global news 1638 26-07-09: Nochmal zur Misere der deutschen Banken und zur deutschen Kreditkrise: "Mit solchen Ärzten, bete für die Patienten"
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global news 1638 26-07-09: Nochmal zur Misere der deutschen Banken und zur deutschen Kreditkrise: "Mit solchen Ärzten, bete für die Patienten"
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Hallo, miteinander,
Zitat: „Warum zögern wir mit einem Streßtest der deutschen Banken? Weil wir uns sorgen, was wir da finden könnten.”
Die Interpretation des britischen Economist ist nicht korrekt, denn der deutsche Regierungsbeamte hat in Wirklichkeit gesagt: Was wir heute halten verborgen, wird auch morgen uns versorgen!
Mit „ora“, gar „et labora“, hat das Zitat nix zu tun.
Hihi, behaupte noch einer, die deutschen Beamten hätten keinen schwarzen Humor!
Gaby
„Dem deutschen Volke“
Banker sein kann heute offenbar jeder ‘Funke’tionär. Ein Schild malen „HRE-Chef“, anstecken, fertig. Ist doch ganz einfach: 100 € für 1 Monat leihen bei 5% und diese auf 1 Jahr verleihen für 10%. Nach Irland. Depfa (die Kleine von der Hypovereinsbank). Macht 5% Gewinn, oder so? Egal. Wäre da nicht die Rückzahlung nach 1 Monat. Also wieder 100 € geliehen für 6% und Schulden bezahlt. Und das jeden Monat. Dumm wird es, wenn die neuen Schulden immer teurer werden und am Ende 15% kosten und nur 10% aus dem Jahreskredit wieder reinkommen. Das ist ein Verlust und die 4% Kernkapital deckt ihn nicht. Also kauft man den irischen Schuldner ein. Hätten die Lehmans bloß durchgehalten in USA. Aber da funkt eine Idee ins Großrechnerhirn: Erhöhung Kernkapital von 4% auf 8% kostet 4,2 Mrd. €. Bafin, bitte melden! Und Bafin rechnet nicht mit: Wenn 4,2 Mrd. = 4 %, sind über das bedrohte Kernkapital von 4% hinaus, sind weitere Anlagen gefährdet von 100%/4% = 25 * 4,2 = 105 Mrd. € und nochmal so viel für die ersten 4% = 210 Mrd. €. Die Zahl kennen wir doch? Braucht es dazu einen ganzen Untersuchungsausschuss? Aber, wen interessiert‘s? So stiegen nicht nur die Zinsen für die kurzfristigen Kredite, sondern es gab im Interbankenhandel vor dem vollen Kreditverlust den Vertrauensverlust. Dann hat es „zumm“ gemacht. Und Joe Ackermann schrieb über die Rechnung an die Bundesregierung: s.o.
Kann mir bitte mal einer erklären, warum der Staat nicht selbst Geld ausgibt, sondern es sich gegen Zinsen bei den Banken leihen muss, die es selbst auch nur “generieren”, d.h. drucken lassen bzw. einfach in die Bücher schreiben?
Welch schwachsinniges System, bei dem der Staat den Banken Zinsen zahlt für Geld, das er für die Rettung derselben Banken diesen gibt!
Oder habe ich da was falsch verstanden?
Wenn nicht: das kann man doch ändern, oder?
@hans-im-glueck,
Im Fall der HRE hat diese (nicht der Staat) das Geld bei den Banken geliehen, und der Staat ist in diese Verpflichtung eingestiegen. Natürlich könnte er jetzt die Banken-Kredite zurückzahlen, würde damit aber den Bundeshaushalt belasten und müßte, wenn er – wie zur Zeit – die Steuern nicht erhöhen will, dann selbst am Kapitalmarkt Geld aufnehmen, was wieder Zinsen kostet. In USA und Großbritannien haben die Regierungen Staatsanleihen an die Notenbank verkauft und dafür zinslos Kredit bekommen. Doch hat die EZB diese Autorität nicht. Der richtige Weg wäre endlich über eine saftige Reichensteuer Geld in die Staatskassen zu bringen, damit dieses schädliche Kreditspiel, was praktisch ein Schattenhaushalt ist, aufhört. In Großbritannien will die Regierung jetzt den Spitzensteuersatz auf 50 % anheben, in Deutschland bei 47,5 % Schweigen im Walde und auch keine Vermögenssteuer wie in Großbritannien.
Noch etwas: Die Banken lassen das Geld nicht “einfach” drucken oder in die Bücher schreiben. Kredite dürfen sie nur im Rahmen ihrer Eigenkapitalquote geben und die ist derzeit bei fast allen Banken im Anschlag. Der Zins soll dann ein Korrelat für das eingegangene Risiko sein. Hier ist das natürlich oberfaul, weil gegenüber einer staatlichen HRE kein Risiko besteht. Auch dürften nach den Bilanzregeln Basel II Kredite an eine staatliche Bank nur minimal, wenn überhaupt, auf das Eigenkapital angerechnet werden. Es ist also im Ergebnis eine Hilfe an die Banken und ihre Aktionäre, die in einer inflationären Situation preistreibend wirken würde, d.h. vom Verbraucher bezahlt würde, und schon jetzt die Reichen vor Steuererhöhungen bewahrt.
Beste Gruesse
Joachim Jahnke
Haben Sie nun auf Ihre sehr grundsätzliche Frage eine Antwort bekommen? Wenn ich mich nicht irre, hat Kennedy – bevor er ermordet wurde – mit einer unterschriftsreifen Präsidialdirektive versucht, dieses Problem zu lösen. So bleibt Ihre Frage stehen.
@hans-im-glück
Hier schwingt noch eine Frage mit, die mit dem Fabian-Tape erzeugt wurde: Würde, wenn der Staat sein eigenes Geld hoheitlich drucken dürfte, er noch Zinsen erheben? Unterton: Bei sich selbst doch nicht.
Wenn man wie im Filmchen eine Wirtschaft ohne Wachstum und Inflation annimmt, dann mag irgendwann Waren=Werte=Preise=Geldanzahl konstant sein und alle wiederholen dieselben Prozesse.
Der Arzt der Politiker und der Banker etc. –alle schöpfen keine Werte = kein Geld. Dennoch, über die Löhne in Produktion und über die staatlich-steuerliche Umverteilung der Umsatzerlöse dort bekommen auch Nichtwertschöpfer gegen Arbeit und Nichtarbeit Kaufkraft für die Warenmenge aus dem produktiven Bereich inklusive Außenhandel. Wenn der Banker für die Allgemeinheit eine Arbeit leistet und die Geldverteilung organisiert, dann muss er auch davon leben können, wie der Arzt und der Neokon im Parlament. Ich bin weit davon diese Einkommen als Zins zu betrachten. Es sind Gemeinschaftskosten, Gebühren, Tarife.
Der Zinsgedanke hat seinen Ursprung in der feudalen Bauernwirtschaft. Du bearbeitest den Boden, der wirft Ertrag = Ernte ab. Du bekommst mehr (fertige Pflanzen), also du reingesteckt hast (Samenkörnchen oder fleißige Bienen angesetzt = Gastarbeiter = Honig …
.
Als dann die Städte mit der Industrialisierung und Proletarisierung des leibeigenen Bauerntums Wohnungen für die Fabrikarbeiter vorhalten mussten, kam der bis heute unselige „Mietzins“ auf. Die Frage des Mietzinses (-höhe) war einfach entschieden: Hätte man auf dem Grundstück der Mietskaserne Weizen …angebaut, dann hätte der Ertrag im Jahr so und so viel (Taler, Kreuzer, Obolen…) gebracht.
Dieser fiktive Anbauverlust wurde den Arbeitern (ehemalige Bauern) angerechnet und mit Gewinn vom Lohn abgezogen. Die verlogenen Mietspiegel in Deutschland basieren auf keinem Bodenertragswert mehr, sondern auf unmäßigen Profitraten der großen Eigentümer, die einerseits die Bodenpreise hochjubeln (und damit Baukosten und Kreditmenge für alle) und anderseits die Miethöhe.
Bei Lichte besehen sind die Betriebskosten bei ihnen Durchlaufposten, aber die netto-Kaltmiete ist das Objekt der Begierde. Wenn einer 3.000 Wohnungen hat, Beko durchlaufen und 20 Leute das Verwalten, welchen neid entwicklelt dann der Industrielle in der Krise? Die ALG-ler sind doch aus den Steuern der Arbeitenden die Profitgaranten der Miethaie. Und das läuft besser la streikende Arbeiter. Deshalb dürfen wor die nächste Hypoblase samt Verbriefungen nach der Wahl erwarten, wenn Omas Häuschen in Immofonds gepresst und verbrieft wird. Die Räumungsanwelte werden Hochkonjunktur kriegen.
Nach meiner Sicht sind Zinsen auf Kredite für Investitionen oder Privatverbrauch stets inflationierend, haben aber damit die gleichzeitige Wirkung durch ein extensives (neue Werke) oder produktivitätsbedingtes Wirschaftswachstum wieder ausgeglichen zu werden (neue Warenpreise). Zins = neue künftige Produktion. Problematisch wird es, wenn Ende Wachstum. Dann muss Inflation gehemmt werden = Zins runter (siehe heute Fed und EZB und Japan ZB).
Würde also der Staat Wachstum und Wohlstandsverteilung stimulieren wollen, würde er das durch (hohe oder niedrige) Zinsen mitteilen. Nur: Ein satter Markt braucht keine Stimulierung. Die Banken machen trotzdem weiter mit Hochzinspolitik, weil sie damit die Ersparnisse absaugen und dann an das restliche arbeitete Volksvermögen gehen. Und wie immer macht die Regierung nichts dagegen, sondern verteilt kräftig weiter um für die bubble economy.
Zinsen sind ein Steuerinstrument. Aber wie alles andere auch: In den falschen Händen werden sie zur (sozialen) Waffe. Auf Harakiri hoffen?
Hallo an alle,
Da ich von Billanzregeln keine Ahnung habe eine Frage an alle betr. HRE:
Die HRE bekommt von den Banken gegen Zins Geld geliehen, der Staat wiederum garantiert eingetretene Verluste und noch etwaig zu erwartende weitere Verluste ( das Geld dazu muss er sich ja dann auch wieder gegen Zins leihen, wiel er Billanzdefizite sowieso schon hat) und schiesst ausserdem noch Bares hinzu. Da er ja gar keine Überschüsse hat, musste er sich das ja auch gegen Zins vorher leihen (Neuverschuldung).
Herr Jahnke sntwortet nun auf die Frage von hans-im -glück:
“Auch dürften nach den Bilanzregeln Basel II Kredite an eine staatliche Bank nur minimal, wenn überhaupt, auf das Eigenkapital angerechnet werden. Es ist also im Ergebnis eine Hilfe an die Banken und ihre Aktionäre, die in einer inflationären Situation preistreibend wirken würde, d.h. vom Verbraucher bezahlt würde, und schon jetzt die Reichen vor Steuererhöhungen bewahrt.”
Dazu nun meine Fragen: Für die dem Staat als Eigentümer der HRE geliehenen 15 Milliarden bekommen die Banken auf jeden Fall ihre Zinsen. Zusätzlich profitieren sie von den schon Cash gegebenen Milliarden des Staates und nun auch noch den Garantien auf spätere eintretende Verluste die ihre eingelegten 8,5 Milliarden überschreiten würden.
Für die vom Staat schon bar eingelegten Gelder bekommt ja auch irgend jemand Zinsen. Vielleicht sogar dieselben Banken.
Nun dürfen sie diese an den Staat gegebenen Kredite nicht oder kaum auf ihr Eigenkapital anrechnen. Was heisst das genau??
Und wieso wirkt das nur in einer inflationären Situation preistreibend?
Und wieso bewahrt es die Reichen schon heute vor Steuererhöhungen??
Falls jemand so nett ist und eine Antwort auf diese beiden Fragen wagt, dann bitte so, dass ein nur wenig vorgebildeter cleverer 16 Jähriger das noch versteht. Sonst stehe ich auch mit der Antwort wahrscheinlich dann wieder vor einem Berg.
Danke und schönen Tag
Elfi
Zur Frage von hans- im – glück:
Schon bei der deutschen Einheit hat der Staat u.a. für Infrastrukturprojekte und ABS und Ähnliches auf Jahre den Geldgebern bis zu 9% Zins garantiert für die Neuverschuldung von über 1000 Milliarden, die das kostete. Damals schon wunderte ich mich, wieso das die Deutschen einfach so mit machten. Spontan hörte ich in den ersten Reaktionen von einigen Zeitgenossen: Das will ich so nicht diese Einheit, ohne mich.
Aber als im raffiniert politisch und medial aufgebauten Einheitstaumel endlich “zusammenwuchs was zusammengehört” sind dann all diese berechtigten Zweifel untergegangen. Nicht nur die Deutschen zahlten für diese Hochzins – und Hochschuldenpolitik bis heute.
In der Schweiz lebte ich damals in einer Wohnung, die der Pensionkasse der Schweizer Elekrizitätswerke gehörte. Da in der Schweiz auf Grund der deutschen “einheitsbedingten” Hochzinspolitik auch die Zinsen stiegen, stiegen auch die dort automat. daran gekoppelten Renditen der Wohnungsvermieter. Innerhalb von 4 Jahren stieg meine Miete um 40 %. Umgerechnet auf mein Einkommen war das allein eine Inflation von 16%. Die offizielle Inflation wurde wie Wunder trotzdem mit nur 2-3 % angegeben. Jeder in Zürich der davon betroffen war, wunderte sich über diese Rechenkünste der Statistiker. Von 11 Parteien die im Haus wohnten zogen in den folgenden Jahren 6 Parteien aus in das billigere Vorland von Zürich.
Narürlich fiel dann auch irgendwann nach Jahren wieder der Mietspiegel in der Stadt etwas, aber
N U R für die, die später neu einzogen. Wir alten Mieter blieben auf der 40 % Erhöhung sitzen, trotz mehrmaligen Einspruchs bei der Verwaltung. Ich musste damals zentral wohnen bleiben, damit mich Schüler gut erreichen konnten.
Damals verwaltete ich auch die Spargroschen meiner Mutter. Während mein Einkommen insgesamt um 25% sank, erhöhten sich ihre Spargroschen um 50 % (nach Abzug der Zinsabschlagssteuer!!) mit nur 7 Jahren deutscher Schatzbriefe. Auch Firmenkredite sind damlas in die Höhe geschnellt u.s.w. Für viele in der Schweiz war das schlicht eine inflationtreibende Politik ausgehend von BRD.
Und wie war es für die anderen Europäer?
@Elfi,
Nach Basel II werden die auf das Eigenkapital anzurechnenden Aktiva der Banken risikogewichtet. Beim Staat als Schuldner dürfte aber kein Risiko, also keine Anrechnung bestehen. Die Eigenkapitalgrenze von 4 % ist wichtig, weil Banken, wenn sie weniger als 4 % Eigenkapital im Verhältnis zu ihren risikogewichteten Anlagen haben, von der Bankenaufsicht geschlossen werden müssen. Mit anderen Worten: Die Kredite an HRE (sprich Staat) begrenzen die Möglichkeiten der Banken, über andere Anlagen zu verdienen, nicht.
Beste Gruesse
Joachim Jahnke
@localenot:
Vielen Dank fuer die Erklaerungen, auch wenn ich nicht alles verstanden habe ;o)
Sie schreiben u.a.:
“Zins = neue künftige Produktion”
Irre ich mich, oder ist die Zinseszinskurve eine Exponentialkurve?
Von exponentiellem Wachstum bei natürlich (= von Natur aus) begrenzten Ressoucen ist nicht viel zu halten; das funktioniert sicher nur ein paar Jahre lang, dann ist Ende Natur/Planet.
Auch die Produktivität hilft uns da nicht viel weiter, da sie am Ende nur noch durch immer weitergehenden Maschineneinsatz im Austausch für die Arbeit der menschlichen Arbeitskräfte (= Kostenfaktor) erreicht werden kann.
Diesen (dann arbeitslosen) Menschen fehlt anschließend jedoch der Lohn, um als Konsumenten der (mit Maschinenhilfe) immer effektiver hergestellten Waren überhaupt noch auftreten zu können.
Wirtschaft ist ja nicht Selbstzweck – ohne Menschen (= “Konsumenten”?) und deren Bedürfnisse hat die Wirtschaft nicht viel Sinn.
Gibt es so eine Gesamtaufrechnung mit dieser Wachstums-/Produktivitäts-/Waren-Kauf-/Verbrauchs-Dynamik?
Kann das alles überhaupt langfristig funktionieren?
Und wenn ja: wie lange?
Tut mir leid, wenn ich so viele Fragen stelle, aber schon die Sesamstrasse lehrt:
“…wer nicht fragt bleibt dumm.”
Und schon im Voraus danke für eure Geduld.
@hans-im-glueck,
Lassen Sie uns bitte hier nicht die Produktivität verteufeln. Sie hilft schon weiter und ist in einer so stark rückläufigen Bevölkerung wie der deutschen geradezu unverzichtbar. Auch kann sich Deutschland nur so im internationalen Wettbewerb behaupten. Arbeitslosigkeit läßt sich nicht durch Verhinderung der Produktivitätsentwicklung bekämpfen, sondern am Ende nur durch Arbeitszeitverkürzung und eine gerechtere Einkommensverteilung, die mehr Kaufkraft schafft. Viele Menschen leben bei uns mit schrecklichen Entbehrungen und sollten wirklich mehr konsumieren dürfen, ohne an die Grenzen des Wachstums erinnert zu werden. Auch mehr Bildungskonsum ist dringend nötig. Längerfristig werden einige Wachstumsbremsen dann von der Verteuerung des Umwelteinsatzes und der Rohstoffe kommen müssen und sind ja zum Teil schon da.
Die Zins/Zinseszinskurve ist exponential, muß aber real, d.h. nach Abzug der Inflationsraten gerechnet werden und dann bleibt vom Exponential viel weniger übrig, weil auch eine normale Inflationsrate zu einer exponentialen Entwicklung führt. Außerdem gibt es Schumpeters kreative Zerstörung im Kapitalismus. Zinsbelastete Schulden können teilweise nicht bedient werden und verfallen. In Krisen, wie der derzeitigen oder auch vielen früheren, werden viele – auch über Zinsen – aufgebaute Vermögenswerte wieder vernichtet, etc. . Deswegen lebt die Welt seit Jahrhunderten mit Zinsen, ohne daß es deswegen zum Crash gekommen wäre. Und der derzeitige Crash am Kreditmarkt ist in einer ausgesprochenen Niedrigzinsperiode entstanden, auch weil die Fed und andere Notenbanken den Zins zu lange zu niedrig gehalten hatten.
Beste Gruesse
Joachim Jahnke
@Hans-im Glück
Der Anti-Fabian
Hallo. Das Problem erinnert an den Till Eulenspiegel der Turkvölker, Nasreddin Hodscha: Ein Sultan wollte ihn belohnen und er erbat nur zwei Weizenkörner. Das sei zu wenig, der Gönner wollte großzügig erscheinen. Na gut, dann lege mir dieses Weizenkörner auf ein unterstes äußeres Feld im Schachbrett und auf das benachbarte Feld die doppelte Menge und immer so weiter bis zum letzten Feld. Der Sultan sah das kleine Schachbrett an und die Körnchen darauf und war einverstanden. Dann hieß es abhauen, weil der Sultan ja irgendwann mal dahinter kommen musste, was exponentielle Verzinsung für sein Eigentum an agrarischer Ware bedeuten könnte: 2^64 = 18.446.744.073.709.551.616 Körner *1 g = 18,4 Billionen Tonnen Warenschulden! Mal wieder: Die Welt ist nicht genug
.
Ohne Warenproduktion kein Geld. Versuchen wir mal gedanklich, nein besser „in Gedanken“, nichts zu produzieren: Der Fabian-Banker drückt jedem 1.000 Kreditgeld in die Hand gegen 10% Sollzinsen, alle liegen auf der faulen Haut, lassen das Geld beim cleveren Fabian für 5% Habenzinsen (Mann hat der wieder alle übervorteilt) und warten 10 Jahre. Fabi-Banker verlangt dann von uns
1.000*(1+0,10)^10 = 2.593,74 und wir von ihm
1.000*(1+0,05)^10 = 1.628.89.
Differenz unsere = 964,85 Schulden an die Bank.
Alles rechtsgültige Schuldverträge. Wie beim Monopoly. Das wahre Leben. Na und? Ohne materielle Produktion auch kein Rechtstaat. Im Schuldturm liegt das Geld auch nicht rum. Es fehlt also gesellschaftliche Produktion, d.h. Warenwerte von 964,85 zur Verrechnung. Zins und Zinseszins ohne Realwirtschaft ist reine mathematische Fiktion. Der Anti-Fabian. Daher “Zins = neue künftige Produktion”. Geld heckt eben auch unbeobachtet im Tresor kein Geld. Und selbst wenn er es drucken würde: Es hätte gar keine Funktion, denn es gibt ja nichts zu kaufen. Es ist also kein Geld. Mehr Ware ist mehr Geld. Diese Schulddifferenz nun nur mit neuem Kredit umzuschulden wäre dasselbe als ob Fabian ein Loch buddelt und es mit Sand aus einem zweiten Loch zuschüttet, das zweite aus einem dritten etc. Er kann sich unsere fiktiven Schulden nur mit fiktivem Geld selbst ersetzen, weil er ja auch das Monopol dazu hat. Wohl bekomm‘s! Ware ist Geld. Und wer die besitzt, dreht am Glücksrad.
Denken wir das mal andersrum: Produzent erweitert Produktion oder erhöht Produktivität (Meinetwegen braucht keiner mehr rackern, wenn ein Automat alles produzieren könnte. Der Stausauger ist nicht der Feind der Hausfrau.). Ergebnis: Mehr Ware zu bisherigen Marktpreisen (der will ja den Gewinn mitnehmen). Jetzt fehlt aber die passende Geldmenge im Volk dazu und das druckt es nicht (naja, manchmal illegal schon).
Das Problem liegt jetzt darin, dass die gesellschaftliche Zinsdifferenz 964,85 = 96,485% auf den Kreditbetrag sind. Um so viel müsste die Realwirtschaft ohne Preisinflation wachsen oder ohne Produktionswachstum durch Preiserhöhungen bezahlt werden. Hier geht es dann an Ersparnisse, Lohnerhöhungen, Dispokredite. Die Zinsdifferenz (Soll/Haben) steuert ganz maßgeblich Wirtschaftswachstum und Konsum, je nachdem, wer die und wie viel Kredite er bekommt. In Deutschland sind sie meisten Zinseinnahmen der Banken aus den sehr teuren Dispo- und Überziehungskrediten.
Der Zinseszins als volkswirtschaftlicher Saldo von Soll- und Habenzinsen betrachtet korreliert mit Warenmengen, Warenwerten und Warenpreisen hinsichtlich eines adäquaten Saldos aus deren Inflations- und Deflationsfaktoren.
Wenn z.B. allgemeine Lohnsteigerungen um 10% alle Warenpreise im Großhandel um 2% verteuern, mussten die Unternehmer darin enthalten die somit steigenden Produktionskosten mit höherer Kreditaufnahme und Zinsen dafür auffangen. Aus der Geldinflation an Löhnen kämen erhöhte Ersparnisse und/oder erhöhte Konsumnachfrage. Letztere ist aber noch gar nicht mit Waren untersetzt, so dass neben der Zinsjustierung der Marktpreise nun noch deren Inflation folgt. Erhöht die dagegen die Habenzinsen, geht viel Geld weg von der Nachfrage in die Ersparnisse, und die Inflation wird gedämpft. Deshalb ist stets Dynamik im System, weil die Entscheidungen für oder gegen etwas kaum vorhersagbar sind.
Wenn es aber Aufgabe der EZB ist für Preisstabilität zu sorgen (max. 2% Inflation p.a.), dann hat sie nur die Zinsschraube, allerdings für Soll und Haben. Freund Fabian kannte bloss Soll.
@globalnote & localenot:
Vielen Dank für die detaillierten und klaren Antworten; einiges scheint nun deutlicher.
Es war auch keineswegs meine Absicht, die Produktivität JETZT anzugreifen (sondern erst langfristig ;o)
Und ich bin voll für die gerechtere Verteilung der noch vorhandenen Arbeit (siehe Grundsatzblog).
Ebensowenig bin ich gegen Konsum; ich bin nur gegen die künstlich (= manipulativ) von der Industrie geweckten “Bedürfnisse”, die keinerlei Entsprechung in den realen Wünschen der Menschen haben, und die hypertrophierte Ausartung solcher Bedürfnisse (“… beim Urlaub wird NICHT gespart…”).
Will auch sagen: mancher kann seinen Konsum wohl nicht richtig steuern, da ihm ständig neue “Ziele” vorgegaukelt werden (daher auch der Neid als einer der wichtigsten Bestandteile von BILD – siehe resp. höre “die Ärzte”).
Und außerdem gebiert jede Antwort neue Fragen, zum Beispiel: Wenn etwas bisher ganz gut funktioniert hat, dann heißt das ja noch lange nicht, daß es auch weiterhin so gut funktionieren wird, oder?
Der Marktführer von heute kann ja durchaus der Pleitekandidat von morgen sein, das bekommen wir ja gerade im Bankensektor vorgeführt. Und es wird wohl schwerlich gelingen, den Geist wieder in die Flasche zurückzubekommen resp. die Banken wieder zu ihrer ursprünglichen Rolle in der Wirtschaft und Gesellschaft (Verwahrung, Liquidität und Kredit) zurückzuführen. Da müßte schon das ganze (Fed-Res-)System geändert werden. Und wer sollte das tun?
Insofern wäre “Gewohnheit” zur Rechtfertigung des Zinses etwas dürftig. Herr Dr. Jahnke hatte aber darum gebeten, dieses Thema nicht ständig “aufzuwärmen”; ich ziehe also meine Wortmeldung in diesem Punkt zurueck, weil ich seine sachlichen Argumente nochmal überdenken will. Auch das Thema der Dynamik, das “localenot” so schön dargestellt hat.
Aber:
Wenn ich mich nicht täusche, hat Japan seit Anfang der 90er praktisch einen nominalen Nullzins, ein RESULTAT einer (Immobilien-)Blase, NICHT dessen Ursache.
Sie sehen mich erneut ratlos. Steht uns nun ähnliches bevor?
@hans-im-glück
Wir lassen den Zins mal als notwendig gelten und bleiben so im Block
. Worum es geht ist, dass der rechte und linke etc. Keynesianismus bis Greenspans/Bernankes/Trichets Neoliberalismus ja ernsthaft davon ausgeht, irgendjemand könne mit Zinsen hoch oder runter nicht nur Kredit- und Produktionskosten und Konkurrenzvorteile regeln und Inflation bremsen, sondern sogar ganze gesellschaftliche Zustände wie Massenarbeitslosigkeit und deren Gegenteil Vollbeschäftigung, zumindest in irgendeinem Gleichgewicht der Einkommen aus Kapital und Arbeit halten.
So definiert Keynes, das Ziel allen Wirtschaftens sei die Bedarfsdeckung bzw. Bedürfnisbefriedigung. Ab dieser empirisch falschen Aussage musste zwangsläufig sein gesamtes Begriffs- und Gedankengebäude wacklig werden. Das Ziel jedes Dagoberts ist der private Profit und nicht die Seligmachung des Plebs-Entenvolkes durch Vollbeschäftigung, für die er profitlose Investitionen aus seinem Geldkeller in Entenhausen geben müsste. Das eine (steigender Profit) ist mit dem anderen (hoher Beschäftigungsgrad) nicht zu haben. Im Gegenteil. Die Profitrate (Gewinne zu Produktionskosten inkl. Löhne für ihre Erzielung) muss abnehmen (auch wenn nominal Gewinne steigen und Kapital akkumulieren), weil der Kampf um private Extragewinne gegenüber dem branchenüblichen Durchschnittsgewinn stets auf sinkenden Stückkosten (darin die Lohnstückkosten) der Konsumgüter beruht.
Daher die konkurrenten Investitionen in schnelle Produktivitätserhöhungen, d.h. in hochproduktive Investgüter (Maschinen/Anlagen). Das schafft zeitweilig Arbeit im Maschinenbau und Bauwesen, vernichtet dann aber Arbeit in der Konsumgüterproduktion, wo wegen der Mechanisierung der Arbeit Leute entlassen werden. Jetzt gibt es zwar billigere Konsumgüter, aber auch viel mehr davon, also steigen die Warenwerte (BIP) insgesamt, während die gut bezahlten Arbeitnehmer immer weniger werden und damit die gesellschaftliche Kaufkraft sinkt. Gegenüber der Konkurrenz hat der investieren Unternehmer nun den Vorteil, dass noch billiger produziert, der Marktpreis aber zunächst gleich bleibt (am liebsten steigt), was einen Extragewinn bringt. Dann investiert die Konkurrenz oder erfindet was ganz Neues und wird noch billiger usw. Und dieser Zwang aller Produzenten Kosten nicht über dem so stetig sinkenden Durchschnittsgewinn zu haben (=Bankrott) schafft und verstärkt Unvereinbarkeiten:
A) Die im Gesamtwert und -menge sich verteuernden Gütermengen als
B) stete relative Überproduktion gegen die
C) parallel dazu sinkenden Lohnsummen und Kaufkraft bei
D) verstärkter Akkumulation des Geldkapital bei den Kapitaleignern (Umverteilung).
Je mehr Kapital eingesetzt werden muss zur Warenproduktion und die Warenmenge und Preissummen stetig steigert, desto mehr vernichtet es die gesellschaftlichen Bedingungen die Warenmenge auch verkaufen zu können (Kaufkraft; Keynes ‚Armut im Überfluss‘). Die Gewinn-Effizienz des Kapitaleinsatzes sinkt mit seiner Erhöhung (tendenziell fallende Profitrate). Und diese permanente Erhöhung des Kapitaleinsatzes (Hochtechnologien) als Kapitalbedarf bringt dann die ungeheure Kreditgeldschöpfung hervor und vernichtet/schluckt/korrumpiert zunächst als zu gewinnineffizient das überflüssige Kapital des schlechter ausgerüsteten Mittelstands durch Kapital akkumulierende und dann transnational bis global agierende Großkonzerne, die letztendlich auch nur zu global fallenden Profitraten globalisieren, weil sie die grundlegenden Bedingungen der Kapitalentwertung durch weltweiten Kaufkraftverlust (s. Deutschland nähert sich beim Einkommen China an und umgekehrt bis um eine mittleres globales Armutseinkommen herum) globalisieren.
Obwohl also massenhaft billige Ware da ist, wird sie immer unverkäuflicher und die Vermögenden suchen nach neuen Investitionsmöglichkeiten außerhalb ihrer zahlungsunfähigen Märkte (Casino global). Irgendwann murrt das Volk (s.o. A-D) und der Regierung wird mulmig. Konjunkturprogramme müssen her. Und nun geht das Dilemma des Staates los. Nimmt man die akkumulierten Geldkapitale der Unternehmer als Anleihen (In- und Ausland) und investiert damit im Binnenmarkt (rufen nicht grade alle danach?) Investitionsgüter- zur Konsumgüterproduktion und schafft wertschöpfende Arbeitsplätze, die die in sie investierten Staatsschulden aus den Gewinnen zurückzahlen müssen, dann steht die Politik in direkter Konkurrenz zur Ökonomie der privaten Unternehmen mit dem Zwang (Endpreise) mindestens so produktiv zu sein. Abgesehen davon, was produzieren bei bestehendem relativem Überangebot oder gegen welchen Import antreten und Umsatzerlöse und Gewinne sichern, würde die Menge an neuer Arbeit eine ebenso große an noch bestehender verdrängen, deren Waren nicht mehr absetzbar wären. Gelingt das nicht, ist der Staatsbetrieb pleite und die Staatsschulden noch da. Auch würden die anderen Beschäftigten dadurch nicht mehr verdienen, das Kaufkraftdefizit also insgesamt nicht gelöst werden. Nimmt er die Schulden im Inland auf, kann er nicht gleichzeitig den vermögenden Unternehmer und Zinsgläubiger besteuern und niederkonkurrieren (der kauft dann schlicht keine Schatzbriefe und warnt auch seine Bank oder gründet eine Partei der Abwahl und Schlimmeres), also die Profitrate weiter fallen lassen und dessen Kapital entwerten. Und nimmt man daher die Schulden im Ausland auf, so hat man gar kein steuerliches Druckmittel, sondern muss die vom Binnenmarkt refinanzieren, der diese Beschäftigung aber gar nicht hat und haben kann.
Nimmt der Staat Schulden auf (86 Mrd.) und inszeniert dann ein Konjunkturprogramm außerhalb der Warenwertschöpfung (Abwrackprämie auf schon vorfinanzierte Waren), dann werden schön gestrichene Schulen Tilgung und Zins nicht aufbringen. Und dann kommt (um es nicht durch direkte Steuererhöhungen zu erreichen, wie Frau Merkel schon ankündigte) die Absenkung staatlicher sozialer Leistungen aller Art, kurz die Reallohnsenkung und damit der weitere Verfall der Kaufkraft, die damit weiter verstärkte relative Überproduktion und weiterer Fall der Profitrate. Es wächst die ‚Armut im Überfluss‘
Und gegen diese Mechanik der politischen Ökonomie kann man nicht mit 0-4% Zinsen angehen oder mit Wahlen oder Beten. Und ein muss klar sein: Keynes‘ nachfrageorientiertes deficit spending (Staat investiert aus Ersparnissen der Unternehmer, die per hohem ZB-Zins gelockt werden, aber selbst nicht investieren wollen) hat nie stattgefunden, auch wenn alle rechten und linken Protagonisten Keynes nachplappern und auslegen: Es kam nach 1936 in USA und Europa zu dauerhaften staatlichen Investitionen aus Staatsanleihen und vielen neuen Arbeitsplätzen daraus: in den nicht zivilen Sektor des militärisch – industriellen Komplexes, in Rüstung und die allseitige Vorbereitung und Durchführung des II. Weltkrieges. Die vorausgehende Kapitalzerstörung wegen fallender Profitraten nach dem Boom des 19. Jahrhunderts und die von Keynes beobachtete Massenarbeitslosigkeit aus der liberalen Wirtschaftstheorie heraus brachte den die Überschüsse mit Kapitalzerstörung bezahlenden Mittelstand in Italien, Spanien und Deutschland gegen den national in der Krise versagenden Liberalismus direkt zum Faschismus, weil als die andere Alternative nur der sowjetische Sozialismus blieb, das einzige industrialisierte Land, das von der Krise 1929 verschont blieb! Und wenn man die Profitrate wieder steigen lassen will, dann muss man zerstören, um wieder zu produzieren und mit Gewinn zu verkaufen, und das Wirtschaftswachstum wird unbegrenzt, wenn man einen Markt wie den sowjetischen per Angriffskrieg erobert.
Im Ergebnis: Zerstörung, 50 Millionen Tote (Unterkonsumption?), Wiederaufbau und Wachstum als kein Wirtschaftwunder auf kreditierter Basis D(ollar)-Mark, und dann wieder Sättigung und Fall der Profitrate wegen Unterinvestition. Keynes fand praktisch nie statt und die Niedrigstzinsen der ZB in USA, Japan und Europa beweisen auch nur: Damit gibt es keine Vollbeschäftigung, nicht mal Bremsen der Arbeitslosigkeit.
Es sind nach wie vor die Unterinvestitionen, die das zurückgehaltene akkumulierte Kapital der Geldvermögen darstellt, welche die relative Überproduktion an Waren wegen permanent fallender Kaufkraft des unrettbaren Binnenmarktes über den Globus treibt. Nun fallen auch noch diese Exporte weg. Und wer rüstet alles schon auf? (Sorry, kürzer kann man Komplexes kaum bringen)
@localenot,
Zu “Wir lassen den Zins mal als notwendig gelten und bleiben so im Block”. Ich habe bisher erst bei einem Teilnehmer nach ziemlich groben Beleidigungen mir gegenüber das Freischalten einstellen müssen. Beim Zinsthema, an dem ich mich ja auch selbst beteiligt habe, habe ich nur gebeten, die in meinen Augen unsinne Grundsatzdiskussion um ein Zinsverbot (wie auch eine Abschaffung aller Banken) oder die humane Ursache des Treibhauseffekts zu unterlassen, weil das nach allen Erfahrungen nirgendwo hinführt.
Beste Gruesse
Joachim Jahnke
@ globalnote und localenot:
Besten Dank an alle für die Geduld. Ich wollte auch nicht unhöflich sein zum Thema Zins und den Wunsch respektieren, keine fruchtlosen Prinzip-Debatten vom Zaun zu brechen.
Wobei ich mir eine Bemerkung nicht verkneifen kann: die Steuerungsdynamik ist mir soweit verständlich, und dass daraus die Existenzberechtigung für den Zins gezogen wird. Allerdings sollte die Überlegung zugelassen sein, ob nicht auch ein anderes Steuerungsinstrument diese Aufgaben erfüllen könnte, das nicht so rigoros für eine ständige Umverteilung von unten nach oben sorgt.
Nun zu localenot:
Besten Dank vorab für die gut verständlichen Erklärungen.
Ich gehe mal davon aus, daß der Gewinn NICHT größer sein muß als die Kosten (sondern die Einnahmen) – siehe Ende dritter Absatz. ;o)
Das Thema “Armut im Überfluß” ist ja genau das, was ich meine: warum ist der einzelne Kapitalist nicht in der Lage, gesamtwirtschaftlich zu denken und zu handeln?
Denn dann müßte ihm doch klar werden, daß das Wirtschaftssystem nur funktionieren kann, wenn “genug” Geld für den Verbrauch seiner so hocheffizient und profitabel hergestellten Waren übrigbleibt.
Und daß der Maximalprofit immer nur (relativ) kurzfristig erzielbar ist und langfristig in die Sackgasse führt, weil eben nicht genug Kaufkraft da ist für die Produkte, wenn die Mitarbeiter nur als Kostenfaktoren angesehen werden und ihre Rolle als Konsumenten vernachlässigt wird.
Daß also langfristig es FÜR DEN KAPITALISTEN UND SEIN GESCHÄFT besser ist, mit seinen Mitarbeitern fair zu teilen, damit das Ganze auf Dauer funktionieren kann.
Oder bin ich da auf dem Holzweg?
Alternativ müßten wir die Konkurrenz begrenzen, damit es langfristig für alle “paßt”, oder?
Bitte, es geht mir noch nicht darum, wie eine neue Wirtschaftsweise umzusetzen wäre, ich möchte erstmal verstehen, ob die Überlegungen als solche richtig oder falsch sind.
@hans-im-glück
Hallo. Fragen nervt nicht und auch etwas hintergründige Provokation ist ganz lustig. Vielmehr gibt das – und dabei immer die Fleißarbeit = Dr. Jahnke’s Zahlen aus dem realkapitalistischen globalen Alltag zur Wahrheitsprüfung vor Augen- die Gelegenheit einer komplexeren Gedankenentwicklung.
Meine „Kosten (einzelner) nicht über Durchschnittsgewinn (Branche)“: Wenn die Branche AfA+Verbrauch =K + Gewinn G = VP verkauft:
K[AAAAAALLLLLLLLLL]+GGGG=VP
und dann investiv die Produktivität erhöht, gibt es gegenüber den Nichtinvestoren wegen der sinkenden Stückkosten bei zunächst gleichem VP erst mal einen satten Zusatzgewinn(Maxprofit):
K[AAAAAALLLL]+GGGGGGGG=VP
und danach (gestiegene Warenmenge trifft aber auf etwa stabile Nachfrage = Kampf um Marktanteile und Investitionen der anderen in sinkende Stückkosten) sinken bei ja schon angepassten Kosten notwendig die mittleren Gewinnmargen der Branche im Absatzkampf um die zusätzlichen Produkte:
K[AAAAAALLLL]+G=VP.
Würde also einer nicht mitmachen und wie oben seine Kosten beibehalten, verliert er zunächst relativ zur Branche Gewinnmargen, rutscht dann aber, wenn die allgemeinen Gewinne weiter sinken relativ mit den Kosten höher als die mittleren Branchengewinne = k.o.
Wir hätten hier eine Entwicklung der Profitrate der Branche auf ihr eingesetztes Kapital von G/K = 4/16K =1/4 =25% über die zeitweilig einiger Produzenten 8/10= 80% zu dann allgemein 1/10=10%, also ein Abfall um 40%! Und einige fielen raus und aus die Maus.
„Höhe Kosten Nichtinvestor Produzent A steigt über Höhe VP = Kosten+Gewinn Investoren Branche = Bankrott!“ wäre, zugegeben, besser formuliert, o.k. Aber auch Hans-im-Glück hat recht, weil durch diesen Mechanismus der Konkurrenz von Privatkapital um seine höchste Rendite der Kampf um den Maximalprofit stets nur von kurzer Dauer und Glück für einige ist, aber durch auch deren permanenten Konkurrenzkampf immer nur wieder die Tendenz der fallenden Profitrate für alle erzeugt. China vs. USA und Deutschland. Wir sehen, dass die Lohnsummen L sinken, während Kosten wegen der Investitionen in Produktivitätserhöhung der eingesetzten Maschinen/Anlagen A und des Ressourcenverbrauchs darauf steigen. Immer mehr Kapital und immer weniger Rendite. Am Ende rentiert und lohnt sich der Kapitalismus also nicht und der kapitale Widerstand gegen das tendenzielle Abschmieren nennt sich Globalisierung durch Freihandel.
Das angesprochene Problem, ob der einzelne Kapitalist fair oder unfair zu seiner Belegschaft sein möchte wie ehedem die monarchische Bauernproduktion, steht gar nicht. In Zeiten des Unterangebots (nach dem Krieg), wenn Wirtschaftwachstum Warenmenge und Löhne erhöht und alle das Jahrzehnt goldig finden, kann der Kapitalist großzügig seine Konsumenten = Arbeiter durch guten Lohn zum schnellen Konsumieren animieren und schneller Profite anhäufen. Ein Kapitalist bedient den anderen durch die hohen Gewinnmargen, wofür hohe Löhne gebraucht werden. Kommt es aber zur Sättigung, entsteht ein relatives Warenüberangebot und Nachfrageabfall dazu als permanenter Zustand. Nun fehlen die Käufer und man ist relativ zu teuer, daher Stückkostenkampf (samt regierung bezüglich der Lohnnebenkostenentlastung gegen die internationale Konkurrenz, ha ha). Und dann s.o.
Kapitalist sein ist keine ethische Frage, sondern nur die Frage Kapitalbesitz zu haben (Produktionsmittel + Kredit für Warenkauf und Löhne), damit Ware zu produzieren und dann am Markt gegen die Konkurrenz zu bestehen in GZSZ. (Kapitalist) Sein oder nicht sein, ist die einzige alternative Frage. Der einzelne Kapitalist hat durch den gesellschaftlichen Charakter und inzwischen globalen Abhängigkeiten bis China keine Entscheidungshoheit mehr den Gutmenschen heraushängen zu lassen, weil die Maske runter ist. Er muss den objektiven Gesetzen folgen und kann sie nicht selbst erlassen, er muss mit den Haien schwimmen und mit den Wölfen heulen oder er „wird ausgestiegen“. Sein Kapitaleigentum kann ihn mit letzter Konsequenz gar nicht der Allgemeinheit verpflichten (s. GG), da er diese hier und global ausbeuten muss und, bei Strafe der wegbrechenden Profitrate und seines Unterganges als einzelner und als Gesamtkapitalist, Mehrwert erzeugen und als Geld aneignen und sinnlos bei wegbrechenden Investitionsmöglichkeiten akkumulieren muss.
Um den systemischen Webfehler zu verstehen, muss man mal im Internet eine Bilanz lesen (meist unter Investor Relations), konkret eine Gewinn- und Verlustrechnung (GuV), weil nur dort die Personalkosten auftauchen. Umsatzerlöse 2000 und Personalkosten 300 und AfA 200 und Material 400 und sonstige Ausgaben 100 … Gewinn 1000-(300+200+400+100..) = X00 = X0%.
Also: Auf den Markt kam Ware zu einem VP von 2.000 und die Arbeiter und Angestellten inkl. Manager erhielten zu deren Kauf 300. Das reicht wohl nicht zum Kauf. Aber die Zulieferer von Maschinen und Material … erhielten doch auch Geld, was auf dem Markt ist? Gut nehmen wir uns deren GuV: Gewinn = Erlöse s.o. AfA 200 – (AfA+Material+Löhne+…)= Y00 =Y=%. Die GuV der Materiallieferanten Gewinn =Erlöse 400 –(+) = Z% dito, der Heizwerke, der Stromwerke, der Anwälte … die ganzen Wertschöpfungsketten horizontal und vertikal: Es fehlt gegen die Verkaufspreise der erzeugten Waren (BIP) immer die nicht wertmäßig in Geld ausgezahlte Kaufkraft = akkumulierte Gewinne der Kapitaleigner (mindestens in Höhe der Nettogewinnmargen der Kapitaleigner und Ersparnisse, der Lohnarbeiter egal wie man den Rest vom Umsatzerlös über den Nettolöhnen dann über den Staat mit Steuern und Abgaben unters Volk bringt.).
Das ist der Systemfehler: Die permanente Erzeugung einer Unterkonsumption durch Gewinnakkumulation aus der Wertschöpfung der Arbeit oder andersrum die permanente relative Überproduktion von Waren und deren Werten gegenüber der sie schöpfenden zahlungsfähigen Nachfrage (unter der Wertschöpfung bezahlter Wert der Arbeit). Steigt nun noch s.o. im Kampf gegen die fallende Profitrate die Produktivität durch Investitionen aus Krediten und erhöhen sich nun die unverkäuflichen Warenmengen enorm, sie beschleunigen sie s.o. das Sinken der mittleren Branchengewinne. Und, wie gesagt, der kapitale Widerstand gegen das tendenzielle Abschmieren der Kapitalrenditen nennt sich Globalisierung durch Freihandel. Im Prinzip ist immer so viel Ware und deren Preissumme übrig, wie die allgemeine Kaufkraft um die Gewinnentnahme der Kapitaleigner verringert wurde. Der Zwang zu höherer Produktivität macht das eingesetzte Maschinenkapital immer teurer und damit die Kreditmenge und die eingesetzten Löhne relativ dazu immer weniger. So verstärkt sich die relative Überproduktionskrise und der Kapitalist muss den sich für seine Produktivität und Warenmenge und -werte sich relativ „verengenden“ Markt lebensrettend systemisch erweitern (Export und Auslandsinvestitionen der übeerschüssigen Waren und Geldakkumulation), da ansonsten jede Profiterzielung unmöglich wurde. Zeichen dieses Zustandes sind Firmenverschmelzungen und Übernahmen (mergers & fusions) als Rettung vor vollem Renditeverlust der Zuspätkommer oder Fehlinvestoren in Richtung einer poly- und/oder oligarchischen Monopolisierung der Branchen.
Hier weitet sich nun das Profitratenproblem auf immer mehr Weltmarkt aus und China musste sein. Die riesige Anhäufung von Privatkapital gegen Anfang der 80-ger in den USA und hier war eine Akkumulationskrise, weil es bei den relativ gesättigten (umsatzstabilen) westlichen Märkten eine Absatzverengung (wachsende Unterkonsumption), ergo das Absacken der Profitrate darstellte. Dagegen hilft nur Erweiterung auf neue Märkte. Nachdem Russland von dem für Zusammenhänge resistenten Gorbatchov dazu geöffnet wurde und Ende 1999 nach einem Jahrzehnt der gnadenlosen Ausbeutung der Ressourcen durch Jelzins US-Stellvertreter-Regime mit Putin nicht mehr mitspielte, das Problem aber dasselbe blieb, wurde 2001 dann China per WTO in den Freihandel zur Hebung der allgemeinen Profitrate durch Hyperausbeutung der Arbeiter (weitere Globalisierung) geholt und die überschüssigen Investitionen (Geld und Industrieanlagen) gingen erst mal dorthin. 2000 fand zuvor ja noch aufschreckend die Aktienkrise des „neuen Marktes“ statt, wo wieder die Margen verschwanden.
Das seit Aufkommen der kapitalistischen Wirtschaftsweise wegen industrieller Revolution einzige denkbare und machbare Krisenlösungszenario der Profitratensicherung durch globale Expansion, der sogenannte Freihandel, des Dollar-Kapitals ist nun einmal um den Erdball rum und hat trotz Hyperausbeutung von neuen Milliarden Menschen als neue „Armut im Überfluss“ im Osten nur zur Deindustrialisierung und neuen Armut im Westen geführt und gar kein Problem gelöst. Schlimmer noch, trotz Anlage der Überschüsse in die riesige chinesische Realwirtschaft als neuen Markt platzte parallel dazu die Hypothekenbombe aus der über China extrem beschleunigten Überproduktion von Geld und Kreditgeld. Und nun steht kein Markt mehr zur Expansion zur Verfügung und damit ergibt sich qualitativ und historisch einmalig die Möglichkeit des Abschmierens der Profitrate, des Wertverlustes allen akkumulierten Privatkapitals denen die realwirtschaftliche Entsprechung fehlt. Oder man überfällt mal wieder Russland als letzte Reserve. Nur haben sich die Waffen seit Stalin und Roosevelt im Vernichtungseffekt vertausendfacht. Und plötzlich überall Stützpunkte um Russland und ein Raketenabwehrsystem soll nach Polen. Das ist Erstschlagplanung. Eine US-Bombe auf Nagasaki war schon 1945 in einer Minute relativ tödlicher als Hitlers Mordmaschine in Jahren. Und wenn das System selbst nicht geändert wird, dann muss nach dem letzten unterjochten Land wohl dennoch mehr her: Die Welt ist für das kapitalistische System eben nicht genug.
Die oft geforderte (keynesianische) Stärkung der Nachfrage des Binnenmarktes durch staatliche Investitionen aus Schulden klingt verlockend: Arbeitsaufträge vom Staat und Geld dafür und weniger Arbeitslosigkeit. Sei es drum, wenn es egal ist, woher die Rückzahlung kommt. Bestimmt nicht vom Kapital oder bunt gestrichenen Klassenräumen. Das Hauptproblem wird aber so nicht gelöst: Kein einziger Kapitaleigner wird durch eine staatliche Investition in sein Unternehmen oder ein konkurrierendes Unternehmen oder die Verstaatlichung seines Unternehmens die gesellschaftlich sinkende Profitrate des Binnenmarktes, die das Kapital um den Erdball bis USA und China jagte, hier dauerhaft damit anheben können. Im Konkurrenzfall verliert er seinen Umsatz und die Unterkonsumption sinkt weiter = sinke Profitrate. Der Eigentümerwechsel im Unternehmen beseitigt die Unterkonsumption auch nicht und Staatsinvestitionen in mehr Ware haben kein Käufer. Die USA wie auch Deutschland haben dieses zivil unlösbare Problem des kapitalistischen Webfehlers, dem Mehrarbeiter den Mehrlohn wegzunehmen, nur durch Rüstung und Vernichtung gelöst. Und nicht nur einmal. Und wir sollten mit Blick auf Russlands Sicherheit sehr wachsam sein.
Ein fairer ordentlich geregelter ohne totalen Freihandel eurasischer Wirtschaftsraum mit EU und Russland/GUS wäre eine Lösung für Wirtschaftswachstum und Wohlstand in Ost und West. Und China könnte sich seinen Problemen widmen.
@ localenot:
Besten Dank für die Mühe und die Aufklärung, soweit alles verstanden. Denke, daß auch die Ausblendung von technologischem Fortschritt (da er auch nicht komplett an die Menschen weitergereicht wird) und darauf begründetem Produktivitätszuwachs (siehe Al Fry und seine Ideen) das Bild nicht wesentlich verfälscht hat.
Wenn ich den “Webfehler” im System richtig resümiere, geht es schlußendlich “nur” um die dem realen Wirtschaftskreislauf (zeitweise) entzogenen Netto-Gewinne und die Ersparnisse, oder?
Die kommen doch aber auch “irgendwann” wieder als Konsum (in dieser oder jener Form: Investition, Immobilie etc.pp.) wieder in den Umlauf bzw. steigern das Volksvermögen. Also?
Und auch nicht ganz verstanden habe ich den letzten Absatz: wieso soll trotz des “Systemfehlers” eine solche “eurasische Wirtschaftsunion” die Lösung der Probleme (und nicht nur deren Weiterverlagerung) sein?
Bitte nicht zürnen ob der erneuten Fragen: entsprechend meinem Nicknamen darf ich “halt ein bissel blöd” sein, oder?
Um mal mit dem “großen Führer Mao” zu sprechen: “Nur wer hungert, kann revolutionär sein.”
Gemeint ist: nur wer nichts besitzt, ist wirklich frei in seinen Entscheidungen.
Und wenn es so weiterläuft wie momentan es aussieht, sind ja immer mehr Menschen recht bald an diesem Punkt…
@hans-im-glueck,
Eine “eurasische Wirtschaftsunion” wird uns wohl kaum helfen, zumal dafür nur Partner zu gewinnen sein werden, die unsere Hilfe brauchen, wie die Ukraine.
Beste Gruesse
Joachim Jahnke
@Hans-im-Glück
Hallo. Oder Janis Joplin: Freiheit ist nur ein anderes Wort für ‚nichts mehr übrig zum Verlieren ‘.
Vereinfacht: Das arbeitende Volk stellt für 100 € Ware für seinen Konsum her, bekommt zum Kauf aber nur 80 € (Lohn und über Verteilung der Steuern) ausgezahlt. Damit bleiben 20% Warenwerte physisch unverkäuflich (relative Überproduktion) und deren Geldform 20% Marktpreise akkumuliert sich als Nettoprofit beim Kapitaleigner.
Der kann wegen seiner Minderzahl aber auch samt Familie eben nicht die Tausende Tonnen Butter, Milch, Fleisch, Kleidung, Autos, Föne etc. =20% Warenwerte verkonsumieren, weshalb dieses akkumulierte Geldkapital zwar BIP-Waren entspringt und statistisch auch Volkseinkommen ist, aber im Binnenmarkt nicht vollumfänglich in Geld- und damit die Warenzirkulation = Konsum geht, bei allem Luxus.
Also: Als stetig steigende Profite akkumuliertes Geldkapital im Binnenmarkt erzeugt stetig steigend überschüssige Ware (Konsumgüter) und stetig sinkende Kaufkraft = Schere = Webfehler. Ergo: Ware sucht Kaufkraft im Ausland =Export und Profit daraus und aus Inland sucht Geldanlage im Ausland, da Binnenmarkt nichts mehr hergibt.
Ist Ausland 1 dito satt und aufgeteilt im Wettbewerb geht alles nach Ausland 2 usw., was man Globalisierung nennt. Macht man das nicht, fällt die Kapitalrendite (Profitrate) im Binnenmarkt (oder Wirtschaftsraum X) eingesperrt auf 0, das Kapital schafft keine Erträge mehr und das Geld keinen dem so beendeten Wirtschaftswachstum adäquaten Zins. Ende des Kapitalismus, da Kapital nichts mehr wert. China war das letzte Aufgebot für die heillos überschuldeten USA, die ehedem mal 57% der Weltwirtschaftleistung produzierten bei 6% der Weltbevölkerung und heute 40% des BIP im Finanzsektor als Blubberblasen erzeugen. Nicht arbeiten aber essen wollen?. Deshalb untrennbar Chinamerika. Nur stehen den s.o. systemisch wachsenden Mengen Chinawaren keine wachsende Kaufkraft der gerade die Kreditblase bereinigenden Amerikaner gegenüber und in Deutschland/WE (s. Dr. Jahnke‘s Schaubilder) sinken die Löhne.
Wir haben also dasselbe Problem s.o.: Überschuss an Ware und Geld muss ins Ausland. Die neue Qualität ist aber, dass, wenn wir Europäer der historische Ausgangspunkt der kapitalistischen Globalisierung waren und unsere den Binnenmarkt verstopfenden Überschüsse an Ware und Geld in alle Welt brachten, um im zivilen und militärischen Kampf gegen die fallende Profitrate diese zu erobern, diese Überschüsse an Ware und Geld nun wundersam und tausendfach vermehrt auf uns zurück einbrechen und uns erobern und einordnen in den globalen Markt der Billigjobs und Niedriglöhne.
Insofern dieser Webfehler also Waren und Geld (auch unsere Exporte noch) als relativen und nun sogar globalen Überschuss über die globale Kaufkraft der kapitalistischen Märkte erzeugt und nur durch Expansion in neue Wirtschaftsräume mit niedrigerer Mehrwertrate verwertet werden kann, wäre es die Überlegung wert, diesen Prozess mit Russland/GUS überlegt zu gestalten, weil anders immer die Gefahr besteht, dass der Wirtschaftsräume zu den gleichen Zwecken ggf. ebenso gewaltsam erschlossen wird, wie ein gewisser Schickelgruber es im Auftrag versuchte. Und dessen zahlender Auftraggeber, das Großkapital, ist immer noch da. Und dessen Geld- und Produktivitätsüberschüsse sind heute viel größer, wie auch die Waffen viel effektiver sind. Natürlich würde ein eurasischer Wirtschaftsraum die bisherigen Denk- und Organisationsweisen und Pakte (EU, NATO, WTO, G-1 bis X, UNO, GUS …) bis zum Geld völlig neu gestalten und ist, mir bewusst, keine aktuelle Politik.
Es ist daher, völlig richtig Hans-im-Glück, genau die Frage, ob die Beibehaltung des Globaliserungs-Systems auf privater Kapitalbasis, das diese ganzen Umverteilungen zwischen Reich und Arm von ursprünglich Land zu Stadt und nun schon Weltweit, nicht gegen ein anderes System der langfristigen und globalen sozialen Sicherheit aufgegeben werden muss, weil beim jetzigen Monopoly am Ende alle nichts haben und einer alles.
Aber das Fortdenken der bisherigen Wirtschaftsweise ohne wenigsten temporäre ein paar Jahrzehnte haltende Ventil-Lösung des Webfehlers kann nur global zu sozialen Unruhen bis Kriegen führen. Und da lohnt es sich schon über alternative Ansätze zu sinnieren.