Dieser Beitrag wurde geschrieben von am Freitag, 23. Oktober 2009 um 2:45 pm und eingeordnet unter Politik, soz. Du kannst den Antworten zu diesem Eintrag mit Hilfe des RSS-2.0-Feeds folgen.
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das ganze Jahr leben mein Mann und ich schon in Angst.
Zuerst ging es monatelang um seinen Arbeitsplatz, den er glücklicherweise behalten darf, wie wir seit dem 17. Aug. wissen. Dann fing mein Arbeitgeber an, Entlassungen vorzubereiten. Auch mich wollte er los werden, bot mir allerdings eine Halbtagsstelle an, die ich auch annahm. Viele andere meiner KollegenInnen leben noch in Angst. Wer gekündigt wird, verlässt die Firma innerhalb von zwei Wochen. Die regulären Kündigungsfristen wurden aufgehoben.
Durch mein mehr als halbiertes Gehalt wird in meinem Haushalt eine Konsumveränderung eintreten. Drei Tierschutzorganisationen habe ich mitteilen müssen, dass ich künftig die monatlichen Zuwendungen halbieren werde und das zu einer Zeit, in der diesen Organisationen sowieso die Mitglieder wegen Geldmangels scharenweise davon laufen und die Spendeneinnahmen um bis zu 70 % eingebrochen sind. Das zu einer Zeit, wo die Tierheime überquellen von abgegebenen Haustieren, weil sich die Halter die Kosten nicht mehr leisten können. Die deutschen Tierschutzorganisationen leben in großer existenzieller Angst.
Angst macht dünnhäutig, es flattern die Nerven, man schläft schlecht, macht sich ständig düstere Gedanken, verliert die Lust, Geld auszugeben, verliert gar den Appetit. Angst macht einsam, weil man keine Lust verspürt, sich am gesellschaftlichen Leben zu beteiligen und weil man keine Lust hat, über seine Angst zu reden oder zu schreiben, macht sie letztlich sprachlos. Und wenn die Angst zu lange anhält, gewöhnt man sich nicht etwa an sie, sondern sie macht lethargisch. Das Wort „Ohnmacht“ bekommt plötzlich eine be-greifbare Bedeutung, nämlich leibhaftig ohne Macht zu sein.
Als mir letzten Dienstag auf den Kopf zu gesagt wurde, dass man mir am liebsten kündigen will, weil zu alt und zu teuer, traf mich das hart. Ich war wie versteinert, brachte keinen Ton heraus, kämpfte mit Brechreiz. Das demütigende Gefühl, der Brechreiz, Bauchweh und Muskelverkrampfungen habe ich jetzt noch ein bisschen, obwohl ich ja einen Halbtagsjob bekomme, also nicht auf der Straße stehe. Wie mögen sich erst die Gekündigten fühlen?! Das muss ein sehr grausames Gefühl sein und wenn dann noch materielle Zukunftsangst hinzu kommt, ist leicht vorstellbar, dass so mancher Familienvater ausrastet und seine Familie inklusive sich selbst umbringt.
Angst ist ein Gefühl, dass rational nicht beherrschbar, nicht zu verdrängen, nicht kleinzureden ist. Nicht der Verstand beherrscht die Angst, sondern die Angst herrscht über den Verstand und treibt die Menschen oft zu Handlungen, die mit dem Verstand nicht erklärbar sind.
Das sollte unseren Politikern endlich bewusst werden!!!!!
Ihre Situation ist bedauerlich. Behalten Sie Ihren Mut und Optimismus.
Nach 9 Jahren neoliberaler Ekzesse kennen ich niemanden mehr, der nicht jemanden kennt, der zwischenzeitlich seinen Job verloren hat. Wer glaubt noch ernsthaft die Mär von unwilligen, geringqualifizuerten Arbeitslosen? Nicht einmal unsere Politiker. Nur sie scheren sich nicht darum und stopfen sich die Ohren zu, wenn dieses Argument gebracht wird.
Ich behaupte, dass jeder, der die Augen aufmacht, leicht erkennt, dass sich eine riesige Kluft zwischen den Behauptungen der Politik und der Presse und der Wirklichkeit auftut.
Natürlich sehen nur wenige Ursachen, die Herr Jahnke in mühevoller Kleinarbeit aufzeigt. Aber darauf kommt es zunächst nicht an (das meine ich nicht abwertend). Wo aber bleibt der Protest gegen die Lebensverhältnisse? Warum schläft der deutsche Michel?
Dafür habe ich zur Zeit auch eine Erklärung: Es wird nicht “irgendwie” Angst gemacht. Vielmehr wird Angst gezielt als Instrument zur Disziplierung angeboten. Und dies wird zu von vielen Menschen im täglichen Leben bereitwillig akzeptiert. Angst wird von oben nach unten durchgereicht.
Diskriminierende Argumente wie “zu alt und zu teuer” hätte es in den 80er Jahren nur unter der Hand gegeben. Sie gegenüber einem Arbeitnehmer zu äußern hätte Protest hervorgerufen. Mittlerweile sind die Sitten verroht. Ich fürchte, wer als Führungskraft nicht zu dem Mittel der Angst greift, gilt als “Weichei”. Lesen Sie die Stellenanzeigen (“Durchsetzungsstärke”, “Konfliktfähigkeit”).
Solange sich gegen “Profiteure der Angst” und damit gegen die gezielte Ausgrenzung einzelner Gruppen und Personen kein Protest regt, solange wird sich nichts ändern. Wer auf “die” Politiker hofft, der hofft vergebens.
Liebe Gaby,
was du zur Angst gesagt hast,trifft zu und braucht keiner Ergänzung. Sie überfällt uns eben und wir sind ihr erst einmal ausgeliefert.
Nur eine Frage ist jetzt mehr als wichtig, was bringt mir die Angst? Warum? Wozu? Welchen Sinn soll sie haben? Wem nützt sie????
Biologisch ist sie ein Mechanismus , der den ganzen Körper und Seele zu erhöhter Aufmerksamkeit und Abwehr befähigt im Falle einer Gefahr.
Nur, im von die beschriebenen Fall, geht es um 2 intelligente Menschen, die ihre Situation offen überdenken können und nicht in einer unmittelbaren körperl. Gefahr schweben.
Auch seit ihr zu Zweit, das ist schon ein Vorteil, wenn ihr euch zusmmen hinsetzt und euere Situation zu Ende denkt: Was maximal kann uns passieren, wenn wir beide arbeitslos werden?
Was geschieht dann mit unseren Ersparnissen?
Gibt es Möglichkeiten das Geld so anzulegen, dass es uns in der Not noch hilft. So manch einer hier in meinem Umfeld hat Gartenland gekauft, nach dem Motto, dann habe ich wenigstens noch diese Möglichkeit (DDR Bürger in den Voratädten hier, waren schon immer ein Stück weit Selbstversorger und wissen, was sie dann mit ihren Blumengärten machen werden) . Andere haben schon vor Jahren etwas in Goldmünzen angelegt. Hat sich für sie real als Inflationschutz erwiesen usw.
Auch solche Überlegungen helfen etwas ruhiger zu werden. Nur man sollte die Gelegenheit nutzen die Sache jatzt mal zu Ende zu denken, ganz nüchtern und mit intelligenten Ideen.
Angst mal tiefenpsychologisch angeschaut wovor? Was werden meine Elten denken, wenn wir die Arbeit verlieren (unbewusst spielt das meist in unseren Gefühl immer noch eine zu grosse Rolle), meine Freunde, mein Partner, meine Nachbarn?
Lass sie doch denken, was sie wollen, wir arbeiten daran uns von ihrer Meinung unabhängiger zu machen.
Was denke ich überhaupt in diesem Fall von mir selber? Ich denke, dass ihr im offenen Gespräch miteinander da der Angst die Spitze nehmen könntet Das können nicht unbedingt alle Menschen, aber gerade ihr beide solltet doch dazu in der Lage sein. Das vermute ich zumindest. Frauen können das Erfahrungsgemäss eher, aber vielleicht ist ja dein Mann auch so offen.
Das ist zumindest der Weg, den ich probieren würde und auch bei mir selber z. Teil schon gegangen bin.
Ist nicht leicht, leider.
Angst ist doch der dümmste Ratgeber in dieser Situation, mal ganz bei Lichte betrachtet.
Das hast du sicher auch schon bemerkt, nur wo finden wir die Strategie da heraus zu kommen?
Good luck und viele Grüsse
Elfi
PS Als die erste Intifade in Pälestina, diesen Namen noch gar nicht hatte, sah ich im Fernsehen die ersten Bilder dieses neuen Protestes. In dem Moment wurde mir klar, dass dieses Volk von jetzt an unregierbar geworden war durch die Israelis. Mir war klar, dass in 2 bis 3 Jahren Arafat – damals noch im Exil – am Jordan leben würde.
Und tasaächlich lebte er 3 Jahre später in Gaza.
Neben mir sassen 2 Ägypter und fanden meine Idee komisch.
Wie kam ich darauf: Es war am Protest deutlich zu spüren, dass die palestinesiche Bevökerung, ihre Angst vor der israel. Besatzung verloren hatte.
Leider ist dort das Trauerspiel immer noch nicht beendet, aber das ist ein andere Kapitel.
Zum Thema Angst fällt mir ein, dass seine omnipotente Durchlaucht nun Deutschland verteidigen soll (wahrscheinlich vorwärts) und ein Kohl’scher- Schwarze-Kassen Bruder mit 100.000 DM Selbstbeteiligung nun dem deutschen Volk sein beeidetes Ehrenwort ausgerechnet als Finanzminister geben muss und sein neoliberales Brüderle in der Wirtschaft bedienen darf für die weitere Befreiung der Kapitaleigner von deren dem Allgemeinwohl verpflichteten jetzigen und künftigen Mehr-Eigentum.
Der Papiertiger Grundgesetz mauzt nur noch leise bei Schattenhaushalten gegen lästige Schuldenbremsen und Umverteilungsmärchen der Sozialbeiträge, wo die Arbeitgeber praktisch nur noch einen Sockelbeitrag zahlen werden, der Rest zum Raketenstart (oder Abschuss) freigegeben wird. Natürlich biedern sich schon die Privatversicherungen an, die ja Vize-Kanzler werden wollen.
Die Gesundheitsreform besteht darin, dass sie erst mal nicht stattfindet, aber ein C-Zäpfchen schon mal Kanzleramtsminister und Schlapphut-Comptroler wird. Der Militärchef wird nun Arbeitsminister, weil für das Heer der Arbeitslosen und –anwärter aus den anderen Ministerbereichen braucht man die Kampferfahrungen vom Hindukusch.
Insgesamt ist das eher keine Regierung, sondern eine Befreiungsbewegung des neoliberalen Kapitals von Grundgesetz, sozialen Pflichten und von soziokultureller Teilhabe an Sozialabbau, Chancenverlust und Verarmung des unvermögenden Restedeutschland von 60%. Ich suche immer noch in BILD „für Soziales“ im Namen eines der Ministerien. Ein Versehen? Oder wird es ein Amt mit zwei Halbtagskräften?
Anderes Wort für ‘keine Angst’? Vor nichts zurück schrecken.
ich denke beide Vorkommentatoren haben recht (Heiner & Gabi).
Wenn ich mit Leuten rede, dann verstehen die oft gar nicht, worauf ich hinauswill. Die meisten sehen das Problem ueberhaupt nicht, koennen nicht analytisch denken. Sie sehen nur, dass etwas falsch laeuft. Gleichzeitig erlebe ich selber, was es heisst im Ungewissen zu sein und oefters schlecht zu schlafen wegen der Zukunft (Familienalleinververdiener mit befristenen Stellen ist nicht so dolle…).
Zusammen gibt das eine ziemliche explosive Mischung. Bisher scheint die Bevoelkerung ja Richtung rechts zu tendieren. Und, leider, wird sich das noch verschlimmern, vermute ich.
Zwei Halbtagskräfte im Ministerium für Soziales wären eine gute Lösung. Gehandelt wird jedoch Exverteidigungsminster Jung (fr-online).
Ein Mann, der sich für keine Aufgabe zu schade ist. Ausweislich seines CV Experte für Regionalplanung und Europaangelegenheiten. Soweit man hörte, zuletzt amtsmüde aber dennoch tapfer.
Nun lässt er die Reservearmee der Arbeitslosen zum Appell antreten. Glückwunsch von hier aus.
ich danke Euch allen sehr herzlich für Eure tröstenden Worte. Das baut enorm auf!
Ich kann nur jedem Betroffenen raten, über sein Schicksal zu sprechen. Die Solidarität ist in unserer Gesellschaft immer noch größer, als es den Anschein hat und es sich die Neolibs wünschen.
Liebe Elfi, zum Glück wird es mir trotz Halbtagsstelle nicht schlecht gehen und Dr. Jahnke weiß aus einigen persönlichen Mails, dass ich seit letzten Herbst ein derart ungutes Gefühl die Zukunft betreffend habe, dass ich bereits entsprechende Vorsorge in der Art, wie Du sie erwähnst, getroffen habe. Auch habe ich mir von einem Nachbarn zeigen lassen, wie man Gemüse- und Hühnerzucht betreibt. Man kann ja nie wissen!
Ich hätte mich übrigens weigern können, den Halbtagsjob anzunehmen. Laut Sozialplan wäre ich dann an eine andere Stelle versetzt worden und was das bedeutet, kann ich derzeit an einer Kollegin sehen (54 J., zu teuer, alleinstehend, arbeitslose Tochter). Sie wurde versetzt und nach einer Woche bekam sie zwei konstruierte, verhaltensbedingte Abmahnung auf einen Schlag. Seither lebt die Kollegin in der allergrößten Existenzangst, erbricht sich ständig, kämpft mit schlimmen Magenschmerzen, ist in ihrer Freizeit Dauergast beim Psychiater und Hausarzt und steht ständig unter starken Beruhigungsmitteln. Auch will sie gegen die beiden ungerechtfertigten Abmahnungen Klage vorm Arbeitsgericht einreichen, was auch wieder viele Gedanken und Nerven kostet.
Obendrein wird sie vom neuen Vorgesetzten täglich mehrfach verhöhnt: „Was sehen sie denn so schlecht aus, Frau X? Nun sagen sie nicht, die paar Abmahnungen würden sie aus der Bahn werfen! Nehmen sie sich zusammen, dann ist doch alles in Ordnung.“
Aus lauter Angst, einen Fehler zu machen, macht sie nun logischerweise ständig die allerblödesten Konzentrationsfehler! Der Vorgesetzte hängt jede Schusseligkeit an die „große Glocke“ und antwortet mit Demütigungen und großem Geschrei. Frau X ist kaum noch wieder zu erkennen. Sie geht krumm, huscht geradezu durchs Büro und über den Firmenhof und tut alles, sich so klein und unauffällig wie möglich zu machen. Die Redewendung „graue Maus“ erhält eine ganz neue Bedeutung.
Die Sache ist ganz klar: Die Frau soll rausgemobbt werden, weil sie sich weigerte, beruflich Abstriche zu machen! Frau X kann es sich aber nicht leisten auf Halbtags umzustellen oder gar den Job zu verlieren. Sie würde nach einem Jahr Arbeitslosigkeit ins Hartz IV rutschen.
An Frau X kann ich jeden Tag sehen, was Existenzangst aus einem Menschen macht! Das ist abartigste Grausamkeit.
Liebe Gaby, scheusslich, was so abgeht auf der Welt
Seit endlosen Jahren übe ich nun schon die Ohmacht diesem Systm gegenüber zu ertragen, um nicht in Totenstarre zu fallen oder alles Schön zu reden, wie die meisten, die diesen Fluchtmechnismus wählen “Es ist doch alles halb so schlimm und wird schon für was gut sein und gut gehen…….”
Aber das ist wirklich schlimm, was diese Frau mitmacht Wenn du kannst, lade sie doch einfach zum Kaffee ein??? Sie will sich ja sogar noch wehren, wenn sie es nicht tut wird es wahrscheinlich nur noch schlimmer für sie.
Letzte Woche fuhr ich eine längere Strecke mit der Bahn, hatte ein Online Ticket und die Kreditkarte dazu vergessen. Umsteigen musste ich dabei auch noch
Also kam ich gleich 2 mal in die Kontrolle
Beide sagten mir ich müsse, da das Ticket ungültig sei neu lösen (Über 100 Euro einfach!!)
Ich machte den Schaffnern klar, dass ich auf keinen Fall noch mal zahlen werde usw. Am Schluss forderte ich sie jeweils auf, die Polizei zu holen.
Ja dann müssten sie das machen. Und dann ging doch plötzlich etwas. Der 2. Schaffner, in dessen Zug ich sogar noch 4 Stunden ausharren musste, kam dann sehr kuraschiert zu dem Schluss: “Ich werde keinen anderen Kontrolleur mehr in diesen Teil des Zuges lassen, aber sie müssen mir versprechen, die letzte kurze Strecke mit der S Bahn zu fahren Wenn das jemand mitbekommt, dass ich sie jetzt so fahren lasse, dann verliere ich meinen Job, die wollen immer noch Leute entlassen und warten nur auf einen Grund. Obwohl wir schon die Arbeit für 2 machen müssen, geht das immer weiter.” Und tatsächlich rannte sie in den nächsten Stunden mehrfach an mir vorbei um irgendwelche Bestellungen aus den Speisewagen in die Abteile zu bringen Sie rannte tatsächlich.
Hätte ich einen Hut gehabt, ich hätte ihn vor ihr gezogen
Dein Erlebnis mit den Schaffnern erinnert mich frappierend an den Alltag der Deutschen zu Beginn der deutschen Industrialisierung. Die Lohnabhängigen litten schwer unter der sogenannten „Arbeitshetze“. Mit drakonischen Strafen wurde den Menschen damals von Seiten der Unternehmer Pünktlichkeit und Durchhaltevermögen beigebracht. Häufig durften die Menschen nicht mal ein Stück Brot essen oder auf die Toilette, weil diese Pausen den Rhythmus der Maschinen gestört hätten.
Es sieht ganz so aus, als befänden wir uns wieder in diesen längst überwunden geglaubten, tiefschwarzen Zeiten des Kapitalismus.
Guten Morgen. Die Arbeitshetze kam aus England und nannte sich Taylor-System. Mit der Stoppuhr Arbeitsabläufe optimieren und normieren bis hin zur schnelleren Geschwindigkeit der Fließbäder. S. Charlie Chaplin in “Moderne Zeiten” (1936) wo die Prozesse in der Fabrik immer schneller werden, zu schnell um nachzukommen, und ihn letzlich in das Räderwerk der Maschinerie hineinziehen, ihn endgültig zum Teil und Anhängsel der Maschine machen will.
Später wurde das ganze wisenschaftlich verbrämt und mit Arbeits- und Gesundheitschutz samt Gesundheitsversorgung kombiniert, weil kaputte Arbeiter den gleichen Nutzen haben wie kaputte Maschinen. Ist der Sklave gesund, freut sich der Herr. Wie Ford schon vor 100 Jahren gesagt haben soll, der ja kilometerlange Fließbänder hatte und hat: Weniger Arbeiter und mehr Maschinen müssen her, weil die keine Gewerkschaftsbeiträge zahlen. Dumm nur, dass die dann auch keine Autos kaufen können.
Warum funktioniert der Druck? Wegen der Angst die Fähigkeit der ausreichenden Selbstversorgung zu verlieren. Weil eben keine Alternative und keine Systembremse mehr da ist. Im Gegenteil. Man kann jetzt immer auf das neukapitalistische bankrotte Osteuropa und dito China zeigen, wie schlecht es denen und gut es hier noch geht. “Oder willst Du den Kommunismus wie in China? Hier bist Du frei.” So frei, dass man im Importpreis die Parteibeiträge der Unternehmer an die KPC (Kapitalpartei C) gleich mitbezahlt.
Da fällt mir Herr Niebel von der Freiheit dem Dollar Partei ein. Der hatte doch die deutschen Parteibeiträge an China in den letzten Jahren von 500 Mio. € so heftig kritisiert (unterstand der sPDame Wieczorek-Zeul, ja die, die die KfW dann nicht mehr kontrollierte mit FiMi Steinbrück und StaSe Asmussen, sprich die Schattenbanken der Landesbanken bis HSE und straffrei blieb,)dass er das Entwicklungshilfeminsiterium aufgelöst haben wollte. Was der wohl jetzt macht? Richtüch: Der leitet ab Dienstag das Ministerium selbst! Wie klug von Frau Merkel. Sicher meint sie mit entwicklungshilfebedürftig den deutschen Binnenmarkt?
Schnell laufen auf Arbeit – stolperfrei ja. Im gleichen Tempo muss der Geldautomat aber auch Kaufkraft ausspucken. Sonst läuft das Staatsgetriebe erst immer langsamer, dann aus dem Ruder.
Ehe der deutsche Michel das begriffen hat, hat Frau Merkel ihre dritte Amtszeit hinter sich.
MfG
Hallo miteinander,
das ganze Jahr leben mein Mann und ich schon in Angst.
Zuerst ging es monatelang um seinen Arbeitsplatz, den er glücklicherweise behalten darf, wie wir seit dem 17. Aug. wissen. Dann fing mein Arbeitgeber an, Entlassungen vorzubereiten. Auch mich wollte er los werden, bot mir allerdings eine Halbtagsstelle an, die ich auch annahm. Viele andere meiner KollegenInnen leben noch in Angst. Wer gekündigt wird, verlässt die Firma innerhalb von zwei Wochen. Die regulären Kündigungsfristen wurden aufgehoben.
Durch mein mehr als halbiertes Gehalt wird in meinem Haushalt eine Konsumveränderung eintreten. Drei Tierschutzorganisationen habe ich mitteilen müssen, dass ich künftig die monatlichen Zuwendungen halbieren werde und das zu einer Zeit, in der diesen Organisationen sowieso die Mitglieder wegen Geldmangels scharenweise davon laufen und die Spendeneinnahmen um bis zu 70 % eingebrochen sind. Das zu einer Zeit, wo die Tierheime überquellen von abgegebenen Haustieren, weil sich die Halter die Kosten nicht mehr leisten können. Die deutschen Tierschutzorganisationen leben in großer existenzieller Angst.
Angst macht dünnhäutig, es flattern die Nerven, man schläft schlecht, macht sich ständig düstere Gedanken, verliert die Lust, Geld auszugeben, verliert gar den Appetit. Angst macht einsam, weil man keine Lust verspürt, sich am gesellschaftlichen Leben zu beteiligen und weil man keine Lust hat, über seine Angst zu reden oder zu schreiben, macht sie letztlich sprachlos. Und wenn die Angst zu lange anhält, gewöhnt man sich nicht etwa an sie, sondern sie macht lethargisch. Das Wort „Ohnmacht“ bekommt plötzlich eine be-greifbare Bedeutung, nämlich leibhaftig ohne Macht zu sein.
Als mir letzten Dienstag auf den Kopf zu gesagt wurde, dass man mir am liebsten kündigen will, weil zu alt und zu teuer, traf mich das hart. Ich war wie versteinert, brachte keinen Ton heraus, kämpfte mit Brechreiz. Das demütigende Gefühl, der Brechreiz, Bauchweh und Muskelverkrampfungen habe ich jetzt noch ein bisschen, obwohl ich ja einen Halbtagsjob bekomme, also nicht auf der Straße stehe. Wie mögen sich erst die Gekündigten fühlen?! Das muss ein sehr grausames Gefühl sein und wenn dann noch materielle Zukunftsangst hinzu kommt, ist leicht vorstellbar, dass so mancher Familienvater ausrastet und seine Familie inklusive sich selbst umbringt.
Angst ist ein Gefühl, dass rational nicht beherrschbar, nicht zu verdrängen, nicht kleinzureden ist. Nicht der Verstand beherrscht die Angst, sondern die Angst herrscht über den Verstand und treibt die Menschen oft zu Handlungen, die mit dem Verstand nicht erklärbar sind.
Das sollte unseren Politikern endlich bewusst werden!!!!!
Gaby
Liebe Gaby,
Ihre Situation ist bedauerlich. Behalten Sie Ihren Mut und Optimismus.
Nach 9 Jahren neoliberaler Ekzesse kennen ich niemanden mehr, der nicht jemanden kennt, der zwischenzeitlich seinen Job verloren hat. Wer glaubt noch ernsthaft die Mär von unwilligen, geringqualifizuerten Arbeitslosen? Nicht einmal unsere Politiker. Nur sie scheren sich nicht darum und stopfen sich die Ohren zu, wenn dieses Argument gebracht wird.
Ich behaupte, dass jeder, der die Augen aufmacht, leicht erkennt, dass sich eine riesige Kluft zwischen den Behauptungen der Politik und der Presse und der Wirklichkeit auftut.
Natürlich sehen nur wenige Ursachen, die Herr Jahnke in mühevoller Kleinarbeit aufzeigt. Aber darauf kommt es zunächst nicht an (das meine ich nicht abwertend). Wo aber bleibt der Protest gegen die Lebensverhältnisse? Warum schläft der deutsche Michel?
Dafür habe ich zur Zeit auch eine Erklärung: Es wird nicht “irgendwie” Angst gemacht. Vielmehr wird Angst gezielt als Instrument zur Disziplierung angeboten. Und dies wird zu von vielen Menschen im täglichen Leben bereitwillig akzeptiert. Angst wird von oben nach unten durchgereicht.
Diskriminierende Argumente wie “zu alt und zu teuer” hätte es in den 80er Jahren nur unter der Hand gegeben. Sie gegenüber einem Arbeitnehmer zu äußern hätte Protest hervorgerufen. Mittlerweile sind die Sitten verroht. Ich fürchte, wer als Führungskraft nicht zu dem Mittel der Angst greift, gilt als “Weichei”. Lesen Sie die Stellenanzeigen (“Durchsetzungsstärke”, “Konfliktfähigkeit”).
Solange sich gegen “Profiteure der Angst” und damit gegen die gezielte Ausgrenzung einzelner Gruppen und Personen kein Protest regt, solange wird sich nichts ändern. Wer auf “die” Politiker hofft, der hofft vergebens.
Soldarische Grüßen.
Liebe Gaby,
was du zur Angst gesagt hast,trifft zu und braucht keiner Ergänzung. Sie überfällt uns eben und wir sind ihr erst einmal ausgeliefert.
Nur eine Frage ist jetzt mehr als wichtig, was bringt mir die Angst? Warum? Wozu? Welchen Sinn soll sie haben? Wem nützt sie????
Biologisch ist sie ein Mechanismus , der den ganzen Körper und Seele zu erhöhter Aufmerksamkeit und Abwehr befähigt im Falle einer Gefahr.
Nur, im von die beschriebenen Fall, geht es um 2 intelligente Menschen, die ihre Situation offen überdenken können und nicht in einer unmittelbaren körperl. Gefahr schweben.
Auch seit ihr zu Zweit, das ist schon ein Vorteil, wenn ihr euch zusmmen hinsetzt und euere Situation zu Ende denkt: Was maximal kann uns passieren, wenn wir beide arbeitslos werden?
Was geschieht dann mit unseren Ersparnissen?
Gibt es Möglichkeiten das Geld so anzulegen, dass es uns in der Not noch hilft. So manch einer hier in meinem Umfeld hat Gartenland gekauft, nach dem Motto, dann habe ich wenigstens noch diese Möglichkeit (DDR Bürger in den Voratädten hier, waren schon immer ein Stück weit Selbstversorger und wissen, was sie dann mit ihren Blumengärten machen werden) . Andere haben schon vor Jahren etwas in Goldmünzen angelegt. Hat sich für sie real als Inflationschutz erwiesen usw.
Auch solche Überlegungen helfen etwas ruhiger zu werden. Nur man sollte die Gelegenheit nutzen die Sache jatzt mal zu Ende zu denken, ganz nüchtern und mit intelligenten Ideen.
Angst mal tiefenpsychologisch angeschaut wovor? Was werden meine Elten denken, wenn wir die Arbeit verlieren (unbewusst spielt das meist in unseren Gefühl immer noch eine zu grosse Rolle), meine Freunde, mein Partner, meine Nachbarn?
Lass sie doch denken, was sie wollen, wir arbeiten daran uns von ihrer Meinung unabhängiger zu machen.
Was denke ich überhaupt in diesem Fall von mir selber? Ich denke, dass ihr im offenen Gespräch miteinander da der Angst die Spitze nehmen könntet Das können nicht unbedingt alle Menschen, aber gerade ihr beide solltet doch dazu in der Lage sein. Das vermute ich zumindest. Frauen können das Erfahrungsgemäss eher, aber vielleicht ist ja dein Mann auch so offen.
Das ist zumindest der Weg, den ich probieren würde und auch bei mir selber z. Teil schon gegangen bin.
Ist nicht leicht, leider.
Angst ist doch der dümmste Ratgeber in dieser Situation, mal ganz bei Lichte betrachtet.
Das hast du sicher auch schon bemerkt, nur wo finden wir die Strategie da heraus zu kommen?
Good luck und viele Grüsse
Elfi
PS Als die erste Intifade in Pälestina, diesen Namen noch gar nicht hatte, sah ich im Fernsehen die ersten Bilder dieses neuen Protestes. In dem Moment wurde mir klar, dass dieses Volk von jetzt an unregierbar geworden war durch die Israelis. Mir war klar, dass in 2 bis 3 Jahren Arafat – damals noch im Exil – am Jordan leben würde.
Und tasaächlich lebte er 3 Jahre später in Gaza.
Neben mir sassen 2 Ägypter und fanden meine Idee komisch.
Wie kam ich darauf: Es war am Protest deutlich zu spüren, dass die palestinesiche Bevökerung, ihre Angst vor der israel. Besatzung verloren hatte.
Leider ist dort das Trauerspiel immer noch nicht beendet, aber das ist ein andere Kapitel.
Guten Tag. Die erzkonservative FAZ hat sich des Themas auch angenommen und titelt zu den angedachten Schattenhaushalten der Koalition „Schwarz-Geld“
( http://www.faz.net/s/Rub4D6E6242947140018FC1DA8D5E0008C5/Doc~EA31220534E474E2CBDE21326595E78BE~ATpl~Ecommon~Scontent.html )
Zum Thema Angst fällt mir ein, dass seine omnipotente Durchlaucht nun Deutschland verteidigen soll (wahrscheinlich vorwärts) und ein Kohl’scher- Schwarze-Kassen Bruder mit 100.000 DM Selbstbeteiligung nun dem deutschen Volk sein beeidetes Ehrenwort ausgerechnet als Finanzminister geben muss und sein neoliberales Brüderle in der Wirtschaft bedienen darf für die weitere Befreiung der Kapitaleigner von deren dem Allgemeinwohl verpflichteten jetzigen und künftigen Mehr-Eigentum.
Der Papiertiger Grundgesetz mauzt nur noch leise bei Schattenhaushalten gegen lästige Schuldenbremsen und Umverteilungsmärchen der Sozialbeiträge, wo die Arbeitgeber praktisch nur noch einen Sockelbeitrag zahlen werden, der Rest zum Raketenstart (oder Abschuss) freigegeben wird. Natürlich biedern sich schon die Privatversicherungen an, die ja Vize-Kanzler werden wollen.
Die Gesundheitsreform besteht darin, dass sie erst mal nicht stattfindet, aber ein C-Zäpfchen schon mal Kanzleramtsminister und Schlapphut-Comptroler wird. Der Militärchef wird nun Arbeitsminister, weil für das Heer der Arbeitslosen und –anwärter aus den anderen Ministerbereichen braucht man die Kampferfahrungen vom Hindukusch.
Insgesamt ist das eher keine Regierung, sondern eine Befreiungsbewegung des neoliberalen Kapitals von Grundgesetz, sozialen Pflichten und von soziokultureller Teilhabe an Sozialabbau, Chancenverlust und Verarmung des unvermögenden Restedeutschland von 60%. Ich suche immer noch in BILD „für Soziales“ im Namen eines der Ministerien. Ein Versehen? Oder wird es ein Amt mit zwei Halbtagskräften?
Anderes Wort für ‘keine Angst’? Vor nichts zurück schrecken.
MfG
Hallo allerseits,
ich denke beide Vorkommentatoren haben recht (Heiner & Gabi).
Wenn ich mit Leuten rede, dann verstehen die oft gar nicht, worauf ich hinauswill. Die meisten sehen das Problem ueberhaupt nicht, koennen nicht analytisch denken. Sie sehen nur, dass etwas falsch laeuft. Gleichzeitig erlebe ich selber, was es heisst im Ungewissen zu sein und oefters schlecht zu schlafen wegen der Zukunft (Familienalleinververdiener mit befristenen Stellen ist nicht so dolle…).
Zusammen gibt das eine ziemliche explosive Mischung. Bisher scheint die Bevoelkerung ja Richtung rechts zu tendieren. Und, leider, wird sich das noch verschlimmern, vermute ich.
-N
Zwei Halbtagskräfte im Ministerium für Soziales wären eine gute Lösung. Gehandelt wird jedoch Exverteidigungsminster Jung (fr-online).
Ein Mann, der sich für keine Aufgabe zu schade ist. Ausweislich seines CV Experte für Regionalplanung und Europaangelegenheiten. Soweit man hörte, zuletzt amtsmüde aber dennoch tapfer.
Nun lässt er die Reservearmee der Arbeitslosen zum Appell antreten. Glückwunsch von hier aus.
Schönen guten Morgen,
ich danke Euch allen sehr herzlich für Eure tröstenden Worte. Das baut enorm auf!
Ich kann nur jedem Betroffenen raten, über sein Schicksal zu sprechen. Die Solidarität ist in unserer Gesellschaft immer noch größer, als es den Anschein hat und es sich die Neolibs wünschen.
Liebe Elfi, zum Glück wird es mir trotz Halbtagsstelle nicht schlecht gehen und Dr. Jahnke weiß aus einigen persönlichen Mails, dass ich seit letzten Herbst ein derart ungutes Gefühl die Zukunft betreffend habe, dass ich bereits entsprechende Vorsorge in der Art, wie Du sie erwähnst, getroffen habe. Auch habe ich mir von einem Nachbarn zeigen lassen, wie man Gemüse- und Hühnerzucht betreibt. Man kann ja nie wissen!
Ich hätte mich übrigens weigern können, den Halbtagsjob anzunehmen. Laut Sozialplan wäre ich dann an eine andere Stelle versetzt worden und was das bedeutet, kann ich derzeit an einer Kollegin sehen (54 J., zu teuer, alleinstehend, arbeitslose Tochter). Sie wurde versetzt und nach einer Woche bekam sie zwei konstruierte, verhaltensbedingte Abmahnung auf einen Schlag. Seither lebt die Kollegin in der allergrößten Existenzangst, erbricht sich ständig, kämpft mit schlimmen Magenschmerzen, ist in ihrer Freizeit Dauergast beim Psychiater und Hausarzt und steht ständig unter starken Beruhigungsmitteln. Auch will sie gegen die beiden ungerechtfertigten Abmahnungen Klage vorm Arbeitsgericht einreichen, was auch wieder viele Gedanken und Nerven kostet.
Obendrein wird sie vom neuen Vorgesetzten täglich mehrfach verhöhnt: „Was sehen sie denn so schlecht aus, Frau X? Nun sagen sie nicht, die paar Abmahnungen würden sie aus der Bahn werfen! Nehmen sie sich zusammen, dann ist doch alles in Ordnung.“
Aus lauter Angst, einen Fehler zu machen, macht sie nun logischerweise ständig die allerblödesten Konzentrationsfehler! Der Vorgesetzte hängt jede Schusseligkeit an die „große Glocke“ und antwortet mit Demütigungen und großem Geschrei. Frau X ist kaum noch wieder zu erkennen. Sie geht krumm, huscht geradezu durchs Büro und über den Firmenhof und tut alles, sich so klein und unauffällig wie möglich zu machen. Die Redewendung „graue Maus“ erhält eine ganz neue Bedeutung.
Die Sache ist ganz klar: Die Frau soll rausgemobbt werden, weil sie sich weigerte, beruflich Abstriche zu machen! Frau X kann es sich aber nicht leisten auf Halbtags umzustellen oder gar den Job zu verlieren. Sie würde nach einem Jahr Arbeitslosigkeit ins Hartz IV rutschen.
An Frau X kann ich jeden Tag sehen, was Existenzangst aus einem Menschen macht! Das ist abartigste Grausamkeit.
Gaby
Liebe Gaby, scheusslich, was so abgeht auf der Welt
Seit endlosen Jahren übe ich nun schon die Ohmacht diesem Systm gegenüber zu ertragen, um nicht in Totenstarre zu fallen oder alles Schön zu reden, wie die meisten, die diesen Fluchtmechnismus wählen “Es ist doch alles halb so schlimm und wird schon für was gut sein und gut gehen…….”
Aber das ist wirklich schlimm, was diese Frau mitmacht Wenn du kannst, lade sie doch einfach zum Kaffee ein??? Sie will sich ja sogar noch wehren, wenn sie es nicht tut wird es wahrscheinlich nur noch schlimmer für sie.
Letzte Woche fuhr ich eine längere Strecke mit der Bahn, hatte ein Online Ticket und die Kreditkarte dazu vergessen. Umsteigen musste ich dabei auch noch
Also kam ich gleich 2 mal in die Kontrolle
Beide sagten mir ich müsse, da das Ticket ungültig sei neu lösen (Über 100 Euro einfach!!)
Ich machte den Schaffnern klar, dass ich auf keinen Fall noch mal zahlen werde usw. Am Schluss forderte ich sie jeweils auf, die Polizei zu holen.
Ja dann müssten sie das machen. Und dann ging doch plötzlich etwas. Der 2. Schaffner, in dessen Zug ich sogar noch 4 Stunden ausharren musste, kam dann sehr kuraschiert zu dem Schluss: “Ich werde keinen anderen Kontrolleur mehr in diesen Teil des Zuges lassen, aber sie müssen mir versprechen, die letzte kurze Strecke mit der S Bahn zu fahren Wenn das jemand mitbekommt, dass ich sie jetzt so fahren lasse, dann verliere ich meinen Job, die wollen immer noch Leute entlassen und warten nur auf einen Grund. Obwohl wir schon die Arbeit für 2 machen müssen, geht das immer weiter.” Und tatsächlich rannte sie in den nächsten Stunden mehrfach an mir vorbei um irgendwelche Bestellungen aus den Speisewagen in die Abteile zu bringen Sie rannte tatsächlich.
Hätte ich einen Hut gehabt, ich hätte ihn vor ihr gezogen
Beste Grüsse
Elfi
Liebe Elfi und Mitdiskutanten,
Dein Erlebnis mit den Schaffnern erinnert mich frappierend an den Alltag der Deutschen zu Beginn der deutschen Industrialisierung. Die Lohnabhängigen litten schwer unter der sogenannten „Arbeitshetze“. Mit drakonischen Strafen wurde den Menschen damals von Seiten der Unternehmer Pünktlichkeit und Durchhaltevermögen beigebracht. Häufig durften die Menschen nicht mal ein Stück Brot essen oder auf die Toilette, weil diese Pausen den Rhythmus der Maschinen gestört hätten.
Es sieht ganz so aus, als befänden wir uns wieder in diesen längst überwunden geglaubten, tiefschwarzen Zeiten des Kapitalismus.
Beste Grüße
Gaby
Guten Morgen. Die Arbeitshetze kam aus England und nannte sich Taylor-System. Mit der Stoppuhr Arbeitsabläufe optimieren und normieren bis hin zur schnelleren Geschwindigkeit der Fließbäder. S. Charlie Chaplin in “Moderne Zeiten” (1936) wo die Prozesse in der Fabrik immer schneller werden, zu schnell um nachzukommen, und ihn letzlich in das Räderwerk der Maschinerie hineinziehen, ihn endgültig zum Teil und Anhängsel der Maschine machen will.
Später wurde das ganze wisenschaftlich verbrämt und mit Arbeits- und Gesundheitschutz samt Gesundheitsversorgung kombiniert, weil kaputte Arbeiter den gleichen Nutzen haben wie kaputte Maschinen. Ist der Sklave gesund, freut sich der Herr. Wie Ford schon vor 100 Jahren gesagt haben soll, der ja kilometerlange Fließbänder hatte und hat: Weniger Arbeiter und mehr Maschinen müssen her, weil die keine Gewerkschaftsbeiträge zahlen. Dumm nur, dass die dann auch keine Autos kaufen können.
Warum funktioniert der Druck? Wegen der Angst die Fähigkeit der ausreichenden Selbstversorgung zu verlieren. Weil eben keine Alternative und keine Systembremse mehr da ist. Im Gegenteil. Man kann jetzt immer auf das neukapitalistische bankrotte Osteuropa und dito China zeigen, wie schlecht es denen und gut es hier noch geht. “Oder willst Du den Kommunismus wie in China? Hier bist Du frei.” So frei, dass man im Importpreis die Parteibeiträge der Unternehmer an die KPC (Kapitalpartei C) gleich mitbezahlt.
Da fällt mir Herr Niebel von der Freiheit dem Dollar Partei ein. Der hatte doch die deutschen Parteibeiträge an China in den letzten Jahren von 500 Mio. € so heftig kritisiert (unterstand der sPDame Wieczorek-Zeul, ja die, die die KfW dann nicht mehr kontrollierte mit FiMi Steinbrück und StaSe Asmussen, sprich die Schattenbanken der Landesbanken bis HSE und straffrei blieb,)dass er das Entwicklungshilfeminsiterium aufgelöst haben wollte. Was der wohl jetzt macht? Richtüch: Der leitet ab Dienstag das Ministerium selbst! Wie klug von Frau Merkel. Sicher meint sie mit entwicklungshilfebedürftig den deutschen Binnenmarkt?
Schnell laufen auf Arbeit – stolperfrei ja. Im gleichen Tempo muss der Geldautomat aber auch Kaufkraft ausspucken. Sonst läuft das Staatsgetriebe erst immer langsamer, dann aus dem Ruder.
Schönen Sonntag nochmal.
MfG