1408

Gedanken zur Zeit 1408 31-07-09: Weniger Kinder = weniger Zukunft

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56 Antworten zu 1408

  1. elfi sagt:

    Hallo,
    lassen wir nichts auf unsere deutschen Männer kommen.
    Sie sind sehr fleissig, arbeiten wenn es sein muss noch abends, machen Überstunden ohne laut zu klagen, verzichten auf Vergütung. Und das alles, um ihren eigentlichen tieferen Lebenssinn nicht zu verlieren.
    Und so haben sie es nicht leicht.
    Sie lassen sich auch mal gerne von ihren Frauen helfen.
    Wenn “Frau” ihre Hilfe braucht, dann sind sie irgendwie abwesend.
    Natürlich gibt es auch Andere. Nur wo findet man die?
    Ganz sicher nicht an jeder Ecke.

    Ich kenne nur einige skandinav. Frauen. Sie haben mir alle durch ihr handfeste, bestimmte und selbstbewusste Art imponiert. Irgendwie müssen es die skandinav. Männer doch auch geschafft haben!

    Von 3 Ehen die geschieden wurden haben in 2 Fällen die Frauen die Scheidung eingereicht.
    Fragt man mal so einen Mann, warum die Ehe auseinanderging, hört man nicht selten so was Ähnliches wie: Wir haben uns irgendwie auseinandergelebt, die Interessen waren so verschieden. Im Anfang ging sie immer mit in den Fussballclub und dann immer weniger….
    Und dann ging sie ihre eigenen Wege…..
    Oder auch: Ich weiss nicht, eigentlich hatten wir es schön!
    Ein ca 50 Jähriger ( polit. links) meinte neulich: Seit die Frauen finanziell nicht mehr abhängig sind, gehen sie einfach, wenn probleme auftauchen. Früher war das nicht möglich. Da gab es auch Probleme in den Ehen, aber die Frau konnte nicht so leicht wegrennen, weil sie ökonom. abhängiger war. Und irgendwie haben sich unsere Eltern dann wieder arrangiert und zusammengefunden. Das war besser so als heute, wo “Frau” dann einfach wegrennt…………
    Als ich meinte, nun gut, die Männer könnten sich in dem Fall ja auch mal was einfallen lassen, um die Ehe zu retten, ich kenne fast nur Frauen, die sich recht schwer damit tun zum Scheidungsrichter zu gehen.
    Der Mann war ein Akadmiker und antwortete sehr bestimmt: Na, auf diesem Niveau, müssen wir erst gar nicht weiterreden.
    So sagte er es und wir ( auch ich) verzichtete auf jedes weitere Wort zu diesem Thema.
    Es war nach einer Konferenz auf einer Hotelterasse in einer lauen, schönen Sommernacht.
    Beste Grüsse
    Elfi

    • globalnote sagt:

      @elfi,

      Ob wohl den Männern auf dem Blog dazu etwas einfällt. Bei diesem Thema ist Schweigen nicht Gold.

      Beste Gruesse
      Joachim Jahnke

  2. Gaby sagt:

    Hallo, miteinander,

    den “deutschen Mann” gibt es nicht. Das männliche Verhalten ist so kunterbunt gefächert, wie das Leben selbst und in den 47 Jahren, die ich auf dieser Erde weile, haben sich weitreichende emanzipatorische Veränderungen in den Köpfen von Frauen und Männern entwickelt und real umgesetzt. Für mich ist nicht das Verhalten deutscher Männer die Ursache immer weniger Kinder, sondern unsere Gesellschaft schlechthin.

    Dass sich unsere Gesellschaft zum Negativen verändert, wurde mir vor rund 25 Jahren bewusst. Es war anfangs ein schleichender, kaum merklicher Prozess, der aber seit Mitte der 1990er Jahre immer mehr an Fahrt zulegte. Wir wurden von unseren “Eliten” zu Kaufleuten gemacht, die das Leben nach Gewinn und Verlust bemessen und sich selbst als Humankapital wahrnehmen. „Unter’m Strich zähl’ ich und mir gebührt der größte Nutzen“, ist vielfach unsere Maxime.

    Gleichzeitig veränderte sich der Arbeitsmarkt. Im neoliberalen Sinne sollten wir mobiler, flexibler, weitergebildeter und genügsamer werden unter dem Vorzeichen immer unsicher werdender Arbeitsplätze, die immer schlechter bezahlt wurden. Die Emanzipation der Frauen wurde plötzlich von konservativer Seite bewusst vorangetrieben, schließlich sind Frauen billige und willige Arbeitskräfte. Der gesellschaftliche Zusammenhalt wurde zerstört, indem ständig neue Sündenböcke kreiert wurden. Heute die Penner, morgen die Arbeitslosen, dann die chronisch Kranken, dann die Rentner, die Raucher, die Dicken, die Kinderlosen etc. Ihr kennt diese gemeinen Spielchen, aber keines endete, ohne unser Denken zu beeinflussen. Und zuletzt flüchteten sich viele von uns in die innere Migration (Cocooning).

    Seit Jahrzehnten werden immer dieselben ollen Kamellen aufgewärmt und nichts, aber auch wirklich nichts, ändert sich zum Guten. Ich war ungefähr 13 Jahre alt, da hieß es plötzlich, die Deutschen sterben aus, weil die Frauen immer weniger Kinder kriegen. Wenig später war das Ozonloch und die Umweltverschmutzung ein großes Thema und es kam Panik auf, dass uns die Ölvorräte knapp werden könnten. Dauernd wurde über unser Bildungssystem geschnuddelt, über die Kindererziehung sowieso und über fehlende Ganztagsschulen bzw. fehlende Kleinkind-Betreuungsmöglichkeiten. Jetzt bin ich 47 Jahre alt, die Themen haben sich nicht geändert und Lösungen haben wir auch nicht. Langweilig!

    Heute ist die Rente unsicher, den Banken können wir nicht mehr vertrauen, wir haben eine fette Wirtschaftskrise, immer weniger Arbeitsplätze, der Staat ist hochverschuldet, die Politik dient seit Jahren kaum noch dem Volk, der gesellschaftliche Zusammenhalt ist arg geschliffen, die Kinderfeindlichkeit unübersehbar und so uralte sexistische Vorurteile wie “Rabenmutter” und “Schlampe” geistern immer noch in manchem Kopf herum.

    Frauen die sagen, dass sie keine Lust haben, in eine ökonomisch so unsichere, sozial erkaltete Gesellschaft Kinder zu gebären, haben mein vollstes Verständnis. Ich habe mich bereits vor 25 Jahren aus all den genannten Gründen gegen Kinder entschieden.

    Wenn diese Gesellschaft und vor allen Dingen die Volkswirtschaft nicht menschen- und familienfreundlicher wird, werden sich künftig immer mehr und mehr Frauen gegen Kinder entscheiden.

    Wie sagte John M. Keynes so treffend: „Die Ideen der Ökonomen und Philosophen, seien sie richtig oder falsch, sind mächtiger, als man im allgemeinen glaubt. Um die Wahrheit zu sagen, es gibt nicht viel anderes, das die Welt beherrscht.“

    Bis denne,

    Gaby

    • globalnote sagt:

      @Gaby,

      Wenn Sie meinen: “Frauen die sagen, dass sie keine Lust haben, in eine ökonomisch so unsichere, sozial erkaltete Gesellschaft Kinder zu gebären, haben mein vollstes Verständnis. Ich habe mich bereits vor 25 Jahren aus all den genannten Gründen gegen Kinder entschieden.”, so trifft das sicher auf Ihre persönlichen Motive zu, die ich sehr respektiere und verstehe. Ansonsten glaube ich nach den ziemlich eindeutigen Zahlen (die keine Schätzungen oder Prognosen sind!), daß es wirklich damit zusammenhängt, daß immer weniger Frauen heiraten und dementsprechend weniger oder gar keine Kinder haben. Denn bei den verheirateten Frauen, zu denen Sie gehören, nimmt der Anteil derer ohne Kinder nicht zu. Auch hängt es wenig mit dem Haushaltseinkommen zusammen (bis auf die unterste Einkommensgruppe, die aber nicht das Gesamtbild bestimmt).

      Mit einer “ökonomisch so unsicheren, sozial erkalteten Gesellschaft” scheint das also wenig zu tun zu haben, sondern eher mit dem Mißtrauen vieler Frauen in den Zustand und Bestand der Ehen und dem Vorzug einer eigenen Karriere. Das sieht man auch an der besonders hohen Kinderlosigkeit (fast ein Drittel!) der akademisch gebildeten Frauen in Westdeutschland, die kaum diejenigen sein werden, die unter den allgemeinen Gesellschaftsverhältnissen besonders leiden. Hinzu kommt im katolischen Europa der noch stark verbreitete konservative Anspruch, die Ehefrauen am Herd zu sehen. Im Gegenzug erklärt sich im protestantischen Skandinavien die viel stärkere Rolle der Frauen auf eigenen Füßen.

      Beste Gruesse
      Joachim Jahnke

  3. Gaby sagt:

    Hallo, Herr Dr. Jahnke,
    hallo, miteinander,

    ich danke Ihnen, Herr Dr. Jahnke, herzlich für Ihre Denkanstöße, glaube aber, dass niemand vollumfänglich wird erklären können, woran es liegt, dass sich immer mehr Frauen und auch Männer gegen Kinder entscheiden. Hier atomisiert sich die Wahrheit in individuelle Einzelschicksale.

    Nicht einmal das „demographisch-ökonomische Paradoxon“ kann zweifelsfrei klären, warum mit wachsendem Wohlstand weniger Kinder geboren werden. Es sind alles nur Vermutungen.

    Es widerstrebt mir allerdings, auch wenn das absolut widersprüchlich klingt, das Problem der Kinderlosigkeit hauptanteilig dem Verhalten des „antiquierten“ Mannes oder der „gebärstreikenden“ Frau zuzuschreiben. Und zwar widerstrebt es mir deshalb, weil sich ratzfatz eine heftige Diskussion entwickeln kann, die bereits am Anfang des Weges in beiderseitigen Vorwürfen endet und Rollenklischees wiederbelebt, für deren Überwindung in der Vergangenheit und auch heute noch viele Frauen gekämpft haben. In solchen Diskussionen liegt viel Power auf der Lauer. ;-)

    Ich bin jedenfalls sehr gespannt, wie sich die Gespräche in diesem Blog entwickeln werden.

    Mit den besten Grüßen

    Gaby

    • globalnote sagt:

      @Gaby,

      Nachmal: Es geht mir wirklich nicht um Vermutungen, sondern um eine ganz praktische statistische Analyse, der man sich stellen muß, weil Kinderlosigkeit eines der größten Probleme unserer Gesellschaft (und – wenn auch meist etwas weniger – anderer Gesellschaften) ist.

      Die eigentliche Frage ist, warum weniger Frauen (oder Männer) heiraten, denn hier liegt nun mal der Hund begraben. Warum geht mit zunehmender Ausbildung der Ehe- und Kinderwunsch zurück? Warum geschieht das in Deutschland als einem relativ reichen Land. Übrigens in Ost-Deutschland ist die Kinderlosigkeit nur halb so groß, warum? Abbildung hier Warum sieht es so viel anders in Skandinavien aus? Wenn wir darauf keine Antworten finden, können wir nicht über Lösungen nachdenken.

      Beste Gruesse
      Joachim Jahnke

  4. elfi sagt:

    Hallo,
    Gaby zitiert Keynes:„Die Ideen der Ökonomen und Philosophen, seien sie richtig oder falsch, sind mächtiger, als man im allgemeinen glaubt. Um die Wahrheit zu sagen, es gibt nicht viel anderes, das die Welt beherrscht.“
    Dem kann ich nur noch hinzufügen: Es sind die früh erworbenen , tief im Gefühl dann festsitzenden Einstellungen und Meinungen, die uns dann oft ein Leben lang begleiten und unsere Handlungen bestimmen.

    Beim Arbeiten mit Schülern ist mir immer wieder aufgefallen, dass die Mädchen eher kommen und jammern: Ich kann das nicht, es ist so schwer….
    Wenn man ihnen sagt: Na, mal gucken, ob das wirklich so schwer ist, setzen sie sich hin, hören zu und lernen fleissig.
    Bei den Jungens war das meist anders. Sie können alles schon. Fragt man dann nach, ob sie das jetzt verstanden haben, so bejahen sie. 3 Minuten später merkte ich dann: Ne, das sitzt gar nicht. Er muss können, er ist eben auch schon ein “Mann”.

    Hatte es nicht so schon Gott gegeben, dass Männer Frauen überlegen sind?
    Sicher kaum ein Mann in unserer Kultur würde heute laut so etwas vertreten. Aber wie fühlt er wirklich. Muss er nicht noch immer diesem Rollenbild der Oma genügen?
    Werden nicht noch heute die Frauen für die Stimmumg in der Familie und in der Erziehung hauptsächlich verantwortlich gemacht. ” Mann” verdient Geld, ist er nicht hauptsächlich dafür erzogen worden. Probleme, darf er die überhaupt haben?
    Psychologen und Familienberater könnten uns viel erzählen.
    “Männer in der Therapie und der Beratung, halten selten durch”.
    “Frauen sind da viel mutiger.” Das habe ich selbst schon von leidgeprüften männlichen Psychotherapeuten, Beratern u.s.w. gehört. Ich staunte, dass sich das schon soweit herumgesprochen hat.
    Meine persönliche Erfahrung ist: Es tun sich häufiger die Väter schwer ihre eigenen Kinder und ihre eigene Rolle in der Famiie zu verstehen als Frauen. Ausnahmen gibt es natürlich, aber leider nicht oft.
    Männer die ihre wichtige Rolle in Familie und Kindereziehung richtig einschätzen sind auch nach meiner Erfahrung Ringeltauben.
    Das alles ist auch Kultur und Tradition und um mit Keynes zu sprechen Phiosophie.

    Und wir Frauen, wie emanzipiert sind wir wirklich?
    Vor 1 Jahr kam eine Mutter – Universitätsdozentin -
    mit ihrem Sohn. Der kam auf der Realschule nicht mehr mit (ungenügende Noten). Der Sohn wollte auch schon gleich auf den ersten Blick alles verstanden haben und die Lösung wissen. unausgesproche wollte er ein Genie sein. Da das selten so klappt, schmiss er das Buch schnell in die Ecke und wollte nichts mehr von allem Wissen.
    Da ich die Mutter schon als eine aparte kluge und bescheidene, aber fleissig lernende Frau kennengelernt hatte, konnte ich mir bald den Vater dazu vorstellen.
    Als ich sie einmal darauf hinwies, dass sie ja in punkto Lernen ein sehr gutes Vorbild für ihren Sohn sei, solle sie doch auch mal mit ihrem Mann sprechen, ob der ihm nicht auch erklären könne, dass er auch alles lernen muss und ihm nichts vom Himmel zufällt, bekam ich gleich die richtige Antwort:
    Na, das lasse sie mal lieber, das gäbe nur Streit mit ihrem Mann. Dem sei schon immer alles zugeflogen, während sie für alles viel Lernen musste…….Die beiden kannten sich schon während ihres Studiums und haben sogar die gleichen Fächer studiert.
    Ihr Mann sei der Meinung sie solle mit dem Kind zum Psychiater bezw. zum Neurologen gehen…der Bub würde eben nichts begreifen und hätte da wohl einen defekt (im Kopf).
    Mir ist es dann zum Glück gelungen ihr klar zu machen, dass sie selbst als letzte in der Familie und der Sohn auch nicht einen Psychiater braucht. Wenn schon , dann solle sie ihren Mann schicken.
    Sie hat sich beruhigt und konnte locker lassen Das hiess ihrem Sohn die Verantwortung für seine schulische Leistung nicht mehr länger abzunehmen.
    Der Sohn rief dann bei Bedarf mal bei mir an, und wir schauten uns seine Fragen zu Mathe gemeinsam an.
    Nun ist es ihm gelungen wieder genügende Noten zu haben. Sogar der Vater ein vielarbeitender Akademiker hat sich inzwischen sang und klanglos beruhigt und beschimpft seinen Sohn nicht mehr als dummen Kerl.

    Dass das heutige Wirtschaftsleben, die Menschen geradezu auffrisst, absorbiert und da natürlich besonders auch meist die Männer, die in ihrem Rollenverständnis noch eher sich als im Beruf zu “Bewährende” verstehen, kommt noch dazu.
    Ich kann mir dehalb auch gut vorstellen, dass oft ein Mann an der Arbeitslosigkeit noch viel mehr leidet als eine Frau.
    Ich persönlich hatte schon als ganz junge Frau das bestimmte Gefühl mich auf einen Mann nicht verlassen zu wollen und auch nicht abhängig werden zu wollen.
    Zur Not alleine für Erziehung und Ernährung aufzukommen, wollte und konnte ich weder mir noch einem Kind zumuten. So ruhig und ausgeglichen um das bewältigen zu können, war ich nun auch nicht.

    Unsere Gesellschaft lässt Mütter und Väter Lehrer u.s.w. im Stich. Zur Erziehung braucht es wirklich ein Dorf, d. d. eine breitere Unterstützung für die Eltern und Lehrer – auflärerisch, beratend, nachbarlich, schulisch und ökonomisch.
    Und das wäre auch das Ende dieses unmenschlichen Konkurrenzsystems.
    In meinem Fall hat schon mein Vater gesagt: Sieh zu, dass du nie von einem Mann ökon. abhängig wirst, da kommt meist nichts Gutes dabei heraus……
    Frauen bleiben dann in den Ehen aus ökon. Gründen – auch wenn sie schlecht behandelt werden. Und das wünsche ich dir nicht.
    Viele Väter werden das nicht zu ihren Töchtern gesagt haben. Aber die Töchter werden es erlebt haben in den Ehen ihrer Eltern???
    Beste Grüsse
    Elfi

  5. Gaby sagt:

    Hallo, Herr Dr. Jahnke,

    damit kein Missverständnis aufkommt: Ich zweifle die Analysen auf gar keinen Fall an. Ich nehme die Fakten, wie sie sind.

    Im Grunde bedarf Ihr Artikel keines Kommentares, schließlich schreiben Sie selbst: „Wenn sich diese Grundverhältnisse nicht ändern, kann es mit der Gesamtentwicklung nur immer schlimmer werden.“

    In die Vokabel „Grundverhältnisse“ kann man sowohl Ihre benannten Gründe, wie meine genannten Beweggründe, keine Kinder zu bekommen, hinein legen.

    Auch gilt als unbestritten, dass eine Ehe, vor allen Dingen mit Kindern, die persönlichen Freiheiten der Frauen mehr einschränkt als die der Männer. Ehe, Kinder und Beruf sind Herausforderungen und Belastungen, die als zu erdrückend empfunden können, vor allen Dingen, wenn der Frau die Hauptverantwortung für Haushalt und Kinderpflege-/Erziehung obliegt.

    Einer Studie zufolge macht eine unglückliche Ehe Frauen sogar eher krank, als Männer. Frauen profitieren nur von einer guten Ehe, einem mithelfenden Mann, wohingegen Männer auch in einer schlechten Ehe einen persönlichen Nutzen daraus ziehen.

    http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/psychologie/news/partnerschaft_aid_231119.html

    Ein anderer Grund, sich gegen Kinder oder die Ehe zu entscheiden, kann sein, dass das „Ernährermodell“ seit einigen Jahren aus emanzipatorischen Gründen in Frage gestellt wird oder nicht funktioniert, weil ein einziger Lohn/Gehalt nicht ausreicht, eine Familie zu ernähren.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Ern%C3%A4hrermodell

    Ich glaube, die Ursachen des Problems der Heiratsmüdigkeit und Kinderunlust wird man nur erfahren, wenn alle Frauen und Männer der BRD befragt und die Antworten ausgewertet würden.

    Beste Grüße

    Gaby

  6. elfi sagt:

    PS:
    In der ersten Klasse bekam die “Beste” eine Tafel amerikan. Schokolade als Prämie geschenkt. Das war auch 1951 noch eine Rarität.
    Ich bekam diese Tafel. Meine Welt war nicht mehr in Ordnung, das konnte und durfte nicht sein. Ich war sehr beunruhigt, keinesfalls erfreut.
    Dann bekam “der Beste”, denn wir waren ja halb Buben und halb Mädchen in der Klasse, seine Tafel Schokolade.
    Jetzt war meine Welt wieder in Ordnung: Denn fraglos, es konnte gar nicht anders sein, war der ja ein Bub. Und der war der Bessere, da gabs bei mir damal keinen Zweifel.
    Mein Vater schon schien mir der Starke und Gescheitere als meine Mutter. Das hat sie auch noch selber geglaubt.
    Jahre vergingen und ich lernte mühsam, dass das gar nicht so stimmt. Er ist weder der Stärkere noch der Klügere als meine Mutter. Aber mein Weltbild sass bereits
    Noch heute kämpfe ich damit, dass Männer nicht so stark sind wie ich glaubte und nicht prinzipiell gescheiter sind. Mein Kopf hat es begriffen, aber meine Gefühle hängen vermutlich zu 50 % noch in Omas Weltbild.
    Und das war nun auch mal religiös geprägt und auch das vom OPA u.s.w. Und daher haben es auch meine Eltern. Sie bekamen es so vorgelebt und gaben es an mich weiter.
    Nun war ja schon mein Vater ein scheinbar aufgeklärter Linker und glaubte das nicht mehr so ganz. Er meinte Frauen seien genauso fähig wie Männer. Das sagte er.
    Aber er benahm sich meist nicht so. Und Letzteres zählt.
    Und heute weiss ich, dass auch wir “Linken” Kinder dieser Kultur sind – nicht nur in diesem Bereich… Wer kann sich da entziehen?
    Und diese Punkte genau haben die Marxisten nie begriffen. Und sogar Mao hat das nicht ganz verstanden, da war er zu sehr Marxist geblieben. Sonst hätte er seine roten Garden anders aufgeklärt und mit anderen Worten auf den Weg geschickt – wenn schon – sofern es ihm wirklich um eine Kulturrevolution ging.
    Elfi

    • globalnote sagt:

      @elfi,

      Das Verrückte ist, daß Frauen heute – anders als früher – viele Beispiele total emanzipierter Frauen in Führungspositionen haben (in Deutschland nicht zuletzt Angela Merkel). Die evtl. Prägung im Elternhaus wird also widerlegt. Auch in der Schule sind es heute meist Lehrerinnen als Autoritätspersonen. Frauen haben den Bildungsrückstand, der ihnen auferlegt war, total auf- und überholt. Männer haben wohl diesen Prozeß nicht ausreichend mitgemacht. Sie sind oft in einer Defensivposition, z.B. werden sie heute schneller arbeitslos als Frauen. Während alle diese Prozesse ablaufen, sorgt die Gesellschaft mit ihrem Wirtschaftsmodell für immer mehr Konkurrenz, in der die oder der Stärkere überlebt.

      Hier mag eine der gesellschaftspolitischen Sollbruchstellen liegen: Je weniger Solidarität in der Gesellschaft, umso mehr Druck auf die oder den Einzelnen, desto weniger Eignung für eine Ehe, die nur in Solidarität wirklich erfolgreich sein kann. Es ist eine der Rachezonen, wo das falsche Wirtschafts- und Gesellschaftssystem zurückschlägt. Denn wie will eine schrumpfende und stark alternde Gesellschaft, die umso mehr auf Solidarität auch zwischen den Generationen angewiesen ist, bestehen? Ich halte die derzeitige Führungsgarnitur in Deutschland (und einigen anderen Ländern) für total ungeeignet, um sich der Lösung dieses Problems zu stellen. Wie bei der Umwelt, muß der Problemdruck offensichtlich noch viel größer werden. Allerdings sind in der Umwelt und in der Demographie die Prozesse sehr langfristig angelegt und ziemlich schwer steuerbare Tanker, wenn sie einmal in die falsche Richtung dampfen. Deutschland wird in der Demographie nur lernen, wenn die Beispiele, z.B. aus Skandinavien, Frankreich oder warum nicht den USA, so erdrückend sind, daß man sich damit auseinandersetzen muß.

      Auf Skandinavien und noch mehr Frankreich (weil von der Größe her besser vergleichbar) setze ich viel, wenn auch nur längerfristig. In Frankreich stimmt jedenfalls die demographische Entwicklung noch ganz gut. Frauen können, besser jedenfalls als in Deutschland, Beruf und Kinderaufzucht verbinden. Steuer- und Kindergartensysteme sind viel familienfreundlicher als in Deutschland. Kinder werden viel weniger als in Deutschland sich selbst überlassen (von der Sondersituation einiger schrecklicher Vorstädte, meist mit Immigrationsbevölkerung aus Nordafrika abgesehen). Die Solidarität zählt als Begriff der französischen Revolution immer noch. Nie werde ich vergessen, daß ausgerechnet Mme Laurence Parisot, die Chefin des Unternehmerverbands Medef (auch in dieser Top-Position der Wirtschaft gibt es in Frankreich eine Frau) die konservative Regierung erfolgreich kritisierte, weil sie mit der Kündigungserleichterung für jüngere Arbeitnehmer das Gleichheitsgebot (égalité) verletzen würde.

      Beste Gruesse
      Joachim Jahnke

      • elfi sagt:

        Ich kann ihnen in all dem zu stimmen. Nur widerspricht das für mich nicht der Prägung durch die Kindheit.
        Frauen kämpfen um ihre Gleichberechtigung,
        sie emanzipiern sich von ihrer “Unten” Rolle. Sie haben dabei – subjektiv empfunden – weniger zu v e r l i e r e n, denn sie steigen emotional auf. Karriere und arbeitsmässig dann auch.
        Männer haben oft eine andere emotionale Situation. Gleichberechtigung wird subjektiv erlebt wie ein emotinaler Abstieg. Die Schöpfungskrone wackelt.
        Das scheint wenig attraktiv sich dahingehend auf den Weg zu machen. Es scheint für sie nicht so leicht zu sein wahrzunehmen, dass Emanzipation für sie auch ein grosser Vorteil wäre.
        Auch gilt ja bei all dem, was wir hier über “Männer und Frauen” sagen: Es gilt immer von Fall zu Fall ganz individuell abzuklären, wie die Familiensituation und ganze Kindheit verlief. Da müssten wir genauer hinsehen können, wie das bei den von ihnen als Beispiel genannten Frauen im Elternhaus und näheren Umfeld wirklich war.
        Es gab zu jeder Zeit auch – wenn auch im Patriarchat seltener – Familien in denen die Frau eine starke bis sogar dominante Rolle hatte. So haben diese Kinder auch andere Vorbilder, Modelle erlebt. Auch erlebt nun wieder jedes Kind die gleiche Mutter und Vater wieder verschieden. Und auch die wieder benehmen sich ihren verschiedenen Kindern gegenüber nun mal wieder nicht völlig gleich.

        Eine meiner ägptischen Schwägerinnen ist zwar auch in einer patriachalischen ägypt. Familie gross geworden. Sie ist aber eine voll emanzipierte Frau mit einer ausgeprägteren Persönlichkeit als alle ihre vielen Geschwister.
        Sie leitete das Landwirtschaftsministerium in Äypten schon in den 70iger und 80iger Jahren. Lauter Männer arbeiteten unter ihr. Das Geheimnis war hier der Vater, der gerade zu dieser Tochter schon ganz früh ein intensives Vertauensverhältnis fand und wie sie selber sagte immer zu ihr stand. Sie hat für ägpt. Verhältnisse völlig verrückte Dinge getan. Das kann ich hier nicht weiter ausführen. Der Vater hat sie aber nie fallen gelassen. Und das wusste sie.
        Was ich beschreibe kommt aus jahrelanger Abklärung solcher Charakter- und Familienkonstellationen. Und die prägende Rolle der Kindheit bei der Charakterbildung kann mir kaum noch jemand nehmen. Für mich gab es im Laufe meines Lebens zu viele Beweise dafür.

        Nur, jeder Mensch gibt sehr individuell seine ganz eigene Antwort auf das, was er so um sich herum vorfindet.
        Und diese Antwort nenne ich – und nicht nur ich – dann Charakterdispossition. Das Kind hat dabei eine gewisse eigene “Schöpferkraft”.
        Sie sehen ich bin auf diesem Gebiet “unbelehrbar”.
        Trotzdem vielen Dank für ihre Engagiertheit und Antwort.
        Vielleicht melden sich ja u.a. auch noch unsere männlichen Blogteilnehmer. Ich habe nun genug Platz beansprucht.
        Beste Grüsse
        Elfi

  7. Gaby sagt:

    Hallo, Elfie,
    hallo, ihr Mitlesenden,

    Elfie, ich kann Deine geschilderten Erfahrungen aus eigenem Erleben bestätigen. Obwohl ich 1962 zur Welt kam, stand es nicht sonderlich gut mit der gleichwertigen Erziehung und Bildung von Mädchen und Jungen.

    Zudem war mein Elternhaus erzkonservativ – da herrschten noch Ur-Ur-Omas Ansichten, wie sich ein Mädchen zu verhalten und zu bilden hat. Mein Zimmer hieß auch nicht Zimmer, sondern ganz altmodisch „Jungmädchenzimmer“. Als ich keck fragte, ob es denn auch „Jungbubenzimmer“ gäbe, befand mein Vater mal wieder, dass ich nicht „für 5 Pfennig Anstand“ hätte.

    Ebenso falsch war allerdings, wenn ich mich in Gegenwart meiner Eltern anderen Leuten vorstellte mit den Worten: „Ich bin die Gaby, die weniger Anstand hat, als fünf Pfennige wert sind!“ Mutter war vor Entsetzen jedes Mal der Ohnmacht nahe.

    Mit einem Buch auf dem Kopf musste ich als Kind unter Mutters gestrengen Augen im Wohnzimmer auf- und abgehen, um einen geraden Rücken zu entwickeln und Anmut trotz harter Disziplin zu lernen. Anmut war den Eltern wichtig, Bildung nicht, denn die oblag den Männern. Sie stellten mir sogar in Aussicht, dass ich eigentlich keinen Beruf erlernen müsse, schließlich würde ich geheiratet und hätte jemanden, der mich ernährt. Urrrgh, dieses Abhängigkeitsverhältnis war mir bereits als 11-jährige ein Graus.

    Vielleicht hätte es ein langweilig-konservatives Ende mit mir genommen und ich wüsste noch immer nicht, wer Alice Schwarzer ist, wenn ich nicht so einen lustigen Onkel gehabt hätte. Das war ein politisch linker 68er-Vogel, der sich meiner Erziehung ab dem 7. Lebensjahr annahm und grundsätzlich anders dachte, redete und handelte als es meine Eltern taten.

    Für ihn stand außer Zweifel, dass die Ehe für Frauen ein Gefängnis ist und Kinder eine erhebliche Belastung, für Frauen gar eine Fessel, darstellen. Für ihn gab es keinen Grund, Mädchen und Frauen gesellschaftlich schlechter zu stellen als Jungs oder Männer. Auch zweifelte er nie am Intellekt beider Geschlechter. Für ihn stand gleiche Bildung der Geschlechter im Mittelpunkt – ich glaube, das Wort „Anmut“ kannte er gar nicht.

    Getreu seinen Prinzipien blieb er zeitlebens kinderloser Junggeselle und vermutlich nahm ich seine Warnung, dass Kinder für Frauen Fesseln sind, unbewußt ziemlich ernst.

    Bis denne,

    Gaby

  8. Gaby sagt:

    Hallo, Herr Dr. Jahnke,

    erlauben Sie mir bitte zu Ihrem Beitrag von 8.39 Uhr einen Einwand:

    Es ist alles richtig, was Sie schreiben und ich schätze Ihre liberale Einstellung bezüglich der Frauen sehr. Haha, welcher deutsche Mann, gar viel jüngeren Alters, spricht so respektvoll über Frauen wie Sie, ohne nicht doch jede Menge ironischer Untertöne einzuflechten!?

    Allerdings stellen sich selbst die taffsten Frauen eine Glaubwürdigkeits-Falle, weil sie nämlich, und das ziemlich häufig wenn es brenzlig wird, urplötzlich das hilflose Dummchen spielen und dann mehr als dankbar sind, wenn „ein starker männlicher Arm/Intellekt“ ihnen hilft. Im Volksmund nennt man diesen Rückfall vom selbstbewussten ins kindlich-niedliche Verhalten „Susi-Syndrom“ und ich schäme mich jedes Mal für mich selbst und für meine Geschlechtsgenossinnen, wenn das mal wieder passiert.

    Dieses Verhalten hat einen evolutionären Ursprung und hängt mit dem Kindchen-Schema zusammen. Es ist also schwer, diesen Mechanismus zu überwinden.

    Solange Frauen immer wieder derartige Rückfälle in ihrem doch sonst so selbstbewussten Verhalten zeigen, werden sie von Männern nicht vollumfänglich ernst genommen. Auch wenn der Mann die Rolle des Machos ablegen wollte, er bekommt sie ja immer wieder aufgedrängt.

    Ich weiß nicht, wie sich Frauen anderer Länder verhalten, aber in Deutschland habe ich noch keine Frau, selbst meine Personalchefin, kennen gelernt, die, wenn es für sie unüberwindbare Probleme gibt, nicht ein kindliches Verhalten an den Tag legt, wenn sie Männer um Hilfe bitten muss.

    So richtig peinlich wird es, wenn der Personalchefin bei Betriebsversammlungen die Gesichtszüge ob der Fragen der Belegschaft entgleisen und sie hilflos gleichzeitig zur männlich besetzten Geschäftsleitung rechter Hand und zum männlich besetzten Betriebsrat linker Hand guckt. Da springen aber beide Männer hurtig vom Stuhl und eilen zur Hilfe. In Sekunden, völlig wortlos, verhandeln beide Männer, wer das Wort am Mikrophon ergreift und einer von ihnen pauken die taffe Frau aus der Bredouille.

    Au Backe! Ob Alice Schwarzer auch so ist und Simone de Beauvoir ihren Jean-Paul Sartre ebenso verwirrte?

    Mit besten Grüßen

    Gaby

  9. Der Exilant sagt:

    Sehr geehrte Diskutanten,

    wie heute schon in der “taz” thematisiert wurde, ist der Anteil der deutschen Männer, die keine Väter sind sogar noch größer als umgekehrt. Das könnte vielerlei Ursachen haben, beispielsweise diese:

    1.) Soziologische Studien haben ergeben, daß Frauen sich tendenziell in Sachen Partnerwahl nach “oben” orientieren – was gleichzeitig bedeutet, daß dies die Chancen für einen unterdurchschnittlichen oder “nur” durchschnittlich verdienenden Mann eine Familie zu gründen erschwert.

    2.) Männer sind von der Arbeitslosigkeit mittlerweile stärker betroffen als Frauen. Das hängt u. a. damit zusammen, daß beispielsweise in den Branchen Bau, Industrie, Chemie, Bergbau etc. – klassischen Männerdomänen also – größere Arbeitsplatzverluste zu verzeichnen waren, als in eher frauenaffinen Dienstleistungsberufen. Arbeitslose Männer sind jedoch als Partner nicht sonderlich beliebt.

    3.) Der Verlust einer natürlichen Begegnungskultur. Durch eine zunehmend neoliberale und von starkem Konkurrenzdenken geprägten Arbeitswelt gehen oftmals die Möglichkeiten verloren, einen Partner quasi auf niedrigschwelliger Ebene kennenzulernen.

    4.) Die Generation der männlichen Scheidungskinder, besitzen oftmals (wie sozialwissenschaftliche Studien andeuten) nur eine unterentwickelte männliche Identität (fehlende Vaterfigur), was Beziehungsfindung und Beziehungsführung erschwert.

    5.) Es besteht in den Altersgruppen von 15-40 Jahren ein Männerüberschuß in Millionenhöhe, insbesondere in den neuen Ländern.

  10. Jakob sagt:

    Also wenn Schweigen nicht Gold ist, dann will ich auch mal was sagen.
    Ich habe mein Singledasein 1992, da war ich 39, beendet.
    Es hing mir zum Hals raus, immer nur zu gucken, wo ist was los, wo kann man was aufreissen, immer nur feiern und feiern.
    Hätte mich fast umgebracht, das ungesunde Leben.
    Ich lernte eine Frau kennen, drei Jahre jünger als ich, alleinerziehend, drei jährige Tochter.
    Innerhalb einer Woche war alles klar, ich hatte eine Familie.
    War richtig schwer, mit der neuen Situation klar zukommen.
    Zwei Jahre später sagte meine Frau, sie sei schwanger, und wie ehemalige Alleinerziehende nun mal sind, kam dann gleich der Satz:
    “Wenn du das Kind haben willst, dann zieh es gross”.
    Klar wollte ich.
    Dann habe ich 5 Jahre am Herd gestanden, Windeln gewechselt, usw usw.
    Dann war ich reif für die Nervenklinik.
    Es ging nichts mehr.
    Ich kam immer schlechter drauf, die Beziehung litt, ich wollte keinen Sex mehr.
    Noch nicht mal mehr angefasst werden.
    Wir sind dann zur Eheberatung (auf Initiative meiner Frau), wir haben Dinge verändert.
    Ich ging halbtags arbeiten, ich war wieder ein glücklicher Mensch.
    Ich kann mir gut vorstellen, wie es in der traditionellen Ehe aussieht.
    Ich denke, ich weiss schon, warum so viele Ehen kaputt gehen.
    Der ausschliessliche Mutterjob ist mörderisch.
    Das kann auf Dauer nicht gut gehen.
    Zusammen ist man stark.
    Die Arbeit muss gerecht verteilt werden.
    Beide sollten Geld ranschaffen, so weit möglich, und beide müssen die häusliche Infrastruktur aufrecht erhalten.
    Wir leben auf dem Land, der Kindergarten ist um die Ecke, Schulen gibt es auch recht gute hier auf dem Hunsrück.
    Wir haben richtig Glück.
    Scheinbar leben wir aber auf der “Insel der Glückseligkeit”.
    Oder liegt unser Glück darin, dass wir uns wie gleichberechtigte und gleichwertige Menschen behandeln.
    Ich sagte schon, Alleinerziehende sind harte Knochen.
    Die werden in dieser Gesellschaft derart schlecht behandelt, die müssen immer um alles kämpfen.
    Sieht man ja sogar beim Autofahren, welche Dame alleinerziehend ist und welche nicht.
    Da ist viel Aggression in diesen Damen, wenn ich das mal so sagen darf.
    Ich habe davon sehr profitiert.
    Aber, es hat lange gedauert, bis ich mich als der “Schwache” in der Beziehung emanzipiert hatte.
    Im Prinzip ist dieser Prozess noch nicht abgeschlossen.
    Wir haben trotzdem vor gut zwei Jahren geheiratet.

    Was die allgemeine unerträgliche Situation in Sachen Kinder Bildungs und Familienpolitik betrifft folgendes.
    Ich erwarte von unseren regierenden Politikern nichts mehr.
    Diese Klientel ist gegen schlüssige Argumente immun.
    Ich mache meinen Weg auch im miesesten System, weil ich begriffen habe, dass man selber kämpfen muss.
    Die Politik wird nichts verändern, es wird wohl eher noch schlimmer in Sachen Kinder und Familie.
    Wenn ich mich richtig erinnere meine ich, unser Gastgeber hat mit seinen Tabellen nachgewiesen, dass wir im internationalen Vergleich im freien Fall sind, oder schon auf dem Boden aufgeklatscht.
    Die Deppen der EU, wer hätte das gedacht.
    Wo wir doch eine der stärksten Volkswirtschaften der Welt sind.
    Ich habe mir nochmal auf youtube die Filme von Georg Schramm angeschaut.
    Der hat alles zu dem Thema gesagt, was es zu sagen gibt.
    Sehr empfehlenswert, ich muss schon sagen.

    So, der nächste Mann möchte bitte weitermachen.
    Argumentativ habe ich nichts mehr zu bieten, da unsere Damenriege schon alles erledigt hat.
    Da kann ich auch nicht mithalten, ihr seid wirklich gut drauf,

    Schöne Grüsse aus dem Hunsrück, Jakob

    • elfi sagt:

      Nun untertreib mal nicht, und stell dein eigenes Licht nicht so nach unten. Ich habe deinen Beitrag ehrlich und mutig empfunden und informativ und höchst originell!! weil wirklich erlebt.
      Genauso auch den von Giesela u. Anderen.
      Danke
      Elfi

  11. Gisela Weber sagt:

    Hallo an Alle,

    ich als Mutter und Großmutter habe hier leider einen etwas anderen Aspekt einzubringen, obwohl ich mir eigentlich die Mühe sparen wollte.

    Auch ich habe einen riesigen Anteil an schlechten Erfahrungen hinter mir.

    Aber für mich hat das Kinder-Kriegen eine aktive Lebenserhaltungs-Bedeutung und auch eine zukunftsperspektivische Bedeutung nicht nur für mich, sondern für das Leben an sich und für das Leben im sozialen Zusammenhang.
    Das bedeutet viel, manchmal sogar fast unerträglich viel, Arbeit sowie individuellen Verzicht (egal auf welchem Gebiet), besonders dann, wenn die Anerkennung dieser Arbeit fehlt.

    Der fundamentale Monotheismus hat es geschafft, dass das Bild des alleinstehenden Jungesellen als das Ideal und als Maß gilt. Als Beispiel von Unabhängigkeit und ohne familiäre Verpflichtungen.

    Hinzu kommt, dass gleichzeitig die mütterliche Erziehungsarbeit als natürliche Verpflichtung misskreditiert wird und den niedrigsten Stellenwert in unserer Gesellschaft hat.

    Wenn Erziehung, dann professionell.

    Weil die familiäre Erziehung nicht professionell ist ziehen sich die Männer aus der Erziehungsverantwortung.
    Die Erziehungsarbeit an den Schulen wird zurzeit einem Effizenz- und Definanzierungsdruck ausgeliefert, sodass die Pädagogik kaum noch Bedeutung hat.
    Diese Voraussetzungen haben zur Folge, dass sich immer mehr Männer aus der schulischen Erziehungsarbeit herausstehlen und hinterher beklagen sie sich über das Bildungsdefizit ihrer Söhne.

    Das Leben ist nun mal nicht professionell und deshalb müssen andere Vorbilder und andere Maßstäbe her.

    Grüße
    Gisela

  12. Gaby sagt:

    Hallo, Gisela, Jakob und Mitlesende,

    so ungefähr mit 16 Jahren las ich das Buch „Das andere Geschlecht“ der Französin Simone de Beauvoir, das 1949 erschienen war. Simones Hauptanliegen galt der Überwindung der konventionellen Ehe und Familie, weil diese Institutionen nur der Unterdrückung der Frau dienen. Das „Ewig-Weibliche“ gab es für sie ebenso wenig wie die Annahme, ein Mensch würde als Frau geboren. Nein, der Mensch wird von der Gesellschaft geistig und mental zur Frau gemacht.

    Was Ihr beide erfahren habt, ist in diesem Buch beschrieben. Das heißt also, dass sich seit Jahrzehnten die Geschlechterrollen und die Bedeutung der Kindererziehung nur marginal verbessert, wenn nicht sogar verschlechtert haben.

    Und Dich, Jakob, bewundere ich nicht nur für Deine erstaunliche Ehrlichkeit, sondern auch für Deine starken Nerven. Emanzen sind sich schon lange einig, dass allein drei Jahre des Windelnwechselns und der alltäglichen Gaga-Baby-Sprache ausreichen, in die Klapse eingeliefert zu werden. Du hast es auf sportliche fünf Jahre gebracht. Da behaupte noch jemand, Männer wären nicht leidensfähig!

    Bis denne,

    Gaby

  13. Gisela Weber sagt:

    Hallo Gaby,

    Das Bild, das Simone de Beauvoir vermittelt, hat eben nichts mit dem tatsächlichen weiblichen Aspekt dieser Welt zu tun.
    Sie war kinderlos und hat im Prinzip nur den männlichen Aspekt des Lebens vertreten und auch Alice Schwarzer hat in meinen Augen die weibliche Welt an die professionelle Welt verraten.
    Sicher ging es ihr darum, den wirtschaftlichen Anteil der Frauen zu sichern, aber der Fertilitäts- und Lebengebende Aspekt ist bei beiden A. Schwarzer und S. de Beauvoir überhaupt nicht berücksichtigt.

    Für mich geht es darum, dass beide Welten ausbalanciert werden und nicht die eine Welt (männl.Welt) auf Kosten der anderen sich bis zum “Wahnsinn” überemanzipert.
    Jede Frau sollte das Recht auf die spirituelle Erfahrung, Leben zu geben, haben, wenn sie kann oder will, und das sollte sie selbstbestimmt wählen können, ohne dafür ins gesellschaftliche Aus gestellt zu werden, weder finanziell noch sonstwie.

    Da der Hüte- und Pflegeinstinkt auch in Männern angelegt ist. Männer können sogar stillen, wenn sie die Säuglinge öfter anlegen.
    Das ist in geschichtl. Quellen von Kolonialisten erwähnt und auch medizinisch erklärbar, weil auch Milchdrüsen in der männl. Brust angelegt sind.

    Du siehst also Gaby, dass selbst die Natur im Menschen selbst, die Arbeitsteilung angelegt hat.

    Das patriarchale Paradigma hingegen impliziert das Gegenteil.

    Jakob kommt den Lösungen des Problems am nächsten.
    Einfach wunderbar! Alle Achtung Jakob!

    Wenn Du interessiert bist, Gaby, dann empfehle ich Dir mal was von Hannelore Vornier zu lesen, einer zeitgenössichen Kulturkritikerin.(Gib einfach Hannelore Vornier ein und Du findest jede Menge.
    Selbstverständlich können auch alle anderen mal reinschauen).

    Liebe Grüße an Euch alle
    Gisela

  14. localenot sagt:

    @alle

    Alle individuellen Beiträge hier zeigen diese oder jene Erfahrungen mit einer sich offenbar verändernden Ehe- und Familienwelt. Allerdings greifen die üblichen Erklärungen der Gender-Diskussion zwischen Kampffeministinnen und Eheasketen, die das Problem der sinkenden Kinder-Reproduktionsrate bei steigender „Versingelung“ aus der einzelnen gescheiterten Beziehung heraus erklären wollen, historisch nur auf sich bezogen leider zu kurz. Vielmehr sind die Einzelerscheinungen allesamt Ausdruck sich tendenziell wandelnder gesellschaftlicher Verhältnisse, und zwar ökonomischer Natur, mit Wirkung auf Ehe und Familie . Als Teil vom Ganzen können Ehe, Familie und Sexualität nicht losgelöst von gesellschaftlichen Zusammenhang erfolgreich erklärt werden.

    Die vorkapitalistische Bauernwirtschaft vereinte Wohn- und Arbeitsort unter einem Dach. Die Selbstversorgung wurde von Mann, Frau und früh auch von den Kindern organisiert und die geschlechtsspezifische Trennung von Mann und Frau im Arbeitsalltag, in der Hauswirtschaft und bei der Kindererziehung war nicht sehr ausgeprägt. Die Funktion der Frau Kinder zu gebären und diese zu erziehen war nicht separiert von ihrem Beitrag zur der Existenzsicherung. Mit den kapitalistischen Fabriken und der Umwandlung der Bauern in Lohnarbeiter und deren Enteignung vom Land und der Entstehung proletarischer Mietskasernen anstelle der ländlichen Bauernhütten gingen zunächst die Männer arbeiten für Lohn, während die Frauen und Kinder abhängig vom „Versorger“ wurden. Die Gegenleistung war Hauswirtschaft und Sex, der in Kindern endete.

    Das bürgerliche Ehe-Patriarchat war nun bei den Arbeitern angekommen und die Frau abhängiges Anhängsel ihres Mannes und damit unter seiner Kontrolle und in seiner auch sexuellen Gewalt. Wohn- und Arbeitsort waren für die Familie getrennt, die geschlechtsspezifische Trennung der Erwerbsarbeit vollzogen. Ihr blieb ökonomisch nur die Rolle als Dienstleister ihres Mannes für Hauswirtschaft und Sex und als Folge davon der Kindererziehung während der Abwesenheit des Mannes, der zudem wegen der langen Arbeitszeit nur sehr kurz am Wohnort verweilte.

    Die Fabriken dienten anfangs ja eher der Fütterung der neukapitalistischen Drohne und ihrer Lakaien in Staat und Kirche, aber mit der territorialen Ausweitung des Fabriksystems bei gleichzeitiger Steigerung derer Produktivität (technische Revolutionen) mussten sich unweigerlich die kapitalistischen Marktgesetze entwickeln. Die relative Überproduktion an Waren über den Konsumbedarf der Oberschicht hinaus schuf ein physisches Absatz- und Gewinnproblem. Will man sich als Kapitaleigner als Zweck der Übung aus dieser physisch und in der Preissumme wachsenden Wertschöpfung stets den Mehrwert aneignen, braucht es auf der anderen Seite genügend Käufer mit Geld.

    Da die 100% Wertschöpfung schon durch die Männer gegen Lohn erfolgt, der ja z.B. nur 50% der Waren kaufen lässt (Gewinnakkumulation der Kapitalisten oder Umverteilung der Umsatzerlöse), macht man einen Kompromiss: Die Kapitaleigner verzichten auf einen Teil der Mehrwertaneignung und Frauen werden von ihnen und über den Staat (Steuern und Abgaben) massenhaft in nicht wertschöpfende Tätigkeiten (Dienstleistungen) gesteckt: Lehrerinnen, Krankenschwestern, Arzthelferinnen, Sekretärinnen, Staatsangestellte, Köchinnen, Serviererinnen … Sie, die Frauen (neben Kinderarbeit), richten als massenhafter Lohnempfänger so zuerst das Problem der sinkenden Profitrate durch gesellschaftlich erhöhte zahlungsfähige Nachfrage nach der relativen Überproduktion für das Kapital. Die sogenannte Emanzipation der Frau (von der patriarchischen Versorgungsabhängigkeit der bürgerlichen Eheform im Proletariat), ihre letztendliche heutige rechtliche zumindest papierne Gleichstellung und wachsende ökonomische Selbständigkeit, war kein Akt purer feministischer Selbstbefreiung durch ein paar Suffragetten, sondern ökonomisches Erfordernis und Voraussetzung des Überlebens und der Globalisierung der kapitalistischen Produktionsweise seit dem 19. Jahrhundert. (Wir sind hier doch auf dem Infoportal Globalisierung?)

    Tatsächlich blieben der Ehefrau und Mutter innerhalb der bürgerlichen Ehe zunächst aber lange Zeit und verstärkt auch durch zwei Weltkriege und die erstmalig staatliche geldliche Aufwertung der Frauenarbeit und Hausarbeit unter den Nazis (Männer an der Front) die Dienstleistungen Hausarbeit, Sex und Kindererziehung neben der nun noch dazu kommenden Erwerbstätigkeit in den Wirtschaftwunderjahren und bis heute erhalten. (Im Osten war im Gegensatz zum Dienstleistungsbereich im Westen die hohe Erwerbsquote der Frauen in der wertschöpfenden Produktion der Versuch die westliche Produktivität und Warenvielfalt mit Mehrarbeit der Frauen zu erreichen. Vergeblich. Daher sind auch die parteiideologisierten Kita-Hort-Diskussionen ökonomisch nicht haltbar. Deren Grund war der wirtschaftliche Wettbewerb der Systeme West-Ost.)

    Da die Frau vom Kapital nur wegen ihrer Funktion als Konsumentin in die dienstleistende Erwerbstätigkeit integriert und die bürgerlich-patriarchische Eheform der Familiengründung und -entwicklung nicht zufällig beibehalten wurde und der Mann immer noch wenig Zeit zu Hause verbrachte, wurde und blieb die Frau (ob sie nun arbeitet oder nicht, der nachbarliche Sozialneid wirkt gesamtgesellschaftlich Konsum stimulierend), zuständig für familiäres Essen, Kleidung, Spielzeug, Möbel, Kinderberatung … Die Ehe, für wirtschaftliche selbständige Subjekte keine Fessel und Abhängigkeitsverhältnis mehr, musste von Staat (Steuergruppen Singles und Ehegattensplitting) und Kirche im Sinne des Konsumterrors des Kapitals zu seinem Selbsterhalt stets als kleinste Zelle der Gesellschaft propagiert werden. Denn nur da kann man das Problem der wachsende Warenmengen und fallenden Profitraten auf einem Binnenmarkt lösen: Wenn jedes durch die Gehirnwäsche der (sexistischen) Reklameindustrie der Kapitaleigner und den nachbarlichen Sozialneid zum Kauf stimulierte Familienmitglied einen Fernseher, Walkmann, CD-Player, Recorder, Radio, Telefon, Auto… hat und die Mode jährlich den allgemeinen Kleiderwechsel bedingt und alle alle auf die Balearen müssen und das neue Haus muss her mit Alarmanlage, Möbeln innen und außen und Küchen wie zur Frontverköstigung … Die Ehehaushalte sind als Lagerumschlagplatz der relativen Überproduktion der Spiegel der Supermärkte und der Lager der kapitalistischen Produzenten und müssen im gleichen Takt wie die Bestückung der Regale kaufen und konsumieren. Die Frauen sind so nach und nach die vom Kapital angebotsgesteuerten Einkaufmanager und Einkaufberater ihrer Männer und Kinder geworden mit dem Auftrag die Umschlagsgeschwindigkeit des Konsums zur Rettung der Profitrate und des Kapital selbst in ihrer kleinsten aber gut organisierten Konsumzelle zu managen. Haushalt, Sex, Gebären, Kindererziehung, Erwerbstätigkeit – alle Funktionen werden im Konsummanagement kapitalistisch optimiert.

    Aber: Dadurch, dass die gewaltige Leistung des immer beschleunigteren häuslichen Konsummanagements neben der Erwerbstätigkeit der Frau (und die nicht arbeitende Nachbarin bekommt den selben Leistungsdruck über den vorgeführten Konsumreichtum an Handtaschen und Schuhen) immer mehr Zeit beansprucht und die Familienmitglieder nur noch als Konsumenten und mit Nachfragefunktion wahrgenommen werden, und Kinder als Kostenstelle Konsumbremsen für die Frauen und dann auch die immer mehr verarmenden Männer selbst sind, entfallen auch die anderen ehelichen Funktionen: Kultur, Gespräche, Sex, Gebären, Kindererziehung. Der Ehemann wird damit seine letzte Funktion, die es Erzeugers los, denn aus den anderen wurde er ja durch die Umwandlung der ursprünglich in der vorkapitalistischen Bauernwirtschaft familienbezogenen Frau in den Konsumbeauftragten des Kapitals schon entfernt. Die bürgerliche Ehe hat durch ihrer Kapitalisierung ihre einengende Funktion verloren und die Frauen, so sie sich aus Erwerbstätigkeit in Dienstleistung und Verwaltung selbst ernähren, kleiden und sexuell am Markt bedienen können brauchen weder Ernährer, noch Erzeuger. Und das sind zuerst die Bildungsbürgerinnen.

    Und so erwächst dem Kapital, das sich gerade liebevoll mit der gesamten Reklamewirtschaft den weniger werdenden Kindern zuwendet, um deren Konsumgeschwindigkeit zu erhöhen und der Pabst und die Regierung unter der kinderlosen Akademikerin Merkel der Rettung der Familie ein hausgemachtes Problem: Die künftigen Konsumenten schwinden, aber das Kapital braucht sie im Binnenmarkt, damit die niedrigeren Löhne und höhere Mehrwertraten erzeugen und so die Profitrate halten. Waren werden heute immer mehr nur noch zur Selbstbefriedigung eigener Bedürfnisse gebraucht, keinesfalls für ein Familienleben. Daher die sexistische Reklame allerorten, die immer wieder zu dieser Art der egozentrischen Bedürfnisbefriedung nur durch Warenkonsum anregt. Da wächst nicht mehr zusammen, was familiär zusammen gehörte. Kinder kriegst du, wenn die groß sind. Die Binnenmarktkonjunktur, jedenfalls, wird leiden. Mit Inflation.

    • globalnote sagt:

      @localenot,

      Leider geben Sie, wenn ich Ihren Beitrag richtig verstehe, keine ausreichende Erklärung, warum die Kinderlosigkeit in der Ehe nicht steigt, so daß sich die Entwicklung auf den Rückgang der Eheschließungen bezieht, und im übrigen vom Haushaltseinkommen weitgehend unabhängig ist. Natürlich kann der Rückgang der Eheschließungen viel mit dem egoistischen Streben nach Unabhängigkeit auf beiden Seiten der Geschlechtertrennung zu tun haben und das kann dann auch ökonomischen Gesetzmäßigkeiten folgen. Doch überzeugen mich solche rein ökonomischen Erklärungsversuche wenig. Vielleicht haben sich tatsächlich die Männer in Deutschland und vielen anderen Ländern (außer Skandinavien, und – wenn auch weniger – Frankreich) noch nicht von ihren antiquierten Rollenmodellen gelöst, die ihnen die Herrscherrolle in den Familien garantieren. In einigen Ländern hängt auch noch das Weltbild der katholischen Kirche im Hinterkopf. Jedenfalls scheint die Abneigung gegen die Ehebindung mehr von den Frauen auszugehen (wie auch das Scheidungsverlangen) und steigt mit dem Bildungsgrad der Frauen. All dies weist auf einen Anpassungsverzug der Männerwelt hin. In Deutschland werden im übrigen die Frauen im Arbeitseinkommen mehr diskriminiert als in fast allen Alt-EU-Ländern, was ebenfalls nachdenklich machen sollte.

      Beste Gruesse
      Joachim Jahnke

      Beste Gruesse
      Joachim Jahnke

      • localenot sagt:

        @Globalnote
        Die höher Gebildeteren, alleine und als verheiratete Paare, bleiben vorrangig lange oder ganz kinderlos, das zeigen ja auch Ihre Bilder. Und genau das ist das Verwerfen der bürgerlichen Ehe durch die Sozialisierung in höhere Karrieren und Einkommen, wo Frau Mann und Kinder als Dienstleister nicht mehr versorgt, sondern sich genauso versorgen lässt, wie es die Kapitalisierung ihrer Arbeitskraft heute ähnlich der des einst von ihr bedienten Mannes früher notwendig machte: Jetzt bleibt nur noch Libido, Essen kommt per Anruf und fehlender Kinderkonsum wird zum eigenen Konsum. Die Arbeiterfrau wird wegen des Niedrigeinkommens stets die ihr vom ökonomischen System zugängliche gemachte Arbeitssozialisierung und Kindernachschub weiter im Rahmen der bürgerlichen Eheabhängigkeit erfüllen und schlimmstenfalls allein erziehend und prostituiert, während die Bildungsbürgerin für den Aufstieg nach oben nicht mehr die bürgerliche Ehe und Familie notwendig braucht und dennoch weniger verdient als ein Mann, also auch hier die Dumping-Funktion und Mehrwerterhöhung nur eben auf Managementebene erfüllt. Die Schwangerschaftsverhütung kam doch genau rechtzeitig, damit das System die gewinnerhöhende Kapitalverwertung der Frauenarbeit als Produzent und Konsument auf allen Ebenen in den weniger und mehr gebildeten Schichten als Arbeitssozialisierung anbieten kann. Nur können die mit viel Geld auf die bürgerliche Eheform eher verzichten und brauchen auch keine Reservearmee erzeugen. Sie könne Kinder in jedem alter haben und ohne Mann.
        Damit sagt die Statistik, dass die aus Geldmangel noch schlecht überwindliche bürgerliche Ehe in den unteren prekären Schichten für Kindernachschub und Reproduktionsrate sorgt, wenn auch noch zu wenig und abnehmend durch die Singlehaushalte mit Kindern, während in den höheren Bildungsetagen die bürgerliche Ehe selbst im kinderlosen Paarleben überwunden und Resultat äußerer Einwirkung nicht zufälliger identischer Entscheidungen von Mehrheiten der weniger und hoch Gebildeten sind. Beides besteht nebeneinander aber entspringt derselben ökonomischen Ursache der Absatzsicherung und Erhöhung der Mehrwertrate zum Schutz der Profitrate durch Kapitalisierung der Arbeitskraft von weniger und sehr hoch gebildeten Frauen, die ohne diese Notwendigkeit Profitraten stets zu erhöhen, alle immer noch zu Hause sitzen würden.

        Beste Grüße dito

  15. Fred sagt:

    Hallo Frauen und Männer.

    Hier noch ein Männerstatement

    Deutschland ist ein kinderfeindliches Land. Es gibt aber auch gute Beispiele, die zeigen, dass die familenfreundliche Versorgung und Gestaltung des Gemeindelebens eine wichtige Größe ist. Ich habe neulich viel Zeit in einem Dorf am Stadtrand einer Kleinstadt verbracht, in dem die Versorgung der Familien mit Kindergarten und einer Grundschule mit engagierten kreativen Lehrern sehr gut war. Auch wurden oft irgendwelche Kinder-Events veranstaltet und ein Sportverein mit unterschiedlichen Angeboten war auch in der Nähe – weiterführende Schulen ebenso. Ich hörte dann, dass in diesem Dorf die Kindergeburtenrate im Vergleich besonders hoch war. Ein kinderfreundliches Klima erhöht also die Geburtenrate.
    Wir brauchen ohne Frage flächendeckend familienfreundliche Bedingungen.
    Aber selbst dann könnte es sein, dass die Neigung der Menschen in Deutschland, Paare zu bilden und Nachwuchs in die Welt zu bringen, gegenüber früheren Zeiten in Deutschland relativ niedrig bleibt. Normalerweise läuft in allen Lebewesen auf diesem Planeten irgendwann das biologische Programm der Vermehrung an. Nur bei so vielen deutschen Frauen und Männern nicht. Ich gehöre auch zu denen, bei denen dieses Programm nicht angelaufen ist. Vollkommen in Ordnung – das hätte nicht zu meinem freiheitsbetonten Leben gepasst. Diese Welt bietet viele Möglichkeiten auch ohne Kinder ein erfülltes Leben zu führen. Und so gibt es auch viele Menschen, die eine berufliche Karriere einer Familiengründung vorziehen.

    Die Verwirklichung des Wunsches nach Kinder erfordert eine zukunftsfähige Partnerschaft.
    Ich habe heute eine Freundin befragt, die in ganz jungen Jahren ihr erstes Kind bekommen hat – aber eigentlich gerne noch mehr Kinder wollte. Auf meine Frage, warum es nur bei einem geblieben ist, meinte sie, dass sie das wegen finanzieller aber auch partnerschaftlicher Unsicherheiten nicht realisiert hat.
    Eine unsicher Zukunft hemmt anscheinend den Zeugungswillen.
    Die wirtschaftliche und politische Zukunft ist unsicher wie wir wissen.

    Woher kommen die Unsicherheiten in einer Partnerschaft? Warum werden so viele Ehen geschieden?
    Ich konnte in etlichen langjährigen Partnerschaften – auch mit Kindern – das Scheitern hautnah „studieren“ und habe mit vielen Männern gesprochen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben – hier mal einige Gedanken dazu:

    Ich habe seinerzeit als junger Mann die Emanzipationsbewegung der Frauen in meinem politischen aber auch privaten Umfeld sehr intensiv wahrgenommen. Und ich hatte den Eindruck, dass da ein Jahrhunderte langes Unrecht mit aller Gewalt in kürzester Zeit korrigiert werden sollte. Männer sind Machos, sexistisch und tendenziell asozial – Schluss mit der Männerherrschaft – hieß es. Ich und viele andere Männer auch fühlten uns vollkommen überrollt – da bekam man mitunter sogar ein schlechtes Gewissen, nur weil man ein Mann war….
    Plötzlich fingen die Frauen an Ansprüche an ihr Leben und ihre Partner zu stellen. Sie wollten am gesellschaftlichen Leben teilhaben und die Männer sollten ihnen Arbeit abnehmen um ihnen die Zeit dafür zu verschaffen. Für uns Männer fiel nicht nur die gewohnheitsmäßige Versorgung durch die Frau flach, sondern wir wurden auch noch mit Arbeiten beauftragt, von denen wir gar keine Ahnung hatten – z.B. Kinderversorgung und Erziehung, Kochen usw.

    Ja sollen wir Männer jetzt die Frauen und Männerrolle übernehmen? – Und wenn die Frauen einen Teil ihrer alten Frauenrolle einschränken und sie dem Mann aufdrücken – kann das für einen Mann noch eine attraktive Partnerschaftsperspektive sein? Braucht ein Mann nicht auch Fürsorge , Verständnis und will von seiner Frau für den tollsten Mann auf diesem Planeten gehalten werden?

    Frauen haben neue Ansprüche und Erwartungen entwickelt und Männer haben sich überwiegend noch nicht von ihren alten Ansprüchen und Erwartungen gelöst.
    So einfach ist das für einen Mann auch nicht – muss ich den Frauen hier mal sagen – zumal unsere Mütter uns unser tief verborgenes Idealbild einer Frau prägend vorgelebt haben.

    Erwartungen – besonders wenn sie nicht ausgesprochen oder fordernd vorgetragen werden – sind m.E. der Partnerschaftskiller Nr.1. Erwartungen üben Druck aus, werden enttäuscht oder widerwillig erfüllt – was dann zwangsläufig zu einer offenen oder verdeckten Unzufriedenheit führt.

    Ich glaube, dass es wichtig ist mit viel Achtsamkeit und gegenseitigem Respekt in eine Partnerschaft zu gehen und auf unausgesprochene Erwartungen zu verzichten. Es ist besser, wenn man gegenseitige Wünsche äußert, jede Nichterfüllung klaglos respektiert und zu Beginn einer Partnerschaft gemeinsam die Wunschvorstellungen und Rollenverteilung in der angestrebten Familie skizziert.
    Ansonsten sollte man sich vergegenwärtigen, dass es in einer Gemeinschaft auch immer um Geben und Nehmen geht – also ist darauf zu achten, dass die Bilanz in etwa ausgeglichen ist. Und so kann der Mann mit Sonderleistungen durchaus auch zur zeitweiligen Erfüllung seiner uralten Wünsche gelangen…..

    Beste Grüße
    Fred

  16. Gaby sagt:

    Hallo, Ihr Lieben,

    durch Freds Kommentar fühle ich mich berufen, noch ein Statement abzugeben: Ich bewege mich gewöhnlich im sogenannten deutschen Mittelstand und lebe auch dort.

    Ich zolle den Männern in diesem Blog meinen ganzen Respekt, denn ein solch’ anständiges Verhalten gegenüber Frauen, das sich hier erlesen lässt, begegnet mir zwar jeden Tag im Beruf, im Freundes- und Bekanntenkreis, in der Ehe sowieso, aber doch häufig mit einem sexistisch-ironischen Unterton.

    Dieses permanente männlicherseits hinter vorgehaltener Hand Lächerlichmachen der Frauen, fehlt in diesem Blog gänzlich.

    Für mich ist das eine völlig neue Erfahrung. Hier hat sich unvermuteter Weise, entgegen aller meiner gestrigen Befürchtungen (= Bei diesem Thema liegt Power auf der Lauer), ein Raum geöffnet, in dem Frauen und Männer offen reden können. Solch paradiesische Verhältnisse habe ich bisher noch nie erlebt, denn gewöhnlich treten deutsche Menschensäugetier-Weibchen und -Männchen gegeneinander an.

    Aber, das will ich ausdrücklich betonen: Die ganz jungen Frauen meines Alltags (14 – 25) sind heute nicht besser, als es die Männer einst waren. Wenn sich die Gelegenheit bietet, fallen die ganz jungen Frauen in derart unangemessener Weise über den gleichaltrigen Mann her, auch in verbal derber Weise, wie es sich die Männer gegenüber den Frauen seit Mitte der 1980er Jahre nicht mehr erlauben dürfen. Und das machen sie ganz offen und ohne Strafe.

    Frauen sieht man heute kleine Ausrutscher im kulturellen Leben mit Männern nach. Heute käme kein Vater mehr auf die Idee, der Tochter nachzusagen, sie hätte nicht für 5-Pfennig Anstand, wie das zu meiner Kinderzeit Alltag war, wenn ich kritische Gedanken entwickelte und äußerte.

    Die ganz jungen Frauen kritisieren und kichern den Mann öffentlich nieder, nur im Rudel, versteht sich. Sie kriechen aber gleichzeitig wieder in dieses dummblöde Susi-Syndrom, wenn sie sich hilflos fühlen. Das ist ein Zustand, den ich, die überzeugte Feministin, zutiefst verabscheue.

    Der Geschlechterkampf filtriert sich heute vielfach darin, dass sich so alte Frauen wie ich, bewusst sind, wofür die Feministinnen einst kämpften, weil ich ja selber in den 1970/80ern mitkämpfte, mit der Polizei in Kontakt kam und meine konservativen Eltern Zeter und Gomorrah schrien, mich gar auf der Fahndungsliste der Top-Terroristen der RAF oder der “Roten Zora” sahen.

    Die heutigen jungen Frauen nehmen ihre von Geburt an geltenden Rechte selbstverständlich hin und fragen nicht, woher die kommen. Die Welt war schon immer so, glauben sie, vermutlich durch die Fernsehlandschaft geschädigt und durch die Medien verdummbatzt.

    Es sind heute vielfach die ganz jungen Frauen, die Etikette, Anstand und Benimm lernen müssen, statt dass die deutschen Männer dieser Maßnahme bedürfen und das sagt ausgerechnet

    der einst so reaktionäre Blaustrumpf

    Gaby,

    die für ihre Überzeugung und dem Kampf um eine femininere Welt ab der Volljährigkeit aus dem erzkonservativen Elternhaus rausgeschmissen wurde, weil die Eltern jede andere Lebensform, als die erzkonservative, nicht ertragen konnten.

  17. localenot sagt:

    @Fred

    Hallo. Deutschland ist nicht kinderfeindlich. Kinder sind bloß egal. Ich hatte ja versucht zu sagen: Was nicht kapitalisiert werden kann, erfreut sich keiner gesellschaftlichen Aufmerksamkeit von oben (CDU-Wahlprogramm: ist fehlerhaft vor Gott und steht nicht im Mittelpunkt. Schon mal Fr. Merkel mit Baby auf Arm gesehen um Jungwähler/innen zu gewinnen?) .
    Das sind mit Werbung, Talkshows und in Supermärkten sozialen Neid fördernd konditionierbare Minikonsumenten (Mama ist der Konsummanager) und künftige Hilfsarbeiter oder Arbeitslose, die für wenig Geld viel Mehrwert schaffen und ansonsten, wie ihre Mütter das produzierte Gott sei Dank selbst kaufen. Bis auf den neuen Mehrwert, den sie schaffen. Naja. Heißt jetzt Finanzkrise.

    Und: Eine unsichere Zukunft erhöht ganz anderen Willen. Die Prollmädchen verdienen weniger als die Prolljungs und bleiben oft allein, in ihrem Kinderreichtum arm und daher aus allen Richtungen erpressbar und die Bildungsladies bleiben auch allein, aber reich und unabhängig gegenüber den Prollmädchen wenn auch viel ärmer als die Männer in vergleichbaren Jobs und können sich wie Madonna von den Prollmädchen jederzeit und in jdem Alter ein Kind kaufen oder von einem getesteten Prolljungen per Spende designen lassen.

    Die einen haben Angst, dass das Geld nicht zum Leben reicht, die anderen, dass das Leben nicht zum Geldausgeben reicht. Völlig krank dieses Endstadium.

  18. elfi sagt:

    Hallo localnote,
    sicher erklärt sich sehr viel aus der gesellschaftl. Produktionsweise, der Kapitalgewinnung….
    Tatsächlich entgehen dir doch aber m.M. mit dieser Ausschliesslichkeit deiner Erklärung viele anderen Lebensaspekte, die menschl. Handeln auch noch bestimmen.

    Die Geschichte ist voll mit Beispielen, dass gebildete Töchter und Söhne aus betuchtem, bis sehr reichem Elternhaus, ihre Familie und Klasse verlassen haben, ihr Vermögen verloren und auf eine Karriere verzichteten.
    Nicht nur das. Sie setzten ihr Leben aufs Spiel, verloren es auch oft dabei, mussten in der Folge oft dann emigrieren. Ein oft sehr schweres Leben wartete auf sie.
    Wie erklärst du Lebensläufe wie die von Vera Figner, Emma Goldmann, Peter Kropotkin, Rosa Luxemburg, Karl Marx, Patrice Lumumba, Salvadore Allende, Nelson Mandela, Ghandi, Mao, Dalai Lama und viele der jetzigen Präsidenten in Lateinamerika u. viele viele andere mehr??
    Sie alle hatten Bildung und oft auch den familiären Hintergrund, um in ihren Gesellschaften erfolgreich ein langes Leben zu führen um ihr Geld dabei auszugeben.

    Wenn man ihre Biographien aufmerksam liest, dann merkst du, dass es in der menschlichen “Seele” noch ganz ander Antriebskräfte gibt, als du sie beschreibst.
    Sie haben etwas damit zu tun, dass der Mensch Stiefel im Gesicht nicht gerne sieht, selber wenn sie im Gesicht eines anderen stehen. Und dass sie noch mitfühlen und mitleben können, dass sie das Gefühl der Verbundenheit mit anderen kennen gelernt haben. Und das zieht sich wie ein roter Faden durch ihr ganzes Leben.
    Von Dienstmädchen manchmal erzogen, entwickelte der eine oder andere sehr früh ein Gefühl der Solidarität mit diesen Schichten, weil sie erlebten, das sind ja Menschen wie ich.
    Soetws gibt es auch localenot und mir scheint, dass dir das entgeht, wenn du bei diesem “nur” histor.- materialistichen Ansatz stehen bleibst.
    Beste Wünsche
    Elfi

    • elfi sagt:

      PS.
      Wieviele Frauen haben in ihren Familien erlebt, dass sich die Mutter – kam es hart auf hart – unterordnete? Und sie haben sich entschieden: Mir soll es nicht so gehen.
      Das weiss ich definitv von nicht so wenigen Frauen: Ohne Liebe und Verstehen wollen sie, wir, lieber alleine bleiben. und das mit dem Verzicht auf Kinder ergibt sich dann daraus.
      Was ist daran so schwer zu verstehen?

      • globalnote sagt:

        @elfi,

        Sicher kann ich das mit der Muttererfahrung verstehen.

        Doch erklärt es sicher nicht die Masse der “Ehe- und Kinderverweigerinnen” (schon 1/3 der Frauen mit Hochschulabschluß!). Da muß mehr sein. Vieleicht liegt auch ein großer Teil der Ursache bei den nicht heiratswilligen Männern, die auch nicht mehr so leicht wie früher die passende Frau finden können?

        Schließlich sollte es doch den Frauen nicht so leicht fallen können, sich gegen Kinder zu entscheiden und damit gegen etwas, was immer noch (trotz aller Emanzipation) Teil ihrer in den Erbanlagen zementierten natürlichen Rolle ist.

        Frauen und Männer, die sich gegen die Ehe und praktisch damit gegen Kinder entscheiden, handeln im Übrigen m.E. meistens sehr kurzsichtig, und oft leider nach dem Rezept, Kinder kann ich auch noch später bekommen. Doch biologisch ist die Uhr sehr oft dann schon abgelaufen. Es ist ja oft so, daß nicht eine Entscheidung gegen Kinder getroffen wird, sondern für Kinder, aber später.

        Und endlich: Das Mutterbild mit der Unterordnung, ist doch für die jüngsten Generationen von Frauen im heiratsfähigen Alter, die trotzdem nicht den Sprung tun, gar nicht mehr so vorhanden, weil sich die meisten Frauen auch als Mütter schon seit vielen Jahren nicht mehr beliebig selbst unterordnen und schon längst ihre eigenen Töchter gegen die Unterordnung erziehen.

        Beste Gruesse
        Joachim Jahnke

      • localenot sagt:

        @elfi

        Da sind wir doch aber alle wieder schön beisammen (ich hab’s genauso erlebt und div. mehr):

        Frau hat ohne unabhängig (sie und Kinder) machendes Einkommen keine materielle Macht und muss bei starkem (meist dummem, weil an Familie und Kind uninteressierten, aber bis ins Alter an Sex mit wem auch immer interessiertem Ehemann) nichts zu sagen.

        Mit eigenem = Selbstbestimmung. Warum nur 70% einkommen des Manens, ob unten Arbeiter oder oben Obertussi = egal. Wenn morgen D wieder aus ökonomischen Gründen faschistisch wird, seid ihr Damen wieder ohne Jobs und Freiheit.

      • globalnote sagt:

        @localenot,

        Vielleicht bin ich etwas altmodisch. Aber Formeln, „wie aber bis ins Alter an Sex mit wem auch immer interessiertem Ehemann“ oder “Wenn morgen D wieder aus ökonomischen Gründen faschistisch wird, seid ihr Damen wieder ohne Jobs und Freiheit” scheinen mir schrecklich überzogen, von der “Obertussi” ganz abgesehen. Das wird der Diskussion kaum helfen.

        Beste Gruesse
        Joachim Jahnke

      • localenot sagt:

        Nach allen Berichten stellen die reicheren und einkomensstärkeren älteren Männer den Hauptanteil an Freiern und das >1 Mio. mal täglich. Sind also zahlungsfähig und interessiert und mit wem auch immer, der grade Dienst hat.(Gibt es wegen der hohen Konkurrenz jetzt auch neben/gegenüber Jobcentern, wo man gegen Vorlage ALG-II Bescheid Rabatte bekommt.)

        Wenn eine gesellschaftliche Wende eintritt, die eher nach rechts als links von Kapital zugelassen wird wie nach der 29-ger Krise, dann sind zuerst die Frauen wieder bei K&K, weil dazu auch ein erzkonservatives Familienbild gehört. Und diese Krise jetzt ohne Lösungen hat noch nicht mal im Arbeits- und sozial Bereich voll durchgeschlagen. Die Wirtschaftsistitute fangen gerade an nach freiwilligem Lohvrzicht zu rufen. Ich habe deshalb heute ma die Statistik geprüft, auf wessen Niveua die neuen Löhne im schönen D denn gebracht werden könnten und auch Steinmeiers Ankündigungen solcher Lsungen nachgerde errwartet. Siehe oben das Ergebnis.

        Bei der unbekannten “Obertussi” entschuldige ich mich, wahrscheinlich hatte ich Frau U.Schmidt, die personifizierte Sozialfürsorge des Kapitals vor Augen ;-)

    • localenot sagt:

      @ elfi

      1. Wirf dein Einkommen bei Erhalt in den Gulli.
      2. Als Dienstmädchen.
      3. Verlasse so dein Elternhaus und werde ohne Geld nach 24-48 Stunden Hunger Führer einer nationalen oder Weltbewegung zwischen + und -.
      4. Schreibe ohne Zwang und Geld schlaue Bücher, die die ohne Geld kaufen.
      5. Sei grüßt, Zorro. Nährer der Armen und Beeigner der Enteigneten! Mögen alle menschen we Ihr geld in den Gulli werfen. Du Ex-Betuchter.

      Elfi, das sind Kinderträume.

  19. Fred sagt:

    Hallo an alle.

    Ich glaube auch, dass die Frauen heute viel selbstbewusster sind und in vielen Haushalten die dominante Person darstellen – auf der anderen Seite gibt es natürlich die finanzielle Abhängigkeit, wenn die Frau allein die Kinder großzieht – was bis zum 6. Lebensjahr meines Erachtens auch natürlich und sinnvoll wäre. Das heißt, trotz des oft vorhandenen Selbstbewusstseins, das sich auch aus der Lebenserfahrung – Kinder in die Welt zu bringen – und Erziehung und Familienversorgung zu organisieren – entwickelt, bleibt die Frau letztlich machtlos. Sie liefert sich dem Mann aus, wenn sie ihren Beruf aufgibt und sich für Kinder entscheidet. Hinzu kommt, dass in unserer schnelllebigen Zeit ein zeitweiliger Ausstieg aus dem Beruf sehr riskant ist. Das Vertrauen in den Mann und in die Zukunft ist m.E. ein wichtiger Grund für die Entscheidung der Frau, Kinder in die Welt zu bringen. Ich habe gestern nochmal mit einer anderen Freundin gesprochen und sie behauptete ein großer Teil der Männer würde überhaupt nicht verstehen, was es es für eine Frau heißt, ein Kind zu gebären und zu versorgen. Etliche Ehen scheitern schon nach dem ersten Kind, weil sich viele Männer ihre Frauen als Mama-Ersatz suchen und vollkommen fertig sind, wenn sich ihre Frau in erster Linie um das Baby kümmert und in dieser Phase oft keine sexuellen Bedürfnisse hat.
    Es gibt einen großen Konflikt der Ansprüche – Frauen haben in der Emanzipationsbewegung, die sich ja bis heute z.B. auch in den Themen der Frauenzeitschriften ausdrückt, umfassende Kenntnisse über das Frau sein, über die Aufgaben, die für eine Mutter anstehen – Konflikte in der Partnerschaft usw. erworben. Während der Mann in der Mehrzahl seine Hauptaufgabe in der finanziellen Versorgung der Familie sieht und dafür Fürsorge und Sex erwartet und sich mit den anderen Fragen so gut wie gar nicht beschäftigt – von rühmlichen Ausnahmen abgesehen.
    All diese Fragen müssten meines Erachtens viel tiefer gehend schon in der Schule vermittelt werden, weil sie von existenzieller Bedeutung sind.

    Beste Grüße
    Fred

  20. Gaby sagt:

    Schönen guten Tag,

    heute ist Montag und an Montagen darf ich seit April nicht arbeiten gehen, weil ich zur Kurzarbeit verdonnert bin.

    Vorhin war ich im REWE, um ein bisschen Geld unter’s Volk zu bringen. Der Laden war, wie meistens in den letzten Wochen, ziemlich leer. Auf dem Weg zur Kasse schlenderte ich an den Zeitungsauslagen vorbei und hätte augenblicklich vor Ärger aus der Hose springen können. Titelgeschichte DER SPIEGEL: „Die große Sorge um die lieben Kleinen – Ein Plädoyer für mehr Gelassenheit in der Erziehung“.

    Als ich Jugendliche war, fing es an, dass Kinder nicht mehr als selbstverständlich wahrgenommen, sondern als Problemfälle angesehen wurden. Damals war der Hauptdiskussionspunkt, ob man sie autoritär, antiautoritär oder laissez-faire erzieht. Es wurden über all die Jahrzehnte tonnenweise Erziehungsratgeber gedruckt und mit jedem Druckwerk schien es komplizierter zu werden, überhaupt ein Kind zu zeugen.

    Und jetzt soll der ganze Hype wieder rückgängig gemacht werden? Nee, ihr lieben Experten, so nicht! Ihr könnt nicht jahrzehntelang Kinder zur Urkatastrophe einer Frauenbiographie erklären und nun erwarten, dass sich von heute auf morgen elterliche Gelassenheit einstellt.

    So ein Quark!

    Gaby

  21. elfi sagt:

    Hallo Herr Jahnke.
    Hallo an alle,
    gestern sagte mir ein Bekannter: Männer heiraten heute nicht mehr, weil sie fürchten beim Scheitern der Bez. auch das Kind an die Frau zu verlieren uud dann nur noch Zahlende sein dürfen.
    Soweit hatte ich noch gar nicht gedacht. Er selber hat sogar 5 Kinder. 2 aus erster Ehe blieben tatsächlich auch bei der Frau.
    Da muss ich bescheidener zurück krebsen und zugeben, dass ich einen zu wenig breiten Einblick in die Gemütslage gerade der jungen hier angesprochenen Generation habe.
    Neugierig geworden durch die Diskussion hier, habe ich mir vorgenommen in der nächsten Zeit die Gelegenheit zu nutzen – wenn sie sich ergibt – genauer im Gespräch einmal nachzufragen bei genau dieser jungen Gruppe von Frauen und Männern.

    Frauen sind heute oft selbtbewusster, das ist auffallend und vielleicht haben ja Männer gerade u.a. deshalb Probleme die geeignete Partnerin zu finden.

    Ob wie sie, Herr Jahnke, das vermuten es den Müttern schon so völlig gelungen ist ihre Töchter heute gar nicht mehr zur Unterordnung zu erziehen, bin ich nicht so sicher. Mit der oben gemachten Einschränkung, dass ich mich bei dieser Generation zu wenig kundig gemacht habe, habe ich doch auch ähnliche Beobachtungen gemacht, wie sie Gaby mit dem Susi Syndrom andeutete.
    Mir stellt sich die Frage: Wenn es den Müttern gelungen ist ihre Töchter zu Frauen zu erziehen (ganz ohne Neigung zur Unterordnug) müsste es diesen Müttern dann nicht auch gelungen sein emanzipierte Söhne zu erziehen?

    Keine Kinder bedeutet oft weniger Sorgen und Arbeit, aber auch für mich hat das 2 Seiten: Es ist auch ein Verzicht auf das Abenteuer Leben in grosser Nähe heranwachsen zu sehen ……

    Noch ein Aspekt:Ich kenne einige aufgeschlossene und recht mutig im Leben stehende Frauen und Männer, die ihre Eltern allen Ernstes gefragt haben: Wie konntet ihr nur Kinder 8d.h. uns)in diese Welt setzen. Sie selber haben auch nun keine Kinder.
    Auch mir ging das u.a. so
    Danke für die Anregungen, das Forschen diesbez. geht also weiter.
    Elfi

    • globalnote sagt:

      @elfi,

      Wir dürfen auch nicht aus den Augen verlieren, daß viele andere Länder in Westeuropa, vor allem Frankreich, Irland und die skandinavischen durchaus ihr “Fortpflanzungssoll” erbringen können, die Emanzipation der Frauen also nicht gegen den Kinderwunsch stehen muß. In Deutschland scheint da mehr hinzuzukommen. Vielleicht sind wir einfach eine Nation geworden, die immer nur die Probleme sieht, nicht aber die Lösungen.

      Und vielleicht trägt auch unser Spitzenplatz in neoliberaler Ausbeutung und Konkurrenz dazu bei. Ich kann das leider nicht gegeneinander abwiegen. Aber vielleicht bringt Ihre Praxissondierung mehr.

      Übringens: In den neuen Bundesländern ist es nicht so schlimm mit der Kinderlosigkeit, warum eigentlich (nur bessere Kindergartenplätze?)?. Dabei waren die Frauen dort zu DDR-Zeiten doch eher mehr emanzipiert und berufstätig als im Alt-Bundesgebiet.

      Beste Gruesse
      Joachim Jahnke

  22. Gaby sagt:

    Hallo, Elfi,
    hallo, liebe Mitlesende,

    als Jugendliche habe ich einst meine Oma, eine sehr emanzipierte Frau, die bis zur Rente als selbstständige Steuerberaterin tätig war, gefragt: „Warum hast du eigentlich zwei Kinder? Antwort: „Die sind ganz selbstverständlich gekommen.“ Und als ich sie fragte: „Kannst du mir raten, Kinder zu kriegen?“, sagte sie ganz schroff: „Nein!“ Das hat mich damals erschrocken und beeindruckt zugleich und diese Antwort war sicher mit ein Grund, mit gegen Kinder zu entscheiden.

    Übrigens: Die Frauen der ehemaligen DDR haben ganz anders „getickt“, als westdeutsche Frauen. Ich erinnere mich an das erste Jahr der Wiedervereinigung. Die haben gestaunt, wie wenig emanzipiert die westdeutschen Frauen sind, wie problematisch der Umgang mit Kindern ist und wie wenig die Gesellschaft für diese Kinder tut inform von Krippen, Kindergartenplätzen, Ganztagsschulen, Hausaufgabenhilfe, Jugendorganisationen etc.

    In der DDR gehörten Kinder ganz selbstverständlich in die Gesellschaft, so wie einst, als meine Oma eine junge Frau war. Da wurde nicht lange diskutiert und abgewägt, da wurden Kinder gemacht. Basta!

    Am heftigsten ist mir in Erinnerung, wie sich die Ex-DDR-Frauen über unsere Frauenzeitschriften lustig gemacht haben. So einen Quatsch hätten sie in der DDR nicht zu lesen bekommen.

    In der Tat: Es ist bestimmt 30 Jahre her, seit ich zuletzt intensiv in eine dieser dämlichen „Frau mit Weltschmerz“ guckte. Schaue ich heute, z.B. beim Friseur, mal zufällig in so ein Ding, haben sich weder die Struktur, noch die Themen zum Besseren geändert. Frauen sind immer topgestylt, haben permanent Problemzonen im Gesicht und auf den Hüften, fühlen sich ständig diskriminiert und als Jobtipp heißt es zu allem Überfluss: „Ein nettes Lächeln, ein wenig Koketterie, ein Augenaufschlag zur rechten Zeit und männliche Hilfe ist ihnen sicher.“ Aha, hier wird ganz bewußt am Susi-Syndrom gewerkelt. So ein Mistblatt könnte ich jedesmal vor Ärger zerfetzen, ehrlich!

    Ich unke, die ganze westdeutsche Emanzipationsbewegung hat nichts anderes als Kinderverdruss hervor gebracht und einen grollenden Keil zwischen Mann und Frau getrieben.

    Bis denne,

    Gaby

  23. Gisela Weber sagt:

    An Alle,

    die Amerikanisch verstehen, ein interessantes Interview

    aus der Tazz-Paula-Show mit Russell Means (amerik. Name) des Chiefs der Republik of Lakotah.
    Nordamerikanische Indianer haben sich 2007 als unabhängig erklärt.

    Eine ganz interessante Sicht eines Mannes zum
    Geschlechterbild.

    http://www.republicoflakotah.com/wp-content/uploads/2009/06/russell-means-tazz-paula-show-060909.mp3

    Grüße
    Gisela

  24. Gisela Weber sagt:

    An Herrn Jahnke,

    in Spanien nennt man uns Deutsche manchmal
    “capezas cuadrados”, was übersetzt heißt:
    “Quadrat-Köpfe”, weil wir alles kompliziert und problematisch sehen.

    Dazu habe ich auch noch einen Sprichwort-Vergleich.
    (Ich habe festgestellt, dass es, zumindest in den Sprachen, die ich spreche,fast die gleichen Sprichwörter gibt.

    Das deutsche Sprichwort: “Man sieht vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr” (Problem orientierte Sicht).
    Das spanische Pendant heißt:

    “De lejos el bosce se ve mejor”, heißt übersetzt:
    “Von weitem sieht man den Wald besser” (Lösung orientierte Sicht).

    Dies dazu, dass wir Deutschen zur Problemorientierung neigen.

    Aber, was die Herstellung von Gleichberechtigung betrifft, so gab und gibt es bei uns nicht die Ganztagsschulen, die die Frauen bei der Kindererziehung entlasten würden, so wie in fast allen europäischen Ländern.
    Eine Französin, kann da viel entspannter an die Familienplanung rangehen und sie verstehen uns oft nicht, wieso alles so kompliziert ist für uns deutsche Frauen und sie sind darüber hinaus, oft ein bisschen verärgert über unsere Verkrampftheit bei diesem Thema.

    Hier tragen die Frauen erstens die Aufsichtspflicht ohne Hilfe und sind zweitens für Erziehung und drittens für die Bildung der Kinder verantwortlich
    (Hausaufgabenbetreuung und Freizeitplanung).

    Das erspart dem Staat erhebliche Kosten zu Lasten der Mütter.

    Warum das so ist?

    Vielleicht kennen Sie sich besser in der Geschichte aus. Aber ich vermute, dass Deutschland immer hohe Schuldzahlungen an andere Länder zahlen musste.

    Z.B. : Die Zahlungen an Rom und der Kampf Luthers gegen diese Ausbeutung[siehe Michel Angelos Malerei (Michel Angelo hat sich fürstlich bezahlen lassen vom Pabst) und der Bau des Petersdoms].
    Die Reparationszahlungen nach WK I “Versailler Vertrag” und die tiefe Schuld, die Deutschland
    im WK II auf sich geladen hat und die Zahlungen,
    die daraus erfolgten.

    Das sind nur Vermutungen, die ich bis jetzt noch nicht geschichtlich faktbasiert nachgeforscht habe.
    Es fehlt mir momentan die Zeit mich kundig zu machen.

    Grüße an Alle
    Gisela

    • globalnote sagt:

      @Gisela Weber,

      Nein, mit Schuldzahlungen hat das wohl nichts zu tun. Die von Ihnen genannten Gründe sind wichtig. Doch vergessen Sie nicht die mangelnde Anpassungsleistung deutscher Männer und die in Deutschland unter den Ländern der Alt-EU größte Lohndiskriminierung der Frauen. Die Geschlechterrolle ist eindeutig bei uns nicht in Ordnung, vor allem im Vergleich zu Skandinavien, aber auch Frankreich und wohl auch der früheren DDR und was in den NBL davon geblieben ist!

      Beste Gruesse
      Joachim Jahnke

  25. Gaby sagt:

    Hallo, Herr Dr. Jahnke,
    Hallo, in die Runde,

    mal anders gefragt, Herr Dr. Jahnke: An was sollen sich unsere Männer eigentlich anpassen?

    Die Emanzipationsbewegung, an der ich selbst teilnahm, war eher theoretisch und hatte viel mit aktionistischer Spaßguerilla zu tun. Die tatsächlichen gesellschaftlichen Veränderungen nahm der Gesetzgeber vor, in dem die Rechte der Frauen in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich gestärkt wurden.

    Jetzt sollte man annehmen, aus dem einst so borstigen Blaustrumpf Gaby wäre jemand geworden, der auf Traditionen pfeift. Denkste! Das Gegenteil war/ist der Fall: Kaum geheiratet, waren die Rollen klar verteilt: Ich verdiene mein eigenes Geld, aber die Haushalts- und die Haustierpflege obliegen ebenso mir; Kinder schloss ich von Anfang an aus. Mein Mann verdient auch Geld und kümmert sich um Reparaturen, Renovierungen und die groben Gartenarbeiten.

    Und jetzt kommt’s: Anfangs wollte er mir im Haushalt helfen, bekam aber ständig zu hören: „Nee, lass mal. Das kannst du doch nicht.“ Ich weiß aus meinem Bekanntenkreis, dass es dort auch heutzutage mehr oder weniger genauso zugeht; auch bei ganz jungen Frauen. Es geschieht, ebenso wie das Susi-Syndrom, wie von Zauberhand dirigiert.

    Das heißt, auch wenn die Männer sich anpassen wollten, werden sie häufig nicht gelassen. Und nur Hilfsarbeiten ausführen, wie am Sonntag mal das Geschirr abtrocknen, macht auf Dauer keinen Spaß. Also belässt Mann es bei der traditionellen Rollenverteilung, um Ärger, aber vor allen Dingen dem Spott aus dem Weg zu gehen, der sich bei Frauen gerne einstellt, wenn sich Männer linkisch anstellen.

    Gleichzeitig jammern die Frauen, dass sie alles alleine erledigen müssen und sie angeblich einen faulen Sack geheiratet haben. OK, ich jammere nicht, denn mir sind die Zusammenhänge klar. Aber welcher Frau sie nicht klar sind, reagiert mit den Jahren ganz schön frustig und landet in der Eheberatung.

    Ich bin davon überzeugt, dass die Emanzipation der Frauen nicht wirklich in den Köpfen der Deutschen beiderlei Geschlechts angekommen ist. Mir deucht, der deutsche Gesetzgeber ist fortschrittlicher als sein Volk.

    Bis denne,

    Gaby

    • globalnote sagt:

      @Gaby,

      Darf ich empfehlen, sich mit den Geschlechterrollen in Skandinavien vertraut zu machen (soweit möglich). Wie ich schon berichtete, würde eine norwegische Frau in aller Regel den männlichen Familienteilnehmern nicht das Frührstück vorsetzen, wie verbreitet in Deutschland üblich (oder machen Sie das nicht?). Das ist nur ein kleines Beispiel. Wichtiger ist die Inanspruchnahme von Vaterschaftsurlaub und vieles mehr. In meiner Einschätzung wird in Deutschland zwar sehr viel von Emanzipation geredet und unter Männern geklagt (siehe auch auf dem Internet Vereine zur Verteidigung der Rechte der Männer), praktisch sieht es aber ganz anders aus.

      Ich war selbst schon vor einigen Jahren bei einer Reise durch die USA auf Einladung der US-Regierung mit home hospitality beeindruckt, wie stark die Frauen in den Familien auftraten. Aus Deutschland war ich das nicht gewöhnt. Auch hier in Irland, von wo ich jetzt schreibe, scheint mir die Rolle der Frauen stärker als in Deutschland zu sein. Die Zahl der Kinder erhöht das soziale Standing, während es in Deutschland oft umgekehrt ist. Auch berichtete mir meine irische Frau schon vor vielen Jahren, daß sie in Deutschland im small talk stets nach ihrem Beruf befragt wurde, als seien Frauen ohne Beruf, weil in der Kindererziehung, minderwertig. Das sind natürlich nur einige persönliche Eindrücke.

      Beste Gruesse
      Joachim Jahnke

    • globalnote sagt:

      Auch das noch gerade frisch von SPIEGEL-online: In Unternehmen arbeiten immer mehr Frauen, doch die Führungsetagen hat dieser Trend noch immer nicht erreicht: Einer Studie zufolge sitzt nur in jeder vierten Top-Position eine Managerin. Auch in Branchen mit hohem Frauenanteil sind Chefinnen unterrepräsentiert.

      Beste Gruesse
      Joachim Jahnke

  26. Gisela Weber sagt:

    An Alle,

    noch eine letzte Anmerkung.

    Dabei erzähle ich aus meiner Familiengeschichte
    mütterlicherseits, aber so wird es vielen ergangen sein.

    Mein Großvater kam nach französischer Gefangenschaft, nach dem ersten Weltkrieg, zwar nicht körperlich verletzt, aber als seelisches Wrack nach Hause.

    Sein Sohn war bereits 6 jahre alt und kannte seinen Vater nicht.
    Während der Abwesenheit des Großvaters hat meine Großmutter alleine den Bauernhof bewirtschaftet.
    Was man ihr auch ansah, sie war gesundheitlich ziemlich abgewirtschaftet.

    Der Mann war durch den Krieg so geschädigt, dass er nicht mehr in der Lage, Leistung zu bringen und starb Mitte 40.

    So stelle ich mir vor, dass etliche Männer in diesem Zustand oder sogar schwer verletzt nach Hause kamen.

    Was blieb den Frauen da übrig, hätten sie sich emanzipieren sollen und ihre eigenen Wege gehen sollen?
    Der jämmerliche Zustand der Heimkehrer und die verlorenen Kriege haben wohl keinen Raum für individuelle Verwirklichung gelassen. Da hieß es Augen zu und durch und Abtragen der Schuld.

    Und in Anbetracht der Tatsache, dass in den beiden Kriegen so viele Männer geopfert wurden, haben die die Söhne mehr Zuwendung und Aufmerksamkeit erhalten, als die Töchter.

    Lassen wir dies als Entschuldigung gelten, aber jetzt geht es darum, dass gerechte Verhältnismäßigkeiten hergestellt werden und die Männer ihre Anpassungsleistung erbringen.

    Grüße
    Gisela

  27. localenot sagt:

    @ alle

    Hier mal ein paar Weltzahlen, vielleicht hilft das ja :

    Höchste Geburtenraten:
    7,1 Niger, Guinea-B.
    6,8 Burundi, Angola, Afghanistan, Liberia
    6,7 Ost-Timor, Somalia, Mali
    = keine Industrie.

    2,6 Welt
    2,8 Entwicklungsländer
    1,6 Industrieländer , davon USA 2,1 und Kanada 1,6, aber:

    1,3 Deutschland, Italien, Japan, Südkorea, Taiwan (1,2), Singapur (1,4)

    Die Korrelation besteht nicht im Einkommen, Altersstruktur, Autoanzahl, Trinkwasserzugang, EW-Zahl und –dichte, Sterblichkeitsrisiko Mütter und Kinder, AIDS sondern nur im Fakt der höchsten Industrialisierung und Produktivität: Je höher diese, desto Geringer die Geburtenzahlen.

    „In Entwicklungsländern stellen Frauen die Hälfte der landwirtschaftlichen Arbeitskräfte, in Asien sind 90 Prozent der Reisbauern weiblich.“ Also die Frauenarbeit ist hier wesentlich geringer, aber die Wirtschaft (ich hatte heute wohl recht, Steinmeier will von wegen ‚Gleichstellung“ wohl Hunderttausende Frauen in die Pflegeberufe holen und der Ansatz der Gleichberechtigung bei der Bezahlung heißt wohl, dass die Löhne der Männer abgesenkt werden) braucht sie zum Lohndumping wie ausgeführt.

    Je mehr Frauen ins (58% der arbeitenden Bevölkerung verdienen bis 2.000 € netto, davon 17% < 1.000, Tendenz fallend) System m ü s s e n um den Lohn zu drücken und die Gewinne zu erhöhen, desto mehr und mit höherer Bildung steigt die Verweigerungshaltung, da mit höherer Bildung der Lohnabstand zu den (verhassten Chef-Männern) abnimmt:

    Lohnabstand Frauen zu Männern

    Bildung niedrig, Stundenlohn 82,1% der Männer.
    Bildung hoch, Stundenlohn 74,0%!

    Dann noch der Lohnabstand nach Alter:
    <30 : 90,5% (EU 84,8%)
    30-39 : 78,8% (80,1%)
    40-49 : 72,2 (69,9%)
    50- : 76,3% (67,5%)

    Nach Tätigkeit
    Führungskäfte : 84,0% der Männer (EU 70,8%)
    Fachkräfte : 78,3% (72,7%)
    Techniker : 72,1% (72,9%)
    Bürokräfte (Gabys): 78,4% (83,7%)
    Verkauf/Service: 74,1% (83,9%)
    Handwerker : 73,2%% (58,8%)
    Maschinisten : 81,7% (77,8%)
    Grundberufe : 78,5% (76,7%)

    Der Ausbeutungsgrad der Frauen durch das Kapital steigt mit zunehmendem im gebärfahigen Bereich Alter und mit zunehmender Qualifikation.

    Im Gegenzug verweigern die am meisten ausgebeuteten Frauen mit höherer Bildung und Arbeit dem Ausbeutungssystem intuitiv die Kinder, da diese ja das Ausbeutungssystem verstärken würden. Das ist ihre Emanzipation vom Patriarchat. Sie haben erkannt, dass ein Streben nach Gleichberechtigung im Sinne gleicher Lohn nie belohnt werden wird, wie der Indianerhäuptling in Gisela Webers Radiointerview-Empfehlung hier das Streben zur Aufrechterhaltung des Patriarchats wäre. Ihre, wie er ausführt, Entkolonialisierung vom Mann kann nur mit Mitteln des Matriarchats, also des Rechtes keine Sklaven und keine Herrscher zu erzeugen emanzipierend erreicht werden. Und dieses ureigenste Recht nehmen sie in allen Industrieländern mit so hohem Ausbeutungsgrad wohl unabgesprochen, also ganz natürlich aus innerem Antrieb war. Es sind also die gleichen ökonomischen Verhältnisse, die zu gleichem Verhalten, statistisch sichtbar gemacht, führen. Und diese Verhältnisse werden von Männern, den Patriarchen und Oligarchen gemacht. Wo sie weniger barbarisch umgesetzt werden, gibt es auch mehr Kinder.

    In den anderen hochproduktiven Ländern ist das wohl genauso.

    Quellen:
    1. Deutsche Stiftung Weltbevölkerung
    http://www.dsw-online.de/pdf/dsw_datenreport_08.pdf

    2. Eurostat, S. 192 Tabellen A.56 ff.
    http://epp.eurostat.ec.europa.eu/cache/ITY_OFFPUB/KS-80-07-135/DE/KS-80-07-135-DE.PDF

    • globalnote sagt:

      @localenot,

      Habe meinen Vergleich eigentlich in Mitteleuropa angestellt und nicht irgendwo in Afrika. Und da gilt nicht je höher Industrialisierung und Produktivität, desto geringer die Geburtenzahlen. Die Länder mit den höchsten Geburtenzahlen in Mitteleuropa, haben mindestens eine so hohe Industrialisierung und Produktivität wie Deutschland, meist jedoch höher: z.B. Produktivität Frankreich (13 % mehr), Schweden (4 %), Finnland (2 %), Niederlande (7 %).

      Beste Gruesse
      Joachim Jahnke

      • localenot sagt:

        Da sind wird uns ja nun einig, dass bei niedriger Geburtenrate in ganz Industrie-Europa(1,6) die geringen Unterschiede wohl in der Sozialhandhabung der Frauen durch das Kapital liegen. Sarkozy + Model und Merkel + (wer bitte?) und Berlusconi plus X* ist doch als Leitgedanke zu Toleranzbereichen ausreichend? Wie ich am Ende (weniger barbarische Umsetzung der ökonomischen Zwänge zu Lasten der Profitrate aus wohl kultur-historischen Gründen der Rolle der Frau aus der Gesellschaftshistorie heraus) unterstrich, macht das systemisch keinen Unterschied, nur die Irin (s. meine Statistiken) spielt alle an die Wand. Glückwunsch wer solch begnadete Ehe hat. Was spricht eigentliche dagegen, ihre Tedesca mal gegen den Restkapitalisten in der Welt zu prüfen, statt gegen nur hier? Also bitte. Man kann nur dazulernen.

  28. Gaby sagt:

    Hallo, Herr Dr. Jahnke,
    liebe Mitlesende,

    der Eindruck Ihrer Ehefrau stimmt, Herr Dr. Jahnke, soweit ich das aus meinem kleinen Dunstfeld beurteilen kann. Es wird von deutschen Frauen erwartet, dass sie einen Beruf haben und idealerweise so viel Geld verdienen, dass sie sich selbst ernähren können.

    Zum ersten Mal bin ich als 23jährige, also in 1986, mit dieser Selbstversorger-Denke konfrontiert worden. Gerade hatte ich in dem Betrieb angefangen, wo ich heute noch arbeite und war frisch verheiratet, da sagte mein erster Chef. „Frau xxx, sie wollen doch in ihrem Leben auf eigenen Füßen stehen und wirtschaftlich ganz bestimmt nicht von ihrem Mann abhängig sein. Also befürworte ich, dass sie jetzt eine gute Gehaltserhöhung erhalten und im nächsten Jahr ist auch noch was drin. Aber ich will sie aufgrund ihrer Biologie nicht verlieren – hmm, sie wissen schon, was ich meine. Prallgefüllte Bäuche mag ich nicht.“ Ich stieg gehaltsmäßig tatsächlich rasant auf und wurde nicht schwanger.

    Nach fünf Jahren bekam ich einen anderen Chef. Der war viel älter als sein Vorgänger und gab erst einmal öffentlich damit an, dass ich, also seine Sekretärin, von ihm keine „Tröpfcheninfektion“ zu erwarten hätte, da er sterilisiert sei. Boh, war ich empört! So etwas gehört sich nun wirklich nicht herauszuposaunen und darüber hinaus stand mir noch nie der Sinn zum Fremdgehen. Das ist bis heute so geblieben!

    In Folge drohte er immer wieder: „Du weißt, dass du es bei mir verschissen hast, wenn du schwanger wirst. Überleg dir das gut. Ich heb dich finanziell immer höher, aber hüte dich vor einer Tröpfcheninfektion. Am besten schmeißt du deinen Macker gleich aus dem Haus!“ Ich bin bis heute nicht schwanger geworden, verdiene aber so gut, dass ich eine komplette Familie ernähren könnte.

    Vor zwei Jahren bekam ich den dritten Chef. Der ist fünf Jahre jünger als ich. Er hat einen kleinen Sohn und stöhnt dauernd: „Kinder sind so was von nervig. Frau xxx, ich rate ihnen, kriegen sie nie Kinder!“ Da muss ich lachen, schließlich bin ich 47; da kriegt eine vernünftige Frau keine Kinder mehr. Weiter sagt er: „Gehaltserhöhungen sind keine mehr drin, da wir ja in schlimmen Zeiten leben und sich das Lohnniveau eh über die Jahre gesenkt hat.“ Er sagt also indirekt: Frau xxx, sie sind zu teuer. Ich stelle mich bereits auf finanzielle Verluste ein, zumal unser Betriebsrat einen neuen Gehaltskatalog erarbeitet, der die Gehälter senken soll.

    Mein Fazit:

    Kinder haben in dieser neoliberalen Marktwirtschaft keinen Platz. Eine Frau, die sich ihre Karriere verbauen will, gebirt Kinder. Sobald sie Kinder hat, ist sie im Sinne des Neoliberalismus nicht mehr frei, flexibel und mobil, also nur noch eingeschränktes Humankapital; relativ wertlos für den Arbeitgeber.

    So erklärt sich, warum rund ein Drittel der Akademikerinnen auf Kinder verzichten. Es werden künftig noch viel mehr Frauen sein, die keine Kinder bekommen, sollten sich die wirtschaftlichen Verhältnisse nicht endlich wieder in sozialere Gefilde wandeln.

    Die Rollenverteilung zwischen Mann und Frau ist, wie ich bereits in meinem vorigen Kommentar schrieb, so verkrustet, wie in den 50er-Jahren. Das Verhalten beider Geschlechter zu modernisieren hat die Emanzipationsbewegung der 70er/80er nicht geschafft. Folglich überlegt es sich eine gut ausgebildete junge Frau, ob sie erstens heiratet und zweitens, ob sie Kinder haben will.

    Vorhin habe ich geschrieben, dass der deutsche Gesetzgeber emanzipierter ist als sein Volk. Aber die deutschen Chefs, die verfolgen seit Anfang der 1980er Jahre ihre neoliberalen Ziele, sich zwar gut ausgebildete Frauen wünschen, weil sie immer billig und sehr arbeitswillig sind, aber bitteschön ohne die einschränkende Bürde der Kinder.

    Das erklärt, warum es in Deutschland nie gelungen ist, Frauen für gleichwertige Arbeit so gleich wie Männer zu bezahlen. Deutschland ist das China Europas, aber mit Null-Kind-Politik. Da kann die „von den Laien“, die Barbie der CDU, Elterngelder einführen wie sie will und die Väter zur Familienarbeit per Geld animieren…..

    …..unter’m Stich werden durch diese insgesamt menschenverachtend-neoliberale Wirtschafts- und Sozialpolitik nicht mehr, sondern immer weniger deutsche Kinder geboren.

    Bis denne,

    Gaby

  29. Gisela Weber sagt:

    @ localenot,

    da hast Du aber das Interview völlig falsch verstanden.
    Hier geht es um einen Paradigmenwechsel zu matriarchalen Strukturen ohne Hierarchie.
    Um einen lebendigen und ständigen Rat zur Entscheidungsfindung, bei dem die Frauen eine maßgebende Entscheidungsbefugnis haben.
    Die meisten nordamerik. Indianerstämme waren matriarchal bestimmt und die ind. Frauen haben die Häuptlinge, Medizinmänner etc. und die wichtigen Funktionen der Männer bestimmt, oder abgesetzt. Die Männer waren die Ausführenden der gemeinschaftlich beschlossenen Entscheidungen. Das oberste Ziel war immer ein guter anständiger Mensch zu sein.

    Die Stellung der indianischen Frauen in ihren Stämmen, war das Vorbild für die US-amerikanische Frauenrechtsbewegung.

    Grüße
    Gisela

  30. elfi sagt:

    Hallo,
    was ist da speziell mit den Deutschen, dass sie sich noch ein bisschen besser ausbeuten lassen, als z. B. die Franzosen u.a. Europäer? Die Frage wurde hier immer wieder gestellt.
    Bernt Engelmann schrieb schon vor vielen Jahren ein Buch: “Was ist das ein Deutscher”. Dazu untersuchte er die Historie Deutschlands.
    Klar blieb mir davon in Erinnerung, dass deutsche Staats- und Indusriepolitik seit mehr als 2oo Jahren darauf setzte, die Ärmsten der Armen aus ganz Europa, in Deutschland anzusiedeln.
    Im 19ten Jahrhundert (nicht zu verwechseln mit den 20. Jahrh.)kamen sie vorugsweise aus dem Osten: Total verarmte landlose Russen, polnische und sonstige osteuropäische Hungerleider. Sie wurden im Ruhrgebiet oder Berlin u.a. angesiedelt und bildeten die Arbeitssklaven, die billigst bezahlt die deutsche Industrie und Schwerindustrie des Rheinlandes zum Aufblühen brachten. Shareholder value des 19 Jahrhunderts entstand so.
    Und die Hungerleider mussten froh sein ein Stück Brot für ihre Arbeit zu bekommen.

    Aus Enttäuschung über schlechte Lebensbedingungen u. die schnelle Niederschlagung der einzigen deutschen wirklich freiheitsfordernden Revolution 1848 ( Paulskirche ) durch den deutschen Landadel im Verbund mir den Grossindustriellen, verliessen Millionen Deutsche das Land und wanderten vorzugsweise nach Amerika aus.
    Diese Auswanderer, waren aber die mutigen und gebildeteren Schichten Deutschlands. Wer es sich erlauben konnte verliess das Land. Darunter waren scharenweise ausgebildete Handwerkergesellen, die hier keine Basis zum Leben fanden.
    Immer wieder kam Nachwuchs aus anderen völlig verarmten Schichten des Ostens u.a.- besser ausbeutbar als die eigenen Leute.
    Diese Menschen nahmen damals schon die Rolle ein, die
    nach dem 2. Weltkrieg zuerst die armen Süd – Italiener, dann Türken u. Spanier auswanderungswillige Russlanddeutsche in der deutschen Nachkriegswirtschaft einnahmen.

    Nach dem Crash des Warschauerpaktes kamen neue Billigstarbeiter aus Polen, bis Rumänien hinzu.
    Und heute wandert- wer etwas auf sich hält- immer noch aus.

    Seit Jahrhunderten baut die Industrialisierung und die Kapitalakkumulation auf diese Ärmsten der Armen – auf Hungerleider. Und Kapitaleigner bereicherten sich durch die so möglichen Niedrigstlöhne. Alles in deutschen Landen nichts Neues. Auch die Industrialisierung des “bomenden” Berlins der Gründerjahre erfolgte nach diesem Rezept.

    Es brauchte für mich beim Lesen des Buches nicht mehr viel Phantasie um mir nun zu erklären: Was ist das ein Deutscher? Wie sollte unter solchen Bedingungen eine selbstbewusste Nation entstehen?
    Wie haben sich all diese elenden Einwanderer gefühlt – fern der Heimat, ihren Familen, entwurzelt, hinter einem Stück Brot herjagend, das sie zu Hause nicht mehr fanden. Als Minderwetige u. Minderbezahlte, fanden sie über Generationen da Mut Rebellen zu werden??
    Nun waren sie aber schon seit Generationen Deutsch.

    Und dann kam der 1. Weltkrieg, die Weimarer Rep.
    und von viel Geld gestütz servierten uns Teile unserer Eliten die braunen Horden.
    Und dann ……………..???

    Bis zum Lesen dieses Buches trug ich Scham in mir zu diesen unterwürfigen Deutschen zu gehören. Ich hatte einen stillen Groll auf meine Passgenossen.
    Danach verstand ich und verzieh uns.

    Das Buch hat mir unmittelbar geholfen mich mit dem Deutschen Michel aus zu söhnen.
    Denn mir wurde nun klar, warum Deutsche so geduldige und nicht aufmüpfende Schafe geblieben sind.
    Für mich hat das nichts mit dem “deutschen Nationalcharakter” zu tun:
    Denn aus den Ärmsten der Armen wurden bald Deutsche und aus Deutschen, Gebildeteren wurden bald z.B.Amerikaner.
    Das Buch kann ich, will man uns Michels verstehen, nur empfehlen.
    Eher traurige Grüsse
    Elfi

    PS. Einer meiner Urgrossväter war auch so ein entwurzelter Slave, der für den deutschen Kaiser Schiffe bauen “durfte”.
    Ich kann mir vorstellen, dass viele Deutsche in ihren Familienbüchern auch findig würden.

    • globalnote sagt:

      @Elfi,

      Da ist sicher viel Wahres. Aber bitte nicht vergessen, daß auch aus vielen anderen Ländern Europas ausgewandert wurde (aus Frankreich schon sehr früh die vertriebenen Hugenotten) und besonders nach dem zweiten Weltkrieg die Auwanderung überall stark war. Ich denke da eher an Churchill, der bekanntlich von den Deutschen sprach, die man entweder auf den Knien oder an der Gurgel hat.

      Die von der Industrie gemanagte Einwanderung von Arbeitskräften aus armen Ländern, wird heute weitgehend durch die Auswanderung der Industrieproduktion in Billigstländer ersetzt. Wer noch einwandert, tut es auf eigene Faust und hat oft schon Familie in Deutschland, die früher einmal z.B. aus Anatolien eingewandert ist. Übrigens hat es diese gezüchtete Einwanderung in anderen Ländern genauso gegeben. So haben sich die Briten lange Jahre lang die Iren ins Land geholt und später fleißige Menschen aus Asien und zuletzt aus Osteuropa. Das ist wirklich keine deutsche Spezialität.

      Ich weiß auch nicht, ob Engelmann dasselbe Buch auch heute noch schreiben würde. Da hat sich doch inzwischen Einiges verschoben, seit man Italiener, Spanier und Türken zu Ford nach Köln und anderswohin geholt hat. Die meisten der Italiener und Spanier werden auch wieder heimgekehrt sein. Da war die Einwanderung (anders als wohl bei vielen Türken) nie auf Dauer geplant, wie bei denen die nach USA auswanderten.

      Beste Gruesse
      Joachim Jahnke

  31. Gisela Weber sagt:

    An Alle,

    Apropos Frauen mit Kindern sind nach neoliberalem Denkmuster, „eingeschränktes Humankapital“.

    Jeder vernünftig denkende Mensch wird erkennen, dass
    das ein Paradoxon ist. Aber das ist typisch neoliberale Pseudovernunft.

    Ich kann nicht beurteilen, bzw. ich weiß nicht, wie diese neoliberalen Ideologen, am Ende ihres Lebens denken, oder fühlen (falls sie überhaupt fähig sind humane Gefühle zu haben), wenn anderer Leute Kinder sie pflegen müssen.
    Es gab einmal eine Sendung im Fernsehen, da wurden kinderlose Paare befragt, wie zufrieden sie mit ihrem Leben sind, nachdem sie karrieremäßig und auch wohlstandsmäßig alles erreicht hatten (nach dem Motto: mein Haus, mein Auto, mein Konto etc. …..), was sie sich vorgestellt hatten.

    Etliche Paare haben gestanden, teils unter Tränen, dass sie nie wieder des Geldes wegen auf Kinder verzichten würden.
    Sie haben sich tief einsam gefühlt und Freunde wären nun mal kein Ersatz für eine natürliche Eltern-Kind-Bindung.
    Es stellt sich also die Frage, geht man den Karriereeinbruch oder ein Armutsrisiko ein und wird trotzdem Eltern, oder lässt man es sein und folgt den Gesetzmäßigkeiten der finanziellen (Un)abhängigkeit.
    Letzteres dient der individuellen Entfaltung, Entwicklung, Karriere und dem individuellen Wohlstand, trägt aber nichts zum Erhalt zukünftiger Generationen einer Gesellschaft bei.

    Grüße
    Gisela

    • globalnote sagt:

      @Gisela Weber,

      So ähnlich sehe ich das auch. Nur eine Anmerkung: Wer Kinder in die Welt setzt wird nicht automatisch arm. Das Armutsrisiko gilt nur für einen kleinen Teil der Familien mit Kindern, und kaum für die hochgebildeten Frauen, bei denen ein ganzes Drittel endgültig kinderlos ist.

      Beste Gruesse
      Joachim Jahnke

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