1435

Gedanken zur Zeit 1435 22-08-09: Warum die Linke in ihrer potenziell größten Stunde in ihrer tiefsten Identitätskrise steckt – Teil 2: Was tun?

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49 Antworten zu 1435

  1. georgi sagt:

    Lieber Herr Dr. Jahnke!

    Ich denke aber doch, daß die großen Medien, d.h. BILD, SPIEGEL, die öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunkmedien den bestimmenden Einfluß auf den Durchschnittsdeutschen haben. Der gesteht sich selbst nämlich seinem eigenem Verstande und seiner eigenen Erfahrung geringeren Wert zu als den “Qualitätsmedien”. Deshalb wirkt die Dämonisierung der Linkspartei. Wie übermächtig das Urteil der Medien ist, sieht man ja auch am Abschuß der Frau Y. Merkel und Guttenberg wären nicht die beliebtesten Politiker, wenn nicht die Hofberichterstattung dafür gesorgt hätte. Und Schäuble und von der Leyen würden längst genauso beim Volk durchfallen wie bei den Netzbürgern.

    Was die Linke anbetrifft, so muß man feststellen, daß es auch in dieser Partei genau wie in der SPD neoliberale “Steigbügelhalter” gibt. Das kostet der Partei im beträchtlichen Maße Zuspruch, besonders im Osten, wo die Partei bereits etabliert ist. Diesem Umstand ist das mäßige Abschneiden bei der Europawahl 2009 zu verdanken.

    Das Volk, das sich in manchen Blogs herumtreibt, urteilt zum Teil politisch bewußter, s. z.B. hier.

    Ergo: Redet auf Mami, Papi, Oma und auf alle Euch bekannten Leute ein, die Tageszeitung abzubestellen, den Fernseher und das Radio zu entsorgen, und sich bei Jahnke, Müller & Lieb, fefe, lanu, weissgarnix und Spiegelfechter und ähnlichen zu bedienen.

    • globalnote sagt:

      @ georgi,

      Gegenfrage: Was ist ein “Durchschnittsdeutscher”? Begreift ein solcher Mensch, wenn er immer ärmer wird oder seinen Arbeitsplatz verliert, das da was nicht stimmt oder hält er das für normal, weil ihm die Bildzeitung das so einreden will? Sind wir, die wir uns für aufgeklärt halten, nicht manchmal schon arrogant gegenüber Menschen mit weniger Bildung?

      Nun zur Dämonisierung. Wir dürfen uns doch angesichts der DDR-Vergangenheit und das anfänglichen Einflusses der “alten Genossen” nicht wundern, wenn manche Westdeutschen da ein dummes Gefühl bei der Linkspartei beschleicht, Medien hin oder her. Und Lafontaine als populistischer Streiter wirkt nun mal auf viele demagogisch. Die Menschen glauben dann selbst, er könnte andere Ziele verfolgen, wie sich an seiner alten Partei zu rächen, und auch das kann ohne Medien so laufen. Und auch ohne die Mediendarstellung wirkt eroft vergissen und sich ereifernd. “Bellende” Poliker mögen die meisten Deutschen nun mal nicht besonders. Da kommen Merkel und Guttenberg im Vergleich nett rüber, auch unabhängig von der Aufmachung durch die Medien. Wir müssen das Medienthema wirklich mit einer Prise Salz behandeln.

      Ich bestreite doch gar nicht, daß die Medien viel zu viel Einfluß haben. Aber dagegen ist doch gar nichts zu tun. Oder wollen Sie die verbieten? Auch das Schreiben von Bestsellern über Medienmacht oder angeblichen Machtwahn, wie bei Müller, nützt dann nur dem Autor mit Ehre und Honorar, nicht aber der Sache, weil sich die meisten kritischen Leser danach eher noch ohnmächtiger fühlen. Und was ist dann gewonnen? Ich hatte auch bei zwei meiner Bücher mit dem Droemer-Verlag, bei dem Müllers Bestseller erscheinen, Kontakt. Bei meinem Buch über die Globalisierung wurde ich gefragt, ob ich den Inhalt nicht in Form von Angriffen auf Lügen, wie bei Müllers Lügenbuch, aufmachen könnte. Bei meinem Buch über die Kreditkrise war ich schon sehr weit in den Verhandlungen, bis es abgelehnt wurde, weil die Presseleute des Verlags das letzte Sagen hatten. Auch ein solcher Verlag ist ein Medium, das hemmungslos nur auf Kasse achtet und nicht auf politische Richtung. Man muß wissen, wem man sich da verkauft. Müller letztes Buch “Machtwahn” ist ein typisches Beispiel. Man kann sicher einem großen Teil der deutschen Elite Unfähigkeit unterstellen, aber so pauschal allen Machtwahn in die Schuhe zu schieben, verzerrt die Realitäten in ziemlich grober Form und tut der Demokratie am Ende wenig Gefallen (zur Entschuldigung von Müller: Ich glaube zu wissen, daß ihm der Titel vom Verlag auferlegt wurde).

      Beste Gruesse
      Joachim Jahnke

  2. Lutz sagt:

    Herr Jahnke, danke für ihre klare Antwort auf meine Frage. Auch meine Zeilen sind nicht mehr als eine bescheidenen Meinung. Lassen sie mich noch kurz auf ihre Vorschläge eingehen.

    Zu Vorschlag 1:
    Niemand mach doch die Medien nun „für alles“ Verantwortlich. Aber sie unterschätzen sie leider gewaltig.
    Sie schreiben: „Doch die Menschen sind mehrheitlich nicht so doof, dass sie nicht selbst erkennen können, wo ihre wirklichen Interessen liegen.“
    Herr Jahnke, lassen sie uns nach der Wahl am 27.09. diesen Satz bewerten.

    Zu Vorschlag 2:
    Sie schreiben: „ Wehrt Euch im Freundes-, Familien- und Kollegenkreis gegen eine auch von linker Seite betriebene Verharmlosung der neoliberalen Form von Globalisierung….
    Hört sich nett an, aber für mich genauso wirkungsvoll wie Trillerpfeifkonzertdemo mit anschließendem Bockwurstessen in Familie. Sozialromantik.
    Sie haben vollkommen Recht wenn sie schreiben dass man die Globalisierung nicht als “alten Hut”, mit dem man auch früher fertig geworden sei, abtun kann. Diese Worthülse betrifft aber die SPD, nicht die Linke.

    Zu Vorschlag 3:
    Sie schreiben: „Die Krise der Linken, nicht nur in Deutschland, ist auch ihre Zerrissenheit“.
    Ich bin ihrer Meinung. Aber wie ist das mit ihnen, Müller v. Nachdenkseiten, Egon W. Kreutzer, Spiegelfechter…? Alle im Einklang? Keine Zerrissenheit?

    Sie schreiben: „Es schadet wirklich, wenn Sozialdemokraten pauschal in Bausch und Bogen als „Steigbügelhalter des Kapitals” abqualifiziert werden“…
    Weil diese SPD genau diese Funktion hat. Die Geschichte fragt nicht danach ob jemand aus Gutmütigkeit, Naivität oder Berechnung zu einer Sache steht. Entscheidend ist, dass man mit einer Mitgliedschaft oder Wahl einer Partei diese Parteispitze und deren Politik mit trägt und legitimiert. Die NSDAP war ein schreckliches Beispiel. Die wenigsten der Mitglieder haben das gewollt was nach 1933 gekommen ist. Aber danach fragt die Geschichte später nicht mehr. Sie haben es geschehen lassen, zugelassen!

    Zu Vorschlag 4:
    Volle Zustimmung. Hilft aber (so wie es derzeit aussieht) der Partei „die Linke“ zur BT-Wahl leider nicht.

    Zu Vorschlag 5:
    Das ist aus meiner Sicht leider nur Zweckoptimismus. Mir graut beim Gedanken, was dieses „Vertrauen in die natürliche Vernunft des Menschen“ schon alles angerichtet und zugelassen hat. Gerade durch die sogenannte „Mittelschicht“.

    PS: Ich bin kein Mitglied einer Partei. Aber ich bin auch kein Träumer der darauf hofft, dass andere für mich handeln. Deshalb beziehe ich auch politisch Stellung. Und das heißt für mich auch wählen zu gehen. Die Programme liegen vor. Die Linke ist kein Ideal. Aber man kann nur die Linke wählen, wenn man eine wirklich positive Veränderung der Verhältnisse über das Parlament erreichen will.

    MfG Lutz

    • globalnote sagt:

      @Lutz,

      Vielen Dank. Hier meine kurze Reaktion:

      Zu 1: Natürlich sind für die Anhänger der Linkspartei, zu denen offensichtlich auch Müller trotz SPD-Parteibuch zählt, die Medien daran schuld, daß die Partei um 10 % dümpelt, nachdem man sich mit Lafontaine so viel mehr versprochen hatte. Müller hat nun ein eigenes Buch dazu geschrieben. Sie selbst haben in Ihrer ersten Zuschrift noch gesagt: „Herr Müller von den Nachdenkseiten weißt zu Recht auf die ENTSCHEIDENTE Macht der Medien als primären Grund für das linke Debakel hin.“ Wo liegt den der große Unterschied zwischen „entscheidend“ (von Ihnen auch noch in Großbuchstaben gesetzt) und meinem „alles“? Sie sollten den Wählern, die nicht die Linkspartei wählen, wirklich nicht Doofheit unterstellen. Ich bin vielleicht auch dabei. Aber vielleicht halten Sie mich dann auch für „doof“?

      Zu 2: Ich bin nun wirklich kein Anhänger von „Sozialromantik“, wie Sie mir unterstellen. Doch politische Überzeugungsarbeit in kleineren Kreisen ist allemal wirkungvoller als Pressekerklärungen. Ich weiß z.B., daß meine Rundbriefe von den Erstempfänger sehr häufig weitergereicht werden. Das allein verändert die Welt nicht. Doch Schneeballsysteme sind nicht nur Mittel der Spekulation. Falls Sie den Einsatz scheuen, würde ich allerdings Ihre Abneigung verstehen. Ich meinerseits kann doch wirklich nicht mehr tun, als bei jetzt mehr als 3,4 Millionen Seitenaufrufen immer wieder Fakten anzubieten. Das ist sicher schon dramatisch mehr, als die meisten Parteigenossen der Linkspartei tun.

      Mein Vorwurf der Verharmlosung der Globalisierung trifft gerade auch die Linkspartei, siehe ihren im Bundestag eingebrachten Entschließungsantrag „Menschen statt Profite”, in dem Sie nur über einem „Protektionismus des Nordens gegenüber dem Süden” und darüber klagt, daß China beim Export als „Konkurrent auf das Schärfste bekämpft” werde, und nicht begreifen will, daß es längst zwischen Nord und Süd sehr aggressive Schwellenländer, wie China, gibt, die den humanen Dusel nicht verdienen.

      Zu 3: Bei der Zerrissenheit denke ich an die Parteien auf der linken Seite des politischen Spektrums, wobei die Linkspartei offensichtlich der SPD schon den linken Charakter abstreitet. Die kleinen Webseiten können Sie in diesem Spielchen getrost vergessen. Ich übe da auch nur Kritik, wenn nach meinem Eindruck die Menschen an der Nase herumgeführt werden, wie in vielen von Kreuzers Paukenschlägen (z.B. gegen Zinsen, Banken u.Co. = totale Illusionen) oder wenn von Müller die Globalisierung total verharmlost wird oder die immer ungleichere Einkommensverteilung kein Grund für die Entstehung von gigantischem Spekulationskapital sein soll.

      Ich verstehe Ihre Bemerkungen über die SPD und die NSDAP wirklich nicht. Haben Sie vergessen, daß die SPD gegen das Ermächtigungsgesetz gestimmt hat und viele ihrer Mitglieder, wie die Kommunisten, in die KZs kamen? Ihr Vergleich ist für mich schlicht unerträglich und beweist eigentlich nur, was ich als Problem auf der Linken sehe, der Sie sich – wenngleich kein Mitglied wahrscheinlich aus Sympathie zurechnen würden.

      Zu 4:

      Ich hatte geschrieben: „Vertraut dabei in die natürlich Vernunft der Menschen. Erklärt sie nicht für doof, nur weil Ihr sie mit BILD in der Hand seht.“ Wenn Sie das als Zweckoptimismus abtun wollen, ist das Ihre Sache. Jedenfalls sind die Wähler, und das sind normale Menschen, oft klüger als die Parteispitzen, bei denen nur noch der Opportunismus zu Hause ist (da nehme ich die Linkspartei nicht automatisch aus). Was Sie mit dem Vorwurf an die „Mittelschicht“ meinen, ist mir nicht klar. Falls es wieder ein Bezug aufs Dritte Reich sein sollte, nehmen Sie bitte zur Kenntnis, daß die Unterstützung durch alle deutschen Gesellschaftsklassen ging, von den Arbeitern bis zu Akademikern und Industriebossen. Außerdem: Eine Gesellschaft kann nur untergehen, wenn es keinerlei positive Erwartungen an das Verhalten der Mitmenschen mehr geben sollte. Dann regiert nur noch Zynismus diese Gesellschaft und zwar auswegslos. Bewahre Gott Deutschland davor!

      Beste Gruesse
      Joachim Jahnke

  3. georgi sagt:

    Gegenfrage: Was ist ein „Durchschnittsdeutscher”? Begreift ein solcher Mensch, wenn er immer ärmer wird oder seinen Arbeitsplatz verliert, das da was nicht stimmt oder hält er das für normal, weil ihm die Bildzeitung das so einreden will? Sind wir, die wir uns für aufgeklärt halten, nicht manchmal schon arrogant gegenüber Menschen mit weniger Bildung?

    Durchschnittsdeutsche sind zum Beispiel viele meiner Verwandten, meine Eltern u.a. Die sind Ingenieure, Lehrer, kaufmännische Angestellte und einige inzwischen Rentner, also nicht ungebildet. Keiner von denen kennt Dr. Jahnke oder seine Positionen. Die haben nicht einmal die Wirtschaftskrise richtig wahrgenommen trotz persönlicher Erfahrung im Bekanntenkreis mit Bankrott, Arbeitslosigkeit u.ä. Mißgeschick. Erst recht haben sie keine Ahnung von der Mitschuld Deutschlands an der Krise. Das Ding ist von Amerika herübergekommen. Merkel, Guttenberg und die anderen tun ihr bestes, Deutschland da herauszuhalten. Im übrigen sei ja nur das Gerede darum die wahre Ursache der Krise, und die ist ja eigentlich auch schon vorbei. Die Kinder können heute gar nicht mehr rechnen. Früher konnten sie das. Deswegen bekommen sie keine Lehrstelle. etc. etc. So einfach ist das.

    Ich glaube, eine proletarische Revolution ist zum jetzigen Zeitpunkt recht unwahrscheinlich. Außerdem bestehen die Linken nicht nur aus Altkadern, sondern auch aus enttäuschten Gewerkschaftern und SPD-Genossen, übergelaufenen DKP-Anhängern u.ä. Viel mehr Angst müßte man vor der Großen Koalition haben, deren mangelnden Respekt vor der Verfassung, vor den Angriffen gegen soziale und demokratische Rechte u.a. Themen, die ihm Netz diskutiert werden, wie Zugangserschwerungsgesetz, Einsatz der Bundeswehr im Inneren u.a. spielen in der öffentlichen Diskussion nur eine untergeordnete Rolle. Da ist Uschi nur die kinderliebe Mutterkreuzträgerin.

    nd Lafontaine als populistischer Streiter wirkt nun mal auf viele demagogisch. Die Menschen glauben dann selbst, er könnte andere Ziele verfolgen, wie sich an seiner alten Partei zu rächen, und auch das kann ohne Medien so laufen. Und auch ohne die Mediendarstellung wirkt eroft vergissen und sich ereifernd. „Bellende” Poliker mögen die meisten Deutschen nun mal nicht besonders.

    Wirklich? Also, bei Herbert Wehner und Franz Joseph Strauß hatte ich nie den Eindruck, daß sich die Deutschen von “bellenden” Politikern deswegen abwenden würden. Außerdem: Was halten Sie denn von der Schlagzeile “Lafontaine will Schaeffler enteignen!!!” im Spiegel, oder vom “Linksruck”-Geschwätz, dem “Gewissen der phantastischen Vier” u.ä.?

    • globalnote sagt:

      @georgi,

      Ich bleibe dabei, wir sollten vorsichtig mit eigener Überheblichkeit sein, weil wir die Entstehungsgründe für die Krise besser verstehen, wozu ja schon eine Menge Vorkenntnisse gehören. Mir ging es mehr um die Lebensverhältnisse, wie Arbeitslosigkeit und Lohnverlust. Ihre Verwandtschaft scheint mir da nicht exemplarisch zu sein, weil bisher nicht selbst von der Krise betroffen.

      Weder Wehner, noch Strauß (dieser außerhalb Bayerns) waren den Deutschen besonders sympatisch. Und, wenn Sie schon den Vergleich herausfordern, Strauß war ein bayerisches Urviech, dem man eine Menge verziehen hat. Er konnte auch viel witziger sein, als mir das bisher bei Lafontaine aufgefallen ist. Aber die Deutschen haben ihn trotzdem nicht zum Bundeskanzler gewält.

      Von den Schlagzeilen halte ich natürlich nichts. Doch das politische Versagen allein dort festzumachen, ist viel zu einfach. Warum fällt denn die deutsche und europäische Linke ausgerechnet in der Krise zurück, die ihre Sternstunde hätte sein können. Die Herrschaft der Medien ist doch in den letzten zwei Jahren nicht noch größer geworden. BILD war immer stramm rechts und SPIEGEL ist es nun schon seit Jahren, etc. Lafontaine hat nach meinem Eindruck sehr viele Möglichkeiten sich im Fernsehen zu präsentieren, was eigentlich wichtiger als eine SPIEGEL-Schlagzeile ist.

      Beste Gruesse
      Joachim Jahnke

      • Edwin Doe sagt:

        Joachim Jahnke schrieb:

        “Lafontaine hat nach meinem Eindruck sehr viele Möglichkeiten sich im Fernsehen zu präsentieren, was eigentlich wichtiger als eine SPIEGEL-Schlagzeile ist.”

        Anscheinend haben Sie meine Ausführungen zur Reichweite von Medien noch nicht reflektiert.

        Printmedien haben rund die fünffache Reichweite wie die Hauptnachrichtensendungen der öffentlich rechtlichen Fernsehsender. Von guter journalistischer Arbeit einzelner Magazine, die meist nach 22:00 Uhr gesendet wird, die nur einen Bruchteil der Reichweite haben, ganz zu schweigen.

        Die Printmedien sind, aus eigener Erfahrung heraus beschrieben, der Schlüsselfaktor. Sie überbewerten das Fernsehen in dieser Sache.

        Aber, das ist eines eigenes Themas wert.

        Mit solidarischen Grüßen,

        Edwin Doe

      • globalnote sagt:

        @Edwin Doe,

        Sie haben sicher recht, wenn Sie die Printmedien als Schlüsselfaktor für das Überbringen von Sachinformation meinen. Da sind die wichtiger als das Fernsehen, schon weil das Fernsehen alles stark verkürzt. Was ich allerdings meinte ist die Wirksamkeit der Medien im Wahlkampf der Kandidaten. Und da hat nun mal das Fernsehen eine einzigartige Rolle und bestimmt sehr stark das Wahlergebnis. Das ist nicht nur die Erfahrung in USA, sondern sicher auch bei uns. Das Gesicht von Merkel und vor allem ihre angelernte Gestik ist da zehnmal mehr wert als das von Lafontaine oder fünfmal mehr als das von Steinmeier. So erklärt sich ihr hoher Bonus gegenüber der eigenen Partei. Aber am Ende wird der Kanzer bzw. die Kanzerlin gewählt. Und die Parteiprogramme liest ohnehin kaum jemand in Deutschland und wer das liest, glaubt in der Regel nicht daran.

        Beste Gruesse
        Joachim Jahnke

  4. Lutz sagt:

    Herr Jahnke
    Vielen Dank für ihre Antwort.

    Ich verstehe ihre scharfe Reaktion auf meine letzte Antwort nicht. Mir liegt an solch einem von ihnen angeschlagenem Ton nichts. Nur noch einmal ein paar klar stellende Worte:

    Erwähnen sie doch bitte auch die Rolle der Sozialdemokraten von 1914 bis 1933 einmal.
    Für jeden, den es interessiert: http://de.wikipedia.org/wiki/Sozialdemokratische_Partei_Deutschlands#1914_bis_1919:_Erster_Weltkrieg.2C_Novemberrevolution.2C_Spaltung_der_SPD

    Mein Großvater war KPD Mitglied. Mir brauchen sie keine Nachhilfe in Geschichte geben.
    In der DDR Zeit waren ca. 2 Millionen Menschen SED Mitglieder. Viele nicht aus Überzeugung, sondern aus egoistischen, persönlichen, kleinen privaten Vorteilen heraus. Auch aus Naivität heraus. Kleine Leisetreter und Diktaturkonforme Duckmäuser. Garant für Jahrelangen Systemerhalt der SED Bonzen.

    Hartz IV wurde realisiert, um den Druck auf Arbeitnehmer drastisch zu erhöhen und damit den Arbeitsmarkt für Dumpinglöhne aufzubereiten.
    Hartz IV wurde realisiert, um Zeitarbeit salonfähig zu machen
    Hartz IV wurde realisiert, um Menschen zu zwingen, auch für eine menschenverachtende Entlohnung zu arbeiten.
    Die erschreckenden Parallelen zur Weimarer Republik sind unverkennbar in diesen Punkten. Diese Agenda 2010 wurde von der SPD maßgeblich mitgestaltet! „Kleine“ SPD Mitglieder an der Basis und Wähler dieser Partei sind auch hier der Garant zur Ermutigung der SPD Bonzen zum „Weiter so“.

    Unterstellen sie mir bitte keine Denk Verwandtschaft von SPD und NSDAP. Wie ich schon unmissverständlich schrieb: Was Jemand nur wollte, auch aus Gutgläubigkeit oder Naivität heraus, ist das eine. Was daraus wird, ist das andere. Die Geschichte lässt keine Illusionen aufkommen, wie sich solches Verhalten auswirken kann.

    PS: Was eigentlich macht sie so sicher, dass die Menschen am 27.09. nicht die politisch Verantwortlichen für diese Krise, CDU/CSU, SPD, FDP, GRÜNE, wieder in Verantwortung wählen werden?
    Nein, mit Mittelschicht spiele ich nicht auf das Dritte Reich an. Was glauben sie wohl wer die große Masse und Wähler dieser o.g. Parteien ist?

    MfG Lutz

    • globalnote sagt:

      @Lutz,

      In zwei ausführlichen Antworten habe ich mir jede Mühe gegeben, auf Ihre Bemerkungen zu reagieren. Es tut mir leid, wenn das nicht gelingt.

      Sie haben doch diesen Ton angeschlagen und mir vorgehalten: „Hört sich nett an, aber für mich genauso wirkungsvoll wie Trillerpfeifkonzertdemo mit anschließendem Bockwurstessen in Familie. Sozialromantik.“ Niemand läßt sich gern mit solchen Bemerkungen auf den Arm nehmen.

      Wenn Sie schreiben: „Weil diese SPD genau diese Funktion hat. Die Geschichte fragt nicht danach ob jemand aus Gutmütigkeit, Naivität oder Berechnung zu einer Sache steht. Entscheidend ist, dass man mit einer Mitgliedschaft oder Wahl einer Partei diese Parteispitze und deren Politik mit trägt und legitimiert. Die NSDAP war ein schreckliches Beispiel. Die wenigsten der Mitglieder haben das gewollt was nach 1933 gekommen ist“, ist das in meinen Augen eine ziemlich unterträgliche Verbindung einer demokratischen Partei, die gegen die Nazis gekämpft und Opfer gebracht hat, mit einer zutiefts undemokratischen Partei. Sie haben sich dabei nicht auf die SPD zwischen 1914 und 1919 bezogen, wie Sie das jetzt tun, sondern auf 1933. Wenn Sie dann glauben sollten, wir bewegten uns derzeit auf eine neue Diktatur wie 1933 zu, so ist das für mich schlicht nicht nachvollziehbar oder nur vor dem Hintergrund Ihrer persönlichen DDR-Erfahrungen erklärbar, die ich nicht habe. Hier können Sie wählen gehen und in einigen Bundesländern die Linkspartei in die Regierung wählen und vielleicht demnächst auch in die Bundesregierung. Also so schlimm, wie Sie die deutsche Entwicklung mit Ihren nun wiederholten Drittes-Reich- und DDR-Vergleichen machen, ist es um die Bundesrepublik Deutschland nach meiner festen Überzeugung wirklich nicht bestellt.

      Beste Gruesse
      Joachim Jahnke

      • Lutz sagt:

        Herr Jahnke
        Ich habe den Eindruck, dass sie meine Zeilen nicht verstehen wollen, sich die Worte so zurechtlegen wie sie sie sehen möchten.
        Ihr Verhalten, mich in eine Ecke bringen zu wollen, wo ich SPD mit der NSDAP in Verbindung bringe, finde ich widerwärtig. Jeder der meine Beiträge aufmerksam liest, kann zu keiner anderen Schlussfolgerung kommen.

        Ihr Dilemma bleibt. Auch sie können hier keine schlüssigen und nachvollziehbaren Konzepte darlegen, wie die Linke die Menschen noch erreichen und was sie tun kann.
        Ihr Satz: „Hier können Sie wählen gehen und in einigen Bundesländern die Linkspartei in die Regierung wählen und vielleicht demnächst auch in die Bundesregierung.“
        , zeigt nur zu deutlich, dass sie die Entwicklung im Land nicht richtig erfasst haben. Sie sollten gerade diesbezüglich Hernr Müller von den Nachdenkseiten nicht schlecht reden, sondern über seine Texte einmal Nachdenken.
        MfG Lutz

      • globalnote sagt:

        @Lutz.

        Vielen Dank. Ich denke, daß diese nun ins Persönliche abgleitende Diskussion wenig Sinn macht. Lesen Sie doch Ihre letzten Beiträge noch einmal durch.

        Wenn Sie Deutschland am Vorabend von 1933 sehen können (“Aber am Ende der Weimarer Republik stand auch nicht sofort der 2. Weltkrieg. Es sind die Parallelen zu heute, wie ich sie darzulegen versuchte!”), haben Sie ein anderes Bild von Deutschland als ich. Daß man in Deutschland die Linkspartei in Regierungen wählen kann und vielleicht demnächst auch in die Bundesregierung halte ich schon für beachtlich und habe es nur erwähnt, weil Sie dieser Partei zuneigen.

        Beste Gruesse
        Joachim Jahnke

  5. Gaby sagt:

    Schönen guten Tag,

    nun habe ich alle diese Einträge Zeile für Zeile aufmerksam gelesen. Meiner Meinung nach kommt in diesem Blog ganz deutlich zum Ausdruck, dass es nichts Bedeutenderes im Leben der Menschen gibt, als die Ökonomie und die Philosophie.

    Die Ökonomie ist das Fundament, auf dem die Marktwirtschaften basieren in denen die Menschen leben. Je größer die Ungerechtigkeiten in den Einkommen und Steuerbelastungen, desto wahrscheinlicher brechen die sozialgesellschaftlichen Strukturen auseinander. Eine weise Ökonomie führt zu einem befriedigenden Leben, zu Fortschritt, Bildung und Wohlstand. Eine schlechte Wirtschaftslenkung zu Arbeitslosigkeit, Verarmung, Verelendung und vielleicht sogar in den Krieg.

    Die Philosophie versucht, die menschliche Existenz und ihre Bedeutung zu verstehen. Woher kommen wir, wohin gehen wir und wie füllen wir die Zeit zwischen Geburt und Tod aus? Jeder, der das Fragen nicht verlernt hat und nach Antworten sucht, ist ein Philosoph.

    Letztlich sind wir alle Sternenstaub, also Kinder der Sterne, die Spuren auf diesem Planeten hinterlassen.

    Bis denne,

    Gaby

  6. Volker Hamburg sagt:

    Was ist denn genau “Globalisierung”? Jene Standartdefinition vom ” weltweiten freien Verkehr von Waren und Dienstleistungen”? Beim Verkehr von Waren ist die Sache noch nachzuvollziehen… Wenn ein Gut aus “JWD”, auch nach Abzug der Transportkosten noch billiger ist, als Ware aus heimischer Produktion, dann gerät der inländische Hersteller unter Druck… Das war schon in der Frühzeit der Industrialisierung z. B. zwischen Deutschland und England so, und wäre m. E. Müllers “Alter Hut”… Bei Dienstleistungen sieht das doch anders aus… -gibt es Hierzulande chinesische Banken und Versicherungen in nennenswertem Umfang, oder lässt jemand sein Auto in China reparieren? Als Ex- Zahntechniker weiß ich wohl, daß es teilweise auch solche “Auslagerungen” gibt. Aber schon der in den 90er Jahren prognostizierte Boom von IT- Service aus Indien ist der Form bisher ausgeblieben, oder? Von Reinigungskräften oder Friseuren ganz zu schweigen… Nach dem ich Naomi Kleins “Schockstrategie” gelesen habe, habe ich schon einen besseren Eindruck davon gewonnen was “Globalisierung” im Wesentlichen bedeutet. Kurz gefasst, die gewaltsame Durchsetzung von wirtschaftsmächten Interessen, welche man mit friedmanschem Marktradikalismus und den üblichen Freiheitsmythen bemäntelt, wie z.B. in Chile und Argentinien gegenüber den Interessen der gesellschaftlichen Mehrheit. Mittlerweile wird puschistische Gewalt dabei mehr und mehr durch den IWF und die Weltbank im Zusammenspiel mit der Lenkungsmacht über große Kapitalströme durch Banken und Spekulanten gegen fremde Märkte und Währungen, ersetzt… -wenn man den Beispielen von Fr. Klein folgt. Die “Globalisierung” kommt nicht aus China, sie ist ein amerikanischer Exportschlager, den auch u.a. europäische Geldeliten zu schätzen gelernt haben.
    Ich habe nicht den Eindruck, daß Albrecht Müller die Existens dieser Phänomene leugnet, was von ihm kritisiert wird, ist die Nutzung des Schlagwortes “Globalsierung” durch hiesige Parteifunktionäre und gelenkte Medien, als Begründung für die Zerstörung sozialer Strukturen. Motto: “Wir” können uns das nicht mehr leisten, denn “der Chinese” ist billiger und dann geh’n “wir” alle Pleite…

    • globalnote sagt:

      @Volker Hamburg,

      Naomi Klein berichtet auch, daß der Erzvater der neoliberalen Schule Friedman die kommunistische Partei Chinas bei ihrem Programm zur Lieberalisierung beraten habe. Sie beschreibt auch, wie dies am Ende zu Tianamen geführt hat. Sie vergleicht den chinesischen Machthaber Deng mit Pinochet. China ist das Exerzierfeld der neoliberalen Globalisierung, indem in Zusammenarbeit zwischen der westlichen Großindustrie und der kommunistischen Führung die chinesische Arbeitskraft ausgebeutet wird (ohne unabhängige Gewerkschaften als Gegenmacht und ohne Anerkennung von Streikrecht) und von dort aus die Löhne weltweit unter Druck gesetzt werden. Müller hat bisher kein einziges kritisches Wort zum China-Dumping gefunden, dagegen viele zum deutschen Lohndumping.

      Beste Gruesse
      Joachim Jahnke

  7. hans-im-glueck sagt:

    “… da brat mir doch einer ‘nen Storch, und bitte die Beine recht knusprig!”

    Wie darf ich es verstehen, wenn laut einer vor kurzem durchgeführten Umfrage 80% der Deutschen
    - für einen Rückzug aus Afghanistan ist,
    - für einen gerechten, ausreichenden Mindestlohn ist,
    - für die Rücknahme der schlimmsten Hartz-4-Reformen ist,

    aber nur 14% der Befragten bereit sind,
    die einzige Partei, die alle diese Forderungen wenigstens in ihr Wahlprogramm aufgenommen hat (ob sie es dann tun wird, sei mal offen gelassen, wie bei allen Parteien), zu wählen?

    Sind 2/3 der deutschen Wähler Masochisten?

    Wie soll ich es verstehen, wenn 70% der Menschen meinen, die Regierung der Großen Koalition leiste eine mehr oder weniger schlechte Arbeit, aber (wahrscheinlich dieselben) 70% unsere Kanzlerin ganz toll finden?

    Bitte, welche Erklärung gibt es dafür, außer einer massenhaften Manipulation der Gehirne durch die Medien?
    (und möglicherweise durch moderne sog. Non-Letal-Weapons – aber nein, die Chemtrails sind ja harmlos…)

    Und das soll nicht so wichtig sein? Also bitte.

    Wie demokratisch sind unsere Medien, wenn der Springer-Verlag keine Anzeigen der Linkspartei in seinen Zeitungen abdrucken will?

    Wie unabhängig sind unsere Parteien, wenn außer der Linkspartei alle Parteien (auch die SPD) größere Zuwendungen aus der Finanzwirtschaft erhalten?

    “Wes Brot ich freß’, des Lied ich sing…”

    • globalnote sagt:

      @hans-im-glueck

      Die Antwort geben Sie eigentlich selber. Wenn 80% der Deutschen für einen Rückzug aus Afghanistan ist, für einen gerechten, ausreichenden Mindestlohn ist, für die Rücknahme der schlimmsten Hartz-4-Reformen ist, und wenn 70% der Menschen meinen, die Regierung der Großen Koalition leiste eine mehr oder weniger schlechte Arbeit, dann kann die Macht der Medien über die Gehirne ja nun wirklich nicht besonders groß sein!

      Wenn Sie dann fragen, warum die nicht die Linkspartei wählen, dann wird es viele Gründe geben, die nicht unbedingt bei den Medien liegen. Die geteilte deutsche Vergangenheit mit der PDS als ursprünglich Nachfolge der SED ist vielleicht noch zu nah. Lafontaine als Mensch scheint bei vielen seiner Mitmenschen nicht besonder gut anzukommen, jedenfalls neben der immer freundlich lächelnden und auf jung gemachten Angela. Und dann lassen Sie ja selbst offen, ob die Linkspartei es dann tun würde, was sie verspricht. Sicher sind es nicht die fehlenden Anzeigen in der Springer-Presse, die den Unterschied machen.

      Meine eigene Erklärung habe ich ja geliefert, daß nämlich keine der Parteien, einschließlich Linkspartei, den Mut hat, der Bevölkerung die Wahrheit zur neoliberalen Globalisierung zu sagen und daraus die notwendigen Konsequenzen zu ziehen. Da versagt die Linkspartei genau wie die anderen und drückt sich an einer ehrlichen Analyse mit den entsprechenden Konsequenzen vorbei. Deswegen sind dann die vorgeschlagenen Rezepte für die Wähler auch nicht wesentlich attraktiver. Auch die SPD will den Mindestlohn (und wird sich in der Opposition ziemlich schnell von der Agenda-Politik trennen). Wer nicht selbst unter Hatz-4 leidet und das ist bisher nur eine absolute Minderheit, hat da offensichtlich keine große Meinung (was sich mit fortschreitender Krise ändern wird, aber erst nach den Wahlen). Und mit dem Rückzug aus Afghanistan werden in Deutschland nun wirklich keine Wahlen gewonnen. Ich zähle das alles auf, ohne die Medien nennen zu müssen.

      Die Medien sind für mich ein großes Problem, aber nicht das größte. Die waren schon immer mehrheitlich konservativ und doch wurde einst Brandt gewählt und später Helmut Schmidt. Das größere ist, daß wir inzwischen eine weitgehend entsolidarisierte Gesellschaft haben, wo das Beispiel der Selbstversorger „da Oben” bei allen anderen Schule gemacht hat. Und das die Opposition genauso faul wie viele Journalisten ist und die amtlichen Daten nicht hinterfragt, wie ich das z.B. tagtäglich tue. Wann hat denn z.B. die Linkspartei begriffen, daß der Export in die falsche Richtung führt (doch erst als das Kind im Brunnen war) und wann, daß die Löhne per China gedrückt werden (bis heute nicht)?

      Beste Gruesse
      Joachim Jahnke

  8. rudy wolf sagt:

    Hallo, Herr Jahnke

    Vor 2 Wochen haben Sie noch sinngemäss kommentiert: Ich bin mir nicht mehr so sicher ob die Deutschen nicht politisch verblödet sind. Heute nun äussern sie sich gegenteilig. Ist ihnen dieser Gedanke dann doch zu abwegig geworden?
    Ich frage mich auch seit einiger Zeit weshalb angeblich eine Mehrheit bei Umfragen Politiker und Parteien bevorzugt die diese Krise mitverursachten bzw. den Normalbürger abzockten und dieses auch weiterhin beabsichtigen. (Schuldentilgung)
    Die Erklärung für dieses Paradoxon sehe ich anders als die Antwort auf meine Frage an NDS, nicht mono (die Mediendominanz) sondern auch multikausal.
    Um sich ein angemessenes Urteil über den wirtschaftspolitischen Zustand zu bilden halte ich es für erforderlich die Wirkungszusammenhänge zwischen Globalisierung, BIP,Wachstum,Konjunktur,Ivstitionen,Subventionen,Arbeitslosenquote,Nachfrage-Angebotsorientierung,Binnen u.Exportwirtschaft usw. herzustellen. Ich könnte mir gut vorstellen dass damit viele schon überfordert sind oder etwa nicht?
    Weil das vermutlich der masse nicht gelingt lassen sie sich von oberflächlichen Blendern wie v.Guttenberg,Westerwelle,Merkel ua. beeindrucken. Mit einfachen irreführenden Parolen wie: sozial ist was arbeit schafft,mehr netto vom brutto,wir dürfen nicht über unsere Verhältnisse leben zu Lasten kommender Generationen, vertreten sie die Unternehmerinterressen was offenbar von den meisten nicht begriffen wird.

    Hinzu kommt dieser deutsche Sicherheitswahn der in dieser unsicheren,beängstigenden Krisenzeit die Konservativen CDU-FDP ,gegenüber den Innovativen Linken u.GRünen bevorzugen lässt. Die Deutschen ticken da leider etwas anders als die Franzosen ganz abgesehen von der politisch unterstützten exzessiven Geldgier hiesiger Eliten(Lohndrückerei). Da wären wir dann wieder bei ihrer mir sympatischen Anfangsbemerkung.
    Beim Lesen von zahlreichen Blogs und Gästebücher zu dieser Themathik erkennen erfreulicherweise ca.90% diese Fehlentwicklungen. Man kann nur hoffen dass die sich bei der kommenden Wahl auch entsprechend konsequent verhalten.

    Mit freundlichem Gruss
    Rudy

    • globalnote sagt:

      @Hallo Herr Wolf,

      Ich weiß nicht, wo sie mein Zitat gefunden habe. So extrem habe ich mich sicher nicht geäußert, obwohl man manchmal sehr enttäuscht sein kann, was ich regelmäßig beim Vergleich mit den sich wehrenden Franzosen bin. Es scheint mir weniger Blödheit zu sein, als Ängstlichkeit und wahrscheinlich noch viel Nachwirken von Drittem Reich und in den NBL DDR. Die Enttäuschten verkriechen sich bei uns zu Hause.

      Jedenfalls sollte man mit der einseitigen Schuldzuweisung an die Medien vorsichtig sein. Alle Umfragen zeigen, daß die Deutschen – trotz gegenargumentierenden Medien – mit vielem mehrheitlich nicht zufrieden sind, z.B. den Wirkungen der Globalisierung oder dem Fehlen von Mindestlöhnen. Am Ende vermissen Sie wahrscheinlich in der deutschen Politik die überzeugenden Alternativen, seitdem die SPD in die Mitte gerückt ist und auch alle anderen eigentlich in der Mitte sein und mitregieren wollen. Politiker sind ja bei uns nur Berufspolitiker, für die Macht auch gleich Einkommen bedeutet. Das dürfte teilweise auch für die Linkspartei gelten. Und Angela macht es ja nicht ungeschickt mit dem Verkaufen bisher. Außerdem hat die Politik alles so eingerichtet, daß das große Aufwachen, z.B. bei der Massenarbeitslosigkeit, erst nach den Wahlen kommen kann.

      Beste Gruesse
      Joachim Jahnke

  9. Volker Hamburg sagt:

    Vielen Dank für Ihre Antwort auf meinen Kommentar. Den von Ihnen angeführten Teil aus der Schockstrategie über das Tinamen-Massaker fand ich auch hochinteressant, vor allem im Kontext zu der massenmedialen Interpretation dieser grausamen Vorgänge hierzulande. Wenn Müller tatsächlich die chinesische “Sklavengaleere” als gutes Beispiel für gelungene Entwicklungspolitik feiert, ist Ihr Vorwurf berechtigt. Aber er hat sich in dieser Hinsicht, meines Wissens, eigentlich nicht wirklich positioniert. Chinas “Aufschwung” wird eher vom deutschen Medienmainstream mal als Abkehr vom “Kommunismus” gefeiert und im gleichen Atemzug als Drohkulisse gegen “Begehrlichkeiten” der hiesigen Arbeitnehmerschaft verwendet. Und wenn von China als Freund Nordkoreas auftritt, ist beim “Qualitätsjournalismus” sofort wieder von der “kommunistischen Führung” die Rede… Müller hingegen sagt wenig zu China… -vielleicht zu wenig…
    Mfg, Volker Hamburg

    • globalnote sagt:

      @Volker Hamburg,

      Das ist ja das Schlimme bei Müller und China, daß er die Wahrheit verschweigt. Wegen China hatten wir uns vor drei Jahren zerstritten, wobei er mir “Panikmache” vorwarf, wie er überhaupt die neoliberale Globalisierung als “alten” und damit harmlosen Hut betrachtet. Wer ein alternatives Medium, wie er, herausgibt, das unabhängig sein will, muß den Mut haben, die Wahrheit zu sagen oder sich mindestens zu korrigieren, wenn er – wie in Müllers Lügenbuch – zur Globalisierung als “altem Hut” selbst gelogen hat.

      Beste Gruesse
      Joachim Jahnke

  10. Edwin Doe sagt:

    Liebe Mitdiskutanten,

    aus meiner jahrelangen Medienbeobachtung möchte ich folgende Differenzierung zum Abgleich eigener Beobachtung vorschlagen.

    Vorab: Ich lebe in einer Westdeutschen Großstadt. An Auflage aller Printmedien dominiert der Springer-Verlag mit zwei lokalen Zeitungen, einer überregionalen und einem Wochenmagazin. Zusätzlich betreibt der Verlag (zumindest als Miteigentümer) eine Radio-Station und einen regionalen Fernsehsender.

    Daneben gibt es noch eine Tageszeitung eines anderen Verlages, und sogenannte Wochenblätter, also reine Werbeträger, die aber regionale Ausgaben bieten.

    Zu meiner Analyse:
    Die Printmedien der Springer-Presse vermeiden es weitestgehend, regierungskritische Berichte/Kommentare zu verbreiten. Besonders die Partei DIE LINKE wird, wenn überhaupt, nur am Rande und dann meist abschätzig erwähnt. Anzeigen werden von allen Verlags-Blättern abgelehnt.

    Den Radio-Sender halte ich für ziemlich unpolitsch, der Fernsehsender hingegen bietet auch der Partei DIE LINKE Möglichkeiten ihre Standtpunkte darzulegen. Dies im absoluten Gegensatz zu den Printmedien.

    Die andere Tageszeitung hat dagegen überhaupt keine Hemmungen, sie meldet, was eine Nachricht wert ist, also auch Stellungnahmen der Partei DIE LINKE.

    Der unterschätzte Faktor: Die Werbezeitungen.
    Egal wie sich diese in den Regionen nennen, sie gehören oftmals nicht den “großen” Verlagen. Die arbeiten mit Regionalausgaben, bei denen es oftmals lediglich um kommunale Angelegenheiten dreht. Auch als Mitglied des Vorstandes der Partei DIE lINKE oder als “Ratsmitglied” derselben können Sie auf die Titelseite mit Ihrem Thema kommen, samt Photo.

    Fazit: Sowol Albrecht Müller, als auch Joachim Jahnke haben Recht.

    Der Bürger ist nicht per se “dumm”, sondern eher verunsichert bis desinformiert.

    Die “Leitmedien” sind tatsächlich in der Hand weniger, die Meinungsbildend sind. Die öffentlich rechtlichen kommen meiner Ansicht nach ihrem Auftrag nicht mehr vollumfänglich nach. Zapp, Frontal21, Panorama und andere sind keine Entschuldigung dafür, das in der Tagesschau der ARD zu bester Sendezeit eine Pressemitteilung der INSM oder Bertelsmann schlicht verlesen wird.

    In diesem Zusammenhang sehe ich auch die Verunsicherung der Bürger. Regional, also an der eigenen Haut, spüren sie die Fehler der Politik, bundesweit (mit entsprechender Reichweite) wird aber versucht ihnen dies wieder auszutreiben.

    Ein Teilerklärungsversuch:
    Über zwanzig Millionen Bürger sind Rentner. Rund ein Drittel aller Wahlberechtigten. Diese wurden in der Bonner Republik sozialisiert. Kohl und Blüm verrenteten sie früh, um die Erwerbslosenzahlen zu drücken. Dafür sind diese dankbar.

    Die SPD (als ehemalige Volkspartei) hat die Arbeiterschaft dagegen verraten. Agenda 2010, Hartz IV. Diese Rentner (und Pensionäre) sehen nun die Felle ihrer Kinder und Enkel davonschwimmen.

    Ich glaube, sie werden die wählen, die ihnen ein “gutes Leben” ermöglicht haben, und die abstrafen, die ihre Kinder und Enkel in den Abgrund geführt haben.

    Versuch einer Zusammenfassung:
    Die Medien mit der größten Reichweite gehören wenigen wohlhabenden Familien, und lassen lediglich entsprechende Meinungen zu, die ihren Interessen dienen.

    Der öffentlich rechtliche Rundfunk ist zumindest stark von Parteiineressen geleitet.

    Regional gibt es noch “unabhängige” Medien. Aber sie werden seltener.

    Das Internet und seine “Blogger” gewinnen an Gewicht.

    Warum sich die Mehrheitsmeinung der Bevölkerung nicht in einer entspechenden Wahlaussage ausdrückt, darüber können wir nur spekulieren.

    Der Einfluss der Medien ist hier meiner Meinung nach nicht zu unterschätzen.

    • globalnote sagt:

      @Edwin Doe,

      Mir fehlt in Ihrer Zusammenfassung das Fernsehen, von dem Sie weiter oben sagen, es biete auch der Partei DIE LINKE Möglichkeiten ihre Standtpunkte darzulegen. Ich halte das Fernsehen, mit der direkten Möchkeit der Kandidaten, sich zu präsentieren, für weit wichtiger als die Tageswurtschblätter. Natürlich bestreite ich nicht das Gewicht der Medien, wende mich nur gegen grenzenlose Übertreibungen, die jede politische Gegenwehr als nutzlos erscheinen lassen, oder gegen Müllers Schlußfolgerung, wir hätten keine Demokratie mehr. Wer so etwas verbreitet, tut der Linken in Deutschland einen Bärendienst und lenkt im übrigen von den schweren programatischen Defiziten der Linken, vor allem bei der Globalisierung, ab.

      Beste Gruesse
      Joachim Jahnke

      • Edwin Doe sagt:

        @ Joachim Jahnke,

        ich stimme Ihnen zu, wenn Sie sagen, das Fernsehen sei geeigneter den Politiker als Mensch rüber zu bringen.

        Die öffentlich rechtlichen Fernsehanstalten sind auch deutlich ausgewogener in der Berichterstattung, als die privaten.

        Schauen wir uns aber die Reichweiten der unterschiedlichen Medien an, wird vielleicht deutlicher, was ich meinte.

        Die beiden öffentlich rechtlichen Hauptnachrichtensendungen Tagesschau und heute haben zusammen eine Reichweite von rund 16 % der Bevölkerung. Die privaten Tageszeitungen aber 72,4 Prozent. Dazu schauen noch etwas mehr als 5 % die Nachrichtensendungen bei RTL und SAT1.

        Ich glaube, dass man diese Differenz nicht unterbewerten darf.

      • globalnote sagt:

        @ Edwin Doe,

        Ja. Doch dazu kommen dann noch die vielen Talk-Shows mit großer Reichweite, in denen sich auch Lafontaine tummelt und viele andere Sendungen, gerade jetzt im Sommerloch, die Lafontaine hervorragend ausnützt. Ich denke, die Reichweite ist nicht so entscheidend. Bei Tageszeitungen mögen es 72 % sein, doch wieviele stürzen sich bei BILD auf die nackten Mädchen und wieviele lesen dann wirklich noch den Kommentar und wieviele von denen glauben dann auch daran? Und wieviele der Tageszeitungen sind lokale Blättchen, die sich aus der Politik ziemlich raushalten, weil sie ihre Leser überall finden wollen. Sich so einseitig festzulegen, können sich nur Springer in Deutschland und Murdoch hier in Großbritannien leisten und einige wenige andere.

        Ich bleibe jedenfalls dabei, wenn sich die Linke von einer angeblich übermächtigen Medienmacht einschüchtern ließe, hat sie schon verloren. Deswegen leistet Albrecht Müller der Sache wiedereinmal mit seinem neuesten Buch einen Bärendienst, zumal wenn er dann auflagesteigernd öffentlich erklärt, in Deutschland gäbe es keine Demokratie mehr (warum dann eigentlich wählen gehen?).

        Beste Gruesse
        Joachim Jahnke

  11. Volker Hamburg sagt:

    Sie kennen Albrecht Müller eindeutig besser als ich. Die Natur des chinesischen “Wirtschaftswunders” kann ihm doch wohl kaum verborgen geblieben sein. Auf den NDS werden Wirkungen der chinesischen Sklavenarbeitsdumping- Ökonomie sowie die Schicksale der “Adecco- Traumbelegschaft”,genannt Wanderarbeiter, immer wieder thematisiert. Der Zusammenhang zwischen dem akademischen Neoliberalismus àla Hayek, Friedmann & Co. und Dumpingdiktaturen wie China, aber auch einer Reihe anderer sogenannter “Schwellenländer” (was ist mit Indien oder Brasillien?), wird doch von Müller ebenfalls dargestellt. Warum der Streit um den Begriff “Globalisierung”? Über die “Mechanik” des modernen (aber eigentlich furchtbar alten) “Kapitalismus” kann der Dissens doch nicht so elementar ausfallen…

    • globalnote sagt:

      @Volker Hamburg,

      Nun kenne ich Albrecht Müller seit mehr als 30 Jahren auch persönlich. Wir haben uns am Ende wegen seiner Geringschätzung der Wirkungen der Globalisierung zerstritten, auf die ich mich seit jeher konzentriere. In sein Konzept der Globalisierung als “alter Hut” (so in seinem Bestseller zu den Reformlügen) paßt einfach der China-Faktor nicht. Da wird der Dumpingwettbewerb schlicht unterschlagen. Zeigen Sie mir doch mal ein Zitat von Nachdenkseiten zu diesem Thema und eine einzige Schlußfolgerung im Sinne der Abwehr unfairen Wettbewerbs. Das ist leider ein elementarer Dissens. Und er wird größer, je weiter sich China zur Werkbank der Welt aufbaut und die Löhne drückt. Dagegen sind Indien und Brasilien derzeit absolut harmlos. Wir werden in wenigen Jahren erleben, wie China weltweit die preiswerten Segmente des PKW-Marktes mit sehr attraktiven Modellen übernimmt. Ich höre schon den Aufschrei in Deutschland, nicht so sehr von den Unternehmen allerdings, die dann ihre eigene Produktion in China hochfahren.

      Beste Gruesse
      Joachim Jahnke

  12. Peter Kleinsorge sagt:

    Lieber Herr Jahnke,
    Sie beschreiben vollkommen zu Recht dass sich das linke Spektrum, dazu zähle ich, neben der Linkspartei, die SPD, die Grünen und die Gewerkschaften, in einer tiefen Identitätskrise steckt. Um es genauer zu sagen, für viele Menschen ist trotz ihrer Unzufriedenheit mit der gesellschaftlichen Entwicklung in Deutschland die Linke keine glaubwürdige Alternative.

    zu Vorschlag 1:
    Richtig ist zwar dass die Medien teilweise sehr einseitig berichten.
    Den Fehler den die linken Parteien machen ist es den bequemen Weg zu gehen. Anstatt Ideologien hinten anstehen zu lassen und sich tragfähige Lösungsansätze zu überlegen verbreiten die Parteien lieber das die Menschen ihre Programme nicht verstehen und das böse Medien die Alleinschuld haben…
    Vielleicht haben in Wirklichkeit nicht die Menschen sondern die Parteien (alle!) ein Erkenntnisproblem und die Menschen wählen das für sie kleinste Übel.

    zu Vorschlag 2:
    Da von keiner (nicht nur das linke Spektrum) der zur Bundestagswahl antretenden Parteien hilfreiche Lösungsansätze zu erwarten sind ist es richtig bei sich, im Familienkreis und im Kollegenkreis anzufangen.
    Wenn alle etwas tun hat dies ebenfalls die Kraft veränderungen zu bewirken. ==> vgl. Frankreich

    zu Vorschlag 3:
    Ihrer Aussage gibt es nichts hinzuzufügen…

    zu Vorschlag 4:
    Für die SPD gilt in der derzeitigen Verfassung: Regieren machts nur noch schlimmer, die Oppositionsbank zur Erneuerung ist angesagt.
    Damit die SPD sich mit ihrem Schaffen unter Rot/Grün auseinandersetzt braucht es schon eine heftige Klatsche, ansonsten bekommen wir wieder eine große Koalition bzw. es besteht die Gefahr dass das Wahlergebnis von Seiten der Parteiführung schöngeredet wird und als Auftrag für ein “Weiter so” genutzt wird.
    Für die SPD und Deutschland wäre das Beste, denn Zeiten wie diese brauchen eine starke Sozialdemokratie bei der das Programm stimmt und die handelnden Personen auch dazu passen.

    zu Vorschlag 5:
    Richtig!

    Grüße

    Peter Kleinsorge

  13. Terra sagt:

    Ich möchte nicht, dass die CDU & FDP die Regierung bilden. Also werde ich die SPD wählen. Warum? Wenn ich Die Linke wähle (wie es notwendig wäre), könnte es stimmentechnisch der CDU & FDP gelingen zu gewinnen.

    Gruss

    Terra

  14. rudy sagt:

    @Peter Kleinsorge
    Ihre Ansicht dass sich der DGB u.a.VERDI+ IGmetall sowie die Linke und Grüne in einer Idenditätskrise befänden als auch keine begr.Lösungsansätze vor zuweisen hätten kann ich nicht teilen. Sie brauchen ja nur die entsprechenden Homepages anklicken und werden jede Menge Alternativkonzepte-programme hinsichtlich Arbeits,Steuer,Sozial,Konjunkturpolitik etc.finden.
    Sich damit zu befassen und einzuordnen ist u.a.natürlich etwas zeitaufwendig.
    Es grüsst
    Rudy

    • globalnote sagt:

      @Rudy,

      Man kann doch jede Menge von schönen Programmen haben und sich trotzdem in einer Identitätskrise befinden, in der man keine Wahlen mehr gewinnt.

      Beste Gruesse
      Joachim Jahnke

    • Peter Kleinsorge sagt:

      @Rudy,

      Ich sehe es ähnlich wie Joachim Jahnke.
      Viele Gewerkschaften haben dem Treiben lange zugeschaut, bzw. nur die Interessen ihrer Klientel bedient.
      Ich befasse mich, schon wegen meiner Funktion, mit dem was Gewerkschaft will…
      Das programmatische ist eins, was daraus gemacht wird das andere.
      Für mich haben die Gewerkschaften in letzter Zeit noch zu wenig Leistungsnachweise erbracht.

      Beste Grüße
      Peter Kleinsorge

  15. salto mortale sagt:

    Die Linken Kräfte in Deutschland werden nie Vertrauen gewinnen, solange sie linke Diktaturen glorifizieren oder doch zumindest tolerieren.

    Es wird Zeit, dass die Linke in Deutschland ihr eigenes Profil entwickelt und selbstbewusst vertritt.

    Können wir hier denn nicht irgend etwas mal ganz allein auf die Beine stellen?

  16. ralf sagt:

    Dies ist ein viel zu langer Beitrag, aber die hier geäußerten Gedanken schlummern schon so lange in mir und ich habe den Eindruck, sie gehören in diese Diskussion. Und ein bisschen Optimismus versprühen möchte ich auch.

    Der gesellschaftlichen Linken fehlt es vielleicht an vielen Stellen an einer völlig durchdachten Analyse, aber ich bezweifle, dass der Erfolg bei Wahlen eines perfekten Wahlprogrammes bedarf, ein einigermaßen durchdachtes tut es
    meistens auch. Mindestens ebenso wichtig sind glaubwürdige Personen mit Ausstrahlung in Kombination mit einer realistischen Machtperspektive. Wenn dann noch der rechte Amtsinhaber den Zorn der Bevölkerung auf sich zieht,
    ergibt sich eine politische Konstellation, die einem linken Projekt eine Machtperspektive eröffnet.

    Genau eine solche Konstellation hatten wir Anfang 2008 in Hessen. Andrea Ypsilanti hatte sich Glaubwürdigkeit durch offen artikulierte Opposition gegen Schröders Agenda 2010 erworben. Das Programm der hessischen SPD zur Landtagswahl trug eindeutig einen linksreformerischen Charakter. Seine
    Pilotfunktion wurde auch dadurch untermauert, dass Hermann Scheer bereit war, in der Regierung mitzuwirken. Und Andrea Ypsilanti hat eine große Ausstrahlung. Ich hatte mir damals das Fernsehduell mit ihr und Koch angeschaut und war tief beeindruckt.

    Es war einer der wenigen, vielleicht der einzige Wahlkampf (in Europa, Bund, Land) in den letzten 10 Jahren, bei dem die SPD ihr Vorwahlergebnis verbessern konnte. Wie erfolgreich der Wahlkampf war, lässt sich daran ablesen, dass es gelang, eine Wechselstimmung zu erzeugen, der Amtsinhaber um Haaresbreite auf den 2. Platz verwiesen worden wäre und die Partei die Linke nur knapp in den Landtag kam (weil die SPD höchst erfolgreich auf dem
    linken Terrain um Stimmen warb).

    Eine Ypsilanti/Scheer-geführte hessische Landesregierung auf Grundlage des Wahlprogramms wäre genau das Projekt gewesen, an dem sich die Plausibilität und Machbarkeit einer linksrefomerischen Politik hätte demonstrieren lassen,
    was die Glaubwürdigkeit und Ausstrahlung der gesellschaftlichen Linken deutlich erhöht hätte. Denn das ist m.E. alles, was ihr tatsächlich fehlt: ein Vorzeigeprojekt.

    Wie sehr der gesellschaftlichen Rechten der Hintern deswegen auf Grundeis ging, ließ sich sehr leicht erkennen: am Schaum vor Clements Mund, an den hysterischen “Lügilanti”-Kampagnen der gleichgeschalteten bürgerlichen und Boulevardpresse und am grotesken Verhalten des rechten Flügels der hessischen SPD, der lieber die eigene Partei in den Abgrund reißt, als dass man einer Partei”freundin” vom linken Flügel den Erfolg gönnt.

    Wer nach einer linken Perspektive für unsere Gesellschaft sucht, sollte sich damit beschäftigen, welche Strategien der politische Gegner fährt, um das zu verhindern, und der Fall der hessischen SPD ist dafür ein ganz besonderes Lehrstück, dessen Aufarbeitung gerade erst begonnen hat. Man sollte dabei aber auch beachten, wie es heute um die hessische SPD bestellt ist: der Amoklauf der “fantastischen 4″ hat dem rechten Flügel der SPD massiv geschadet. Jedenfalls wies Koch völlig zurecht darauf hin, dass Schäfer-Gümbel im Wesentlichen Ypsilantis politische Positionen teilt: denn
    natürlich war die hessische SPD zu keinem Zeitpunkt bloß von Ypsilanti verhext, wie man es gerne darstellte. Es gibt in dieser Partei eine solide linksreformerische Substanz, denke ich – tatsächlich kenne ich die Partei nicht, ich schätze das so ein. Es ist der rechte Flügel, der jetzt beim eigenen Parteivolk um Legitimation kämpfen muss.

    Genau genommen stand die gesellschaftliche Linke damals kurz vor einem wichtigen Durchbruch. Dieser Durchbruch wird über kurz oder lang auf Länderebene kommen. Ypsilantis Niederlage war ein Pyrrhussieg für die Rechte. So ein Manöver wie von der Walter-Gang in Hessen wird es kein zweites Mal geben. In einigen Bundesländern, wie Maaß im Saarland und Stegner in Schleswig-Holstein, gibt es SPD-Parteivorsitzende, die über eine erfrischende Distanz zum rechten Flügel verfügen und eindeutig linksreformerische Akzente setzen.

    Trotzdem war Ypsilantis Scheitern eine Niederlage der Linken, denn integere Persönlichkeiten mit Ausstrahlung wachsen nicht auf Bäumen. Ich weigere mich aber, die Lesart auch leider vieler linker Zeitgenossen zu übernehmen, sie
    hätte Missmanagement betrieben und trüge selbst erheblich Schuld. Denn erstens wäre es das Missmanagement der gesamten Führung, Politik ist Teamwork. Und zweitens ist tatsächlich, wenn man es genau betrachtet, und die allgemeingültigen Maßstäbe für die Beurteilung von Politik anlegt, nichts vorgebracht worden, das das Prädikat “Missmanagament” verdient. Es ist der Rechten aber gelungen einen mächtigen gesellschaftlichen Konsens herzustellen, der den Stab über Ypsilanti bricht. In dieser Situation war es am klügsten, in den Hintergrund zu treten. Man darf davon ausgehen, dass ein
    solches Manöver zur Diskreditierung linker Hoffnungsträger bei jeder künftigen Gelegenheit wiederholt werden wird, wenn wieder ein linkes Projekt auf Länderebene möglich wird.

    Dieser Tage geistert die Meldung durch den Blätterwald, dass die Industrie eigentlich dringend “nötige” Entlassungen größeren Umfangs auf nach der Bundestagswahl vertagen will. Wenn sie nicht damit rechnen würde, dass das gesellschaftliche Klima nach links kippen könnte, würde sie keine so teuren Rücksichten nehmen.

    Wer Umfragewerte um die 9-10% für die Partei “die Linke” als gering ansieht – im Verhältnis zum Ausmaß der Krise -, übersieht m.E. zweierlei:
    1. Die Krise hat noch gar nicht richtig angefangen.
    2. Eine so große Zustimmung für eine offen kapitalismuskritische Partei, die sich zu ihren marxistischen Wurzeln bekennt und sogar eine kommunistische
    Plattform beherbergt, wäre vor ganz wenigen Jahren noch wenigstens im Westen völlig undenkbar gewesen.

    In diesem Sinne: nicht entmutigen lassen und dran bleiben.

    • globalnote sagt:

      @ralf,

      Den Mut werden wir wohl für in 4 Jahre ansiedeln müssen oder in der Hoffnung, daß schwarz-gelb vorher an der Krise scheitert. Leider gehen die 9 – 10 % für die Linkspartei vor allem von der SPD weg, so daß es einstweilen in der Summe nicht mehr sondern weniger werden kann.

      Beste Gruesse
      Joachim Jahnke

      • Edwin Doe sagt:

        @ Joachim Jahne,

        das glaube ich soo nicht. Die Wähler der Partei DIE LINKE sind eher “intellektuelle”, also das Kleinbürgertum wie bei den Grünen und der FDP, nur mit einem sozialerem Einschlag. Die CDU wird eher von Arbeitern und Rentnern gewählt. Die verrrutschte SPD von allem ein wenig.

        Die SPD verliert seit Jahren massiv an die CDU, nach der Abspaltung der Grünen und der LINKEN.

        Der Zuspruch der WählerInnen zu Merkel spricht eher zu einer Abwanderung von der SPD zur CDU, weniger zur LINKEN.

        Hätten Menschen wie Drohsel und Kipping mehr zu sagen, gäbe es tatsächlich eine Wende.

        Solange aber “Monster” (Müntefering), “Mumien” (Merkel) und “Mutationen” wie Westerwelle vorne stehen, wird es keine “linke Alternative” geben.

      • Kassandra sagt:

        Leider kann ich es nicht quantifizieren (können Sie es?) – aber ich glaube, daß die Linke doch auch in beträchtlichem Umfang Stimmen von enttäuschten früheren SPD-Wählern bekommt, die ohne die Linke auf eine Stimmabgabe ganz verzichten würden. Oder, was ich besonders hier im Saarland beobachten kann, die rein aus Protest eine rechtsextreme Partei wählen würden.

        Beste Grüße!

    • Kassandra sagt:

      Danke für diese klugen und aufmunternden Worte.

      Viele Grüße!

  17. innojosch sagt:

    Sehr geehrter Hr. Jahnke,

    Nehmen wir einmal an, ihr Webblog ist real, aber egal ob das so ist oder nicht, ich möchte doch zum aktuellen Kommentar vom Wochenende über ihre Anmerkungen zu einigen Inhalten unter anderem der Kommentierung eines Interview mit dem Herrn Albrecht Müller, zur Frage einer noch bestehenden oder schon verlassenen Demokratie einige Fragen stellen.

    Als Soziologe stelle ich die Frage aus meinem Blickwinkel der möglichst vollständigen Beschreibung aktueller Gesellschaftsprozesse, ist in diesem Land formell noch eine demokratische Wirkungsstruktur nachweisbar?
    Dazu sind die Fragen zu stellen, gibt es eine wirksame Gewaltenteilung?
    - Einen demokratischen, willensbildenden parlamentarischen Prozess der Kontrolle der Regierung?
    - Ein Parteiensystem das mehrheitliche parlamentarische Entscheidungen aufgrund innerparteilicher und inhaltlich verbindlicher Konsensentscheidungen umsetzt?
    - Können Sie Belege anführen, dass die Justiz als Drittinstanz verbindlich mit juristischen Mitteln in einem solchen Prozess eingebunden ist?
    - Ist die Einflussnahme außerparlamentarischer Gesellschaftsgruppen eher stärker oder gleichbleibend?
    - Gibt es eine unabhängige oder ausgewogene und im Bemühen überparteiliche Kommunikation und Information?

    Damit wir uns nicht falsch verstehen, ich folge gerne den von Ihnen mit erkennbarer und zu achtender Umsicht angegebenen wirtschaftswissenschaftlichen Erklärungslinien. Dennoch sollte zu einer überfachlichen Stellungnahme ein stärker diskursives Verhalten erforderlich sein.
    Denn um über den Entwicklungsstand und die Qualität des augenblicklichen politischen Geschehens zu befinden sind, nur z.B. zur Beantwortung obiger Fragen, doch sehr zahlreiche semantische Thesen abzustimmen um hier überhaupt zu einer Vereinbarung zu gelangen.
    Im journalistischen Stil lassen sich sonst nur ideologische Fetzen um die Ohren hauen.
    Sie wollen mit ihrer Darstellung von Wirtschaftssituationen auf die ökonomischen Ursachen rekurrieren, dass soll auch die Qualität und Validität ihrer Bemühungen darlegen. Sollte dies nicht auch für die angrenzenden Fachgebiete gelten?
    Gut, formell ist die Antwort auf die obigen Fragen belegbar in ihrer Tendenz zu beantworten,
    - Weder gibt es ein in seinem Wirkungszusammenhang noch im Ergebnis unbeschädigtes parlamentarisches Geschehen.
    - Ebensowenig eine Berichterstattung, das bei einer durch das Internet viel stärker verfügbaren Transparenz z.B. der parlamentarischen Abläufe, die im Netz fast in Echtzeit mitzuverfolgen sind. Die Inhalte, die Entscheidungsabläufe finden dagegen in immer verborgeneren außerparlamentarischen Abstimmungen nach immer weniger transparenten Regeln und Kontrollmechanismen statt, abzulesen an den Ergebnissen, die nicht mehr zu den vorgenannten formellen Ritualen in Beziehung stehen.
    - Eine parlamentarische Regierungskontrolle gibt es nicht, nicht einmal die personelle Besetzung durch die Parteien ist noch durchgängig vorhanden, siehe Parlamentsprotokolle.
    - Können Sie innerhalb der Parteien eine durchgängig themenorientierte Willensbildung nachvollziehen? Wie soll ich das ohne Polemik beantworten, wenn man wie ich in den hessischen Wahlkampf involviert war?

    - Bei der Frage nach der Dritten Gewalt muß nun offen der Offenbarungseid geleistet werden, nach allen Stufen der Selbstverleugnung juristischer Institutionen ist ja auch das Bundesverfassungsgericht nun am Ende des Weges angelangt, seine Selbstaufgabe ist von den Verfassungsrichtern aktuell beschlossen und so benannt worden, welche andere Darstellungsmöglichkeit sehen Sie?

    Nun, wieso konnten wir au f diesem Weg in diese Situation gelangen?
    Stichwort dafür ist die Elitebildung.

    Sie lässt sich nicht anders als in der Wirtschaftselite verorten.
    Dieser Prozess erreichte die meisten der bestehenden gesellschaftlichen Interessengruppen. Belegbar durch die deutliche vereinheitlichte Ausrichtung auf im wesentlichen wirtschaftliche Ziele in Betrieben, Ausbildungs- und Bildungsinstitutionen, Verbänden und zuletzt den Kirchen.
    Informativer Hintergrund ist die Ausbildung der jetzigen politischen Führungspersonen für die Durchsetzung der Eliteherrschaft innerhalb und außerhalb der noch bestehenden demokratischen Instanzen zur Weiterentwicklung einer „postdemokratischen Gesellschaftsordnung“.
    Die Bertelsmann – Programme sind jedenfalls mit Mühen im Netz zu finden. Die Workshop –Teilnehmer von 2003 z.B. sind auch dort zu finden, bekannt dazu haben sich Hr. Schröder und Hr. Fischer, dabei waren jedoch auch die anderen Parteien prominent vertreten.
    Im Parlamentarischen Bereich mag ihnen der eine Beleg genügen, denn bei aller öffentlichen Erwähnung der Mitwirkung von Interessentengruppen an der Gesetzgebung war doch der naive Satz des frisch im Amt befindlichen Sozialminister Scholz der offenste seiner Art, als er zu dem beabsichtigten Gesetzentwurf der beabsichtigten Sozialgesetznovelle sagte „dazu kann ich nicht Stellung nehmen, das Gesetz ist ja von Bertelsmann noch gar nicht gekommen“. –Dies vor laufender Kamera der ZDF –Nachrichten, von dort auch nicht kommentiert und so gesendet.
    Gibt es einen öffentlichen Diskurs zu einer Elitebildung? Nun transparent wird er nicht geführt. Er wäre auch zu belastet, durch die jüngste historische Aufarbeitung der DDR Geschichte, in der sich die Parteiführung als die Elite von Partei und Gesellschaft verstand und sich auch so bezeichnete, auch vor 70 Jahren benannte sich eine Gesellschaftselite als nationale Bewegung.
    Allen Eliten ist es gemein, so die soziale Theorienbildung, dass sie dann
    während einer Krisenentstehung hervortreten, wenn sich eine Ideologie ihrem Ende nähert.

    Dies sei zu unserer hoffnungsvollen Perspektive angeführt.
    Mit freundlichem Gruß
    Joachim Schmidt, M.A.

    • globalnote sagt:

      @ Joachim Schmidt,

      Ich kann Ihre Fragen hier in der Kürze natürlich nicht beantworten. Nur soviel aus meiner Sicht: Nirgendwo in der Welt gibt es eine perfekte Demokratie. Wir müssen also entscheiden, ob wir mehr oder weniger davon haben. Im Weltmaßstab oder gar gemessen an der unglücklichen deutschen Demokratiegeschichte sieht es meiner Meinung nach immer noch sehr gut aus und sind Feststellung, wir hätten keine Demokratie mehr, weit übertrieben.

      Zur Rolle der Wirtschaftselite kann ich Ihnen nur zustimmen.

      Beste Gruesse
      Joachim Jahnke

      • Kassandra sagt:

        Herr Jahnke, Sie haben recht: Nirgends gibt es eine perfekte Demokratie, und die Demokratiefrage ist nicht als Dichotomie, sondern als graduelle zu beantworten.

        Die von Herrn Schmidt eingebrachten Argumente halte ich jedoch für schwerwiegend (und mit ähnlicher Stoßrichtung wäre im Grunde auch die Frage der Rechtsstaatlichkeit zu diskutieren). Hinzu kommt, und das halte ich ebenfalls für wesentlich, daß die Aushöhlung demokratischer Rechte ständig zunimmt, und daß man die Demokratiefrage sinnvollerweise überhaupt nicht losgelöst vom Einfluß der Wirtschaftseliten diskutieren kann.

        Gestatten Sie mir daher eine kleine Polemik, und nehmen Sie sie bitte nicht persönlich: Ihr Abwiegeln erinnert mich an die (selbstverständlich rein fiktive) These, daß unsere wirtschaftliche und soziale Lage ja gar nicht so schlimm ist, wenn man sie im Weltmaßstab oder gar gemessen an der unglücklichen Lage der Menschen in Bhutan oder Burkina Faso sieht.

        Solidarische Grüße!

      • globalnote sagt:

        @Kassandra.

        Nun denke ich, daß Sie mir da mit Ihrer Polemik wirklich Unrecht tun. Mein Vergleich war nicht mit Bhutan, sondern mit der deutschen Geschichte. Und ich bleibe dabei: Die deutsche Demokratie als beendet zu erklären, wie es Albrecht Müller wegen der Medienstärke getan hat, ist grenzenlos übertrieben und unverantwortlich (auch wenn sie dem Absatz seines Buches helfen wird, wie jede Zuspitzung Aufmerksamkeit schafft). Trotz einer Reihe von Abschwächungen, die ich natürlich nicht übersehe, vergleicht sie sich immer noch phantastisch mit allem vor der Bonner Republik (von der DDR gar nicht zu reden) und mit sehr vielen als demokratisch eingestuften Ländern, zu denen sich ja immerhin die USA rechnen. Wir sollten das nicht aus Frustration auf der linken Seite mit den Füßen treten. Daß hier die Linkspartei in Landesregierungen kommt und demnächst vielleicht in die Bundesregierung bei den übernächsten Wahlen, sollten deren Anhänger auch nicht gering achten.

        Ich halte jedenfalls die soziale Frage für viel katatrophaler als den bisherigen Demokratieverlust, auch wenn es da Verbindungen gibt. Auch muß mit Extremismus zum Schaden der Demokratie gerechnet werden, wenn sich die soziale Diskriminierung immer größerer Teile der deutschen Bevölkerung und die Verdrängung der systemtragenden Mittelschichten so fortsetzt.

        Zur Medienmacht habe ich alles eigentlich gesagt.Schon Willy Brandt mußte gegen den damaligen Medien-Zaren Springer antreten und während des kalten Krieges waren die deutschen Medien erst recht gleichgeschaltet. Strauß wollte sogar das damals einzige kritische Wochenblatt SPIEGEL beseitigen. Außerdem hätten wir in diesen alten Zeiten keine kritische Diskussion mit sehr vielen Teilnehmern über das Internet führen können und diese Gegenöffentlichkeit, die ich natürlich nicht überschätze, gab es erst recht nicht.

        Unser Problem scheint mir manchmal zu sein, daß wir ein sehr kurzes Gedächtnis haben und weder über die Zeit- noch die geographische Achse ausreichend vergleichen (in letzterer Hinsicht will ich mit meinen neuen Buch http://www.jjahnke.net/zaun.html einen kleinen Beitrag leisten).

        Beste Gruesse
        Joachim Jahnke

      • Kassandra sagt:

        Just for the record:

        Ich kann nur wiederholen, daß die Polemik nicht Ihrer Person, sondern nur Ihrer Äußerung galt.

        Daß Sie nicht mit Bhutan verglichen hatten, machte ich schon dadurch deutlich, daß ich hier “fiktiv” geschrieben habe. Das tertium comparationis sollte trotzdem deutlich geworden sein: Es gibt immer Zustände, die noch schlimmer sind. Und die mag ich nicht als Maßstab nehmen.

        Auf die Müllersche Medienmachthypothese habe ich mich überhaupt nicht bezogen. Lassen Sie doch mal den Müller liegen, wo er liegen mag. (Randbemerkung: Auf die Dauer wirken die ständigen, ohne Not gebrachten Wiederholungen Ihrer Abarbeitung an Müller trotz ihrer inhaltlichen Berechtigung doch etwas ermüdend.)

        Einschüchtern lasse ich mich von den Mächtigen genau so wenig wie Sie. Ich denke allerdings nicht, daß man die Triftigkeit einer Analyse in erster Linie danach beurteilen sollte, ob sich irgend jemand davon eingeschüchtert fühlen könnte.

        Worauf ich mich tatsächlich bezogen habe, muß und möchte ich nicht wiederholen.

        Einen geschichtlichen Gedächtnisverlust habe ich bisher nicht erlitten. Gegen Vergleiche mit der deutschen Geschichte habe ich überhaupt nichts – im Gegenteil. Insbesondere die Veränderungen des Grundgesetzes in den 60 Jahren seines Bestehens halte ich für ein überaus lehrreiches Studienobjekt.

        Solidarische Grüße!

  18. Boandlgramer sagt:

    Ich versuch’ mich kurz zu fassen, wenngleich ich ahne, es wird kaum gelingen… ;)

    1. Was die Medienkritik angeht folge ich – als Redakteur – Müller zu 100% – vielleicht noch mehr. Die konservativ, vielleicht neoliberale Grundtendenz hat viele Gründe, ein ganz wichtiger – neben der allgemeinen Kommerzialisierung der Medien – ist sicher, dass der Beruf an sich in den letzten 20 Jahren stark entwertet wurde, dass “Karriere” machen als einziges Ziel gilt – und da gibt es innerhalb der Verlage keinen Raum für Ethos.

    2. Achtung – Provokation: Hitler hatte von seinen Vorbildern, dem Antisemiten Schönerer oder auch dem damaligen Wiener Bürgermeister Lueger, ein Volk kann sich nur auf einen Feind fokussieren. Das ging im kalten Krieg auch nochmal gut. Aber jetzt ist die Welt dafür zu kompliziert, deswegen lassen sich keine Lager mehr bilden – und Klassenkampf gilt sowieso als überholt. Ein eindeutiger Gegenentwurf mit eindeutigen Zielen und Werkzeugen ist so nicht mehr vermittelbar, vielleicht nicht mal konstruierbar. Das perfekte Klima für ein “Weiter so!”, ganz schlecht für Utopien…

    3. Die linken Prototyp-Projekte gibt es: Die skandinavischen Ländern machen das meisten von dem, was die Linke hierzulande fordert – und es geht ihnen recht gut dabei. Obama macht, was die Linke fordert, und es wird gut für die Amerikaner sein. Aber Deutsche gefallen sich traditionell in der Rolle der Führenden, die nichts bei anderen abzuguggen haben, weil sie schon alles richtig machen. Da kann ich in meinem Dorf auf die Straße gehen und jeden Beliebigen fragen: Schwede und Amerikaner will er nicht sein, die CSU ist die einzige Partei, die gut für Bayern ist. ;)

    4. Trotz allem was Sie, Herr Jahnke, hier präsentieren – und was unbestritten seine Richtigkeit hat – glaube ich dennoch, dass an einer Globalisierung in großem Maßstab kein Weg vorbeiführt: Die dritte Welt und die Schwellenländer müssen (am Reichtum) teilhaben können. Wenn wir ihnen das verwehren, werden sie uns irgendwann von der Landkarte radieren. Zu einem fairen Weltmarkt gibt es keine Alternative.
    Es gibt aber eine Alternative zu den Deregulierungen, die dazu führen, dass die Kapitaleigner diesen Markt aussaugen und damit immer am Rande des Kollaps halten. Dazu müsste die internationale Kooperation aber gängig gemacht werden: Lobbyisten müssen entfernt werden und die internationalen Organisationen zur Wahl gestellt werden. Insofern bin ich ein großer Freund der EU, weil ich glaube, dass nur so der internationale Interessenausgleich – friedlich – zu organisieren ist.

    Grüße,
    Boandlgramer

    • globalnote sagt:

      @Boandlgramer,

      Leider werfen auch Sie die armen Entwicklungsländer und die aggressiven Schwellenländer, einschließlich des massiv dumpenden China, zusammen. Das ist der Hauptfehler, der immer wieder in der Globalisierung gemacht wird. Schade, daß auch Sie als Redakteur in diese Falle gehen. Es zeigt mir nur erneut, wie wenig die deutschen Medien begreifen oder begreifen wollen, was da mit der neoliberalen Globalisierung abgeht. Die chinesische Mega-Staatswirtschaft kann sich nicht nur zu Lasten ihrer Handelspartner entwickeln, sondern muß endlich auf mehr Binnenkonsum umbauen und die dramatischen internationalen Ungleichgewichte, die die Krise miterzeugt haben, abbauen.

      Beste Gruesse
      Joachim Jahnke

  19. hans-im-glueck sagt:

    @all:

    Zum Thema Medienmacht empfehle ich das Buch von Bernays “Propaganda” aus den 30er Jahren sowie die Bücher aus dem Privatbibliotheken der Herren Goebbels und Hitler, hier waren in selterner Einmütigkeit die Klassiker der Manipulationstechniken vereint.
    Falls jemand daran zweifelt, daß diese Techniken bis zum heutigen Tage zu einer gewissen Perfektion getrieben wurden, der analysiere mal eine Nachrichtensendung im heutigen Ö-R-Fernsehen (auf Kassette aufnehmen, und dann satzweise ablaufen lassen und analysieren, wo Information und wo Manipulation vorherrschen) – man/frau wird erstaunt sein! Da gibt es wenig zu verniedlichen…

    “Einer der größten Fehler ist es, seinen Gegner zu unterschätzen” – das sollten wir uns bei den Medien und ihrer Manipulationsmacht nicht leisten.

    Daß unsere Demokratie bereits stark gelitten hat, wurde hier bereits angesprochen: Lobbyisten und “interessierte” Anwälte schreiben Gesetze (wo wir doch nun wahrlich genug Juristen im BT haben), die Selbstbedienungsmentalität der Damen und Herren Abgeordneten ist kaum noch zu überbieten (Diäten, Reisen, Auto, Flüge etc.pp.), die Gewaltentrennung ist immer weniger vorhanden (Justiz und Presse als zunehmend willfährige Handlanger der Regierung) – die Aufzählung ließe sich noch recht lange fortsetzen.

    Mich beunruhigt vor allem die zunehmende Eigendynamik, die dieser Entdemokratisierungprozeß erhält – wie immer in einem solchen Falle wird sich das Ganze bis zur Selbstaufgabe, d.h. bis zur Ablehnung des Parteiensystems durch die Menschen exzessiv fortsetzen.
    Ob dann aber Basisdemokratie oder Diktatur sich durchsetzen werden, das wird von uns allen abhängen…

    “Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.” – Albert Einstein

  20. Gaby sagt:

    Hallo, miteinander,

    auch auf die Gefahr, dass Ihr nun verbal auf mich einprügelt: Medienmacht, Manipulation und Demokratie sind nicht nur sächliche Dinge, sondern werden auch subjektiv empfunden. Subjektivität lässt sich leider nicht beweisen, so hat also jeder seinen eigenen Standpunkt. Es liegt in der Natur der Subjektivität, dass sich manche Ansichten nicht decken.

    Aus einigen meiner früheren Beiträge ist so manchem von Euch bekannt, dass ich unsere Demokratie für eine sehr gute, sehr starke halte. Von dieser Meinung weiche ich nicht ab, obwohl mir bekannt ist, dass immer wieder der Versuch unternommen wird, die bürgerlichen Grundrechte einzuschränken und das mitunter auch gelingt. Aber, wie Dr. Jahnke bereits ausführte, ist unsere Demokratie, verglichen mit unserer Geschichte und verglichen mit anderen demokratischen Ländern, eine prima Staatsform, die ich nicht missen will. Ehrlich gesagt, wollte ich nicht einmal 100 Jahre früher geboren sein!!!

    Da wir nicht in die Köpfe unserer Mitmenschen hinein sehen können, erübrigt sich meines Erachtens eine tiefer gehende Diskussion über den Wirkungsgrad der Manipulation unserer Medien. Wir bewegen uns bei dieser Thematik auf dem dünnen Eis der Vermutungen, von der Betrachtung der harten Fakten, wie Auflagenstärke und Verbreitungszirkel, mal abgesehen, denn das sind messbare Größen. Und, wie nun wiederum Dr. Jahnke erklärte, haben wir heutzutage das Internet. Da steht zwar auch viel Mist geschrieben, aber die ein und andere Seite sticht brilliant hervor und ringt um Objektivität. Dank Suchmaschinen sind solche Seiten mit ein bisschen Mühe zu finden.

    Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass ich mich weder auf mein Gedächtnis noch das meiner Mitmenschen vollumfänglich verlassen darf. Es entbehrt nicht einer gewissen Lebenserfahrung, wenn Dr. Jahnke meint, dass wir mitunter mit einem ziemlich kurzen Gedächtnis ausgestattet sind. Darüber hinaus ist tatsächlich nicht jeder unserer Artgenossen derart vielseitig informiert, dass er heutige Verhältnisse mit der Vergangenheit und auch länderübergreifend vergleichen kann. Ich zähle mich auch zu dieser Klientel und bin stets froh, wenn mir jemand ein bisschen auf die Sprünge hilft.

    Bis denne,

    Gaby

  21. Hand auf' s Herz sagt:

    An Alle,

    ja, ja, nach allem was ich hier gelesen habe, ist das Droh- und Gewaltpotential ein Faktor, mit dem man immer rechnen muss – der latent vorhanden ist.

    Das kapitalistische Glaubensbekenntnis mit seiner neoliberalen Dreifaltigkeit (Privatisieren, Deregulieren und Asozialisieren) scheint wohl mächtiger zu sein als der soziale Zusammenhalt.

    Die neufreiheitlichen Blütenträume der Kapitalisierung sämtlicher Lebensbereiche und die Entwertung jeden Sinninhalts des Lebens scheint unaufhaltbar zu sein.

    Die Kapitalromantiker erstellen weiterhin ihre Luftschlösser auf Kosten der natürlichen Ressourcen und zwar aller natürlichen Ressourcen, inklusive Mensch.
    Der neoliberale Hochmut hat nichts gebracht außer Verschuldung und die Globalisierung der Verelendung.
    Das zivilisierte Menschentier propagiert die Gier zum Lebensinhalt.
    Die Nationalstaaten werden außer Kraft gesetzt und die Mafia kann ihre kapitalen Träume realisieren.

    Wunderschöne Aussichten!
    China exportiert Dumpinglöhne und die “demokratische” USA globalisiert the “working poors”.

    Wo gibt es überhaupt noch einen Ansatz für die verpönten linken Sozialträume von einer gerechten und humanen Welt?

    Grüße
    Gisela

  22. hans-im-glueck sagt:

    @ hand auf’s herz:

    Liebe Gisela,
    für meine Begriffe geht nichts vorbei an einer moralischen Erneuerung unserer Gesellschaft.
    Weg von “Geiz ist geil”, hin zu sorgsamem Umgang mit sich, mit den Menschen neben mir, mit der Natur.
    Weg von der Sklaverei der Dinge und des Besitzes, hin zu echter geistiger Freiheit und ethischem Handeln.

    Als Anfang der 90er einige Mahner darauf hinwiesen, daß nun mit der offensichtlichen Freigabe des Handelns bar jeder Hemmungen (vorgemacht von Kohl und seines gleichen, die ganz offen die Moral und Ethik mit Füßen getreten haben) eine neue Qualität der Gesellschaft Raum greifen werde, da hat man noch gelacht und gesagt: wer braucht Moral und Ethik, wenn es um das schnelle (und viele) Geld geht – “die unsichtbare Hand des Marktes” wird alles schon richten.
    Nun haben wir “den Salat”, wie damals vorhergesagt.

    Es muß also zurückgekehrt werden an den Scheideweg, an dem wir uns von den Neocons in die falsche Richtung haben locken lassen, und dort neu angesetzt werden – am besten im Geiste der guten bürgerlichen humanistischen Traditionen.

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