Dieser Beitrag wurde geschrieben von am Freitag, 23. Oktober 2009 um 8:15 pm und eingeordnet unter soz. Du kannst den Antworten zu diesem Eintrag mit Hilfe des RSS-2.0-Feeds folgen.
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erst gestern habe ich der Personalabteilung mitgeteilt, ab 1. November 2009 nur noch halbtags zu arbeiten und der entsprechende Vertrag befindet sich in der Vorbereitung, da sitze ich nachmittags vor’m Fernseher und höre, wie gräulich unsolidarisch sich unser Gesundheitssystem entwickeln wird.
Mein Mann und ich sahen uns ungläubig an und in mir krabbelte die Furcht in die Nackenhaare, denn in Steuerklasse V werde ich netto nur noch 800 Euro verdienen. Wenn davon ein pauschaler Gesundheitsbeitrag, sagen wir mal in Höhe von 200 Euro abgezogen wird, was würde jemandem, der nichts anderes als die 800 Euro monatlich zur Verfügung hat, zum Leben bleiben?!?!?!
Ach ja, Geringverdiener sollen steuerlich entlastet werden. Aber wir wissen doch alle, dass eine steuerliche Erleichterung die realen Aufwendungen nicht abdeckt.
Das heißt, dass ab dem Jahr 2011 noch sehr viel mehr Menschen ihr immer geringer werdendes Salär vom Staat aufstocken lassen müssen. So werden die Unternehmer aus der Gesundheits-Solidarität entlastet und die Bürger gleich doppelt belastet: a) durch die ungerechte Kopfpauschale und b) durch noch höhere steuerliche Subventionen für die Geringverdiener.
Und wieder höre ich die imaginären Riesen-Schaufelbagger, die in immer schnellerer Geschwindigkeit das Geld von unten wegschaufeln und in schwindelerregender Höhe bei einer winzigen Schicht unserer Mitbürger abladen, die mit den vielen Milliarden gar nicht vernünftiges anfangen können.
Ich fühle mich vom ökonomischen Irrsinn umzingelt und blicke deshalb mehr und mehr mit großem Unbehagen in die Zukunft.
Als Tochter eines Bestatters weiß ich, dass den meisten Deutschen sehr daran gelegen ist, ihre Toten würdig zu beerdigen. Seit dem Wegfall des Sterbegeldes wurde das mehr und mehr ein problematisches Unterfangen. Nun, da immer mehr Menschen immer rascher verarmen, ist es für viele Menschen schier unmöglich, die Kosten für eine erinnerungswürdige Beerdigung zu berappen und sie müssen sich auf bittere Notlösungen einlassen.
Die Art und Weise, wie eine Gesellschaft mit ihren Toten umgeht, lässt erahnen, was auf die Lebenden bereits zugekommen und noch an sozialen und kulturellen Veränderungen zu erwarten ist.
Im Falle der BRD lassen die Veränderungen der Beerdigungskultur nichts Gutes für die Lebenden erahnen. Wenn Tote zur finanziellen Last, zum teuren Müll verkommen, mutieren die Lebenden zur reinen Ware und wenn sie sich nicht als effizient erweisen, werden sie auf’s ökonomische Abstellgleis gestellt.
Diese menschenverachtende Art der Lebend-Entsorgung geht so lange gut, wie die Gesellschaft bereit ist, für die Kosten (Hartz IV etc.) aufzukommen. Je schlimmer die Staatskasse in den Bankrott gewirtschaftet wird, desto mehr schwindet die Bereitschaft, für die angeblichen „Versager“ und ihre Toten zu zahlen.
Guten Tag. Die Berliner Zeitung titelt heute nach dem Koalitionskungel: „Schwarz-Gelb will den Sozialstaat abbauen… Ausstieg aus dem solidarischen Gesundheitssystem beschlossen“.
Richtig. Wir werden nun ein Staat der privaten Haupt- und Zusatzversicherungen. Für alles und jedes. Ich erinnere mal daran, dass die Banken ja diese Versicherungsbündel als Verbriefungen an die EZB geben wollten. Und wer nicht spart oder, andersrum ausgedrückt, sein Schonvermögen vorab veruntreut hat, muss sich über sein Armengrab nicht wundern. Alles eine Frage der Leistungsbereitschaft. Nehmen wir Herrn Schäuble: In Rente jetzt mit erst 67? Keine Spur. Der ist doch nicht Struck. Angst vor Altersarmut? Definitiv nicht. Den Bestatter ruinieren? Nicht mit ihm.
H-IV oder HIV sind auch keine Frage für den standrechtlich verurteilten Gesundheitsfond mehr. Wer nicht bezahlen kann, bekommt Steuergeld. Woher, macht folgende Koalitionsarithmetik klar:
Da ja nun zum Schutz der Arbeitnehmer Löhne sittenwidrig werden sollen, wenn sie unter 2/3 der branchenüblichen fallen, ist es doch reine Algebra herauszubekommen, dass 100% der Arbeitnehmer einer Branche legal auf 2/3 gedrückt werden müssen, damit 2/3 der neue branchenübliche Lohn ist, den man legal auf 2/3 drücken kann. Sozusagen Gleitkomma-Lohn. Es sind nur 4 Runden bis ALG-II, um von 100% auf 20% zu kommen: 67%, 44%, 30%, 20%. Das ist ja auch das Schema: Kurzarbeit, Leiharbeit, Teilzeitarbeit, Sklavenarbeit.
Das ist in 2-3 Jahren zu schaffen, wenn die Arbeitgeberverbände konzertiert arbeiten und die Manager vom Arbeitslohn der Arbeiter ordentlich gegen Fehlentscheidungen versichert sind und in den hierzulande boomenden bewachten Ghettos wohnen.
Wenn nun die Arbeitgeber nur noch einen geringfügigen Sockelbeitrag zum Allgemeinwohl beitragen sollen (das mit der Privatsierung der Pflegeversicherung klappte noch nicht, hätte die aber sofort von ex-gesetzlichen Anteilen befreit, so ein Ärger), dann wird die Arbeitsagentur wohl bald verstärkt Selbständigkeit fördern, um sich selbst zu entlasten und die kreditierte Arbeitslosigkeit durch Nichtausschöpfung des Etats ‚zurückzuzahlen‘ – outsourcing der Sozialbeträge der großen Arbeitgeber. Lasst doch die Arbeiter Besitzer ihrer eigenen Beschäftigungsgesellschaft werden, dann kosten die nur noch Pauschal-Miete.
Die Beerdigung des Sozialstaates ist jetzt kein Trauerspiel auf Raten mehr. Da nun aber der Binnenmarkt immer noch nicht boomt, sondern weiter bei Angebot (ruinöser deflationärer Preiskampf) und Nachfrage (Niedrigeinkommen steigen, auch durch die Entlassungen der Deflation) absacken wird, wollen wir uns im klaren sein, dass Schattenhaushalte und Verbriefungen der versicherungstechnisch privatisierten Staatschulden der Treibstoff für Gaby’s Eimerkettenbagger-Alptraum sind. Herzlich willkommen in USA-2.0. Wolle Immobilienkredit?
wo´s oben gerade zum schluß erwähnt wird – von den usa lernen, heisst – ähm, tauschen lernen…
“Ganz egal, welche der etwa 400 registrierten Internet-Tauschbörsen in den USA man zurzeit anklickt, Anfragen zur Ware Gesundheit sind ganz klar auf dem Vormarsch: “Suche Zahnbehandlung, biete Teppichlegen / Tausche Chiropraktiker-Service gegen Abendessen / Heilmassagen gegen Geigenunterricht / Biete Gartenarbeit für neue Brille.”
Es sind die vielen unversicherten und unterversicherten US-Amerikaner, die auf diesem Weg versuchen, ihre Gesundheitsversorgung zu organisieren. Und es sind Menschen, bei denen wegen der Wirtschaftskrise das Geld knapp ist und die ihre Arztrechnungen auf andere Weise zahlen wollen.(…)
@gaby
“Die Art und Weise, wie eine Gesellschaft mit ihren Toten umgeht, lässt erahnen, was auf die Lebenden bereits zugekommen und noch an sozialen und kulturellen Veränderungen zu erwarten ist.”
auch, wenn der artikel schon aus dem august ist: das problem mit den überfüllten leichenhallen tritt inzwischen auch in anderen regionen auf, bspw. in detroit.
Guten Abend. Ja, sieht knallgrau aus in den USA bei diesen Themen. Ohne Herum-Mosern. Und Österreich schafft die EU-Klimaziele nicht und will nun rumtricksen (Anrechnung Modernisierung von Kohlekraftwerken in China zur Strafabwendung). Fischers Joschka arbeitet inzwischen in der Madeleine-Albright Stiftung und mit der Nabucco-Gasleitung gegen Schröder’s Nordstream in der Ostsee und die Türken haben alle auagetrickst, nachdem ihnen Nicht-Mitglied Obama (als Hausherr?) die EU-Mitgliedschaft versprach.
Kurz: Alle haben Leichen im Keller und bald auf der Straße.
Im übrigen habe ich nichts zum Thema “Von den USA siegen lernen” gesagt. Bei mir würde der Sarkasmus mit “Wie die…” beginnen.
Nur kurz zur Gesundheitspolitik . Literatur: Renate
Hartwig : der Verkaufte Patient.
MfG
Hallo in die Runde,
erst gestern habe ich der Personalabteilung mitgeteilt, ab 1. November 2009 nur noch halbtags zu arbeiten und der entsprechende Vertrag befindet sich in der Vorbereitung, da sitze ich nachmittags vor’m Fernseher und höre, wie gräulich unsolidarisch sich unser Gesundheitssystem entwickeln wird.
Mein Mann und ich sahen uns ungläubig an und in mir krabbelte die Furcht in die Nackenhaare, denn in Steuerklasse V werde ich netto nur noch 800 Euro verdienen. Wenn davon ein pauschaler Gesundheitsbeitrag, sagen wir mal in Höhe von 200 Euro abgezogen wird, was würde jemandem, der nichts anderes als die 800 Euro monatlich zur Verfügung hat, zum Leben bleiben?!?!?!
Ach ja, Geringverdiener sollen steuerlich entlastet werden. Aber wir wissen doch alle, dass eine steuerliche Erleichterung die realen Aufwendungen nicht abdeckt.
Das heißt, dass ab dem Jahr 2011 noch sehr viel mehr Menschen ihr immer geringer werdendes Salär vom Staat aufstocken lassen müssen. So werden die Unternehmer aus der Gesundheits-Solidarität entlastet und die Bürger gleich doppelt belastet: a) durch die ungerechte Kopfpauschale und b) durch noch höhere steuerliche Subventionen für die Geringverdiener.
Und wieder höre ich die imaginären Riesen-Schaufelbagger, die in immer schnellerer Geschwindigkeit das Geld von unten wegschaufeln und in schwindelerregender Höhe bei einer winzigen Schicht unserer Mitbürger abladen, die mit den vielen Milliarden gar nicht vernünftiges anfangen können.
Ich fühle mich vom ökonomischen Irrsinn umzingelt und blicke deshalb mehr und mehr mit großem Unbehagen in die Zukunft.
Als Tochter eines Bestatters weiß ich, dass den meisten Deutschen sehr daran gelegen ist, ihre Toten würdig zu beerdigen. Seit dem Wegfall des Sterbegeldes wurde das mehr und mehr ein problematisches Unterfangen. Nun, da immer mehr Menschen immer rascher verarmen, ist es für viele Menschen schier unmöglich, die Kosten für eine erinnerungswürdige Beerdigung zu berappen und sie müssen sich auf bittere Notlösungen einlassen.
Die Art und Weise, wie eine Gesellschaft mit ihren Toten umgeht, lässt erahnen, was auf die Lebenden bereits zugekommen und noch an sozialen und kulturellen Veränderungen zu erwarten ist.
Im Falle der BRD lassen die Veränderungen der Beerdigungskultur nichts Gutes für die Lebenden erahnen. Wenn Tote zur finanziellen Last, zum teuren Müll verkommen, mutieren die Lebenden zur reinen Ware und wenn sie sich nicht als effizient erweisen, werden sie auf’s ökonomische Abstellgleis gestellt.
Diese menschenverachtende Art der Lebend-Entsorgung geht so lange gut, wie die Gesellschaft bereit ist, für die Kosten (Hartz IV etc.) aufzukommen. Je schlimmer die Staatskasse in den Bankrott gewirtschaftet wird, desto mehr schwindet die Bereitschaft, für die angeblichen „Versager“ und ihre Toten zu zahlen.
Gaby
Guten Tag. Die Berliner Zeitung titelt heute nach dem Koalitionskungel: „Schwarz-Gelb will den Sozialstaat abbauen… Ausstieg aus dem solidarischen Gesundheitssystem beschlossen“.
Richtig. Wir werden nun ein Staat der privaten Haupt- und Zusatzversicherungen. Für alles und jedes. Ich erinnere mal daran, dass die Banken ja diese Versicherungsbündel als Verbriefungen an die EZB geben wollten. Und wer nicht spart oder, andersrum ausgedrückt, sein Schonvermögen vorab veruntreut hat, muss sich über sein Armengrab nicht wundern. Alles eine Frage der Leistungsbereitschaft. Nehmen wir Herrn Schäuble: In Rente jetzt mit erst 67? Keine Spur. Der ist doch nicht Struck. Angst vor Altersarmut? Definitiv nicht. Den Bestatter ruinieren? Nicht mit ihm.
H-IV oder HIV sind auch keine Frage für den standrechtlich verurteilten Gesundheitsfond mehr. Wer nicht bezahlen kann, bekommt Steuergeld. Woher, macht folgende Koalitionsarithmetik klar:
Da ja nun zum Schutz der Arbeitnehmer Löhne sittenwidrig werden sollen, wenn sie unter 2/3 der branchenüblichen fallen, ist es doch reine Algebra herauszubekommen, dass 100% der Arbeitnehmer einer Branche legal auf 2/3 gedrückt werden müssen, damit 2/3 der neue branchenübliche Lohn ist, den man legal auf 2/3 drücken kann. Sozusagen Gleitkomma-Lohn. Es sind nur 4 Runden bis ALG-II, um von 100% auf 20% zu kommen: 67%, 44%, 30%, 20%. Das ist ja auch das Schema: Kurzarbeit, Leiharbeit, Teilzeitarbeit, Sklavenarbeit.
Das ist in 2-3 Jahren zu schaffen, wenn die Arbeitgeberverbände konzertiert arbeiten und die Manager vom Arbeitslohn der Arbeiter ordentlich gegen Fehlentscheidungen versichert sind und in den hierzulande boomenden bewachten Ghettos wohnen.
Wenn nun die Arbeitgeber nur noch einen geringfügigen Sockelbeitrag zum Allgemeinwohl beitragen sollen (das mit der Privatsierung der Pflegeversicherung klappte noch nicht, hätte die aber sofort von ex-gesetzlichen Anteilen befreit, so ein Ärger), dann wird die Arbeitsagentur wohl bald verstärkt Selbständigkeit fördern, um sich selbst zu entlasten und die kreditierte Arbeitslosigkeit durch Nichtausschöpfung des Etats ‚zurückzuzahlen‘ – outsourcing der Sozialbeträge der großen Arbeitgeber. Lasst doch die Arbeiter Besitzer ihrer eigenen Beschäftigungsgesellschaft werden, dann kosten die nur noch Pauschal-Miete.
Die Beerdigung des Sozialstaates ist jetzt kein Trauerspiel auf Raten mehr. Da nun aber der Binnenmarkt immer noch nicht boomt, sondern weiter bei Angebot (ruinöser deflationärer Preiskampf) und Nachfrage (Niedrigeinkommen steigen, auch durch die Entlassungen der Deflation) absacken wird, wollen wir uns im klaren sein, dass Schattenhaushalte und Verbriefungen der versicherungstechnisch privatisierten Staatschulden der Treibstoff für Gaby’s Eimerkettenbagger-Alptraum sind. Herzlich willkommen in USA-2.0. Wolle Immobilienkredit?
MfG
wo´s oben gerade zum schluß erwähnt wird – von den usa lernen, heisst – ähm, tauschen lernen…
“Ganz egal, welche der etwa 400 registrierten Internet-Tauschbörsen in den USA man zurzeit anklickt, Anfragen zur Ware Gesundheit sind ganz klar auf dem Vormarsch: “Suche Zahnbehandlung, biete Teppichlegen / Tausche Chiropraktiker-Service gegen Abendessen / Heilmassagen gegen Geigenunterricht / Biete Gartenarbeit für neue Brille.”
Es sind die vielen unversicherten und unterversicherten US-Amerikaner, die auf diesem Weg versuchen, ihre Gesundheitsversorgung zu organisieren. Und es sind Menschen, bei denen wegen der Wirtschaftskrise das Geld knapp ist und die ihre Arztrechnungen auf andere Weise zahlen wollen.(…)
@gaby
“Die Art und Weise, wie eine Gesellschaft mit ihren Toten umgeht, lässt erahnen, was auf die Lebenden bereits zugekommen und noch an sozialen und kulturellen Veränderungen zu erwarten ist.”
nicht nur mit ihren toten, auch mit ihren gefangenen
auch, wenn der artikel schon aus dem august ist: das problem mit den überfüllten leichenhallen tritt inzwischen auch in anderen regionen auf, bspw. in detroit.
Guten Abend. Ja, sieht knallgrau aus in den USA bei diesen Themen. Ohne Herum-Mosern. Und Österreich schafft die EU-Klimaziele nicht und will nun rumtricksen (Anrechnung Modernisierung von Kohlekraftwerken in China zur Strafabwendung). Fischers Joschka arbeitet inzwischen in der Madeleine-Albright Stiftung und mit der Nabucco-Gasleitung gegen Schröder’s Nordstream in der Ostsee und die Türken haben alle auagetrickst, nachdem ihnen Nicht-Mitglied Obama (als Hausherr?) die EU-Mitgliedschaft versprach.
Kurz: Alle haben Leichen im Keller und bald auf der Straße.
Im übrigen habe ich nichts zum Thema “Von den USA siegen lernen” gesagt. Bei mir würde der Sarkasmus mit “Wie die…” beginnen.
MfG