Dieser Beitrag wurde geschrieben von am Sonntag, 26. April 2009 um 10:31 am und eingeordnet unter Uncategorized. Du kannst den Antworten zu diesem Eintrag mit Hilfe des RSS-2.0-Feeds folgen.
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Eigentlich sollte man auch mal den eigenen Blickwinkel verschieben und fragen, wer denn wohl ein Interesse am Abbau der weltwirtschaftlichen Ungleichgewichte haben könnte.
Import/Exportunternehmen und Banken müssen den Zustand des Ungleichgewichtes doch geradezu lieben. Durch ihn entsteht der Waren.- und Kapitalfluss und damit der Profit.
Die Beseitigung der Handelsschranken führte schnell zu einem industriellen Boom in den östlichen Ländern und gleichzeitig zu einem schleichenden Niedergang in den westlichen Wirtschaftsräumen.
Die gewaltigen chinesischen Überschüsse wurden aber nur zu einem relativ geringen Teil in die Verbesserung von Sozial.- und Umweltstandards gepumpt. Stattdessen wurden riesige Währungsreserven angehäuft. Wieso?
Die von der westlichen Industrie erzielten Überschüsse wurden nur zu einem geringen Teil über Löhne und Abgaben in die lokalen Märkte geleitet.
Stattdessen wurde damit eine Spekulationsblase aufgepumpt. Wieso?
Jetzt in der Krise brechen die Waren.- und Kapitalflüsse ein. Somit konnten Spekulationsziele nicht erreicht werden. Die Verluste werden aber in großem Umfang sozialisiert. Wieso?
Die Spekulanten können munter weiter und mit immer höheren Einsätzen spekulieren, weil die Politik sich weigert, höhere Steuern auf Spekulationsgewinne zu erheben. Wieso?
Ich fürchte, dass die Spekulation das Wesen der neoliberalen Wirtschaftspolitik ist, nicht nur eine unangenehme Begleiterscheinung.
Das Geld für die Spekulation wird durch allerlei politische Tricks aus der Bevölkerung heraus gepresst und dann in einer gewaltigen Anzahl Transaktionen rund um den Erdball gebeamt.
Ein Bombengeschäft für die Banken. Sie gewinnen dadurch noch mehr an Einfluss während die traditionellen Produktionsunternehmen mit ihren Beschäftigten mehr und mehr zu Statisten werden.
Der Bankenrettungsschirm dient in erster Linie der Rettung des Spekulationskapitals. Das neoliberale Spekulationsparadies bleibt also erhalten. Das Ungleichgewicht ist eine conditio sine qua non für Spekulation.
Wer hat eigentlich noch ein Interess am Abbau der weltwirtschaftlichen Ungleichgewichte?
@jahnke
So habe ich es auch verstanden, wollte aber den Blickwinkel etwas verschieben. Mir ging es um die Frage, WIESO diese handelspolitischen Ungleichgewichte erhalten bleiben.
Hätte denn eine Stärkung der allgemeinen Kaufkraft z.B. in Deutschland nicht auch zu mehr Import und dadurch zu einem Ausgleich der Handelsbilanz geführt?
Hierzu hätte man die Überschüsse der Konzerne aber in eine real positive Lohnentwicklung stecken müssen. Ersatzweise hätte man es auch durch Steuer.- und Sozialpolitik umverteilen können.
Das ist offensichtlich nicht geschehen. Die Überschüsse wurden von den Kapitaleignern abgegriffen und in die aussichtsreichere Spekulation gesteckt.
Das wurde von der Politik auch noch prima flankiert.
Es besteht möglicherweise ein strategisches Interesse an Ungleichgewichten aller Art, solange diese der Spekulation dienen.
Ja, so ist es. Allerdings geht es mit den Ungleichgewichten so einfach nicht weiter, weil die Verschuldungs- und Kreditbereitschaft Baden gegangen ist und nicht wiederkommen wird. Die Blase ist nun mal geplatzt, mit den Folgen, die wir jetzt alle erleben. Subprime etc. wird niemand mehr kaufen wollen.
@jahnke
Stimmt. Subprime wird niemand kaufen wollen.
Aber, schauen Sie, wir beide werden ja in Wirklichkeit gar nicht gefragt. Die Bad-Bank-Konstruktionen machen Sie und mich mittelbar zu “stolzen Besitzern” der Flop-Papiere.
Nebenbei bemerkt: Mit dem dekorativen Triple-A-Rating konnte man ja längere Zeit verschleiern, dass es sich um Subprime handelte.
Seufz. Mit sachlichen Beiträgen zum Thema China ist wohl kaum zu rechnen. Wenn mal einmal den chinesischen Blickwinkel einnimmt, so handelt China nicht mit “der EU”, sondern mit Ländern. Unter den 10 Top-Handelspartnern Chinas gibt es nur ein EU-Land, nämlich Deutschland, an 6. Stelle hinter USA, Japan, Hongkong, Südkorea und Taiwan. Unter den Top-Exportzielen Chinas rangieren immerhin drei EU-Länder unter den ersten 10, nämlich Deutschland, die Niederlande und UK an 5., 6. und 7. Stelle, zusammen mit weniger Volumen als die Nummer 2, Hongkong. Unter Chinas Hauptimporteuren rangiert nur ein EU-Land, Deutschland, auf Platz 5 der top ten. Aber Japan exportiert mehr nach China als die 3 Top-Importeure aus der EU an Exporten aus China empfangen.
Für China ist die EU vom Volumen her etwas bedeutender als Afrika oder Lateinamerika, aber nicht so viel, zumal das Handelsvolumen mit Asien, Afrika und Lateinamerika in den letzten Jahren überproportional wächst. Die Weltwirtschaft wandelt sich, und die Bedeutung der alten Industrieländer nimmt ab.
Mit sachlichen Kommentaren von Ihnen wohl leider auch nicht. Sie halten offensichtlich alles für unsachlich, was nicht Ihrer Meinung entspricht.
Es ist doch gar nicht zu bestreiten, daß China auch jetzt in der Krise seine Überschüsse hochfährt. Die EU habe ich als symptomatisch erwähnt, jedoch nicht als ausschließlich. Um Deutschland ist es mir in diesem Beitrag gar nicht gegangen. Doch wenn das Ungleichgewicht mit der EU nach letzten EU-Zahlen so stark zunimmt, dann wahrscheinlich auch mit Deutschland als stärkstem Absatzmarkt Chinas in der EU (wir werden das sehen, wenn das Statistische Bundesamt endlich Einzelzahlen nach Ländern für dieses Jahr veröffentlicht). Weil sie Japan erwähnen: dessen Export nach China leidet derzeit erheblich.
Die beiden Hauptabsatzmärkte für China sind in dieser Reihenfolge nun einmal dieEU und China; der Rest kommt dann mit Abstand und vieles davon, z.B. Taiwan und andere asiatische Länder, sind Zwischenstufen für den Export in die EU oder nach den USA.
Eigentlich sollte man auch mal den eigenen Blickwinkel verschieben und fragen, wer denn wohl ein Interesse am Abbau der weltwirtschaftlichen Ungleichgewichte haben könnte.
Import/Exportunternehmen und Banken müssen den Zustand des Ungleichgewichtes doch geradezu lieben. Durch ihn entsteht der Waren.- und Kapitalfluss und damit der Profit.
Die Beseitigung der Handelsschranken führte schnell zu einem industriellen Boom in den östlichen Ländern und gleichzeitig zu einem schleichenden Niedergang in den westlichen Wirtschaftsräumen.
Die gewaltigen chinesischen Überschüsse wurden aber nur zu einem relativ geringen Teil in die Verbesserung von Sozial.- und Umweltstandards gepumpt. Stattdessen wurden riesige Währungsreserven angehäuft. Wieso?
Die von der westlichen Industrie erzielten Überschüsse wurden nur zu einem geringen Teil über Löhne und Abgaben in die lokalen Märkte geleitet.
Stattdessen wurde damit eine Spekulationsblase aufgepumpt. Wieso?
Jetzt in der Krise brechen die Waren.- und Kapitalflüsse ein. Somit konnten Spekulationsziele nicht erreicht werden. Die Verluste werden aber in großem Umfang sozialisiert. Wieso?
Die Spekulanten können munter weiter und mit immer höheren Einsätzen spekulieren, weil die Politik sich weigert, höhere Steuern auf Spekulationsgewinne zu erheben. Wieso?
Ich fürchte, dass die Spekulation das Wesen der neoliberalen Wirtschaftspolitik ist, nicht nur eine unangenehme Begleiterscheinung.
Das Geld für die Spekulation wird durch allerlei politische Tricks aus der Bevölkerung heraus gepresst und dann in einer gewaltigen Anzahl Transaktionen rund um den Erdball gebeamt.
Ein Bombengeschäft für die Banken. Sie gewinnen dadurch noch mehr an Einfluss während die traditionellen Produktionsunternehmen mit ihren Beschäftigten mehr und mehr zu Statisten werden.
Der Bankenrettungsschirm dient in erster Linie der Rettung des Spekulationskapitals. Das neoliberale Spekulationsparadies bleibt also erhalten. Das Ungleichgewicht ist eine conditio sine qua non für Spekulation.
Wer hat eigentlich noch ein Interess am Abbau der weltwirtschaftlichen Ungleichgewichte?
@salto mortale
Das sehe ich genauso. Allerdings wollte ich hier die handelspolitischen Ungleichgewichte ins Visier nehmen.
@jahnke
So habe ich es auch verstanden, wollte aber den Blickwinkel etwas verschieben. Mir ging es um die Frage, WIESO diese handelspolitischen Ungleichgewichte erhalten bleiben.
Hätte denn eine Stärkung der allgemeinen Kaufkraft z.B. in Deutschland nicht auch zu mehr Import und dadurch zu einem Ausgleich der Handelsbilanz geführt?
Hierzu hätte man die Überschüsse der Konzerne aber in eine real positive Lohnentwicklung stecken müssen. Ersatzweise hätte man es auch durch Steuer.- und Sozialpolitik umverteilen können.
Das ist offensichtlich nicht geschehen. Die Überschüsse wurden von den Kapitaleignern abgegriffen und in die aussichtsreichere Spekulation gesteckt.
Das wurde von der Politik auch noch prima flankiert.
Es besteht möglicherweise ein strategisches Interesse an Ungleichgewichten aller Art, solange diese der Spekulation dienen.
@salto mortale
Ja, so ist es. Allerdings geht es mit den Ungleichgewichten so einfach nicht weiter, weil die Verschuldungs- und Kreditbereitschaft Baden gegangen ist und nicht wiederkommen wird. Die Blase ist nun mal geplatzt, mit den Folgen, die wir jetzt alle erleben. Subprime etc. wird niemand mehr kaufen wollen.
@jahnke
Stimmt. Subprime wird niemand kaufen wollen.
Aber, schauen Sie, wir beide werden ja in Wirklichkeit gar nicht gefragt. Die Bad-Bank-Konstruktionen machen Sie und mich mittelbar zu “stolzen Besitzern” der Flop-Papiere.
Nebenbei bemerkt: Mit dem dekorativen Triple-A-Rating konnte man ja längere Zeit verschleiern, dass es sich um Subprime handelte.
Seufz. Mit sachlichen Beiträgen zum Thema China ist wohl kaum zu rechnen. Wenn mal einmal den chinesischen Blickwinkel einnimmt, so handelt China nicht mit “der EU”, sondern mit Ländern. Unter den 10 Top-Handelspartnern Chinas gibt es nur ein EU-Land, nämlich Deutschland, an 6. Stelle hinter USA, Japan, Hongkong, Südkorea und Taiwan. Unter den Top-Exportzielen Chinas rangieren immerhin drei EU-Länder unter den ersten 10, nämlich Deutschland, die Niederlande und UK an 5., 6. und 7. Stelle, zusammen mit weniger Volumen als die Nummer 2, Hongkong. Unter Chinas Hauptimporteuren rangiert nur ein EU-Land, Deutschland, auf Platz 5 der top ten. Aber Japan exportiert mehr nach China als die 3 Top-Importeure aus der EU an Exporten aus China empfangen.
Für China ist die EU vom Volumen her etwas bedeutender als Afrika oder Lateinamerika, aber nicht so viel, zumal das Handelsvolumen mit Asien, Afrika und Lateinamerika in den letzten Jahren überproportional wächst. Die Weltwirtschaft wandelt sich, und die Bedeutung der alten Industrieländer nimmt ab.
Mit sachlichen Kommentaren von Ihnen wohl leider auch nicht. Sie halten offensichtlich alles für unsachlich, was nicht Ihrer Meinung entspricht.
Es ist doch gar nicht zu bestreiten, daß China auch jetzt in der Krise seine Überschüsse hochfährt. Die EU habe ich als symptomatisch erwähnt, jedoch nicht als ausschließlich. Um Deutschland ist es mir in diesem Beitrag gar nicht gegangen. Doch wenn das Ungleichgewicht mit der EU nach letzten EU-Zahlen so stark zunimmt, dann wahrscheinlich auch mit Deutschland als stärkstem Absatzmarkt Chinas in der EU (wir werden das sehen, wenn das Statistische Bundesamt endlich Einzelzahlen nach Ländern für dieses Jahr veröffentlicht). Weil sie Japan erwähnen: dessen Export nach China leidet derzeit erheblich.
Die beiden Hauptabsatzmärkte für China sind in dieser Reihenfolge nun einmal dieEU und China; der Rest kommt dann mit Abstand und vieles davon, z.B. Taiwan und andere asiatische Länder, sind Zwischenstufen für den Export in die EU oder nach den USA.
hallo,
ich bin kein Volkswissenschaftler, interessiere mich aber für die Thematik. Deshalb hätte ich zwei Fragen zum Verständnis.
Was ist ein Leistungsbilanzüberschuss bzw. wie entsteht ein solcher?
Was ist ein Handelsbilanzüberschuss?
könnte dies jemand auf einfache Weise erklären.
vielen Dank für die Hilfe.