1762

global news 1762 23-10-09: Von der Perversion der angeblichen "Aufwärtstendenz"

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18 Antworten zu 1762

  1. Paten sagt:

    Guten Abend. Da sind die Koalitionsverbandelungen noch nicht zu Ende und trotzdem ist ein Ministerium ohne Portefeuille-Inhaber schon sehr aktiv: Das Propagandaministerium. Wie seinerzeit im Irak sitzt wohl irgendwo ein unverwüstlicher launiger Propaganda-Ali, der Durchhalteparolen mit Umdeutungen kreuzt und damit erzeugte wundersame Hoffnungsblüten überall an statistische Häkchen hängt, die unter der Erfolgs-Lupe betrachtet für die einen der größte Aufschwung aller Zeiten, für die anderen der größte Haken daran ist.

    Wenn man einen Manager, der vom Staat 18 Monate die Abwrackprämie für Kurz-Arbeiter bezahlt und Steuersenkungen versprochen bekommt und sinkende Lohnnebenkosten und staatliche Bauaufträge zum Löcherbuddeln landauf und –ab und degressive Abschreibung seines Anlagekapitals und bessere Doppelbesteuerungsabkommen mit der bösen Schweiz oder die Nichtbesteuerung von Unternehmensverkäufen oder ‚Banken‘rettung für sein verliehenes Zockerkapital darin, wird der doch wohl 7 Mal hintereinander die Dauer-Weihnachtsfeier unterbrechen und dem Ifo-Ali seine Champagnerlaune mitteilen können, oder? Ist doch linke Politik gewesen – der sPD.

    Jawoll, die Unternehmer sind links und waren schon immer für maximale Mindestlöhne zu haben. Und für die ganz linke Rente mit 67 ohne Arbeit bis 67. Also bald nach 67 Arbeitsmonaten.

    Was kommt wohl raus, wenn man gezielt Lügen und Angst mit den statistischen Haken kreuzt? Ein rechter Unsinn wahrscheinlich. Würde Ali Josef heißen und ein richtiges Ministerium haben können? Zum Glück haben wir Krise und kein Geld dafür im Staatshaushalt. So müssen mal wieder die Frauen die informationelle Freiheit wahren und die Drecks-Arbeit dazu machen, wie die Mohn und die Springer.

    Und was machen deren 100 deutsche Lieblingsmänner? http://www.manager-magazin.de/geld/artikel/0,2828,653229,00.html Die hüten 286 Milliarden Euro Privatvermögen vor dem Fiskus. 286.000.000.000 /359 = 796.657.382 Mal ALG-II oder /12 = 66.388.115 Mal ALG-II für ein Jahr oder 6 Millionen Mal ALG-II 10 Jahre lang. 6 Mio. Empfänger/100 Spender = 60.000 ALG-II Empfänger könnten von jedem der deutschen 100 (99) Milliiardäre 10 Jahre lang bezahlt werden. Und da gibt es noch Hundert Tausende andere Superreiche Multimillionäre.

    Früh krümmt sich, was ein richtiger Aufwärtshaken werden will.

    MfG

  2. georg sagt:

    SPIEGEL ist nur noch ein Schatten seiner selbst, mit kritischem hochwertigem Journalismus hat das absolut nichts mehr zu tun . Anders ausgedrückt neoliberales Propagandablättchen in bester Umgebung mit BILD, FAZ, FR, SZ, DIE ZEIT, KÖSTA und so weiter und so weiter
    gruss georg

  3. Gaby sagt:

    Schönen guten Tag, Herr Dr. Jahnke und Mitlesende,

    ich verrate Ihnen jetzt eine Wahrheit, die jeden seriösen und kritischen Statistiker in den Wahnsinn treibt und zwar am Beispiel der Abbildung 1406.

    Die allermeisten Menschen meines Dunstkreises gucken, wo der tiefste Punkt der Statistik liegt, aha, im Jahr 2007, August/September. Nun schauen sie auf den August 2009 und siehe da, es geht uns doch heute mal mindestens genau so, wie im Herbst 2007 und da ging es uns doch nicht schlecht. Folglich stimmt das mit dem Aufschwung, denn

    a) steckten wir schon mal viel tiefer in der Krise und haben nix davon gemerkt und

    b) kann man die drei hohen Zacken in 07 und 08 nicht werten, da das reine Ausreißer sind, die mit der Realität nichts zu tun haben. Gäbe es in einer Statistik diese Ausreißer nicht, wäre sie auch nicht glaubhaft.

    Und als drittes Argument kommt immer, immer, immer der Hinweis, dass eine solche Statistik über viele Jahre gesehen werden muss. Der Ausgangspunkt 2007 ist viel zu kurz gegriffen, sie sollte in den 1970ern anfangen.

    Und wenn ich einwerfe, dass vermutlich die großen Zacken eine gesunde Wirtschaftsentwicklung darstellen, die kleineren aber ein Abbild unserer maroden Wirtschaft sind, ernte ich ein mildes Lächeln und mancher sagt: „Träum weiter, liebe Gaby!“

    Also, für den Großteil meiner Bekannten ist der Aufschwung da, auch wenn die Realität ein völlig anderes Bild zeigt. Da frage ich mich mal wieder, ob die Leute die mediale Propaganda nicht sehen wollen oder nicht erkennen können.

    Bis denne,

    Gaby

    • Paten sagt:

      Guten Tag. Das Bauwesen ist ja nun nicht unbedingt exportabhängig, eher auf die Binnenkonjunktur ausgerichtet. Nimmt man andere Tabellen des StaBuA, dann sieht man, dass seit den 90-gern die MA-Zahl stark sank, der Umsatz aber etwa gleichblieb.

      Genauso lange sanken bis zur Krise auch die öffentlichen Aufträge, die jetzt wieder höher sind, aber eben auch nur mehr Arbeit und nicht mehr Arbeitsplätze schaffen. Und das ist ja die argumentatve Selbsttäuschung auch mit Konjunkturpaket, widergespiegelt in der Statistik: Dieselben Umsätze werden mit 80% der MA gemacht und erhalten, weil die Produktivität am höchsten und die Lohnsumme am niedrigsten ist.

      Die bereinigte Trendkurve Umsatz Bauhauptgewerbe sieht damit auch langfristig stabil aus. Nur sagt die wie auch das BIP nichts über die tatsächliche soziale Lage auf dem Bau aus, über Schwarzarbeit, Pfusch, Lohnrückforderungen, Tagelöhner, Rechnungsausfälle, Outsourcing etc.

      Da in den Binnenmarkt nichts wesentliches privatwirtschaftlich zum Wachstum investiert wird, bleiben nur private und öffentliche Aufträge und –wegen der Pleite-Kommunen, denen jetzt auch noch die Gewerbesteuern wegbrechen- Konjunkturpakete aus erhöhten Steuer und Abgaben der Restbelegschaften und weiteren Schulden.

      Deutlich wird die Misere erst im Sommern, wenn es keine saisonalen und Krisen-Gründe (ist ja wahlmedial beendet) für statistische Ausreißer gibt. Es sei denn Streiks trüben den ifo-Index der Manager. Oh, ich vergaß. Wir sind ja in Deutschland.

      MfG

  4. heiner sagt:

    Eine ganz wichtige Frage wird sein was passiert mit den momentan 1,8 Millionen Arbeitnehmern wenn Ihre Kurzarbeit ausläuft. Das geht nämlich schon Ende 2010 los.Sollen die dann alle sofort zum Arbeitsamt( wie bie Quelle)oder sollte man nicht überlegen die Arbeitszeit wenn nötig auch unter 30 Std wöchentlich zu senken.
    Arbeiten ist besser als Arbeitsamt!

    • globalnote sagt:

      Die CDU wollte nie eine weitere Verlängerung der Kurzarbeit.

    • Paten sagt:

      Guten Tag. Gesetzliche soziale Selektion nach KAsenlage der Unternehmen. Erst nach der NRW-Wahl werden die Schleusen wohl geöffnet, denn die Verlängerung auf 18 Monate ist nicht umsonst so gelegt worden, dass man Staffelweise abwickeln kann. Nun muss amn aber nicht annehmen alle fliegen raus, weil die Leiharbeiter es schon sind und wenn der BIP-Einbruch 10% sein würde 2009, dann wären ncht automatisch 4 Millionen Arbeitsplätze bedroht, sondern zuerst deren Löhne.

      MfG

  5. Gaby sagt:

    Hallo Heiner und Mitlesende,

    die Überlegung, bei hoher Arbeitslosigkeit die Arbeitszeit generell zu verkürzen auf 35 oder 34 Stunden, ist zwar eine unter seriösen Ökonomen angedachte Theorie, wird aber von Seiten unserer Neolibs seit ungefähr dem Jahr 2000 absolut nicht in Erwägung gezogen, weil eine niedrigere Arbeitszeit die Flexibilität der Unternehmer einschränkt und deshalb nicht dazu führt, dass die Arbeitslosigkeit fällt. Im Gegenteil: Nach neoliberaler Auffassung muss sie sogar steigen.

    So unglaublich es klingt, lieber Heiner, unsere Politiker folgen fast wortwörtlich den Ratschlägen des in 1982 von Tietmeyer entworfenen „Lambsdorff-Papiers“, für das uns sogar Milton Friedman lobte. Dieses Papier legte den Grundstein zum Wechsel in die neo-klassische Ökonomie und dieses Papier hat noch heute Gültigkeit. Es zu lesen ist gerade so, als wäre das Papier in 2003 geschrieben worden.

    http://www.hans-tietmeyer.de/lambsdorffpapiervom9september1982vi.html

    In Kapitel V dieses Papiers heißt es unter anderem:

    6. Arbeitsschutz-, Kündigungsschutz-, Arbeitsrecht und Jugendschutz

    - Keine Belastung der Unternehmen (insbesondere der mittleren und kleineren) im Rahmen der geplanten Novellierung des Arbeitsschutzes

    - Keine Änderungen des Arbeitszeitrechts, welche die betriebliche Flexibilität einschränken (z.B. keine gesetzliche Wochenhöchstarbeitszeit von.48 Stunden)

    - Praxisbezogene Auflockerung des Jugendarbeitsschutzes (z.B. flexible Arbeitszeitregelung, Verbesserung der Ausbildungsmöglichkeiten)

    - Keine Erweiterung des Kündigungsschutzrechtes

    - Entwicklung und Propagierung von sozialpolitisch vertretbaren Job-Sharing-Modellen

    - Keine staatliche Beteiligung bei Tarifrenten-Regelungen (ausschließlich Sache der Tarifpartner).

    Ich wünsche Euch, falls Ihr das Papier lest, starke Nerven und einen Stuhl, von dem Ihr vor Schreck nicht herunter fallen könnt.

    Gaby

    P.S.: Da die Argen nicht in jedes Unternehmen Zweigstellen installieren können, werden die Arbeitslosen zur Arge ziehen müssen und dort lange Warteschlangen bilden. Schaut Euch die Fotos aus der Großen Depression an, dann ist der Schock beim Anblick der Realität nicht so enorm.

    • Paten sagt:

      Guten Abend. Ich staune immer wieder über die Beharrlichkeit, wie man Arbeitslosigkeit durch simples Jobsharing bekämpfen will. Kriegte ich als Unternehmer der Familie Neulib zwei Sekretärinnen zum Preis von einer oder billiger – „Yes Sir!“ Wenn nicht, dann mache ich aus einer ‚ne Halbtagskraft und lasse die möglichst für 2 arbeiten. Und unbezahlte Überstunden machen, für die ich auch keine andere einstellen werde. Dann suche ich mir noch einen durchsetzungsfähigen Jungmanager mit dem Auftrag Abmahnungen zu fabrizieren und Entlassungsgründe:

      Die Chefs haben sich am bestellten Buffet mit Brötchen den Wanst auf Betriebskosten der AN vollgehauen und die Sekretärin –die denen allen seit 27 Jahren den Kaffee kocht und die Brötchen bringt – hat danach auch ein Brötchen gegessen statt es wegzuwerfen = Diebstahl betrieblichen Eigentums. Jetzt ist aber das Vertrauensverhältnis vom Chef zur gealterten Sekretärin (furchtbar, wie seine Frau auch) untergraben und zerstört. Also DAS hätte man nach 27 Jahren Betriebsehe nun nicht gedacht. Dass man so hintergangen und enttäuscht werden kann. Der Neulib-Richter sah es genauso. Auch bei dem Menschen, der sich einen weggeworfenen Karton aus dem Betriebsmüll holte, womit seine Tochter umziehen kann. Müll ist heilig. Nicht mal die Obdachlosen dürfen da kostenlos ran. Müll ist Brötchen im Rechtsstaat. Und Eigentum verpflichtet. Zur Klage. Wegen nichts. Außer den Lohnkosten. Heucheln ist unternehmerisches, anwaltliches und richterliches Grundlagendenken. Der geistigen Asozialität.
      Glaubt jemand ernsthaft, dass ein geistig normaler Unternehmer eine 8-Stunden-Stelle auf 2 Leute zu 4 Stunden aufteilt, aber jedem den Lohn von 8 Stunden, also doppelt so viel zahlen wird? Oder kann? Oder in irgendeiner anderen Proportion die Lohnkosten verdoppelt, wenn alle Arbeitgeberverbände samt Merkellibchen’s Regierung auf Senkung der Stückkosten (Abteilung Lohnnebenkosten) macht?
      Wenn jemand vorrechen kann, wie das funktionieren soll mit mehr Arbeitsplätzen durch Arbeitszeitkürzung bei genügend Einkommen aller in den 8 Stunden Tätigen zum Auskommen, soll er es hier vorrechnen oder für immer schweigen. Es ist die gleiche tumbe Diskussion, dass die Umverteilung von Überstunden auf Arbeitslose zum Job-Creator wird. Natürlich. Kostenlose gewinnbringende Überstunden („Können Sie mit Freizeit abgelten = Freizeit = Geld, was man nie kriegt, während der AG 100% Lohn einspart und die erwirtschafteten Gewinne mitnimmt) sollen einem Teilzeitjobber auch noch bezahlt werden.

      Wir haben das Problem des Binnenmarktes und wenn wir den wenigstens ohne Wachstum stabil hätten mit leichtem Austausch von Überschüssen hier und dort im Export/Import, wären viel mehr in Lohn und Brot. Aber bei 50% BIP aus Export sind die Pleite- Außenmärkte unser Garaus.

      Die Argen sind im selbigen als rechte Hand des Kapitals und nicht als dessen Konrolleur. Sonstwürde es ja ein gestz geben , dass die Unternehmen verpflichtet freie Stellen an die ARGE/JC zu melden, damit deren Arbeitsvermittler losmachen kann. Gibt es aber nicht. Zum Schutz der privaten vermittler, die die Statistik bereinigen. Der größte ist Adecco. Wo Clment hinmachte – der sPD- Arbeits- und Sozial- Superminsiter. Pfui Teufel.

      Anscheinend laufen immer noch Menschen im Irrglauben rum, das Wirtschaftskpaitalismu alles außer den (Recht)Staat kapitalisiert. Sehen wir gerade an China. Sklavenehalter-Kapitalismus von oben und dennoch sagt ma der Führung demagogisch medial nach eine kommunistische zu sein. Die sPD sei ja auch links gewesen mit den Grünen und den Schwarzen.

      Die erlebte Praxis macht den Uterschied. Worte sin Schall und Rauach. Wusste schon eines der letzten deutschen Universalgenies vor Enführung des rechten Propagandaministeriums. Nach dem 2. WK.

      MfG

      MfG

  6. Brick sagt:

    Die Aussagen von IFO haben mir durchweg gefallen. Bisher haben die Medien nur Aufschwungs-”propaganda” abgeschrieben. Das hat sich jetzt geändert. Nun wird diese einfach frei erfunden.

    Wir sollten das Erreichen einer zumindest vorläufigen Talsole aber noch nicht ganz abschreiben. Die Zahlen für den Auftragseingang im nächsten Monat werden dabei IMO eine entscheidende Rolle spielen:
    http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Statistiken/Zeitreihen/WirtschaftAktuell/Auftragseingangsindex/Content100/kae211graf1.psml
    Ist der Originalwert über 83 kann man wirklich von einer solchen sprechen. Ich bin absolut begeistert von BV4.1 (Trend-Konjunktur).

    @Gaby das von ihnen angesprochene Phänomen erlebe ich auch und überspitzt würde ich sagen, das wurde 1948 “treffend” mit dem Wort “doublethink” beschrieben und ist essentiell um in der heutigen Zeit zu leben ;-) :
    “The power of holding two contradictory beliefs in one’s mind simultaneously, and accepting both of them….To tell deliberate lies while genuinely believing in them, to forget any fact that has become inconvenient, and then, when it becomes necessary again, to draw it back from oblivion for just so long as it is needed, to deny the existence of objective reality and all the while to take account of the reality which one denies — all this is indispensably necessary. Even in using the word doublethink it is necessary to exercise doublethink. For by using the word one admits that one is tampering with reality; by a fresh act of doublethink one erases this knowledge; and so on indefinitely, with the lie always one leap ahead of the truth.”
    Ein Beispiel: Es werden gerade weit mehr Stellen für Auto Ingeneure ausgeschrieben als noch vor wenigen Monaten. Jeder weiß (bei mir im Labor), dass das nur mit der Abwrackprämie zusammenhängt. Jeder weiß, dass diese abgelaufen ist. Trotzdem “weiß” jeder, dass das ein untrügerisches Zeichen für einen Aufschwung ist.
    Und ich meine nicht wirklich, dass wir in Orwells 1984 leben:
    “Wenn man herrschen will, so muss man fähig sein, seinen Realitätsbezug zu verschieben, denn das Geheimnis von Herrschaft besteht darin, an seine eigene Unfehlbarkeit zu glauben, und dies zu verbinden mit der Fähigkeit aus gemachten Fehlern zu lernen.” Denn den zweiten Teil haben unsere Politkier irgendwie vergessen…
    Und danke für das Papier. War sehr aufschlussreich.

  7. Gaby sagt:

    Lieber Paten,

    bitte nicht aufregen. ;-)

    Ich habe es zwischen 1995 und 2000 selbst erlebt, dass meine Arbeitszeit von 40 Stunden/Woche auf 38,5 Stunden abgesenkt wurde und die meines Mannes von 40 Wochenstunden auf 35 Stunden. Und zwar ohne Gehaltseinbußen!!! Arbeitszeitverkürzung lag damals voll im ökonomischen Trend.

    Leider habe ich mich damals noch gar nicht für Politik und Wirtschaft interessiert. Das kam erst ab dem Jahr 2005 mit der Einführung von Hartz IV. Ich kann also nicht sagen, ob die Absenkung der Wochenarbeitsstunden den Arbeitsmarkt belebt haben.

    Ab dem Jahr 2000, als die alten Firmenpatriarchen aufgrund fehlender fähiger Erben die Firma in die Hände eines neoliberalen Managers gelegt haben, wurde meine Wochenarbeitszeit prompt wieder auf 40 Stunden erhöht. Am Gehalt änderte sich nichts und der neue Geschäftsführer hätte am liebsten 42 und mehr Stunden pro Woche durchgedrückt, aber dagegen hat der Betriebsrat interveniert, indem er auf Betriebsvereinbarungen hinwies, die in Bälde auslaufen. Wenn diese Verträge abgelaufen sind, kann es durchaus passieren, dass 42 und mehr Wochenarbeitsstunden durchgedrückt werden.

    Mein Mann arbeitet noch immer 35 Wochenstunden, wenn er nicht gerade auf Montage ist, wo sogar tägliche Arbeitszeiten von 12 Stunden erlaubt sind.

    Aber ebenso, wie es fraglich ist, ob eine geringer Arbeitszeit Arbeitsplätze schafft, ist ebenso fraglich, ob eine höhere Arbeitszeit zu mehr Arbeitsplätzen führt. Ich meine, geringe Löhne/Gehälter führen ja auch nicht zur Schaffung von regulären Arbeitsplätzen, sondern eher zu prekären Arbeitsverhältnissen, obwohl die Neolibs das natürlich ganz anders sehen.

    Für meinen Arbeitgeber ist die Verringerung meiner Wochenarbeitszeit von 40 auf 20 sehr günstig, weil billig. Ich arbeite auf Gleitzeit, Überstunden werden also gesammelt, dürfen aber nur zu 16 Stunden abgefeiert werden; der Rest wird einfach gelöscht. Diese Regelung existiert seit dem Jahr 2006. Zuvor durften noch alle angesammelten Überstunden abgefeiert werden.

    Hinzu kommt, dass ich seit 6. April 2009 in Kurzarbeit bin und diese Kurzarbeit auch dann anhält, wenn ich ab 1. November die Halbtagsstelle antrete. Ich arbeite also pro Woche nur 16 Stunden statt der vereinbarten 20, mit entsprechendem Gehaltsabschlag, versteht sich.

    Meine Halbtagsstelle führt jedoch nicht dazu, dass Arbeitsplätze erhalten werden und zwar aus folgendem Grund: Die Personalchefin hat mir erklärt, dass, wenn ich einer Kündigung nicht zustimme, also den Halbtagsjob nehme, jemand anderer an meiner Stelle von einem Volltags- in einen Halbtagsjob wechseln muss, um das gesetzte Ziel von xx eingesparten Arbeitnehmern erfüllen zu können.

    Meine Absenkung der Arbeitszeit führt definitiv nicht dazu, dass ein neuer Arbeitsplatz entsteht; ganz im Gegenteil.

    So sieht aus!

    Gaby

    • Paten sagt:

      Guten Morgen. Bin ganz entspannt nach der schönen Beschreibung, dass erst die Löhne (regulär + Ü-Stunden)wegfallen, dann die Arbeitsplätze, dann der ganze Laden, wenn das alles nichts hilft.

      Die Stückkostensenkung ist nun mal primäres Wettbewerbs- und Margengebot. Deshalb dient “abhängige” Arbeit nicht einem Einkommen zum Auskommen, sondern der Gewinnmaximierung des Vertragserpressers. Solange starke Gewerkschaften und eine SPD in der Opposition und der Dicke Schwarzgeld-Kassenstürmer (black is beauty) mit den Liberos an der Tete waren und China’s Drachen noch nicht von der WTO befreit und von der der Kette gelassen wurde und die ostdeutschen Rentner der ersten Wendegeneration letztmalig noch für 40 Jahre Arbeit+ beneidenswerte (gerade für Westfrauen mit Haushaltsanhängselhintergund) Renten kriegten und im Osten noch alle an den Aufschwung Ost glaubten, weil die Kommunkationssysteme (Telefon, Straße, Schiene) erneuert wurden und der Rest deindustrialisiert (d.h. vorbildlich ökologisch sauber zugewirtschaftet) wurde, solange gab es ja auch (Real)lohnerhöhungen und Sozialhilfe nach Bedarf. Da konnte man noch nachdenken über Erweiterungsinvestitionen für den Export, die Arbeitsplätze schufen, Frauen brauchten und dait sogar die Kita-Frage zu regeln war, gegen alle erzkonservativen KKK-Paschas.

      Mit dem ab 2000 erfolgten neoliberalen Generalangriff auf die Stückkosten unter dem Wissen des bevorstehende China-Entfesselungstricks, den ja USA und EU in der WTO für 2001 forcierten und den die Kohlregierung ja schon und noch zaghaft begann, weil die mehr mit dem Euro-Unsinn als weitere Säule beschäftigt waren, endete auch die Ära der Erweiterungsinvestitionen (öffentliche Aufträge im Bau z.B. waren seit 1995 Mangelware, solange die privaten den Export pushten) und alles stieg jetzt auf Rationalisierungsinvestitionen um – Humankosten runter, Export und Margen rauf. Verlagerung und Billigimporte = Höchstgewinne. Das waren dann Ex-Sozis mit den Ex-Umweltschützern, die die erst in den Anforderungen an China und dann im Inland hier Menschenrechte, soziale Arbeitsverhältnisse und Entlohnung, Umweltstandards, also die ganze Dumping-Palette akzeptierten und hier als politische Notwendigkeiten der (über die WTO selbst gemachten) Globalisierung verkauften. So gesehen war dei CDU/CSU niemals in der Opposition , was ja nach dem Abgang Lafontaines immer zur gesetzlichen Zustimmung aller rot-grünen Antisozialgesetze im schwar-gelb dominieretn Bundesrat, der wahren deutschen Regierung, führte. Die sPD wurde abei zwar zerschlissen, nun stehen aber im Karussel die anderen Strippenzieher und Netzwerker wieder vorne. So what?

      Insofern ist Sozialabbau heute weiterhin Programm, nur bestimmen die Banker fremden Privatgeldes Umfang und Tempo. Bei 6,5 Mrd. €, die der HRE fehlten zu angeblich nur 30 Mrd. sollte das ganze Finanzsystem zusammenbechen? Heute sind schon 118 Mrd. den deutschen Kindern udn krankenhäusern weggenommen worden, weil u.a. der WDR und die BAA (147 Mio.) mit Gebühren und Steuern dort zockten.

      An neuen Arbeitsplätzen gibt es kein Interesse. Obama kauft nichts.China wird en rieseigen bedarf an PKW durch Produktion dort lösen, weshalb ja die Rettung aller Krisen-Fahrzeuge nur dort liegt. Denn die haben inzwischen 2.200 Milliarden USD Währungsreserven. Auch aus unseren immer ungleichgewichtigeren und ungeschützten Importen.

      Daher meine Hinweise, das für den Rest deutschen, die den Euro für den Export und Binnenmarkt nicht mehr erschafft nur dann wieder Erwerbschancen bestehn, wenn diese Kapazitäten mit einer Eurounabhängigen Binnenwährung gekoppelt werden, die von Umverteilung frei ist.Währungen sind Preisschilder und Geld ist die Leistungsquittung, die einem sagt, wieviel Preisschilder man dafür -samt dranklebender Ware-kriegt.

      Schönen Sontag.

      MfG

  8. Gaby sagt:

    Schönen guten Abend, Brick und Mitlesende,

    neben dem ganzen Lug und Trug, den Du freundlicherweise aufgezeigt hast, gibt es noch einen Grund, warum derzeit Ingenieure und anderes Personal gesucht wird. Es handelt sich dabei um einen alten Trick:

    Firmen, die niemanden einstellen wollen, schalten trotzdem in der FAZ, beim Arbeitsamt, in den Regionalzeitungen etc. Stellengesuche, um zu zeigen, dass sie noch am Markt präsent sind und offensichtlich keine Probleme mit all den Wirtschaftskrisen der Vorjahre und der aktuellen haben. Damit wollen sie Marktkraft ausdrücken, die sie in Wirklichkeit kaum mehr besitzen.

    Es geht oftmals nicht um die Ausschreibung echter Stellenangebote, sondern um die bundesweite Präsenz = Eigenwerbung.

    Jammer, klagen und mächtig übertreiben gehört zum fragwürdigen Handwerkszeug des modernen Kaufmanns. Davon wußte schon Thomas Mann in seinem Roman “Die Buddenbrooks” zu berichten. ;-)

    Bis denne,

    Gaby

  9. heiner sagt:

    Es hat gerade Sa. auf Phoenix 20.15-21.00 einen Film: Angst vor der Krise/ Der Schock des Jahres 1929 gegeben.
    Ob und wann der wiederholt wird weiss ich nicht aber sehenswert gewesen!Autor: R.H.Blumer
    MfG

  10. Gaby sagt:

    Hallo, Heiner,

    hast Du den Film gesehen?

    Kannst Du uns eine Gedächtsnis-Zusammenfassung geben? Muss nicht genau sein, nur so ungefähr, damit ich für mich selbst abschätzen kann, ob es sich lohnt, nach der Wiederholung des Films zu suchen.

    Bis denne und alles Gute,

    Gaby

  11. heiner sagt:

    Zusammenfassung geht nicht, ist ja eben immer individuell. Aber zu dem Film passt ein Auszug sehr gut,
    und zu der Zeit in Amerika: Jeremy Rifkin/1995.Das Ende der Arbeit)Ab Seite 30.:Die Konsumpredigt/bis Seite 35.
    MfG

  12. heiner sagt:

    Börsen, Menschen,(ich)s.o.
    also:Anstelle traditioneller Bindungen an Familie,Stand,und Konfession übernahm im Zuge der Kapitalisierung aller gesellschaftlichen Verhältnisse Werbung mehr und mehr die gegenständliche Vermittlung des Bedürfnisses mit sich selbst. Ursprünglich gestaltlos, wie es ist,kommt fürs Bedürfnis alles darauf an, Gegenständlichkeit zu erlangen. Das sein Wesen noch nicht heraus ist, begründet sowohl die Freiheit des Menschen als auch sein Angewiesen-Sein auf gesellschaftliche Vermittlung, ohne die er niemand ist.Hegels Satz das das Selbstbewußtsein-das heißt
    seiner Identität Gewiss- Sein des Menschen- nur als ein Anerkanntes sei, findet seine verzerrte Abwandlung in der Präformation alles menschlichen
    durch die “Massenmedien”.Die in realer Ohnmacht,Abhängigkeit und Austauschbarkeit begründete
    Angst,niemand zu sein,läßt nach sanktionierendem Anschluß suchen an das pausenlos propagierte Prestige von Waren sowie an die Medien der Massenkommunikation. Deren Programme sagen einem
    wer man ist und was man ist. Diese Weise des Sagens ist das Diktat. Aber die Identität, die sie zudiktieren ist keine.Anerkennung findet nur das modefolgsame Mitmachen. Also bewahrt sich nur, wer sich aufgibt,vor Außenseitertum und Neurose.
    Wer selbstbewußt in eigner Identität feststehen möchte, fällt heraus aus dem Zusammenhang innerhalb dessen er doch allein Identität finden könnte.
    Die Objektivität von Glück und Leid begründet die der Manipulation.Ohne das ein Versprechen von Lust und Heil involviert wäre, geht es nicht.Die Sprache der Manipulation paßt sich ein in die verborgene Dialektik von Glücksverlangen und Gefährdung, von Heil und Unheil der Menschen in der kapitalistischen
    Gesellschaft.
    MfG

  13. alexk sagt:

    Laut der US Statistik arbeiten die amis 33h pro Woche
    BRD ist zurzeit bei 37,6 und mit Überstunden bei 41,2h

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