Dieser Beitrag wurde geschrieben von am Dienstag, 22. September 2009 um 6:12 pm und eingeordnet unter Globalisierung. Du kannst den Antworten zu diesem Eintrag mit Hilfe des RSS-2.0-Feeds folgen.
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Albrecht Müller ist ein gemütlicher Mann, auf dessen Webseite man sich recht wohl fühlt, denn die Themen sind überschaubar und bleiben gern im nationalen Rahmen.
Bei Dr. Jahnke hingegen kann es ziemlich ungemütlich werden, denn wir verlassen unsere vertraute Umgebung und besteigen ein kleines Boot, das uns weit über die stürmischen Weltmeere in viele entfernte Länder führt, die unmittelbar mit unserer nationalen Volkswirtschaft verwoben sind. Zugegeben: Es ist nicht jedermanns/fraus Sache, über den eigenen Jägerzaun und die Gartenzwerge hinweg in ferne Volkswirtschaften zu schauen.
Wenn ich mir A. Müllers Wachstumsvorschläge betrachte, die ja allesamt nicht verkehrt sind, entsteht in meinem Kopf das Bild wunderschöner, ökologisch gesunder und sozial perfekt gestylter Volkswirtschaften, deren Bewohner jedoch zum großen Teil unterernährt und zerlumpt ein elendes Dasein fristen, denn das ökonomische Problem, nämlich die vorbehaltlose Aufnahme Chinas in die WTO, ist nicht gelöst.
Und solange ein unreguliertes China mit seinem Lohn-/Sozial- und Umweltdumping reifere Volkswirtschaften unter Druck setzt, gar die nationale Wirtschaftspolitik versagt, solange werden wir immer tiefer in den Strudel der Niedriglöhne und Arbeitslosigkeit geraten und letztlich kaum mehr in der Lage sein, ein wie auch immer geartetes Wirtschaftswachstum zu realisieren.
Aber es ist nicht allein die chinesische Regierung, der wir Dumpings aller Art zu verdanken haben, sondern es gehören auch die Regierungen der volkswirtschaftlich weniger gut entwickelten Länder Osteuropas dazu. Dieser unüberlegte, wenig durchdachte Murks hat sogar einen recht wohlklingenden Namen, nämlich „neoliberale Globalisierung“. Schönes Etikett – fauler Inhalt.
Im übrigen halte ich mich an die Volksweisheit: „Wer da baut in Straßen und Gassen, muss die Leute reden lassen.“ Das Internet mit seinen Webseiten, Foren und Bloggs ist nichts anderes als ein öffentlicher Raum, indem es, wie überall, Kritiker und Befürworter, aber auch Mobber und chronische Mißversteher gibt.
Zu Herrn Zinn kann ich mich nicht äußern; diesen Herrn kenne ich bislang nicht.
vielen Dank für den fairen Hinweis auf Ihren Kommentar zu einigen meiner gestrigen SPON-Beiträge, in denen ich Bezug auf Sie nahm.
Ich hatte beim Verfassen jedoch nicht die Intention, die Sie in meinen Beitrag anscheinend hineininterpretieren, finde es einigermaßen bedauerlich, dass Sie es so verstanden haben und möchte mich entschuldigen, dieses Missverständnis hervorgerufen zu haben.
Ich werde nachher auch noch eine entsprechende Ergänzung im SPON-Forum schreiben.
Beim Thema China sind wir in der Tat völlig unterschiedlicher Meinung, eine “China-Phobie”, die ich Ihnen im SPON-Forum unterstellt habe, setze ich jedoch ohnehin in keiner Weise mit “Antisemitismus” (im Übrigen auch ein vielfach missbrauchter Vorwurf im politischen Ringen) gleich, sondern meine den Wortsinn einer “unbegründeten Angst”. Diese für unbegründet zu halten, ist wiederum schlicht meine Meinung, an der ich genauso wenig etwas ehrenrühriges erkennen kann, wie an Ihrer. Und den Terminus empfinde ich im üblichen Ringen um die Diskurshoheit in einem Forum als angemessen. Er sollte nicht mehr bedeuten, als ich oben schrieb.
Zur Sache werde ich später noch mehr schreiben – wenn Sie mögen auch hier – denn ich meine es sehr ernst, dass ich das Engagement der “emsigen, klugen, honorigen und gar nicht so verbohrten älteren Herren mit Reputation und ohne wirkliche Ideologie” außerordentlich schätze. Wenn Sie sich an der flapsigen Ausdrucksweise stören, werde ich Sie davon in Zukunft selbstverständlich ausnehmen, es soll aber eigentlich gerade etwas mehr, als nur fachliche Wertschätzung oder das “Bescheinigen von Fleißpunkten” ausdrücken.
So oft, wie ich mich in den letzten Jahren schon öffentlich positiv bezugnehmend auf Ihre Arbeit geäußert habe, bin ich ehrlich gesagt aber auch etwas verwundert, dass Sie sich so angegriffen fühlen.
Dass ich in dem konkreten Artikel von Ihnen, in dem Sie beabsichtigten, einige Details aus Zinns Beitrag für die Le Monde Diplomatique zu stützen (und dies empirisch auch tun), “jegliche für mich plausible Theoriebildung vermisse”, ist doch auch kein Vorwurf eines Schwerverbrechens, sondern nur eine kritische Feststellung in diesem einen Einzelfall. Ich räume aber ein, dass diese Formulierung wirklich nicht gelungen war, weil sie allgemeiner oder grundsätzlicher klingt, als sie sollte. Auch dafür mein ausdrückliches Bedauern.
In der Sache bauen sowohl Müller, als auch Zinn ein relativ umfangreiches Konstrukt auf. Als “theoretischen Teil” Ihres (kurzen) Beitrags las ich dagegen lediglich folgenden Absatz:
>>> Doch diese Entwicklung liegt nicht am Mangel nationaler Konjunkturprogramme sondern an der immer stärkeren neoliberalen Globalisierung mit dem Eintritt von mehr als eine Milliarde Niedrigstlöhner in die Weltwirtschaft und der entsprechenden Entwicklung vieler Formen von Dumping.
Zur Sache vielleicht später mehr. Vor allem bedauere ich aber, dass ich das Gefühl habe, dass Sie drei bei diesem Thema aneinander vorbeischrieben und eben nicht konstruktiv zueinander finden, so mein Eindruck jedenfalls damals, als ich die drei Texte noch frisch las.
Mit dem Wachstumsbegriff habe ich mich schon mehrfach, so auch gestern im SPON-Forum auseinandergesetzt. Ich teile auf der einen Seite in etwa Albrecht Müllers Ausführungen, was denn ökonomisches Wachstum überhaupt sei und habe das im SPON auch noch etwas philosophischer versucht, weiterzuentwickeln. Ich glaube aber nicht, dass Sie drei wirklich im Widerspruch liegen, denn ich lese bei Zinn auch heraus, dass er eher das ganz realexistierende Wachstum neoliberaler Provenience meint, das sich ja gerade nicht so einfach und nonchalant zu einem “guten” Wachstum ändert. Wenn das so ist, wird es aber m.M.n. nicht klar.
Ich würde mich freuen, wenn Sie diesen Text inhaltlich nachvollziehen können und meine Entschuldigung annehmen, wo sie in der Tat angebracht ist.
Lieber Herr Heil,
Leider habe ich derzeit wenig Zeit, wollte aber Ihren Beitrag nicht völlig kommentarlos freischalten. Auch ich werde mich noch ausführlicher melden.
Jemandem öffentlich eine Phobie vorzuwerfen ist in jedem Fall ein unfreundlicher Akt. Da sollten Sie sich ehrlicherweise nicht herausreden. Nach Wikipedia ist z.B. eine Islamophobie synonym zu Islamfeindlichkeit und Antiislamismus, bezeichnet als soziologischer Begriff die feindselige Ablehnung des Islam als abstrakte Kategorie und der als Minderheit in einer Mehrheitsgesellschaft lebenden Muslime als Personen. Wenn Sie das mit dem üblichen Ringen um die Diskurshoheit in einem Forum bemänteln wollen, kann ich Sie nicht mehr verstehen. Warum sollten Sie nicht genauso vernünftig und unpolemisch argumentieren, wie Sie das jetzt versuchen, zumal wir schon in einem freundlichen Kontakt gewesen sind.
Hier noch eine etwas ausführlichere Reaktion. China-Phopie ist für mich und sicher die meisten Leser etwa dasselbe wie Xenophobie, also Fremdenhaß. Mit solchen Vorwürfen sollte man wirklich vorsichtig umgehen. Haß auf die Juden wird in aller Welt Antisemitismus genannt. Deswegen war mein Vergleich durchaus berechtigt. Mir wäre lieb, wenn Sie den Vorwurf der China-Phobie schlicht zurücknehmen würden. Ich reagiere da empfindlich, weil auch andere, die meine Sorgen wegen der Ausbeutung der chinesischen Arbeitkraft und über den von den Arbeitgebern bei uns betriebenen Wettbewerb (einschließlich Verlagerungsdruck) auch der deutschen Arbeitskraft nicht teilen, immer schnell zu solchen Todschlagetiketten greifen. Ihre Ausrede, der Terminus sei im üblichen Ringen um die Diskurshoheit in einem Forum angemessen, empfinde ich demgegenüber einfach als beschämend. Sie machen die Entgleisung damit nicht besser. Natürlich weiß ich, auch aus eigener Erfahrung, daß es in SPON ziemlich brutal zugeht. Aber das entschuldigt ebenso wenig.
Es geht mir bei China um Sorgen, nicht um Angst oder gar Haß. Wenn Sie sich keine Sorgen wegen der Dumpingkonkurrenz mit Ausbeutung an beiden Enden der Globalisierung machen, dann haben Sie meiner Meinung nach nicht verstanden, was hier abläuft. Vielleicht gehören Sie auch zu denen, die erst aufwachen, wenn China in sehr wenigen Jahren den Weltmarkt für massenproduzierte Automobile zu großen Teilen übernimmt oder vielleicht auch mit eigenen Billigfliegern kommt, falls sich bis dahin nicht die amerikanische und europäische Handelspolitik energischer als bisher zu wehren beginnt. Oder wenn nach den Wahlen eine schwarz-gelbe Bundesregierung mit dem Hinweis auf den Konkurrenzdruck und die Bedeutung des Exports weitere Lohndisziplin und damit weitere soziale Verwerfungen einfordert. Die USA wachen jetzt unter der demokratischen Mehrheit im Congress auf, und sowohl die USA wie EU-Regierungen (siehe Sarkozy/Merkel-Brief an den UN-Generalsekretär) drohen bereits mit Abwehr chinesischen Umweltdumpings. Der riesige chinesische Heimatmarkt ist im Zeichen von Massenproduktion ohnehin schon ein gewaltiger (natürlich legaler) Kostenvorteil neben der ausgebeuteten Arbeitskraft ohne ausreichenden Schutz durch Gewerkschaften und ohne ausreichendes Streikrecht, neben der kostensparenden Ausbeutung der Umwelt und der Währungsmanipulation. Ich glaube zu wissen, wovon ich rede, zumal ich die längste Zeit meiner beruflichen Tätigkeit in der Gestaltung der deutschen Handelspolitik tätig war, oft genug mit in Genf am Tisch gesessen habe und auch China und chinesische Arbeitsplätze wenigstens teilweise aus eigenem Augenschein kenne.
Wenn Sie, wie Sie formulieren, „das Engagement der emsigen, klugen, honorigen und gar nicht so verbohrten älteren Herren mit Reputation und ohne wirkliche Ideologie außerordentlich schätzen“, so halte ich solche Fleißpunkte für die Anmaßung eines Oberlehrers. Mir geht es weder um Emsigkeit, noch um Fleiß, noch gar um das Vermeiden einer ideologischen Festlegung. Wenn Sie meine Webseite ausreichend lesen, sollte Ihnen eigentlich meine politische Einstellung (die nichts mit Parteimitgliedschaft zu tun hat) durchaus aufgefallen sein. Auf eine Kurzformel gebracht: Es geht um die Gegenwehr gegen eine falsche neoliberale Politik, die einen immer tieferen sozialen Graben gräbt, dabei die Mechanik der Globalisierung brutal ausnützt, die Bildung finanziell austrocknet, die gesamte Wirtschaftsentwicklung durch eine gefährliche Vernachläßigung von Binnenkaufkraft und Binnennachfrage abbremst und vom Export abhängig macht, sowie in großen Bevölkerungskreisen die Politikverdrossenheit schürt und damit die Demokratie untergräbt. Eine Politik, die die soziale Marktwirtschaft beschwört, obwohl sie in Deutschland vor allem per Arbeitsmarkt-, Sozial- und Steuerpolitik mutwillig geopfert wurde. Genug Ideologie?
Dabei unterscheide ich mich z.B. von Albrecht Müller, weil ich nicht glaube, daß man gegen den mutwillig erzeugten und von den neoliberalen Regierungen der alten Industrieländer mitgetragenen Globalisierungsdruck ankommen kann, ohne ein sozial- und umweltverträgliches Management der Globalisierung durchzusetzen. Mit steuerfinanzierten Konjunkturprogrammen oder eine andere Arbeitsmarktpolitik allein lassen sich in der Zahl ausreichende und in der Entlohnung angemessene Arbeitsplätze nicht schaffen. Auch der Mindestlohn allein kann das nicht richten, sonst sähe die soziale Wirklichkeit in den Ländern mit Mindestlohn anders aus. Wir haben nun Jahr für Jahr erlebt, wie die in Deutschland nachgefragten Arbeitsstunden zurückgehen (abgesehen von einem kurzen per Export ausgelösten Strohfeuer), wie die Reallöhne sinken und wie andererseits das Wohlstandsgeld in die gefährlichste Spekulation seit den 30er Jahren abgetaucht ist. Es ist wirklich an der Zeit, die Augen aufzumachen und die Realitäten wahrzunehmen. Viele Kritiker der Globalisierung, mit dem Nobelpreisträger Joseph Stiglitz angefangen, haben das inzwischen getan. Schließlich: Wachsen müssen wir in sozialer Gerechtigkeit, in Bildung, Familien mit Kindern, Vermeidung von Angst, Menschenwürde und mitmenschlichen Umgang (deswegen hat mich Ihre Provokation so enttäuscht).
Sie scheinen auch gern zu übersehen, daß ich diese Arbeit nicht für mich selbst auf mich nehme. Ich gehöre zu den altmodischen Menschen, die glauben, der deutschen Gesellschaft noch etwas zu schulden, zumal ich mein ganzes Berufsleben lang in verantwortungsvollen Positionen für Deutschland arbeiten durfte. Doch vielleicht können Sie auch darauf nur mit einer provokanten Bemerkung reagieren. Und wie soll ich mich von Ihren kritischen Bewertungen eigentlich nicht angegriffen fühlen, nur weil Sie sich früher auch positiv geäußert haben? Ihr Vorwurf eines Mangels plausibler Theorie hat ja dann einen anderen freundlichen Zeitgenossen prompt veranlaßt, Ihnen zustimmend und mit ähnlicher Hähme zu antworten.
Wenn Sie jetzt versuchen, mit Ihrer nachgeschobenen Erklärung in SPON http://forum.spiegel.de/showthread.php?t=8651&page=23&highlight=Globalisierung eine Friedenspfeife zu rauchen, so muß ich Sie leider enttäuschen. Sie sagen: „Mit China-Phobie war ausdrücklich und ausschließlich eine (meiner Meinung nach) unbegründe Angst auf der ökonomischen Ebene gemeint. Ich räume ein, dass der Begriff insbesondere aus dem außenpolitischen Diskurs eine Nähe bspw. zur „Islamophobie” suggerieren kann und dann der Schluss einer irgendwie gearteten rassischen oder ähnlichen Bezugnahme möglich ist“. Geht es auch verquälter? Der Begriff „kann nicht suggerieren“, sondern er stellt eine Feindlichkeit gegenüber China fest. Wenn Sie das nicht meinen, sollten Sie Ihren Vorwurf zurücknehmen. Alles andere erinnert nur an Politiker, die nach den schlimmsten Verdrehungen und Beleidigungen am Ende immer noch ein Stück im Recht sein wollen oder die Schuld beim Opfer suchen, weil es angeblich nicht richtig verstanden hat.
Das gleiche gilt für „wenn der Eindruck bei dem einen oder anderen Leser entstanden ist, möchte ich mich dafür entschuldigen“ und „möchte ich den Sachverhalt auch hier klarstellen und mich dafür entschuldigen, dass es falsch verstanden werden konnte“. Sie brauchen sich bei keinem Leser zu entschuldigen, weil etwas falsch verstanden werden konnte, sondern ich hätte erwartet, daß Sie sich direkt bei mir für einen unberechtigten Vorwurf entschuldigen und die Sache aus dem Wege räumen. So einfach. Aber dafür scheint der Mut bei Ihnen nicht auszureichen, weil Sie am Ende Angst haben, im SPON Ihr Gesicht zu verlieren oder, wie Sie schreiben, die Ihnen so wichtige „Diskurshoheit“.
Guten Tag. Nein, auch im Spiegel kein wirklicher A-H Effekt, außer dass mit dem wie hier im Infoportal schon gezeigten stakkatischen Abfeuern von Namen von Wirtschaftsautoren auf die Blogger Eindruck geschunden werden soll. Bei Stellungnahme dazu wird der Blogger abserviert und als Höhepunkt dann die vom A-H Genie angeführten Autoren selbst. Jedes Wortgefecht erscheint wie das letzte und muss zwanghaft gewonnen werden? Auf reale Argumente kommt es dabei wohl nicht an.
Der Ideen-Klau zur Selbstdarstellung im Spiegel Forum ist eigentlich dreist: Dr. Jahnke stellt sich im Infoportal selbst am 16.07.09 (1397 und 1623) thematisch der Wachstumsdiskussion, indem er den Angriff A. Müllers (NDS) auf Prof. i.R. Zinn zu dessen Zeitungsäußerungen bezüglich heute vergessener Sicht von Keynes zu Wachstumsgrenzen der Wirtschaft, die inzwischen erreicht seien, darstellt. Wie gewohnt lässt Dr. Jahnke sein Publikum nicht mit dem Disput allein, sondern bezieht themenbezogen (Wirtschaftswachstum) Stellung mit Tendenz pro Zinn (Wachstumsende sei Anfang der 80-ger eingetreten), wogegen Müller über nur qualitatives Wachstum (außerhalb der Wertschöpfungsprozesse) schwadroniert (Flüsse begradigen etc.), was Arbeitsplätze schaffe soll (Also doch Keynes‘sche antizyklische Staatsinvestitionen als Konjunkturprogramme verkleidet, denen Zinn kein langes Leben zutraut).
Dennoch blieb Prof. Zinn im Aufsatz zu Lösungsansätzen oberflächlich und vage und greift die herrschenden Eliten eben nicht als linker Professor von links an. Er müsste sonst automatisch Keynes’ Staatsinvestitionen zur Ankurbelung von Konjunktur in Krisen(Nichtinvestitions-)zeiten nicht mit hochverzinsten Anleihen bei den vermögenden Kapitaleignern begründen wie Keynes, sondern mit der konsequenten –zumindest zeitweisen Verstaatlichung des Produktivkapitals und der Banken-, um Arbeitsplatz- und Geldwertvernichtung durch das Privateigentum daran zu verhindern (Einkommenssicherung = Kaufkraft = Nachfrage Binnemarkt) und mit den Gewinnen daraus die Staatschulden, Zinshöhe und damit die Inflation beherrschen. Das wäre die Konsequenz aus der Erkenntnis Keynes‘ und Zinns, dass kein Staat ewig und ungestraft Arbeit und Einkommen nur aus wachsenden Schulden finanzieren kann (s. USA). Nur traut sich Zinn nicht so weit nach vorne zu preschen, während Müller dabei keine Schamgrenze zu kennen scheint (etwa wie: Sozial ist, was Arbeit schafft!).
Trotz Tendenz pro Zinn bleibt Dr. Jahnke hierbei seinen viel früheren Prognosen (s. Bücher zur Globalisierung von 2005 und 2006 ! ) treu:
Die deutsche einseitige Orientierung auf Wachstum durch Export wird sich im Krisenfall rächen, weil die Vernachlässigung der Binnenkonjunktur (durch Umverteilung per Niedriglohnsektor, steigende preisliche Importabhängigkeit, Industrieverlagerung, Einheits-Euro ohne Kursanpassung des deutschen BIP usw.) die Wirkungen der sich so aufbauenden äußeren Ungleichgewichte in steigende innere Ungleichgewichte verwandelt und im Ergebnis Wirtschaftsabschwung und Instabilität zur Folge hat. Es sind von Dr. Jahnke klar und sehr früh Ursache und Wirkung benannt worden, woraus sich für jeden sichtbar auch die theoretische Ableitung der staatlichen Verhinderungs- statt heutiger Exit-Strategie ergibt: Beseitigung der erkannten Ursachen. Inzwischen und drei-vier Jahre später ist es so gekommen, Export weggebrochen, kein Ersatz durch die Binnenkonjunktur und die auf Dauer unbezahlbaren mit Staatschulden ohne Verstaatlichungen von Gewinnbringern finanzierten Konjunkturpakete werden durch die kommenden unvermeidlichen Lastenabwälzungen des ausgeweiteten deficit spending aufs Volk unter Nichteinbeziehung der großen Kapitaleigner die soziale und politische Instabilität befördern.
Alles weit vor der Wachstums-Polemik Müller über Zinn von Dr. Jahnke veröffentlicht und von beiden nicht angegriffen.
Und nun bestellt sich im Spiegel Forum einer zum wirtschaftlichen Heilsbringer ohne mindesten eigenen Ansatz und fast nur mit Fremdzitaten um sich werfend und stets –wie schon hier-provozierend und andere sezierend hin und wirft nun –pro Müller, welch Zufall- ausgerechnet Dr. Jahnke fehlende Lösungsansätze (Theorie) vor, nachdem eben der selbst und Jahre vorher diese analytisch herausarbeitete und öffentlich vorlegte und dann selbst im Juli 2009 den grundlegenden auch politischen Parteiendisput in Deutschland über Wirtschaftswachstum und ‚Weiter so mit Exportweltmeisterschaft!‘ (schon an China verloren), den dieses Dreigestirn inhaltlich verkörpert, hier in bester wissenschaftlicher Manier und Absicht im Infoportal einem breiten Publikum prägnant und zum Mitlesen- und -denken präsentierte.
Das und die Verunglimpfung Dr. Jahnkes im Spiegel als China-Verängstigten statt Warner vor wachsenden und irgendwann rückschlagenden Ungleichgewichten und als verständnislosen Simpel-BWLer bei VWL-Fragen ist nahezu geistige unheilsame Bücherverbrennung. Man sollte Autoren nicht nur anführen und verlinken. Davor steht die Kategorie „verstehendes Lesen“. Zu Recht weist Dr. Jahnke solchen ignoranten und dreisten Besuchern den kurzen Weg aus dem Portal. Übrigens: Im Spiegel-Forum Wirtschaft gab es am Ende durch andere Blogger inhaltlich auf die Mütze.
“…und als verständnislosen Simpel-BWLer bei VWL-Fragen ist nahezu geistige unheilsame Bücherverbrennung. ” Schlimmer gehts nimmer! Aber wenn ich mal das Wort Quatsch gebrauche regen sie sich auf?! Vielleicht reagiere ich auf Grund meiner Heimat bei so etwas empfindlich. Deshalb jetzt noch folgendes:
“…zu Wachstumsgrenzen der Wirtschaft, die inzwischen erreicht seien …”
Deutet da jemand etwa an das meine Art ausstirbt? Kein Wachstum mehr?! Wir sind das Wachstum! Wir waren es schon immer und werden es auch immer bleiben. Da haben sich doch ein paar Wirtschaftler kürzlich mal angemaßt das auch zu können. Financial engineering uhmm right. Arrogant huh.Wir dürfen so was, wir gehen ins Gefängnis wenn wir flaws übersehen.
Wie können sie es wagen für unüberlegte Äußerungen mehr als “dürftige Entschuldigung(en)” zu erwarten und dann so etwas zu schreiben! Ein AH Effekt der anderen Sorte.
Guten Tag. Da Sie gerade auf allen Sendern gleichzeitig funken (1482, 1728, 1729) und das wenig erbauend und leicht kontextfrei, steht zu befürchten, dass Sie etwas in den falschen Piraten-Hals gekriegt haben. Aber was?
Vielleicht können wir mal anreißen, warum links von Rechts immer so viel Zerstrittenheit herrscht?
Die CDU verfügt nicht umsonst über eine Mittelstandsvereinigung, da wird die Wirtschaft in der Region untereinander ausgekegelt und Politik mit dem Blickfeld des BWLers gemacht. Nicht verwerflich, sogar verständlich, aber eben nicht fortschrittlich.
Die “Linke” jedoch zerstreitet sich stets. In den Blogs das Beispiel schlechthin: Herr Jahnke und Herr Müller. The neverending story. Da tut es nichts zur Sache, daß ich persönlich auf Herrn Jahnkes Seite stehe (Grüße aus dem DGF^^). Mich bestürzt vielmehr, wie sich so viel Potenzial im Netz seit Jahren quasi von selbst zerlegt.
Ein ganz privater Wunsch an den sehr geschätzten Herrn Jahnke: Könnten Sie künftig in diesen Dingen den letzten Satz weglassen, der dann immer noch eine persönliche Prise Salz in die offene Diskussion streut? Ich verstehe die Verbitterung, ich kann nachvollziehen wie frustrierend es sein muß, immer gegen die gleichen Windmühlenflügel anzurennen, ich weiß das Sie als gestandener Mann nirgendwo zu Kreuze kriechen müssen und niemandem nach dem Munde reden müssen… – aber im Dienst der Sache?
Als Leser ist dieser Kleinkrieg mittlerweile frustrierend…
Vielen Dank. Das war eine wie ich meine notwendige Reaktion auf eine nicht von mir betriebene Polemik, einschließlich “Ich muss zugeben, ich habe von Jahnke bisher hauptsächlich seine Datensammlungen und Aufbereitungen hoch geschätzt. Ich denke, ich werde es dabei belassen. “. Darauf muß man doch reagieren dürfen, oder? Wenn das Leser frustriert, müssen Sie es ja nicht lesen. Ich konnte mich nur so wehren. Andererenfalls hätte ich mich auf SPON begeben müssen, wäre da aber nach aller Erfahrung nur weiter angepöbelt worden.
Schönen guten Tag,
Albrecht Müller ist ein gemütlicher Mann, auf dessen Webseite man sich recht wohl fühlt, denn die Themen sind überschaubar und bleiben gern im nationalen Rahmen.
Bei Dr. Jahnke hingegen kann es ziemlich ungemütlich werden, denn wir verlassen unsere vertraute Umgebung und besteigen ein kleines Boot, das uns weit über die stürmischen Weltmeere in viele entfernte Länder führt, die unmittelbar mit unserer nationalen Volkswirtschaft verwoben sind. Zugegeben: Es ist nicht jedermanns/fraus Sache, über den eigenen Jägerzaun und die Gartenzwerge hinweg in ferne Volkswirtschaften zu schauen.
Wenn ich mir A. Müllers Wachstumsvorschläge betrachte, die ja allesamt nicht verkehrt sind, entsteht in meinem Kopf das Bild wunderschöner, ökologisch gesunder und sozial perfekt gestylter Volkswirtschaften, deren Bewohner jedoch zum großen Teil unterernährt und zerlumpt ein elendes Dasein fristen, denn das ökonomische Problem, nämlich die vorbehaltlose Aufnahme Chinas in die WTO, ist nicht gelöst.
Und solange ein unreguliertes China mit seinem Lohn-/Sozial- und Umweltdumping reifere Volkswirtschaften unter Druck setzt, gar die nationale Wirtschaftspolitik versagt, solange werden wir immer tiefer in den Strudel der Niedriglöhne und Arbeitslosigkeit geraten und letztlich kaum mehr in der Lage sein, ein wie auch immer geartetes Wirtschaftswachstum zu realisieren.
Aber es ist nicht allein die chinesische Regierung, der wir Dumpings aller Art zu verdanken haben, sondern es gehören auch die Regierungen der volkswirtschaftlich weniger gut entwickelten Länder Osteuropas dazu. Dieser unüberlegte, wenig durchdachte Murks hat sogar einen recht wohlklingenden Namen, nämlich „neoliberale Globalisierung“. Schönes Etikett – fauler Inhalt.
Im übrigen halte ich mich an die Volksweisheit: „Wer da baut in Straßen und Gassen, muss die Leute reden lassen.“ Das Internet mit seinen Webseiten, Foren und Bloggs ist nichts anderes als ein öffentlicher Raum, indem es, wie überall, Kritiker und Befürworter, aber auch Mobber und chronische Mißversteher gibt.
Zu Herrn Zinn kann ich mich nicht äußern; diesen Herrn kenne ich bislang nicht.
Bis denne,
Gaby
Lieber Herr Dr. Jahnke,
vielen Dank für den fairen Hinweis auf Ihren Kommentar zu einigen meiner gestrigen SPON-Beiträge, in denen ich Bezug auf Sie nahm.
Ich hatte beim Verfassen jedoch nicht die Intention, die Sie in meinen Beitrag anscheinend hineininterpretieren, finde es einigermaßen bedauerlich, dass Sie es so verstanden haben und möchte mich entschuldigen, dieses Missverständnis hervorgerufen zu haben.
Ich werde nachher auch noch eine entsprechende Ergänzung im SPON-Forum schreiben.
Beim Thema China sind wir in der Tat völlig unterschiedlicher Meinung, eine “China-Phobie”, die ich Ihnen im SPON-Forum unterstellt habe, setze ich jedoch ohnehin in keiner Weise mit “Antisemitismus” (im Übrigen auch ein vielfach missbrauchter Vorwurf im politischen Ringen) gleich, sondern meine den Wortsinn einer “unbegründeten Angst”. Diese für unbegründet zu halten, ist wiederum schlicht meine Meinung, an der ich genauso wenig etwas ehrenrühriges erkennen kann, wie an Ihrer. Und den Terminus empfinde ich im üblichen Ringen um die Diskurshoheit in einem Forum als angemessen. Er sollte nicht mehr bedeuten, als ich oben schrieb.
Zur Sache werde ich später noch mehr schreiben – wenn Sie mögen auch hier – denn ich meine es sehr ernst, dass ich das Engagement der “emsigen, klugen, honorigen und gar nicht so verbohrten älteren Herren mit Reputation und ohne wirkliche Ideologie” außerordentlich schätze. Wenn Sie sich an der flapsigen Ausdrucksweise stören, werde ich Sie davon in Zukunft selbstverständlich ausnehmen, es soll aber eigentlich gerade etwas mehr, als nur fachliche Wertschätzung oder das “Bescheinigen von Fleißpunkten” ausdrücken.
So oft, wie ich mich in den letzten Jahren schon öffentlich positiv bezugnehmend auf Ihre Arbeit geäußert habe, bin ich ehrlich gesagt aber auch etwas verwundert, dass Sie sich so angegriffen fühlen.
Dass ich in dem konkreten Artikel von Ihnen, in dem Sie beabsichtigten, einige Details aus Zinns Beitrag für die Le Monde Diplomatique zu stützen (und dies empirisch auch tun), “jegliche für mich plausible Theoriebildung vermisse”, ist doch auch kein Vorwurf eines Schwerverbrechens, sondern nur eine kritische Feststellung in diesem einen Einzelfall. Ich räume aber ein, dass diese Formulierung wirklich nicht gelungen war, weil sie allgemeiner oder grundsätzlicher klingt, als sie sollte. Auch dafür mein ausdrückliches Bedauern.
In der Sache bauen sowohl Müller, als auch Zinn ein relativ umfangreiches Konstrukt auf. Als “theoretischen Teil” Ihres (kurzen) Beitrags las ich dagegen lediglich folgenden Absatz:
>>> Doch diese Entwicklung liegt nicht am Mangel nationaler Konjunkturprogramme sondern an der immer stärkeren neoliberalen Globalisierung mit dem Eintritt von mehr als eine Milliarde Niedrigstlöhner in die Weltwirtschaft und der entsprechenden Entwicklung vieler Formen von Dumping.
Zur Sache vielleicht später mehr. Vor allem bedauere ich aber, dass ich das Gefühl habe, dass Sie drei bei diesem Thema aneinander vorbeischrieben und eben nicht konstruktiv zueinander finden, so mein Eindruck jedenfalls damals, als ich die drei Texte noch frisch las.
Mit dem Wachstumsbegriff habe ich mich schon mehrfach, so auch gestern im SPON-Forum auseinandergesetzt. Ich teile auf der einen Seite in etwa Albrecht Müllers Ausführungen, was denn ökonomisches Wachstum überhaupt sei und habe das im SPON auch noch etwas philosophischer versucht, weiterzuentwickeln. Ich glaube aber nicht, dass Sie drei wirklich im Widerspruch liegen, denn ich lese bei Zinn auch heraus, dass er eher das ganz realexistierende Wachstum neoliberaler Provenience meint, das sich ja gerade nicht so einfach und nonchalant zu einem “guten” Wachstum ändert. Wenn das so ist, wird es aber m.M.n. nicht klar.
Ich würde mich freuen, wenn Sie diesen Text inhaltlich nachvollziehen können und meine Entschuldigung annehmen, wo sie in der Tat angebracht ist.
Beste Grüße
Andreas Heil
Lieber Herr Heil,
Leider habe ich derzeit wenig Zeit, wollte aber Ihren Beitrag nicht völlig kommentarlos freischalten. Auch ich werde mich noch ausführlicher melden.
Jemandem öffentlich eine Phobie vorzuwerfen ist in jedem Fall ein unfreundlicher Akt. Da sollten Sie sich ehrlicherweise nicht herausreden. Nach Wikipedia ist z.B. eine Islamophobie synonym zu Islamfeindlichkeit und Antiislamismus, bezeichnet als soziologischer Begriff die feindselige Ablehnung des Islam als abstrakte Kategorie und der als Minderheit in einer Mehrheitsgesellschaft lebenden Muslime als Personen. Wenn Sie das mit dem üblichen Ringen um die Diskurshoheit in einem Forum bemänteln wollen, kann ich Sie nicht mehr verstehen. Warum sollten Sie nicht genauso vernünftig und unpolemisch argumentieren, wie Sie das jetzt versuchen, zumal wir schon in einem freundlichen Kontakt gewesen sind.
Beste Gruesse
Joachim Jahnke
Lieber Herr Heil,
Hier noch eine etwas ausführlichere Reaktion. China-Phopie ist für mich und sicher die meisten Leser etwa dasselbe wie Xenophobie, also Fremdenhaß. Mit solchen Vorwürfen sollte man wirklich vorsichtig umgehen. Haß auf die Juden wird in aller Welt Antisemitismus genannt. Deswegen war mein Vergleich durchaus berechtigt. Mir wäre lieb, wenn Sie den Vorwurf der China-Phobie schlicht zurücknehmen würden. Ich reagiere da empfindlich, weil auch andere, die meine Sorgen wegen der Ausbeutung der chinesischen Arbeitkraft und über den von den Arbeitgebern bei uns betriebenen Wettbewerb (einschließlich Verlagerungsdruck) auch der deutschen Arbeitskraft nicht teilen, immer schnell zu solchen Todschlagetiketten greifen. Ihre Ausrede, der Terminus sei im üblichen Ringen um die Diskurshoheit in einem Forum angemessen, empfinde ich demgegenüber einfach als beschämend. Sie machen die Entgleisung damit nicht besser. Natürlich weiß ich, auch aus eigener Erfahrung, daß es in SPON ziemlich brutal zugeht. Aber das entschuldigt ebenso wenig.
Es geht mir bei China um Sorgen, nicht um Angst oder gar Haß. Wenn Sie sich keine Sorgen wegen der Dumpingkonkurrenz mit Ausbeutung an beiden Enden der Globalisierung machen, dann haben Sie meiner Meinung nach nicht verstanden, was hier abläuft. Vielleicht gehören Sie auch zu denen, die erst aufwachen, wenn China in sehr wenigen Jahren den Weltmarkt für massenproduzierte Automobile zu großen Teilen übernimmt oder vielleicht auch mit eigenen Billigfliegern kommt, falls sich bis dahin nicht die amerikanische und europäische Handelspolitik energischer als bisher zu wehren beginnt. Oder wenn nach den Wahlen eine schwarz-gelbe Bundesregierung mit dem Hinweis auf den Konkurrenzdruck und die Bedeutung des Exports weitere Lohndisziplin und damit weitere soziale Verwerfungen einfordert. Die USA wachen jetzt unter der demokratischen Mehrheit im Congress auf, und sowohl die USA wie EU-Regierungen (siehe Sarkozy/Merkel-Brief an den UN-Generalsekretär) drohen bereits mit Abwehr chinesischen Umweltdumpings. Der riesige chinesische Heimatmarkt ist im Zeichen von Massenproduktion ohnehin schon ein gewaltiger (natürlich legaler) Kostenvorteil neben der ausgebeuteten Arbeitskraft ohne ausreichenden Schutz durch Gewerkschaften und ohne ausreichendes Streikrecht, neben der kostensparenden Ausbeutung der Umwelt und der Währungsmanipulation. Ich glaube zu wissen, wovon ich rede, zumal ich die längste Zeit meiner beruflichen Tätigkeit in der Gestaltung der deutschen Handelspolitik tätig war, oft genug mit in Genf am Tisch gesessen habe und auch China und chinesische Arbeitsplätze wenigstens teilweise aus eigenem Augenschein kenne.
Wenn Sie, wie Sie formulieren, „das Engagement der emsigen, klugen, honorigen und gar nicht so verbohrten älteren Herren mit Reputation und ohne wirkliche Ideologie außerordentlich schätzen“, so halte ich solche Fleißpunkte für die Anmaßung eines Oberlehrers. Mir geht es weder um Emsigkeit, noch um Fleiß, noch gar um das Vermeiden einer ideologischen Festlegung. Wenn Sie meine Webseite ausreichend lesen, sollte Ihnen eigentlich meine politische Einstellung (die nichts mit Parteimitgliedschaft zu tun hat) durchaus aufgefallen sein. Auf eine Kurzformel gebracht: Es geht um die Gegenwehr gegen eine falsche neoliberale Politik, die einen immer tieferen sozialen Graben gräbt, dabei die Mechanik der Globalisierung brutal ausnützt, die Bildung finanziell austrocknet, die gesamte Wirtschaftsentwicklung durch eine gefährliche Vernachläßigung von Binnenkaufkraft und Binnennachfrage abbremst und vom Export abhängig macht, sowie in großen Bevölkerungskreisen die Politikverdrossenheit schürt und damit die Demokratie untergräbt. Eine Politik, die die soziale Marktwirtschaft beschwört, obwohl sie in Deutschland vor allem per Arbeitsmarkt-, Sozial- und Steuerpolitik mutwillig geopfert wurde. Genug Ideologie?
Dabei unterscheide ich mich z.B. von Albrecht Müller, weil ich nicht glaube, daß man gegen den mutwillig erzeugten und von den neoliberalen Regierungen der alten Industrieländer mitgetragenen Globalisierungsdruck ankommen kann, ohne ein sozial- und umweltverträgliches Management der Globalisierung durchzusetzen. Mit steuerfinanzierten Konjunkturprogrammen oder eine andere Arbeitsmarktpolitik allein lassen sich in der Zahl ausreichende und in der Entlohnung angemessene Arbeitsplätze nicht schaffen. Auch der Mindestlohn allein kann das nicht richten, sonst sähe die soziale Wirklichkeit in den Ländern mit Mindestlohn anders aus. Wir haben nun Jahr für Jahr erlebt, wie die in Deutschland nachgefragten Arbeitsstunden zurückgehen (abgesehen von einem kurzen per Export ausgelösten Strohfeuer), wie die Reallöhne sinken und wie andererseits das Wohlstandsgeld in die gefährlichste Spekulation seit den 30er Jahren abgetaucht ist. Es ist wirklich an der Zeit, die Augen aufzumachen und die Realitäten wahrzunehmen. Viele Kritiker der Globalisierung, mit dem Nobelpreisträger Joseph Stiglitz angefangen, haben das inzwischen getan. Schließlich: Wachsen müssen wir in sozialer Gerechtigkeit, in Bildung, Familien mit Kindern, Vermeidung von Angst, Menschenwürde und mitmenschlichen Umgang (deswegen hat mich Ihre Provokation so enttäuscht).
Sie scheinen auch gern zu übersehen, daß ich diese Arbeit nicht für mich selbst auf mich nehme. Ich gehöre zu den altmodischen Menschen, die glauben, der deutschen Gesellschaft noch etwas zu schulden, zumal ich mein ganzes Berufsleben lang in verantwortungsvollen Positionen für Deutschland arbeiten durfte. Doch vielleicht können Sie auch darauf nur mit einer provokanten Bemerkung reagieren. Und wie soll ich mich von Ihren kritischen Bewertungen eigentlich nicht angegriffen fühlen, nur weil Sie sich früher auch positiv geäußert haben? Ihr Vorwurf eines Mangels plausibler Theorie hat ja dann einen anderen freundlichen Zeitgenossen prompt veranlaßt, Ihnen zustimmend und mit ähnlicher Hähme zu antworten.
Wenn Sie jetzt versuchen, mit Ihrer nachgeschobenen Erklärung in SPON http://forum.spiegel.de/showthread.php?t=8651&page=23&highlight=Globalisierung eine Friedenspfeife zu rauchen, so muß ich Sie leider enttäuschen. Sie sagen: „Mit China-Phobie war ausdrücklich und ausschließlich eine (meiner Meinung nach) unbegründe Angst auf der ökonomischen Ebene gemeint. Ich räume ein, dass der Begriff insbesondere aus dem außenpolitischen Diskurs eine Nähe bspw. zur „Islamophobie” suggerieren kann und dann der Schluss einer irgendwie gearteten rassischen oder ähnlichen Bezugnahme möglich ist“. Geht es auch verquälter? Der Begriff „kann nicht suggerieren“, sondern er stellt eine Feindlichkeit gegenüber China fest. Wenn Sie das nicht meinen, sollten Sie Ihren Vorwurf zurücknehmen. Alles andere erinnert nur an Politiker, die nach den schlimmsten Verdrehungen und Beleidigungen am Ende immer noch ein Stück im Recht sein wollen oder die Schuld beim Opfer suchen, weil es angeblich nicht richtig verstanden hat.
Das gleiche gilt für „wenn der Eindruck bei dem einen oder anderen Leser entstanden ist, möchte ich mich dafür entschuldigen“ und „möchte ich den Sachverhalt auch hier klarstellen und mich dafür entschuldigen, dass es falsch verstanden werden konnte“. Sie brauchen sich bei keinem Leser zu entschuldigen, weil etwas falsch verstanden werden konnte, sondern ich hätte erwartet, daß Sie sich direkt bei mir für einen unberechtigten Vorwurf entschuldigen und die Sache aus dem Wege räumen. So einfach. Aber dafür scheint der Mut bei Ihnen nicht auszureichen, weil Sie am Ende Angst haben, im SPON Ihr Gesicht zu verlieren oder, wie Sie schreiben, die Ihnen so wichtige „Diskurshoheit“.
Beste Gruesse
Joachim Jahnke
Guten Tag. Nein, auch im Spiegel kein wirklicher A-H Effekt, außer dass mit dem wie hier im Infoportal schon gezeigten stakkatischen Abfeuern von Namen von Wirtschaftsautoren auf die Blogger Eindruck geschunden werden soll. Bei Stellungnahme dazu wird der Blogger abserviert und als Höhepunkt dann die vom A-H Genie angeführten Autoren selbst. Jedes Wortgefecht erscheint wie das letzte und muss zwanghaft gewonnen werden? Auf reale Argumente kommt es dabei wohl nicht an.
Der Ideen-Klau zur Selbstdarstellung im Spiegel Forum ist eigentlich dreist: Dr. Jahnke stellt sich im Infoportal selbst am 16.07.09 (1397 und 1623) thematisch der Wachstumsdiskussion, indem er den Angriff A. Müllers (NDS) auf Prof. i.R. Zinn zu dessen Zeitungsäußerungen bezüglich heute vergessener Sicht von Keynes zu Wachstumsgrenzen der Wirtschaft, die inzwischen erreicht seien, darstellt. Wie gewohnt lässt Dr. Jahnke sein Publikum nicht mit dem Disput allein, sondern bezieht themenbezogen (Wirtschaftswachstum) Stellung mit Tendenz pro Zinn (Wachstumsende sei Anfang der 80-ger eingetreten), wogegen Müller über nur qualitatives Wachstum (außerhalb der Wertschöpfungsprozesse) schwadroniert (Flüsse begradigen etc.), was Arbeitsplätze schaffe soll (Also doch Keynes‘sche antizyklische Staatsinvestitionen als Konjunkturprogramme verkleidet, denen Zinn kein langes Leben zutraut).
Dennoch blieb Prof. Zinn im Aufsatz zu Lösungsansätzen oberflächlich und vage und greift die herrschenden Eliten eben nicht als linker Professor von links an. Er müsste sonst automatisch Keynes’ Staatsinvestitionen zur Ankurbelung von Konjunktur in Krisen(Nichtinvestitions-)zeiten nicht mit hochverzinsten Anleihen bei den vermögenden Kapitaleignern begründen wie Keynes, sondern mit der konsequenten –zumindest zeitweisen Verstaatlichung des Produktivkapitals und der Banken-, um Arbeitsplatz- und Geldwertvernichtung durch das Privateigentum daran zu verhindern (Einkommenssicherung = Kaufkraft = Nachfrage Binnemarkt) und mit den Gewinnen daraus die Staatschulden, Zinshöhe und damit die Inflation beherrschen. Das wäre die Konsequenz aus der Erkenntnis Keynes‘ und Zinns, dass kein Staat ewig und ungestraft Arbeit und Einkommen nur aus wachsenden Schulden finanzieren kann (s. USA). Nur traut sich Zinn nicht so weit nach vorne zu preschen, während Müller dabei keine Schamgrenze zu kennen scheint (etwa wie: Sozial ist, was Arbeit schafft!).
Trotz Tendenz pro Zinn bleibt Dr. Jahnke hierbei seinen viel früheren Prognosen (s. Bücher zur Globalisierung von 2005 und 2006 ! ) treu:
Die deutsche einseitige Orientierung auf Wachstum durch Export wird sich im Krisenfall rächen, weil die Vernachlässigung der Binnenkonjunktur (durch Umverteilung per Niedriglohnsektor, steigende preisliche Importabhängigkeit, Industrieverlagerung, Einheits-Euro ohne Kursanpassung des deutschen BIP usw.) die Wirkungen der sich so aufbauenden äußeren Ungleichgewichte in steigende innere Ungleichgewichte verwandelt und im Ergebnis Wirtschaftsabschwung und Instabilität zur Folge hat. Es sind von Dr. Jahnke klar und sehr früh Ursache und Wirkung benannt worden, woraus sich für jeden sichtbar auch die theoretische Ableitung der staatlichen Verhinderungs- statt heutiger Exit-Strategie ergibt: Beseitigung der erkannten Ursachen. Inzwischen und drei-vier Jahre später ist es so gekommen, Export weggebrochen, kein Ersatz durch die Binnenkonjunktur und die auf Dauer unbezahlbaren mit Staatschulden ohne Verstaatlichungen von Gewinnbringern finanzierten Konjunkturpakete werden durch die kommenden unvermeidlichen Lastenabwälzungen des ausgeweiteten deficit spending aufs Volk unter Nichteinbeziehung der großen Kapitaleigner die soziale und politische Instabilität befördern.
Alles weit vor der Wachstums-Polemik Müller über Zinn von Dr. Jahnke veröffentlicht und von beiden nicht angegriffen.
Und nun bestellt sich im Spiegel Forum einer zum wirtschaftlichen Heilsbringer ohne mindesten eigenen Ansatz und fast nur mit Fremdzitaten um sich werfend und stets –wie schon hier-provozierend und andere sezierend hin und wirft nun –pro Müller, welch Zufall- ausgerechnet Dr. Jahnke fehlende Lösungsansätze (Theorie) vor, nachdem eben der selbst und Jahre vorher diese analytisch herausarbeitete und öffentlich vorlegte und dann selbst im Juli 2009 den grundlegenden auch politischen Parteiendisput in Deutschland über Wirtschaftswachstum und ‚Weiter so mit Exportweltmeisterschaft!‘ (schon an China verloren), den dieses Dreigestirn inhaltlich verkörpert, hier in bester wissenschaftlicher Manier und Absicht im Infoportal einem breiten Publikum prägnant und zum Mitlesen- und -denken präsentierte.
Das und die Verunglimpfung Dr. Jahnkes im Spiegel als China-Verängstigten statt Warner vor wachsenden und irgendwann rückschlagenden Ungleichgewichten und als verständnislosen Simpel-BWLer bei VWL-Fragen ist nahezu geistige unheilsame Bücherverbrennung. Man sollte Autoren nicht nur anführen und verlinken. Davor steht die Kategorie „verstehendes Lesen“. Zu Recht weist Dr. Jahnke solchen ignoranten und dreisten Besuchern den kurzen Weg aus dem Portal. Übrigens: Im Spiegel-Forum Wirtschaft gab es am Ende durch andere Blogger inhaltlich auf die Mütze.
MfG
“…und als verständnislosen Simpel-BWLer bei VWL-Fragen ist nahezu geistige unheilsame Bücherverbrennung. ” Schlimmer gehts nimmer! Aber wenn ich mal das Wort Quatsch gebrauche regen sie sich auf?! Vielleicht reagiere ich auf Grund meiner Heimat bei so etwas empfindlich. Deshalb jetzt noch folgendes:
“…zu Wachstumsgrenzen der Wirtschaft, die inzwischen erreicht seien …”
Deutet da jemand etwa an das meine Art ausstirbt? Kein Wachstum mehr?! Wir sind das Wachstum! Wir waren es schon immer und werden es auch immer bleiben. Da haben sich doch ein paar Wirtschaftler kürzlich mal angemaßt das auch zu können. Financial engineering uhmm right. Arrogant huh.Wir dürfen so was, wir gehen ins Gefängnis wenn wir flaws übersehen.
Wie können sie es wagen für unüberlegte Äußerungen mehr als “dürftige Entschuldigung(en)” zu erwarten und dann so etwas zu schreiben! Ein AH Effekt der anderen Sorte.
Guten Tag. Da Sie gerade auf allen Sendern gleichzeitig funken (1482, 1728, 1729) und das wenig erbauend und leicht kontextfrei, steht zu befürchten, dass Sie etwas in den falschen Piraten-Hals gekriegt haben. Aber was?
MfG
[bitte nur privat]
Hier Heil’s dürftige Entschuldigung.
http://forum.spiegel.de/showthread.php?t=8651&page=23&highlight=Globalisierung
MbG
s.o.
“Ich kann auf diesen Besuch sehr gut verzichten.”
Vielleicht können wir mal anreißen, warum links von Rechts immer so viel Zerstrittenheit herrscht?
Die CDU verfügt nicht umsonst über eine Mittelstandsvereinigung, da wird die Wirtschaft in der Region untereinander ausgekegelt und Politik mit dem Blickfeld des BWLers gemacht. Nicht verwerflich, sogar verständlich, aber eben nicht fortschrittlich.
Die “Linke” jedoch zerstreitet sich stets. In den Blogs das Beispiel schlechthin: Herr Jahnke und Herr Müller. The neverending story. Da tut es nichts zur Sache, daß ich persönlich auf Herrn Jahnkes Seite stehe (Grüße aus dem DGF^^). Mich bestürzt vielmehr, wie sich so viel Potenzial im Netz seit Jahren quasi von selbst zerlegt.
Ein ganz privater Wunsch an den sehr geschätzten Herrn Jahnke: Könnten Sie künftig in diesen Dingen den letzten Satz weglassen, der dann immer noch eine persönliche Prise Salz in die offene Diskussion streut? Ich verstehe die Verbitterung, ich kann nachvollziehen wie frustrierend es sein muß, immer gegen die gleichen Windmühlenflügel anzurennen, ich weiß das Sie als gestandener Mann nirgendwo zu Kreuze kriechen müssen und niemandem nach dem Munde reden müssen… – aber im Dienst der Sache?
Als Leser ist dieser Kleinkrieg mittlerweile frustrierend…
@Sven,
Vielen Dank. Das war eine wie ich meine notwendige Reaktion auf eine nicht von mir betriebene Polemik, einschließlich “Ich muss zugeben, ich habe von Jahnke bisher hauptsächlich seine Datensammlungen und Aufbereitungen hoch geschätzt. Ich denke, ich werde es dabei belassen.
“. Darauf muß man doch reagieren dürfen, oder? Wenn das Leser frustriert, müssen Sie es ja nicht lesen. Ich konnte mich nur so wehren. Andererenfalls hätte ich mich auf SPON begeben müssen, wäre da aber nach aller Erfahrung nur weiter angepöbelt worden.
Beste Gruesse
Joachim Jahnke