in den Keller.
    Wir stecken in den Jahren von 1930 bis 1935.
    Es muss schon schlimm werden, bevor die Gesellschaft den eimal eingeschlagenen Weg verlässt, und der ist derzeit immer noch die Ideologie der “Chikago Boys”, und nicht nur in den USA sondern in den meisten “westlichen” Ländern. Und gerade SCHWARZ/GELB fährt noch voll auf “Friedman” ab.
    Hoffen wir, daß die Amerikaner sich ihrer Geschichte erinnern, die andere Lösung wäre grausam für die Welt.

  5. Paten sagt:

    Guten Tag. Sehr mutig, Dr. Jahnke so frühzeitig den double dip auszurufen und auch die laufende Aufblasen-Mechanik zu begründen, während die Regierung(en) samt gleichgeschalteter Medien des Ende der Rezession verkünden, weil das Häkchen dreimal zuckte.

    Die Regierungen gehen also steuerlich nicht an die laufenden Primäreinkommen der Kapitaleigner (die aus depressiver Wirtschaft natürlich weniger Vermögen anhäufen können, dennoch nicht verhungern müssen) an der realwirtschaftlichen Quelle, bei den Umsatzerlösen. Sie gehen auch nicht an die daraus angehäuften und Banken, Staat und anderen Spekulanten verliehenen Geldvermögen bzw. -anlagen. Sie gehen auch nicht wirklich an die aus der Umverteilung erworbenen Sachvermögenswerte und deren Vererbung. Niedrige Kapital- und Vermögensteuern gehen weiterhin mit einem wachsenden Niedriglohnsektor einher.

    Was noch fehlt in dieser Perspektive ist Antwort auf die Frage, welchen Weg sich der bubble- monies vulcano beim neuen Ausbruch sucht, um nochmal global-total so richtig der Realwirtschaft aufs schon am Boden liegende Haupt zu schlagen und es mit Investitions- und Kaufkraft-Verlustlava zu überfluten. Noch eine Hypokrise hat wohl aktuell keiner bestellt und organisiert. Ob Aktienkurse einbrechen oder Derivatewetten verloren gehen – es ist nur Umverteilung von Vermögen zwischen den Superreichen und deren beauftragten Instituten.

    Sollten aber die Derivate, Aktien und Staatsobligationen wieder mit Hebel-Krediten (womöglich aus der Bankenrettung per Steuergeld) bezahlt worden sein und diese geplatzten Kredite wieder die 4% oder 8% (USA) T1-Risiken im Kernkapital der kreditgebenden Geldinstitute übersteigen und die Bankenaufsicht das auch mal merken, dann gehen die betroffenen Kredit- und Investmentbanken diesmal krachen, denn auch das in den Obama-USA angedachte zentrale Erfassungsinstitut für Weltderivatehandel zwecks Frühwarnsystem gibt es nicht.

    Und dann springen die Regierungen nicht mehr mit Steuergeldern ein, schon weil die noch auf den überschuldeten Staatshaushalten sitzen. Bleiben nur andere Geldkapitaleigner und wenn die auch erschreckt ausfallen (China bewertet die Risiken garantiert besser als die Bundesregierung jemals diese ohne ‚Stresstest‘ hinterfragte), dann müssten die Shareholder ran. Und das sind dann wieder die Unternehmenseigner der abgesackten Realwirtschaft, die ihr Geld hybridmäßig den Banken verliehen haben, die gerade untergehen. Dann geht die Deflation der Unternehmens-Verschacherungen zur Geldbeschaffung los, die schöne neue Weltordnung des Besitzes an der Realwirtschaft. Als China würde ich darauf warten.

    MfG

  6. Martin sagt:

    Hallo Herr Jahnke,
    sie schreiben:”Die Liquidität hängt nun einerseits bei den Banken, die billigst Kredit bekommen und das Geld dann profitträchtig in sicheren Staatspapieren anlegen statt in Krediten an die notleidende und damit riskante Realwirtschaft.”

    Das ist paradox. Eigentlich sollte man von den Verfechtern des freien Marktes, die im Staat stets den Störenfried sehen, ein gegenteiliges Verhalten erwarten. Statt in der Realwirtschaft die Risikoprämie zu kassieren, nimmt man mutlos die sicheren Staatspapiere.
    Hat man am Ende die Deregulierung samt anschliessender Krise nur gemacht, damit man die Staatspapiere preiswerter beziehen kann?

    mfg

    • globalnote sagt:

      @Martin,

      Die Banken lassen halt keine Profitmöglichkeit aus, die ihnen großzügig geboten wird. Für die Anlage in Staatspapieren brauchen sie vor allem kein Eigenkapital gegenzurechnen, und Eigenkapital ist besonders teuer.

      Beste Gruesse
      Joachim Jahnke

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