1476

Gedanken zur Zeit 1476 18-09-09: Nachdem China und Deutschland den Weltfinanzmarkt mit an die Wand gefahren haben, versuchen sie es ein weiteres Mal mit Exportoffensiven

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2 Antworten zu 1476

  1. Paten sagt:

    Guten Tag. Die Binnenkonjunktur ist offenbar die ungeliebte Stieftochter der konservativen Wirtschaftslenker. Schaut man die Zahlen an, dann könnte man meinen, es gebe in Deutschland wie in China zwillingsgleich eine Korrelation zwischen sehr hoher Produktivität und daraus folgenden hohen Exportmengen, sehr niedrigen Lohnmengen, einem unterbewerteten Währungskurs und einer neoliberalen Wirtschaftspolitik.

    Ergo äußert sich neoliberale Globalisierung in ihrem Ausgangs- und Endland (und dazwischen in allen anderen samt USA) in allen Arten Dumping – Währungs-, Rechts-, Lohn-, Sozial-, und Ökodumping. Letzteres ist nicht lokale Sache nur Chinas, weil dort die Dreckschleudern stehen und Luft, Boden und Flüsse vergiften (der US-Ökomarktplan Obama‘s meint das mit Boom-Industrie – erst verursachen, dann retten?), sondern die eingesparten Kosten für Umwelt- und Arbeitsschutz erlauben Preisdumping und unseren und allen Großimporteuren höchste Gewinnmargen für Kasino. Bei denen stimmt die Welt, warum also Binnenmarkt?

    Es geht heute, siehe auch die Umschichtungen in den Geldmengen von langfristige auf kurzfristige und schnell liquidierbare Anlagen nur noch um schnelle Gewinnmitnahmen durch verkürzte Gewinnrealisierungszyklen. Die Anstrengung eine Volkswirtschaft auf Binnenmarkt umzustrukturieren, ist denen samt deren Politikern viel zu groß. Vielmehr sucht man die Ausweitung in Lateinamerika, Asien und Osteuropa – es sind genau die EU und die OECD-Länder mit der kurzfristigen (bis zwei Jahre; war früher reine Sache privater Versicherer!) staatlichen Sonderfinanzierung der Exportkredite über Regierung (5-köpfige Kommission; Pla-Fonds länderweise) KfW (Bankgarantien an Geschäftsbanken) Euler-Hermes (private Versicherung, die den Exportkredit der Geschäftsbank versichert, weil die Staatsgarantie = Steuern den zahlungsausfall des Importeurs abdeckt.).

    Der steuergedeckte Geldkreislauf hier wird jetzt noch durch Regierungsabkommen mit den Importländern besichert, in denen deren Zentralbanken bei Inanspruchnahme der deutschen Staatsgarantie wegen Zahlungsausfalls des Importeurs die Erstattung aus Bank- und Steuermitteln ihres Landes garantieren, woraufhin der Importeur dagegen eine anzuerkennende Garantie seiner Großbank vorzulegen hat, wenn er Bonität hat und auch im Exportland nach Antragstellung anerkannt wird. Schon bleibt das System bei den Konzernen – wegen Basel II und der Kosten jeden einzelnen Schrittes. Hier liegt ja gerade die Erpressung der Entwicklungsländer, die sich faktisch für Importe von uns verschulden sollen, obwohl noch nicht einmal die immer wieder zugesagten Wirtschaftshilfen zur Ankurbelung derer Binnenkonjunktur (warum auch?), erbracht wurden.

    Innerhalb der EU gibt es ja nur eine EZB, also läuft es auf Verbriefungen mit Staatsgarantien hinaus, was das 500 Milliarden-€-Paket fröhlich erweitert, nur unter anderer Flagge. Das Neu ist, das die Banken nicht wie sonst schon im Exportpreis sofort Gebühren und Zinsen kassieren, wenn der Exporteur für den Importeur bezahlt wird, sondern dass die Abtretungsmöglichkeit der Staatsgarantie an die EZB (verbriefte Asset Backed Securities) der Bank sofort auch die Tilgung bringt.

    Jeder Export reiner Gewinn ohne Geldverleihung und Risiko! Ackermann hat da Geschäftsfelder aufgerissen, die immer wieder nur heißen: Steuergeld (Staatsgarantie) deckt Bankkredit und die Garantie geht an die EZB gegen neue Zahlungsmittel. Da stimmt doch die Eigenkapitalquote und Rendite wieder und die Kriegskasse zur Übernahme füllt sich mit jedem Export. Un wenn man klotzen will, braucht man Großprojekte und Konzerne. Wie wäres es mit Solarstrom aus Aufrika für ganz Europa? Da kann man hunderte Milliarden drehen. So kann man ganz Deutschland verbriefen. Auch die abzubauen Anlagen fürs Ausland. Wie bei Opel. Wo da wohl die Hermesbürgschaft noch hingeht, die doch keiner braucht?

    Schönen Samstag. S’is ozapft.

    MfG

  2. Paten sagt:

    Guten Tag, Die nachfolgende Schutzzoll-Meldung G-20 passt hierhin. Nicht weil man das Klima retten will (die Daten werden immer dringlicher), sondern weil jetzt der Handelskrieg um die neuen Exportmärkte Deutschland vs. China ausbricht. Nun sticht die Öko-Karte plötzlich. Wachstum durch Export – es kann nur einen geben! :

    „Brüssel/Berlin (epo.de). – Frankreich und Deutschland wollen nach den Worten des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy Schwellenländer mit Strafzöllen belegen, die sich nicht an Maßnahmen gegen die globale Erwärmung beteiligen. “Deutschland und Frankreich werden fordern, einen Mechanismus an den Grenzen Europas einzurichten für den Fall, dass es keine Einigung in Kopenhagen gibt”, sagte Sarkozy nach dem EU-Sondergipfel am Donnerstag in Brüssel. Damit erhöht sich vor dem G20 Gipfel in Pittsburgh der Druck auf Schwellenländer wie China und Indien, die bislang feste Zusagen für eigene CO2-Reduktionsziele vermieden haben.

    Sollte es beim Klimagipfel im Dezember in Kopenhagen keine Einigung auf ein Klimaschutzabkommen geben, müsse Europa zum Schutz der eigenen Industrie, deren Produktion sich durch Klimaschutzauflagen verteuert, Strafzölle einführen, erklärte der französische Präsident. “Wir brauchen Zuckerbrot und Peitsche”, so Sarkozy. Er fürchte eine “massive Abwanderung der Industrieproduktion”, sagte er mit Blick auf die Schwellenländer.

    Bundeskanzerlin Angela Merkel sagte nach den Beratungen in Brüssel, es sei “deutlich geworden, dass Europa hier der Meinung ist, dass wir von anderen wichtigen Partnern in der Welt – sei es China, sei es Indien, seien es die Vereinigten Staaten von Amerika – positive und konkrete Signale in der Vorbereitung der Kopenhagener Konferenz brauchen. Wir haben noch einmal ein klares Bekenntnis zu einem Erfolg der Konferenz in Kopenhagen abgegeben.”“

    MfG

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