Dieser Beitrag wurde geschrieben von am Montag, 27. April 2009 um 8:57 am und eingeordnet unter Uncategorized. Du kannst den Antworten zu diesem Eintrag mit Hilfe des RSS-2.0-Feeds folgen.
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als regelmäßiger Besucher Ihrer Webseite schätze ich das Infoportal als eine der wenigen Quellen unabhängiger und kritischer Information im deutschsprachigen Internet. Seiten wie die Ihre sind von unschätzbarer Bedeutung für den Aufbau einer kritischen Gegenöffentlichkeit in Deutschland. Weiter so!
Dennoch muß ich in bezug auf Ihre Grafik zu den weltweiten Hightech-Exporten einige kritische Anmerkungen machen. Anscheinend sind Ihnen einige Fehler – wer ist schon perfekt – bei der Auswertung der entsprechenden EU-Veröffentlichung unterlaufen.
Sie schreiben, daß Deutschlands Anteil an den weltweiten Hightech-Exporten bei 1,1% liege und der deutsche Anteil an den EU-Hightech-Exporten bei 7.7%. Tatsächlich weist Eurostat aber den deutschen Anteil am Hightech-Weltexport mit 7,68% ( Figure 7, S.4 ) aus, nur wenig niedriger als der von Japan mit knapp 8%. 1,1% könnten eventuell dann stimmen, wenn man nur die Extra-EU-Exporte rechnet. Die sind aus deutscher Perspektive aber nicht wesentlich anders zu werten als Intra-EU-Exporte, und sagen nur wenig über die allgemeine deutsche Wettbewerbsfähigkeit aus, weil Deutschland natürlich auch innerhalb der EU mit Waren aus dem Nicht-EU-Raum konkurriert.
Zudem empfiehlt es sich bei solchen Vergleichen immer die unterschiedliche Bevölkerungsgröße der einzelnen Länder zu berücksichtigen. So weist die EU für 2006 Hightech-Exporte von 217,632 Mrd. Euro für China, 215,78 Mrd. Euro für die USA, 124,098 Mrd. Euro für Deutschland und 103,221 Mrd. für Japan aus ( wieso ist der Weltexportanteil dann größer als der deutsche ? ). Pro Kopf gerechnet sind das rund 165 Euro für China, 721 Euro für die USA, 1507 Euro für Deutschland ( vergleichbar mit UK ) und 810 Euro für Japan. Gemessen an der Bevölkerungsgröße ist Deutschland also mit Abstand der stärkste Hightech-Exporteur unter den großen vier. Ganz so schlecht sieht es um die deutsche Wettbewerbsfähigkeit also nicht aus. Und anders als die USA oder die EU insgesamt haben wir auch noch einen Überschuss im Handel mit Hightech-Produkten.
Ähnliches gilt auch für das Gesamtvolumen der deutschen Exporte ( Pro Kopf rund 16 mal so hoch wie der chinesische ) und den deutschen Export-/ Leistungsbilanzüberschuss ( Pro Kopf etwa 8-10 mal so hoch wie der chinesische ). Um die Bevölkerungsgröße relativiert, sind die Chinesen also eher harmlos verglichen mit den aggressiven Deutschen.
Außerdem sollte man sich nicht allzu sehr von den internationalen Warenklassifikationen irritieren lassen. Ist ein deutsches High-end Auto, mit einer Vielzahl in Deutschland entwickelter elektronischer Komponenten, eine komplexe, computergesteuerte deutsche Maschine wirklich weniger “Hightech” als ein Standard CD-Player oder Handy aus China, nur weil sie nicht unter die entsprechenden Hightech-Warenklassifikationen fallen? Ich hab da meine Zweifel.
Tatsächlich dürfte das Volumen deutscher Hightech-Exporte noch erheblich höher sein, als die offiziellen Zahlen suggerieren.
China ist vor allem ein Problem, weil es so riesig ist. Da drohen natürlich langfristig ganz andere Verwerfungen für den Welthandel, als sie von Deutschland ausgehen können.
Allerdings werden auch die Chinesen lernen müssen, daß man nicht auf Dauer immer nur exportieren und Kredite ans Ausland vergeben kann. Irgendwann sind die ausländischen Konsumenten so verschuldet, daß einem schlagartig die Exporte wegbrechen. Genau das erleben wir ja gerade in Deutschland, Japan und einigen anderen Ländern. Letztlich kann die Globalisierung nur funktionieren, wenn sie auf einem System des ausgeglichenen, fairen Handels beruht. Da stimme ich mit Ihnen durchaus überein. Dennoch sollten wir uns zunächst mal an die eigene Nase fassen, bevor wir von anderen Besserung verlangen.
Ich möchte der Argumentation von globalnote aus einer etwas anderen Perspektive einerseits recht geben andererseits etwas widersprechen. Generell ist zu sagen, daß Exportzahlen reine Umsatzzahlen sind, also nichts über den inländischen Wertschöpfungsanteil der Exporte bzw. über das im Inland anfallende Einkommen aus Exporttätigkeit aussagen.
Nach der letzten Analyse des StaBu hat sich im Zeitraum 1991 bis 2002 das Verhältnis zwischen in den Exporten enthaltener inländischer Bruttowertschöpfung und importierten Vorleistungen stark zu Gunsten des Auslandes verschoben. 1991 lag der Importanteil der deutschen Exporte noch bei 26,7 %, stieg insbesondere zwischen 1995 (29,7 %) und 2000 (38,1 %) stark an und erreichte 38,8 % im Jahr 2002. Diese Entwicklung wurde bisher durch den überproportionalen Anstieg der Exporte überkompensiert, so daß der Anteil der ausfuhrbedingten Bruttowertschöpfung am BIP gestiegen ist. Diese Entwicklung mag vielen bedenklich erscheinen (Basarhypothese), allerdings hat sich der Anteil importierter Vorleistungen im Vergleich zu anderen entwickelten Industrieländern in der Deutschland noch am günstigsten entwickelt.
Für die osteuropäischen Reformländer wie auch viele Schwellenländer ist die importierte Vorleistung am Export noch viel höher und erreicht in manchen Entwicklungsländern 90 Prozent. Wie die Situation in China aussieht, ist mir nicht bekannt, allerdings vermute ich, daß gerade beim Export von High-Tech-Gütern der Anteil importierter Vorleistung relativ hoch ist, wenngleich wahrscheinlich sinkend. Dennoch würde ich selbst, wenn man nur bei der hier betrachteten Warenklassifikation bleibt, davon ausgehen, daß der Erfolg Chinas überzeichnet ist. Hinzukommt, daß die Aussagekraft des Exports von sog. High-Tech-Gütern beschränkt ist, denn viel wichtiger ist, mit wieviel High-Tech-Einsatz Exportgüter hergestellt werden, und beim Einsatz von High Tech gehört DE zu wettbewerbsfähigsten Volkswirtschaften.
Die Pro- Kopf-Umrechnung der Exporte halte ich allerdings für problematisch, wie schneiden dann Schweden oder die Schweiz ab? Zudem sollte man bei einem Land wie China, das von einem enormen Entwicklungsgefälle geprägt ist, schon die Regionen nehmen, von denen der Großteil der Exporte ausgeht – und dieser ist dank Direktinvestitionen z.T. auf den neuesten Stand. Man denke an die neue Produktionsstätte von Airbus in der Hafenstadt Tianjin.
Im Prinzip gilt natürlich für China und auch die Bundesrepublik, wie auch z.B. für Japan oder Südkorea, daß der Rest der Welt die gewaltigen Überschüsse weniger Volkswirtschaften auf die Dauer nicht hinnehmen wird. – Für die Bundesrepublik, fürchte ich, kommt noch hinzu, daß ihre Innovationsfähigkeit im Vergleich zu anderen Industrieländern in der Zukunft sinken wird, wenn die Investitionen für Bildung sowie Forschung und Entwicklung auf einem so tiefen Niveau bleiben. Nach einer Studie des DIW nimmt DE im Bereich Bildung unter 17 weltweit führenden Industrieländern nur Platz 15 ein.
Orlando Pascheit
Da kann ich nur zustimmen. Leider hatte ich versaeumt, auf den Wertschoepfungsanteil abzustellen. Wenn man die Vorproduktimporte abzieht ist die Bedeutung des Exports fuer die Gesamtwirtschaft noch geringer und duerfte die Aussage des Ministers von 3/4 des Wachstumseinbruchs durch Exportrueckgang noch weniger zutreffen. Andererseits gibt es wahrscheinlich auch Inlandsumsatz, der den Export vorbereitet, so dass Inlandsumsatz und Export schwer zu trennen sind. Jedenfalls ist die negative Entwicklung des Binnenumsatzes ein grosses zusaetzliches Problem, das nicht durch den Hinweis auf die Weltwirtschaft verniedlicht werden darf.
So ist der Import/Re-Exportanteil an den deutschen Exporten in den vergangenen Jahren gestiegen, eine Reihe kleinerer Nationen wie die Schweiz, Schweden, Finnland, Niederlande, Irland oder Singapur weisen auf Pro-Kopf-Basis deutlich höhere Hightech-Exporte aus als Deutschland und Entwicklungsländer wie China holen bei Hochtechnologien auf.
Nur ändert das nichts an der Tatsache, daß Deutschland zusammen mit Großbritannien unter den großen Industrienationen mit Abstand die stärkste relative Position bei Hightech-Exporten hat. Und wie oben angedeutet dürfte die wirkliche Stärke deutscher Firmen im Hightech-Bereich durch die schematische Klassifizierung nach Warenkategorien, wie sie WTO oder EU betreiben, eher unterzeichnet als überzeichnet werden.
Zudem muß man bei einigen kleineren Ländern ( z. B. Irland ) berücksichtigen, daß der Großteil der Hightech-Produktion von ausländischen Herstellern erbracht wird und die eigenständige Entwicklungsarbeit im Hightech-Bereich eher überschaubar sein dürfte. Ähnliches gilt in abgewandelter Weise auch für China.
Viele Hightech-Produkte, die aus China kommen, stammen von deutschen, amerikanischen oder japanischen Herstellern. Um die Stärke deutscher ( amerikanischer, japanischer …) Firmen ( allerdings nicht unbedingt Deutschlands ) bei Hightech angemessen zu bewerten, müßte man eigentlich Produktions- und Entwicklungsstätten in Osteuropa, China und anderen Schwellenländern mit einbeziehen.
Außerdem hängen die Hightech-Exporte einiger kleiner Länder wie etwa Finnland ( Nokia ) oft von einzelnen Herstellern ab. Die deutsche Produktion dürfte hier wesentlich diversifizierter sein. Darüberhinaus werden die Hightech-Exporte etwa in Singapur oder den Niederlanden durch einen sehr hohen Re-Export-Anteil ( über 50% ) aufgebläht.
Und nicht zuletzt besteht ein erheblicher Teil der amerikanischen oder britischen “Hightech”-Exporte aus Militärgütern. Das ist ein Modell, dem man nicht unbedingt nacheifern sollte ( leider tun wir es trotzdem ).
Besonders deutlich wird die Hysterie und Einfältigkeit, mit der hierzulande über die deutsche Wettbewerbsfähigkeit debattiert wird, bei der Diskussion um die sogenannte “Basarökonomie” oder den Importanteil an den deutschen Exporten. Dabei bleibt nämlich völlig unberücksichtigt, daß der deutsche Export verglichen mit anderen großen Industrienationen geradezu lächerlich aufgebläht ist.
So lag etwa 2008 das Volumen der deutsche Warenexporte bei rund 40% des deutschen Bruttoinlandsprodukts, das Volumen der Gesamtexporte inklusive Dienstleistungen bei über 47%. In den USA oder Japan sind es circa 10-15%, in Großbritannien oder Frankreich 20-25%. Selbst nach Abzug des Importanteils ist die deutsche Position im internationalen Handel für eine große Industrienation immer noch extrem stark ( und die deutsche Wirtschaftstruktur dementsprechend einseitig ).
Nur China kommt unter den großen Nationen auf einen ähnlich hohen Anteil. Hier wird der Export in Relation zum BIP in den kommenden Jahrzehnten aber wohl deutlich an Gewicht verlieren.
Auch im historischen Vergleich weist die deutsche Wirtschaft mittlerweile eine äußerst einseitige Struktur auf. Noch 2000 lag das Gesamtvolumen der deutschen Exporte bei “nur” 33% des BIP. Über viele Jahrzehnte hat Deutschland mit einem Exportvolumen von 20-30% des BIP und moderaten Aussenhandels-/Leistungsbilanzüberschüsssen gut gelebt.
Erst mit Sozialdumping und erzwungener Lohnzurückhaltung stiegen die deutschen Exporte und Exportüberschüsse auf absurde Höhen. Was unter dem Slogan “Reform” verkauft wurde, war im Grunde nichts anderes als ein gigantisches Subventionsprogramm für die deutsche Exportwirtschaft.
Mit außerst gefährlichen Folgen nicht nur für die allgemeine Einkommensentwicklung und die sozialen Bedingungen im Lande, sondern, wie sich gerade zeigt, auch für die deutsche Wirtschaft insgesamt. Tatsächlich hängen nur rund 20% der deutschen Arbeitsplätze am Export. Selbst nach Jahren einseitiger Exportausrichtung ist der deutsche Binnenmarkt für die Arbeitsplätze und die Einkommen der breiten Bevölkerung weitaus bedeutender.
Umso wichtiger, daß die wenigen kritischen deutschen Experten wie Joachim Jahnke immer wieder auf die ungeheure Schieflage der deutschen Wirtschaft ( vielleicht vergeblich ) hinweisen.
Lieber Herr Jahnke,
als regelmäßiger Besucher Ihrer Webseite schätze ich das Infoportal als eine der wenigen Quellen unabhängiger und kritischer Information im deutschsprachigen Internet. Seiten wie die Ihre sind von unschätzbarer Bedeutung für den Aufbau einer kritischen Gegenöffentlichkeit in Deutschland. Weiter so!
Dennoch muß ich in bezug auf Ihre Grafik zu den weltweiten Hightech-Exporten einige kritische Anmerkungen machen. Anscheinend sind Ihnen einige Fehler – wer ist schon perfekt – bei der Auswertung der entsprechenden EU-Veröffentlichung unterlaufen.
(http://epp.eurostat.ec.europa.eu/portal/page/portal/product_details/publication?p_product_code=KS-SF-09-025)
Sie schreiben, daß Deutschlands Anteil an den weltweiten Hightech-Exporten bei 1,1% liege und der deutsche Anteil an den EU-Hightech-Exporten bei 7.7%. Tatsächlich weist Eurostat aber den deutschen Anteil am Hightech-Weltexport mit 7,68% ( Figure 7, S.4 ) aus, nur wenig niedriger als der von Japan mit knapp 8%. 1,1% könnten eventuell dann stimmen, wenn man nur die Extra-EU-Exporte rechnet. Die sind aus deutscher Perspektive aber nicht wesentlich anders zu werten als Intra-EU-Exporte, und sagen nur wenig über die allgemeine deutsche Wettbewerbsfähigkeit aus, weil Deutschland natürlich auch innerhalb der EU mit Waren aus dem Nicht-EU-Raum konkurriert.
Zudem empfiehlt es sich bei solchen Vergleichen immer die unterschiedliche Bevölkerungsgröße der einzelnen Länder zu berücksichtigen. So weist die EU für 2006 Hightech-Exporte von 217,632 Mrd. Euro für China, 215,78 Mrd. Euro für die USA, 124,098 Mrd. Euro für Deutschland und 103,221 Mrd. für Japan aus ( wieso ist der Weltexportanteil dann größer als der deutsche ? ). Pro Kopf gerechnet sind das rund 165 Euro für China, 721 Euro für die USA, 1507 Euro für Deutschland ( vergleichbar mit UK ) und 810 Euro für Japan. Gemessen an der Bevölkerungsgröße ist Deutschland also mit Abstand der stärkste Hightech-Exporteur unter den großen vier. Ganz so schlecht sieht es um die deutsche Wettbewerbsfähigkeit also nicht aus. Und anders als die USA oder die EU insgesamt haben wir auch noch einen Überschuss im Handel mit Hightech-Produkten.
Ähnliches gilt auch für das Gesamtvolumen der deutschen Exporte ( Pro Kopf rund 16 mal so hoch wie der chinesische ) und den deutschen Export-/ Leistungsbilanzüberschuss ( Pro Kopf etwa 8-10 mal so hoch wie der chinesische ). Um die Bevölkerungsgröße relativiert, sind die Chinesen also eher harmlos verglichen mit den aggressiven Deutschen.
Außerdem sollte man sich nicht allzu sehr von den internationalen Warenklassifikationen irritieren lassen. Ist ein deutsches High-end Auto, mit einer Vielzahl in Deutschland entwickelter elektronischer Komponenten, eine komplexe, computergesteuerte deutsche Maschine wirklich weniger “Hightech” als ein Standard CD-Player oder Handy aus China, nur weil sie nicht unter die entsprechenden Hightech-Warenklassifikationen fallen? Ich hab da meine Zweifel.
Tatsächlich dürfte das Volumen deutscher Hightech-Exporte noch erheblich höher sein, als die offiziellen Zahlen suggerieren.
China ist vor allem ein Problem, weil es so riesig ist. Da drohen natürlich langfristig ganz andere Verwerfungen für den Welthandel, als sie von Deutschland ausgehen können.
Allerdings werden auch die Chinesen lernen müssen, daß man nicht auf Dauer immer nur exportieren und Kredite ans Ausland vergeben kann. Irgendwann sind die ausländischen Konsumenten so verschuldet, daß einem schlagartig die Exporte wegbrechen. Genau das erleben wir ja gerade in Deutschland, Japan und einigen anderen Ländern. Letztlich kann die Globalisierung nur funktionieren, wenn sie auf einem System des ausgeglichenen, fairen Handels beruht. Da stimme ich mit Ihnen durchaus überein. Dennoch sollten wir uns zunächst mal an die eigene Nase fassen, bevor wir von anderen Besserung verlangen.
Hallo Gast,
Sie haben hinsichtlich der Eurostat-Statistik recht. Da ist mir ein Auswertungsfehler unterlaufen. Werde das korrigieren.
Beste Gruesse
Joachim Jahnke
Ich möchte der Argumentation von globalnote aus einer etwas anderen Perspektive einerseits recht geben andererseits etwas widersprechen. Generell ist zu sagen, daß Exportzahlen reine Umsatzzahlen sind, also nichts über den inländischen Wertschöpfungsanteil der Exporte bzw. über das im Inland anfallende Einkommen aus Exporttätigkeit aussagen.
Nach der letzten Analyse des StaBu hat sich im Zeitraum 1991 bis 2002 das Verhältnis zwischen in den Exporten enthaltener inländischer Bruttowertschöpfung und importierten Vorleistungen stark zu Gunsten des Auslandes verschoben. 1991 lag der Importanteil der deutschen Exporte noch bei 26,7 %, stieg insbesondere zwischen 1995 (29,7 %) und 2000 (38,1 %) stark an und erreichte 38,8 % im Jahr 2002. Diese Entwicklung wurde bisher durch den überproportionalen Anstieg der Exporte überkompensiert, so daß der Anteil der ausfuhrbedingten Bruttowertschöpfung am BIP gestiegen ist. Diese Entwicklung mag vielen bedenklich erscheinen (Basarhypothese), allerdings hat sich der Anteil importierter Vorleistungen im Vergleich zu anderen entwickelten Industrieländern in der Deutschland noch am günstigsten entwickelt.
Für die osteuropäischen Reformländer wie auch viele Schwellenländer ist die importierte Vorleistung am Export noch viel höher und erreicht in manchen Entwicklungsländern 90 Prozent. Wie die Situation in China aussieht, ist mir nicht bekannt, allerdings vermute ich, daß gerade beim Export von High-Tech-Gütern der Anteil importierter Vorleistung relativ hoch ist, wenngleich wahrscheinlich sinkend. Dennoch würde ich selbst, wenn man nur bei der hier betrachteten Warenklassifikation bleibt, davon ausgehen, daß der Erfolg Chinas überzeichnet ist. Hinzukommt, daß die Aussagekraft des Exports von sog. High-Tech-Gütern beschränkt ist, denn viel wichtiger ist, mit wieviel High-Tech-Einsatz Exportgüter hergestellt werden, und beim Einsatz von High Tech gehört DE zu wettbewerbsfähigsten Volkswirtschaften.
Die Pro- Kopf-Umrechnung der Exporte halte ich allerdings für problematisch, wie schneiden dann Schweden oder die Schweiz ab? Zudem sollte man bei einem Land wie China, das von einem enormen Entwicklungsgefälle geprägt ist, schon die Regionen nehmen, von denen der Großteil der Exporte ausgeht – und dieser ist dank Direktinvestitionen z.T. auf den neuesten Stand. Man denke an die neue Produktionsstätte von Airbus in der Hafenstadt Tianjin.
Im Prinzip gilt natürlich für China und auch die Bundesrepublik, wie auch z.B. für Japan oder Südkorea, daß der Rest der Welt die gewaltigen Überschüsse weniger Volkswirtschaften auf die Dauer nicht hinnehmen wird. – Für die Bundesrepublik, fürchte ich, kommt noch hinzu, daß ihre Innovationsfähigkeit im Vergleich zu anderen Industrieländern in der Zukunft sinken wird, wenn die Investitionen für Bildung sowie Forschung und Entwicklung auf einem so tiefen Niveau bleiben. Nach einer Studie des DIW nimmt DE im Bereich Bildung unter 17 weltweit führenden Industrieländern nur Platz 15 ein.
Orlando Pascheit
Hallo Herr Pascheit,
Da kann ich nur zustimmen. Leider hatte ich versaeumt, auf den Wertschoepfungsanteil abzustellen. Wenn man die Vorproduktimporte abzieht ist die Bedeutung des Exports fuer die Gesamtwirtschaft noch geringer und duerfte die Aussage des Ministers von 3/4 des Wachstumseinbruchs durch Exportrueckgang noch weniger zutreffen. Andererseits gibt es wahrscheinlich auch Inlandsumsatz, der den Export vorbereitet, so dass Inlandsumsatz und Export schwer zu trennen sind. Jedenfalls ist die negative Entwicklung des Binnenumsatzes ein grosses zusaetzliches Problem, das nicht durch den Hinweis auf die Weltwirtschaft verniedlicht werden darf.
Joachim Jahnke
@Orlando Pascheit,
im Prinzip sind Ihre Einwände durchaus richtig.
So ist der Import/Re-Exportanteil an den deutschen Exporten in den vergangenen Jahren gestiegen, eine Reihe kleinerer Nationen wie die Schweiz, Schweden, Finnland, Niederlande, Irland oder Singapur weisen auf Pro-Kopf-Basis deutlich höhere Hightech-Exporte aus als Deutschland und Entwicklungsländer wie China holen bei Hochtechnologien auf.
Nur ändert das nichts an der Tatsache, daß Deutschland zusammen mit Großbritannien unter den großen Industrienationen mit Abstand die stärkste relative Position bei Hightech-Exporten hat. Und wie oben angedeutet dürfte die wirkliche Stärke deutscher Firmen im Hightech-Bereich durch die schematische Klassifizierung nach Warenkategorien, wie sie WTO oder EU betreiben, eher unterzeichnet als überzeichnet werden.
Zudem muß man bei einigen kleineren Ländern ( z. B. Irland ) berücksichtigen, daß der Großteil der Hightech-Produktion von ausländischen Herstellern erbracht wird und die eigenständige Entwicklungsarbeit im Hightech-Bereich eher überschaubar sein dürfte. Ähnliches gilt in abgewandelter Weise auch für China.
Viele Hightech-Produkte, die aus China kommen, stammen von deutschen, amerikanischen oder japanischen Herstellern. Um die Stärke deutscher ( amerikanischer, japanischer …) Firmen ( allerdings nicht unbedingt Deutschlands ) bei Hightech angemessen zu bewerten, müßte man eigentlich Produktions- und Entwicklungsstätten in Osteuropa, China und anderen Schwellenländern mit einbeziehen.
Außerdem hängen die Hightech-Exporte einiger kleiner Länder wie etwa Finnland ( Nokia ) oft von einzelnen Herstellern ab. Die deutsche Produktion dürfte hier wesentlich diversifizierter sein. Darüberhinaus werden die Hightech-Exporte etwa in Singapur oder den Niederlanden durch einen sehr hohen Re-Export-Anteil ( über 50% ) aufgebläht.
Und nicht zuletzt besteht ein erheblicher Teil der amerikanischen oder britischen “Hightech”-Exporte aus Militärgütern. Das ist ein Modell, dem man nicht unbedingt nacheifern sollte ( leider tun wir es trotzdem ).
Besonders deutlich wird die Hysterie und Einfältigkeit, mit der hierzulande über die deutsche Wettbewerbsfähigkeit debattiert wird, bei der Diskussion um die sogenannte “Basarökonomie” oder den Importanteil an den deutschen Exporten. Dabei bleibt nämlich völlig unberücksichtigt, daß der deutsche Export verglichen mit anderen großen Industrienationen geradezu lächerlich aufgebläht ist.
So lag etwa 2008 das Volumen der deutsche Warenexporte bei rund 40% des deutschen Bruttoinlandsprodukts, das Volumen der Gesamtexporte inklusive Dienstleistungen bei über 47%. In den USA oder Japan sind es circa 10-15%, in Großbritannien oder Frankreich 20-25%. Selbst nach Abzug des Importanteils ist die deutsche Position im internationalen Handel für eine große Industrienation immer noch extrem stark ( und die deutsche Wirtschaftstruktur dementsprechend einseitig ).
Nur China kommt unter den großen Nationen auf einen ähnlich hohen Anteil. Hier wird der Export in Relation zum BIP in den kommenden Jahrzehnten aber wohl deutlich an Gewicht verlieren.
Auch im historischen Vergleich weist die deutsche Wirtschaft mittlerweile eine äußerst einseitige Struktur auf. Noch 2000 lag das Gesamtvolumen der deutschen Exporte bei “nur” 33% des BIP. Über viele Jahrzehnte hat Deutschland mit einem Exportvolumen von 20-30% des BIP und moderaten Aussenhandels-/Leistungsbilanzüberschüsssen gut gelebt.
Erst mit Sozialdumping und erzwungener Lohnzurückhaltung stiegen die deutschen Exporte und Exportüberschüsse auf absurde Höhen. Was unter dem Slogan “Reform” verkauft wurde, war im Grunde nichts anderes als ein gigantisches Subventionsprogramm für die deutsche Exportwirtschaft.
Mit außerst gefährlichen Folgen nicht nur für die allgemeine Einkommensentwicklung und die sozialen Bedingungen im Lande, sondern, wie sich gerade zeigt, auch für die deutsche Wirtschaft insgesamt. Tatsächlich hängen nur rund 20% der deutschen Arbeitsplätze am Export. Selbst nach Jahren einseitiger Exportausrichtung ist der deutsche Binnenmarkt für die Arbeitsplätze und die Einkommen der breiten Bevölkerung weitaus bedeutender.
Umso wichtiger, daß die wenigen kritischen deutschen Experten wie Joachim Jahnke immer wieder auf die ungeheure Schieflage der deutschen Wirtschaft ( vielleicht vergeblich ) hinweisen.