1430

Gedanken zur Zeit 1430 19-08-09: Was läßt sich gegen gedumpte Importe tun, z.B. aus China?

Hier zum Text

7 Antworten zu 1430

  1. georgi sagt:

    Lieber Herr Dr. Jahnke!

    … weil das ja sehr häufig vorgeschlagen und diskutiert wird, z.B. hier:

    Was halten Sie davon,
    1. das Sozialversicherungssystem auf ein steuerfinanziertes Sozialsystem umzustellen,
    2. alle Steuern bis auf die MwSt. abzuschaffen.

    “Links”-meinende glauben, dies sei unsozial, weil dadurch die Waren teurer würden, weil ja nun soviel MwSt. in den Preisen enthalten sei. Sozial Schwache, die ihr ganzes Einkommen für den Konsum ausgeben müssen, würden die gesamte Steuerlast tragen, und die Reichen wären vollständig entlastet.

    Diese Denke ist aber ein Trugschluß, denn daß die MwSt. Waren ungebührlich teurer macht, stimmt nur für importierte Waren. Im Preis für im Inland gefertigte Waren sind nämlich auch sämtliche anderen Einkommenssteuern und Sozialversicherungsbeiträge aller an der Herstellung der betreffenden Ware beteiligten Personen ebenso enthalten wie die MwSt. Würden alle Einkommenssteuern und Sozialversicherungsbeiträge auf die MwSt. umgelegt, so würden sich Importe verteuern, und deutsche Arbeit konkurrenzfähiger werden. Dann würden sich in Deutschland auch wieder arbeitsintensivere Industrien ansiedeln.

    In dieselbe Richtung zielt auch das bedingungslose Grundeinkommen. Auch das macht den Faktor Arbeit billiger und konkurrenzfähiger.

    Wie stehen Sie denn dazu?

    • globalnote sagt:

      @Georgi,

      Sie haben da einen Kardinalfehler in Ihrer Denke. Die ärmeren Menschen geben einen viel größeren Anteil ihres Einkommens für MWSt-pflichtige Produkte aus als die wohlhabenden. Es stimmt auch nicht, daß alle Einkommenssteuern bereits im Preis drin sind. Das gilt jedenfalls nicht für Zins- und Dividendeneinnahmen nach der Abgeltungssteuer, nicht für die Erbschaftssteuer und viele anderen. Gut wäre es dagegen, wie in den skandinavischen Ländern eine Ergänzungsrente für kleinere Sozialrenten einzuführen, die aus dem Steueraufkommen finanziert würde.

      Beste Gruesse
      Joachim Jahnke

      Beste Gruesse
      Joachim Jahnke

      • georgi sagt:

        Lieber Herr Dr. Jahnke!

        Es stimmt auch nicht, daß alle Einkommenssteuern bereits im Preis drin sind. Das gilt jedenfalls nicht für Zins- und Dividendeneinnahmen nach der Abgeltungssteuer,

        Zinsen und Dividenden stammen aus den Erträgen der Realwirtschaft. Die MwSt. belastet die Realwirtschaft, weil diese die Preise herabsetzen muß, damit die Leute im Land ihre Waren kaufen können. Die Realwirtschaft zusammen mit dem Fiskus kann ja nur das an Kaufkraft abschöpfen, was im Lande an Kaufkraft vorhanden ist. Die MwSt. belastet auf diesem Wege also auch Zinsen und Dividenden.

        Vielleicht könnte man ja auch eine Steuer einführen, die liquide Mittel wegsteuert, die weder konsumiert noch investiert werden.

      • globalnote sagt:

        @Georgi,

        Die MWSt kann doch Zinsen und Dividenden nur dann belasten, wenn diese Einkommen für MWSt-pflichtige Güter ausgegeben werden. Das geschieht aber nur in sehr geringem Umfang bei den Wohlhabenden in Deutschland, die ja nur einen kleinen Teil ihrer Einkommen konsumieren können. Nein, mit einer Lösung über die MWSt kommt die unsozialste aller Steuerregelungen nach vorn.

        Beste Gruesse
        Joachim Jahnke

      • georgi sagt:

        Lieber Herr Dr. Jahnke!

        Die MWSt kann doch Zinsen und Dividenden nur dann belasten, wenn diese Einkommen für MWSt-pflichtige Güter ausgegeben werden.

        Zinsen und Dividenden entstehen doch, wie ich schon darlegte, aus den Erträgen der Realwirtschaft, und letztere wird durch die MwSt. belastet, weil diese die Preise senken muß. Anstatt, daß Zinsen und Dividenden weggesteuert werden, gibt es nun weniger Zinsen bzw. Dividenden, geringere Zinssätze bzw. Dividendenrenditen. Das wäre dann der Beitrag der Couponabschneider.

        Im übrigen wird durch das Umlegen auf die MwSt. bis auf Importwaren nichts teurer für sozial Schwache, und ihnen steht auch nicht weniger Einkommen zur Verfügung. Die MwSt. wirkt aber wie ein Importzoll und macht hiesige Arbeit konkurrenzfähiger, und damit die Politik handlungsfähiger. Die ganze Aktion ist demnach nicht so unsozial, wie man auf den ersten Blick meinen könnte.

      • globalnote sagt:

        @georgi,

        Es tut mir leid, wir können die Diskussion so nicht weiterführen, weil einfach die Logik fehlt. Sie müssen bitte zur Kenntnis nehmen, daß nach allen Untersuchungen die MWSt diejenigen härter trifft, die einen höheren Anteil ihres Einkommens für MWSt-pflichtige Produkte ausgeben müssen.

        Die MWSt macht hiesige Arbeit nicht wettbewerbsfähiger, weil sie auch auf Produkte hiesiger Arbeit erhoben wird.

        Die MWSt zwingt den Handel nicht, die Preise herabzusetzen. Da war zwar eine Schamfrist, aber am Ende hat der Handel die Erhöhung der MWSt natürlich weitergegeben. Die Preiselastizität ist nicht so groß, wie Sie vermuten, weil das Sparpotential nicht beliebig ist (bestimmte Waren müssen einfach gefkauft werden).

        Die MWSt-Erhöhung hat die Dividenden oder Zinseinahmen überhaupt nicht abgesenkt, wie Sie mit Ihrem Begriff des „Beitrags der Couponabscheider“ insunieren. Das Gegenteil war der Fall. Die Dividenden sind immer weiter gestiegen. Dividenden und MWSt korrespondieren so gut wie gar nicht. Wir haben eine offene Volkswirtschaft, wo die deutsche Massenkaufkraft nur zu einem beschränkten Teil bisher über den Absatz der Waren entschieden hat, weil der Export immer als Ventil diente. Und wahrscheinlich wird derzeit wieder einiges Kreditpotential aufgebaut, damit es mindestens zu einem großen Teil so weitergehen kann (bis zur nächsten vom Steuerzahler zu finanzierenden Krise). Außerdem haben die Unternehmen immer die Alternative, statt die Preise zu senken mangels MWSt-verkürzter Kaufkraft (wie Sie argumentieren) die Produktion zu verlagern oder aufzugeben.

        Beste Gruesse
        Joachim Jahnke

  2. georgi sagt:

    Die MWSt macht hiesige Arbeit nicht wettbewerbsfähiger, weil sie auch auf Produkte hiesiger Arbeit erhoben wird.

    Die MwSt. wird für alle Produkte fällig, egal ob sie im Inland oder im Ausland gefertigt wurden. Was aber hiesige Produkte benachteiligt, sind die Sozialversicherungsbeiträge und die Einkommenssteuern.

    Die MWSt zwingt den Handel nicht, die Preise herabzusetzen. Da war zwar eine Schamfrist, aber am Ende hat der Handel die Erhöhung der MWSt natürlich weitergegeben.

    Nach meinen bescheidenen Beobachtungen sind bei Frau Merkels letzter MwSt.-Erhöhung die Waren nicht nur 2.59% sondern gleich noch viel stärker teurer geworden. Allein an der MwSt.-Erhöhung kann die Teuerung also nicht gelegen haben.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Log Out / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Log Out / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Log Out / Ändern )

Verbinde mit %s

Follow

Get every new post delivered to your Inbox.

Join 26 other followers