Dieser Beitrag wurde geschrieben von am Sonntag, 18. Oktober 2009 um 2:41 pm und eingeordnet unter Politik. Du kannst den Antworten zu diesem Eintrag mit Hilfe des RSS-2.0-Feeds folgen.
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Schon eine ganze Weile stellen sich viele die Frage, warum nach wie vor allenthalben die Stimmung so viel besser ist als die Lage, wie sie mit guten Begründungen von denen eingeschätzt wird, die sich ernsthaft bemühen, ein bisschen deutlicher hinter die Kulissen zu blicken. Zu ihnen gehört auch und nicht zuletzt Herr Dr. Jahnke mit seinem unermüdlichen und vorbildlichen Einsatz.
Vor dem Hintergrund der fundamental kaum zu stützenden, aber massiven und mindestens kurzfristig keineswegs “erfolg”losen offiziellen Aufwärts-PR-Arbeit und der daraus resultierenden Mainstream-Berichterstattung um uns herum liefert auch eine mehrfach ausgezeichnete Serie der BBC aus dem Jahre 2002 wichtige Einsichten und Erkenntnisse.
The Century of the Self – 2002 (4 Std.) von Adam Curtis BBC
mit vier jeweils nahezu einstündigen Episoden:
1. Happiness Machines
2. The Engineering of Consent
3. There is a Policeman Inside All Our Heads: He Must Be Destroyed
4. Eight People Sipping Wine in Kettering
Der Autor und Produzent Adam Curtis skizziert die Serie mit dem Satz: “This series is about how those in power have used Freud’s theories to try and control the dangerous crowd in an age of mass democracy.”
Und so charakterisiert die BBC diese Serie:
Adam Curtis’ acclaimed series examines the rise of the all-consuming self against the backdrop of the Freud dynasty.
To many in both politics and business, the triumph of the self is the ultimate expression of democracy, where power has finally moved to the people. Certainly the people may feel they are in charge, but are they really? The Century of the Self tells the untold and sometimes controversial story of the growth of the mass-consumer society in Britain and the United States. How was the all-consuming self created, by whom, and in whose interests?
The Freud dynasty is at the heart of this compelling social history. Sigmund Freud, founder of psychoanalysis; Edward Bernays, who invented public relations; Anna Freud, Sigmund’s devoted daughter; and present-day PR guru and Sigmund’s great grandson, Matthew Freud.
Sigmund Freud’s work into the bubbling and murky world of the subconscious changed the world. By introducing a technique to probe the unconscious mind, Freud provided useful tools for understanding the secret desires of the masses. Unwittingly, his work served as the precursor to a world full of political spin doctors, marketing moguls, and society’s belief that the pursuit of satisfaction and happiness is man’s ultimate goal.
wenn man sich ein bisschen mit dem Nachkriegsdeutschland (1945 bis 1955), vorzugsweise Biografien beschäftigt, fällt auf, dass die überlebenden Deutschen zwar die entbehrungs- und schreckensreiche Kriegszeit beklagen und bejammern, dass es ihnen in den Folgejahren nicht gut ging, aber gleichzeitig wurde nicht wirklich verstanden, warum die Alliierten die Demokratie einführten und die Nürnberger Prozesse anstrengten. Es wurde auch nicht ernsthaft ergründet, was die Ursachen und Auswüchse des Holocaust sind, geschweige denn, dass der „Führer“ eben kein guter Mann war, schicksalhaft vom Pech verfolgt, sondern ein geisteskranker Großkotz.
Mir macht es den Eindruck, als seien die Deutschen völlig unreflektiert zur Tagesordnung übergegangen, sehnten sich ratzfatz wieder nach Theater und Kino, genossen neu eröffnete Tanzcafes, sahen sich nach eleganter Kleidung um, weinten mit den Schnulzensängern der damaligen Zeit und wünschten sich nach Capri, in die eigenen vier Wänden, wünschten Familie und einem fahrbaren Untersatz.
Der Hit ist, dass ich auch heute immer mal wieder von älteren Mitbürgern vernehme, dass wir den Krieg gewonnen hätten, hätten die Amis nicht dazwischen gefunkt. Die Liebe zum Führer scheint unausrottbar zu sein.
Ich denke, es waren tatsächlich die sogenannten „1968er“, die dem Vergessen der Deutschen deutlich auf die Sprünge halfen, indem sie die Taten ihrer Eltern und Großeltern voller Ingrimm anprangerten. Die Nachkriegsgeneration sorgte noch einmal für Bombenstimmung!
Genau so egozentrisch und obrigkeitsliebend wie nach der großen Katastrophe des 20. Jhr. kommen mir viele Deutschen jedweden Alters auch heute vor. Es ist zwar alles Mist, so mit Wirtschaft und Arbeit und überhaupt, aber Frau Merkel, der adelige Guttenberg und sicher auch der Guido werden es schon richten. Die wissen mehr wie wir, die tun uns nix und nüscht Schlechtes.
Die haben noch nie die harten Worte Keynes gelesen oder gehört, der einst sagte: „Der Kapitalismus basiert auf der merkwürdigen Überzeugung, dass widerwärtige Menschen aus widerwärtigen Motiven irgendwie für das allgemeine Wohl sorgen werden.“
Die Vokabel „Kapitalismus“ ist austauschbar; die Aussage stimmt immer.
Unsere derzeitige Sozial- und Wirtschaftspolitik basiert auf der merkwürdigen Überzeugung, dass widerwärtige Menschen aus widerwärtigen Motiven irgendwie für das allgemeine Wohl sorgen werden.
Der deutsche Populismus basiert…
Der deutsche Obrigkeitsglaube basiert….
Hallo Gaby ,
zu den Westdeutschen und ihrer Nachkriegsgeschichte/Entwicklung: Günter Gaus/Die Welt der Westdeutschen/1986.wahrscheinlich nur noch bei ZVAB.
MfG
Die verunsicherte Gesellschaft sehnt sich geradezu nach politischen Figuren, die ihr das Ganze erklären, die beim Einordnen helfen-und dann erst das Mögliche anpacken. Die den Kampf um die Interpretation aufnehmen, statt ihm auszuweichen.Zitat: Richard Meng/2006/Merkelland.
Leider kann diese Frau das nicht,und Sie umgebenden Parteien jetzt erst recht nicht,und die schreibende Zunft auch nicht zu 95%.
MfG
Das Regierungsparteien im Wahlkampf ihre Bilanz und Oppositionsparteien ihr Alternativangebot, auch mit populistischen Aussagen an den Wähler zu bringen versuchen ist deren gutes Recht. In einem funktionstüchtigem demokratischen System stellt dies auch kein echtes Problem dar, denn erstens, schlagen sich die Generalsekretäre der Kontrahenten den jeweiligen Populismus der Gegenseite entsprechend um die Ohren und zweitens, sollte da ja noch die unabhängige und überparteiliche Berichterstattung der Publizistik, alias “4. Gewalt”, als Korrektiv wirken. Das hat auch im alten BRD- Westdeutschland, als DER SPIEGEL beispielsweise noch “das Sturmgeschütz der Demokratie” und noch nicht die “Konfettikanone des Neoliberalismus” war, ganz leidlich funktioniert… Mittlerweile ist der professionelle Journalismus zur PR- Veranstaltung für wirtschaftsmächtige Interessen verkommen. Die, sich daraus ergebenden wirtschaftlichen Verwerfungen, wie die Verschlechterung der Lebensverhältnisse für die breite Mehrheit der Bevölkerung mit der damit einhergehenden Frustration, müssen marginalisiert und vor allem ablenkend kanalisiert werden. Ein “gutes” Beispiel hierfür ist der mediale Umgang mit den unsäglichen Ausfällen des “SPD”- Mannes Thilo Sarrazin, gegen in Deutschland lebende Ausländer. Obwohl Sarrazin im Wesentlichen nichts als plumpen Populismus zu einem politischen Nebenkriegsschauplatz von sich gibt, ist im Medientenor vielfach von “mutigem Tabubruch” wider die “Herrschaft der Political Correktness” die Rede. Das große positive Echo, das Sarazin in weiten Teilen der Bevölkerung dabei findet, muss schon erschrecken. Auch die immer neuen Kampagnen, mit denen verschiedene Teile der Bevölkerung immer wieder gegeneinander in Stellung gebracht werden sollen, lassen tief blicken. Rentner gegen “kommende Generationen”, “Arbeitsplatzbesitzer” gegen Arbeitslose, Studenten gegen “Hartz IV”- Empfänger, und, und, und. Sie tragen zur gezielten Vergiftung des sozialen Klimas mit populistischen Mitteln bei. Sogar der Begriff des “Populismus” selbst wird umgemünzt in einen politischen Kampfbegriff gegen politische Alternativen zum herrschenden neoliberalen Konsens in etablierter Politik, Gesellschaftswissenschaft und Publizistik. Schlechte Zeiten für die repräsentative Demokratie… -in Deutschland, Europa und dem Rest der Welt!
Guten Morgen. Zu allem Vorgenanntem möchte ich ergänzen, dass der hier besprochene politische Populismus, also das oberflächliche, wissensabgewandte und mit Emotionen und Instinkten z.T. im Unterbewusstsein arbeitende politische Kommunikationssystem zwischen wirtschaftlichen und Finanzeliten und Volk über die Regierungsparteien (Demokratie als Wahl-Veranstaltung) rein marktwirtschaftlichen Prinzipien folgt:
Sichtbare Politik ist eine Ware mit kurzer Verfallsdauer (im Gegensatz zu den dahinter herrschenden elitären unsichtbaren Macht-Strategien) und diese muss im Konkurrenzkampf der politischen Anschauungen und Handlungen dem Volk massenhaft verkauft werden. Hierbei gelten marktwirtschaftliche Regeln der Effizienz: Intellektueller Tiefgang („Geist ist geil!“) der Kommunikation ist hoher Aufwand ohne Nutzen, da er die auf kurze Slogans konditionierte Masse ausschließt. Kinder wollen einfache Antworten, notfalls die starke weisende Hand. Die Werbeindustrie, ein mittlerweile auf psychologisches Feintuning getrimmter Teil der Marketingmaschine (deren Kosten die Endpreise bis 60% sinnlos verteuern) arbeitet auf mundgerechte Häppchen zu. Wie knackt der Keks? Lieblingsfarben von Mädchen? Sprache der Jugend? Große Einkaufswagen – da geht doch noch was. Riesige –nutzlose- bunte Waschmittelverpackungen – da kriegt man was für sein Geld! Deutsche Wertarbeit (wenn andere Länder die Technologien nicht haben). Heute „im Angebot“ (der Rest nicht?) und „Schnäppchen“ (vom Nil?) – alles Euphemismen für Billigpreiskonkurrenz, was aber für die „teure“ und „werte“ Kundschaft anrüchig und abwertend ist, die kauft nämlich „preiswert“.
Und ebenso verhält sich die Politik. Slogans, Worthülsen, Verbalattacken, Nachtreten, Ausspionieren, Diskreditieren, Lügen, Pokern – alles wie im ‚War Marketing‘, der aggressivsten Variante des wirtschaftlichen Verdrängungswettbewerbs bis zur Vernichtung des Wettbewerbers mit allen Mitteln. Und so gibt es „politische Gegner“ gegen die man in „Denk-Panzern“ „Strategiepapiere“ entwickelt und „taktiert“ (deine Feinde sind meine Freunde), sie „in die Zange“ nimmt, „Graben- und Flügelkämpfe“ und „billige Ablenkungsmanöver“ führt, die Parteibasis „in Stellung“ bringt“, „stärkere Geschütze auffährt“ und mit harten „Bandagen“ kämpft, dem Gegner „Lüge, Betrug und Verrat am Wähler“ (=Volksverräter) vorwirft, niemanden Ausreden lässt (verbales öffentliches Niederknüppeln = diktatorisches Imponiergehabe), Verleumdungen begeht, Zweifel streut („No1: „Wie wollen Sie das gegenfinanzieren“ = Was wollen sie dafür kürzen, doch nicht in meinem Ressort?), die Verfassung bricht („das BVS erklärte… für verfassungswidrig“), „Überläufer“ abwirbt usw. usf.
Und dementsprechend braucht man auch das Personal dafür. Nicht den politisch gebildeten Bürger mit Berufserfahrung als volksvertretender Politiker auf Zeit, sondern den Schauspieler Reagan oder den anscheinend geisteskranken Bush-2 oder in der deutschen Variante ungebildet und ohne Berufserfahrung Wasserträger von Altpolitikern als „Berufspolitiker“ in Freiwilligenparteien – als Verkäufer von Politik der Wirtschafts- und Finanzeliten, die niemand wählte. Es sind, und darin haben sie ihre wirtschaftliche Funktion: Marktschreier. Und so benehmen sie sich auch. Und wenn man wie Frau Merkel den Trick kennt und das mal nicht macht – ist das clever und man gewinn die Wahl, aber es ist ebenfalls nur Populismus – oberflächliche Anbiederung an Emotionen und Wahrnehmungen.
Daher können die Deutschen wahrscheinlich auch keine feste Beziehung zu ihrer politischen Führung eingehen: Es fehlt die intellektuelle Verankerung, Zapp.
Zum Populismus in der Demokratie:
Schon eine ganze Weile stellen sich viele die Frage, warum nach wie vor allenthalben die Stimmung so viel besser ist als die Lage, wie sie mit guten Begründungen von denen eingeschätzt wird, die sich ernsthaft bemühen, ein bisschen deutlicher hinter die Kulissen zu blicken. Zu ihnen gehört auch und nicht zuletzt Herr Dr. Jahnke mit seinem unermüdlichen und vorbildlichen Einsatz.
Vor dem Hintergrund der fundamental kaum zu stützenden, aber massiven und mindestens kurzfristig keineswegs “erfolg”losen offiziellen Aufwärts-PR-Arbeit und der daraus resultierenden Mainstream-Berichterstattung um uns herum liefert auch eine mehrfach ausgezeichnete Serie der BBC aus dem Jahre 2002 wichtige Einsichten und Erkenntnisse.
The Century of the Self – 2002 (4 Std.) von Adam Curtis BBC
mit vier jeweils nahezu einstündigen Episoden:
1. Happiness Machines
2. The Engineering of Consent
3. There is a Policeman Inside All Our Heads: He Must Be Destroyed
4. Eight People Sipping Wine in Kettering
Der Autor und Produzent Adam Curtis skizziert die Serie mit dem Satz: “This series is about how those in power have used Freud’s theories to try and control the dangerous crowd in an age of mass democracy.”
Und so charakterisiert die BBC diese Serie:
Adam Curtis’ acclaimed series examines the rise of the all-consuming self against the backdrop of the Freud dynasty.
To many in both politics and business, the triumph of the self is the ultimate expression of democracy, where power has finally moved to the people. Certainly the people may feel they are in charge, but are they really? The Century of the Self tells the untold and sometimes controversial story of the growth of the mass-consumer society in Britain and the United States. How was the all-consuming self created, by whom, and in whose interests?
The Freud dynasty is at the heart of this compelling social history. Sigmund Freud, founder of psychoanalysis; Edward Bernays, who invented public relations; Anna Freud, Sigmund’s devoted daughter; and present-day PR guru and Sigmund’s great grandson, Matthew Freud.
Sigmund Freud’s work into the bubbling and murky world of the subconscious changed the world. By introducing a technique to probe the unconscious mind, Freud provided useful tools for understanding the secret desires of the masses. Unwittingly, his work served as the precursor to a world full of political spin doctors, marketing moguls, and society’s belief that the pursuit of satisfaction and happiness is man’s ultimate goal.
Hier die Links zu den Videos:
http://video.google.com/videoplay?docid=8953172273825999151
http://go2.wordpress.com/?id=725X1342&site=dokumentarfilme.wordpress.com&url=http%3A%2F%2Fvideo.google.com%2Fvideoplay%3Fdocid%3D-678466363224520614
http://video.google.com/videoplay?docid=-6111922724894802811
http://video.google.com/videoplay?docid=1122532358497501036
Achtung, wer hineinklickt, sollte sich Zeit nehmen können, weil den meisten Betrachtern das Wieder-Ausklinken nicht so leicht fallen dürfte.
Hallo zusammen,
wenn man sich ein bisschen mit dem Nachkriegsdeutschland (1945 bis 1955), vorzugsweise Biografien beschäftigt, fällt auf, dass die überlebenden Deutschen zwar die entbehrungs- und schreckensreiche Kriegszeit beklagen und bejammern, dass es ihnen in den Folgejahren nicht gut ging, aber gleichzeitig wurde nicht wirklich verstanden, warum die Alliierten die Demokratie einführten und die Nürnberger Prozesse anstrengten. Es wurde auch nicht ernsthaft ergründet, was die Ursachen und Auswüchse des Holocaust sind, geschweige denn, dass der „Führer“ eben kein guter Mann war, schicksalhaft vom Pech verfolgt, sondern ein geisteskranker Großkotz.
Mir macht es den Eindruck, als seien die Deutschen völlig unreflektiert zur Tagesordnung übergegangen, sehnten sich ratzfatz wieder nach Theater und Kino, genossen neu eröffnete Tanzcafes, sahen sich nach eleganter Kleidung um, weinten mit den Schnulzensängern der damaligen Zeit und wünschten sich nach Capri, in die eigenen vier Wänden, wünschten Familie und einem fahrbaren Untersatz.
Der Hit ist, dass ich auch heute immer mal wieder von älteren Mitbürgern vernehme, dass wir den Krieg gewonnen hätten, hätten die Amis nicht dazwischen gefunkt. Die Liebe zum Führer scheint unausrottbar zu sein.
Ich denke, es waren tatsächlich die sogenannten „1968er“, die dem Vergessen der Deutschen deutlich auf die Sprünge halfen, indem sie die Taten ihrer Eltern und Großeltern voller Ingrimm anprangerten. Die Nachkriegsgeneration sorgte noch einmal für Bombenstimmung!
Genau so egozentrisch und obrigkeitsliebend wie nach der großen Katastrophe des 20. Jhr. kommen mir viele Deutschen jedweden Alters auch heute vor. Es ist zwar alles Mist, so mit Wirtschaft und Arbeit und überhaupt, aber Frau Merkel, der adelige Guttenberg und sicher auch der Guido werden es schon richten. Die wissen mehr wie wir, die tun uns nix und nüscht Schlechtes.
Die haben noch nie die harten Worte Keynes gelesen oder gehört, der einst sagte: „Der Kapitalismus basiert auf der merkwürdigen Überzeugung, dass widerwärtige Menschen aus widerwärtigen Motiven irgendwie für das allgemeine Wohl sorgen werden.“
Die Vokabel „Kapitalismus“ ist austauschbar; die Aussage stimmt immer.
Unsere derzeitige Sozial- und Wirtschaftspolitik basiert auf der merkwürdigen Überzeugung, dass widerwärtige Menschen aus widerwärtigen Motiven irgendwie für das allgemeine Wohl sorgen werden.
Der deutsche Populismus basiert…
Der deutsche Obrigkeitsglaube basiert….
Gaby
Hallo Gaby ,
zu den Westdeutschen und ihrer Nachkriegsgeschichte/Entwicklung: Günter Gaus/Die Welt der Westdeutschen/1986.wahrscheinlich nur noch bei ZVAB.
MfG
Die verunsicherte Gesellschaft sehnt sich geradezu nach politischen Figuren, die ihr das Ganze erklären, die beim Einordnen helfen-und dann erst das Mögliche anpacken. Die den Kampf um die Interpretation aufnehmen, statt ihm auszuweichen.Zitat: Richard Meng/2006/Merkelland.
Leider kann diese Frau das nicht,und Sie umgebenden Parteien jetzt erst recht nicht,und die schreibende Zunft auch nicht zu 95%.
MfG
Das Regierungsparteien im Wahlkampf ihre Bilanz und Oppositionsparteien ihr Alternativangebot, auch mit populistischen Aussagen an den Wähler zu bringen versuchen ist deren gutes Recht. In einem funktionstüchtigem demokratischen System stellt dies auch kein echtes Problem dar, denn erstens, schlagen sich die Generalsekretäre der Kontrahenten den jeweiligen Populismus der Gegenseite entsprechend um die Ohren und zweitens, sollte da ja noch die unabhängige und überparteiliche Berichterstattung der Publizistik, alias “4. Gewalt”, als Korrektiv wirken. Das hat auch im alten BRD- Westdeutschland, als DER SPIEGEL beispielsweise noch “das Sturmgeschütz der Demokratie” und noch nicht die “Konfettikanone des Neoliberalismus” war, ganz leidlich funktioniert… Mittlerweile ist der professionelle Journalismus zur PR- Veranstaltung für wirtschaftsmächtige Interessen verkommen. Die, sich daraus ergebenden wirtschaftlichen Verwerfungen, wie die Verschlechterung der Lebensverhältnisse für die breite Mehrheit der Bevölkerung mit der damit einhergehenden Frustration, müssen marginalisiert und vor allem ablenkend kanalisiert werden. Ein “gutes” Beispiel hierfür ist der mediale Umgang mit den unsäglichen Ausfällen des “SPD”- Mannes Thilo Sarrazin, gegen in Deutschland lebende Ausländer. Obwohl Sarrazin im Wesentlichen nichts als plumpen Populismus zu einem politischen Nebenkriegsschauplatz von sich gibt, ist im Medientenor vielfach von “mutigem Tabubruch” wider die “Herrschaft der Political Correktness” die Rede. Das große positive Echo, das Sarazin in weiten Teilen der Bevölkerung dabei findet, muss schon erschrecken. Auch die immer neuen Kampagnen, mit denen verschiedene Teile der Bevölkerung immer wieder gegeneinander in Stellung gebracht werden sollen, lassen tief blicken. Rentner gegen “kommende Generationen”, “Arbeitsplatzbesitzer” gegen Arbeitslose, Studenten gegen “Hartz IV”- Empfänger, und, und, und. Sie tragen zur gezielten Vergiftung des sozialen Klimas mit populistischen Mitteln bei. Sogar der Begriff des “Populismus” selbst wird umgemünzt in einen politischen Kampfbegriff gegen politische Alternativen zum herrschenden neoliberalen Konsens in etablierter Politik, Gesellschaftswissenschaft und Publizistik. Schlechte Zeiten für die repräsentative Demokratie… -in Deutschland, Europa und dem Rest der Welt!
Guten Morgen. Zu allem Vorgenanntem möchte ich ergänzen, dass der hier besprochene politische Populismus, also das oberflächliche, wissensabgewandte und mit Emotionen und Instinkten z.T. im Unterbewusstsein arbeitende politische Kommunikationssystem zwischen wirtschaftlichen und Finanzeliten und Volk über die Regierungsparteien (Demokratie als Wahl-Veranstaltung) rein marktwirtschaftlichen Prinzipien folgt:
Sichtbare Politik ist eine Ware mit kurzer Verfallsdauer (im Gegensatz zu den dahinter herrschenden elitären unsichtbaren Macht-Strategien) und diese muss im Konkurrenzkampf der politischen Anschauungen und Handlungen dem Volk massenhaft verkauft werden. Hierbei gelten marktwirtschaftliche Regeln der Effizienz: Intellektueller Tiefgang („Geist ist geil!“) der Kommunikation ist hoher Aufwand ohne Nutzen, da er die auf kurze Slogans konditionierte Masse ausschließt. Kinder wollen einfache Antworten, notfalls die starke weisende Hand. Die Werbeindustrie, ein mittlerweile auf psychologisches Feintuning getrimmter Teil der Marketingmaschine (deren Kosten die Endpreise bis 60% sinnlos verteuern) arbeitet auf mundgerechte Häppchen zu. Wie knackt der Keks? Lieblingsfarben von Mädchen? Sprache der Jugend? Große Einkaufswagen – da geht doch noch was. Riesige –nutzlose- bunte Waschmittelverpackungen – da kriegt man was für sein Geld! Deutsche Wertarbeit (wenn andere Länder die Technologien nicht haben). Heute „im Angebot“ (der Rest nicht?) und „Schnäppchen“ (vom Nil?) – alles Euphemismen für Billigpreiskonkurrenz, was aber für die „teure“ und „werte“ Kundschaft anrüchig und abwertend ist, die kauft nämlich „preiswert“.
Und ebenso verhält sich die Politik. Slogans, Worthülsen, Verbalattacken, Nachtreten, Ausspionieren, Diskreditieren, Lügen, Pokern – alles wie im ‚War Marketing‘, der aggressivsten Variante des wirtschaftlichen Verdrängungswettbewerbs bis zur Vernichtung des Wettbewerbers mit allen Mitteln. Und so gibt es „politische Gegner“ gegen die man in „Denk-Panzern“ „Strategiepapiere“ entwickelt und „taktiert“ (deine Feinde sind meine Freunde), sie „in die Zange“ nimmt, „Graben- und Flügelkämpfe“ und „billige Ablenkungsmanöver“ führt, die Parteibasis „in Stellung“ bringt“, „stärkere Geschütze auffährt“ und mit harten „Bandagen“ kämpft, dem Gegner „Lüge, Betrug und Verrat am Wähler“ (=Volksverräter) vorwirft, niemanden Ausreden lässt (verbales öffentliches Niederknüppeln = diktatorisches Imponiergehabe), Verleumdungen begeht, Zweifel streut („No1: „Wie wollen Sie das gegenfinanzieren“ = Was wollen sie dafür kürzen, doch nicht in meinem Ressort?), die Verfassung bricht („das BVS erklärte… für verfassungswidrig“), „Überläufer“ abwirbt usw. usf.
Und dementsprechend braucht man auch das Personal dafür. Nicht den politisch gebildeten Bürger mit Berufserfahrung als volksvertretender Politiker auf Zeit, sondern den Schauspieler Reagan oder den anscheinend geisteskranken Bush-2 oder in der deutschen Variante ungebildet und ohne Berufserfahrung Wasserträger von Altpolitikern als „Berufspolitiker“ in Freiwilligenparteien – als Verkäufer von Politik der Wirtschafts- und Finanzeliten, die niemand wählte. Es sind, und darin haben sie ihre wirtschaftliche Funktion: Marktschreier. Und so benehmen sie sich auch. Und wenn man wie Frau Merkel den Trick kennt und das mal nicht macht – ist das clever und man gewinn die Wahl, aber es ist ebenfalls nur Populismus – oberflächliche Anbiederung an Emotionen und Wahrnehmungen.
Daher können die Deutschen wahrscheinlich auch keine feste Beziehung zu ihrer politischen Führung eingehen: Es fehlt die intellektuelle Verankerung, Zapp.
MfG