1531

Gedanken zur Zeit 1531 19-10-09: 65 Gratisexemplare von "Über den Zaun geblickt" und doch viel Stoff zum Nachdenken: Macht Bücherschreiben Sinn?

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Eine Antwort zu 1531

  1. Gaby sagt:

    Hallo Herr Dr. Jahnke und Mitlesende,

    wir leben seit Jahrzehnten im Zeitalter der medialen Reproduzierbarkeit und so fragen sich seit geraumer Zeit Philosophen, Kommunikationswissenschaftler und Soziologen, welchen Sinn ein gedrucktes Buch eigentlich noch hat. Unsere professionellen Nachdenker sind uns die Antwort bis heute schuldig geblieben.

    Der Vorteil des Produktes Buch ist, dass sein Lebenszyklus ungewöhnlich lang ist und bisher unterscheidet es sich noch in seiner mobilen Flexibilität von Internet-Inhalten, die häufig nur stationär eingesehen werden können.

    Von der ökonomischen Seite betrachtet und welcher Mensch betrachtet eine Sache letztlich nicht eigennützig, enthält ein Buch gleich mehrere Tücken:

    Der Inhalt eines Buches erschließt sich dem Leser erst nach der vollständigen Rezeption. Das Ergebnis kann enttäuschend ausfallen und man ärgert sich, Geld dafür ausgegeben zu haben. Die Rezeption kann aber auch sehr erfreulich sein und stellt somit einen persönlichen Gewinn dar, der aber nicht zwingend von anderen Menschen geteilt werden muss.

    Aus persönlicher Begeisterung heraus ein Buch zu verschenken ist also immer noch wie auch immer erfolgsprechender, als jemanden zu animieren, Geld für ein Buch, das er nicht kennt, auszugeben. Das erklärt, warum kostenlose Exemplare weg gehen wie warme Brötchen, kostenpflichtige Bücher jedoch gern unbeachtet bleiben.

    Zudem ist der Inhalt eines gedruckten Buches kaum aktualisierbar. Meist ist es nötig, eine Neuauflage zu kaufen. So mancher Schelm zieht also das Internet vor, in dem Irrglauben, hier die fundiertesten Wissensansätze und die dazugehörigen Fakten zu erhalten.

    Die zu erwartende Absatzmenge an Büchern muss vom Verleger auf Lager genommen werden, wenn auch heutzutage bereits in eingeschränkter Form, aber ein Buch, das sich nicht verkauft, hat für den Verleger keinen ökonomischen Wert. Die wenig ermutigenden Folgen für den Autor sind leicht vorstellbar; beim nächsten Buch hat er vermutlich Probleme, einen Verlag zu finden.

    Da sich die Kosten für ein Buch in aller Regel nur über den Vertriebsweg refinanzieren und ein Buch nur ein sehr untergeordneter, also kein Werbeträger ist, gehört das Produkt Buch heutzutage zum spekulativen Wirtschaftsgut mit hohen Risiken für Autor und Verleger.

    Unter all diesen positiven wie negativen Aspekten ist natürlich gut zu überlegen, ob das Schreiben und Verlegen eines Buches tatsächlich Sinn macht.

    Wenn wir die Ökonomie außer acht lassen, bleibt der ideelle Wert des Buchschreibens für den Autor und der eventuell ideelle Gewinn für den geneigten Leser.

    Da sich der Idealismus glücklicherweise noch nicht in Zahlen messen lässt, würde ich also jedem nachdenklichen Zeitgenossen eher raten, ein Buch zu schreiben, als darauf zu verzichten, zumal niemand von uns in die Zukunft schauen, also den späteren Verbreitungsgrad eines Buches nicht abschätzen kann.

    Wie sich der Autor in spe letztlich entscheidet, obliegt seinem persönlichen Handlungsspielraum.

    Mit herzlichen Grüßen und nie den Mut verlieren!

    Gaby

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